Alltagsglaube #17 – The Who natürlich!

In meiner Jugend gab es zwei große Schubladen, in die man einsortiert wurde: Beatles oder Stones hieß die Frage. Und noch heute stellen die alternden Moderatoren von „SWR1-Leute“ ihren Musikgästen gerne diese Frage.

Meine Antwort darauf lautet: The Who! Was sonst? Während die Beatles schon immer und bis heute nach Musik für die Eltern klingen, habe ich Mick Jagger und Keith Richards selbst ihre tollsten Songs nie wirklich abgenommen, sondern höre da nur Bürgersöhnchen aus Dartford Revolution spielen.

The Who dagegen waren eine authentische Stimme ihrer Generation: kreativ und laut, live am besten und mit großem Einfluss auf Bands wie Pink Floyd und den Punk bis zu den Alternatives heute.  

Dass die Jungs immer ihr Bühneninstrumentarium wie auch die Hotelzimmer zerstörten, fand ich bescheuert, aber „Baba O-Riley“, das Klagelied über die in Woodstock durch Drogen zerstörten Teenager, ist für mich nicht nur musikalisch einer der besten Rocktitel aller Zeiten.

Nach 55 Jahren sei es, so klagte ein Journalist, still geworden um die einst „lauteste Rockband der Welt“. Mit 75 Jahren, so alt ist The Who’s Pete Townsend jetzt, darf man das auch. Spätestens in diesem Alter sollte man Gelassenheit gelernt haben und nicht denken, man müsse nun den würdelosen Alten geben. Besser ist es, auf dem Marktplatz in Ruhe einen Frappuccino zu genießen und zuzuschauen, wie die heutige junge Generation sich ihre Welt erobert, – diese uns alt Gewordenen manchmal befremdenden Jugendlichen mit ihren Piercings, ihren Gadgets und ihrem Hip-Hop „… before they get old“.

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Sonntagsgedanken 06-12-2020 – Besinnliche(?) Tage

„Besinnliche“ Adventstage und dann ebensolche Weihnachten wünscht man anderen oft, ein lieb gemeinter Ausdruck, der mir aber eher hilflos vorkommt. 

Einfach besinnlich in der Ecke sitzen und vor sich hin denken? Die Weihnachtsbotschaft ist doch viel konkreter. Sie erzählt davon, dass Hoffnungen sich erfüllen, dass Friede sein soll und dass Menschen zusammenkommen. Wie es in der Predigt über Jakobus 5, 7+8, am 2. Adventssonntag heißt.

Advent heißt Warten, und wir wissen dabei ziemlich genau auf was: Auf Jesus und die Liebe, die er gezeigt hat. Dass das wahr wird unter uns. Warten auf Friede und Erfüllung. In der Gewissheit, dass das Gute am Ende das Böse bezwingt. Warten darauf, dass Hoffnung immer wieder neue Kraft gibt und einem das frohe Lächeln auf die Lippen zaubert.

Deshalb wünsche ich Ihnen eine hoffnungsvolle Adventszeit mit diesem Warten auf Weihnachten: Gott wird Mensch, uns Menschen zugute.

Pfarrer Matthias Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Alltagsglaube #16 – How I Met Your Mother

Die Frage, „Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt!“, haben schon viele Eltern ihren Kindern beantwortet, allerdings selten so ausführlich wie Ted Mosby in der amerikanischen Sit-Com „How I Met Your Mother“. Über 208 Folgen hinweg erleben wir das berufliche und vor allem private Auf und Ab und Miteinander eines Freundeskreises. Eine Serie, die hoffentlich nicht nur Jugendliche süchtig gemacht hat. In den letzten Corona-Monaten war sie einer der meistgesehenen Klassiker auf Netflix. 

Wie sich die Eltern der beiden aus dem Jahr 2030 zurückblickenden Kindern kennengelernt haben, ist dabei gar nicht so wichtig. Die Serie lebt nicht von Spannung, sondern von einem Hohelied auf die Freundschaft, das hier immer wieder gesungen wird. Fünf Freunde, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Ted, der Intellektuelle; Marshall, die ehrliche Haut; Robin, die Karrierefrau; Barney, der Frauenheld, und Lily mit ihrer etwas chaotischen Art. Konflikte scheinen da programmiert, aber ihre Freundschaft ist dadurch (fast) nie ernsthaft gefährdet und wenn nötig, halten sie einander fest.

Eine tolle Serie, für endlose Wintertage zuhause. Wer diese Serie mag, zeigt, dass er sein Herz am rechten Fleck hat und dass er um den Wert der Freundschaft weiß. Irrwege, Streit und Trennungen sind dabei nicht ausgeschlossen, aber Treue kann alles überstehen. 

Gut das zu hören und immer wieder zu sehen!

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Sonntagsgedanken 29-11-2020 – Was brauchen wir um glücklich zu sein?

Können Sie sich das vorstellen? Ein Lottogewinner ist nach einem Jahr nicht glücklicher als er vorher war. Und ein Unfallopfer ist ein Jahr nach dem Unglück, das es in den Rollstuhl brachte, nicht unglücklicher. Verschiedene Untersuchungen brachten jedenfalls dieses Ergebnis. Offenbar hängt unser Glück viel weniger von materiellen oder äußerlichen Umständen ab, als wir denken. 

Was brauchen wir wirklich, um glücklich zu sein? Im Predigttext für den 1. Advent, Sacharja 9, 9-10, wird der Friede genannt.

Friede ganz umfassend. Nicht nur die Abwesenheit vom Krieg, sondern auch ein Leben ohne all die Alltagsgewalt, ohne Mobbing und ohne Aggression, ohne Dummheit und Unverschämtheit, Friede voll Licht und Klarheit. Und den inneren Frieden: Gelassenheit und das Gefühl, dass das Leben Sinn hat und erfüllt ist. Zu spüren, dass man geliebt wird und andere liebt. Mit sich im Reinen sein – und mit anderen auch. So ist es nicht immer. Aber so soll es sein und so wird es sein. Das ist die Hoffnung im Advent.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Alltagsglaube #15 – Beklemmung auf Facebook

Ihre Facebook-Seite ruft Beklemmungen hervor. Im Kreis von Freundinnen blickt Athena Lea Orchard in die Kamera, den Mund weit aufgerissen, das Bild in himmlischem Blau verfärbt. Darunter eine zunächst leere Chronik, der letzte Eintrag stammt vom April 2014.

Die 13jährige Schülerin aus England ist kurz danach an Knochenkrebs gestorben. IhreGeschichte ging um die Welt, als ihre Eltern das Jugendzimmer der verstorbenen Tochter aufräumten und dabei auf der Rückseite ihres großen Spiegels einen rund 10 Seiten umfassenden Text entdeckten, das Vermächtnis des jungen Mädchens. Niemandem hatte sie davon erzählt.

Schon allein dies berührt einen. Die Worte, die sie aufschrieb hauen einen dann vollends um. Philosophische Gedanken, weise und liebevoll, klug und tröstend: „Glück ist eine Richtung, kein Ziel. Danke dafür, dass du bist. Sei glücklich, sei frei, glaube!“

Ihre Botschaften dürften vielen Teenagern aus der Seele sprechen: „Das ist mein Leben, nicht deines. Sorge dich nicht um das, was ich tue.“ und: „Urteile nicht zu schnell über mich, du siehst nur, was ich dir zeigen möchte … du kennst die Wahrheit nicht.“

Athena Orchard kannte aber offenbar die Wahrheit: „Der Sinn des Lebens ist ein Leben mit Sinn. Der Unterschied zwischen gewöhnlich und außergewöhnlich ist dieses kleine „außer“.“ Und: „Glücklich zu sein, liegt an uns. Vielleicht geht es nicht um ein Happy End, sondern vielleicht geht es um die Geschichte.“ 

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Sonntagsgedanken 22-11-2020 – Alles dunkel?

Finster wird es im November am Ende der Kirchenjahres. Nicht nur draußen, sondern das kann auch im Inneren passieren, wenn sich das Gefühl einstellt: Es war alles umsonst! Alle Liebe vergeblich, alle Mühe folgenlos. Nichts ist gut! Tränen, Leid und Geschrei haben scheinbar recht!

Doch das Leben ist in Wirklichkeit nicht von seiner Vergeblichkeit bedroht, sondern von seiner Unvorhersehbarkeit. Das Leben ist bedroht, weil man nicht sicher wissen kann, was morgen kommt. Das macht Angst.

Aber an jedem neuen Tag lauert eben nicht nur Gefahr, sondern kann auch das Gute kommen.

Wenn ein Tag dunkle war, kann der nächste hell sein.
Schon morgen kann einem die Liebe neu über den Weg laufen, 
Schon morgen kann unser Tun Früchte zeigen, wo wir keinen Erfolg vermutet haben. 

Das zu hoffen, ist weise. Warum also daran zweifeln? Gott macht am Ende alles neu „und kein Leid, noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.“

Predigttext am Sonntag, 22. November 2020, ist Offenbarung 21, 1-7.
Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Alltagsglaube #14 – Bußtag

Kinder brauchen Regeln sagt man. Das stimmt, aber Erwachsene haben das nach meiner Beobachtung oft nötiger. Der schwarze Audi TT, der in der Staufenbergstraße die Verkehrsinsel links umfahren hat, weil rechts der Stadtbus stand, gehörte ja wohl kaum einem Pubertierenden, und wenn Eltern ihrem Kind einen Brief in die Schule mitgeben, um ihr Kind von der Maskenpflicht befreien zu lassen – ohne Grund, sondern weil es eben geht, dann zweifle ich am Verstand der Eltern, oder jedenfalls an ihrem Anstand.

Aber woher wissen wir, welche Regeln richtig sind? So richtig, dass wir sie unseren Kindern beibringen und andere Erwachsene unter Umständen sogar dazu zwingen dürfen. Wer sagt, was richtig und falsch ist? Die Mehrheit? Die mit dem größten Einfluss?

Natürlich wird bei uns demokratisch-rechtstaatlich festgelegt, was verboten ist. Aber woher kann man das wissen? Die philosophische Tradition beruft sich auf die Vernunft, die christliche auf Gott. Das muss kein Widerspruch sein. 

Gut im alltägliche Tun ist jedenfalls, was mehr nützt als schadet. Und gut zwischen Menschen ist, was in Liebe geschieht. Das jedes Mal aber von Anfang an neu durchzudenken, wäre kaum machbar. Deswegen legen wir uns Regeln zurecht, die uns im normalen Alltag quasi automatisch das Richtige tun lassen, und wofür wir nicht einmal staatlichen Zwang brauchen, sondern wofür der Anstand genügt.

Zum Beispiel: Drängle dich nicht vor! Und setze deinen Mund-Nasen-Schutz auf, auch wenn es dir nicht passt. Einfach aus Rücksicht auf andere.

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Sonntagsgedanken 15-11-2020 – Ein Lob dem Gauner

„Fack ju Göhte“ kam kürzlich wieder im Fernsehen, und wenn Sie den Film noch nicht gesehen haben, sollten Sie ihn sich trotz des ordinären Titels anschauen. Eine unterhaltsame Lehrstunde in Sachen Ethik und Schulpolitik steht ihnen dann bevor. Ein kleiner Gauner wird auf der Suche nach der Beute aus Versehen Lehrer; die Schulleiterin hilft ihm bei dem Betrug, indem sie seine Zeugnisse fälscht; seine Klasse besteht aus einer Bande von missratenen Schülern – und am Ende wird er Beamter und die Jugendlichen haben das Abitur. Das klingt doch einfach zu schön, um wahr zu sein.

Ist es auch leider auch – zum schön, um wahr zu sein. Unser Schulsystem gibt solchen Jugendlichen, die im Film nicht umsonst Chantal und „Danger“ heißen, keine großen Chancen, aber das ist ein anderes Thema. Mir geht es heute nur darum, dass mit dem sympathischen Ganoven-Lehrer ein Loblied auf den Betrug gesungen wird. Sie finden das empörend? Dann hören sie mal am kommenden Sonntag den Predigttext aus der Bibel, in dem ein betrügerischer Prokurist dafür gelobt wird, dass er sich mit Geld Freunde für Notzeiten schafft.

Sie finden das unmoralisch? Ich eigentlich auch, aber Jesus hat den Geldverwalter dafür gelobt. Dafür, dass er vorausschauend handelt.

So wie der Gauner, der Lehrer wird, und schrägen Jugendlichen auf dem Weg ins Leben hilft.

Predigttext am Sonntag, 15. November 2020, ist Lukas-Evangelium 16, 1-9.
Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim

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Alltagsglaube #13 – Mauerfall

Wer älter als fünfzig ist wird wohl noch genau wissen, wo er war, als die Mauer am 9. November 1989 fiel. Ich kam gerade aus Stuttgart zurück und schaltete den Fernseher ein, als die unglaublichen Bilder ausgestrahlt wurden – so sagte man damals. Kolonnen von Menschen überquerten zu Fuß und in Trabis die Grenze, die ich noch wenige Monate zuvor nur begleitet von den üblichen Schikanen überschreiten konnte. Widerlichen DDR-Grenzer hatte uns genau gefilzt, als wir zum Kirchentag nach Berlin fuhren. Und jetzt das! Es war unglaublich. Ein Wunder, sagten manche.

Der Gedanke, dass da der Heilige Geist durch die Geschichte wehte, und alles irgendwie so richtig laufen ließ, hat etwas für sich. Ein Wunder, dass viele Millionen Menschen Freiheit und Wohlstand und Gesundheit gewinnen konnten, ohne dass auch nur ein einziger Schuss fiel.

Aber natürlich waren es Menschen, die hier im richtigen Augenblick das Richtige sagten und taten: Politiker wie Helmut Kohl, Willy Brandt und George Bush, aber vor allem auch die Kirchenvertreter und Pfarrer in der DDR, die den friedlichen Aufstand für die Freiheit mit ermöglichten.

Gedankt wurde ihnen allen das nicht so recht. Aber Dankbarkeit ist eben auch keine historische Kategorie, wie mal jemand bemerkte. Beschämend finde ich es dennoch, dass an diesen Sieg der Freiheit hierzulande weniger erinnert als in anderen Ländern. In Gdansk, Buenos Aires, Seoul und selbst in Santa Barbara in Kalifornien erinnern Reste der Berliner Mauer an diesen Tag, und in einer Kleinstadt im amerikanischen Westen wurde mir sogar vor ein paar Jahren noch versichert, wie sehr man sich mit uns über den Fall der Mauer freue. Aber wo steht eigentlich in meiner Heimatstadt Heilbronn, Germany, das Denkmal der Freude über die Freiheit? 

Der kleine Brocken, den ich Ende November 1989 selbst aus der Mauer schlug und der nun in meinem Regal steht, ist nur eine persönliche Erinnerung – eine schöne allerdings.    

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Sonntagsgedanken 08-11-2020 – Weltuntergang

Ich bin mit Weltuntergangspropheten groß geworden: Atomkrieg und Atomkraft, Waldsterben und Lebensmittelchemie, das Internet und eine neue Eiszeit. Was ist uns nicht alles als Untergang prophezeit worden? Doch die Welt gibt es immer noch. Und ernsthaft wird niemand behaupten können, dass früher alles besser war.

Wann die Welt vergeht, kann uns schlichtweg egal sein. Es ist nicht nötig, darüber nachzudenken, heißt es im Bibeltext des kommenden Sonntags. 

Wir sollen heute leben, heute das Richtige tun, heute lieben – als Kinder des Lichtes, mit dem Gott die Welt erhellt. Corona und Klimawandel bedeuten nicht den Weltuntergang, sondern Probleme, denen wir uns stellen müssen. Hier und heute.

Predigttext am Sonntag, 8. November 2020, ist 1.Thessalonicher 5, 1-11.
Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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