Vielleicht kennen Sie die Büchse der Pandora, eine Kiste, von der die griechische Mythologie erzählt. Sie wird aus Versehen von einem Mann geöffnet, und daraufhin verbreiten sich alle Übel der Welt: Krankheiten und Leid. Der Mann schließt die Kiste schnell wieder, so dass etwas zurückbleibt: Die Hoffnung.
Ist Hoffnung also auch ein Übel? Der Mythos ist hier widersprüchlich, so widersprüchlich, wie auch die Hoffnung ist. Die einen erzählen, dass Pandora die Büchse dann noch einmal öffnet, so dass nach all dem Übel auch die Hoffnung in die Welt kommt. Später ist für den Philosophen Friedrich Nietzsche Hoffnung das schlimmste aller Übel, weil es verhindert, dass wir die Welt so akzeptieren, wie sie ist.
Was meinen Sie: Ist Hoffnung also ist ein fragwürdiges Geschenk?
Ich möchte da widersprechen. Kein Mensch kann doch ohne Hoffnung leben. Einem Menschen, der der Verzweiflung nahe ist, die Hoffnung zu nehmen, ist doch das Schlimmste, was man ihm antun kann. Und vielleicht ist Hoffnung sogar das Red Bull der Seele: Hoffnung verleiht Flügel. Sie weckt Sehnsüchte und Träume und macht, dass wir ihnen nachgehen.
Hoffnung betäubt nicht, sondern belebt.
Predigttext am Sonntag, 8. Dezember, ist Jesaja 35, 3-10.