Sonntagsgedanken 28-11-2021 – Advent: Gibt’s gerechte Herrscher?

Eines Tages wird ein gerechter Herrscher kommen und „wohl regieren mit Recht und Gerechtigkeit“ heißt die biblische Ansage zum 1. Advent.

Wir haben da wohl alle eher einen realistischen Blick auf die Politik. Recht und Freiheit stehen weltweit nicht mehr so hoch im Kurs, wie es sein sollte. Mancherorts versuchen die Männer und Frauen in der Politik ihr Bestes, in anderen Ländern dienen sie nur ihren eigenen Machtinteressen.

Aber auch der im Buch Jeremia verheißene Herrscher ist nicht gekommen. Noch jahrhundertelang hat Israel sich durchgewurstelt und war mit sich selbst und seinen Herrschern unzufrieden.

Die Hoffnung auf den gerechten Herrscher war allerdings inspirierend, wurde auf Christus gerichtet und gibt Menschen in aller Welt bis heute Hoffnung.

Hoffnung  – nicht auf ein politisches Paradies, sondern auf Menschen, die in ihrem Glauben den Anlass sehen, für Freiheit und Gerechtigkeit einzutreten. 

Und solche Menschen gibt es mehr als genügend in unserem Land. Gott sei Dank!

Predigttext am 1.Adventssonntag ist Jeremia 23, 5-8.

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Sonntagsgedanken 21-11-2021 – Vergeblichkeit

Finster wird es im November am Ende der Kirchenjahres. Nicht nur draußen, sondern das kann auch im Inneren passieren, wenn sich das Gefühl einstellt: Es war alles umsonst! Alle Liebe vergeblich, alle Mühe folgenlos. Nichts ist gut!

Doch das Leben ist in Wirklichkeit nicht von seiner Vergeblichkeit bedroht, sondern von seiner Unvorhersehbarkeit, die Angst machen kann. An jedem neuen Tag lauert eben nicht nur Gefahr, sondern kann auch das Gute kommen, kann einem die Liebe neu über den Weg laufen, kann unser Tun Früchte zeigen, wo wir keinen Erfolg vermutet haben. Das zu hoffen, ist weise. Warum also daran zweifeln?

Predigttext am Ewigkeitssonntag ist Jesaja 65, 17-25

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Sonntagsgedanken 14-11-2021 – Vergänglichkeit

Alles hat ein Ende, nichts bleibt. Ein melancholischer Gedanke aus der Bibel, der ganz gut zu dem Empfinden vieler Menschen passt – nicht nur im November. Vergänglichkeit stellt unser ganzes Leben in Frage.

Oder ermöglicht Vergänglichkeit unserem Leben nicht erst Sinn? So kann man das ja auch sehen. Zum Glück ist nichts ewig – kein Fehler, keine Beeinträchtigung. Nichts, was sich falsch anfühlt, muss so bleiben.

Und dann kann man Vergänglichkeit ja auch als Ansporn verstehen, endlich in der Gegenwart zu leben. Unsere Tage sind begrenzt. Hier und heute gilt es das Richtige zu tun.

Predigttext am Sonntag, 21. November 2021, ist 2. Korinther 5, 1-10.

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Sonntagsgedanken 07-11-2021 – Halbvolle Gläser

Auf die tiefgründige Frage „Ist das Glas halb voll oder halb leer?“, mit der man Optimisten und Pessimisten unterscheiden will, gibt es für mich nur eine sinnvolle Antwort: Es hat die falsche Größe.

Ist unser Leben halb voll, also schön, toll und einfach lebenswert, auch wenn nicht alles hundertprozentig ist. Aber die Probleme muss man eben akzeptieren und angehen? – Oder ist unser Leben halb leer, also eigentlich nur bestimmt von Ärger und Not, Problemen und Leiden, angesichts derer die gelegentllche Lebensfreude nicht ins Gewicht fällt? Beide Sichtweisen lassen sich erleben und scheinen Recht zu haben.

Aber ich denke, beide Sichtweisen sind falsch: Wer das Leben durch Leiden gleich ganz in Frage gestellt sieht, sollte all das Gute darin, die Liebe und die Kinder zum Beispiel, nicht so gering achten. Und wer die Lebensfreude mit dem Sinn des Lebens verwechselt, verdrängt die Ernsthaftigkeit menschlicher Not.

Beides hat letztlich die falsche Größe. Unser Leben lässt sich nicht als gesamtes messen, ob es erfolgreich oder gescheitert ist, sondern jeder Tag ist neu, jede Sekunde ist geschenkt. Heute sollen wir leben. Und Hoffnung haben, dass all das Gute und Gelingende, was wir noch nicht sehen, letztlich Wirklichkeit wird.

Predigttext am Sonntag, 7. November 2021, ist Psalm 85.

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Sonntagsgedanken 31-10-2021 – Freiheit!

Wäre das nicht herrlich, keine Angst zu haben, keine Angst vor dem Versagen und keine Angst vor dem Urteil anderer, keine Angst vor den eigenen Grenzen und keine Angst vor dem Ewigen? Dann kann man sich wirklich frei fühlen.

Die Reformatoren haben die Freiheit ins Zentrum ihrer Überlegungen gestellt. Und ihnen war klar, dass Freiheit auch eine Herausforderung ist. Wer frei ist, kann nicht mehr andere für das eigene Leben verantwortlich machen, sondern ist selbst verantwortlich.

Aber es lohnt sich, die Freiheit zu schätzen. Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck hat in seiner Autobiographie darauf aufmerksam gemacht und geschrieben: „Wir haben die Freiheit ersehnt, sie hat uns angeschaut, wir sind aufgebrochen und sie hat uns nicht im Stich gelassen.“

Predigttext zum Gedenktag der Reformation ist Galater 5, 1-6.

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Sonntagsgedanken 24-10-2021 – Erziehungssorgen

Maria hatte es mit ihrem Ältesten nicht leicht. Der Junge ließ mit dreißig Jahren alles stehen und liegen, verließ das zuhause und zog als Wanderprediger umher. Seine Geschwister suchten ihn, bedrängten ihn und bescheinigten ihm schließlich, dass er von Sinnen sein. Eine Geschichte von Jesus, die nicht so oft erzählt wird, aber genau so in der Bibel steht.

Probleme in der Familie trägt man nicht gerne nach außen. Die sind auch so schon groß genug. Dabei hat jeder sein Päckchen zu tragen, wie man etwas verharmlosend sagt: Kinder, um die man sich Sorgen macht, und alte Eltern, die Fürsorge brauchen; Krankheiten, die einen bedrohen, und Süchte, die Menschen gefangen halten.

Andere geht das wirklich nichts an, finde ich. Umso wichtiger ist es aber, dass die Menschen zusammenhalten, die zusammengehören. Das klappt nicht das ganze Leben über. Geschwister kommen sich oft erst im mittleren Alter wieder nahe. Ich denke, die Zeit dazwischen braucht man auch. Die Jahre, wo man alleine entdecken muss, was einem im Leben wichtig ist und gut tut.So wie Jesus seinen Glauben entdeckt hat.

Predigttext am Sonntag, 24. Oktober 2021, ist Matthäus 10, 34-39

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Sonntagsgedanken 17-10-2021 – Indian Summer

Auf meiner To-Do-Liste steht unter anderem noch ein herbstlicher Wunsch: Einmal den Indian Summer im Nordosten Amerikas erleben. Bei uns ist der Herbst meist ja schon recht feucht, aber rund um die Großen Seen im Norden Amerikas ist er fast immer trocken und warm, und die Sonne scheint am blauen Himmel, so dass die herbstlichen Blätter in vielen Farben regelrecht strahlen.

Wenn man so langsam alt wird, spürt man, dass die fiebrigen Hochsommertage im Leben vorbei sind. Aber bevor ich trübsinnig an den Herbst des Lebens denke, schaue ich mir lieber das immer noch strahlende Leben an.

„Um Gottes Willen: Denk an heute!“ hat Jesus gesagt, jedenfalls so ähnlich. „Sorge dich nicht um morgen“, heißt es in der Bergpredigt. Dazu ist es morgen noch früh genug. Nütze den heutigen Tag. Egal, ob schon Herbst ist. Wenn die Sonne scheint, halte die Nase dorthin. Wenn es warm ist, dann wirf den Grill im Garten an. Und wenn es regnet – ziehe die Gummistiefel an und spring in eine Pfütze.

Am Ende des Herbstes, fallen die Blätter, und in Amerikas Norden zieht meist ein strenger Winter ein. Keine Frage. Aber so weit ist es noch nicht.

Predigttext am Sonntag, 17. Oktober 2021, ist Prediger 12, 1-7.

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Sonntagsgedanken 10-10-2021 – Hoffnung stirbt zuletzt

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt man. Oder. „Jetzt kann man nur noch hoffen“ Beides klingt nicht besonders aufmunternd, sondern nach dem Gegenteil. Manchmal kann man nichts mehr tun – und muss das akzeptieren, höre ich da heraus. Dabei muss es gar nicht immer um Krankheiten gehen. Manchmal ist man im Leben der Verzweiflung nahe, weil bestimmt Probleme einfach nicht lösbar sind. Es gibt eben keine guten Jobs für mich. Mein Partner hat mich eben verlassen und kommt nicht mehr zurück. Und das geliebte Familienmitglied ist eben alkoholkrank und wir alle werden immer daran zu tragen haben.

Manchmal bleibt nur noch die Hoffnung. Und die ist nie vergeblich, denke ich. Denn Hoffnung hält uns am Leben, wenn die Vernunft das Ende sieht. Hoffnung sagt: Schau den heutigen Tag an. Genieße das heute. Sieh nicht auf die schwarze Wand vor dir, sondern auf den blauen Himmel über dir. Kein Mensch weiß, was morgen kommt. Du kannst daran verzweifeln. Oder du kannst dich Gott anvertrauen, kannst der Liebe trauen, kannst bis zuletzt hoffen. 

Denn Hoffen ist nie vergeblich, weil sie die Gegenwart besser macht, auch wenn sie die Zukunft nicht kennt.

Predigttext am Sonntag, 10. Oktober 2021, ist Jesaja 38, 9-20

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Sonntagsgedanken 03-10-2021 – Danken, für was?

Als ob Corona und der Klimawandel nicht schon genug wäre! Seit 30 Jahren schon gibt es keine elektrischen Geräte mehr, da Kupfer und  Wolfram ausgegangen sind. Unsere Wälder sind nur noch kahle, saure Baumstümpfe. Und seit die Ölvorräte zur Neige gehen, ist eh alles aus…..

Im Nachhinein wirkt es ziemlich lächerlich, was uns Heutigen in den 70er und 80er Jahren so alles prophezeit wurde. Immerhin haben wir dadurch hoffentlich gelernt, nicht jede Krise gleich als Katastrophe zu bezeichnen, sondern immer zunächst all die Möglichkeiten zu sehen, die wir haben, um unsere Welt zu gestalten und die Krisen zu überwinden.

Dabei ist es gut, wenn wir uns zunächst auf das besinnen, wofür wir Gott dankbar sein können:

Für unser Leben und für Gesundheit, für die Familie und Freunde natürlich – und für die Kraft, eine Krankheit zu ertragen und manche Einsamkeit dazu.

Für Frieden, Freiheit und Wohlstand in unserem Land – und für die Menschen, die öffentliche Verantwortung dafür wahrnehmen.

Für eine gute Ernte und einen guten Tropfen – und für die manchmal ärgerliche Erinnerung daran, dass auch das Maßhalten nötig ist.

Für alle Bewahrung auf allen Wegen des Lebens – und für manche Erfahrung von Grenzen, die uns vor uns selbst bewahren.

Corona-, Klimakrise, was auch immer: Zunächst ist es am besten, an Erntedank zu danken. Und dann zu tun, was nötig und möglich ist.

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Sonntagsgedanken 26-09-2021 – Manche wissen ja ganz genau, was richtig und was falsch ist

Manche Leute wissen ganz genau, was richtig und was falsch ist. Kein Zweifel nagt an ihnen und falls doch, lassen Sie es sich nicht anmerken. Sie streiten um ihre Ansicht und hören dabei anderen nicht einmal zu. Und einen Streit beenden Sie höchstens mit dem ironischen Satz „Du hast recht und ich meine Ruh’“.

Und wenn der andere wirklich recht hat, oder auch recht hat, mindestens im gleichen Maße wie ich? Wenn in jeder Diskussion beide Seiten recht hätten, 50 zu 50, oder manchmal wenigstens 80 zu 20? Es täte uns gut, das anzunehmen. Der unseligste Streit entsteht nämlich daraus, dass wir die Welt nur in richtig oder falsch, in schwarz oder weiß denken können und dabei vergessen, dass sie eher grau und hoffentlich ganz häufig bunt ist.

Glaube, unsere Überzeugung, was wahr und richtig und gut ist, entsteht nach christlicher Lehre dadurch, dass man – nein, nicht Lehrsätze lernt, sondern – die Geschichten von und über Jesus hört, Geschichten von Liebe und Verständnis, von Freiheit und Hoffnung. Und jeder wird diese Geschichten in seinem Leben ein bisschen anders verstehen und eine andere Wahrheit für sein Leben erkennen. „So kommt der Glaube aus dem Wort Christi“ heißt es dazu in der Predigt am kommenden Sonntag.

Predigttext am Sonntag, 26. September 2021, ist Römerbrief 10, 9-18.

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