Sonntagsgedanken 29-01-2023 – Verklärte Erinnerung

In der Erinnerung verklärt sich manches, sagt man. Das Mädchen damals vor 40 Jahren auf der Fete im Partykeller – so verguckt hatte ich mich in sie, dass ich mich kaum noch erinnere, wie sie wirklich ausgesehen hat. In meinen Augen jedenfalls muss sie wunderschön gewesen sein. Da ich kein Foto von ihr habe und nicht mal mehr ihren Namen weiß, ließe sich, selbst wenn man wollte, die Vorstellung an der Wirklichkeit nicht überprüfen. Haben solche Erinnerungen also noch etwas mit der Wirklichkeit zu tun? Fürs Kino würde man die Partyszene jedenfalls mit einem starken Weichzeichner im Gegenlicht aufnehmen und kräftig aufhellen, bis man kaum noch etwas klar sieht.

Bei Spielfilmen über Jesus hat man das getan: Auf dem Berge steht Christus in hellem Licht und davor knien geblendet und verschattet Petrus, Jakobus und Johannes. Das zeigt: Die göttliche Sphäre können selbst die Muster-Jünger nicht betreten, denn überirdisch ist das Ganze, nicht von dieser Welt.

Dann und wann aber berührt uns etwas aus der himmlische Sphäre, spüren wir etwas jenseits der Klarheit unseres Blicks und der Berechnung unseres Verstandes: Wenn bei aller Unsicherheit auf dem Krankenhausflur uns eine innere Stimme versichert: Hab keine Angst! Wenn in allen Sorgen um unsere Kinder, Vertrauen sich einstellt: Lass sie machen, sie werden ihren Weg finden! Und eben auch, wenn einem unsicheren jungen Mann wie uns damals auf der Party ein Mädchen zulächelt und er plötzlich weiß, dass er jemand ist, interessant und liebenswert. 

Predigttext am Sonntag, 29. Januar 2023 ist Matthäus 17, 1-9.

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Sonntagsgedanken 22-01-2023 – Dafür brauche ich mich nicht zu schämen

Nur gut die Hälfte aller Deutschen – die Umfrageergebnisse schwanken –  glaubt in irgend einer Weise an Gott. Und der Rest? Lässt er „Gott einen guten Mann sein“, wie man so sagt? Das wäre in meinen Augen fatal. Ohne Glaube, darauf hat der Philosoph Max Horkheimer 1970 in einem SPIEGEL-Interview verwiesen, fehlt die „Hoffnung, dass es bei diesem Unrecht, durch das die Welt gekennzeichnet ist, nicht bleibe, dass das Unrecht nicht das letzte Wort sein möge.“

Und all der Ärger, die Ängste und die Sorgen sollen auch nicht unser Leben bestimmen, möchte ich ergänzen. Glaube ist Hoffnung und zeigt sich in der Liebe. Dieser Glaube, dieses „Ergriffensein von dem, was uns unbedingt angeht“ (P.Tillich), ist zunächst einmal ein tiefes Gefühl, das die meisten Menschen in sich empfinden, das Gefühl, „dass da mehr ist“ und es einen Sinn gibt; er zeigt sich in der inneren Gewissheit, dass Gutes gut ist und Liebe richtig.

Für dieses Evangelium brauche ich als Christen mich wirklich nicht zu schämen. 

Predigttext am Sonntag, 20. Januar 2023, ist Römer 1, 13-17

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Sonntagsgedanken 15-01-2023 – Jeder hat seine Last zu tragen

Das müsste doch wundervoll sein: Glückliche Menschen lachen einen an, man selbst ist gesund und freut sich des Lebens, Friede um einen herum und die Freunde und die Familie lieben einen. Herrlich wäre das!

Und tatsächlich ein Wunder, denn das perfekte Leben gibt es nicht. Zum Leben gehört dessen Zweideutigkeit und Gefährdung. „Jeder hat sein Päckchen zu tragen“, sagt man. Und in der Regel stimmt das. Auch wenn wir oft nicht sehen, was andere, denen es vielleicht scheinbar besser geht, zu tragen haben.

„Lass mich deine Herrlichkeit sehen!“ bittet Mose Gott, und kann davon nur eine Ahnung erblicken. Ich denke, in unserem Leben ist das auch so. Die kleinen Momente des Glücks gibt es im Leben – oft zuhauf – und manch Herrliches ist zu sehen: Kinder und Enkel, die groß werden; Dinge, die man erbaut und geleistet hat; Gutes, das einen begleitet, wie die Liebe anderer Menschen oder eine gute Gesundheit.

Häufig ist es deshalb eine Frage der Einstellung oder der Glaubens, dass man Herrlichkeit sehen kann. Gott zeigt sie uns jeden Tag in unserem Leben – mal weniger, mal mehr.

Predigttext am Sonntag, 15. Januar 2023, ist 2.Mose 33, 17b-23.

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Sonntagsgedanken 08-01-2023 – Ganz ohne Neid

Können Sie das: Platz machen für jemanden, der etwas besser kann, für jemanden, der besser ankommt – ganz ohne Neid?
Idealtypisch wird das in der Bibel von Johannes dem Täufer erzählt.
Ein Wanderprediger ist er. Die Leute strömen zu ihm. Eigentlich ist er mit seiner Botschaft ganz schön erfolgreich.
Und dann steht ein junger Mann namens Jesus aus Nazareth vor ihm.
Der scheint es besser zu machen, besser zu meinen.
Und Johannes sieht ihn nicht als Konkurrenten, sondern als Erfüllung seiner Vorstellungen.
Und ich denke: Wenn es doch immer so leicht fiele, sich nicht groß, sondern klein zu machen …..

Predigttext am 8. Januar 2023 ist Johannes 1, 29-34.

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Jahreslosung 2023: Gott sieht uns liebevoll an

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes, neues Jahr 2023

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Weihnachtspredigt 2022

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest 2022

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Sonntagsgedanken 18-12-2022 – Katzenvideos und Maria

Fernsehen und Facebook unterscheiden sich in einer Sache grundlegend. In den klassischen Medien dominieren die schlechten Nachrichten. („Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“, sagen die Zeitungsmacher.

In den neuen sozialen Medien finden sich neben unsäglichen Verschwörungstheorien, Mobbing und Shitstorms – auch viel mehr positive Meldungen, von „Ich hab mich verliebt!“ bis zu unzähligen Fotos von süßen Katzenbabies.

Natürlich leuchten süße Katzenvideos die Tiefe der Existenz nicht aus, aber sie zeigen eine Seite an uns Menschen, die wir brauchen: Dass wir uns freuen können. Und diese Freude sollten wir nicht verstecken, sondern laut in die Welt rufen, jubeln, wie die Konfirmandin, die vor Jahren in der Kirche plötzlich laut ausrief: „Mir geht’s gut!“, oder wie Maria, die jubelt, dass Gott sie erwählt hat, ein Kind zu bekommen. „Mein Gott“, mögen dabei die Nachbarn gedacht haben, „Die Maria ist doch erst 16 und ledig!“ Aber der Jubel Marias nimmt uns bis heute gefangen.

Jubeln, dass Gott uns liebt, jubeln über das Schöne im Leben, jubeln über jedes Geschenk! Da wird aus Advent Weihnachten. Und da wird das Schwere vom Guten getragen.

Predigttext am Vierten Advent ist Philipperbrief 4, 4-7.

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Sonntagsgedanken 11-12-2022 – „Heal the World“?

Man singt ja oft gedankenlos mit, wenn mal wieder ein Kinderchor Michael Jacksons „Heal the world“ trällert. Aber wir müssen nicht die Welt verändern oder gleich den ganzen Planeten retten  „for the entire human race….“. Das würde uns hoffnungslos überfordern und endet politisch immer in Unterdrückung. Der Aufruf des kommenden Adventssonntags tut deshalb gut, wenn er uns unsere Grenzen aufzeigt.

Was wir tun können? „Bereitet dem Herrn den Weg“, sagt der Predigttext. Für mich heißt das, im Rahmen meiner Möglichkeiten das Leben ein bisschen schöner und alles in allem besser zu machen – nicht „für die ganze Menschheit“, aber da, wo wir es können.

Predigttext am Dritten Advent ist Jesaja 40, 1-11.

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Sonntagsgedanken 04-12-2022 – Hoffnung

Ist Hoffnung eigentlich etwas Gutes oder etwas Schlechtes?

Für die Griechen steckte die Hoffnung in der „Büchse der Pandora“, wo alle Übel der Welt versammelt waren, während sie für den Apostel Paulus zusammen mit Glaube und Liebe zum Größten gehört, was wir Menschen haben können.

Vielleicht stimmt beides: Hoffnung, die die Augen vor der Wirklichkeit schließt, ist gefährlich; Hoffnung aber, die weiß, was möglich ist, solche Hoffnung braucht man, um zu leben. 

Advent heißt Hoffnung zu bekommen, weil Gottes Licht die Welt erleuchtet hat.

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Sonntagsgedanken 27-11-2022 – Ein Traum vom Glück

Können Sie sich das vorstellen? Ein Lottogewinner ist nach einem Jahr nicht glücklicher als er vorher war. Und ein Unfallopfer ist ein Jahr nach dem Unglück, das es in den Rollstuhl brachte, nicht unglücklicher. Verschiedene Untersuchungen brachten jedenfalls dieses Ergebnis. Offenbar hängt unser Glück viel weniger von materiellen oder äußerlichen Umständen ab, als wir denken. 

Was brauchen wir wirklich, um glücklich zu sein? 

In diesem Jahr können wir das vielleicht besonders klar sagen: Friede

Friede ganz umfassend. Nicht nur die Abwesenheit vom Krieg, die hoffentlich auch.

Friede für uns meint aber auch ein Leben ohne all die Alltagsgewalt, ohne Mobbing und ohne Aggression, ohne Dummheit und Unverschämtheit, Friede voll Licht und Klarheit. Und den inneren Frieden: Gelassenheit und das Gefühl, dass das Leben Sinn hat und erfüllt ist. Zu spüren, dass man geliebt wird und andere liebt. Mit sich im Reinen sein – und mit anderen auch. So ist es nicht immer. Aber so soll es sein und so wird es sein. Das ist die Hoffnung im Advent.

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