Beten meint vertrauen – Sonntagsgedanken zum 15. Oktober 2023

Das kennen Sie vielleicht auch. Etwas läuft so schief, dass man eigentlich nur klagen kann. Manche beklagen sich dann über andere – aber das ist oft nicht der richtige Weg. Andere sollte man gegebenenfalls zur Rede stellen – aber vielleicht sind sie auch gar nicht dafür verantwortlich, dass es mir schlecht geht. Dann schüttet man sein Herz bei anderen aus, klagt dort über dieses und jenen…. Es ist schön, wenn man liebe Menschen hat, bei denen man sich beklagen kann.

Aber manchmal ist man auch verflucht allein mit dem, was einen bedrückt. Man hat schon darüber geredet. Die Freundin weiß bescheid. Das alles tut gut. Doch letztlich spürt man. Ich muss da doch auch alleine mit klar kommen. Andere können mich stützen, aber tragen muss ich meine Sorgen für mich. Und viel mehr Menschen, als man denkt, tun dann eines: Sie beten. Nicht unbedingt laut, nicht in wohlformulierter Sprache – aber mit dem Gefühl. Ich muss das jetzt sagen, ich muss es Gott sagen, oder jener Macht, die größer ist als ich. Oder ich weiß nicht warum, ich bete. „Ich bete, obwohl ich eigentlich gar nicht an Gott glaube.“ hat mir mal jemand gesagt.

Ich denke, Gott würde dazu sagen: „Das genügt schon mal. Hab Vertrauen!“

Der Predigttext am Sonntag ist Jakobus 5, 13-16

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Darf man lügen? – Sonntagsgedanken zum 8. Oktober 2023

Darf man lügen, um ein unschuldiges Menschenleben zu retten? Natürlich nicht! Man muss immer die Wahrheit sagen, forderte der hoch verehrte deutsche Philosoph Immanuel Kant, und meinte, er würde sogar einen unschuldig Verfolgten seinen Häschern ausliefern, wenn diese nach ihm fragen.

So ein Quatsch! Im Mittelpunkt von Geboten muss immer der Mensch stehen. Wir sollen etwas nicht aus Prinzip tun, sondern damit es anderen nützt. Und wer aus Liebe etwas tut, handelt nie verwerflich. So hat Martin Luther die einzelnen Gebote erklärt, über die am Sonntag in den Kirchen gepredigt wird.

Allerdings, dies muss angefügt werden, sind viel weniger Notlügen nötig, als man denkt. 

Predigttext am Sonntag sind die Zehn Gebote in 2. Mose 20, 1-17.

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Wie schnell man doch vergisst – Sonntagsgedanken zum 1. Oktober 2023

Wie schnell man doch vergisst! 

Bange hat man auf das Ergebnis beim Arzt gewartet, ängstlich an die Zukunft der Firma gedacht, sorgenvoll die Krise in der Partnerschaft erlitten. Und im Jahr darauf ist schon fast vergessen, dass Krankheit kuriert ist, der Arbeitsplatz gesichert und dass man wieder viele glückliche Momente in der Ehe erlebt.

Dass wir das Gute als selbstverständlich nehmen, ist zunächst oft weniger das Problem, als dass wir die Momente der Bedrohung so schnell vergessen. Das sind ja häufig die Situationen, in denen wir merken, dass wir leben und dass wir ein gutes Leben haben wollen und bereit sind, darum zu ringen. Das sind die Situationen, in denen wir etwas lernen können; vor allem den Unterschied zwischen dem, was im Leben wichtig ist, und was nur so dazugehört oder nicht. Streit um Nachbars Apfelbaum lohnt nicht, Ringen um ein erfülltes Leben schon.

Um zu erkennen, was im eigenen Leben wichtig ist, gehört wohl auch das Bewusstsein, dass man das Glück in seinem Leben letztlich nicht selbst geschaffen hat, sondern geschenkt bekommt, als Leben, als Liebe und als Erfahrung.

Das könnte dieses Jahr der Erntedank sein: Im Herzen Gott Danke zu sagen für das Gute in unserem Leben – und unseren Liebsten zu danken für alle Liebe.

Predigttext zu Erntedank in diesem Jahr ist Lukas 12, 13-21

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Hoffnung ist der Anfang von allem – Sonntagsgedanken zum 24. September 2023

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt man. Oder. „Jetzt kann man nur noch hoffen“ Beides klingt nicht besonders aufmunternd, sondern nach dem Gegenteil. Manchmal kann man nichts mehr tun – und muss das akzeptieren, höre ich da heraus. Dabei muss es gar nicht immer um Krankheiten gehen. Manchmal ist man im Leben der Verzweiflung nahe, weil bestimmt Probleme einfach nicht lösbar sind. Es gibt eben keine guten Jobs für mich. Mein Partner hat mich eben verlassen und kommt nicht mehr zurück. Und das geliebte Familienmitglied ist eben alkoholkrank und wir alle werden immer daran zu tragen haben.

Manchmal bleibt nur noch die Hoffnung. Und die ist nie vergeblich, denke ich. Denn Hoffnung hält uns am Leben, wenn die Vernunft das Ende sieht. Hoffnung sagt: Schau den heutigen Tag an. Genieße das heute. Sieh nicht auf die schwarze Wand vor dir, sondern auf den blauen Himmel über dir. Kein Mensch weiß, was morgen kommt. Du kannst daran verzweifeln. Oder du kannst dich Gott anvertrauen, kannst der Liebe trauen, kannst bis zuletzt hoffen. 

Denn Hoffen ist nie vergeblich, weil sie die Gegenwart besser macht, auch wenn sie die Zukunft nicht kennt.

Predigttext am Sonntag ist Hebräerbrief 10, 35-39.

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Nochmal neu anfangen – Sonntagsgedanken zum 17. September 2023

Nochmal neu anfangen, anderswo alles besser machen – Abraham hat diese Chance bekommen. In hohem Alter. Ein verheißenes Land und einen Sohn noch dazu.

Im Alter nochmal neu anfangen? Natürlich kann man sich über seine Möglichkeiten auch nur etwas vormachen, und vor Illusionen sollte man sich hüten. Aber meist ist mehr möglich, als man denkt: Aus dem abwesenden Vater kann ein lieber Großvater werden; die Frau mit dem seltsamen Getue kann sich als liebe Nachbarin entpuppen und wo wir glaubten, vor dem Nichts zu stehen, oder vor einer schwarzen Mauer, zeigen sich plötzlich zarte Pflänzchen der Liebe oder ein Weg, der das Leben in eine interessante Richtung führt. Gesundes Gottvertrauen tut gut – und manchmal verändert es das Leben.

Predigttext für kommenden Sonntag ist 1.Mose 15, 1-6

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Sonntagsgedanken 10-09-2023 – Hilfe und Dankbarkeit

Angesichts der vielen Menschen, die zu uns kommen und Schutz und Glück in Deutschland suchen, scheint mir vor allem Demut angebracht, Zurückhaltung und Vorsicht. Alle aufnehmen? Rigoros abschieben? Noch mehr Entwicklungshilfe? 

Bisher hat mich noch keine Antwort überzeugt, die auf einfache Lösungen setzt.

Wir wissen nicht, wie sich das Flüchtlingsproblem wirklich lösen lässt. Aber wir wissen, dass wir Flüchtlingen helfen müssen. Genau so hat Jesus nämlich gehandelt: Keine Pläne gemacht und keine Demonstrationen, keine Rechte eingeklagt und schon gar keine Gewalt angewendet. Er hat geholfen, wo es nötig war. Als ihm zehn Aussätzige entgegenkamen, heilte er sie – obgleich er vermutlich leicht noch tausend andere eine Tagesreise entfernt gefunden hätte. Und als neun sich undankbar zeigten, hat er sich über den gefreut, der dankbar war.

Predigttext am Sonntag, 10. September, ist Lukasevangelium 17, 11-19.

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Sonntagsgedanken 03-09-2023 – Fanatiker sind Gott fremd

Wenn Religionen miteinander Krach haben, ist es meistens ein völlig sinnloser Streit. Ob man als Bild für Gott – und alles, was man von Gott sagt, ist bildhaft gemeint – das Eine oder das Andere nimmt, ist Geschmacksache, sprich: Es muss einen ansprechen. Ob man Gott dann als Mann oder Frau, als Gedanke oder Herrscher darstellt, entscheidet sich daran.

Nur in einem Punkt hat sich die Bibel ziemlich unmissverständlich festgelegt: Gott ist die Liebe. Das wird dort nicht nur so behauptet und festgestellt, sondern vor allem auch erzählt. Wie Gott ist, hat Jesus gelebt. Davon geht der christliche Glaube aus. Und Jesus hat die Menschen geliebt und Liebe in der Welt gelebt.

Nicht die Auserwählten und die Fanatiker sind bei Gott, sondern man ist Gott immer dann nahe, wenn man liebt. Und das sage ich nicht nur als Glaubenssatz, sondern das empfinde ich so: Wenn ich liebevoll bin, bin ich Gott nahe, bin ich mit dem Sinn und Grund meines Lebens verbunden.

Predigttext am Sonntag, 3. September, ist 1.Johannesbrief 4, 7-16.

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Sonntagsgedanken 27-08-2023 – Alles gut

„Alles gut“, sagte eine Frau zu mir, nachdem sie ihre persönlichen Probleme so gerade in Griff bekommen hatte. Aber natürlich war nicht alles gut, die Probleme bestanden weiter, nur konnte sie damit besser umgehen.

„Alles gut“, verabschiedet mich der todkranke Mann nach unserem Gespräch. Bestimmt nicht, dachte ich, und doch hat das Wort einen tröstenden Klang. Natürlich ist bei weitem nicht „alles gut“, aber in dem Ausdruck ist der Wille herauszuhören, mit dem Schlechten umzugehen, die Zuversicht, damit leben zu können, und die Hoffnung, dass am Ende vielleicht doch einmal alles gut sein wird, wenn auch vielleicht in einer Welt, die nicht mehr die unsere ist.

Ist Hoffnung eine Illusion? Hoffnung auf ein Wunder, Hoffnung auf Gott? Dem würde ich entschieden Nein! entgegnen. Hoffnung ist Wirklichkeit, denn sie ist spürbar: als Mut, als Vertrauen und als Tatkraft. Sie hat im Leben von Menschen und in der Welt mehr verändert, als alles andere. Hoffnung hat Menschen Ozeane überqueren und neue Gegenden besiedeln lassen, Hoffnung beflügelt Forscher in den Laboren zur Arbeit und Menschen zu guten Taten. Hoffnung hält uns, unser Leben und unser Zusammenleben mit anderen zusammen. „Alles gut!“

Predigttext am Sonntag, 27. August, ist Jesaja 29, 17-24.

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Sonntagsgedanken 20-08-2023 – Luxus, Liebe und Leben

Darf man das, luxuriöse Geschenke annehmen von Leuten, die es vielleicht aus fragwürdigen Quellen haben?
Oder wie steht ein Klimaaktivist da, wenn er den Flieger von Berlin nach München nimmt?
Und was ist mit dem Fußballer, der eine millionschwere Stuftung für Kinder gründet – und sich von Ölscheichs mit Abermillionen füttern lässt?

Was gerecht und ethisch richtig klingt, ist jedenfalls oft nur Heuchelei, gemischt auf der anderen Seite zumeist mit Neid und viel Selbstgerechtigkeit.
Jesus durchschaut auf Anhieb, worum es der Kritik geht, die die Sünderin verurteilt, als sie Jesus mit kostbarem Öl salbt.
Eine Skandalgeschichte in vielerlei Hinsicht, die am Sonntag Predigttext ist. Und eine befreiende Geschichte noch dazu: Wir müssen nicht jede heuchlerische Kritik ernst nehmen, sondern ihr besser frontal entgegen treten – und uns dabei von Jesus irritieren lassen, der provokant sagt: Wer viel liebt, dem wird viel vergeben.

Predigttext am Sonntag, 20. August ist Lukas 7, 36-50.

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Sonntagsgedanken 13-08-2023 – Israel-Sonntag

In einem Lokal in Berlin sitzen am Nebentisch zwei junge Frauen mit einer Schar Kinder. Sie erregen meine Aufmerksamkeit und erst nach einer Weile wird mir klar, warum: Sie sprechen Hebräisch. Es ist schön, dies als Deutscher nur zwei Generationen nach dem Holocaust erleben zu dürfen!
Widerlich finde ich dagegen, dass sich die Fratze des Antisemitismus hierzulande wieder in seiner ganzen Breite breit machen kann, von rechten Hetzern in unseren Parlamenten bis hin zu linken Kunstliebhabern.
Nicht zu vergessen der importierte Antisemitismus aus dem Mittleren Osten und – Schande über uns – der Antisemitismus, der auch in manchen Teilen der Kirche wieder fröhliche Urstände feiert mit der Forderung nach einem Boykott von Juden und einer Verteufelung Israels.

Am Sonntag begeht die Kirche den Israel-Sonntag. Er erinnert an die unselige Rolle der Christenheit bei der Verfolgung der Juden seit 2.000 Jahren. Und ich hoffe, dass dieser Gedenktag auch dem letzten in der Kirche und in unserem Land klar macht, dass Antisemitismus und Glaube nicht miteinander vereinbar sind. „Nur wer für die Juden schreit, darf gregorianisch singen!“ hat Dietrich Bonhoeffer nach 1933 verlangt. Das muss man – leider – auch heute noch betonen.

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