Sonntagsgedanken 19-09-2021 – Manchmal kann man nur noch klagen

Das kennen Sie vielleicht auch. Etwas läuft so schief, dass man eigentlich nur klagen kann.

Manche beklagen sich dann über andere – aber das ist oft nicht der richtige Weg. Andere sollte man gegebenenfalls zur Rede stellen – aber vielleicht sind sie auch gar nicht dafür verantwortlich, dass es mir schlecht geht.

Dann schüttet man sein Herz bei anderen aus, klagt dort über dieses und jenen…. Es ist schön, wenn man liebe Menschen hat, bei denen man sich beklagen kann.

Aber manchmal ist man auch verflucht allein mit dem, was einen bedrückt. Man hat schon darüber geredet. Die Freundin weiß bescheid. Das alles tut gut.

Doch letztlich spürt man. Ich muss da doch auch alleine mit klar kommen. Andere können mich stützen, aber tragen muss ich meine Sorgen für mich. Und viel mehr Menschen, als man denkt, tun dann eines: Sie beten. Nicht unbedingt laut, nicht in wohlformulierter Sprache – aber mit dem Gefühl. Ich muss das jetzt sagen, ich muss es Gott sagen, oder jener Macht, die größer ist als ich. Oder ich weiß nicht warum, ich bete.

„Ich bete, obwohl ich eigentlich gar nicht an Gott glaube.“ hat mir mal jemand gesagt.

Ich denke, Gott würde dazu sagen: „Das genügt schon mal. Komm mit deinen Sorgen zu mir.“ Alles andere ergibt sich dann danach.

Der Predigttext am Sonntag, 19. September 2021, ist aus den Klageliedern, Kapitel 3

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Sonntagsgedanken 12-09-2021 – Bäume versetzen

Dass Glaube Berge versetzen kann oder wie im Predigttext für diesen Sonntag wenigstens einen großen Baum, ist zum Sprichwort geworden. Kein Schlechtes, finde ich.

Natürlich kann man sich über seine Möglichkeiten auch nur etwas vormachen, und vor Illusionen sollte man sich hüten. Aber meist ist mehr möglich, als man denkt: Aus dem Schulversager kann ein lieber Vater werden; die Frau mit dem seltsamen Getue kann sich als liebe Nachbarin entpuppen und wo wir glaubten, vor dem Nichts zu stehen, oder vor einer schwarzen Mauer, zeigen sich plötzlich zarte Pflänzchen der Liebe oder ein Weg, der das Leben in eine interessante Richtung führt. 

Gesundes Gottvertrauen tut gut – und manchmal verändert es die Welt.

Predigttext für Sonntag, 12. September, ist Lukas 17, 5+6

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Sonntagsgedanken 05-09-2021 – Ermahnungen nerven

Ermahnungen nerven: Hilf anderen! Du musst Geduld haben! Tu Gutes! Sei dankbar! Ich denke, nicht nur Jugendliche sind genervt, wenn man ihnen sagt, was sie tun sollen. Auch älteren kann das auf den Geist gehen.

Warum eigentlich? Natürlich zum einen, weil sich da jemand über uns erhebt, wenn er uns sagt, was wir tun sollen. Aber meist steckt noch etwas anderes dahinter: Wir wissen, dass die Ermahnungen richtig sind. Deshalb nerven sie, weil sie entweder etwas Selbstverständliches sagen oder uns darauf aufmerksam machen, dass wir eben doch anders handeln, als es richtig wäre.

Was tun? Sich nicht nerven lassen, sondern sich vielleicht einfach nur ganz im stillen, innersten Stübchen darauf besinnen, was andere von uns zu Recht erwarten dürfen (und was vielleicht auch nicht….).

Predigttext am Sonntag, 12. September, ist 1.Thessalonicher 5, 14-24.

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Sonntagsgedanken 29-08-2021 – Ich mag keine Schwedenkrimis

Ich mag keine „Schweden-„Krimis, verzeihen Sie mir. Wenn die Mörder zugleich kapitalistische, alte Nationalsozialisten sind, die Kinder missbrauchen und Atommüll verschieben, zweifle ich am Verstand der Autoren. Wer denkt sich so einen Mist aus? Und dass der Tatort diese Klischees kopiert – Die meisten Mörder im Tatort sind Unternehmer oder Banker – macht das nicht besser.

Lesen Sie statt dessen lieber die Bibel: Das Böse kann sich in jedes Leben schleichen, bei Kain und Abel ist es – ironisch gesagt – sogar ein Bio-Ackerbauer, der seinen Bruder, einen Fleischproduzenten erschlägt.

Die Menschen-Welt ist eben nicht so einfach in gut und böse einzuteilen, wie man denkt. Auch Vegetarier können Mörder werden und Unternehmer sind wie alle anderen auch Menschen, die meist gut sein wollen.

Es gibt gute und es gibt böse Menschen, aber hüten wir uns davor zur denken, man würde ihnen das von außen ansehen!

Predigttext am Sonntag, 29. August 2021 ist 1.Mose 4, 1-16a

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Sommerpause

Bis 27. August verabschiede ich mich in eine Sommerpause.

Bleiben Sie behütet.

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Sonntagsgedanken 11-07-2021 – Zweifeln

„Einige aber zweifelten“ steht da mitten in dem Bibeltext, der erzählt, dass Jesus seinen Jüngern den Auftrag gibt, neue Anhänger zu suchen und sie zu taufen. Die haben uns grade noch gefehlt, mögen da manche der nicht-zweifelnden Jünger gedacht haben. Wenn man eine Idee oder einen Glauben vertritt, muss man doch zu hundert Prozent dahinter stehen, darf nicht daran zweifeln, dass das die Wahrheit ist.
Vor einem Glauben ohne Zweifel würde ich mich allerdings fernhalten. Zumindest Selbstzweifel sollte ein Glaubender haben: Er sollte sich nicht so sicher sein, dass sein Glaubensverständnis das richtige ist und alle anderen falsch liegen.
Deswegen tut es jeder Gruppe gut, wenn in ihr auch ein paar Zweifler sind, die die Wahrheitsfrage immer wieder neu stellen. Sie führen nicht zu einer Aufweichung des Glaubens, im Gegenteil. Glaube wird tiefer und fester, wenn er keine Angst davor hat, dass andere ihn bezweifeln.

Mit diesen Gedanken zum Sonntag verabschiede ich mich in die Sommerpause und wünsche Ihnen schöne, erholsame Tage, Gesundheit und Gottes Guten Segen!

Predigttext am Sonntag, 11. Juli 2021, ist Matthäus 28, 16-20

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Sonntagsgedanken 04-07-2021 – Besserwisser

Haben Sie schon einmal an einer Studienreise oder einer Stadtführung teilgenommen? Dann kennen Sie den Albtraum aller Fremdenführer, den Oberstudienrat, der mit dem Baedeker in der Hand hier und dort etwas berichtigt, oder die Volkshochschuldozentin, die nahezu alles besser weiß.
Das alles seien aber nur Klischees, die nicht mehr stimmen, hat mir eine Reiseleiterin kürzlich versichert. Gut so! Besserwisser können einem nämlich gewaltig auf den Geist gehen. In der Politik gibt es die leider noch massig. Leute, die die Meinung anderer nicht anhören können, sondern immer denken, der andere habe einfach noch nicht richtig verstanden und man müsse es ihm oft genug erklären.
Am schlimmsten ist dabei nicht die Unbildung, sondern die Halbbildung, die leider auch unter Journalisten und Lehrern immer mehr um sich greift. Die Klugheit der Welt, von der der Bibeltext am Sonntag spricht, ist meistens nicht klug, sondern häufig nur eingebildet – so wie der hohe Eisengehalt im Spinat, womit vermeintliche Wissenschaft jahrzehntelang Kinder gequält hat. Wirkliche Klugheit findet sich sowieso nur in unserem Herzen, wo der Glaube die Seele küsst und der Geist der Verstand beflügelt.

Predigttext am Sonntag, 4. Juli 2021, ist 1.Korintehrbrief 1, 18-25

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Sonntagsgedanken 27-06-2021 – Sei doch gnädig!

Der alte Mann saß in seinem Lehnstuhl am 85. Geburtstag. In der Familie hatte es vor Jahren Ärger gegeben – um Geld natürlich, wobei er, so weit ich es als junger Vikar mitbekam, eher das Opfer war. Er aber saß sanft lächelnd da und erklärte mir, als ich nach dem alten Streit fragte: „Wissen Sie, man wird nicht alt um recht zu haben, sondern um gnädig zu sein.“
Es ist ein Teil der Lebenskunst, gnädig zu sein. Gerade da, wo einem übel mitgespielt wurde; wo andere über einen hinweg gehen; wo andere nur an sich denken: Der Bruder, der sich das Haus als Erbe gesichert hat, die Schwester, die einem den Jugendschwarm weggeschnappt hat – man kennt solche Geschichten.
Warum schaffen es manche, Schläge wegzustecken und andere nicht? Warum können manche die, die ihnen übel mitgespielt haben, in Ruhe übersehen, während andere in Bitternis versinken? Es liegt letztlich, denke ich, am Vertrauen, das man in sich und in das Leben hat, am Wissen, dass man von Gott geliebt und geschaffen ist, am Gefühl, dass man sich die Liebe als Grundüberzeugung für das eigene Leben nicht nehmen lassen will. Es liegt am Glauben.
Predigttext am Sonntag ist der Schluss der tollen biblischen Geschichte von Josef und seinen Brüdern.

Predigttext am Sonntag, 27. Juni 2021, ist 1. Mose 50, 15-21

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Sonntagsgedanken 20-06-2021 – Verloren und geliebt

Gnädig zu sein, fällt meist nicht schwer. Wenn es nur darum geht, nach einem kleinen Fehler des anderen zu sagen „Macht nichts“, ist das kein Problem, im Gegenteil, es gibt einem oft sogar ein gutes Gefühl, andere zu entschuldigen.
Schwieriger wird es, wenn A B etwas getan hat, und B A vergibt – und ich C bin, der sich redlich abmüht, keine Fehler zu machen. Klingt kompliziert? Dann konkret, wie es Jesus in seinen Gleichnissen erzählt hat.
Ein Schaf geht verloren, spaziert einfach davon – und der Hirte lässt die restliche Herde stehen, um das eine zu suchen.
Ein schwarzes Schaf bekommt die ganze Aufmerksamkeit – und die braven Schafe sind auf sich selbst gestellt.
Das ist doch ungerecht!
Aber ist es wirklich ungerecht, wenn dem einen mehr geholfen wird als dem anderen? Ist es wirklich gerecht, wenn alle über den gleichen Kamm geschert werden? Freuen wir uns doch, wenn einer in seinem Leben Mist gemacht und und ihm nun wieder geholfen wird, sein Leben in Griff zu bekommen.
Freuen wir uns doch, wenn einem anderen etwas geschenkt wird im Leben, wenn er gesund wird und ihm geholfen wird.
Unsere Lage wird weder besser noch schlechter dadurch, dass wir darauf starren, wie anderen mehr geholfen wird als uns.
Oder wie es in einem (fälschlicherweise John F. Kennedy zugeschrieben) Zitat heißt: „Das Leben ist ungerecht. Aber vergiss nicht: Nicht immer zu deinen Ungunsten.“
Seien wir also gnädig – vor allem denen gegenüber, die Gnade brauchen.

Predigttext am Sonntag, 20. Juni 2021, ist Lukas 15, 1-10

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Sonntagsgedanken 13-06-2021 – „Bemüht euch um Liebe“

„Ohne die Liebe wäre das Leben ein Irrtum.“ – Den Satz darf nicht missverstanden werden, als ginge es dabei nur um die Liebe zu einem Mann oder zu einer Frau. Da kann es manchmal Irrtümer geben. Nein, es geht darum, dass das Leben gut und erfüllt ist, wenn man liebt – das Leben liebt,  sich selbst und die anderen.

„Wir lieben den Tod“ brüllen uns Idioten und Selbstmordattentäter entgegen. Diese Killer sind wohl das beste Beispiel dafür, dass der Satz von der Liebe stimmt. Ohne Liebe, erfüllt von Hass, Gewalt und Dummheit ist das Leben ein Irrtum, einfach: falsch geführt.

Ich denke, das lässt sich auch spüren: Wer liebt, lebt richtig. Das bedeutet nicht, dass Liebe leicht ist. Manchmal bleibt sie ohne Antwort oder man wird ausgenutzt. Aber wer anderen in Freundlichkeit begegnet – dem Bettler auf der Straße (gleichgültig, ob man ihm etwas gibt oder nicht) ebenso wie der ruppigen Dränglerin im Stadtbus, wer solchen Menschen gegenüber dennoch freundlich bleibt, der wird sich hinterher sicher besser fühlen, als wenn er der Liebe ade gesagt hätte und sein Unverständnis oder seinen Ärger einfach so rausgelassen hätte.

Alle Menschen zu lieben, geht nicht, meinen Sie? Gewiss gibt es Grenzen. Aber zunächst geht es vielleicht ganz einfach darum, nicht auf Kosten anderer zu leben, anderen gegenüber offen und für sich selbst verantwortlich zu sein und auch mal darauf achten, wie es dem anderen geht.

„Bemüht euch darum, dass euch die Liebe geschenkt wird“ heißt es am Sonntag in der Kirche. Ganz genau!

Predigttext am Sonntag, 13. Juni 2021, ist 1.Korintherbrief 14, 1-12

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