Sonntagsgedanken 20-09-2020 – Paradies oder Freiheit

Freiheit ist toll, wenn da bloß nicht die Verantwortung wäre.

Der Mythos von Adam und Eva im Paradies erzählt das sehr anschaulich und mancher mag seufzen: Wie schön wäre es doch, in einem Paradies zu leben, wo man nichts entscheiden und tun und verantworten muss, sondern in den Tag hinein lebt. Es ist sonnig und warm, eine schöne frische Quelle und das Essen wächst auf den Bäumen. 

Wirklich? Fänden Sie das toll. All inclusive, das ganze Leben lang. Ich fände den Gedanken furchtbar, wie ein Zombie durch die Welt zu stiefeln, ohne Bewusstsein, ohne Möglichkeiten, ohne Freiheit. 

Ich möchte selbst bestimmen, was ich denke, was ich tue und wen ich mag. Sie kennen vielleicht den Witz von als Adam im Paradies Eva fragt: „Liebst du mich?“ – Sie schaut sich um und sagt dann nur: „Wen denn sonst!“

Selber zu bestimmen im Leben ist anstrengend, dabei kann man Fehler machen und es bleibt immer unvollendet. Aber es ist menschlich. Im Paradies gibt es keine Freiheit. Nur hier, in unserer unvollkommenen Welt. Mit uns unvollkommenen Menschen. Gott hat sich damit arrangiert, dass seine Menschen nun jenseits von Eden leben. Und er lässt uns auch hier nicht alleine.

Predigttext am Sonntag, 20. September 2020, ist 1.Mose 2, 4b-15.
Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Alltagsglaube #5 – Stolz auf unsre Kinder

Wer einmal bewundernd mit angesehen hat, wie schnell eine Jugendliche Texte in ihr Smartphone tippt, bekommt eine Ahnung von dem, was eine Generationenstudie von Allensbach erhoben hat. 93 Prozent der Eltern sagen, dass sie vom technischen Sachverstand ihrer Kinder in der digitalen Welt profitieren. Zugleich wird das Verhältnis von Jugendlichen zu ihren Eltern immer entspannter. Gegenseitiger Respekt vor der Privatsphäre bestimmt das Generationenverhältnis heute entscheidend.

Cool! könnte man sagen, aber keine deutsche Studie ohne Suche nach dem Negativen. Manchen ist das schon wieder ein zu gutes Verhältnis zwischen Kindern und Eltern. „Mir ist da zu viel Friede, Freude, Eierkuchen“, sagt da zum Beispiel ein Hamburger Psychologe. 

Mir nicht. Ich finde es beruhigend, dass es entgegen aller öffentlicher Aufregungen über eine angebliche Spaltung der Generationen und den Gefahren des Internet alles eigentlich immer besser wird. Das lässt sich selbst im Konfirmandenunterricht beobachten, wo der Umgang miteinander offen, kommunikativ und meist völlig konfliktfrei ist. 

Seien wir also stolz auf unsere tollen Kindern! Wir haben allen Grund dazu.

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Sonntagsgedanken 13-09-2020 – Ein kleiner Bösewicht

Ein hässlicher Geschäftemacher; damit steht man auf der schwarzen Liste der Menschen, die sich für gut halten. Das ist heute nicht anders als zur Zeit Jesu. Zachäus hieß der Mann, der damals von allen verachtet und geschnitten wurde. Er arbeitete für die Besatzungsmacht, legte seine Landsleute rein und war auch noch kleinwüchsig.

Sie können sich vielleicht selbst ausmalen, wie man so jemanden heute zeichnen würde. Vielleicht als Rechtsradikalen, der uns auf den Kanaren miese Ferienimmobilen andrehen will und auch noch dick ist – oder ganz anders.

Jedenfalls hätte er keine Chance – und nicht einmal zu Unrecht, könnt man sagen. Wie bei Zachäus. Und ausgerechnet ihm widmet Jesus seine Zeit. Ganz ohne Vorbedingungen. Und siehe da, am Ende fallen alle Masken. Und was falsch war, ändert sich. Ich denke, das täte jedem gut, auch uns. Am kommenden Sonntag ist davon in den Kirchen zu hören.

Predigttext am Sonntag, 13. September 2020, ist Lukas 19, 1-10.
Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Alltagsglaube #4 – Dark Side of the Moon

The „Dark Side of the Moon“ – das Album von Pink Floyd liegt für das Musikmagazin Rolling Stone zwar nur auf Platz 43, aber für mich ist es deutlich weiter vorne in der Rangliste der wichtigsten Alben aller Zeiten – mit dem Titel, der eine ebenso einfache wie menschliche Botschaft aufnimmt: Jeder Mensch hat wie der Mond eine dunkle Seite, die er niemandem zeigt.

Das klingt zunächst misstrauisch und menschenfeindlich, ist aber damals wie heute mitfühlend gemeint. Die Musiker damals trauerten um einen ehemaligen Band-Kollegen und prangerten Geld, Macht und Krieg als verantwortlich für das Dunkle in der Welt an.

Mich weist die Botschaft heute eher wieder gezielt auf den Menschen, macht mich gelassen und verständnisvoll: Jeder hat eine dunkle Seite. Die muss man nicht ans Licht zerren; die muss man nicht gut finden, aber sie ist es, die uns und andere menschlich macht, weil wir eben fehlbare und unvollkommene Menschen sind. 

Wie der Mond haben wir eine dunkle Seite. Das macht manch Unverständliches an uns vielleicht erklärbar. Glücklicherweise aber gibt es auch die andere Seite, die hell beschienene, die uns im besten Licht erscheinen lässt. „Wir sind allzumal Sünder“ heißt das in der Bibel. Und zugleich geliebte Kinder Gottes. Beides gehört zusammen – gestehen wir das uns und anderen zu!

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Sonntagsgedanken 06-09-2020 – Respekt für getrennte Wege

Manchmal gibt es einfach Krach zwischen Menschen, ohne dass es einer böse meint. Man kann nicht mit jedem Freund sein. Manche passen nicht zusammen und geraten immer aneinander.

Bevor der Streit zu groß wird, sollte man dann ehrlich die Konsequenzen ziehen und auf Distanz gehen. Man kann freundliche bleiben und muss den anderen nicht von der eigenen Meinung überzeugen. Und wenn der eine Schlager mag und der andere das Symphonieorchester – was Solls. Dann hält man in dem Punkt eben Abstand.

Die ersten Christen haben das getan, als es in der Gemeinde einen grundsätzlichen Streit zwischen den Mitgliedern aus der römisch-griechischen und aus der hebräischen Kultur gab, wie der Predigttext am kommenden Sonntag erzählt.

Man sollte Differenzen nicht unter den Teppich kehren. Das gilt zwischen einzelnen Menschen und es gilt vielleicht auch, wenn verschiedene Kulturen miteinander auskommen müssen. 

Zustimmung zur eigenen Position kann man nicht für alles erwarten, aber Respekt darf man fordern – für unterschiedliche Meinungen und zur Not auch Respekt für getrennte Wege.

Predigttext am Sonntag, 6. September 2020, ist Apostelgeschichte 6, 1-7

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Alltagsglaube #3 – Wer Du warst und bist

Es war ein alternder Cowboy in einem harten Western, von dem ich den Satz zum ersten Mal in eindringlicher Tiefe hörte: „Gott will nicht wissen, wer du warst, sondern wer du bist!“ Gerichtet war das, soweit ich mich erinnere, an einen ehemaligen Gangster, der zum Hilfssheriff gemacht werden sollte, um einen Mörder zu jagen.

„Gott will nicht wissen, wer du warst, sondern wer du bist!“ Klasse, sag ich da nur! Viel kürzer kann man den zentralen Blickpunkt des christlichen Glaubens nicht auf den Punkt bringen. Wir sollen uns nicht durch unsere Vergangenheit auf unsere Leben festlegen machen. Entscheidend darf nicht sein, was wir alles falsch gemacht haben, sondern einzig und allein, was wir heute tun.

Natürlich kann man vieles aus der eigenen Vergangenheit nicht so einfach abstreifen. Und dass mancher schier unerträgliche Lasten aus der Vergangenheit mit sich herumschleppt, davon wissen die Psychotherapeuten ein Lied zu singen. Aber so soll es eben nicht sein. Wir sollen uns von dieser Last befreien lassen.

„Gott will nicht wissen, wer du warst, sondern wer du bist!“ Was zählt, ist nicht die Vergangenheit, sondern die Gegenwart, deren Zukunft immer für uns offen ist.

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Sonntagsgedanken 30-08-2020 – DIY, auch im Glauben

Kann man seine Kinder im wörtlichen Sinne erziehen? Also beim Größerwerden da- und dorthin ziehen, wie man es für richtig hält? Ich denke nicht. Man kann bei seinen Kindern einen guten Grund legen. Vertrauen, Liebe, Mut. 

Aber darauf bauen müssen die Kinder selbst, müssen ihr Leben entwickeln, gestalten und aufbauen – do it yourself! (DIY). Und für Eltern ist es ziemlich anstrengend, dabei oft nur Zuschauer sein zu können. Aber manche Fehler im Leben muss offenbar jeder selber machen….

Das gilt auch für das Leben Erwachsener, auch da muss jeder selbst bauen. Nicht nur Beruf und Familie, sondern auch seine Überzeugungen und Werte muss man selbst finden. Und das gilt sogar für den Glauben. Jeder muss sehen, wie er den Glauben in seinem Leben aufbaut und in sein Leben einbaut. So heißt es auch im Bibeltext für den kommenden Sonntag. Glauben heißt nämlich nicht, dass man irgend einen Lehrsatz für wahr hält, sondern dass man spürt, dass das eigene Leben gehalten ist und auf einem tragfähigen Grund steht.

Und ob wir dann, wie der Apostel Paulus schreibt, darauf dauerhaft und wertvoll bauen, oder wackelig und billig, das ist unsere Freiheit und unsere Verantwortung.

Predigttext am Sonntag, 30. August 2020, ist 1.Korinther 3, 9-15.

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Alltagsglaube #2 – Zerbrochene Träume

Ihre Vorstellungen von ihrem Leben waren in Schönschrift auf einem Plakat festgehalten, das vor den Ferien im Klassenzimmer hing: Schulabschluss, dann Beruf, dann Heirat, dann Haus, dann Kinder. Das Mädchen fügte noch die Hoffnung an, dass es ein schönes Leben haben kann.

Und dann auf der anderen Seite dieses: Zufällig abgefragte Lieblingssongs von jungen Männern. Nach einer Abstimmung überraschenderweise vorne dran die Punk-Rocker von „Green Day“ mit ihrem melancholisch-zornigen „Boulevard of Broken Dreams“. 

Von zerbrochenen Träumen habe ich bisher vor allem Ältere reden gehört, hinter deren Selbstzufriedenheit sich eine tiefe Unzufriedenheit versteckt. Konnten sie zu wenig aus ihrem Leben machen? Oder ärgern sie sich, weil sie es gar nicht erst versucht haben? Oder, noch schlimmer: Haben sie sich über ihre Träume getäuscht?

Alle Achtung deshalb vor unseren Jugendlichen, die realistische Träume mit dem Wissen um deren Begrenztheit verbinden: Man strebt nach dem Glück in seinem Leben im Bewusstsein, dass man daran auch scheitern kann. Aber was wäre die Alternative? Es gar nicht erst versuchen? Oder sich einfach sein Leben von anderen Leben lassen?

 Wir werden das Paradies auf Erden nicht schaffen und wir werden auch unseren Tagen auf Erden keinen einzigen hinzufügen können. Wir wollen nicht denken, dass unser Wesen die Welt genesen kann, aber wir wollen uns freuen am schönsten Geschenk, dass wir bekommen haben: Unserem Leben! Und wo unsere Träume zerbrechen wartet Gott auf uns.

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Sonntagsgedanken 23-08-2020 – Überheblichkeit

Das Richtige tun, wer will das nicht? Keine Tiere töten, Fahrrad fahren und Bücher lesen – das ist nicht schlecht, aber problematisch wird alles Gute, wenn damit angegeben wird. Wenn man sich anderen überlegen fühlt. Jeder soll das Richtige tun, aber keiner soll deswegen überheblich werden. Der edle Spender aus der Bibel, der Gott dafür dankt, dass er so gut ist, weiß das nicht, sieht gar nicht ein, dass Überheblichkeit falsch ist.

Das kommt mir sehr bekannt vor. In fast jeder Diskussion begegnen einem heute Leute, die sich moralisch überlegen fühlen. Weil sie das Richtige essen, das Richtige einkaufen und das Richtige denken. Und sich damit vom Pöbel unterscheiden, von den Sündern. Aber gerade diese Überheblichkeit ist die größte Sünde. Denn sie trennt uns Menschen und sorgt für Unfrieden. 

Deshalb liebt Gott den, der Falsches getan hat und das weiß und einsieht. Der sich heutzutage völlig bewusst ist, dass nicht alles, was er tut, richtig ist. „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden. Und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ heißt es da in der Bibel. Man könnte auch sagen: Hochmut kommt vor dem Fall.

Predigttext am Sonntag, 23. August 2020, ist Lukas 18,9-14.
Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in den Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Alltagsglaube #1 – Sich treiben lassen

„Entspanne Dich! Lass das Steuer los!“ sagt der kunstvoll ausgeschnittene, hellblaue Zettel, den ich mal aus einer Schale ziehen durfte und der nun an der Pinnwand hängt. „Trudle durch die Welt, sie ist so schön“, geht das Zitat von Kurt Tucholsky weiter.

Mich auf Befehl zu entspannen, fällt mir üblicherweise schwer. Und das Steuer loslassen? Das muss man uns modernen Menschen in der Ferienzeit wohl deutlich hinter die Ohren schreiben: Lass endlich mal die Akten Akten sein; stecke das Zeugnis dahin, wo es gehört (in die Schultasche unter dem Schreibtisch); und glaub‘ nicht, die Welt würde sich nur dann drehen, wenn Du sie antreibst!

Von daher freue ich mich, wenn ich mich einfach etwas treiben lassen darf, ohne dass etwas dabei herauskommen oder herausspringen muss. Denn da hat Tucholsky doch recht: Die Welt ist so schön, die Menschen und die Natur, die Seen und Hügel – selbst in diesem Jahr aus manch gebotener Disnatnz.

Vor lauter Arbeit und lauter Sorge haben wir das übersehen: Gott hat die Lilien auf dem Felde schöner gemacht als Salomo seine Gewänder weben lassen konnte. 

„Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit!“ singen wir in der Kirche. Dazu brauchen wir nur offene Augen und Ohren und ein freies Herz.

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