Sonntagsgedanken 20-06-2021 – Verloren und geliebt

Gnädig zu sein, fällt meist nicht schwer. Wenn es nur darum geht, nach einem kleinen Fehler des anderen zu sagen „Macht nichts“, ist das kein Problem, im Gegenteil, es gibt einem oft sogar ein gutes Gefühl, andere zu entschuldigen.
Schwieriger wird es, wenn A B etwas getan hat, und B A vergibt – und ich C bin, der sich redlich abmüht, keine Fehler zu machen. Klingt kompliziert? Dann konkret, wie es Jesus in seinen Gleichnissen erzählt hat.
Ein Schaf geht verloren, spaziert einfach davon – und der Hirte lässt die restliche Herde stehen, um das eine zu suchen.
Ein schwarzes Schaf bekommt die ganze Aufmerksamkeit – und die braven Schafe sind auf sich selbst gestellt.
Das ist doch ungerecht!
Aber ist es wirklich ungerecht, wenn dem einen mehr geholfen wird als dem anderen? Ist es wirklich gerecht, wenn alle über den gleichen Kamm geschert werden? Freuen wir uns doch, wenn einer in seinem Leben Mist gemacht und und ihm nun wieder geholfen wird, sein Leben in Griff zu bekommen.
Freuen wir uns doch, wenn einem anderen etwas geschenkt wird im Leben, wenn er gesund wird und ihm geholfen wird.
Unsere Lage wird weder besser noch schlechter dadurch, dass wir darauf starren, wie anderen mehr geholfen wird als uns.
Oder wie es in einem (fälschlicherweise John F. Kennedy zugeschrieben) Zitat heißt: „Das Leben ist ungerecht. Aber vergiss nicht: Nicht immer zu deinen Ungunsten.“
Seien wir also gnädig – vor allem denen gegenüber, die Gnade brauchen.

Predigttext am Sonntag, 20. Juni 2021, ist Lukas 15, 1-10

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Sonntagsgedanken 13-06-2021 – „Bemüht euch um Liebe“

„Ohne die Liebe wäre das Leben ein Irrtum.“ – Den Satz darf nicht missverstanden werden, als ginge es dabei nur um die Liebe zu einem Mann oder zu einer Frau. Da kann es manchmal Irrtümer geben. Nein, es geht darum, dass das Leben gut und erfüllt ist, wenn man liebt – das Leben liebt,  sich selbst und die anderen.

„Wir lieben den Tod“ brüllen uns Idioten und Selbstmordattentäter entgegen. Diese Killer sind wohl das beste Beispiel dafür, dass der Satz von der Liebe stimmt. Ohne Liebe, erfüllt von Hass, Gewalt und Dummheit ist das Leben ein Irrtum, einfach: falsch geführt.

Ich denke, das lässt sich auch spüren: Wer liebt, lebt richtig. Das bedeutet nicht, dass Liebe leicht ist. Manchmal bleibt sie ohne Antwort oder man wird ausgenutzt. Aber wer anderen in Freundlichkeit begegnet – dem Bettler auf der Straße (gleichgültig, ob man ihm etwas gibt oder nicht) ebenso wie der ruppigen Dränglerin im Stadtbus, wer solchen Menschen gegenüber dennoch freundlich bleibt, der wird sich hinterher sicher besser fühlen, als wenn er der Liebe ade gesagt hätte und sein Unverständnis oder seinen Ärger einfach so rausgelassen hätte.

Alle Menschen zu lieben, geht nicht, meinen Sie? Gewiss gibt es Grenzen. Aber zunächst geht es vielleicht ganz einfach darum, nicht auf Kosten anderer zu leben, anderen gegenüber offen und für sich selbst verantwortlich zu sein und auch mal darauf achten, wie es dem anderen geht.

„Bemüht euch darum, dass euch die Liebe geschenkt wird“ heißt es am Sonntag in der Kirche. Ganz genau!

Predigttext am Sonntag, 13. Juni 2021, ist 1.Korintherbrief 14, 1-12

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Sonntagsgedanken 06-06-2021 – Hilfe, mal anders

Zum Bibeltext vom Sonntag eine kleine Geschichte:

Einst wohnte ein sehr frommer Mann am Ufer eines Flusses. Als ein Hochwasser kam, sendete die Stadt einen Jeep, der ihn und andere aus dem gefährdeten Gebiet abholen sollte. Doch der Fromme sprach: „Ich brauche keine Rettung. Gott wird mich erretten“ und blieb. Einige Stunden später war das Wasser bis in den ersten Stock gestiegen. Da kam ein Schlauchboot ans Fenster gefahren. Die Rettungskräfte forderten ihn erneut auf, einzusteigen und sich retten zu lassen. „Nicht nötig“, rief ihnen der Fromme zu, „Gott wird mich erretten. Ich bleibe.“ Das Schlauchboot fuhr davon. Eine weitere Stunde später musste der Fromme schon aufs Dach steigen. Ein Hubschrauber kam geflogen, ein Retter ließ ein Seil herab. Doch der Fromme ließ es unberührt neben sich baumeln und schrie gegen den Lärm an: „Geht. Gott wird mich erretten.“ So kam es, dass die Fluten den Frommen mitrissen und er in den reißenden Wassern zu Tode kam. Im Himmel beklagte er sich bei Gott: „Herr, ich habe so viel zu dir gebetet und an dich geglaubt. Warum hast du mich nicht errettet?“ Da blickt Gott ihn irritiert an: „Ich hab dir doch einen Jeep, ein Schlauchboot und dann sogar noch einen Hubschrauber geschickt.“

Gott hilft uns im Leben. Oft nicht so, wie wir es erwarten. Und meist schon gar nicht so, wie wir es wünschen. Aber am Ende werden wir wie Jona in der Bibel vom großen Fisch an Land gebracht – und sind gerettet.

Predigttext am Sonntag, 6. Juni 2021, ist Jona 1+2

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Sonntagsgedanken 30-05-2021 – Nur, wer sich verändert, bleibt sich treu

Ein durchaus kluger Mann hat mir vor Jahrzehnten einmal gesagt: Ab Fünfzig ändern sich Leute nicht mehr. Das klang damals plausibel, aber nun, da ich selbst diese Grenze schon lange überschritten habe, bin ich mir da nicht so sicher. Gewiss, manche Charakterzüge wie Ängstlichkeit oder Mut, Kommunikationsfreude oder Zurückhaltung, Aktivismus oder Gelassenheit, die scheinen fest zu sein. Sie sind schließlich das, was unsere Persönlichkeit ausmacht.

Dennoch: Man kann sich immer ändern. Wer selbstkritisch Fehler an sich entdeckt, muss sich eben an die Arbeit machen: Mal mutig sein, auch wenn wir uns am liebsten verkriechen würden. Mal sich zwingen, den Mund zu halten, auch wenn man mit seinen guten Ratschlägen am liebsten herausplatzen möchte. Mal neu denken und nicht nur das, was man seit 30 Jahren schon immer gemeint hat. Neugierig und offen zu sein, hat noch keinem geschadet. 

Und nur wer bereit ist, sich zu verändern, bleibt sich treu. So wie Nikodemus, von dem am Sonntag in der Predigt die Rede sein wird.

Predigttext am Sonntag, 30. Mai 2021, ist Johannes 3, 1-3

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Hilfe, wir verstehen uns nicht – Pfingsten 2021

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Pfingstfest!

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Sonntagsgedanken 09-25 2021 – Ohne Ansehen der Person

 Liebe Gemeinde,

Gott hilft ohne Ansehen der Person, heißt es. Aber Leute wie Zachäus können da eigentlich nicht gemeint sein. Denn wenn Gericht über ihn gehalten wird, ist das Urteil klar: Ein Betrüger und Verräter ist er, korrupt und nur auf den eigenen Vorteil bedacht. 

Zachäus hatte von den Römer eine Zollstation gepachtet. Zöllner waren damals keine pflichtbewussten Beamten wie heute, sondern Büttel der Besatzungsmacht. Landesverräter eigentlich und nicht sonderlich beliebt, vor allem, weil sie davon lebten, dass sie den Leuten mehr Wegezoll abknöpften, als vorgegeben. Zachäus hatte es so zu einigem Reichtum gebracht. Also arm war er auch nicht.

Oder doch? Ein armer Kerl war er, wie man so sagt. Denn es gibt natürlich wie immer auch eine andere Seite. Zachäus hatte zwei Probleme, die man nicht übersehen sollte. Zum einen mochte ihn niemand. Selber schuld, sagen wir, aber es ist wie mit der Henne und dem Ei: Mochten die Leute Zachäus nicht, weil er Zöllner war? Oder war er Zöllner für die Römer geworden, weil die anderen ihn sowieso nicht mochten – und zum Beispiel wegen seines kleinen Wuchses gemobbt haben. Das war nämlich sein zweites Problem. Er war klein. Und als eines Tages Jesus in die Stadt kam, konnte Zachäus keinen Platz an der Straße finden, wo dieser ihn sah. Und die anderen dachten nicht im Traum daran, ihn in die erste Reihe vorzulassen.

Und sehen Sie, das ist jetzt das Tolle an der Bibel. Da gibt es so völlig alltägliche Geschichten mit alltäglichen Personen. Die wurden garantiert nicht für ein heiliges Buch erfunden, sondern das ist so oder ähnlich passiert. Zachäus entspricht keinem Klischee, sondern ist ein ganz normaler Egoist. Im Dienst der Besatzungsmacht, korrupt, klein von Wuchs und reich. Also so ziemlich die letzte Figur, die man sich als Opfer ausdenken würde. Dem hilft Gott nicht, oder?

Zachäus will unbedingt Jesus sehen und da ihn niemand vortreten lässt, klettert er eben nach oben. Eine ziemlich lächerliche Vorstellung: Ein Erwachsener klettert auf einen Baum. Ein Gauner macht sich selbst zum Gespött der Leute, weil er einen heiligen Mann sehen will. Doch mit dem Verspotten macht Jesus sofort Schluss. Er wählt Zachäus aus der Menge aus und gibt ihm die Ehre seines Besuchs.

Würden Sie so etwas tun? Würden Sie ganz offen jemandem die Ehre geben, der sie in den Augen der anderen garantiert nicht verdient hat? Würden Sie einen Rechtspopulisten zu einer geselligen Veranstaltung einladen? Oder einen Obdachlosen in ihrem Hof übernachten lassen? Oder einen Kinderschänder gegen Hasstiraden in Schutz nehmen?

Ich denke, man sollte auf korrupte Verräter wie Zachäus nicht hereinfallen, aber abschreiben darf man auch solche Menschen nie. Das Gericht, von dem im Predigttext bei Jesus Sirach die Rede ist, halten nicht wir, sondern Gott am Ende der Zeiten. 

Unser Leben wird nur vom gnädigen und vergebenden Gott beurteilt, denn auch der schlimmste Verbrecher behält die Würde, die ihm sein Schöpfer verliehen hat.

Die glasklare Verkündigung des Propheten Jesus Sirach hat Jesus von Nazareth weitergedacht: Vor Gott ist jeder arm. Gott beurteilt nicht nach dem Geldbeutel, nicht nach dem leeren und nicht nach dem vollen, sondern wir sind alle Kinder Gottes und brauchen alle Hilfe, Liebe und Gnade.

Kürzlich war ich dienstlich im Krankenhaus, und es zu sehen ist etwas anderes, als es zu wissen: Völlig selbstverständlich wird dort ohne Ansehen der Person geholfen. Auf der Intensivstation liegen Menschen, die ungemein viel Hilfe brauchen und bekommen. Und da schaut keiner nach Geldbeutel oder Herkunft, oder fragt, ob der da liegt überhaupt die Hilfe verdient. Das ist gut so, und da haben wir viel von Jesus gelernt und können all denen dankbar sein, die helfen ohne viel zu fragen. Wer Hilfe braucht, soll Hilfe bekommen. 

Und zwar deshalb, weil Gott auch uns so gegenüber tritt. Er hilft dem Armen ohne Ansehen der Person, dem armen Schlucker, dem nichts seine Würde nehmen kann, und den geistlich Armen, von denen in der Bergpredigt die Rede ist. Gott hilft den laut Klagenden und den leise Weinenden. Und manchmal sogar einem Schurken wie Zachäus.

Und am Ende? Da bleibt die Liebe! Was denn sonst?

Predigttext am Sonntag, 9. Mai 2021, ist Sirach 35, 16-22a)

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Sonntagsgedanken 02-05-2021 – Schreiende Steine

 Ein Stein, der schreit. Ich habe ihn Ende November 1989 eigenhändig aus der Berliner Mauer an der Koch-Straße nahe am Checkpoint Charlie geholt. 40 Jahre lang hatte man den Menschen in der DDR den Mund verboten. Menschen, die entkommen wollten, wurden erschossen, und wer die Wahrheit über das Leben im Sozialismus aussprach, musste mit Gefängnis rechnen und damit, dass seine Kinder zur Adoption freigegeben werden. 28 Jahre lang schrieen die Steine der Berliner Mauer die Wahrheit über diese Verbrechen in die Welt hinaus, und am Ende jubelten auch die Menschen als 1989 die Grenze geöffnet wurde.

Dass sich die Wahrheit auf Dauer nicht aufhalten lässt, ist eine Grunderfahrung des Christentums, das ist spätestens am Ostermorgen deutlich geworden. Doch vorher gab es Versuche, Jesus zum Schweigen zu bringen. Er ist ganz offenkundig bei den Menschen sehr beliebt, und sein Botschaft lässt sie jubeln: Liebe soll regieren, Vertrauen soll herrschen, und keine Macht der Welt soll das verhindern. 

Wichtig ist dabei, dass Jesus das eben nicht nur sagt, sondern tut. Die Leute haben das an ihm gesehen: Lieben und Vertrauen, Aufhelfen und Heilen. Nie ist Gott den Menschen so nahe gekommen, und deshalb ist für mich ganz deutlich: Was soll Wahrheit anderes sein als das, was dieser Jesus aus Nazareth verbreitet, als er sagt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ – „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!“ – „Nehmt einander an!“

Deshalb heben ihn Menschen auf der Straße, wenn man so sagen will, in den Himmel! Sie fühlen sich befreit und trauen sich, ihm zuzujubeln, weil sie die Hoffnung haben, dass alles sich zum Besseren wendet.

Dass in Wahrheit alles besser wird, hören manche nicht gerne, denn sie haben einfach zu schlechte Erfahrungen gemacht. Pessimisten haben ja immer irgendwie recht, meinen sie. Ich finde, es ist fantastisch, dass es schon ein Jahr nach Beginn der Pandemie eine Reihe von Impfstoffen gegen Covid-19 gibt. Aber dann sagen die Pessimisten: Es gibt da doch manchmal Nebenwirkungen. 

Und noch nie in der Geschichte konnten Menschen so friedlich miteinander leben und sind so sozial miteinander umgegangen und gab es so wenig Gewalt. Nur glauben wollen das die Pessimisten nicht, dass man die Welt zu einem besseren Platz machen kann – mit Glaube, Liebe und Hoffnung. 

Jesus hatte sich damit die Mächtigen zu Gegnern gemacht, die dem Fortschritt nicht trauten – und dem naiven Gottvertrauen auch nicht. Und schon gar nicht trauten sie Jesus, der die einfachen Leute in seinen Bann zog, und den die einfachen Leute verehrten und dem sie nachfolgten.

Aber so einfach lässt sich die Wahrheit nicht unterdrücken. Sie kommt ans Licht, immer!

Der Schüler sollte das wissen, der eine schlechte Klassenarbeit zurückbekommen hat. Die Eltern fragen: „Hat die Lehrerin sie schon zurückgegeben?“ – „Nein!“, sagt er, und ich frage ich, was das soll, denn irgendwann kommt es doch heraus.

Erwachsene denken oft noch viel mehr, dass sie mit Verschweigen durchkommen: Die Frau, deren Geschäft vor der Pleite steht und die sich Geld leihen möchte, oder der Mann, der seine Frau betrügt.

Mit Verschweigen durchzukommen, glauben auch all diejenigen, die sich selbst etwas nicht eingestehen können, und das trifft uns manchmal vielleicht am stärksten, dass wir uns nicht eingestehen können, dass es etwas nicht in Ordnung ist, in unserem Leben. Es fällt uns schwer, uns einzugestehen, dass wir etwas ändern müssen und anders machen sollten, vielleicht, dass wir jetzt wirklich freundlicher, offener, ehrlicher werden sollten, weil sonst alles so mies bleibt, wie es ist. Es fällt schwer, sich aufzuraffen, dass man endlich tut, was nötig ist. Manchen fällt es schwer, sich einzugestehen, dass sie endlich Hilfe suchen und sich anderen anvertrauen müssen. Aber wer sich selbst etwas vormacht und die Wahrheit nicht eingesteht, der schadet sich selbst, denn irgendwann wird die Wahrheit ans Licht kommen. 

Aber auch das Gute kommt ans Licht. 

Es kommt ans Licht, dass das Gute richtig ist, dass es richtig ist, die Hand zur Versöhnung zu reichen und nicht nachtragend zu sein. Es kommt ans Licht, dass es besser ist, Fehler gleich zuzugeben, und sie nicht zu vertuschen. Es kommt ans Licht, dass es richtig ist, nicht nur an sich zu denken, sondern auch daran, wie es den anderen geht, mit denen ich zusammenlebe.

Es soll nicht so weit kommen, dass es die Steine schreien müssen. Jesus hat sich den Mund nicht verbieten lassen und seinen Jüngern auch nicht. Das wurde ihm übel genommen. Er wurde verhaftet und schließlich gekreuzigt. 

Doch seine Botschaft lebte weiter, mächtiger als zuvor, lebt weiter bis heute: Liebe ist stärker als der Tod. Also: Liebt einander! Du bist ein Kind Gottes! Hab also keine Angst, und sieh auch in allen anderen Menschen ein Kind Gottes! Reich deinem Widersacher die Hand! Tu anderen Gutes, und lass dir deine Freiheit von niemandem nehmen. Denn das letzte Wort über dein Leben hat nicht die Lüge, hat nicht das Unrecht, hat nicht der Tod,  sondern am Ende siegt die Liebe und am Ende siegt das Leben, das in Wahrheit ewig ist. Amen! 

Predigttext am Sonntag, 2. Mai 2021, ist Lukas-Evangelium 19, 37-40.

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Sonntagsgedanken 25-04-2021 – Sei wie du bist!

 Hier auf diesem Felsbrocken stand vor 2000 Jahren Paulus. Hier trifft das Evangelium von Jesus Christus zum ersten Mal auf die philosophisch gebildete Welt. Vorher, in Israel, da waren es eher die einfachen Leute, Bauern und Fischer, die von der Frohen Botschaft in den Bann gezogen wurden. Jetzt beschäftigten sich die Philosophen Athens mit diesem Jesus von Nazareth, der gestorben und am dritten Tag auferstanden ist. Und diese Speerspitzen des Geistes kann man eben heute noch genau lokalisieren. Sie versammelten auf dem Areopag. 

„Ihr Athener,“ sagt Paulus. „Ihr seid doch offenkundig äußerst gottesfürchtige Menschen. Wo man auch hinschaut: Götterbilder, Altäre. Religiöse Symbole. Ein Altar trägt sogar die Aufschrift: „Dem unbekannten Gott.“ Könnte das nicht das sein, was uns verbindet? An die alten Götter, Zeus und Aphrodite, glaube sowieso niemand mehr. Die Philosophen haben sich längst dem Gedanken zugewandt, dass da nur eine Macht hinter allem ist. Paulus sagt auch: Ein einziger Gott ist es, der durch viele Erscheinungen der Welt und Erfahrungen der Menschen hindurch am Wirken ist. Ein einziger Gott ist es, der uns allen das Leben eingehaucht hat. Und er ist anders und größer als alles, was wir uns vorstellen können.

Für vielen Griechen und Römer war das ein überzeugender Gedanke. Ein Gott. Bei uns glaubt fast die Hälfte, 45 Prozent der Deutschen, nicht einmal mehr an einen Gott. Das klingt für den Glauben bedrohlich, aber 69 Prozent aller Jugendlichen finden es gut, dass es die christliche Kirche gibt. Das ist ein sehr guter Wert, weil hier sich auch muslimische Jugendliche und Jugendliche ohne Konfession geäußert haben, die zusammen fast ein Drittel in Deutschland ausmachen. Glaube ist nicht „out“, weltweit schon gar nicht. Nur ist inzwischen das Betonen der Unterschiede zwischen den Konfessionen lächerlich und der Streit zwischen den Religionen ärgerlich, für mich jedenfalls.

Paulus stellt sich und seinen Zuhörern die Frage: Was verbindet uns – was ist uns gemeinsam? Die Antwort hat Thomas Jefferson für Menschen jeden Glaubens in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung formuliert: „Wir halten die Wahrheit für selbstverständlich: Dass alle Menschen vom Schöpfer gleich geschaffen wurden.“

Mein Leben habe nicht ich mir gemacht – nicht einmal meine Eltern waren das. Und dass ich der geworden bin, der ich bin, das ist unverdient. Gott hat einfach Ja! zu mir gesagt.

Dieses Ja gilt – und zwar unabhängig von uns oder von anderen. Gott sagt ja zu uns – so wie wir sind. Wir wollen und dürfen nicht immer nur an dem gemessen werden, was wir haben oder was wir leisten können. Geld und Schulnoten sind nicht das Wichtigste. Gott wollte uns also genau so, wie wir sind. „Gott liebt dich, wie du bist.“ habe ich auf einem kleinen Spiegel gelesen. Immer sollte uns das daran erinnern: Gott wollte uns so wie wir sind – mit unserer großen Nase und mit unserem manchmal zu großen Mundwerk. Mit unserem schönen Gesicht und unseren ungeschickten Händen. Mit unserer tollen Begabung und mit unser andauernden Schwäche.

Deshalb sind wir allerdings auch auf etwas angewiesen, das außerhalb unser selbst liegt. Gnade nennt das die Bibel. Wir sind gebunden an einen weiten, ja sogar einen absoluten Sinnzusammenhang, in den wir unsere Existenz inmitten dieser Welt hinein gestellt wissen. Wir brauchen von da her auch Orientierung in den gewichtigen Fragen des Lebens. Rückbindung an Werte, die wir uns nicht selber geben können – weil wir sonst gnadenlos uns selbst überlassen sind – und dem Urteil anderer natürlich auch. 

Aber hier können wir genau unser Selbstbewusstsein bekommen, wenn wir uns immer sagen lassen können: Gott liebt dich, wie du bist. Er sagt Ja zu Dir. Und ich denke, genau deshalb suchen wir Gott, suchen die Gewissheit, dass doch alles irgendwie in Ordnung ist – und dass wir mit aller Unordnung umgehen können. Wir waren schwach, wir haben versagt, sind erfolglos – na und, sagt Gott. Morgen ist ein neuer Tag – hab Vertrauen. Das ist schon okay so. Und das Chaos, all das, was uns das Leben schwer macht. Manchmal ist es nur ärgerlich, doch manchmal auch lebensbedrohlich. Hab keine Angst, sagt Gott, ich bin mit Dir.

Meine Gedanken sind zur Zeit oft im Krankenhaus. Vor zwei Jahren hatte ich dort eine lebensrettende Operation. Ein Wunder für mich, dass man den Tumor entdeckt hatte und auch noch so gut entfernen konnte. Was soll ich sagen? Gott war mit mir in diesen Tagen, so schwer sie auch waren. Der unbekannte Gott hat sich gezeigt in seinem Ja zum Leben. Christus ist auferstanden, und ich bin gerettet worden.

Und dann stellt er eine Forderung: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!“ Streitet nicht um Worte, sondern handelt in Liebe! Bei meinen Gedanken ans Krankenhaus heißt das in dieser Corona-Zeit: Unterstützt all die barmherzigen Samariter, die in den Krankenhäusern pflegen und heilen, indem hier direkte Kontakte vermeidet.

Und wie immer sagt Jesus zu uns: Seid für andere da! Nehmt Rücksicht! Sorgt für Ihren Schutz Denn Gott sorgt für uns und liebt uns. Jeden Einzelnen.

Predigttext am Sonntag, 25. April 2021, ist Apostelgeschichte 17, 22-34

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Sonntagsgedanken 18-04-2021 – Schlechte Politiker und guter Hirte

Was kann man von Politikern eigentlich erwarten? Ich denke, man darf verlangen, dass sie ihre Verantwortung wahrnehmen und dass sie den Nutzen des Volkes mehren und Schaden von ihm wenden. Das versprechen sie bei der Amtsübernahme. Das ist ziemlich viel verlangt und manchmal ja schon zu viel. Ich komme deshalb darum zu sprechen, weil der Predigttext zum Sonntag eine ziemlich vernichtende Rede gegen unfähige Politiker ist.

Vielleicht geht es Ihnen wie mir: Ich rege mich über die vermeidbaren Fehler in der Politik auf, die zum Beispiel bei der Bereitstellung der Impfungen gemacht wurden, und denke dennoch, dass unsere Politiker viel mehr richtig als falsch gemacht haben. Entscheidungen zu treffen, ist in diesen Tagen bestimmt nicht einfach.

Und anstatt voller Empörung über andere zu schimpfen, können wir für unseren Schutz vor Infektionen und vieles andere drumherum auch selbst viel tun, und das sollen wir auch, schließlich sind wir für unser Leben zunächst einmal selbst verantwortlich und haben die Freiheit, für uns zu sorgen. Ich bin jedenfalls trotz allem froh, in einem Land zu leben, das zu den reichsten und sichersten auf der Welt gehört, und wo wir Menschen frei sind und keine Angst vor den Mächtigen haben müssen. Kritisch zu sein ist immer gut, aber manche Kritik bei uns ist oft sehr billig zu haben, und hinterher weiß man alles besser und sieht die Fehler der anderen umso genauer. Das gilt nicht nur in der Corona-Politik.

In der Bibel ist da zum Beispiel der Prophet Ezechiel. Die Politiker in seinem Land, in Juda, haben hoch gepokert und verloren. Das Land ist untergegangen, und die oberen Zehntausend sind nach Babylon verschleppt. Sie haben vielleicht noch den Hit von Boney M. darüber im Ohr: „By the Rivers of Babylon“.

An den Wassern von Babylon träumten die Verbannten von der Heimkehr, und Ezechiel macht ihnen zunächst einmal klar, was falsch gelaufen ist: Gottvertrauen und Zuversicht haben gefehlt, denn die geben einem die Kraft, auch Krisen auszuhalten. Schlechte Könige hatten sie noch dazu, die sich nicht wie gute Hirten am Wohl des Volkes orientiert haben, sondern nur am eigenen Nutzen.

Und das ist bei uns heute anders, muss man deutlich sagen. Gewiss gab es auch hier ein paar Politiker, die glaubten, mit der Vermittlung von Schutzmasken Geld machen zu können, aber die wurden in unserer Demokratie gleich entlarvt und sind zurückgetreten.

Es geht in der Predigt heute deshalb nicht um Politik, sondern um Vertrauen, um Gottvertrauen, genauer gesagt, wenn man auf den Propheten Ezechiel hört: „Ich will mich meiner Herde selbst annehmen“, sagt Gott. Er ist der gute Hirte, und das ist, finde ich, ein schönes Bild für jemanden, der auf andere acht gibt, sich um andere sorgt und anderen, wenn sie auf Abwegen sind, auch einmal nachgeht.

In der Krise seiner Zeit hat der Prophet Ezechiel zum Glauben aufgefordert: „Vertraut darauf, Ihr lieben Leute, dass Gott da ist für euch wie ein guter Hirte.“ Dieser Glaube ist, denke ich, gar kein schlechter Ratgeber in Krisenzeiten. Es geht darum, Halt zu finden, wenn der Boden schwankt. Es geht auch um Nächstenliebe und Verantwortung. Es geht darum Fehler zu verzeihen und Fehler zu vermeiden. Es geht darum, bei allem was man tut, zu prüfen, ob es gut und gottgefällig ist. Es geht darum, nicht die Flinte ins Korn zu werfen, sondern sich nicht unterkriegen zu lassen. Das müssen wir uns jeden Tag sagen. Und mir tut das gut.

Ezechiel zeigt da ja längst nicht mehr auf die Politiker, sondern auf sich selbst: Wem glaube ich? Und was glaube ich?

„Diese dauernde Unsicherheit macht mich verrückt“, hat mir letzte Woche jemand gesagt. Ja, wenn man nur immer vorher schon wüsste, wo es lang geht, aber das weiß nur Gott, sagt man. Vielleicht weiß das nicht einmal Gott immer so genau, weil wir ihm nur zu oft dazwischen funken. Jedenfalls ist Gott immer bei uns und sagt: Jetzt schau mal, was da eben auf dich zukommt. Hab keine Angst. Ich bin bei dir.

Das gilt nicht nur in diesen Corona-Tagen, an denen man irre werden könnte. Wir stehen immer wieder vor Entscheidungen und müssen Verantwortung übernehmen für uns und andere, und das geht, so denke ich, nicht ohne Hilfe. Wir brauchen Regeln und Ratschläge, und manche guten und grundsätzlichen finden wir in der Bibel: Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst! Hab keine Angst vor der Zukunft, sondern sorge dich nur um den heutigen Tag! Und: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!

Und dann gibt es die schwierigen Situationen, also die, in denen wir wenig richtig und viel falsch machen können. Und manchmal gibt es auch Situationen, in denen wir gar nichts machen können, dann, wenn Corona nicht Kontaktvermeidung heißt, sondern Krankenhausaufenthalt bedeutet; Situationen, in denen es um Leben und Tod geht, nicht nur wegen Covid-19. Auch immer dann, wenn wir körperlich oder psychisch am Ende sind, wenn wir verloren haben und loslassen müssen.

In solch dunklen Tagen ist es völlig egal, ob das Bild von Gott als gutem Hirten altmodisch oder kitschig wirkt oder nicht zu beweisen ist.

Dann sehne ich mich nach einem guten Hirten, nach Gott, der uns liebt und hält; nach Jesus, der uns den Weg zu einem guten, gelingenden Leben weist, und nach dem Heiligen Geist, der uns im Innersten spüren lässt, was richtig ist, und Hoffnung gibt.

Und ich bin dann einfach dankbar, wenn Gott mir Menschen schickt oder Gedanken oder einfach nur Hoffnung und ich diese Nähe Gottes spüren kann, der mein guter Hirte ist.

Predigttext am Sonntag, 18.04.2021, ist Ezechiel 34, 1-16+31 

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Sonntagsgedanken 11-04-2021 – Frust und Auferstehung

Langsam reicht es. Frust macht sich breit. Die Hoffnungen, dass im Sommer 2020, dass zu Weihnachten 2020, dass zu Ostern 2021, alles wieder gut ist, haben sich nicht erfüllt.

Enttäuschte Hoffnungen sind vielleicht besonders schwere Enttäuschungen. Die Bibel erzählt vom ersten Ostern. Die Jünger sind nach dem Tod Jesu in ihre Heimat zurückgekehrt. Die Auferstehung spielt keine Rolle. Ratlos und hilflos sitzen sie zusammen. Für die Jünger ist eine Welt zusammengebrochen – so wie es vielen geht, wenn sie um einen lieben Verstorbenen trauern und noch gar nicht recht begreifen können, was da geschehen ist. Mit der Osterbotschaft von der Auferstehung können die Jünger nicht viel anfangen. Dass all das wahr ist, was Jesus gesagt hatte, dass all das Bestand hat, was er als Liebe Gottes gezeigt hat, das können sie nicht innerhalb von wenigen Tagen begreifen. 

Die Jünger sind zunächst wieder an die Arbeit zurückgekehrt, die sie gelernt haben. Das Leben geht weiter – ohne Jesus. Zweifel gehören zum Glauben, sagt man immer. Und das ist gut so und so ging es sogar den ersten Jüngern. Ihnen ging es, wie vielen Menschen, die trauern. Da ist es oft wichtig, dass der Alltag normal weitergeht. Das gilt zumindest für Kinder und für jüngere Menschen. Wenn man schon davon zutiefst erschüttert ist, dass man jemanden Liebes verloren hat – dann soll wenigstens das Alltagsleben davon nicht auch noch erschüttert sein.

Petrus, so stelle ich es mir vor, hält es einfach nicht mehr aus. Er muss etwas tun, nach allem, was geschehen ist: die Verhaftung Jesu, der Prozess, die Hinrichtung, der Tod. Das hat ihn und die anderen Jünger aus der Bahn geworfen, hat sie verunsichert und traurig gemacht. Es ist dunkel um sie geworden, ja, die Nacht hat sie gefangen genommen. Was sollen sie jetzt tun, ohne Jesus, in den sie ihre ganzen Hoffnungen, ihre Zuversicht, ihren Glauben gesetzt hatten? Nur Abwarten und auf ein Wunder hoffen? Da könnten sie lange warten müssen! So tut Petrus das, was er gelernt hat. „Ich will fischen gehen!“ Endlich kann er etwas tun, aktiv werden. Er tut das, was er kann und wo er sich sicher fühlt. Zusammen mit anderen fährt er auf den See hinaus. 

Doch diese Rückkehr in den Alltag beginnt mit einer herben Enttäuschung: In dieser Nacht fangen die Jünger nichts, obwohl der See Genezareth sehr fischreich ist. Das bringt alles nochmals auf den Punkt: Misserfolge gehören zum Leben. Da gibt es nichts zu beschönigen. Das ist einfach so. Das gehört zum Alltag. Diese Enttäuschungen kennen wir: Kein Lob für eine gute Tat. Kein Bonus für gute Arbeit. Kein Dank von anderen. Die Frustration der Jünger bleibt. Keine Hoffnung – nirgends! 

Nur eine seltsame Begegnung: Ein Mann spricht sie an: „Kinder, habt ihr nichts zu essen?” Er fragt sie gerade nicht, ob sie heute Nacht nichts gefangen hätten. Er denkt nicht an Erfolg, sondern an die Folgen: Nichts zu essen. Er gibt sich auch nicht zu erkennen. Kein „Hallo, ich bin’s“ – um die geflohenen Jünger zu beschämen. Keine Debatten über Fehler und falsche Entscheidungen. Einfach das akute Problem sehen: Nix zu essen.

Und dann erteilt er den seltsamen Auftrag, noch einmal rauszufahren und das Netz auf der rechten Seite des Bootes auszuwerfen. Das ist eigentlich sinnlos, denn tagsüber fängt man nichts, und rechts oder links ist eigentlich beim Fischen egal. 

Erstaunlich ist, dass die Fischer nicht nachfragen. Sie diskutieren nicht, sondern tun genau das, was er ihnen gesagt hat – gegen ihre Erfahrung. Haben sie denn etwas zu verlieren? Ob sie seinem Versprechen, seiner Verheißung „so werdet ihr finden” vertrauen? Ob sie spüren, dass da mehr zu holen ist als Fische? Jedenfalls vertrauen sie diesem Mann am Ufer.

Vertrauen ist das Schlüsselwort unseres Glaubens. Glaube zeigt sich im Vertrauen als eine Grundhaltung des Lebens. Wer Vertrauen hat – in sein Leben, in Gott, der das Leben trägt – wer dieses Vertrauen hat, lebt anders. Wer Vertrauen hat, kann ohne Angst und Eigensinn auf andere zugehen, kann anderen Gutes tun, kann die Schwächen der anderen ertragen, weil er weiß: Alles hängt nicht von mir oder den anderen ab, sondern von Gott – und der hält mich.

Auf wen vertrauen Sie? Genauer gesagt: Wem vertrauen wir uns an? Und fragen wir dabei nach Sicherheiten und Garantien? Fragen wir nach Belegen und Beweisen? Fragen wir nach dem Erfolg und nach dem, was für uns dabei herausspringt? Fragen wir nach dem Machbaren und  Möglichen? Würden wir das Risiko eingehen, gegen das Handeln, was wir gelernt haben?

Die Jünger wagen es und fahren noch einmal hinaus. Und sie werfen ihr Netz auf der rechten Seite aus. Sie galt und gilt als die Glücksseite. Und sie haben Glück. Ihr Netz ist berstend voll, aber es zerreißt nicht. Ein Wunder ist geschehen. Auch wir haben manchmal dann Erfolg, wenn wir am wenigsten damit rechnen. Oder wir spüren Anerkennung für etwas, was schon lange zurückliegt. Wir erfahren Trost von jemandem, von dem wir es gar nicht erwartet hätten. Oder jemand verwandelt mit einem Lächeln einen tristen Tag.

Als die Jünger ihren großen Fang gemacht haben, wird ihnen klar, wem sie vertraut haben: „Es ist der Herr.“ Petrus hat nichts Eiligeres zu tun, als an Land zu schwimmen. Am Ufer brät Jesus Fische und Brot für sie. Er lädt sie alle ein, auch Petrus, so als hätte der ihn nicht kurz davor noch verleugnet. „Kommt und haltet das Mahl!”

Was fragen die Jünger? Wer bist du? Was willst Du? Und warum fühle ich mich so wohl in deiner Nähe?Nein, die Jünger fragen das gar nicht. Sollen andere sich über die Auferstehung den Kopf zerbrechen – die Jünger erleben sie. Die Zukunft wird anders. Dadurch, dass man glauben kann, dass Gott immer da ist. Dass man auf ihn hoffen und ihm vertrauen kann.

Man muss Gott nicht suchen, sondern er kommt – unerwartet und unverhofft, ungerufen und unbegreiflich. Und er begegnet uns nicht spektakulär, sondern im anderen Menschen, in einem, der am Ufer Fische und Brot für uns brät. 

Manchmal ahnen wir nur, dass Gott bei uns steht. Spüren auf dem Gang im Krankenhaus: Wir sind nicht allein. Manchmal wissen wir es erst im Nachhinein: Gottes Engel ist mit uns, hat unser Kind damals behütet. Das war kein Zufall, das war Gott mit seinem Ja zum Leben. Und manchmal erfahren wir es auch gar nicht, dass Gott da war. Dann denken wir nur an den lieben Menschen, der uns damals aus einem dunklen Tal geholt hat, einfach so. 

Und ich glaube: Da spüren wir die Auferstehung, über die wir noch nichts wissen.

Da bin ich mir sicher: Dass da mehr sein muss als unser Alltag. Dass ich bewahrt werde – jeden Tag – wunderbar. Und das wünsche ich Ihnen auch.

Predigttext am Sonntag, 11. April 2021, ist Johannes-Evangelium 21, 1-14.

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