Sonntagsgedanken 02-10-2022 – Erntedank

Wie schnell man doch vergisst! 

Bang hat man auf das Ergebnis beim Arzt gewartet, ängstlich an die Zukunft der Firma gedacht, sorgenvoll die Krise in der Partnerschaft erlitten. Und im Jahr darauf ist schon fast vergessen, dass Krankheit kuriert ist, der Arbeitsplatz gesichert und dass man wieder viele glückliche Momente in der Ehe erlebt.

Dass wir das Gute als selbstverständlich nehmen, ist zunächst oft weniger das Problem, als dass wir die Momente der Bedrohung so schnell vergessen. Das sind ja häufig die Situationen, in denen wir merken, dass wir leben und dass wir ein gutes Leben haben wollen und bereit sind, darum zu ringen. Das sind die Situationen, in denen wir etwas lernen können; vor allem den Unterschied zwischen dem, was im Leben wichtig ist, und was nur so dazugehört oder nicht. Streit um Nachbars Apfelbaum lohnt nicht, Ringen um ein erfülltes Leben schon.

Um zu erkennen, was im eigenen Leben wichtig ist, gehört wohl auch das Bewusstsein, dass man das Glück in seinem Leben letztlich nicht selbst geschaffen hat, sondern geschenkt bekommt, als Leben, als Liebe und als Erfahrung.

Das könnte dieses Jahr der Erntedank sein: Im Herzen Gott Danke zu sagen für das Gute in unserem Leben – und unseren Liebsten zu danken für alle Liebe.

Predigttext zu Erntedank in diesem Jahr ist Mose 8,7–18

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Sonntagsgedanken 25-09-2022 – Make it to a better place

Das Leben könnte so einfach sein, wenn Menschen nicht so ehrenkäsig, streitlustig und neidisch wären. 

Das stimmt – nicht nur, weil es der Apostel Paulus sagt. „Wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst.“ Die Sätze, über die am kommenden Sonntag gepredigt werden soll, erklären sich wie von selbst. „Was der Mensch sät, wird er ernten.“ Stimmt das? Kommt man nicht besser durchs Leben, wenn man es auch mal auf Kosten anderer führt?

„Ein jeder prüfe sein eigenes Werk.“ Vielleicht ist das der entscheidende Gedanke. Die Welt wird zu einem besseren Ort, wenn wir die Fehler bei uns sehen und nicht immer nur auf die anderen zeigen.

Finden Sie nicht auch, dass die christliche Ethik einfach und einfach plausibel ist?

Ich jedenfalls glaube das.

Der Predigttext am Sonntag, 25. September 2022, ist aus Galaterbrief 5,25 bis 6,10

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Sonntagsgedanken 18-09-2022 – Selbstverständlich ist nichts

Im Nachhinein scheint es oft selbstverständlich, dass das Blatt sich zum Guten gewendet hat. Der Junge hat doch noch die Schule geschafft. Der Befund beim Arzt war doch harmlos und die Firmenchefs konnten die Pleite doch noch abwenden, so dass der eigene Arbeitsplatz erhalten bleibt.
Manchmal merkt man allerdings in der Erleichterung mehr: So muss sich Erlösung anfühlen, wenn einem Lasten von den Schulter genommen werden und Steine vom Herzen fallen.
Dafür dem Ewigen zu danken, dass wir im Zeitlichen bestehen, ist allemal des Nachdenkens wert. Dass wir leben, ist nicht selbstverständlich. Und dass unser Leben sinnvoll sein kann, auch nicht.
Es tut gut, dafür zu danken.

Dafür, dass wir sind, und für das, was wir können und haben. Dafür, dass wir leben.

Selbstverständlich ist das nicht.

Der Predigttext am Sonntag ist mehr als ein frommes, altes Lied…

Predigttext am Sonntag, 18. September 2022 ist Jesaja 12, 1-6, „Das Danklied der Erlösten“.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Sonntagsgedanken 11-09-2022 – Merkblatt zum Helfen

Man soll dem helfen, der Hilfe braucht.

Das ist das erste, was man aus der Geschichte vom barmherzigen Samariter lernen kann. Sie kennen sie vielleicht. Ein Mann liegt verletzt am Straßenrand – und ein Fremder, der vorbeikommt hilft ihm. 

Ich habe noch drei weitere Dinge auf meinem Merkblatt zum Helfen:

Also:

Erstens: Man soll dem helfen, der Hilfe braucht.

Zweitens: Dass man nicht allen helfen kann, spielt keine Rolle: Man soll tun, was man kann. Mehr ist nicht verlangt.

Drittens: Geld ist eine gute Sache. Und schön ist es, wenn man mehr als genug hat, um wie der Barmherzige Samariter Helfer zu finanzieren.

Und Viertens: Bei Hilfe geht es nicht um Moralisieren und Besserwisserei, sondern darum, es selbst zu tun. Was die anderen machen, ist deren Sache.

Predigttext am Sonntag, 11. September 2022, ist Lukas 10, 25-37.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Sonntagsgedanken 04-09-2022 – Von wegen Midlife-Krise

Es ist alles geregelt, alles in festen Bahnen und kaum noch Chancen auf Veränderung. Damit hat man die midlife crisis erklärt, in die Männer ab 40 geraten, wenn sie spüren, dass in ihrem Leben inzwischen das meiste festgelegt ist und die Änderungsmöglichkeiten gering geworden sind. Diese Krise in der Lebensmitte gebe es aber gar nicht mehr, las ich kürzlich, weil auch Männer über 40 heute noch genügend Veränderung erfahren – als Väter und im Beruf, wo nichts mehr auf Lebenszeit sicher ist.

Das gegenteilige Schicksal erwischt zwar auch nicht jeden, aber doch immer mehr: Dass sich das Leben auf einen Schlag ändert. Plötzlich muss man sich konkrete Gedanken um die Kinder und die eigenen alten Eltern machen; plötzlich sitzt man selbst nervös auf dem Krankenhausgang und wartet auf einen Befund; plötzlich geht es mit der Firma bergab oder man findet eine bessere Stelle in einer anderen Stadt – und, recht häufig, plötzlich ist es mit der Ehe oder Partnerschaft zu Ende und man muss für sich einen neuen Anfang finden.

Plötzlich kann alles ganz anders sein. Im Nachhinein erscheint einem, wie dem Apostel Paulus, das, was vorher war, vielleicht sogar als falsch oder fade. Das muss aber nicht sein und es ist gewiss wichtiger, voraus zu blicken, als am Vergangenen zu kleben. Den Blick voraus erlebt der Apostel Paulus als Verheißung: Vor einem liegen die Möglichkeiten, es anders und besser zu machen, neue Ziele und neue Kraft zu finden.

Predigttext am Sonntag, 4. September 2022, ist Apostelgeschichte 9, 1-20.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Sonntagsgedanken 28-08-2022 – Heilige und weniger heilige

Manche Menschen werden wie Heilige verehrt. Nicht nur alte Kirchenväter, mutige Widerstandskämpfer und angehimmelte Kirchentagsrednerinnen, sondern auch Popstars, die für Afrika zur Gitarre greifen, oder Politiker, die ihr Charisma versprühen. Und keiner von uns ist dagegen gefeit, hier mitzujubeln. 

Doch es gibt keine Heiligen, jedenfalls nicht in dem Sinne, dass jemand über alle Zweifel erhaben sein könnte. Jeder Mensch hat seine Schattenseiten. Und es gibt auch keine Taten, die nur gut sind. Manches ist nur Selbstdarstellung, manches klingt nur gut und alles hat seinen Preis. Wir Protestanten haben es deshalb aus gutem Grunde abgelehnt, zwischen „heiligen“ und unheiligen Menschen zu unterscheiden. Wir sind allzumal Sünder! 

Dass jeder seine dunklen Seiten hat, zeigt die Geschichte, die im Mittelpunkt der Gottesdienste am Sonntag steht. Der König David sieht sich mit Mord und Ehebruch konfrontiert, die er begangen hat. Was sagt das: Dass wir nicht auf andere schauen sollen, sondern auf unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten. 

Wir sind nicht König David – und wenn man an die biblische Geschichte vom Sonntag denkt, wird man sagen: Gott sei dank nicht.

Der Predigttext am Sonntag, 28. August 2022 ist aus 2.Samuel 12.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Sonntagsgedanken 21-08-2022 – IsraelSonntag in der Kirche

In einem McDonald’s in Neu-Ulm sitzen am Nebentisch zwei junge Frauen mit einer Schar Kinder. Sie erregen meine Aufmerksamkeit und erst nach einer Weile wird mir klar, warum: Sie sprechen Hebräisch. Es ist schön, dies als Deutscher nur zwei Generationen nach dem Holocaust erleben zu dürfen!

Widerlich finde ich dagegen, dass sich die Fratze des Antisemtismus hierzulande wieder in seiner ganzen Breite breit machen kann. 

Von rechten Hetzern in unseren Parlamenten bis hin zu linken Kunstliebhabern.

Nicht zu vergessen der importierte Antisemitismus aus dem Mittleren Osten und – Schande über uns – der Antisemitismus, der auch in manchen Teilen der Kirche wieder fröhliche Urstände feiert mit der Forderung nach einem Boykott von Juden und einer Verteufelung Israels.

Am Sonntag begeht die Kirche den Israel-Sonntag. 

Er erinnert an die unselige Rolle der Christenheit bei der Verfolgung der Juden seit 2.000 Jahren. 

Und ich hoffe, dass dieser Gedenktag auch dem letzten in der Kirche und im „christlichen Abendland“ klarmacht, dass Antisemitismus und christlicher Glaube nicht miteinander vereinbar sind. 

„Nur wer für die Juden schreit, darf gregorianisch singen!“ hat Dietrich Bonhoeffer nach 1933 verlangt. 

Das muss man – leider – auch heute noch betonen.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Sonntagsgedanken 14-08-2022 – Mut zum Sein

Trau‘ Dir selbst etwas zu! Versteck‘ Dich nicht! – Jesus erzählt dies in einem Gleichnis. Drei Leute erhalten Talente, zwei setzen diese ein, der dritte versteckt sie aus Angst, das Falsche zu tun – und verliert dadurch alles.

Die Geschichte von den „anvertrauten Talenten“ kann Angst machen oder Mut. Ich habe mich für Mut entschieden. Mut zum Leben und Mut zu Entscheidungen. Manchmal fährt man damit ganz gut, manchmal bekommt man aber auch seine Grenzen aufgezeigt. Man geht auf andere zu und wird abgewiesen, oder man wagt beruflich etwas Neues und das läuft nicht besonders. Aber es gilt: Nur wer nichts macht, macht keine Fehler.

Freundlich und offen, interessiert und hilfsbereit zu sein, ist immer ein Wagnis. Man kann auf taube Ohren stoßen, abgewiesen oder sogar betrogen werden. Man kann scheitern. Man kann aber auch sein Glück finden – und ist nicht schon das Streben danach die Erfüllung?

Predigttext am Sonntag, 14. August 2022, ist Matthäus-Evangelium Kapitel 25, Verse 14 bis 30.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Sonntagsgedanken 07-08-2022 – Alles auf eine Karte

Alles auf eine Karte setzen? Wer tut das schon? Ich jedenfalls sichere mich gerne ab, und als guter Rat gilt, sich immer mehrere Möglichkeiten offen zu halten. 

Ist das wirklich ein guter Rat?

In der Pokerrunde am Anfang des Films „Titanic“ setzt Jack Dawson auf Sieg und gewinnt die Überfahrt nach Amerika, die auch im besten Fall eine Fahrt ohne Wiederkehr gewesen wäre.

Die wichtigsten Momente des Lebens sind wohl die, wo genau das gefordert ist: 

Sich voll und ganz dem einen, wichtigen hingeben: 

Den Lebenstraum wahr werden lassen; 

sich um die neue Stelle bemühen; 

der Frau, die man liebt, einen Antrag machen; 

für seine Kinder bedingungslos da zu sein.

Die Fülle des Lebens erfahren wir nur, wenn wir bereit sind, uns ganz dem Leben hinzugeben, wie wir es für richtig halten.

Unter Gottes Segen brauchen wir davor auch keine Angst zu haben.

Predigttext am Sonntag, 7. August 2022, ist Markus 12, 41-44 „Das Scherflein der Witwe“

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Sonntagsgedanken 31-07-2022 – AlltagsProbleme

Manchmal bricht einfach der Alltag herein. Eben noch hielt der große Lehrer eine Rede, viele hörten ihm zu. Und dann wendet er sich fast beiläufig an seine Helfer: „Wovon kaufen wir eigentlich Essen für die vielen Leute, die da sind?“ In der Bibel geht das in der Geschichte von der „Speisung der 5000“ so. Große Worte – nun gut, aber was ist mit unseren alltäglichen Problemen?

Über das Trash-Programm am Tage auf SAT1 und RTL2 mokieren sich viele. Und es ist ja tatsächlich befremdlich, wenn da zum Beispiel stundenlang laute Frauen ihre kleinen Männer als Versager auflaufen lassen oder eine Richterin über absurd-konstruierte Kriminalfälle urteilt. Fernseh-Müll? Natürlich! Aber offenbar gibt es eben das Bedürfnis, neben allen großen politischen und gesellschaftlichen Themen so etwas wie Alltag im Fernsehen zu sehen, der dann aber leider grotesk überzeichnet wird.

Beides jedenfalls gehört im Leben zusammen: Nachdenken über die großen Worte und Werte – Liebe, Freiheit, Gerechtigkeit – und die ganz praktische Aufgabe, dies im Alltag zu leben, wo man essen und arbeiten, in die Schule und zum Arzt gehen muss.

Die damit verbundenen Probleme lösen sich allerdings nicht, wenn man um 11 Uhr morgens vor dem Fernseher sitzt. Das „Brot des Lebens“, so Jesus, gibt es bei ihm.

Predigttext am Sonntag, 31. Juli 2022, ist Johannes-Evangelium 6, 1-15.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen