Sonntagsgedanken 24-01-2021 Wo du hingehst

„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen.“ Diesen zentralen Satz des heutigen Bibelwortes kennt jeder. Unzählige Male ist er bei Hochzeiten zitiert worden. Zwei, die gemeinsam durchs Leben gehen wollen, sagen das.

In der Bibel sind das zwei Frauen. Rut sagt das zu ihrer Schwiegermutter Noomi. Die beiden hatte es schwer getroffen. Ihre Familie hatten sie verloren. Noomi wollte deshalb zurück in ihr altes Heimatland, wo Rut noch nie war. Der Weg ist beschwerlich, gefährlich und für Rut ungewiss, was sie dort erwartet. Dennoch bleiben sie beieinander: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen.“

Wir sind zusammen unterwegs. Wir Menschen. Wir brauchen die Gemeinschaft mit anderen, manche mehr, manche weniger. Aber immer haben wir andere, die uns durch unser Leben begleiten, Familie und Freunde, Nachbarn und Kollegen, – und manchmal sind wir auch nur mit dem unterwegs, was andere uns vorher gegeben haben, die Eltern, die uns geprägt, die Lehrer, die uns gebildet haben.

In diesen Tagen brauchen wir die Gemeinschaft mehr denn je; Leute zum Reden; Leute die einen unterstützen; Leute die einem Mut machen; vielleicht auch Leute, die einem zeigen, wie man dem Corona-Lockdown Positives abgewinnen kann. 

Vor ein paar Tagen hat mich jemand darauf aufmerksam gemacht, wie freundlich zu ihr doch alle seien, jetzt, wo sie beim Einkaufen manchmal Hilfe braucht. 

Andere stehen unter Dauerstress. Wir haben ja viel von unserer Autonomie verloren. Wir sind davon abhängig, dass andere ihre Maske im Bus auflassen, dass uns keiner zu nahe kommt, dass Verantwortliche für Schulunterricht und Impfungen uns das Leben nicht schwerer machen als es ohnehin ist.

In unserer modernen Gesellschaft sind wir dauernd auf andere angewiesen. Sonst hätten wir kein Essen und keine Heizung, keinen Schutz und keine ärztliche Hilfe. Wir könnten schlichtweg ohne andere nicht überleben.

Wo du hingehst, da will ich auch hingehen. Das ist unser Schicksal.

Gott sei Dank! möchte ich sagen. Gott sei Dank, dass wir andere Menschen haben, die für uns da sind. Die genialen Gentechniker, die einen Impfstoff in so kurzer Zeit entwickeln, und die Polizisten, die die Spannungen in unserer Gesellschaft de-eskalieren, die Jüngeren, die für uns Opfer bringen und die, die wir jederzeit anrufen können.

Der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft mag zur Zeit gefährdet sein, aber er ist immer noch so groß wie nie in der Menschheitsgeschichte. Das verbindet uns in Europa und der Welt: Die gemeinsame Überzeugung, dass wir füreinander einstehen müssen, dass alle Menschen gleiche Grundrechte haben, dass jeder das unveräußerliche Recht auf Leben, Freiheit und sein persönliches Streben nach seinem Lebensglück hat.

Wo du hingehst, da will ich auch hingehen. Dahinter steht meist auch eine gemeinsame Überzeugung, ein verbindender Glaube. „Dein Gott ist mein Gott“, heißt das in der Bibel.

Glaube und Vertrauen verbinden. Die Liebe verbindet; die Liebe, die, wie es im ersten Johannesbrief heißt, Gott ist.

Deswegen gilt das „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen“ vor allem für unser Leben in der Familie – egal wie es sich darstellt. Wenn ich meine Konfirmanden frage, zu wem sie am meisten Vertrauen haben, kommt immer an erste Stelle: Meine Familie. 

Natürlich gibt es da auch Spannungen und manchmal sogar zermürbenden Streit, schlimme Erfahrungen und unheilbare Brüche. Es gibt Eltern, die ihren Kindern nicht gut tun, und Familienmitglieder, die sich absetzen.

Aber für die meisten gilt, so hat mir mal jemand gesagt: Wenn es hart auf hart geht, ist es vor allem die Familie, die da ist und hilft. Bei Krankheit und Alter, in Krisen und Nöten.

Wo du hingehst, da will ich auch hingehen.

In schweren Tagen ist dies auch ein Versprechen Gottes. Gott geht mit uns unsere Wege, das hat sich in Jesus gezeigt. Gott ging mit Jesus die Wege durch Galiläa und den Weg ans Kreuz. Gott geht mit uns auch Wege, die kein anderer mit uns gehen kann.

Das klingt Ihnen vielleicht zu theologisch, aber es kann auch sehr real werden. 

Gerade in diesen Tagen fühlen sich viele alleine mit ihren Problemen:

Die ältere Frau, die kaum noch aus dem Haus kann. Gewiss kaufen die Nachbarn für sie. Gewiss rufen die Verwandten uns Bekannten an. Aber dann gibt es doch die vielen Stunden alleine zuhause, wo nichts einen von zermürbenden Gedanken abhält.

Viele Alleinerziehende führen in diesen Zeiten einen geradezu heldenhaften Kampf. Die Kinder zuhause und dann soll man sie auch noch beim online-Schulunterricht betreuen. Fünf Dinge gleichzeitig sind zu tun. Da bleibt nicht viel Zeit für andere, befreiende Gespräche.

Und gar nicht vorstellen mag ich mir die Nöte der Menschen auf den Covid-19 Stationen in den Krankenhäusern. Die Ängste, dass es noch schlimmer wird oder dass das Schlimme nicht weggeht. Die Angst keine Luft zu kriegen, die Einsamkeit ohne Besuche.

Wo du hingehst, da will ich auch hingehen, sagt Gott.

Wir sind zusammen auf unserem Weg – wir Kinder Gottes zusammen mit dem Gott, der die Liebe ist.

Predigttext am Sonntag, 24. Januar 2021 ist Ruth 1, 1-19a.

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Alltagsglaube #22 – Löffelliste

Haben Sie auch schon einen „Löffel-Liste“? Spätestens seit dem gleichnamigen Film „The Bucket-List“ mit Morgen Freeman und Jack Nicholson ist es populär, aufzuschreiben, was man im Leben (noch) zu tun gedenkt.

Im Film stellen zwei todkranke, alte Männer zusammen, was sie im Leben noch tun und erfahren möchten, bevor sie „den Löffel“ abgeben. Sie wollen wieder einmal lachen, bis die Tränen kommen, das hübscheste Mädchen der Welt küssen, einen Camaro full speed fahren, aber auch sich mit Menschen versöhnen, mit denen sie sich erstritten hatten, Fallschirmspringen und „etwas Majestätisches“ erfahren.

Was würden Sie auf Ihre Liste setzen? Also mir fällt da eine ganze Menge ein. Zur Zeit kann man ja nicht so viel machen, aber nächstes jähr vielleicht.

Interessant bei den bucket lists, die sich so in Blogs finden, finde ich, wie unterschiedlich sie sind. Der eine möchte einen Elefanten waschen, die zweite einem Fremden helfen und der dritte unter dem Sternenhimmel schlafen. Manches ist schwerer, vieles aber leicht zu erfüllen. Deshalb meine Frage: Warum erstellt man eigentlich solche eine Liste nur mit dem Tod vor Augen? Wäre es nicht wert, das alles auch zu tun, wenn man unsterblich wäre?

Vielleicht ist deshalb besser, die Löffel-Liste in eine „runde Geburtstagsliste“ umzuwandeln: Was möchte ich zum Beispiel bis zu meinem 40. , 50. oder 65. Geburtstag getan oder erfahren haben. Allein in einem fremden Land im Überlandbus sitzen? Bei der Armenspeisung der Kirche helfen? Endlich mal wieder eine Nacht einfach durchmachen?

Was Corona nicht verhindert, können wir ja jetzt schon tun. 

Seien Sie gesegnet!

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Sonntagsgedanken 17-01-2021 Wasser in Wein

Die Witze über die Hochzeit zu Kana sind Legion. Jesus verwandelt Wasser in Wein, wir Schmalspurnachfolger schaffen höchstens das Gegenteil, scherzt man, aber damit ist tatsächlich der Kern der Erzählung getroffen, dass Jesus aus dem Gewöhnlichen das Besondere macht.

Seine Liebe wandelt banales Wasser in allerbesten Wein. Aus fragwürdigem Leben wird eine erfüllte Existenz. Aus dem Aussätzigen wird ein Gesunder und aus der ausgestossenen Ehebrecherin eine selbstbewusste Frau. Der Gauner Zachäus wird zum Wohltäter und der Feigling Petrus zum Märtyrer der Kirche. Dabei verwandelt Jesu Liebe Menschen nicht nur in den Augen der anderen, sondern auch in den eigenen. Glaube will Zufriedenheit und Gelassenheit vermitteln und Angst und Unsicherheit nehmen.

Vielleicht zeigt sich darin die unbändige Stärke des christlichen Glaubens, dass das für möglich gehalten wird: Liebe macht uns zu anderen Menschen.

John Newton, der Kapitän eines Sklavenschiffs, geriet 1748 in schwere Seenot und rief zu Gott um Erbarmen. Nach seiner Rettung trat er für die Bekämpfung der Sklaverei ein und schrieb „Amazing Grace“ über die wunderbare Gnade, die sich zeigt, wenn ein Sklavenhändler zum Befreier wird.

Oder – ein paar Nummern kleiner – der junge Mann, der mir auf der Straße hinterher rief: „Kennen Sie mich noch?“ Natürlich, vor ein paar Jahren hat er nicht nur mich im Unterricht zur Verzweiflung gebracht. Faul war er und schmiss eine Klassenstufe nach der nächsten. Und nun? „Ich bin KFZ-Mechatroniker.“ Da hat der liebe Gott uns Lehrern viel Geduld geschenkt, fiel mir ein, und Wasser in Wein verwandelt.

Liebe macht uns zu anderen Menschen, auch die Liebe zu uns selbst. Wie schön ist es, wenn man sich selbst morgens im Spiegel in die Augen schauen kann. Nicht weil man so toll und gut ist, sondern weil man sich angenommen weiß von Gott, mit Fehlern und Macken, und mit der Aufforderung im Ohr, aus der Liebe Gottes die Liebe zu sich selbst und anderen wachsen zu lassen.

Der Rahmen der Erzählung ist dabei so alltäglich wie nur irgend etwas, eine Dorfhochzeit, eine Diskussion mit der Mutter und ein Fehler bei der Berechnung des Wein-Bedarfs. Was das mit Religion zu tun hat? Nun, so viel wie das Leben mit dem Glauben zu tun hat.

Das erste Zeichen Jesu gilt den Jüngern. Sie sollen verstehen, dass der Glaube nicht aus dem Alltagsleben hinaus, sondern in die Welt hineinführt, dass es mit Jesus nicht in die Wüste, sondern ins pralle Leben geht.

Dorthin, wo uns andere begegnen mit ihren großen und kleinen Problemen, wo wir die großen Sorgen der Kranken ebenso sehen wie das Unglück der Jugendlichen, die zur Zeit nicht verreisen können, wo uns die Wohnungsnot der Armen ebenso berührt wie die selbstverschuldete Einsamkeit der unerträglichen Nachbarin.

Jesus verwandelt jede Fragwürdigkeit des Lebens in eine hoffnungsvolle Existenz. Den guten Wein gibt es zum Schluss. Grund zur Freude ist das allemal. Mit Wein, Musik und Tanz – und mit allem Glauben, aller Hoffnung und aller Liebe, die unser Leben besser machen.

Predigttext am Sonntag, 17. Januar 2021, ist Johannes 2, 1-11.

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Alltagsglaube #21 – Anders ticken

So schade, dass es keine 13. Staffel mehr gab, aber ich habe längst noch nicht alle Folgen gesehen. Vor einem Jahr schon war Schluss mit der Comedy-Serie „Big Bang Theory“ (also: Urknall-Theorie). Das ist immer noch eine der erfolgreichsten Sitcoms der Welt. Es geht dabei um junge Männer, die man gemeinhin als Nerds, also Computerfreaks, bezeichnet. Allesamt mit einem IQ von über 173 haben sie größte Schwierigkeiten, sich in der normalen Welt zu bewegen.

Galten früher nur die Jungs etwas, die gut Fußballspielen oder wenigstens einem anderen eine aufs Maul geben konnten, gelten nun offenbar andere Maßstäbe. Streber sind in, wie man auch an und in den aktuellen Spielfilmen über den genialen Mathematiker Alan Turing oder den berühmten Astrophysiker Stephen Hawking sieht.

Für mich – Geräteturnen: immer mangelhaft – ist das eine beruhigende Entwicklung. Gut, dass wir uns immer weiter von der testosteron-gesteuerten Macho-Gesellschaft entfernen. Es hat im übrigen auch der Kirche gut getan, dass sie „weiblicher“ geworden ist. Die alten Patriarchen tragen zur heutigen Welterkenntnis nicht mehr viel bei, und vor religiösen Vollbärten und frauenfeindlicher Dogmatik sollte man sich in jeder Religion hüten.

Der „neue Mann“ hat gesiegt, wenn auch Dr.Dr.Cooper aus der Big Bang Theory gewiss nicht die Erfüllung aller Träume von Frauen darstellt. Und das ist die andere Seite, die witzig und vor allem spannend ist: Wie lebt es sich in einer Welt, in der die wichtig sind, die mit dieser Welt fremdeln? Ich denke, gerade Außenseiter können sehr inspirierend sein, weil sie einen zum Nachdenken bringen: Nicht über die Superstrings (für Laien: Das ist nichts Unanständiges, sondern etwas Physikalisches!), sondern über unser routiniertes Leben. Ein bisschen Irritation hat noch keinem geschadet. „Here’s to the crazy ones…..“ Ein Hoch auf die, die anders ticken! 

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Sonntagsgedanken 10-01-2021 Einen Sch… muss ich

 Was ich am wenigsten leiden kann, sind Heuchler, Leute die Wasser predigen und Wein trinken. Die anderen sagen, was sie tun sollen, aber sich selbst nicht daran halten. Wenn man von etwas überzeugt ist, muss man es selbst auch leben, denke ich. Sonst bleibt das nur Geschwätz. Und gleichzeitig muss man ja nicht alles tun, was andere von einem erwarten.

Dazu habe ich ein witziges Buch geschenkt bekommen. Es heißt „Einen Sch…. muss ich.“ Ein Comedian hat es verfasst. Er beschreibt, wer uns alles mit was Angst macht und uns sagt, was wir tun müssen. Sie kennen das: Mehr Sport treiben und nicht mehr fliegen, die Kinder in die Musikschule bringen und ja keine Schokolade essen. Und die einzig angemessene Reaktion darauf ist für ihn die flapsige Reaktion: „Einen Sch… muss ich!“

Der Ausdruck mag nicht jedermanns Sache sein, aber der Inhalt ist ungemein befreiend. Wenn jemand zu einem sagt: „Du musst!“, dann ist es gut, wenn man zunächst die ablehnende Haltung einnimmt: „Ich muss gar nichts!“ Obwohl es ja oft einfacher ist, bei dem mitzumachen, was alle machen.

Andererseits – und darauf zielt das Buch – kann oft gerade auch dieses Hinstehen befreiend sein, wenn man sagt: „Ich brauche hier nicht mitzumachen.“ Ich muss nicht mitmachen bei all der Rechthaberei und dem Besserwissen, bei dem Mitläufertum und Protestgeschrei. Bei all der Angst, das Falsche zu tun. Bei den Spielen um Macht und Anerkennung im Beruf. Wir brauchen auch keine Fassade um unser Leben zu errichten und brauchen nicht das tun, was alle tun. Ich zum Beispiel brauche keinen Fußball, kein schnelles Auto und keinen Hund. Und das ist gut so. Und wer das mag, der mag eben Fußball, Autos und Hunde. Auch das ist gut so. Unser Lebenssinn hängt nicht daran, dass wir die Erwartungen anderer erfüllen.

Wichtig ist es, dass wir unser eigenes Leben als wirklich privates und persönliches führen und verantworten können. Als Christ würde ich sagen: Vor Gott verantworten können. Jeder für sich. Und deshalb kann es uns letztlich egal sein, was die anderen von uns denken. Hauptsache, wir leben unseren Glauben so, wie es Gottes Wille ist.

Der Apostel Paulus hat das etwas altertümlich, aber ganz toll ausgedrückt: „Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“

Wir brauchen nicht dauernd das Lob anderer, um unserem Leben Sinn zu geben, und wir brauchen auch nicht an uns selbst zu zweifeln, wenn wir Misserfolg haben. Hoffend und liebend dürfen wir uns in der Welt bewegen, können das Gute tun und brauchen beim Schlechten nicht mitzumachen.

Allerdings: Wer gegen die Strömung schwimmt, sollte nicht damit rechnen, dass der Fluss seine Richtung ändert, hat Stanislaw Jerzy Lec gesagt. Glaube hat man eben immer für sich selbst. Jemand hat das mal die Unangepasstheit des Glaubens genannt. Man lebt hier und jetzt und mit anderen zusammen, aber irgendwie geht man doch nicht darin auf. Jeder denkt und lebt und glaubt eben in eigener Verantwortung.

Von dem Dichter Robert Frost gibt es dazu ein schönes Zitat: „Im Wald zwei Wege sich mir boten dar; und ich nahm den, der weniger betreten war. Und das veränderte meine Leben.“

Der Glaube präsentiert uns keine ausgetretenen Pfade. Die müssen wir schon selber suchen. Und dabei wird nicht immer klar sein, wo der nächste Schritt hinführt. Aber Gott hat uns Glaube, Liebe und Hoffnung gegeben. Und den Mut, mit den Unplanbarkeiten des Lebens zu leben. 

Ich denke, vor allem für Jüngere kann diese christliche Botschaft von der Unangepassheit des Glaubens wichtig sein. 

Die Zukunft unserer Kinder scheint bei weitem nicht mehr so vorhersehbar und sicher zu sein, wie wir es gerne hätten. Doch das ist vor allem ein Problem unseres Alters. Unsere Kinder werden die Folgen des Klimawandels meistern. Und sie werden lernen, mit Corona zu leben. Und ihren Alltag werden sie auch ohne unsere Ratschläge bestehen, ohne, dass sie sich uns gleichstellen und es genauso machen wie wir es früher gemacht haben. Es wird weiterhin Gutes und Schlechtes geben, Probleme und neue Chancen. Und dass nichts in der Welt sicher ist, das haben wir im Corona-Jahr gelernt.

Viel wichtiger als die Befürchtungen ist für unsere Nachkommen deshalb das Wissen, dass die Zukunft nicht in unseren Befürchtungen, sondern in Gottes Hand liegt. Unsere Pläne sind so kraftlos wie unsere Angepasstheit. Was zählt ist unser Glaube.

„Im Wald zwei Wege sich mir boten dar; und ich nahm den, der weniger betreten war.“

Christus spricht: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!“ Das ist unser Weg als Christen, und es ist ein guter Weg, auf dem der Apostel Paulus uns rät:

„Stellt euch nicht dieser Welt gleich, macht nicht das, was man immer gemacht hat, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr selbst prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“

Predigttext am Sonntag, 10. Januar 2021, ist Römerbrief 12, 1-8.

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Alltagsglaube #19 – Bob Dylan’s Gesicht

Letztes Jahr stand ich vor Bob Dylans erster Wohnung in Manhattan. Hier hat er The Times They Are a-Changin’ geschrieben – vor 56 Jahren. Und wie sehr sich die Zeiten geändert haben, sieht man nicht nur dem Gesicht des amerikanischen Sängers an, sondern jeder von uns Älteren fragt sich vermutlich auch beim morgendlichen Blick in den Spiegel: Bin der alte Mann da wirklich ich?

Als Pfarrer hat man ja noch die Chance, es beim Besuch im Pflegeheim hinter dem Rücken tuscheln zu hören: „Das ist aber ein junger Pfarrer.“, aber glauben will man nicht mehr daran, wenn bei Geburtstagsfeiern die Themen nicht mehr Frauen und Hausbau heißen, sondern Gesundheit und Rentenversicherung. Einziger Trost? Es geht allen so….

Blickt man dann aber ehrlich zurück, wird man feststellen, dass es in der Jugend auch nicht so toll war, mit den Peinlichkeiten der ersten Liebe, den Unsicherheiten der Berufswahl und der Härte mancher Prüfungen. Gut, wenn man keine Prüfung mehr machen muss und zu sich stehen kann!

Fünfzig ist das neue vierzig, sagt man, – und achtzig das neue sechzig? Jedenfalls geht es den meisten von uns so gut, dass wir für unser Alter noch recht fit sind. Freuen wir uns daran, und machen wir was daraus! 

Bob Dylan ist auch mit 79 immer noch der Beste! Und wir träumen davon, mit seiner Musik im Ohr auf einer Harley der Morgensonne entgegen zu fahren – während wir in Wirklichkeit auf der Yoga-Matte zuhause unsere Rückenmuskeln stärken. Auch nicht verkehrt!

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Sonntagsgedanken zum neuen Jahr

Die für mich beeindruckendste Weihnachtsansprache kam in diesem Jahr von der englischen Königin. Unaufgeregt aber eindringlich sprach sie ihren Untertanen, gleich welcher Religion, Mut zu und erzählte, was sie persönlich geprägt hat: Die Erzählung vom barmherzigen Samariter. 

Damit hat sie den Kern des Christentums getroffen. Nächstenliebe ist, wie man heute sagt, die DNA unseres Glaubens. Ganz klar, ganz eindeutig und ohne Hintertürchen. Wer an Gott glaubt zeigt das dadurch, dass er seinen Nächsten liebt. Punkt!

Und wer ist mein Nächster? heißt die Frage im Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Und die Antwort lautet: Der, der jetzt meine Hilfe braucht und dem ich jetzt helfen kann, und zwar egal, was der andere glaubt oder meint, wie er ist oder was er angestellt hat.

Barmherzigkeit nennt das in einem schönen, alten Wort die deutsche Bibel. „Seid barmherzig, wie auch Gott barmherzig ist,“ heißt das biblische Motto für das neue Jahr. In unserer Kirche hängt das groß an der Wand. Seien wir also barmherzig im Jahr 2021!

Auch im neuen Jahr, muss man betonen, denn die Barmherzigkeit im alten Jahr war schon überwältigend. Menschen, die nicht nur an sich, sondern an andere gedacht haben, haben Barmherzigkeit nicht nur gezeigt, sondern gelebt. All die Pfleger und Ärztinnen, die Polizisten und Rettungskräfte, aber auch all die, die für Nachbarn eingekauft oder für die Freundin auf die Kinder aufgepasst haben. Ich denke an die Barmherzigkeit all derer, die um den Arbeitsplatz ihrer Beschäftigten gekämpft haben, und die da waren, damit wir Wasser und Strom haben, Lebensmittel und natürlich auch das Internet.

„Seid barmherzig!“ soll es auch im neuen Jahr heißen, gerade auch für uns als Kirche. Das ist unser Markenkern. Man erkennt uns an der Nächstenliebe, die hilft, wo es nötig und möglich ist. Das war schon immer so.

1906 eröffnete die Kirchengemeinde Sontheim den Kindergarten Ackermannstift, wo Arbeiterinnen ihre Kleinen in guten Händen wussten. Eine Erfindung des Pfarrerssohns Friedrich Fröbel.

Und jetzt stehen hinter unserem Gemeindehaus kleine Holz-Häuser. Wenn sie endgültig aufgestellt sind, werden hier zwei Menschen eine Wohnung finden, die in Heilbronn sonst keinen Raum haben. Das ist ein Projekt der diakonischen Aufbaugilde, bezahlt von vielen und getragen von der Kirche. Nächstenliebe ist unsere DNA als Christen. Da kann man nichts dran ändern, denn uns ist gesagt: „Seid barmherzig!“, ganz klar.

Aber zwei Fragen bleiben. Zum einen: Wie ist das mit Leuten, die Barmherzigkeit nicht verdient haben? Und dann die Frage: Was haben wir davon?

Zunächst: Barmherzigkeit gilt allen. Auch den Dummen, die einem idiotische Parolen ins Ohr brüllen. So soll auch der Coronaleugner im Krankenhaus ein Beatmungsgerät bekommen, wenn er es braucht. Und Jana aus Kassel hoffentlich ein bisschen Bildung. Da sollten auch die jungen Leute barmherzig sein, die sich in den sozialen Medien nicht zu Unrecht über das Mädchen lustig gemacht haben.

Barmherzigkeit gilt eben auch denen, die im Leben auf sehr krummen Wegen gehen und die es einem schwer machen, ihnen zu helfen; die uns ablehnen, wenn wir doch nur helfen wollen. 

Gerade hier muss man barmherzig sein. Wer helfen will, muss auch einstecken können, das wissen wir. Der mürrische alte Mann braucht unsere Hilfe, und das aggressive Kind auch. Die Drogenabhängige, die immer lügt, und der Schläger, den man einsperren muss. 

Barmherzig sollen wir sein, auch wenn uns jemand dumm oder krumm daher kommt, barmherzig zu den schrägen Vögeln und dunklen Gestalten.

Und warum? 

„Seid barmherzig, wie auch Gott barmherzig ist.“ heißt das Motto. Barmherzig ist Gott zu uns. Denn wir selbst sind doch jeden Tag auch auf Barmherzigkeit angewiesen. Wir sind angewiesen darauf, dass wir gesund bleiben oder werden, dass Unheil uns verschont und unsere Liebsten, dass wir unser Auskommen haben und es das Leben gut mit uns meint. Wir selbst sind jeden Tag auf Barmherzigkeit angewiesen.

Jeden Tag sind wir darauf angewiesen, dass andere uns vergeben und uns ertragen. Da war man mürrisch zum Partner – hoffentlich erträgt er uns heute. Da beantwortet man einen Fehler der Kassiererin mit einer spöttischen Bemerkung – es sei uns vergeben. Da merkt man beim Jahresrückblick, was man alles falsch gemacht hat gegenüber anderen oder überhaupt im Leben. Alles, was nicht geklappt hat und wo man doch verantwortlich dafür ist. Wer vergibt einem das?

Die christliche Antwort heißt hier: Gott. Er ist barmherzig, er vergibt uns, was andere nicht vergeben können, weil wir es uns selbst vergeben müssten, aber nicht können. Mir selbst fällt oft erst hinterher ein, was ich leichtfertig gesagt habe oder was ein Fehler war. Es tut mir leid, wo ich andere enttäuscht habe oder einfach zu schwach war. Und mit jeder Minute, die ich überlege, fällt mir mehr ein. 

Lassen wir das alte Jahr hinter uns! Und all das, wo wir Dummes gedacht und Unüberlegtes getan haben! Vertrauen wir es Gott und seiner Barmherzigkeit an! Lassen wir unsere Irrtümer hinter uns und suchen bei Gott neue Orientierung! Seien wir barmherzig zu uns selbst und machen wir uns frei von dem Alten!

Corona hat das ja mehr oder weniger erzwungen. Das Alte galt im zurückliegenden Jahr nicht mehr viel. Die Planungen des letzten Silvester lagen genauso daneben wie die ersten Versuche, der Covid-19-Epidemie Herr zu werden. Alte Überzeugungen wurden hinfällig. Wir mussten lernen, „auf Sicht zu fahren“ und sind dabei dem Straßenrand manchmal verdächtig nahe gekommen, nicht nur die Politiker, auch wir selbst.

Aber eigentlich ist das ja das christliche Leben per se: Auf Sicht zu fahren. Und dabei keine Frucht zu haben. „Was wollt ihr für den morgigen Tag sorgen?“ fragt Jesus. „Überlasst das Gott. Sorgt ihr für den heutigen Tag!“ Und habt heute keine Frucht vor dem, was morgen kommt. Seid heute freundlich und liebevoll, mutig und habt Vertrauen, so gut ihr eben könnt!

Und das können wir, weil Liebe und Hoffnung uns tragen, und vor allem, weil Gott uns trägt, der die Liebe ist – und barmherzig.

Ein gesegnetes neues Jahr wünsche ich Ihnen!

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Alltagsglaube #20 – Shopping Queen, aber freundlich

Ich muss zugeben, ich mag ihn und seine Sendung. Guido Maria Kretschmer, präsentiert die „Shopping Queen“ auf VOX so angenehm, dass man ihn sich durchaus als Vorbild auch in anderen Bereichen nehmen kann. 

Die junge, leicht übergewichtige Kandidatin, die mit ihrer türkisfarbenen Frisur und dem viel zu engen Kleid zum Thema „Weihnachtsfeier“ total daneben lag – der liebe Guido fand dennoch die freundlichsten Worte und entdeckte die positiven Seiten, wobei er zugleich eindeutig klar machte, dass er das insgesamt nicht so doll findet. Unserem Leben tut es ja gewiss gut, wenn wir auf Schönheit und Stil achten.

Ehrlichkeit und Freundlichkeit zu verbinden, ist eine große Kunst, und dennoch für jeden von uns alltägliche Aufgabe. Man ärgert sich über die Dränglerin an der Supermarktkasse – und soll da freundlich bleiben? Ich rutsche da leicht ins Spöttische ab. Oder die junge Männerstimme aus dem Call-Center, die zwar das Problem am PC nicht lösen konnte, aber einem zum Abschied noch den Wunsch nach einem wunderschönen Abend ins Ohr flötet – wer glaubt schon, dass das ehrlich gemeint ist?

„Man sollte die Wahrheit dem anderen wie einen Mantel hinhalten, dass er hineinschlüpfen kann – nicht wie ein nasses Tuch um den Kopf schlagen“ hat Max Frisch dazu gesagt. Guido Maria Kretschmer praktiziert es in seiner Show. 

Und ohne die beiden Prominenten zu himmlischen Ehren kommen lassen zu wollen: Diese Haltung ist gar nicht so weit weg von dem, was in der Bibel steht und ein guter Vorsatz für das neue Jahr ist: Nehmt einander an! Mit euren Fehlern, Macken und der misslungen Frisur.  

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Weihnachtspredigt

„In Zeiten tiefer Krisen haben wir ein Recht auf Erleuchtung,“ hat die Philosophin Hannah Arendt gesagt. Menschen haben ein Recht darauf, dass man sie nicht im Dunkeln sitzen lässt, sondern ihnen Erleuchtung bringt, Licht ins Leben. 

Das ist vielleicht die Aufgabe der Kirche in dieser Zeit. Und das ist vielleicht auch das, was viele zu Weihnachten suchen: Licht im Dunkel. 

Davon spricht die Bibel am Anfang des Johannes-Evangeliums, wo es heißt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis.“

Finsternis erleben wir seit Monaten zu genüge: Angst vor Krankheit, Sorgen um die Existenz, Furcht vor Einsamkeit. Für andere war dieses Jahr nicht nur ein bisschen finster, sondern rabenschwarz, und das nicht nur wegen Corona.Tatsächlich wurden manche schwer krank. Tatsächlich wurde einem das Leben auf den Kopf gestellt. Und tatsächlich wacht man nun jeden Morgen alleine zuhause auf.

Aber natürlich gibt es andere, für die es in diesem Jahr hell war: mit der Freude an den Kindern, dem Stolz auf Geleistetes und den Gefühlen von Geborgenheit, die in diesem Jahr besonders bewusst wurden.

So unterschiedlich sind wir und so unterschiedlich ist unser aller Leben. Und so sind wir alle an der Krippe versammelt im Stall von Bethlehem. Und aus dieser Krippe strahlt das Licht der Menschen, heißt es. Das Licht der Menschen, für Johannes ist es Leben, menschliches Leben in seiner einfachsten und reinsten Form: Ein Kind. Kind einfacher Eltern, ärmlich geboren. In einem Menschenskind, in einem MenschenLEBEN offenbart sich Gott. In einem Kind offenbart sich richtiges, gutes und schönes Leben. In einem Kind zeigt sich das Licht der Welt, das die Finsternis um uns hell machen will.

Licht in der Dunkelheit. Wer wünscht sich das nicht, wenn es finster ist? Wenn einen immer wieder, immer neue Probleme und Nöte plagen? Wenn man als Hirte auf einem dunklen Feld bei der Herde sitzt? Wenn man als junge Frau unterwegs in der Fremde ist? Wenn man zum Himmel blickt, um auf die bohrende Frage nach dem Woher und Wohin im Leben keine Antwort zu erhalten?

Plötzlich kommt dann ein Leuchten vom Himmel und Klarheit. Plötzlich ertönt Gloria-Gesang und der Ruf zur Krippe. Doch als die Engel wieder weg waren und die Hirten auf dem Heimweg vom Stall, da war es wieder dunkel. Aber es bleib nicht finster. Die Hirten erzählten erstaunt und erschrocken, erfreut und aufgeregt von dem,  was sie gesehen hatten: 

Ein Kind in einem Stall und angeblich Gesänge vom Himmel herab. 

Das Kind im Stall als Sohn Gottes, das ist ein ebenso unbeweisbares Erlebnis wie banales Ereignis. Das soll die Erlösung sein? Ein Kind erlöst von Not und Angst, von Streit und Tod? Damit soll alles Dunkel ein Ende haben? Zu Weihnachten können wir das so erleben. 

Die Krippe strahlt für viele Ruhe und Frieden aus. Die Krippe macht nachdenklich und erhellt die, die sich davon ergreifen und erleuchten lassen, und die dabei spüren oder zumindest erahnen: Das Leben ist doch auch schön! Machen wir es schön! Auch für andere!

Das Leben ist nicht immer hell, aber es ist schön, wenn uns ein anderer mit seiner Liebe berührt, wenn er uns an die Hand nimmt – oder vielleicht auch einfach nur die Hand hält.

Das Leben ist doch schön! Wenn wir stolz auf unsere Kinder schauen oder auf die Enkel, wenn wir spüren, wie unsere Familie, Eltern und Geschwister, Lebenspartner und Kinder uns lieben und uns mit ihrer Liebe Halt geben.

Das Leben kann doch schön sein – wenn wir Gutes tun und uns das in der Seele auch gut tut. 

Plötzlich sehen wir den unglaublichen Stress der Pflegekräfte im Krankenhaus – und werden verständnisvoll. Plötzlich sehen wir die Menschen, die hier in Heilbronn keine bezahlbare Wohnung finden, und tun was dagegen. Wir hier in Sontheim mit zwei kleinen Häuschen. Plötzlich sehen wir die, denen wir doch die Hand reichen könnten. „Die Leute in den Geschäften sind so nett“ hat mir eine Frau gesagt, die beim Einkauf auf Hilfe angewiesen ist.

Das Kind in der Krippe strahlt tief in uns hinein. Das ist das Tolle an Weihnachten. Hoffnung auf Licht – dann, wenn wir es brauchen. Wenn es finster ist, werden wir Licht spüren, sagt Weihnachten. Wenn das Leben schwer ist, können wir uns getragen fühlen. Wenn unsere Träume Makulatur werden, bleibt die Hoffnung, dass in dem Kind der Krippe Gott zu uns Menschen gesprochen hat und sagt: Fürchtet euch nicht! Ich bin das Licht der Welt! Und das Licht auch für Dich, an jedem Tag Deines Lebens.

Gesegnete Weihnacht wünsche ich Ihnen!

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Sonntagsgedanken 20-12-2020 – Lachen, Wünschen und ein anderes Leben

Enttäuschungen verleiden einem das Lachen. So wie jetzt manchem im Corona-Advent – und damals in der Bibel Sara. Ihr und ihrem Mann Abraham war eine große Nachkommenschar verheißen worden. Aber es hatte nicht geklappt. Sara konnte keine Kinder bekommen und nun war sie zu alt, viel zu alt dafür. Als Demütigung hat sie das gewiss erfahren, und aus Enttäuschung kann man auch verhärmt werden. Aber Sara hatte das hinter sich. Das Alter macht vielleicht wirklich weise. Alt waren Sara, uralt. Bis ein Mann, ein Engel sagt man, Ihr ankündigte, dass sie doch noch schwanger wird. Ein Kind zeugen? Sara lacht. Liebeslust scheint dazu auch noch ferne. Es ist ziemlich erfrischend, wie offen die Bibel das erzählt. Sara lacht – über ihr „Liebesleben“ oder über die unrealistische Verheißung. Abraham hat da deutlich weniger Humor. Männer verstehen da weniger Spaß, und er stellt sie zur Rede – und sie streitet es ab. Aber sie hat doch gelacht. Ein Kind zeugen – wenn man schon so alt ist? Das ist doch völlig unrealistisch.

Haben wir den Mut, uns etwas Unrealistisches zu Weihnachten zu wünschen? Etwas, das man nicht kaufen kann? Ich glaube, es fällt uns schwer. Wir wollen nicht enttäuscht werden. Und wollen keine Wünsche haben, die nicht erfüllt werden. Oder doch? Ein Wunsch, der sich nicht erfüllen lässt? Versöhnung nach vielen Jahren vielleicht, oder eine bessere Gesundheit. Ein anderes Leben – und die Freiheit dazu. Vielleicht auch Wünsche für andere, für die Liebsten, für die Kinder, dass es ihnen gut geht, für die Eltern, dass es ihnen wieder besser geht. Solche Wünsche erfüllen sich nicht von selbst, das wissen wir.

Wahrscheinlich gewöhnt man sich daran, dass Wünsche nicht erfüllt werden. Für Sara war es wohl inzwischen in Ordnung, so wie es war. Im Alters war sie gelassen geworden. Und gelassen war sie alt geworden. Ihr Wünsche hatte sie dabei vergessen. Und Gottes Verheißung auch – dass sie zahlreichen Nachkommen haben wird. Aber damit kommt sie nicht durch. Gott erfüllt seine Verheißung für sie – nicht gleich, sondern erst später. Männer -Engel- kündigen das an. Geglaubt hatte Sara das nicht mehr. Da kann sie nur lachen.  Nicht sarkastisch, sondern gelassen: „Kinder bekommen? (lacht) Diese Zeit ist vorbei.“

Aber man sollte Gott nicht unterschätzen. Man sollte nicht unterschätzen, welche Möglichkeiten das Leben immer wieder doch bietet. Auch im Alter, auch dann, wenn alles geklärt scheint, bietet sich Neues an. Manchmal überraschend – und manchmal haben wir es auch nur übersehen. Wünsche können wahr werden. Vielleicht nicht genau so, wie wir uns das vorstellen, aber irgendwie dann doch. Oft ist es ja so, dass wir Gott eher unter- als überschätzen. Oft ist es so, dass wir unserem Leben nicht mehr viel zutrauen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ sagt man, aber ich denke, dass es oft auch umgekehrt ist: Dass die Hoffnung zuerst vergeht – und dadurch manches trüber und dunkler wird, und unmöglicher. Man richtet sich ein in den Begrenzungen, macht sich keine falschen Hoffnungen mehr, hat gelernt, dass manche Wünsche unerfüllt bleiben. Und es stimmt ja: „Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche“, wie Dietrich Bonhoeffer gesagt hat. „Aber alle seine Verheißungen.“

Was hat Gott uns verhießen?

Bei uns zu sein bis an der Welt Ende! – Ich habe das schon gespürt und Sie vielleicht auch. In schweren Stunden fühlt man sich plötzlich irgendwie doch gehalten und getragen. Eine Stimme sagt einem:        Das geht gut aus! – Auch wenn du jetzt im Krankenhaus noch auf dem Gang sitzt und ängstlich wartest; auch wenn es ganz anders kam, als du gedacht hast.      Am Ende wird es gut sein.

Gott hat uns verheißen, dass unser Leben erfüllt sein wird. Nicht weil wir es so wollen und gestalten, sondern weil er uns alle Angst nehmen will und alle Schuld, weil er uns erträgt in all unserer Fehlerhaftigkeit und Schwäche.

Und Gott hat der Welt verheißen: Wenn die Zeit erfüllt ist, zeigt er selbst sich. Das wird anders sein, als gewünscht und vielleicht sogar anders als erhofft: Gott zeigt sich in einem Kind in der Krippe, zeigt sich im Jubel der Engelchöre, im Erstaunen der Hirten und in der Freude der Kinder.

Das alles ist Grund zur Freude und auch ein Grund zu lachen. Vielleicht hat Sara deshalb gelacht. Weil sie dachte, wenn das stimmt, wenn – wie es in der Bibel heißt – die Liebeslust wieder erwacht und ein Kind kommt, dann ist doch alles gut, alles leicht – und wir selbst können lachen, so wie Lachen im besten Falle eben ist: unbeschwert und frei!

Das wird natürlich nicht andauern. Lasten bleiben und das Unmögliche wird nicht plötzlich machbar sein. Aber als Sara hinter dem Vorhang steht und ob der Verheißungen lacht, da hat sie das vielleicht auch getan, weil das sie doch verunsichert hat: „Was, wenn es wahr ist? Was wenn mein Leben noch einmal eine neue Wende bekommen kann?“  Dann lache ich dem Schicksal ins Gesicht und verlasse mich lieber auf Gott, der seine Verheißungen erfüllt und uns über die Begrenzungen unserer Welt lachen lässt.

Seien Sie behütet!

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