Sonntagsgedanken 07-11-2021 – Halbvolle Gläser

Auf die tiefgründige Frage „Ist das Glas halb voll oder halb leer?“, mit der man Optimisten und Pessimisten unterscheiden will, gibt es für mich nur eine sinnvolle Antwort: Es hat die falsche Größe.

Ist unser Leben halb voll, also schön, toll und einfach lebenswert, auch wenn nicht alles hundertprozentig ist. Aber die Probleme muss man eben akzeptieren und angehen? – Oder ist unser Leben halb leer, also eigentlich nur bestimmt von Ärger und Not, Problemen und Leiden, angesichts derer die gelegentllche Lebensfreude nicht ins Gewicht fällt? Beide Sichtweisen lassen sich erleben und scheinen Recht zu haben.

Aber ich denke, beide Sichtweisen sind falsch: Wer das Leben durch Leiden gleich ganz in Frage gestellt sieht, sollte all das Gute darin, die Liebe und die Kinder zum Beispiel, nicht so gering achten. Und wer die Lebensfreude mit dem Sinn des Lebens verwechselt, verdrängt die Ernsthaftigkeit menschlicher Not.

Beides hat letztlich die falsche Größe. Unser Leben lässt sich nicht als gesamtes messen, ob es erfolgreich oder gescheitert ist, sondern jeder Tag ist neu, jede Sekunde ist geschenkt. Heute sollen wir leben. Und Hoffnung haben, dass all das Gute und Gelingende, was wir noch nicht sehen, letztlich Wirklichkeit wird.

Predigttext am Sonntag, 7. November 2021, ist Psalm 85.

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Sonntagsgedanken 31-10-2021 – Freiheit!

Wäre das nicht herrlich, keine Angst zu haben, keine Angst vor dem Versagen und keine Angst vor dem Urteil anderer, keine Angst vor den eigenen Grenzen und keine Angst vor dem Ewigen? Dann kann man sich wirklich frei fühlen.

Die Reformatoren haben die Freiheit ins Zentrum ihrer Überlegungen gestellt. Und ihnen war klar, dass Freiheit auch eine Herausforderung ist. Wer frei ist, kann nicht mehr andere für das eigene Leben verantwortlich machen, sondern ist selbst verantwortlich.

Aber es lohnt sich, die Freiheit zu schätzen. Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck hat in seiner Autobiographie darauf aufmerksam gemacht und geschrieben: „Wir haben die Freiheit ersehnt, sie hat uns angeschaut, wir sind aufgebrochen und sie hat uns nicht im Stich gelassen.“

Predigttext zum Gedenktag der Reformation ist Galater 5, 1-6.

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Sonntagsgedanken 24-10-2021 – Erziehungssorgen

Maria hatte es mit ihrem Ältesten nicht leicht. Der Junge ließ mit dreißig Jahren alles stehen und liegen, verließ das zuhause und zog als Wanderprediger umher. Seine Geschwister suchten ihn, bedrängten ihn und bescheinigten ihm schließlich, dass er von Sinnen sein. Eine Geschichte von Jesus, die nicht so oft erzählt wird, aber genau so in der Bibel steht.

Probleme in der Familie trägt man nicht gerne nach außen. Die sind auch so schon groß genug. Dabei hat jeder sein Päckchen zu tragen, wie man etwas verharmlosend sagt: Kinder, um die man sich Sorgen macht, und alte Eltern, die Fürsorge brauchen; Krankheiten, die einen bedrohen, und Süchte, die Menschen gefangen halten.

Andere geht das wirklich nichts an, finde ich. Umso wichtiger ist es aber, dass die Menschen zusammenhalten, die zusammengehören. Das klappt nicht das ganze Leben über. Geschwister kommen sich oft erst im mittleren Alter wieder nahe. Ich denke, die Zeit dazwischen braucht man auch. Die Jahre, wo man alleine entdecken muss, was einem im Leben wichtig ist und gut tut.So wie Jesus seinen Glauben entdeckt hat.

Predigttext am Sonntag, 24. Oktober 2021, ist Matthäus 10, 34-39

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Sonntagsgedanken 17-10-2021 – Indian Summer

Auf meiner To-Do-Liste steht unter anderem noch ein herbstlicher Wunsch: Einmal den Indian Summer im Nordosten Amerikas erleben. Bei uns ist der Herbst meist ja schon recht feucht, aber rund um die Großen Seen im Norden Amerikas ist er fast immer trocken und warm, und die Sonne scheint am blauen Himmel, so dass die herbstlichen Blätter in vielen Farben regelrecht strahlen.

Wenn man so langsam alt wird, spürt man, dass die fiebrigen Hochsommertage im Leben vorbei sind. Aber bevor ich trübsinnig an den Herbst des Lebens denke, schaue ich mir lieber das immer noch strahlende Leben an.

„Um Gottes Willen: Denk an heute!“ hat Jesus gesagt, jedenfalls so ähnlich. „Sorge dich nicht um morgen“, heißt es in der Bergpredigt. Dazu ist es morgen noch früh genug. Nütze den heutigen Tag. Egal, ob schon Herbst ist. Wenn die Sonne scheint, halte die Nase dorthin. Wenn es warm ist, dann wirf den Grill im Garten an. Und wenn es regnet – ziehe die Gummistiefel an und spring in eine Pfütze.

Am Ende des Herbstes, fallen die Blätter, und in Amerikas Norden zieht meist ein strenger Winter ein. Keine Frage. Aber so weit ist es noch nicht.

Predigttext am Sonntag, 17. Oktober 2021, ist Prediger 12, 1-7.

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Sonntagsgedanken 10-10-2021 – Hoffnung stirbt zuletzt

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt man. Oder. „Jetzt kann man nur noch hoffen“ Beides klingt nicht besonders aufmunternd, sondern nach dem Gegenteil. Manchmal kann man nichts mehr tun – und muss das akzeptieren, höre ich da heraus. Dabei muss es gar nicht immer um Krankheiten gehen. Manchmal ist man im Leben der Verzweiflung nahe, weil bestimmt Probleme einfach nicht lösbar sind. Es gibt eben keine guten Jobs für mich. Mein Partner hat mich eben verlassen und kommt nicht mehr zurück. Und das geliebte Familienmitglied ist eben alkoholkrank und wir alle werden immer daran zu tragen haben.

Manchmal bleibt nur noch die Hoffnung. Und die ist nie vergeblich, denke ich. Denn Hoffnung hält uns am Leben, wenn die Vernunft das Ende sieht. Hoffnung sagt: Schau den heutigen Tag an. Genieße das heute. Sieh nicht auf die schwarze Wand vor dir, sondern auf den blauen Himmel über dir. Kein Mensch weiß, was morgen kommt. Du kannst daran verzweifeln. Oder du kannst dich Gott anvertrauen, kannst der Liebe trauen, kannst bis zuletzt hoffen. 

Denn Hoffen ist nie vergeblich, weil sie die Gegenwart besser macht, auch wenn sie die Zukunft nicht kennt.

Predigttext am Sonntag, 10. Oktober 2021, ist Jesaja 38, 9-20

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Sonntagsgedanken 03-10-2021 – Danken, für was?

Als ob Corona und der Klimawandel nicht schon genug wäre! Seit 30 Jahren schon gibt es keine elektrischen Geräte mehr, da Kupfer und  Wolfram ausgegangen sind. Unsere Wälder sind nur noch kahle, saure Baumstümpfe. Und seit die Ölvorräte zur Neige gehen, ist eh alles aus…..

Im Nachhinein wirkt es ziemlich lächerlich, was uns Heutigen in den 70er und 80er Jahren so alles prophezeit wurde. Immerhin haben wir dadurch hoffentlich gelernt, nicht jede Krise gleich als Katastrophe zu bezeichnen, sondern immer zunächst all die Möglichkeiten zu sehen, die wir haben, um unsere Welt zu gestalten und die Krisen zu überwinden.

Dabei ist es gut, wenn wir uns zunächst auf das besinnen, wofür wir Gott dankbar sein können:

Für unser Leben und für Gesundheit, für die Familie und Freunde natürlich – und für die Kraft, eine Krankheit zu ertragen und manche Einsamkeit dazu.

Für Frieden, Freiheit und Wohlstand in unserem Land – und für die Menschen, die öffentliche Verantwortung dafür wahrnehmen.

Für eine gute Ernte und einen guten Tropfen – und für die manchmal ärgerliche Erinnerung daran, dass auch das Maßhalten nötig ist.

Für alle Bewahrung auf allen Wegen des Lebens – und für manche Erfahrung von Grenzen, die uns vor uns selbst bewahren.

Corona-, Klimakrise, was auch immer: Zunächst ist es am besten, an Erntedank zu danken. Und dann zu tun, was nötig und möglich ist.

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Sonntagsgedanken 26-09-2021 – Manche wissen ja ganz genau, was richtig und was falsch ist

Manche Leute wissen ganz genau, was richtig und was falsch ist. Kein Zweifel nagt an ihnen und falls doch, lassen Sie es sich nicht anmerken. Sie streiten um ihre Ansicht und hören dabei anderen nicht einmal zu. Und einen Streit beenden Sie höchstens mit dem ironischen Satz „Du hast recht und ich meine Ruh’“.

Und wenn der andere wirklich recht hat, oder auch recht hat, mindestens im gleichen Maße wie ich? Wenn in jeder Diskussion beide Seiten recht hätten, 50 zu 50, oder manchmal wenigstens 80 zu 20? Es täte uns gut, das anzunehmen. Der unseligste Streit entsteht nämlich daraus, dass wir die Welt nur in richtig oder falsch, in schwarz oder weiß denken können und dabei vergessen, dass sie eher grau und hoffentlich ganz häufig bunt ist.

Glaube, unsere Überzeugung, was wahr und richtig und gut ist, entsteht nach christlicher Lehre dadurch, dass man – nein, nicht Lehrsätze lernt, sondern – die Geschichten von und über Jesus hört, Geschichten von Liebe und Verständnis, von Freiheit und Hoffnung. Und jeder wird diese Geschichten in seinem Leben ein bisschen anders verstehen und eine andere Wahrheit für sein Leben erkennen. „So kommt der Glaube aus dem Wort Christi“ heißt es dazu in der Predigt am kommenden Sonntag.

Predigttext am Sonntag, 26. September 2021, ist Römerbrief 10, 9-18.

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Sonntagsgedanken 19-09-2021 – Manchmal kann man nur noch klagen

Das kennen Sie vielleicht auch. Etwas läuft so schief, dass man eigentlich nur klagen kann.

Manche beklagen sich dann über andere – aber das ist oft nicht der richtige Weg. Andere sollte man gegebenenfalls zur Rede stellen – aber vielleicht sind sie auch gar nicht dafür verantwortlich, dass es mir schlecht geht.

Dann schüttet man sein Herz bei anderen aus, klagt dort über dieses und jenen…. Es ist schön, wenn man liebe Menschen hat, bei denen man sich beklagen kann.

Aber manchmal ist man auch verflucht allein mit dem, was einen bedrückt. Man hat schon darüber geredet. Die Freundin weiß bescheid. Das alles tut gut.

Doch letztlich spürt man. Ich muss da doch auch alleine mit klar kommen. Andere können mich stützen, aber tragen muss ich meine Sorgen für mich. Und viel mehr Menschen, als man denkt, tun dann eines: Sie beten. Nicht unbedingt laut, nicht in wohlformulierter Sprache – aber mit dem Gefühl. Ich muss das jetzt sagen, ich muss es Gott sagen, oder jener Macht, die größer ist als ich. Oder ich weiß nicht warum, ich bete.

„Ich bete, obwohl ich eigentlich gar nicht an Gott glaube.“ hat mir mal jemand gesagt.

Ich denke, Gott würde dazu sagen: „Das genügt schon mal. Komm mit deinen Sorgen zu mir.“ Alles andere ergibt sich dann danach.

Der Predigttext am Sonntag, 19. September 2021, ist aus den Klageliedern, Kapitel 3

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Sonntagsgedanken 12-09-2021 – Bäume versetzen

Dass Glaube Berge versetzen kann oder wie im Predigttext für diesen Sonntag wenigstens einen großen Baum, ist zum Sprichwort geworden. Kein Schlechtes, finde ich.

Natürlich kann man sich über seine Möglichkeiten auch nur etwas vormachen, und vor Illusionen sollte man sich hüten. Aber meist ist mehr möglich, als man denkt: Aus dem Schulversager kann ein lieber Vater werden; die Frau mit dem seltsamen Getue kann sich als liebe Nachbarin entpuppen und wo wir glaubten, vor dem Nichts zu stehen, oder vor einer schwarzen Mauer, zeigen sich plötzlich zarte Pflänzchen der Liebe oder ein Weg, der das Leben in eine interessante Richtung führt. 

Gesundes Gottvertrauen tut gut – und manchmal verändert es die Welt.

Predigttext für Sonntag, 12. September, ist Lukas 17, 5+6

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Sonntagsgedanken 05-09-2021 – Ermahnungen nerven

Ermahnungen nerven: Hilf anderen! Du musst Geduld haben! Tu Gutes! Sei dankbar! Ich denke, nicht nur Jugendliche sind genervt, wenn man ihnen sagt, was sie tun sollen. Auch älteren kann das auf den Geist gehen.

Warum eigentlich? Natürlich zum einen, weil sich da jemand über uns erhebt, wenn er uns sagt, was wir tun sollen. Aber meist steckt noch etwas anderes dahinter: Wir wissen, dass die Ermahnungen richtig sind. Deshalb nerven sie, weil sie entweder etwas Selbstverständliches sagen oder uns darauf aufmerksam machen, dass wir eben doch anders handeln, als es richtig wäre.

Was tun? Sich nicht nerven lassen, sondern sich vielleicht einfach nur ganz im stillen, innersten Stübchen darauf besinnen, was andere von uns zu Recht erwarten dürfen (und was vielleicht auch nicht….).

Predigttext am Sonntag, 12. September, ist 1.Thessalonicher 5, 14-24.

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