Mach dir keine Sorgen – Sonntagsgedanken zum 8. September 2024

Mach‘ dir keine Sorgen! sagt Jesus. „Der hatte es auch einfach, er war der Sohn Gottes. Was sollte da schief gehen?“ heißt es in einer humorvollen Replik dazu. Ich kenne mindestens zehn Dinge, um die ich mich ernsthaft täglich sorgen muss, und es käme mir fahrlässig vor, Probleme einfach zu ignorieren und nicht immer einen Plan B zu haben.

Im Rückblick auf Situationen, in denen ich bewahrt worden bin, fällt mir aber auf: Es lag nicht an meinen Sorgen, dass es gut ausging. Mit vielen Problemen kann man erst dann vernünftig umgehen, wenn sie da sind, und nicht schon am Tag vorher. Und viel zu oft habe ich mir unnütze Sorgen gemacht. Die aber hat Jesus im Blick, wenn er meint, dass wir doch Vertrauen haben sollen ins Leben, das manchmal schwierig und oft chaotisch ist und uns jeden Tag neu überrascht.

Gott weiß schon, was er tut.

Predigttext am Sonntag, 8. September 2024, ist Matthäus-Evangelium Kapitel 6, 25-34.

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Andere lösen meine Probleme nicht – Sonntagsgedanken zum 1. Seitember 2024

Meinen, dass andere einem die Probleme lösen? Andere nachlaufen ohne selbst zu denken? Furcht zu haben vor allem, was anders, neu oder fremd ist? Wer so ist, hat laut Bibel einen „knechtischen“ Geist. Das klingt altertümlich, beschreibt aber ziemlich genau, was manche empfinden, die auf die heutigen Populisten hereinfallen. In einer komplizierten Welt sucht man einfache Lösungen. Die allerdings machen weder glücklich noch lösen sie die Probleme. „Knechtischer Geist“ führt in die Sackgasse und beseitigt keine Furcht.

Der Apostel Paulus preist als Gegensatz dazu den „kindlichen“ (nicht: kindischen) Geist an. Wer trotz aller Probleme, die einen manchmal umzingeln, Halt findet im Glauben und im Vertrauen auf Gott, der ist „Kind Gottes“. Er weiß: Ich muss kein Übermensch sein und mich alleine durch die Welt schlagen, sondern ich darf schwach sein und Fehler machen  – und billige das auch anderen zu.

Das Reich Gottes beginnt nicht, wenn alle Probleme weg sind, sondern wenn wir anfangen zu lieben.

Predigttext am Sonntag, 1. September 2024, ist Römerbrief 8, 12-17.

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Nächstenliebe – Sonntagsgedanken zum 25. August 2024

„Ohne die Liebe wäre das Leben ein Irrtum.“ – Den Satz darf nicht missverstanden werden, als ginge es dabei nur um die Liebe zu einem Mann oder zu einer Frau. Da kann es manchmal Irrtümer geben. Nein, es geht darum, dass das Leben gut und erfüllt ist, wenn man liebt – das Leben liebt,  sich selbst und die anderen.

„Wir lieben den Tod“ brüllen uns Idioten und Selbstmordattentäter entgegen. Diese Killer sind wohl das beste Beispiel dafür, dass der Satz von der Liebe stimmt. Ohne Liebe, erfüllt von Hass, Gewalt und Dummheit ist das Leben ein Irrtum, einfach: falsch geführt.

Ich denke, das lässt sich auch spüren: Wer liebt, lebt richtig. Das bedeutet nicht, dass Liebe leicht ist. Manchmal bleibt sie ohne Antwort oder man wird ausgenutzt. Aber wer anderen in Freundlichkeit begegnet – dem Bettler auf der Straße (gleichgültig, ob man ihm etwas gibt oder nicht) ebenso wie der ruppigen Dränglerin im Stadtbus, wer solchen Menschen gegenüber dennoch freundlich bleibt, der wird sich hinterher sicher besser fühlen, als wenn er der Liebe ade gesagt hätte und sein Unverständnis oder seinen Ärger einfach so rausgelassen hätte.

Alle Menschen zu lieben, geht nicht, meinen Sie? Gewiss gibt es Grenzen der Nächstenliebe. Aber zunächst geht es vielleicht ganz einfach darum, nicht auf Kosten anderer zu leben, anderen gegenüber offen und für sich selbst verantwortlich zu sein und auch mal darauf achten, wie es dem anderen geht.

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst,“ heißt es am Sonntag in der Kirche. Ganz genau!

Predigttext am Sonntag, 25. August 2024, ist 3. Mose 19, 1-34

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Geheilt werden – Sonntagsgedanken zum 18. August 2024

Was ist die schönste Erfahrung, die man im Leben machen kann? Da wird Ihnen vermutlich genauso viel einfallen, wie mir: Die Liebe eines anderen Menschen natürlich – und die Liebe zu anderen. Oder ein Kind zu bekommen. Oder ein Ziel zu erreichen und etwas Sinnvolles zu tun.

Wer schwer krank war, wird vielleicht eine Erfahrung zuerst nennen: Geheilt zu werden. Wie die Frau in der biblischen Legende wieder aufstehen zu können. Oft vergessen wir, welche Wunder heute möglich sind: Durch die moderne Medizin. Durch den Einsatz helfender Menschen. Und zuweilen auch durch das Unerklärbare.

Hinter jeder Heilung sehe ich die Macht des Lebens am Werke, die vom Schöpfer allen Lebens kommt, von Gott. Oder denken Sie, wir hätten unser Leben selbst gemacht? Für den Philosophen Rene Descartes war das sogar ein Gottesbeweis: Ich habe mir das Leben nicht selbst gegeben. Also hat es mit jemand gegeben. Und den nennt man Gott.

Dieser Glaube beinhaltet noch etwas anderes: Leben ist gut, und gut ist es, den Tod zu bekämpfen. Den Tod, den Terroristen und Kriegsherren bringen ebenso wie in den Krankenhäusern dieser Welt.

Predigttext am Sonntag, 18. August 2024, ist Lukas 13, 10-17. 

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Keine Gnade – Sonntagsgedanken zum 11. August 2024

Ein Bösewicht ist im Film endlich zur Strecke gebracht. Der Held, selbst schwer traumatisiert, richtet seine Waffe auf den nun wehrlosen Killer, der um Gnade bittet. Der Held heißt Rambo – und er drückt hab. Mit dem lapidaren Spruch: „Gott kennt Gnade! Rambo nicht!“

Viel kürzer kann man eine Grundeinsicht des christlichen Glaubens eigentlich nicht auf den Punkt bringen: Gott ist gnädig. Dass wir existieren ist so wenig unser Verdienst wie dass wir geliebt werden. Das Leben ist eine einzige Gnade, auch wenn es begrenzt und manchmal voller Leiden ist. Wir können es uns nicht verdienen.

Das sollte uns selbst – im Gegensatz zu Rambo – auch gnädig stimmen. Killer knallt man nicht ab, sondern nimmt man fest. Nachtragend zu sein, ist genauso falsch, wie anderen dauernd ihre Fehler vorzuhalten. Oder wie sagt mir ein alter Mann mal seine Lebensweisheit: Man wird nicht alt, um Recht zu haben, sondern um gnädig zu sein.

Predigttext am Sonntag, 11. August 2024, ist Galaterbrief, Kapitel 2, Verse 16-21.

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Israelsonntag – Gedanken zum 4. August 2024

In einem Lokal in München sitzen am Nebentisch zwei junge Frauen mit einer Schar Kinder. Sie erregen meine Aufmerksamkeit und erst nach einer Weile wird mir klar, warum: Sie sprechen Hebräisch. Eigentlich ist es schön, dies als Deutscher nur zwei Generationen nach dem Holocaust erleben zu dürfen!

Aber dann kommt die Scham. Die ganze widerliche Fratze des Antisemitismus hat sich hierzulande wieder breit gemacht, von dummen Profesoren bis hin zu linken Kunstliebhabern.

Nicht zu vergessen der importierte Antisemitismus aus dem Mittleren Osten und – Schande über uns – der Antisemitismus, der auch in manchen Teilen der Kirche wieder fröhliche Urstände feiert mit der Forderung nach einem Boykott von Juden und einer Verteufelung Israels.

Am Sonntag begeht die Kirche den Israel-Sonntag. Er erinnert an die unselige Rolle der Christenheit bei der Verfolgung der Juden seit 2.000 Jahren. Und ich hoffe, dass dieser Gedenktag auch dem letzten in der Kirche und in unserem Land klar macht, dass Antisemitismus und Glaube nicht miteinander vereinbar sind. „Nur wer für die Juden schreit, darf gregorianisch singen!“ hat Dietrich Bonhoeffer nach 1933 verlangt. Das muss man – leider – heute wie damals betonen.

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Nur was einem wirklich wichtig ist, zählt – Sonntagsgedanken zum 28. Juli 2024

Für meine Kinder würde ich alles tun! Die meisten Eltern würden diesen Satz wohl unterschreiben. Nur was einem wirklich wichtig ist, zählt. Wenn wir jemanden lieben, dann gibt es nichts wichtigeres, weil darin unser Seelenheil liegt. So wie es auch dem Menschen ergeht, der in einem Gleichnis Jesu alles verkauft, was er hat, um einen Acker zu erwerben, auf dem das Wichtigste für ihn ist, ein Schatz. Wer den Glauben für eine besserwisserische Handlungsanweisung hält, die vorschreibt, was wir zu tun und zu lassen habe, wird hier irritiert sein. Ein Kapitalist gibt hier Geld aus, nicht für Arme, sondern für eine Perle, und wird dafür von Jesus gelobt? Wir bevorzugen das eigene Kind, ganz parteiisch und eindeutig gegen jede Gerechtigkeit? – Wer Glaube aber als das versteht, was uns die Unendlichkeit fühlen lässt, die unendliche Verbundenheit mit unseren Kindern, die unendliche Bedeutung der Liebe, die nach biblischem Verständnis sogar Gott ist, der wird zu dem Kapitalisten, der die kostbare Perle kauft, sagen: Das machst du genau richtig!

Predigttext am Sonntag, 28. Juli 2024, ist Matthäus 13, 44-46.

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Sh.. happens! – Sonntagsgedanken zum 21. Juli 2024

Ein wirklich anstrengender Tag ist für mich einer, an dem ich viele Entscheidungen treffen muss. Vermutlich ginge das auch einfacher, aber wenn man das, was man tut, auch noch recht machen will, wird es stressig: War das jetzt die richtige Entscheidung, das Kind von der Musikschule abzumelden? War es gut, den Arzt zu wechseln? Hätte ich der Nachbarin gegenüber nicht zuvorkommender sein müssen? Und sollen wir jetzt eine Gefriertruhe oder einen Gefrierschrank kaufen?

Manches, was einem den Kopf zudröhnt, ist es gar nicht wert, andere Entscheidungen dagegen sind lebensverändernd. Es ist anstrengend, Entscheidungen zu treffen, weil sie sich als falsch herausstellen können oder zumindest mögliche bessere Alternativen verhindern. Jede Stunde lauert sozusagen ein neuer Sündenfall auf uns.

Vielleicht ist gar nicht so entscheidend, was wir tun, sondern, dass wir überhaupt uns etwas tun. Und wie wir es tun. In „Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit“ heißt es in der Bibel. Gott verlangt nicht, dass wir vollkommen sind. Fehler sind nicht schlimm. Schlimm wäre nur, nichts zu tun oder in böser Absicht. Ansonsten: „Sh.. happens!“ Oder mit Martin Luther gesagt: „Sündige tapfer!“

Predigttext am Sonntag, 21. Juli, ist Epheserbrief 5, 8b-14.

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Manna kommt vom Himmel – Sonntagsgedanken zum 14. Juli 2024

Kennen Sie das: Manchmal ist alles wie festgefahren. Nichts lohnt mehr. Wir treten auf der Stelle und kapieren: Wir müssen raus aus diesem Trott. Neue Wege gehen. Auch wenn es unsicher ist, wohin sie führen. Aber besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Und wenn man dann ins neue Land aufgebrochen ist und erste Probleme sichtbar werden – auf der neuen Stelle, mit dem neuen Partner, den neuen Lebenszielen -, dann kommen die Zweifel: War es früher nicht doch besser. Lieber gefangen im Alten als unsicheren Schrittes in der Freiheit. Lieber Sklave, der zu essen hat, als freier Mensch in der Wüste. Dem Volk Israel ging es so nach der Befreiung aus der Sklaverei. Kaum entkommen sehnten sich manche schon nach dem Fleischtöpfen Ägyptens zurück.

Am Sonntag wird erzählt, was zweifelnden Menschen dann vor die Füße fällt: Manna – Nahrung von Gott, die Kraft gibt, die man aber nicht aufbewahren kann, sondern jeden Tag neu geschenkt bekommt.

So ist das richtige Leben: frei – und jeden Tag eine neue Freude und eine neue Herausforderung, bei der Gott uns beisteht.

Predigttext am Sonntag, 14. Juli 2024, ist 2.Mose 16, 2+3+11-18.

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Etwas fühlt sich „richtig“ an – Sonntagsgedanken zum 7. Juli 2024

Es gibt solche Momente im Leben, wo einem plötzlich etwas klar wird. was man tun soll. Wer man ist. Wie schön etwas doch ist. Wie wertvoll uns andere Menschen sind. Momente, in denen wir verstehen – manchmal mit Verstand und Einsicht, oft aber eher im Herzen. Etwas „fühlt sich jetzt richtig an.“

Solche Momente im Leben sollte man ernst nehmen. Wie der Mann in der biblischen Geschichte, dem einer erzählte, was Jesus getan und gesagt hat. Das fühlte sich richtig an und der Mann ließ sich taufen.

Was tun wir, wenn etwas sich für uns „richtig“ anfühlt? Vielleicht: Es geschehen lassen. Oder anderen zu sagen, was man als richtig erkannt hat. Und manchmal, wenn man in schwierigen Situationen eine Erleichterung gefunden hat: Gott danken!

Predigttext am Sonntag, 7. Juli 2024, ist Apostelgeschichte 8, 26-39 (i.A.)

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