Neid und Gnade

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Wenn es anderen gut im Leben geht, sollte das kein Grund für Neid sein. (Foto: iStock)

Gnädig zu sein, fällt meist nicht schwer. Wenn es nur darum geht, nach einem kleinen Fehler des anderen zu sagen „Macht nichts“, ist das kein Problem, im Gegenteil, es gibt einem oft sogar ein gutes Gefühl, andere zu entschuldigen.

Schwieriger wird es, wenn A B etwas getan hat, und B A vergibt – und ich C bin, der sich redlich abmüht, keine Fehler zu machen. Klingt kompliziert? Dann konkret, wie es Jesus im Gleichnis vom verlorenen Sohn erzählt hat. Ein Mann hatte zwei Söhne, einer verlässt das Haus und bringt sein Erbe durch, wäre der andere Sohn brav alle Pflichten übernimmt – und sich am Schluss darüber ärgert, dass der Vater den „verlorenen“ Sohn wieder aufnimmt. Alles vergeben und vergessen? Da ist neben Ärger sicher auch viel Neid im Spiel. Das ist doch ungerecht!

Ist es wirklich ungerecht, wenn es dem einen besser im Leben geht als dem anderen? Ist es wirklich gerecht, wenn alle über den gleichen Kamm geschert werden? Freuen wir uns doch, wenn einem anderen etwas glückt im Leben, wenn er gesund bleibt und ein gutes Auskommen hat. Unsere Lage wird weder besser noch schlechter dadurch, dass wir darauf starren, wie es anderen geht. Oder wie es in einem (fälschlicherweise John F. Kennedy zugeschrieben) Zitat heißt: „Das Leben ist ungerecht. Aber vergiss nicht: Nicht immer zu deinen Ungunsten.“ Seien wir also gnädig – auch dann, wenn es anderen besser geht!

Predigttext am Sonntag, 2. Juli 2017, ist Lukas-Evangelium Kapitel 15, Verse 11-32.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr
in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim, Lauffener Straße 1

Über mtreiber

Matthias Treiber ist Pfarrer und Journalist. Matthias Treiber is a minister in the Lutheran Church of Wuerttemberg and journalist.
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