Ein durchaus kluger Mann hat mir vor Jahren einmal gesagt: Ab Fünfzig ändern sich Leute nicht mehr. Das klang damals plausibel, aber nun, da ich selbst diese Grenze überschritten habe, bin ich mir da nicht so sicher. Gewiss, manche Charakterzüge wie Ängstlichkeit oder Mut, Kommunikationsfreude oder Zurückhaltung, Aktivismus oder Gelassenheit scheinen fest zu sein und sind schließlich auch das, was unsere Persönlichkeit ausmacht.
Dennoch: Man kann sich immer ändern. Wer selbstkritisch Fehler an sich entdeckt, muss sich eben an die Arbeit machen: Mal mutig sein, auch wenn wir uns am liebsten verkriechen würden; mal sich zwingen, den Mund zu halten, auch wenn man mit seinen guten Ratschlägen am liebsten herausplatzen möchte; mal neu denken und nicht nur das, was man seit 30 Jahren schon immer gemeint hat.
Neugierig und offen zu sein, hat noch keinem geschadet. Und nur wer bereit ist, sich zu verändern, bleibt sich treu.
Predigttext am Sonntag, 31. Mai 2015, ist Johannes 3, 1-8.