Sonntagsgedanken 31-07-2022 – AlltagsProbleme

Manchmal bricht einfach der Alltag herein. Eben noch hielt der große Lehrer eine Rede, viele hörten ihm zu. Und dann wendet er sich fast beiläufig an seine Helfer: „Wovon kaufen wir eigentlich Essen für die vielen Leute, die da sind?“ In der Bibel geht das in der Geschichte von der „Speisung der 5000“ so. Große Worte – nun gut, aber was ist mit unseren alltäglichen Problemen?

Über das Trash-Programm am Tage auf SAT1 und RTL2 mokieren sich viele. Und es ist ja tatsächlich befremdlich, wenn da zum Beispiel stundenlang laute Frauen ihre kleinen Männer als Versager auflaufen lassen oder eine Richterin über absurd-konstruierte Kriminalfälle urteilt. Fernseh-Müll? Natürlich! Aber offenbar gibt es eben das Bedürfnis, neben allen großen politischen und gesellschaftlichen Themen so etwas wie Alltag im Fernsehen zu sehen, der dann aber leider grotesk überzeichnet wird.

Beides jedenfalls gehört im Leben zusammen: Nachdenken über die großen Worte und Werte – Liebe, Freiheit, Gerechtigkeit – und die ganz praktische Aufgabe, dies im Alltag zu leben, wo man essen und arbeiten, in die Schule und zum Arzt gehen muss.

Die damit verbundenen Probleme lösen sich allerdings nicht, wenn man um 11 Uhr morgens vor dem Fernseher sitzt. Das „Brot des Lebens“, so Jesus, gibt es bei ihm.

Predigttext am Sonntag, 31. Juli 2022, ist Johannes-Evangelium 6, 1-15.

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Sonntagsgedanken 24-07-2022 – Das Leben ist kein Ponyhof

„S Läba isch koin Ponyhof“ (Das Leben ist kein Ponyhof) lautet die tiefe schwäbische Weisheit der TV-Serie „Die Kirche bleibt im Dorf“. Der Norddeutsche wird das als „Wat mutt, dat mutt!“ (Was sein muss, muss sein) bestätigen, und uns Babyboomern klingt noch der Song von Doris Day in den Ohren: „Que sera, sera“ – Es kommt, wie es kommt.

Alles Weisheiten, die wohl deshalb oft im Dialekt weitergegeben werden, weil sie so tief unserer Lebenserfahrung entsprechen. Unser Leben ist nicht vorhersehbar und es ist immer wieder schwierig, damit umzugehen. Kontingenz nennen das die Philosophen und letztlich bleibt uns nur eines: Wir müssen mit aller Ungewissheit leben.

Als Symbol dafür, dass man das kann, verstehe ich die Taufe. Sie steht für die Absage an Übel und Nöte, die das Leben kaputt machen, und für das neue Leben, dass wir gewinnen, wenn wir uns an den Ratschlag Jesu halten, uns nicht um die Zukunft zu sorgen: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“ Weil das nicht einfach ist, gibt es als Symbol die Taufe.

Gott stellt uns unter seinen Segen, damit wir jeden Tag so nehmen können, wie er kommt. Und auch wenn das Leben kein Ponyhof ist, ist es doch manchmal wenigstens ein „Schlotzer“ (Lutscher), wie es in der TV-Serie auch heißt.

Predigttext am Sonntag, 24. Juli 2022, ist Römerbrief 6, 3-8.

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Sonntagsgedanken 17-07-2022 – Gott weiß, was er tut

Gibt es eigentlich eine Voraussetzung, um sein Leben gut zu leben, im Griff zu haben oder zu verändern? Der Predigttext für den kommenden Sonntag  (1.Mose 12, 1-4) antwortet darauf eigentlich mit Nein! Abraham braucht nur Gottvertrauen, das sichere Gefühl, dass er das Richtige tut, dass Gott mit ihm ist.
Wenn das stimmt, dann können wir sicher sein, dass wir nicht einfach ins kalte Wasser geworfen werden – auch wenn uns manche Situation im Leben so vorkommt -, sondern dass das alles seinen Sinn und seine Verheißung hat. Gott weiß, was er tut.


Predigttext am Sonntag, 17. Juli 2022 ist 1.Mose 12, 1-4.

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Sonntagsgedanken 10-07-2022 – Wer ohne Sünde ist….

Schuldig! Keine Frage! Manchmal ist das Urteil klar, manchmal fällt es leicht, andere mit Beschuldigungen und Verurteilungen zu bewerfen, mit Schmutz oder noch Schlimmerem. „Ich bin gut!“ heißt es. „Das sieht man doch schon daran, dass die anderen so Böses getan haben.“ Dann wird der geständige Steuerflüchtling schon mal an die Zeitung verraten, und der Politiker muss wegen eines geschenkten Bobby-Cars um sein Amt kämpfen. Es ist so einfach, andere schlecht zu machen. Aber „wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“, heißt es im Predigttext am kommenden Sonntag. Den Nachsatz darf man allerdings auch nicht vergessen, der zu der Ehebrecherin dort gesagt wird: „Sündige hinfort nicht mehr!“

Predigttext am Sonntag, 10. Juli 2022 ist Johannes 8, 3 bis 11.

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Sonntagsgedanken 03-07-2022 – Wie Schuld vergeht

„Dauernd redet Ihr von Schuld! Das will doch kein Mensch mehr hören.“ hat mir ein guter Freund einmal als Tipp gegeben, wie die Kirche attraktiver werden kann. Ich bezweifle das. Anderen echte oder vermeintliche Schuld vorzuhalten ist natürlich oft billig und fast immer falsch. Aber dass fast jeder von uns da und dort mehr oder weniger Schulderfahrungen mit sich herumträgt, ist kaum zu bestreiten. Das weiß jeder, der ernsthaft mit Menschen zu tun hat.

In der Kirche ist übrigens gar nicht so oft von Schuld die Rede. Viel öfter und viel lieber rede ich von Vergebung. Schuld verschwindet nämlich nicht, wenn man sie ignoriert, sondern wenn man um sie weiß und glaubt, dass sie vergeben werden kann – weil Gott uns liebt, so wie er uns geschaffen hat: Als Menschen, die Fehler machen können.

Der Predigttext für kommenden Sonntag setzt dem übrigens noch eins drauf: Wir haben auch an den Fehlern unserer Vorfahren zu tragen. Dass Kinder für Ihre Eltern haften und an den Folgen zu tragen haben, ist nicht gerade gerecht, aber wer wollte es bestreiten?

Predigttext am Sonntag, 3. Juli 2022 ist Ezechiel 18, 1-32 (in Auszügen)

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Sonntagsgedanken 26-06-2022 – Gute Erholung

Endlich im Urlaub, das blaue Meer vor Augen. Und dann grübelt man nach: Über dumme Äußerungen, die man gemacht hat, und über verpasste Chancen, über Sorgen und Fehler. Weg von Zuhause verfolgen einen die Probleme – und man hat vielleicht sogar mehr Zeit als zuhause, um darüber nachzudenken.

Drei Tage war Jona im Bauch des Walfisch. Eine nette Erzählung – wie aus unserem Leben. Vor seinen Problemen ist Jona davon gerannt, aber sie haben in eingeholt, gefangen gesetzt. Drei Tage weg aus dem Alltag, drei Tage Zeit zur Besinnung.

So einen Urlaub wünscht sich keiner. Oder doch?

Zurück zu kommen mit einer Lösung der Probleme – oder auch nur mit neuer Kraft, sie anzugehen, das wäre doch auch so etwas wie Erholung. Erlösung vielleicht sogar. 

Urlaub ist zum Abschalten da, sagt man. Wenn es zum Umschalten führt, finde ich das auch nicht schlecht.

Predigttext am Sonntag, 26. Juni 2022 ist Jona 3, 1-10.

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Sonntagsgedanken 19-06-2022 – Das Leben nehmen, wie es kommt

Manchen geht es doch verdammt gut im Leben! Sie haben eine schöne Familie und ein gutes Auskommen, genießen Freundschaften und Freiheiten. Andere plagen sich mit Sorgen und Problemen, dass sie nicht ein noch aus wissen.

Das Leben ist ungerecht, das wissen wir. Aber es gibt einen schönen Satz, der – allerdings fälschlicherweise – John F. Kennedy zugeschrieben wird: „Das Leben ist ungerecht. Aber vergiss nicht: Nicht immer zu deinen Ungunsten.“

Ich habe den Eindruck, dass wir leicht in die Neidfalle tappen. Wir sehen genau, wo es anderen besser geht als uns, „unverdientermaßen“, sagen wir dann. Aber haben wir uns unser Leben je verdient? Ist selber schuld, wer krank ist oder auch nur unsympathisch wirkt?

Am Besten wäre es doch, wir lassen das ganze Urteilen über andere und über andere Lebensumstände weg. Menschen sind verschieden und deren Leben auch. Das ist nicht gerecht, aber es ist so. Nehmen wir es also, wie es ist! Und konzentrieren wir uns darauf, dass wir das Beste aus unserem Leben machen und anderen helfen, wo es nötig ist und wir können!

Predigttext am Sonntag, 19. Juni 2022 ist Lukas 16, 19-31

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Sonntagsgedanken 12-06-2022 – Glaubensfreiheit, that’s it!

Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt, heißt eine etwas abgedroschen klingende aber immer noch stimmende Weisheit. Unsere ersten gedachten Wahrheiten passen oft nicht zu den zweitens gedachten Erfahrungen. Studium ist das allerwichtigste, dachten die Eltern, und 30 Jahres später war der Sohn ohne Abschluss Mitinhaber der wertvollsten Firma der Welt und einer der bedeutendsten noch dazu. Das gilt eine Nummer kleiner, auch bei uns: Man ärgert sich über die Autopanne, die einen zur tagelangen Pause im Allgäu zwingt, und lernt dort die Frau fürs Leben kennen. Man hat zunächst keine Lust, in die Jugendgruppe zu gehen und wird nach all den guten Erfahrungen dort später Pfarrer. Viele könnten hier viel erzählen.

Das gilt auch in Sachen Religion: Mancher, der seine Religion als allen anderen überlegen ansieht, wird lernen müssen, dass es immer anders kommt, als man denkt. Wir Christen haben das schon vom Apostel Paulus gesagt bekommen. Deshalb wissen wir, dass wir in Sachen Glauben vor allem auf eines achten Müssen: die Glaubensfreiheit. Anderen Religionen wünscht man, dass auch sie zu dieser Einsicht kommen. Gott macht, was er will – und das ist gut so.

Predigttext am Sonntag, 12. Juni 2022, ist Römerbrief Kapitel 11, Vers 33 bis 36.

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Sonntagsgedanken 05-06-2022 – Begeisterung hoch drei

Ein schönes Fußballtor kann einen ebenso begeistern wie die Tochter, die einem ein Lied auf der Geige vorspielt; ein Blick auf die Fahrgäste in einer New Yorker U-Bahn ist ebenso inspirierend wie Mozarts 40.Symphonie. Allem, was uns begeistert und inspiriert, ist eines gemein: Es macht unser Leben erfüllter und uns vielleicht sogar zu besseren Menschen.

In all dem wirkt der Geist, dessen Gegenwart wir an Pfingsten feiern. Wo wir Glaube, Liebe und Hoffnung fühlen, ist Geist. Kälte, Leere und Falschheit haben keine Chance mehr. Gott ist gegenwärtig in allem was gut ist.

Predigttext am Pfingstfest, 5. Juni 2022 ist Römerbrief 8, 1-11.

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Sonntagsgedanken – Tears in Heaven

Es gibt Songs, die ich nicht vergessen kann, wie „There’ll be no more tears in heaven“. Wenn och den höre werden mir heute noch die Augen feucht werden. Eric Clapton hat die Ballade vor 30 Jahren für einen Film geschrieben, aber eigentlich hat er darin die Trauer über den Tod seines vierjährigen Sohnes bearbeitet, der ein Jahr zuvor aus einem Hochhausfenster gefallen war. Unvorstellbar, damit leben zu müssen! Wie soll es danach weitergehen? Wie soll man aus dem Gefängnis von Trauer und Schuld herauskommen?

Clapton erzählt in dem Lied von einem Weg, den so ähnlich wohl viele gehen, die von Leid getroffen sind. Er leidet am Verlust und fragt sich, ob sein Sohn ihn wohl im Himmel wieder erkennen würde. Zugleich ist er sich klar, dass er mit dem Verlust weiterleben muss. Alleine aus dieser Erkenntnis kann so etwas wie Kraft wachsen. Und aus der Gewissheit, dass es im Himmel keine Tränen gibt. Danach, und das berührt mich am meisten, kommt noch einmal die erste Strophe. Die Gewissheit, dass es im Himmel keine Tränen geben wird, ist eben kein Happy End und auch keine billige Vertröstung, sondern ein Glaube, der nicht von dieser Welt ist. Im Himmel sind wir noch nicht, das Leiden bleibt – aber die Hoffnung wächst, dass es Befreiung von allem Elend gibt, die von jenem Ort zu uns kommt, wo es keine Tränen gibt. Die Gefängnistore von Angst und Schuld werden sich öffnen und wir werden Lieder anstimmen, die uns trösten und dankbar sein lassen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Feiertag Christi Himmelfahrt.

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