Sonntagsgedanken 27-03-2022 – Beten und Handeln

Kindisch seien wir, hat Sigmund Freud uns Christen vorgeworfen. Anstatt die Probleme des Lebens anzugehen, würden wir uns wie kleine Kinder zur tröstenden Mama flüchten. Glauben war für ihn nur eine religiöse Zwangsneurose.

Wenn er das so gesehen hat, nun gut. Vor hundert Jahren hat man Leute mit religiösem Trost vielleicht wirklich still halten wollen. Heute denke ich allerdings, dass es immer wieder Situationen im Leben gibt, in denen wir mit unserem Latein nicht weiter wissen und mit den Nerven am Ende sind.

Und bevor ich dann nur in einen Abgrund schaue, vertraue ich mich lieber im Gebet dem „Gott allen Trostes“ an, von dem am nächsten Sonntag die Rede ist.

Beten führt nämlich nicht dazu, dass man still ist und wegschaut.

Sondern beten macht einem bewusst, dass man stark genug ist, das richtig zu tun.

Den Flüchtlingen aus der Ukraine helfen.
Für Frieden und Freiheit in Europa einzstehen.
Für die beten, die um ihr Leben und ihre Freiheit kämpfen müssen.
Und sie bei diesem Kampf unterstützen.
Sich die Gewissheit nicht nehmen lassen, dass alle Menschen das Recht haben, in Freiheit zu leben.

Hoffnung auf Leben. Das zeigt sich im Beten und in der Nächstenliebe, in der tatkräftigen Hilfe und in der Gewissheit, dass es richtig ist, gut zu sein und dem Bösen zu wehren.

Und dass es falsch wäre, andere im Stich zu lassen.

Beten wir für Frieden und Freiheit und um Hoffnung.

Seien Sie behütet!

Predigttext am Sonntag, 27. März 2022, ist 2. Korintherbrief 1, 3-7.

Über mtreiber

Matthias Treiber ist Pfarrer und Journalist. Matthias Treiber is a minister in the Lutheran Church of Wuerttemberg and journalist.
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