Wer ist Gott und wenn ja wieviele?

Trinität

Mysteriöse Trinität in einer Darstellung der „Gartenlaube“ aus dem Jahr 1882 (Abb.: wikicommons/gemeinfrei)

Vielleicht liegt es an dem mysteriösen Raunen, mit dem man versucht hat, die christliche Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes zu umgeben und vom „Geheimnis“ zu reden, nach dem „drei gleich eins“ sei. Vielleicht hat man aber auch einfach zu viel um Begriffe gestritten – jedenfalls fängt mit der Trinität nur noch eine Minderheit selbst der Christen heute etwas an. Das macht Mut, es einmal mit einer kurzen heutigen Erklärung zu versuchen.

Zunächst: Von Gott kann man nur in Bildern reden. Genau aus diesem Grund lehnen die meisten Religionen es ab, Gottesbilder anzubeten. Wir haben nur eine sehr begrenzte Sprache, um unseren Glauben und das, worauf er sich richtet, zu beschreiben. Gott ist gewiss kein alter Mann, der vom blauen Himmel herab uns Menschen beurteilt. Dennoch nennen wir ihn Richter oder gnädig. Wie anders auch sollten wir uns in Beziehung setzen zum „Sein-Selbst“, wie Philosophen Gott beschreiben, zur „ersten Ursache“? Deswegen ist auch die Lehre von der Dreifaltigkeit Bildersprache, die das, was sie beschreibt eher sucht als findet.

Gott der Schöpfer

„Am Anfang schuf Gott….“ Gott ist die Bezeichnung für das, was der Ursprung allen Seins ist. Ein Atheist wie der bewundernswerte, jüngst verstorbene Stephen Hawking entdeckt am Anfang allen Seins eine „Singulariät“, aus der mit Notwendigkeit das Universum in einem „Urknall“ entstand. Die Bildersprache ist auch in der Physik nicht zu überhören. Im Widerspruch zur christlichen Lehre steht das nicht. Im Glauben sehen wir Menschen uns aber zu diesem Grund allen Seins in eine Beziehung gesetzt. Und deswegen verstehen wir ihn als Person, als Gott, den Schöpfer. Natürlich ist Gott etwas anderes als eine Person, etwas – im wahrsten Sinne – unendlich mächtigeres; aber das übersteigt unseren Horizont. Das Größte, dem wir begegnen können, ist eine andere Person. Deswegen wäre Gott als Idee oder Gott als Objekt ohne Selbstbewusstsein zu klein für uns. Wir sehen Gott als Gegenüber, mit dem wir kommunizieren können. Mehr geht nicht. Und das ist nicht naiv, sondern „Ergriffensein von dem dem, was uns unbedingt angeht“, wie der Theologe Paul Tillich den Glauben nannte. Wir sind! Und zwar nicht weil wir uns gemacht haben, sondern offenbar geschaffen wurden oder „entstanden sind“, was letztlich für uns das Gleiche meint.

Eine Besonderheit der christlichen Lehre der Schöpfung ist, dass Gott als der geglaubt wird, der die Schöpfung in jedem Moment auch „erhält“. Ohne Gott, ohne das Sein-Selbst, gäbe es uns keine Sekunde lang. Gott hat also nicht nur am Anfang die Welt geschaffen und lässt seitdem alles laufen, sondern er erhält sie, indem es Energie, Elementarbausteine und Naturgesetze samt den Naturkonstanten gibt.

Jesus der Sohn Gottes

Wenn Gott alles Seiende geschaffen hat, dann ist alles gut, was dem Seienden zugute kommt. Auf uns Menschen bezogen – und zunächst geht es uns nur um uns – heißt das: Gott will, dass Menschen leben, und ist gegen alles, womit Menschen dem Leben schaden. Deswegen ist das Gute nicht eine von zwei Möglichkeiten, sondern die einzige, nach der wir Menschen richtig leben. Als abstrakter Gedanke wäre das Gute aber nicht sonderlich hilfreich, sondern es ist am besten, wenn es uns möglichst in Reinform so begegnet, dass wir es sehen und verstehen können – in einem Menschen. Im Zentrum der christlichen Lehre steht deshalb Jesus von Nazareth, von dem geglaubt wird, dass er der „Sohn Gottes“ ist, weil in ihm dieses Gute zwischen den Menschen vollkommen erschienen ist. Eigentlich geht das nicht, weil alle Menschen widersprüchlich und fehlerhaft leben. In Jesus aber sehen Christen den vollkommenen Menschen abgebildet, gerade weil er mit seiner Vollkommenheit keine heile Welt erschuf, sondern am Kreuz das Elend einer unheilvollen Welt trug. Diesen Gedanken gibt es nur in der Religion, denn die Philosophie kann hier nur einen Widerspruch feststellen und sich vielleicht auf ein trotziges „dennoch“ der Existenzphilosophie besinnen nach dem Motto: Das Leben ist sinnlos, aber es ist gut, wenn wir das wissen. Bei allem Respekt, da greift mir die Philosophie zu kurz!

Der Heilige Geist

Die dritte Art, wie wir Gott erfahren und denken können, ist der Heilige Geist. Wer nicht ganz und gar „religiös unmusikalisch“ ist, wird ihn zuweilen in sich spüren: Lassen Sie sich auch berühren, wenn andere Menschen Gutes tun? Haben Sie Mitleid? Und wenn Sie in der Kilianskirche sitzen und den Hochaltar anschauen, überkommt sie dann das Gefühl, hier etwas zu begegnen, das über die Endlichkeit der Welt hinausweist – auch wenn es Ihnen völlig egal ist, welche Kirchenlehrer da abgebildet sind und dass das ein alter Marienaltar ist. Mit dem Heiligen Geist jedenfalls wird die Wirkung beschrieben, die der Glaube hat, der nicht aus uns kommt, sondern erlebt wird, erlebt werden muss, weil man ihn nicht völlig in Begriffe fassen kann…

…. und ich stehe am Ende mit meinen Versuchen wieder da, wo ich am Anfang war: Der Glaube ist „Sinn und Geschmack fürs Unendliche“, wie der Theologe D.F.E.Schleiermacher ihn beschrieben hat. Alle Begriffe und Bilder sind deshalb nur begrenzte Versuche, eine Sprache für das zu finden, was man in den lichten Momenten seinen Lebens erfahren darf: Dass es jenseits unseres begrenzten und zuweilen schweren Lebens Halt und Sinn gibt, und wir auch als „Staubkörner im All“ nicht Nichts sind.

Predigttext am Sonntag „Trinitatis“, 27. Mai 2018, ist Epheserbrief 1, 3-14.

Über mtreiber

Matthias Treiber ist Pfarrer und Journalist. Matthias Treiber is a minister in the Lutheran Church of Wuerttemberg and journalist.
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