Bedroht und trotzdem fröhlich – Gedanken zum Osterfest

An die Liebe glauben – obwohl man gerade alleine ist? 

Glauben, dass alles gut wird – obwohl man gerade im Krankenhaus auf das Untersuchungsergebnis wartet? 

Glauben, dass all der Mist bald ein Ende hat – obwohl man gerade bis zum Hals drinsteckt? 

Das fällt alles furchtbar schwer. 

Glauben, obwohl man nichts sieht, was ihn begründen könnte.

Doch dann versteckt sich hinter all dem Belastenden irgendwo das Gefühl, dass man das Schwere nicht auf sich belassen will. 

Man spürt die trotzige Gewissheit, dass da doch etwas sein muss, ein Sinn, ein Halt, eine neue Möglichkeit. 

Dass all die bösen Mächte, die einem das Leben schwer machen, am Ende nichts zu sagen haben.

Vielleicht wird so Ostern für uns zur Wirklichkeit: 

Nichts muss so schlimm bleiben, wie es ist. 

Keine Bedrohung soll uns die Freude am Leben nehmen.

Predigttext an Ostern ist Johannes 20, 11-18.

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Leidenszeit – Gedanken zur Karwoche (Woche vor Ostern)

Dass Menschen leiden, braucht uns niemand zu erzählen. Lebensbedrohliche Krankheiten, tödliche Unfälle, seelische Nöte sind allgegenwärtig. Wir müssen uns nur umschauen, wenn wir nicht gar, Gott bewahre!, selbst davon betroffen sind.

Ist Leiden nun ein Zeichen, dass man Pech hatte, versagt hat oder einem einfach die Götter nicht wohlgesonnen sind?

Mir hilft keiner dieser Gedanken, sondern nur der christliche: 

Dass wir Gott gerade in den dunklen Stunden nahe sind 

und gehalten werden, wo wir nicht mehr weiter wissen.

Nach Karfreitag wird Ostern kommen – wunderbar!

Predigttext für diese Karwoche ist Johannes 19, 16-30

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Wahrheit ist nicht gleich Wahrheit – Sonntagsgedanken zum 6. April 2025

Eine junge Frau in einer fernen Welt. Sie hat eine abenteuerliche Reise hinter sich und begegnet nun ihrem verstorbenen Vater. Alle Ängste und Zwänge scheinen wie abgestreift und sie erkennt: „Es ist alles ganz anders.“

Wenn Sie den Film „Contact“ noch nicht kennen, würde ich Ihnen den gerne als Vorbereitung auf die Ostertage empfehlen. Es geht darin um die Frage nach einer Wahrheit, die allem zugrunde liegt und uns dennoch verborgen ist.

Um die offenkundigen Wahrheiten – dass die Erde eine Kugel ist und Menschen auf dem Mond waren – streiten nur Dummköpfe. Hierbei ist Wahrheit tatsächlich ein richtig beschriebener Sachverhalt, und von Verschwörungstheoretikern dürfen wir uns davon nicht irritieren lassen.

Aber dass es die eine Wahrheit hinter allem gibt, Gott genannt, stellt Pilatus zwar zynisch in Frage, aber Jesus steht als persongewordene Antwort vor ihm: In der Wirklichkeit des Reiches Gottes ist alles ganz anders, als es hier aussieht. Die Wahrheit liegt in der Liebe. Und der Tod behält nicht das letzte Wort.

Predigttext am Sonntag, 6. April 2025 ist Johannes-Evangelium 18,28 bis 19,5.

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Fakten und Erfahrungen – Sonntagsgedanken zum 30. März 2025

Wenn zwei Menschen das Gleiche sehen, sehen sie nicht das Gleiche. Im Freibad sieht der eine den Ort seiner größten Demütigung, weil er damals Angst hatte, vom 5-Meter-Turm zu springen, und wieder die Leiter heruntersteigen musste, während der andere im Freibad den Ort seines größten Glückes sieht, weil er hier die Frau fürs Leben kennenlernte. 

Die Welt der Erfahrungen ist eben etwas anders als die Welt der Fakten. Und zu den Erfahrungen zählen Glaube, Liebe und Hoffnung, die sich deshalb nicht beweisen lassen, sondern nur erleben.

Wichtig ist, beides deutlich zu unterscheiden. Glauben, dass die Erde eine Scheibe ist, kann man nicht, denn das ist nur Blödsinn und leicht zu widerlegen. Aber ebenso fragwürdig wäre es, Vertrauen für sinnlos zu halten, nur weil die Fakten dagegen sprechen. Wir leben eben nicht vom Brot allein, sondern von Glaube, Liebe und Hoffnung.

Predigttext am Sonntag, 30. März 2025 ist Johannes-Evangelium 6, 47-51

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Gegen den Strom – Sonntagsgedanken zum 23. März 2025

„Wer gegen den Strom schwimmt, darf nicht damit rechnen, dass dieser die Richtung ändert,“ lautet ein Aphorismus des polnischen Lyrikers Stanislaw Jerzy Lec. Das stimmt. Manchmal muss man Kraft und Mut aufbringen, wenn man zu dem stehen möchte, was man als richtig erkannt hat oder woran man glaubt. Meinungsfreiheit stößt heute oft an Grenzen, denn viele wollen nur noch hören, was sie selber meinen. Andere sind da nur Störenfriede.

Die alttestamentlichen Propheten sind Musterbeispiele dafür. Gehört hat man nicht auf sie, manche ihrer Ansichten wären heute sicher auch fragwürdig. Langfristig waren sie allerdings erfolgreich. Man hört ihre Mahnungen, gerecht zu sein, bis heute, während ihre Widersacher nichts hinterlassen haben.

So ist das vermutlich auch mit den heutigen „Störenfriede“ für die gilt, was Steve Jobs schon im berühmten Apple-Werbespot 1997 über sie gesagt hat: „Man kann sie ablehnen. Aber was man nicht kann, ist sie ignorieren, weil sie Dinge verändern, die die Menschen weiterbringen.“

Predigttext ist Jeremia 20, 7-11a

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Gott liebt mich, spür ich – Sonntagsgedanken zum 16. März 2025

Seit 2.000 Jahren gilt jedem Menschen die Verheißung, dass Gott ihn liebt (Foto: privat)

Wer versucht, anderen Menschen im Geist der Nächstenliebe zu begegnen, der merkt, dass das einfach richtig ist. Davon bin ich überzeugt, weil alle, die mies handeln, dies irgendwie versuchen zu rechtfertigen oder zu ignorieren oder einfach nur bescheuert sind. Und wer anderen etwas Gutes tut, fühlt sich selbst besser. Warum? Weil er merkt, dass es so sein sollte.

Ähnlich wie mit dem Satz von Jesus, dass man seinen Nächsten lieben soll wie sich selbst, geht es mir mit dem Glauben überhaupt. Beweisen kann ich nicht, dass alles hier auf Erden einen Sinn hat und dass es eine Wahrheit gibt, die in der Ewigkeit verankert ist und durch Jesus verkündigt wurde. Aber ich spüre manchmal mehr, manchmal weniger, dass das für mich stimmt. Gott liebt mich, sonst gäbe es mich nicht.

Predigttext am Sonntag, 16. März 2025, ist Johannes-Evangelium Kapitel 3, Verse 14 bis 21.

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Prominent und nahe – Sonntagsgedanken zum 9. März 2025

Kennen Sie jemanden, der zugibt, das er das „Prominent!“-Magazin auf Vox anschaut oder Yellowpress-Magazine verschlingt? Von den angeblichen Spannungen im Königshaus hat man ja nur zufällig beim Friseur gelesen, heißt es oft. Mag sein, aber irgendjemand muss die Magazine, die uns das Leben der Prominenten nahebringen, auch kaufen. Offenbar ist das Interesse an Herzogin Kate so ungebrochen wie für Ariana Grande oder Jürgen Klopp.

Prominente dienen oft als Folien für das eigene Leben. Allerdings sind sie reicher, berühmter und erfolgreicher, und ihr Leben soll, trotz mancherlei alltäglicher Probleme, die sie menschlich machen, perfekt sein. So ganz anders, als unseres ist.

Wie ein verehrungswürdiger Promi wird Jesus im Predigttext am kommenden Sonntag eingeführt, als Hohepriester. Aber eben nicht als einer, der mit einem perfekten Leben über mir steht, nicht als einer die Macht ergreift, sondern sie aufgibt.

Da steht dieser prominente „Sohn Gottes“ plötzlich wie ein Mensch neben mir, der das gleiche Schicksal teilt, wie ich. Der den gleichen Nöten und den gleichen Versuchungen ausgesetzt ist. Das kann doch bei aller Fremdheit einen tiefen Trost entfalten: Gott ist uns nahe, unserem Streben nach Glück und unserer Gier nacht Macht, unser Sehnsucht nach Liebe und unserem Scheitern im Tun.

Predigttext am Sonntag, 9. Februar 2019, ist Hebräer 4, 14-16.

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Eine gute Überzeugung macht noch keinen guten Menschen – Sonntagsgedanken zum 2. März 2025

Was ist besser: Etwas tun oder auf etwas hören? Darum geht es im Bibeltext am nächsten Sonntag. Man könnte auch fragen: Sind wir das, was wir tun, oder das, was wir glauben?

Ich habe, ehrlich gesagt, etwas gegen Leute, die große Worte mit sich herumtragen – Liebe, Solidarität, Toleranz – und sich benehmen, als wollten Sie das Gegenteil erreichen. Jesus hatte da schon recht. Die rechte Überzeugung macht noch keinen guten Menschen aus. Der barmherzige Samariter hat gezeigt, wie es geht: Helfen, wo Hilfe nötig ist.

Andererseits müssen wir auch wissen, was wir wollen. Und auch wer wir sind. Handeln ohne vorher nachzudenken, kann auch falsch sein. Zum Beispiel, wenn man sich zu viel vornimmt und selbst überfordert. Und wenn man das merkt, dann womöglich nur Forderungen an andere stellt.

Gelassenheit ist eben auch eine Tugend wie die Einsicht in die eigenen Grenzen. Zuhören ist dann gefragt, wenn jemand uns an unsere Grenzen erinnern muss – und Tun ist gefragt, wenn wir wissen, was wir wollen: Soweit wir können anderen das Leben ein bisschen besser zu machen.

Predigttext am Sonntag, 2. März 2015 ist Lukas 10, 38-42.

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Eine Kapitalistin, die Schnecken tötet – Sonntagsgedanken zum 23. Februar 2025

Ich mag es, wenn es bunt zugeht, wenn Menschen unterschiedlich sind und jede Schublade sprengen, in die Kleingeister sie sperren wollen. Und Christ bin ich deshalb auch besonders gerne, weil das in der Bibel laufend passiert, dass Vorurteile einfach unterlaufen werden. Wen würde man zum Beispiel als ersten europäischen Christenmenschen vermuten? Ein römischer Gladiator in Griechenland wäre ganz cool und ein armer Bettler in Korinth ließe sich als erster Christ heute gut in der Öffentlichkeit verkaufen. Aber die Bibel treibt keine PR, sondern benennt es, wie es ist: Lydia lässt sich als erster europäischer Mensch taufen, eine Frau und noch dazu eine selbständige und reiche, die mit Purpur handelte. Ein PR-Berater hätte das Paulus gewiss nicht so empfohlen.

In einer Männerwelt präsentiert das Christentum eine Frau als ersten Christenmenschen in Europa und stellt sie uns als Kapitalistin vor, die Schnecken tötet! Verzeihen Sie, das ist nur spaßige Überzeichnung. Aber ernst ist es mir damit, dass wir Menschen aufgrund von äußeren Merkmalen (Frau, reich, Händlerin – oder auch Ausländer oder arm oder unsympathisch oder unrasiert) nicht in Schubladen stecken sollten. Ob Menschen gläubig, hoffend und liebevoll sind, hat in der Regel wenig mit Geld zu tun – und mit dem Geschlecht oder der Hautfarbe schon gar nicht.

Predigttext am Sonntag, 23. Februar 2025, ist Apostelgeschichte 16, 9-15.

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Lob dem Mittelmaß – Sonntagsgedanken zum 16. Februar 2025

Mit am schlimmsten sind wohl die Menschen, die gut und gerecht sein wollen – koste es, was es wolle; die andere dauernd korrigieren und belehren, den Nachbarn auf seine Fehler hinweisen und fünf niemals gerade sein lassen. Das richtige Maß zum Guten ist immer das Mittelmaß. Das lehrte schon der Philosoph Aristoteles und so steht es auch im Predigttext des kommenden Sonntags: „Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest.“ (Eine Freibrief für Dummheit und Unfairness ist das übrigens nicht. Gleich danach steht nämlich „Sei nicht gottlos und sei kein Narr!“)

Und warum ist Fanatismus auch im Guten schädlich? Weil man sich dadurch selbst zu Gott macht, zu jemanden, der über den Zweideutigkeiten des Lebens ebenso steht wie er moralisch über die anderen erhaben ist. In der Politik sind Moralisten sowieso ein großes Übel, und im Alltag ein Ärgernis. Es genügt, auch das steht in der Bibel, wenn man sich so gut es eben geht an Gott hält ohne sich als kleiner Besserwisser aufzuspielen.

Predigttext am Sonntag, 16. Februar 2025, ist Prediger Salomo 7, 15-18.

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