Hoffnung ist der Anfang von allem – Sonntagsgedanken zum 24. September 2023

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt man. Oder. „Jetzt kann man nur noch hoffen“ Beides klingt nicht besonders aufmunternd, sondern nach dem Gegenteil. Manchmal kann man nichts mehr tun – und muss das akzeptieren, höre ich da heraus. Dabei muss es gar nicht immer um Krankheiten gehen. Manchmal ist man im Leben der Verzweiflung nahe, weil bestimmt Probleme einfach nicht lösbar sind. Es gibt eben keine guten Jobs für mich. Mein Partner hat mich eben verlassen und kommt nicht mehr zurück. Und das geliebte Familienmitglied ist eben alkoholkrank und wir alle werden immer daran zu tragen haben.

Manchmal bleibt nur noch die Hoffnung. Und die ist nie vergeblich, denke ich. Denn Hoffnung hält uns am Leben, wenn die Vernunft das Ende sieht. Hoffnung sagt: Schau den heutigen Tag an. Genieße das heute. Sieh nicht auf die schwarze Wand vor dir, sondern auf den blauen Himmel über dir. Kein Mensch weiß, was morgen kommt. Du kannst daran verzweifeln. Oder du kannst dich Gott anvertrauen, kannst der Liebe trauen, kannst bis zuletzt hoffen. 

Denn Hoffen ist nie vergeblich, weil sie die Gegenwart besser macht, auch wenn sie die Zukunft nicht kennt.

Predigttext am Sonntag ist Hebräerbrief 10, 35-39.

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Nochmal neu anfangen – Sonntagsgedanken zum 17. September 2023

Nochmal neu anfangen, anderswo alles besser machen – Abraham hat diese Chance bekommen. In hohem Alter. Ein verheißenes Land und einen Sohn noch dazu.

Im Alter nochmal neu anfangen? Natürlich kann man sich über seine Möglichkeiten auch nur etwas vormachen, und vor Illusionen sollte man sich hüten. Aber meist ist mehr möglich, als man denkt: Aus dem abwesenden Vater kann ein lieber Großvater werden; die Frau mit dem seltsamen Getue kann sich als liebe Nachbarin entpuppen und wo wir glaubten, vor dem Nichts zu stehen, oder vor einer schwarzen Mauer, zeigen sich plötzlich zarte Pflänzchen der Liebe oder ein Weg, der das Leben in eine interessante Richtung führt. Gesundes Gottvertrauen tut gut – und manchmal verändert es das Leben.

Predigttext für kommenden Sonntag ist 1.Mose 15, 1-6

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Sonntagsgedanken 10-09-2023 – Hilfe und Dankbarkeit

Angesichts der vielen Menschen, die zu uns kommen und Schutz und Glück in Deutschland suchen, scheint mir vor allem Demut angebracht, Zurückhaltung und Vorsicht. Alle aufnehmen? Rigoros abschieben? Noch mehr Entwicklungshilfe? 

Bisher hat mich noch keine Antwort überzeugt, die auf einfache Lösungen setzt.

Wir wissen nicht, wie sich das Flüchtlingsproblem wirklich lösen lässt. Aber wir wissen, dass wir Flüchtlingen helfen müssen. Genau so hat Jesus nämlich gehandelt: Keine Pläne gemacht und keine Demonstrationen, keine Rechte eingeklagt und schon gar keine Gewalt angewendet. Er hat geholfen, wo es nötig war. Als ihm zehn Aussätzige entgegenkamen, heilte er sie – obgleich er vermutlich leicht noch tausend andere eine Tagesreise entfernt gefunden hätte. Und als neun sich undankbar zeigten, hat er sich über den gefreut, der dankbar war.

Predigttext am Sonntag, 10. September, ist Lukasevangelium 17, 11-19.

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Sonntagsgedanken 03-09-2023 – Fanatiker sind Gott fremd

Wenn Religionen miteinander Krach haben, ist es meistens ein völlig sinnloser Streit. Ob man als Bild für Gott – und alles, was man von Gott sagt, ist bildhaft gemeint – das Eine oder das Andere nimmt, ist Geschmacksache, sprich: Es muss einen ansprechen. Ob man Gott dann als Mann oder Frau, als Gedanke oder Herrscher darstellt, entscheidet sich daran.

Nur in einem Punkt hat sich die Bibel ziemlich unmissverständlich festgelegt: Gott ist die Liebe. Das wird dort nicht nur so behauptet und festgestellt, sondern vor allem auch erzählt. Wie Gott ist, hat Jesus gelebt. Davon geht der christliche Glaube aus. Und Jesus hat die Menschen geliebt und Liebe in der Welt gelebt.

Nicht die Auserwählten und die Fanatiker sind bei Gott, sondern man ist Gott immer dann nahe, wenn man liebt. Und das sage ich nicht nur als Glaubenssatz, sondern das empfinde ich so: Wenn ich liebevoll bin, bin ich Gott nahe, bin ich mit dem Sinn und Grund meines Lebens verbunden.

Predigttext am Sonntag, 3. September, ist 1.Johannesbrief 4, 7-16.

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Sonntagsgedanken 27-08-2023 – Alles gut

„Alles gut“, sagte eine Frau zu mir, nachdem sie ihre persönlichen Probleme so gerade in Griff bekommen hatte. Aber natürlich war nicht alles gut, die Probleme bestanden weiter, nur konnte sie damit besser umgehen.

„Alles gut“, verabschiedet mich der todkranke Mann nach unserem Gespräch. Bestimmt nicht, dachte ich, und doch hat das Wort einen tröstenden Klang. Natürlich ist bei weitem nicht „alles gut“, aber in dem Ausdruck ist der Wille herauszuhören, mit dem Schlechten umzugehen, die Zuversicht, damit leben zu können, und die Hoffnung, dass am Ende vielleicht doch einmal alles gut sein wird, wenn auch vielleicht in einer Welt, die nicht mehr die unsere ist.

Ist Hoffnung eine Illusion? Hoffnung auf ein Wunder, Hoffnung auf Gott? Dem würde ich entschieden Nein! entgegnen. Hoffnung ist Wirklichkeit, denn sie ist spürbar: als Mut, als Vertrauen und als Tatkraft. Sie hat im Leben von Menschen und in der Welt mehr verändert, als alles andere. Hoffnung hat Menschen Ozeane überqueren und neue Gegenden besiedeln lassen, Hoffnung beflügelt Forscher in den Laboren zur Arbeit und Menschen zu guten Taten. Hoffnung hält uns, unser Leben und unser Zusammenleben mit anderen zusammen. „Alles gut!“

Predigttext am Sonntag, 27. August, ist Jesaja 29, 17-24.

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Sonntagsgedanken 20-08-2023 – Luxus, Liebe und Leben

Darf man das, luxuriöse Geschenke annehmen von Leuten, die es vielleicht aus fragwürdigen Quellen haben?
Oder wie steht ein Klimaaktivist da, wenn er den Flieger von Berlin nach München nimmt?
Und was ist mit dem Fußballer, der eine millionschwere Stuftung für Kinder gründet – und sich von Ölscheichs mit Abermillionen füttern lässt?

Was gerecht und ethisch richtig klingt, ist jedenfalls oft nur Heuchelei, gemischt auf der anderen Seite zumeist mit Neid und viel Selbstgerechtigkeit.
Jesus durchschaut auf Anhieb, worum es der Kritik geht, die die Sünderin verurteilt, als sie Jesus mit kostbarem Öl salbt.
Eine Skandalgeschichte in vielerlei Hinsicht, die am Sonntag Predigttext ist. Und eine befreiende Geschichte noch dazu: Wir müssen nicht jede heuchlerische Kritik ernst nehmen, sondern ihr besser frontal entgegen treten – und uns dabei von Jesus irritieren lassen, der provokant sagt: Wer viel liebt, dem wird viel vergeben.

Predigttext am Sonntag, 20. August ist Lukas 7, 36-50.

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Sonntagsgedanken 13-08-2023 – Israel-Sonntag

In einem Lokal in Berlin sitzen am Nebentisch zwei junge Frauen mit einer Schar Kinder. Sie erregen meine Aufmerksamkeit und erst nach einer Weile wird mir klar, warum: Sie sprechen Hebräisch. Es ist schön, dies als Deutscher nur zwei Generationen nach dem Holocaust erleben zu dürfen!
Widerlich finde ich dagegen, dass sich die Fratze des Antisemitismus hierzulande wieder in seiner ganzen Breite breit machen kann, von rechten Hetzern in unseren Parlamenten bis hin zu linken Kunstliebhabern.
Nicht zu vergessen der importierte Antisemitismus aus dem Mittleren Osten und – Schande über uns – der Antisemitismus, der auch in manchen Teilen der Kirche wieder fröhliche Urstände feiert mit der Forderung nach einem Boykott von Juden und einer Verteufelung Israels.

Am Sonntag begeht die Kirche den Israel-Sonntag. Er erinnert an die unselige Rolle der Christenheit bei der Verfolgung der Juden seit 2.000 Jahren. Und ich hoffe, dass dieser Gedenktag auch dem letzten in der Kirche und in unserem Land klar macht, dass Antisemitismus und Glaube nicht miteinander vereinbar sind. „Nur wer für die Juden schreit, darf gregorianisch singen!“ hat Dietrich Bonhoeffer nach 1933 verlangt. Das muss man – leider – auch heute noch betonen.

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Sonntagsgedanken 06-08-2023 – Bitten und Bekommen

„Sei vorsichtig, worum du betest. Vielleicht bekommst du es ja.“ In einem Roman von Stephen King habe ich mir das als Zitat angestrichen. Worum beten Sie, wenn Sie beten? Die meisten wohl um Dinge wie Gesundheit oder die Lösung von großen Problemen, die man hat, um das Wohlergehen in der Familie und ein bisschen Glück im Leben. Nichts, wo man vorsichtig sein müsste. Und alles Dinge, die man gerne und zu Recht hätte.

In dem Roman geht es bei dem Zitat allerdings um ziemlich konkrete Vorstellungen von dem, was man sich unbedingt wünscht: Den Traum-Mann – den es aber wohl gar nicht gibt; oder das viele Geld – das aber höchstens beruhigt, aber nicht wirklich glücklich macht.

Doch zum Glück bekommen wir selten, worum wir beten. Dietrich Bonhoeffer hat das mal treffend gesagt: „Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen.“ Deswegen muss man nicht vorsichtig sein, wenn man betet. Sondern nur damit rechnen, dass Gott nicht unsere Probleme löst. Was wir von ihm bekommen, sind Glaube, Liebe und Hoffnung. Und, so bete ich: Gott, gib mir die Kraft, das zu erreichen, was mir gut tut. Mehr muss es nicht sein.

Predigttext am Sonntag, 6. August 2023 ist 1.Könige 3, 5ff.

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Sonntagsgedanken 30-07-2023 – Nix g’sagt isch g’nug g’lobt

Ein großes Lob, was gibt es Schöneres? Ich bin stolz auf dich, sagt man zu seinem Kind. Ich finde dich wunderbar! flüstert man seiner Frau ins Ohr. Das ist ja wirklich super! ruft der Chef aus.
Doch viel zu selten wird gelobt. Nix gesagt isch g’nug g’lobt, sagt man im Schwäbischen. deshalb: Wie gut, dass wir Heilbronner mit Schwaben landsmannschaftlich nichts zu tun haben, denn das ist einer der dümmsten Sätze, die je zwischen Stuttgart und Tübingen entstanden sind. Das Gegenteil stimmt: Man kann gar nicht genug loben. Lob spornt an, etwas nicht nur wieder, sondern auch noch besser zu machen. Und die banale Weisheit, dass vor jeder Kritik mindestens sieben Mal Lob stehen soll, könnte manche Beziehung retten.
Am Sonntag hören wir in der Kirche, dass Jesus seine Anhänger lobt: Ihr seid das Licht der Welt! Nicht das befehlende: Ihr sollt es sein, oder das skeptische: Ihr könntet es sein, sondern ganz einfach: Ihr seid es. Ihr macht es schon richtig. Ihr kriegt das schon hin.

Predigttext am Sonntag, 30. Juli 2023, ist Matthäus-Evangelium  5, 13-16

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Sonntagsgedanken 23-07-2023 – Erfolge feiern

Was ist das: Erfolg? Von anderen gefragt zu sein und guten Umsatz zu machen? Beliebt zu sein und eine entscheidende Stimme zu haben? Zu erreichen, dass andere das tun, was man will? Immer größer und besser zu werden? – Auf der einen Seite gewiss. Niemand soll es uns vermiesen, wenn wir uns an dem freuen, was wir gut können und erreicht haben. Und stolz auf andere, auf unsere Kinder und Ehepartner dürfen wir allemal sein.
Aber es gibt eben auch die andere Seite, wo einem der Erfolg zu Kopfe steigt, wo der Preis für den Erfolg zu hoch ist oder wo man sich selbst etwas vormacht. In der Bibel geben König David und der Apostel Petrus Beispiele davon ab. Und wie oft die Kirche in ihrer Geschichte falsch gehandelt hat, ist hinreichend bekannt.
Dennoch: Am Sonntag feiert die Kirche ihre frühen Erfolge, indem erzählt wird, dass am Pfingstfest Tausende Christen wurden und alle einträchtig zusammenlebten. Erzählt wird das, nicht um anzugeben, sondern um deutlich zu machen, dass Eintracht und gutes Zusammenleben möglich sind – und als Ziel unserer Träume sogar nötig.

Predigttext am Sonntag, 23. Juli 2023, ist Apostelgeschichte 2, 41 bis 47.

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