Manche Vorschläge in der Bibel sind ja ganz lebenspraktisch. „Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen“ heißt es zum Beispiel im Predigttext für den Sonntag. Sonst setzt sich das fest. Das kennen Sie vielleicht auch. Man kann durchaus zu Recht auf jemanden wütend sein, aber zufriedenstellend ist das nicht. Besser man versucht sich zu beruhigen, sucht das Gespräch mit dem anderen. Dann ist alles okay.
Ein Problem ist es allerdings, wenn man nicht auf jemanden, sondern auf etwas wütend ist. Vor Jahren hat man noch über die meist älteren Männer gespottet, die morgens am Küchentisch die Zeitung lesen und übel nehmen – wem oder was ist eigentlich egal, sie nehme übel und granteln an der Welt herum.
Erschrocken habe ich festgestellt, dass ich manchmal auch so bin. Und mich über politische Fragen aufrege, die doch eigentlich für mein eigenes Alltagsleben ziemlich egal sind. Wut ist ein Gefühl, daem man sich oft nicht erwehren kann. Aber im Zaum sollte man es halten. Deshalb: „Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen“ – egal, ob er berechtigt ist oder nicht.