Sonntagsgedanken 14-08-2022 – Mut zum Sein

Trau‘ Dir selbst etwas zu! Versteck‘ Dich nicht! – Jesus erzählt dies in einem Gleichnis. Drei Leute erhalten Talente, zwei setzen diese ein, der dritte versteckt sie aus Angst, das Falsche zu tun – und verliert dadurch alles.

Die Geschichte von den „anvertrauten Talenten“ kann Angst machen oder Mut. Ich habe mich für Mut entschieden. Mut zum Leben und Mut zu Entscheidungen. Manchmal fährt man damit ganz gut, manchmal bekommt man aber auch seine Grenzen aufgezeigt. Man geht auf andere zu und wird abgewiesen, oder man wagt beruflich etwas Neues und das läuft nicht besonders. Aber es gilt: Nur wer nichts macht, macht keine Fehler.

Freundlich und offen, interessiert und hilfsbereit zu sein, ist immer ein Wagnis. Man kann auf taube Ohren stoßen, abgewiesen oder sogar betrogen werden. Man kann scheitern. Man kann aber auch sein Glück finden – und ist nicht schon das Streben danach die Erfüllung?

Predigttext am Sonntag, 14. August 2022, ist Matthäus-Evangelium Kapitel 25, Verse 14 bis 30.

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Sonntagsgedanken 07-08-2022 – Alles auf eine Karte

Alles auf eine Karte setzen? Wer tut das schon? Ich jedenfalls sichere mich gerne ab, und als guter Rat gilt, sich immer mehrere Möglichkeiten offen zu halten. 

Ist das wirklich ein guter Rat?

In der Pokerrunde am Anfang des Films „Titanic“ setzt Jack Dawson auf Sieg und gewinnt die Überfahrt nach Amerika, die auch im besten Fall eine Fahrt ohne Wiederkehr gewesen wäre.

Die wichtigsten Momente des Lebens sind wohl die, wo genau das gefordert ist: 

Sich voll und ganz dem einen, wichtigen hingeben: 

Den Lebenstraum wahr werden lassen; 

sich um die neue Stelle bemühen; 

der Frau, die man liebt, einen Antrag machen; 

für seine Kinder bedingungslos da zu sein.

Die Fülle des Lebens erfahren wir nur, wenn wir bereit sind, uns ganz dem Leben hinzugeben, wie wir es für richtig halten.

Unter Gottes Segen brauchen wir davor auch keine Angst zu haben.

Predigttext am Sonntag, 7. August 2022, ist Markus 12, 41-44 „Das Scherflein der Witwe“

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Sonntagsgedanken 31-07-2022 – AlltagsProbleme

Manchmal bricht einfach der Alltag herein. Eben noch hielt der große Lehrer eine Rede, viele hörten ihm zu. Und dann wendet er sich fast beiläufig an seine Helfer: „Wovon kaufen wir eigentlich Essen für die vielen Leute, die da sind?“ In der Bibel geht das in der Geschichte von der „Speisung der 5000“ so. Große Worte – nun gut, aber was ist mit unseren alltäglichen Problemen?

Über das Trash-Programm am Tage auf SAT1 und RTL2 mokieren sich viele. Und es ist ja tatsächlich befremdlich, wenn da zum Beispiel stundenlang laute Frauen ihre kleinen Männer als Versager auflaufen lassen oder eine Richterin über absurd-konstruierte Kriminalfälle urteilt. Fernseh-Müll? Natürlich! Aber offenbar gibt es eben das Bedürfnis, neben allen großen politischen und gesellschaftlichen Themen so etwas wie Alltag im Fernsehen zu sehen, der dann aber leider grotesk überzeichnet wird.

Beides jedenfalls gehört im Leben zusammen: Nachdenken über die großen Worte und Werte – Liebe, Freiheit, Gerechtigkeit – und die ganz praktische Aufgabe, dies im Alltag zu leben, wo man essen und arbeiten, in die Schule und zum Arzt gehen muss.

Die damit verbundenen Probleme lösen sich allerdings nicht, wenn man um 11 Uhr morgens vor dem Fernseher sitzt. Das „Brot des Lebens“, so Jesus, gibt es bei ihm.

Predigttext am Sonntag, 31. Juli 2022, ist Johannes-Evangelium 6, 1-15.

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Sonntagsgedanken 24-07-2022 – Das Leben ist kein Ponyhof

„S Läba isch koin Ponyhof“ (Das Leben ist kein Ponyhof) lautet die tiefe schwäbische Weisheit der TV-Serie „Die Kirche bleibt im Dorf“. Der Norddeutsche wird das als „Wat mutt, dat mutt!“ (Was sein muss, muss sein) bestätigen, und uns Babyboomern klingt noch der Song von Doris Day in den Ohren: „Que sera, sera“ – Es kommt, wie es kommt.

Alles Weisheiten, die wohl deshalb oft im Dialekt weitergegeben werden, weil sie so tief unserer Lebenserfahrung entsprechen. Unser Leben ist nicht vorhersehbar und es ist immer wieder schwierig, damit umzugehen. Kontingenz nennen das die Philosophen und letztlich bleibt uns nur eines: Wir müssen mit aller Ungewissheit leben.

Als Symbol dafür, dass man das kann, verstehe ich die Taufe. Sie steht für die Absage an Übel und Nöte, die das Leben kaputt machen, und für das neue Leben, dass wir gewinnen, wenn wir uns an den Ratschlag Jesu halten, uns nicht um die Zukunft zu sorgen: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“ Weil das nicht einfach ist, gibt es als Symbol die Taufe.

Gott stellt uns unter seinen Segen, damit wir jeden Tag so nehmen können, wie er kommt. Und auch wenn das Leben kein Ponyhof ist, ist es doch manchmal wenigstens ein „Schlotzer“ (Lutscher), wie es in der TV-Serie auch heißt.

Predigttext am Sonntag, 24. Juli 2022, ist Römerbrief 6, 3-8.

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Sonntagsgedanken 17-07-2022 – Gott weiß, was er tut

Gibt es eigentlich eine Voraussetzung, um sein Leben gut zu leben, im Griff zu haben oder zu verändern? Der Predigttext für den kommenden Sonntag  (1.Mose 12, 1-4) antwortet darauf eigentlich mit Nein! Abraham braucht nur Gottvertrauen, das sichere Gefühl, dass er das Richtige tut, dass Gott mit ihm ist.
Wenn das stimmt, dann können wir sicher sein, dass wir nicht einfach ins kalte Wasser geworfen werden – auch wenn uns manche Situation im Leben so vorkommt -, sondern dass das alles seinen Sinn und seine Verheißung hat. Gott weiß, was er tut.


Predigttext am Sonntag, 17. Juli 2022 ist 1.Mose 12, 1-4.

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Sonntagsgedanken 10-07-2022 – Wer ohne Sünde ist….

Schuldig! Keine Frage! Manchmal ist das Urteil klar, manchmal fällt es leicht, andere mit Beschuldigungen und Verurteilungen zu bewerfen, mit Schmutz oder noch Schlimmerem. „Ich bin gut!“ heißt es. „Das sieht man doch schon daran, dass die anderen so Böses getan haben.“ Dann wird der geständige Steuerflüchtling schon mal an die Zeitung verraten, und der Politiker muss wegen eines geschenkten Bobby-Cars um sein Amt kämpfen. Es ist so einfach, andere schlecht zu machen. Aber „wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“, heißt es im Predigttext am kommenden Sonntag. Den Nachsatz darf man allerdings auch nicht vergessen, der zu der Ehebrecherin dort gesagt wird: „Sündige hinfort nicht mehr!“

Predigttext am Sonntag, 10. Juli 2022 ist Johannes 8, 3 bis 11.

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Sonntagsgedanken 03-07-2022 – Wie Schuld vergeht

„Dauernd redet Ihr von Schuld! Das will doch kein Mensch mehr hören.“ hat mir ein guter Freund einmal als Tipp gegeben, wie die Kirche attraktiver werden kann. Ich bezweifle das. Anderen echte oder vermeintliche Schuld vorzuhalten ist natürlich oft billig und fast immer falsch. Aber dass fast jeder von uns da und dort mehr oder weniger Schulderfahrungen mit sich herumträgt, ist kaum zu bestreiten. Das weiß jeder, der ernsthaft mit Menschen zu tun hat.

In der Kirche ist übrigens gar nicht so oft von Schuld die Rede. Viel öfter und viel lieber rede ich von Vergebung. Schuld verschwindet nämlich nicht, wenn man sie ignoriert, sondern wenn man um sie weiß und glaubt, dass sie vergeben werden kann – weil Gott uns liebt, so wie er uns geschaffen hat: Als Menschen, die Fehler machen können.

Der Predigttext für kommenden Sonntag setzt dem übrigens noch eins drauf: Wir haben auch an den Fehlern unserer Vorfahren zu tragen. Dass Kinder für Ihre Eltern haften und an den Folgen zu tragen haben, ist nicht gerade gerecht, aber wer wollte es bestreiten?

Predigttext am Sonntag, 3. Juli 2022 ist Ezechiel 18, 1-32 (in Auszügen)

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Sonntagsgedanken 26-06-2022 – Gute Erholung

Endlich im Urlaub, das blaue Meer vor Augen. Und dann grübelt man nach: Über dumme Äußerungen, die man gemacht hat, und über verpasste Chancen, über Sorgen und Fehler. Weg von Zuhause verfolgen einen die Probleme – und man hat vielleicht sogar mehr Zeit als zuhause, um darüber nachzudenken.

Drei Tage war Jona im Bauch des Walfisch. Eine nette Erzählung – wie aus unserem Leben. Vor seinen Problemen ist Jona davon gerannt, aber sie haben in eingeholt, gefangen gesetzt. Drei Tage weg aus dem Alltag, drei Tage Zeit zur Besinnung.

So einen Urlaub wünscht sich keiner. Oder doch?

Zurück zu kommen mit einer Lösung der Probleme – oder auch nur mit neuer Kraft, sie anzugehen, das wäre doch auch so etwas wie Erholung. Erlösung vielleicht sogar. 

Urlaub ist zum Abschalten da, sagt man. Wenn es zum Umschalten führt, finde ich das auch nicht schlecht.

Predigttext am Sonntag, 26. Juni 2022 ist Jona 3, 1-10.

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Sonntagsgedanken 19-06-2022 – Das Leben nehmen, wie es kommt

Manchen geht es doch verdammt gut im Leben! Sie haben eine schöne Familie und ein gutes Auskommen, genießen Freundschaften und Freiheiten. Andere plagen sich mit Sorgen und Problemen, dass sie nicht ein noch aus wissen.

Das Leben ist ungerecht, das wissen wir. Aber es gibt einen schönen Satz, der – allerdings fälschlicherweise – John F. Kennedy zugeschrieben wird: „Das Leben ist ungerecht. Aber vergiss nicht: Nicht immer zu deinen Ungunsten.“

Ich habe den Eindruck, dass wir leicht in die Neidfalle tappen. Wir sehen genau, wo es anderen besser geht als uns, „unverdientermaßen“, sagen wir dann. Aber haben wir uns unser Leben je verdient? Ist selber schuld, wer krank ist oder auch nur unsympathisch wirkt?

Am Besten wäre es doch, wir lassen das ganze Urteilen über andere und über andere Lebensumstände weg. Menschen sind verschieden und deren Leben auch. Das ist nicht gerecht, aber es ist so. Nehmen wir es also, wie es ist! Und konzentrieren wir uns darauf, dass wir das Beste aus unserem Leben machen und anderen helfen, wo es nötig ist und wir können!

Predigttext am Sonntag, 19. Juni 2022 ist Lukas 16, 19-31

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Sonntagsgedanken 12-06-2022 – Glaubensfreiheit, that’s it!

Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt, heißt eine etwas abgedroschen klingende aber immer noch stimmende Weisheit. Unsere ersten gedachten Wahrheiten passen oft nicht zu den zweitens gedachten Erfahrungen. Studium ist das allerwichtigste, dachten die Eltern, und 30 Jahres später war der Sohn ohne Abschluss Mitinhaber der wertvollsten Firma der Welt und einer der bedeutendsten noch dazu. Das gilt eine Nummer kleiner, auch bei uns: Man ärgert sich über die Autopanne, die einen zur tagelangen Pause im Allgäu zwingt, und lernt dort die Frau fürs Leben kennen. Man hat zunächst keine Lust, in die Jugendgruppe zu gehen und wird nach all den guten Erfahrungen dort später Pfarrer. Viele könnten hier viel erzählen.

Das gilt auch in Sachen Religion: Mancher, der seine Religion als allen anderen überlegen ansieht, wird lernen müssen, dass es immer anders kommt, als man denkt. Wir Christen haben das schon vom Apostel Paulus gesagt bekommen. Deshalb wissen wir, dass wir in Sachen Glauben vor allem auf eines achten Müssen: die Glaubensfreiheit. Anderen Religionen wünscht man, dass auch sie zu dieser Einsicht kommen. Gott macht, was er will – und das ist gut so.

Predigttext am Sonntag, 12. Juni 2022, ist Römerbrief Kapitel 11, Vers 33 bis 36.

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