Geld und Glück – Sonntagsgedanken zum 29. Juni 2025

Ein bekannter deutscher Tennisspieler hat angeblich mal gesagt: „Es stimmt nicht, dass Geld nicht glücklich macht. Wenn die Leute wüssten, wie viel Glück man sich mit Geld kaufen kann, würde es einen Aufstand geben.“ 

Ob er recht hat? Mit Geld kann man sich tatsächlich das Leben angenehmer gestalten, kann besser für seine Gesundheit vorsorgen und sich manche Bequemlichkeit leisten.

Seltsam nur, dass ab einem gewissen guten Grundeinkommen das empfundene Glück mit mehr Geld nicht mehr wächst. Vielleicht, weil Wohlstand – egal auf welchem Niveau – mit der Zeit als normal empfunden wird; vielleicht, weil man als Reicher denkt: „Ich müsste doch glücklicher sein.“ Vielleicht auch ganz einfach deshalb, weil man sich die wesentliche Dinge im Leben eben nicht kaufen kann: Liebe, Sinn und Erfüllung. Das gibt uns Menschen, so heißt es in der Bibel, Gott kostenlos.

Dennoch ist es gut, wenn immer mehr Menschen an immer mehr Wohlstand der Menschheit teilhaben können. Denn mit mehr Geld kann man sich ein Glücksgefühl besorgen, das immer gut tut: Das Gefühl, Ärmeren mit dem, wovon man viel hat, zu helfen.

Predigttext am Sonntag, 29. Juni 2025 ist Jesaja 55, 1-5.

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Zwei Gesichter – Sonntagsgedanken zum 22. Juni 2025

Menschen haben zuweilen zwei Gesichter, ein öffentliches und ein anderes. Zum Beispiel der hoch verehrte Protest-Barde, der in seinen Liedern mit einfühlsamer Stimme immer unter aller Schlechtigkeit der Welt zu leiden schien, und den ich – von mehr als 20 Jahren – backstage erlebte, wie er selbstgefällig minderjährige Mädchen anmachte. 

Oder – „hinter“ der gleichen Bühne – die eher unpopuläre, anarchistische Rampensau, die alles Mögliche auf der Bühne zertrümmerte, um damit das Publikum zu provozieren. Beim anschließenden Bier war er eine offene, freie und freundliche Person ohne Allüren.

Wer mich mehr inspiriert hat? Natürlich der ehrliche Provokateur, der einen dazu brachte, zu spüren, wie man selbst aggressiv wird. Und nicht der andere, der mehr Schein als Sein war.

Man sollte vorsichtig sein, wenn öffentliche Personen verehrt werden; auch wenn sie für noch so gute Sachen stehen. Jesus hat solch eine Verehrung häufig zurückgewiesen. Es zählt nicht, was einer darstellt oder man auf ihn projiziert, sondern was er ist und tut – und wie er mit eigenen Schwächen und Fehlern umgeht.

Predigttext am Sonntag, 22. Juni 2025, ist Johannes-Evangelium 5, 39-47.

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Einander gut sein – Sonntagsgedanken zum 15. Juni 2025

Woran erkennt man gute Freunde? Vielleicht daran, dass man sich von ihnen die Meinung sagen lassen kann, ohne beleidigt zu sein. Wir wollen uns ja schließlich nicht von jedem kritisieren lassen. Aber gute Freunde – und selbstverständlich unsere Lebenspartner und engen Familienmitglieder – haben nicht nur das Recht, sondern manchmal sogar die Pflicht, uns „zu mahnen und zurechtzubringen“, wie es in der Bibel heißt.

Sich selbst erkennen kann man oft nur, wenn man sich im anderen spiegelt, wenn andere einem sagen, wie man wirkt.

Und über allem steht natürlich die eine Pflicht: „Frieden halten“, oder wie es eine Schriftstellerin mal altertümlich ausgedrückt hat: Einander gut sein. Der Kritiker dem Kritisierten – und umgekehrt.

Predigttext am Sonntag, 15. Juni 2025 ist 2.Korintherbrief 13, 11-13.

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Alles fließt – Sonntagsgedanken zum 8. Juni 2025

Loslassen zu können, fällt manchmal ganz schön schwer. 

Bei den Kindern, die groß geworden sind; bei der Arbeit, wo sich Abläufe ändern; in Beziehungen und Freundschaften gibt es manchmal auch große und gewichtige Veränderungen. „Panta rhei“, erkannte der griechische Philosoph Heraklit, alles fließt.

Dass alles im Fluss ist und sich jederzeit verändern kann, kann einem ganz schön Angst machen. 

Oder aber: Dass alles im Fluss ist und sich jederzeit verändern kann, kann einem auch ganz schön Hoffnung machen. Nichts muss bleiben, wie es ist. Wir sind frei und nicht festgelegt. Gewiss: Manches tragen wir als Person mit uns herum, unsere Erfahrungen und Begabungen. Aber was wir daraus machen, das können wir jeden Tag neu entscheiden.

Alles fließt und manches muss man deswegen loslassen. Doch jeder Anfang verspricht auch Möglichkeiten und beglückende Erfahrungen. Jeder Anfang sagt uns: Deine Wünsche können vielleicht auch erfüllt werden.

Predigttext des kommenden Pfingstsonntags, 8. Juni 2025, ist Johannes 14, 15-19.

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Fülle des Lebens – Sonntagsgedanken zum 1. Juni 2025

Manchmal braucht man einfach einen, der einem sagt, wie schön die Welt ist. Dass es Wärme gibt, dass es Liebe gibt, dass es uns gibt, das ist doch ein unbegreifliches Wunder. 

Kein Wunder war es also, dass den ersten Menschen, die den kalten, toten, grauen Mond umkreist haben, nichts anders eingefallen ist, als die schöne, blaue Erde zu fotografieren und die biblische Schöpfungsgeschichte zu lesen. 

Die Schönheit unserer Welt – man sollten sie nicht aus dem Blick verlieren, wenn tagtäglich dunklere Seiten dieser Welt auf einen einwirken.

Dass wir unser Leben so wenig geschaffen haben wie die Vielfalt der Natur, wissen wir. Dass hinter all dieser Fülle Gott steht, glaube ich – und bin überzeugt davon, dass wir ein bisschen mehr Optimismus zeigen könnten. 

Nicht alles wird klappen, was wir uns vornehmen, aber wer hinter allem weiter sieht – Wunder, Schönheit und Liebe -, wird sich selbst an seiner Unvollkommenheit freuen können, und an der anderer Menschen ebenso. 

Die Fülle des Lebens liegt nicht in überquellenden Regalen, sondern in Schubladen, deren Inhalt wir noch nicht kennen.

Predigttext des kommenden Sonntags, 1. Juni 2025, ist Epheser 3, 14-21.

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Mut zum Sein – Sonntagsgedanken zum 25. Mai 2025

Ich bewundere mutige Menschen: die Polizisten, die auf Gewalttäter zugehen, die amerikanischen Soldaten, die im April 1945 Heilbronn von der Nazi-Pest befreit haben, die Frauen, die den übergriffigen Machos Einhalt gebieten. 

Vermutlich kommt meine Bewunderung daher, dass ich mir nicht sonderlich mutig vorkomme, sondern oft eher ängstlich und schwächlich.

Dabei steht der Kampf gegen die Angst ganz oben auf der Agenda Jesu: „Ich habe die Angst überwunden,“ sagt er, und meint damit nicht nur seine, sondern auch meine. Von außen auf einen Balkon klettern um eine Katze zu retten, würde ich dennoch nicht tun. Aber mutiger leben, nicht immer ängstlich sein, sondern vom Tag Gutes erwarten und mir zutrauen, die Probleme, die kommen, zu meistern, das würde ich von mir erwarten.

Der Theologe Paul Tillich hat den Glauben als „Mut zum Sein“ verstanden. Wer glaubt, weiß, dass er leben darf, auch wenn er manchmal versagt; dass er geliebt ist, auch wenn die Welt gegen ihn zu sein scheint, dass er gelassen und offen in die Zukunft gehen kann, denn Jesus hat die Angst davor überwunden.

Predigttext am Sonntag, 25. Mai 2025, ist Johannes-Evangelium 16, 23b-28+33

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Im Himmel gibt es keine Tränen – Sonntagsgedanken zum 18. Mai 2025

Es gibt Songs, die ich nicht vergessen kann, wie Tears in Heaven, bei dem mir heute noch die Augen feucht werden, wenn ich ihn höre. Eric Clapton hat die Ballade für einen Film im Jahre 1992 geschrieben, aber eigentlich hat er darin die Trauer über den Tod seines vierjährigen Sohnes bearbeitet, der ein Jahr zuvor aus einem Hochhausfenster gefallen war. Unvorstellbar, damit leben zu müssen! Wie soll es danach weitergehen? Wie soll man aus dem Gefängnis von Trauer und Schuld herauskommen?

Clapton erzählt in dem Lied von einem Weg, den so ähnlich wohl viele gehen, die von Leid getroffen sind. Er leidet am Verlust und fragt sich, ob sein Sohn ihn wohl im Himmel wieder erkennen würde. Zugleich ist er sich klar, dass er mit dem Verlust weiterleben muss. Alleine aus dieser Erkenntnis kann so etwas wie Kraft wachsen. Und aus der Gewissheit, dass es im Himmel keine Tränen gibt. Danach, und das berührt mich am meisten, kommt noch einmal die erste Strophe. Die Gewissheit, dass es im Himmel keine Tränen geben wird, ist eben kein Happy End und auch keine billige Vertröstung, sondern ein Glaube, der nicht von dieser Welt ist. Im Himmel sind wir noch nicht, das Leiden bleibt – aber die Hoffnung wächst, dass es Befreiung von allem Elend gibt, die von jenem Ort zu uns kommt, wo es keine Tränen gibt. Die Gefängnistore von Angst und Schuld werden sich öffnen und wir werden Lieder anstimmen, die uns trösten und dankbar sein lassen.

Predigttext des kommenden Sonntags, 18. Mai 2025, ist Apostelgeschichte 16, 23-34.

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Weisheit vom Mond – Sonntagsgedanken zum 11. Mai 2025

Buzz Aldrin, der zusammen mit Neil Armstrong als erster auf dem Mond gelandet ist, wird in den Verfilmungen meist als äußerst selbstbewusster und zeitweilig auch überheblicher Astronaut dargestellt. Im Rahmen seiner Doktorarbeit hatte er am berühmten MIT die komplizierten Flugmanöver entwickelt, die die Raumfahrt erst möglich machten. Die Landung auf dem Mond, bei der er zu seinem großen Bedauern nicht als Erster aussteigen durfte, war der alles bestimmende Höhepunkt seines Lebens.

Wochen später gefragt, was ihm einfalle, wenn er daran denke, zitierte er überraschenderweise die Bibel, Psalm 8: „Wenn ich sehe die Himmel, was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“

Das ist der Schritt von der Bildung und dem Wissen zur Weisheit: Dass man seine Grenzen kennt. Sie bestehen darin, dass man nicht weiß, woher man kommt und wohin man geht.

Dass man darauf vertraut, dass die göttliche Weisheit den rechten Weg weist.

Predigttext am Sonntag, 11. Mai 2025, ist Sprüche 8, 22-36.

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Moralisten und Besserwisser – Sonntagsgedanken zum 4. Mai 2025

Kürzlich musste ich überraschend drei kleine Teile in einem Laden kaufen. Da ich keine Tasche dabei hatte, fragte ich höflich nach einer kleinen Papiertüte. Die strenge Dame hinter dem Tresen, die mich nicht umsonst an eine Oberstudienrätin meiner Schulzeit erinnerte, blaffte mich nur streng an: „Sie sind doch eh‘ mit dem Auto da!“ (was nicht stimmte). Und dann hielt sie mir einen Vortrag über Plastikmüll, (was mit der Papiertüte nichts zu tun hatte). Weia!

Leute, die einem sagen wollen, wo es langgeht, gibt es genug, finde ich. Moralisten haben heute Hochkonjunktur und Besserwisser rücken einem auf die Pelle, egal ob es um den eigenen Lebensstil geht oder das, was man isst.

Andererseits lasse ich mir von kompetenten und liberalen Menschen gerne für mein Leben Ratschläge geben, denn manchmal ist man darauf angewiesen. So wie auf den guten Hirten, als den Jesus sich bezeichnet. Er nennt übrigens ein klares Merkmal, mit dem man einen „guten Hirten“ von moralisierenden Besserwissern unterscheiden kann: Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.

Wer nicht bereit ist, zu dienen statt zu herrschen, sollte die Ratschläge, die er für andere hat, lieber für sich behalten.

Predigttext am Sonntag, 4. Mai 2025, ist Johannes-Evangelium 10, 11-16

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Lass dich nicht unterkriegen – Sonntagsgedanken zum 27. April 2025

Als kleines Kind hatte ich ein Stehaufmännchen. Das ist eine runde Figur, die nicht auf Beinen steht, sondern auf einer schweren Halbkugel. Man kann sie anschubsen, wie man will, sie richtet sich immer wieder auf. Und das Lächeln auf dem Gesicht bleibt.

Aber das Lächeln ist ja nur aufgemalt. 

Wie geht es mir als Stehaufmännchen?

Wie geht es Ihnen?

Jeden Tag geht es wieder weiter, jeden Tag ein neues Problem, neue Herausforderungen.

Beruhigend ist für mich zunächst, dass es ja tatsächlich immer wieder aufwärts gegangen ist. Dass Probleme kleiner werden, oder ganz verschwinden.

Wenn das Stehaufmännchen unten ist, spürt man die Kraft, die es wieder aufrichten möchte.

Hinter all dem Belastenden im Leben gibt es doch irgendwo das Gefühl, dass man sich vom Schweren nicht niederhalten lassen will. Man spürt die trotzige Gewissheit, dass da doch etwas sein muss, ein Sinn, ein Aufwärts, eine neue Möglichkeit.

Im Bibeltext am Sonntag heißt das Ziel „der Seelen Seligkeit“. 

Das ist nichts, was wir machen könnten, aber sie wartet auf uns, die Seligkeit.

Das zu hören mag ein erster Trost sein. 

Und die Aufforderung: Lass dich nicht unterkriegen! Das Leben ist jeden Tag neu.

Predigttext am Sonntag, 27. April 2025 , ist 1. Petrusbrief 1, 1-9.

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