Sommerpause

Bis 22. August verabschiede ich mich in eine Sommerpause.

Bleiben Sie behütet.

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Sonntagsgedanken 11-07-2021 – Zweifeln

„Einige aber zweifelten“ steht da mitten in dem Bibeltext, der erzählt, dass Jesus seinen Jüngern den Auftrag gibt, neue Anhänger zu suchen und sie zu taufen. Die haben uns grade noch gefehlt, mögen da manche der nicht-zweifelnden Jünger gedacht haben. Wenn man eine Idee oder einen Glauben vertritt, muss man doch zu hundert Prozent dahinter stehen, darf nicht daran zweifeln, dass das die Wahrheit ist.
Vor einem Glauben ohne Zweifel würde ich mich allerdings fernhalten. Zumindest Selbstzweifel sollte ein Glaubender haben: Er sollte sich nicht so sicher sein, dass sein Glaubensverständnis das richtige ist und alle anderen falsch liegen.
Deswegen tut es jeder Gruppe gut, wenn in ihr auch ein paar Zweifler sind, die die Wahrheitsfrage immer wieder neu stellen. Sie führen nicht zu einer Aufweichung des Glaubens, im Gegenteil. Glaube wird tiefer und fester, wenn er keine Angst davor hat, dass andere ihn bezweifeln.

Mit diesen Gedanken zum Sonntag verabschiede ich mich in die Sommerpause und wünsche Ihnen schöne, erholsame Tage, Gesundheit und Gottes Guten Segen!

Predigttext am Sonntag, 11. Juli 2021, ist Matthäus 28, 16-20

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Sonntagsgedanken 04-07-2021 – Besserwisser

Haben Sie schon einmal an einer Studienreise oder einer Stadtführung teilgenommen? Dann kennen Sie den Albtraum aller Fremdenführer, den Oberstudienrat, der mit dem Baedeker in der Hand hier und dort etwas berichtigt, oder die Volkshochschuldozentin, die nahezu alles besser weiß.
Das alles seien aber nur Klischees, die nicht mehr stimmen, hat mir eine Reiseleiterin kürzlich versichert. Gut so! Besserwisser können einem nämlich gewaltig auf den Geist gehen. In der Politik gibt es die leider noch massig. Leute, die die Meinung anderer nicht anhören können, sondern immer denken, der andere habe einfach noch nicht richtig verstanden und man müsse es ihm oft genug erklären.
Am schlimmsten ist dabei nicht die Unbildung, sondern die Halbbildung, die leider auch unter Journalisten und Lehrern immer mehr um sich greift. Die Klugheit der Welt, von der der Bibeltext am Sonntag spricht, ist meistens nicht klug, sondern häufig nur eingebildet – so wie der hohe Eisengehalt im Spinat, womit vermeintliche Wissenschaft jahrzehntelang Kinder gequält hat. Wirkliche Klugheit findet sich sowieso nur in unserem Herzen, wo der Glaube die Seele küsst und der Geist der Verstand beflügelt.

Predigttext am Sonntag, 4. Juli 2021, ist 1.Korintehrbrief 1, 18-25

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Sonntagsgedanken 27-06-2021 – Sei doch gnädig!

Der alte Mann saß in seinem Lehnstuhl am 85. Geburtstag. In der Familie hatte es vor Jahren Ärger gegeben – um Geld natürlich, wobei er, so weit ich es als junger Vikar mitbekam, eher das Opfer war. Er aber saß sanft lächelnd da und erklärte mir, als ich nach dem alten Streit fragte: „Wissen Sie, man wird nicht alt um recht zu haben, sondern um gnädig zu sein.“
Es ist ein Teil der Lebenskunst, gnädig zu sein. Gerade da, wo einem übel mitgespielt wurde; wo andere über einen hinweg gehen; wo andere nur an sich denken: Der Bruder, der sich das Haus als Erbe gesichert hat, die Schwester, die einem den Jugendschwarm weggeschnappt hat – man kennt solche Geschichten.
Warum schaffen es manche, Schläge wegzustecken und andere nicht? Warum können manche die, die ihnen übel mitgespielt haben, in Ruhe übersehen, während andere in Bitternis versinken? Es liegt letztlich, denke ich, am Vertrauen, das man in sich und in das Leben hat, am Wissen, dass man von Gott geliebt und geschaffen ist, am Gefühl, dass man sich die Liebe als Grundüberzeugung für das eigene Leben nicht nehmen lassen will. Es liegt am Glauben.
Predigttext am Sonntag ist der Schluss der tollen biblischen Geschichte von Josef und seinen Brüdern.

Predigttext am Sonntag, 27. Juni 2021, ist 1. Mose 50, 15-21

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Sonntagsgedanken 20-06-2021 – Verloren und geliebt

Gnädig zu sein, fällt meist nicht schwer. Wenn es nur darum geht, nach einem kleinen Fehler des anderen zu sagen „Macht nichts“, ist das kein Problem, im Gegenteil, es gibt einem oft sogar ein gutes Gefühl, andere zu entschuldigen.
Schwieriger wird es, wenn A B etwas getan hat, und B A vergibt – und ich C bin, der sich redlich abmüht, keine Fehler zu machen. Klingt kompliziert? Dann konkret, wie es Jesus in seinen Gleichnissen erzählt hat.
Ein Schaf geht verloren, spaziert einfach davon – und der Hirte lässt die restliche Herde stehen, um das eine zu suchen.
Ein schwarzes Schaf bekommt die ganze Aufmerksamkeit – und die braven Schafe sind auf sich selbst gestellt.
Das ist doch ungerecht!
Aber ist es wirklich ungerecht, wenn dem einen mehr geholfen wird als dem anderen? Ist es wirklich gerecht, wenn alle über den gleichen Kamm geschert werden? Freuen wir uns doch, wenn einer in seinem Leben Mist gemacht und und ihm nun wieder geholfen wird, sein Leben in Griff zu bekommen.
Freuen wir uns doch, wenn einem anderen etwas geschenkt wird im Leben, wenn er gesund wird und ihm geholfen wird.
Unsere Lage wird weder besser noch schlechter dadurch, dass wir darauf starren, wie anderen mehr geholfen wird als uns.
Oder wie es in einem (fälschlicherweise John F. Kennedy zugeschrieben) Zitat heißt: „Das Leben ist ungerecht. Aber vergiss nicht: Nicht immer zu deinen Ungunsten.“
Seien wir also gnädig – vor allem denen gegenüber, die Gnade brauchen.

Predigttext am Sonntag, 20. Juni 2021, ist Lukas 15, 1-10

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Sonntagsgedanken 13-06-2021 – „Bemüht euch um Liebe“

„Ohne die Liebe wäre das Leben ein Irrtum.“ – Den Satz darf nicht missverstanden werden, als ginge es dabei nur um die Liebe zu einem Mann oder zu einer Frau. Da kann es manchmal Irrtümer geben. Nein, es geht darum, dass das Leben gut und erfüllt ist, wenn man liebt – das Leben liebt,  sich selbst und die anderen.

„Wir lieben den Tod“ brüllen uns Idioten und Selbstmordattentäter entgegen. Diese Killer sind wohl das beste Beispiel dafür, dass der Satz von der Liebe stimmt. Ohne Liebe, erfüllt von Hass, Gewalt und Dummheit ist das Leben ein Irrtum, einfach: falsch geführt.

Ich denke, das lässt sich auch spüren: Wer liebt, lebt richtig. Das bedeutet nicht, dass Liebe leicht ist. Manchmal bleibt sie ohne Antwort oder man wird ausgenutzt. Aber wer anderen in Freundlichkeit begegnet – dem Bettler auf der Straße (gleichgültig, ob man ihm etwas gibt oder nicht) ebenso wie der ruppigen Dränglerin im Stadtbus, wer solchen Menschen gegenüber dennoch freundlich bleibt, der wird sich hinterher sicher besser fühlen, als wenn er der Liebe ade gesagt hätte und sein Unverständnis oder seinen Ärger einfach so rausgelassen hätte.

Alle Menschen zu lieben, geht nicht, meinen Sie? Gewiss gibt es Grenzen. Aber zunächst geht es vielleicht ganz einfach darum, nicht auf Kosten anderer zu leben, anderen gegenüber offen und für sich selbst verantwortlich zu sein und auch mal darauf achten, wie es dem anderen geht.

„Bemüht euch darum, dass euch die Liebe geschenkt wird“ heißt es am Sonntag in der Kirche. Ganz genau!

Predigttext am Sonntag, 13. Juni 2021, ist 1.Korintherbrief 14, 1-12

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Sonntagsgedanken 06-06-2021 – Hilfe, mal anders

Zum Bibeltext vom Sonntag eine kleine Geschichte:

Einst wohnte ein sehr frommer Mann am Ufer eines Flusses. Als ein Hochwasser kam, sendete die Stadt einen Jeep, der ihn und andere aus dem gefährdeten Gebiet abholen sollte. Doch der Fromme sprach: „Ich brauche keine Rettung. Gott wird mich erretten“ und blieb. Einige Stunden später war das Wasser bis in den ersten Stock gestiegen. Da kam ein Schlauchboot ans Fenster gefahren. Die Rettungskräfte forderten ihn erneut auf, einzusteigen und sich retten zu lassen. „Nicht nötig“, rief ihnen der Fromme zu, „Gott wird mich erretten. Ich bleibe.“ Das Schlauchboot fuhr davon. Eine weitere Stunde später musste der Fromme schon aufs Dach steigen. Ein Hubschrauber kam geflogen, ein Retter ließ ein Seil herab. Doch der Fromme ließ es unberührt neben sich baumeln und schrie gegen den Lärm an: „Geht. Gott wird mich erretten.“ So kam es, dass die Fluten den Frommen mitrissen und er in den reißenden Wassern zu Tode kam. Im Himmel beklagte er sich bei Gott: „Herr, ich habe so viel zu dir gebetet und an dich geglaubt. Warum hast du mich nicht errettet?“ Da blickt Gott ihn irritiert an: „Ich hab dir doch einen Jeep, ein Schlauchboot und dann sogar noch einen Hubschrauber geschickt.“

Gott hilft uns im Leben. Oft nicht so, wie wir es erwarten. Und meist schon gar nicht so, wie wir es wünschen. Aber am Ende werden wir wie Jona in der Bibel vom großen Fisch an Land gebracht – und sind gerettet.

Predigttext am Sonntag, 6. Juni 2021, ist Jona 1+2

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Sonntagsgedanken 30-05-2021 – Nur, wer sich verändert, bleibt sich treu

Ein durchaus kluger Mann hat mir vor Jahrzehnten einmal gesagt: Ab Fünfzig ändern sich Leute nicht mehr. Das klang damals plausibel, aber nun, da ich selbst diese Grenze schon lange überschritten habe, bin ich mir da nicht so sicher. Gewiss, manche Charakterzüge wie Ängstlichkeit oder Mut, Kommunikationsfreude oder Zurückhaltung, Aktivismus oder Gelassenheit, die scheinen fest zu sein. Sie sind schließlich das, was unsere Persönlichkeit ausmacht.

Dennoch: Man kann sich immer ändern. Wer selbstkritisch Fehler an sich entdeckt, muss sich eben an die Arbeit machen: Mal mutig sein, auch wenn wir uns am liebsten verkriechen würden. Mal sich zwingen, den Mund zu halten, auch wenn man mit seinen guten Ratschlägen am liebsten herausplatzen möchte. Mal neu denken und nicht nur das, was man seit 30 Jahren schon immer gemeint hat. Neugierig und offen zu sein, hat noch keinem geschadet. 

Und nur wer bereit ist, sich zu verändern, bleibt sich treu. So wie Nikodemus, von dem am Sonntag in der Predigt die Rede sein wird.

Predigttext am Sonntag, 30. Mai 2021, ist Johannes 3, 1-3

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Hilfe, wir verstehen uns nicht – Pfingsten 2021

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Pfingstfest!

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Sonntagsgedanken 09-25 2021 – Ohne Ansehen der Person

 Liebe Gemeinde,

Gott hilft ohne Ansehen der Person, heißt es. Aber Leute wie Zachäus können da eigentlich nicht gemeint sein. Denn wenn Gericht über ihn gehalten wird, ist das Urteil klar: Ein Betrüger und Verräter ist er, korrupt und nur auf den eigenen Vorteil bedacht. 

Zachäus hatte von den Römer eine Zollstation gepachtet. Zöllner waren damals keine pflichtbewussten Beamten wie heute, sondern Büttel der Besatzungsmacht. Landesverräter eigentlich und nicht sonderlich beliebt, vor allem, weil sie davon lebten, dass sie den Leuten mehr Wegezoll abknöpften, als vorgegeben. Zachäus hatte es so zu einigem Reichtum gebracht. Also arm war er auch nicht.

Oder doch? Ein armer Kerl war er, wie man so sagt. Denn es gibt natürlich wie immer auch eine andere Seite. Zachäus hatte zwei Probleme, die man nicht übersehen sollte. Zum einen mochte ihn niemand. Selber schuld, sagen wir, aber es ist wie mit der Henne und dem Ei: Mochten die Leute Zachäus nicht, weil er Zöllner war? Oder war er Zöllner für die Römer geworden, weil die anderen ihn sowieso nicht mochten – und zum Beispiel wegen seines kleinen Wuchses gemobbt haben. Das war nämlich sein zweites Problem. Er war klein. Und als eines Tages Jesus in die Stadt kam, konnte Zachäus keinen Platz an der Straße finden, wo dieser ihn sah. Und die anderen dachten nicht im Traum daran, ihn in die erste Reihe vorzulassen.

Und sehen Sie, das ist jetzt das Tolle an der Bibel. Da gibt es so völlig alltägliche Geschichten mit alltäglichen Personen. Die wurden garantiert nicht für ein heiliges Buch erfunden, sondern das ist so oder ähnlich passiert. Zachäus entspricht keinem Klischee, sondern ist ein ganz normaler Egoist. Im Dienst der Besatzungsmacht, korrupt, klein von Wuchs und reich. Also so ziemlich die letzte Figur, die man sich als Opfer ausdenken würde. Dem hilft Gott nicht, oder?

Zachäus will unbedingt Jesus sehen und da ihn niemand vortreten lässt, klettert er eben nach oben. Eine ziemlich lächerliche Vorstellung: Ein Erwachsener klettert auf einen Baum. Ein Gauner macht sich selbst zum Gespött der Leute, weil er einen heiligen Mann sehen will. Doch mit dem Verspotten macht Jesus sofort Schluss. Er wählt Zachäus aus der Menge aus und gibt ihm die Ehre seines Besuchs.

Würden Sie so etwas tun? Würden Sie ganz offen jemandem die Ehre geben, der sie in den Augen der anderen garantiert nicht verdient hat? Würden Sie einen Rechtspopulisten zu einer geselligen Veranstaltung einladen? Oder einen Obdachlosen in ihrem Hof übernachten lassen? Oder einen Kinderschänder gegen Hasstiraden in Schutz nehmen?

Ich denke, man sollte auf korrupte Verräter wie Zachäus nicht hereinfallen, aber abschreiben darf man auch solche Menschen nie. Das Gericht, von dem im Predigttext bei Jesus Sirach die Rede ist, halten nicht wir, sondern Gott am Ende der Zeiten. 

Unser Leben wird nur vom gnädigen und vergebenden Gott beurteilt, denn auch der schlimmste Verbrecher behält die Würde, die ihm sein Schöpfer verliehen hat.

Die glasklare Verkündigung des Propheten Jesus Sirach hat Jesus von Nazareth weitergedacht: Vor Gott ist jeder arm. Gott beurteilt nicht nach dem Geldbeutel, nicht nach dem leeren und nicht nach dem vollen, sondern wir sind alle Kinder Gottes und brauchen alle Hilfe, Liebe und Gnade.

Kürzlich war ich dienstlich im Krankenhaus, und es zu sehen ist etwas anderes, als es zu wissen: Völlig selbstverständlich wird dort ohne Ansehen der Person geholfen. Auf der Intensivstation liegen Menschen, die ungemein viel Hilfe brauchen und bekommen. Und da schaut keiner nach Geldbeutel oder Herkunft, oder fragt, ob der da liegt überhaupt die Hilfe verdient. Das ist gut so, und da haben wir viel von Jesus gelernt und können all denen dankbar sein, die helfen ohne viel zu fragen. Wer Hilfe braucht, soll Hilfe bekommen. 

Und zwar deshalb, weil Gott auch uns so gegenüber tritt. Er hilft dem Armen ohne Ansehen der Person, dem armen Schlucker, dem nichts seine Würde nehmen kann, und den geistlich Armen, von denen in der Bergpredigt die Rede ist. Gott hilft den laut Klagenden und den leise Weinenden. Und manchmal sogar einem Schurken wie Zachäus.

Und am Ende? Da bleibt die Liebe! Was denn sonst?

Predigttext am Sonntag, 9. Mai 2021, ist Sirach 35, 16-22a)

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