Schwerter zu Pflugscharen? – Sonntagsgedanken zum 10. Nov. 2024

Von Schwertern zu Pflugscharen ist im Bibeltext für den Sonntag die Rede.

Bei den Vereinten Nationen steht dazu eine Skulptur – ausgerechnet ein Geschenk der Sowjetunion.

Und die Friedensbewegung hatte es zu ihrem Symbol gemacht – inzwischen weiß man, dass die Stasi da im Hintergrund die Fäden gezogen hat.

Nicht jeder, der vom Frieden redet, meint es ernst. 

Und wer das Opfer auffordert, mit dem Täter Frieden zuschließen, hat nichts verstanden.

Das gilt für jeden von uns.

Wer gemobbt wird, sollte das nicht hinnehmen müssen.

Und wer zuhause Gewalt erfährt, der muss geschützt werden, notfalls durch die Polizei.

Schwerter zu Pflugscharen ist in der Bibel eine Verheißung. Gott allein kann das ermöglichen. Dann, wenn sein Geist alle Menschen zu Glaube, Liebe und Hoffnung geführt hat, müssen wir Menschen uns und andere nicht mehr mit dem Schwert verteidigen.

Solange die Welt aber noch nicht erlöst ist von den Gewalttätern, wäre es ein Verbrechen, die Opfer alleine und die Täter gewähren zu lassen.  

Predigttext am Sonntag, 10. November 2024, ist Micha 4, 1-7b

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Freiheit die ich meine – Sonntagsgedanken zur Reformation

Wäre das nicht herrlich: keine Angst zu haben, keine Angst vor dem Versagen und keine Angst vor dem Urteil anderer, keine Angst vor den eigenen Grenzen und keine Angst vor dem Ewigen? Dann kann man sich wirklich frei fühlen.

Die Reformatoren haben die Freiheit ins Zentrum ihrer Überlegungen gestellt. Und ihnen war klar, dass Freiheit auch eine Herausforderung ist. 

Wer frei ist, kann nicht mehr andere für das eigene Leben verantwortlich machen, sondern ist selbst verantwortlich.

Aber es lohnt sich, die Freiheit zu schätzen. Joachim Gauck hat in seiner Autobiographie darauf aufmerksam gemacht: „Wir haben die Freiheit ersehnt, sie hat uns angeschaut, wir sind aufgebrochen und sie hat uns nicht im Stich gelassen.“

Freiheit sollten wir uns nicht nehmen lassen, von niemandem und auch nicht im Namen einer angeblich guten Sache. Denn ohne Freiheit ist alles nichts. 

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Demut? Um Himmels Willen – Sonntagsgedanken zum 27. Okt. 2024

Es gibt ein altbackenes Wort, dem ich gerne wieder mehr Beachtung wünschen würde: Demut.

Das klingt manchem vielleicht nach Unterordnung und Klein-gemacht-werden. Aber es meint das Gegenteil: Wahre Größe. 

Menschliche Größe, die darin besteht, dass man sich selbst nicht so wichtig nimmt; dass man seine Meinung nicht für die einzig richtige hält; dass man auch mal den Mund hält und nicht immer in den Chor der anderen einstimmt.

Wem ich Demut wünsche, fällt mir schnell ein: Dem arroganten Sänger, der für eine angeblich bessere Welt kämpft; der Influenzerin, die sich für die Wichtigste in der Talkrunde hält; dem Betrüger aus besseren Kreisen, der nach dem Knast-Aufenthalt in jedem Blatt erzählt, was für ein guter Mensch er nun geworden ist. 

Und, upps!, mir selbst, der ich so klar die fehlende Demut bei anderen entdecke, die mir oft ebenso fehlt.

Das Johannes XXIII. zugeschriebene Zitat muss ich unbedingt an meinen Monitor kleben: „Nimm dich nicht so wichtig!“ Denn demütig zu sein macht unser Leben leichter und besser.

Predigttext am Sonntag, 27. Oktober 2024 ist Micha 6, 1-8

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Au Backe, die andere Backe – Sonntagsgedanken zum 20. Okt. 2024

Die andere Wange hinhalten, die Feinde lieben, diese Forderungen Jesu gehören zu den bekanntesten ethischen Grundsätzen und sicher auch zu den umstrittensten.

Wer wäre ernsthaft dagegen, einem Mörder mit Gewalt Einhalt zu gebieten? Und selbst die friedensbewegsteste Kirchentagsbesucherin wird die Polizei rufen, wenn bei ihr eingebrochen wurde. Im Barmer Bekenntnis von 1934 ist sogar ausdrücklich erwähnt, dass der Staat auch mit Gewalt für Recht und Frieden sorgen darf. Wie passt das zusammen?

Klar ist: Die Worte Jesu sind keine Worte, die man anderen vorhalten, sondern denen man selbst folgen soll. Und klar ist auch: Man kann nur die eigene Wange hinhalten, die Wange anderer hinzuhalten, die Schwachen der Gewalt auszuliefern, wäre ein Verbrechen. Doch eines ist auch klar. Eine Welt, in der jeder darauf beharrt, zurückzuschlagen, wäre furchtbar.

Jesus geht hier mit seiner Liebe aufs Ganze und zeigt in eine Welt, die jenseits unserer Grenzen liegt und dauernde Herausforderung ist: das Reich Gottes.

Predigttext am Sonntag, 20. Oktober 2024, ist Matthäus-Evangelium 5, 38-48.

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Reisesegen

Zwei liebe Bekannte haben mich dieser Tage um einen Reisesegen gebeten. Wenn man unterwegs ist, weiß man ja nie, was auf einen zukommt. Ich mache mir da immer viel zu viele Gedanken. Was mache ich, wenn das mit der Hotelbuchung nicht geklappt hat oder wenn ich im Ausland krank werde. Aber zuhause zu bleiben ist keine Alternative. 

Der Satz von Augustinus nach wie vor: „Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ Man muss die Welt unmittelbar erleben in ihrer Vielfalt, den Morgennebel im Gebirge und den gleichmäßigen Klang der Wellen, die knorrigen Alten auf dem Land und die groovy Jungen in der Weltstadt. Und auch der Seele tut es gut, einmal seine Wohlfühlzone verlassen. Neukölln statt Potsdam; Ludwigshafen statt Heidelberg und sich offen auf den Weg machen.

Ich mache mir Sorgen, was da auf der Reise auf mich zukommt? Da lasse ich mir gerne den irischen Reisesegen sagen und gebe ihn meinen Bekannten weiter:

Möge die Straße dir entgegeneilen 
und der Wind immer in deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf deine Felder fallen.
Gott gehe neben dir und mit dir und
halte dich fest in seiner Hand.

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Fussball inspirierend – Sonntagsgedanken zum 13. Okt. 2024

Ein schönes Fußballtor kann einen ebenso begeistern wie die Tochter, die einem ein Lied auf der Geige vorspielt; 

ein Blick auf die Fahrgäste in einer New Yorker U-Bahn ist ebenso inspirierend wie Mozarts 40.Symphonie. 

Allem, was uns begeistert und inspiriert, ist eines gemein: 

Es macht unser Leben erfüllter und uns vielleicht sogar zu besseren Menschen. Jedenfalls hat es etwas mit richtigem, wahren Leben zu tun.

„Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig“ heißt es beim Apostel Paulus.

Genau:

Wo wir Glaube, Liebe und Hoffnung fühlen, hat Gottes Geist uns lebendig gemacht.

Tote Buchstaben, also kalte Regeln, leere Worthülsen und dumme Dogmen, sind nichts wert.

Was zählt ist das Leben.

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T-Shirts auf dem Altar – Sonntagsgedanken zum 6. Okt. 2024

Der Erntedankaltar in der Kirche hat mich ziemlich irritiert. Ich war erst kurz zuvor nach Albstadt-Tailfingen versetzt worden, und zu Erntedank stapelten sich auf dem Altar die T-Shirts. „Fruit of the loom“ – Früchte des Webstuhls. Klar. 

Gewachsen ist hier in fast 900 Metern Höhe nicht viel, aber man hatte Strickmaschinen, und die Texilindustrie ermöglichte damals ein gutes Auskommen.

Und dafür haben die Menschen auf der Alb gedankt.

Und wofür würden Sie im Leben danken?

Ich bin dankbar für mein Leben und für meine Familie.
Für Gesundheit und für Bewahrung in Krankheit
Für Liebe und für Hoffnung.

Seien Sie behütet!

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Störrische Esel – Sonntagsgedanken zum 29. Sep. 2024

Störrische Esel kennt man. Die blockieren und wollen einfach nicht mehr weitergehen. 

Störrische Esel kann man auch unter uns Menschen entdecken. Die nicht einsehen, was wir ihnen sagen, die nicht tun, was wir für richtig halten.

Bileam in der Bibel hatte so einen Esel. Das ist eine wirklich nette Geschichte. Der Esel geht nicht, wie er soll, er quetscht Bileam an einer Mauer ein und geht einfach nicht mehr weiter. Ein dummer Esel, denkt Bileam, und schlägt ihn mit dem Stock.

Da reicht es dem Esel und er spricht plötzlich: „Warum schlägst du mich? Ich bin doch nur einem Engel ausgewichen, der sich dir entgegengestellt hat.“

So kann es nämlich auch sein: Dass die störrischen Esel uns daran hindern, das Falsche zu tun.

Es kann sein, dass die anderen uns vor Gefahren bewahren. 

Dass andere uns unseren Schutzengel zeigen.

Störrische Menschen sind oft unangenehm – aber manchmal gilt: sie könnten auch recht haben.

Predigttext am Sonntag, 29. September 2024 (Michaelis) ist 4.Mose 22, 31-25

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Keine Schubladen – Sonntagsgedanken zum 22. September 2024

„Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird.“

Martin Luther Kjng hat das vor über 60 Jahren gesagt, und heute muss man diesen Satz genauso wie damals verteidigen. Nicht nur gegen die altvertrauten Rassisten von rechts, sondern auch gegen diejenigen, die uns Deutsche Kartoffeln nennen, die sich über „alt weiße Männer“ erheben und die sowieso die Menschen am liebsten in Schubladen einsortieren: Weiß gegen farbig; heterobinär gegen queer, und was es da noch gibt. Allesamt menschenfeindliche Gegenüberstellungen.

Dumm ist das und offenbar unausrottbar. Denn wir Menschen passen nicht in Schubladen. Wir sind grundsätzlich alle gleich. In der Bibel wird nur eine Sorte Mensch von Gott geschaffen. „Da gibt es nicht Jude oder Nichtjude, nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau.“ schreibt der Apostel Paulus

Es gibt keine angeborene Über- oder Unterordnung von Menschen. Was am Ende zählt, ist jeder einzelne Mensch, so wie er ist. Und egal wie verschieden wir sind: Am Ende zählt unser Charakter und unser Tun – und dass wir alle von Gott geliebt sind.

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Die falsche Größe – Sonntagsgedanken zum 15. September 2024

Auf die tiefgründige Frage „Ist das Glas halb voll oder halb leer?“, mit der man Optimisten und Pessimisten unterscheiden will, gibt es für mich nur eine sinnvolle Antwort: Es hat die falsche Größe.

Ist unser Leben halb voll, also schön, toll und einfach lebenswert, auch wenn nicht alles hundertprozentig ist. Aber die Probleme muss man eben akzeptieren und angehen? – Oder ist unser Leben halb leer, also eigentlich nur bestimmt von Ärger und Not, Problemen und Leiden, angesichts derer die gelegentliche Lebensfreude nicht ins Gewicht fällt? Beide Sichtweisen lassen sich erleben und scheinen Recht zu haben.

Aber ich denke, beide Sichtweisen sind falsch: Wer das Leben durch Leiden gleich ganz in Frage gestellt sieht, sollte all das Gute darin, die Liebe und die Kinder zum Beispiel, nicht so gering achten. Und wer die Lebensfreude mit dem Sinn des Lebens verwechselt, verdrängt die Ernsthaftigkeit menschlicher Not.

Beides hat letztlich die falsche Größe. Unser Leben lässt sich nicht als gesamtes messen, ob es erfolgreich oder gescheitert ist, sondern jeder Tag ist neu, jede Sekunde ist geschenkt. Heute sollen wir leben. Und Hoffnung haben, dass all das Gute und Gelingende, was wir noch nicht sehen, letztlich Wirklichkeit wird. Hier liegt die „Fülle“ und „Wonne“ des Lebens, wie es in Psalm 16 heißt.

Predigttext am Sonntag, 15. September 2024, ist Psalm 16.

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