Andere für uns opfern? – Sonntagsgedanken zum 17. März 2024

Die Geschichte ist schrecklich: Um selbst nicht in einem Sturm umzukommen, gelobt der König ein Opfer, seinen Sohn – eine alte griechische Sage, am letzten Samstag fantastisch dargeboten als Oper, die live ins Kino übertragen wurde: Idoemeno von Wolfgang Amadeus Mozart.

Auch wenn Sie sich nicht für Opern oder die alten Griechen interessieren, können Sie das gewiss nachempfinden: Wie es wäre, sein Kind für das eigene Heil opfern zu müssen. Barbarisch und verachtenswert wäre es, sich selbst mehr zu lieben als sein Kind. Gute Eltern würden wohl alles tun, um es zu retten und zur Not lieber das eigene Leben hergeben. Auf diesen Gedanken ist König Idomeneo leider nicht gekommen, so wenig wie in der Bibel der Stammvater Abraham, der seinen Sohn Isaak opfern soll. Oder ist am Ende gar kein Opfer verlangt? Gott fährt jedenfalls in der biblischen Erzählung dazwischen und macht dem religiösen Wahn ein Ende.

Allen anderen Göttern sollten wir deshalb mutig das Opfer verweigern: Nichts ist es wert, dass wir ihm unsere Liebsten opfern, nicht der Erfolg, nicht das Geld, nicht das Ansehen, oder was heute unsere Götter sind, die wir verehren. Niemand anderes soll den Preis für unser Leben zahlen müssen, auch nicht im übertragenen Sinn. Wer sein Kind liebt, nimmt es in den Arm – und wer sich selbst liebt, sollte das auch tun.

Predigttext am Sonntag, 17. März 2024, ist 1.Mose 22, 1-13

Avatar von Unbekannt

About mtreiber

Matthias Treiber ist Pfarrer und Journalist. Matthias Treiber is a minister in the Lutheran Church of Wuerttemberg and journalist.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse einen Kommentar