Fakten und Erfahrungen – Sonntagsgedanken zum 30. März 2025

Wenn zwei Menschen das Gleiche sehen, sehen sie nicht das Gleiche. Im Freibad sieht der eine den Ort seiner größten Demütigung, weil er damals Angst hatte, vom 5-Meter-Turm zu springen, und wieder die Leiter heruntersteigen musste, während der andere im Freibad den Ort seines größten Glückes sieht, weil er hier die Frau fürs Leben kennenlernte. 

Die Welt der Erfahrungen ist eben etwas anders als die Welt der Fakten. Und zu den Erfahrungen zählen Glaube, Liebe und Hoffnung, die sich deshalb nicht beweisen lassen, sondern nur erleben.

Wichtig ist, beides deutlich zu unterscheiden. Glauben, dass die Erde eine Scheibe ist, kann man nicht, denn das ist nur Blödsinn und leicht zu widerlegen. Aber ebenso fragwürdig wäre es, Vertrauen für sinnlos zu halten, nur weil die Fakten dagegen sprechen. Wir leben eben nicht vom Brot allein, sondern von Glaube, Liebe und Hoffnung.

Predigttext am Sonntag, 30. März 2025 ist Johannes-Evangelium 6, 47-51

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Gegen den Strom – Sonntagsgedanken zum 23. März 2025

„Wer gegen den Strom schwimmt, darf nicht damit rechnen, dass dieser die Richtung ändert,“ lautet ein Aphorismus des polnischen Lyrikers Stanislaw Jerzy Lec. Das stimmt. Manchmal muss man Kraft und Mut aufbringen, wenn man zu dem stehen möchte, was man als richtig erkannt hat oder woran man glaubt. Meinungsfreiheit stößt heute oft an Grenzen, denn viele wollen nur noch hören, was sie selber meinen. Andere sind da nur Störenfriede.

Die alttestamentlichen Propheten sind Musterbeispiele dafür. Gehört hat man nicht auf sie, manche ihrer Ansichten wären heute sicher auch fragwürdig. Langfristig waren sie allerdings erfolgreich. Man hört ihre Mahnungen, gerecht zu sein, bis heute, während ihre Widersacher nichts hinterlassen haben.

So ist das vermutlich auch mit den heutigen „Störenfriede“ für die gilt, was Steve Jobs schon im berühmten Apple-Werbespot 1997 über sie gesagt hat: „Man kann sie ablehnen. Aber was man nicht kann, ist sie ignorieren, weil sie Dinge verändern, die die Menschen weiterbringen.“

Predigttext ist Jeremia 20, 7-11a

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Gott liebt mich, spür ich – Sonntagsgedanken zum 16. März 2025

Seit 2.000 Jahren gilt jedem Menschen die Verheißung, dass Gott ihn liebt (Foto: privat)

Wer versucht, anderen Menschen im Geist der Nächstenliebe zu begegnen, der merkt, dass das einfach richtig ist. Davon bin ich überzeugt, weil alle, die mies handeln, dies irgendwie versuchen zu rechtfertigen oder zu ignorieren oder einfach nur bescheuert sind. Und wer anderen etwas Gutes tut, fühlt sich selbst besser. Warum? Weil er merkt, dass es so sein sollte.

Ähnlich wie mit dem Satz von Jesus, dass man seinen Nächsten lieben soll wie sich selbst, geht es mir mit dem Glauben überhaupt. Beweisen kann ich nicht, dass alles hier auf Erden einen Sinn hat und dass es eine Wahrheit gibt, die in der Ewigkeit verankert ist und durch Jesus verkündigt wurde. Aber ich spüre manchmal mehr, manchmal weniger, dass das für mich stimmt. Gott liebt mich, sonst gäbe es mich nicht.

Predigttext am Sonntag, 16. März 2025, ist Johannes-Evangelium Kapitel 3, Verse 14 bis 21.

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Prominent und nahe – Sonntagsgedanken zum 9. März 2025

Kennen Sie jemanden, der zugibt, das er das „Prominent!“-Magazin auf Vox anschaut oder Yellowpress-Magazine verschlingt? Von den angeblichen Spannungen im Königshaus hat man ja nur zufällig beim Friseur gelesen, heißt es oft. Mag sein, aber irgendjemand muss die Magazine, die uns das Leben der Prominenten nahebringen, auch kaufen. Offenbar ist das Interesse an Herzogin Kate so ungebrochen wie für Ariana Grande oder Jürgen Klopp.

Prominente dienen oft als Folien für das eigene Leben. Allerdings sind sie reicher, berühmter und erfolgreicher, und ihr Leben soll, trotz mancherlei alltäglicher Probleme, die sie menschlich machen, perfekt sein. So ganz anders, als unseres ist.

Wie ein verehrungswürdiger Promi wird Jesus im Predigttext am kommenden Sonntag eingeführt, als Hohepriester. Aber eben nicht als einer, der mit einem perfekten Leben über mir steht, nicht als einer die Macht ergreift, sondern sie aufgibt.

Da steht dieser prominente „Sohn Gottes“ plötzlich wie ein Mensch neben mir, der das gleiche Schicksal teilt, wie ich. Der den gleichen Nöten und den gleichen Versuchungen ausgesetzt ist. Das kann doch bei aller Fremdheit einen tiefen Trost entfalten: Gott ist uns nahe, unserem Streben nach Glück und unserer Gier nacht Macht, unser Sehnsucht nach Liebe und unserem Scheitern im Tun.

Predigttext am Sonntag, 9. Februar 2019, ist Hebräer 4, 14-16.

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Eine gute Überzeugung macht noch keinen guten Menschen – Sonntagsgedanken zum 2. März 2025

Was ist besser: Etwas tun oder auf etwas hören? Darum geht es im Bibeltext am nächsten Sonntag. Man könnte auch fragen: Sind wir das, was wir tun, oder das, was wir glauben?

Ich habe, ehrlich gesagt, etwas gegen Leute, die große Worte mit sich herumtragen – Liebe, Solidarität, Toleranz – und sich benehmen, als wollten Sie das Gegenteil erreichen. Jesus hatte da schon recht. Die rechte Überzeugung macht noch keinen guten Menschen aus. Der barmherzige Samariter hat gezeigt, wie es geht: Helfen, wo Hilfe nötig ist.

Andererseits müssen wir auch wissen, was wir wollen. Und auch wer wir sind. Handeln ohne vorher nachzudenken, kann auch falsch sein. Zum Beispiel, wenn man sich zu viel vornimmt und selbst überfordert. Und wenn man das merkt, dann womöglich nur Forderungen an andere stellt.

Gelassenheit ist eben auch eine Tugend wie die Einsicht in die eigenen Grenzen. Zuhören ist dann gefragt, wenn jemand uns an unsere Grenzen erinnern muss – und Tun ist gefragt, wenn wir wissen, was wir wollen: Soweit wir können anderen das Leben ein bisschen besser zu machen.

Predigttext am Sonntag, 2. März 2015 ist Lukas 10, 38-42.

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Eine Kapitalistin, die Schnecken tötet – Sonntagsgedanken zum 23. Februar 2025

Ich mag es, wenn es bunt zugeht, wenn Menschen unterschiedlich sind und jede Schublade sprengen, in die Kleingeister sie sperren wollen. Und Christ bin ich deshalb auch besonders gerne, weil das in der Bibel laufend passiert, dass Vorurteile einfach unterlaufen werden. Wen würde man zum Beispiel als ersten europäischen Christenmenschen vermuten? Ein römischer Gladiator in Griechenland wäre ganz cool und ein armer Bettler in Korinth ließe sich als erster Christ heute gut in der Öffentlichkeit verkaufen. Aber die Bibel treibt keine PR, sondern benennt es, wie es ist: Lydia lässt sich als erster europäischer Mensch taufen, eine Frau und noch dazu eine selbständige und reiche, die mit Purpur handelte. Ein PR-Berater hätte das Paulus gewiss nicht so empfohlen.

In einer Männerwelt präsentiert das Christentum eine Frau als ersten Christenmenschen in Europa und stellt sie uns als Kapitalistin vor, die Schnecken tötet! Verzeihen Sie, das ist nur spaßige Überzeichnung. Aber ernst ist es mir damit, dass wir Menschen aufgrund von äußeren Merkmalen (Frau, reich, Händlerin – oder auch Ausländer oder arm oder unsympathisch oder unrasiert) nicht in Schubladen stecken sollten. Ob Menschen gläubig, hoffend und liebevoll sind, hat in der Regel wenig mit Geld zu tun – und mit dem Geschlecht oder der Hautfarbe schon gar nicht.

Predigttext am Sonntag, 23. Februar 2025, ist Apostelgeschichte 16, 9-15.

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Lob dem Mittelmaß – Sonntagsgedanken zum 16. Februar 2025

Mit am schlimmsten sind wohl die Menschen, die gut und gerecht sein wollen – koste es, was es wolle; die andere dauernd korrigieren und belehren, den Nachbarn auf seine Fehler hinweisen und fünf niemals gerade sein lassen. Das richtige Maß zum Guten ist immer das Mittelmaß. Das lehrte schon der Philosoph Aristoteles und so steht es auch im Predigttext des kommenden Sonntags: „Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest.“ (Eine Freibrief für Dummheit und Unfairness ist das übrigens nicht. Gleich danach steht nämlich „Sei nicht gottlos und sei kein Narr!“)

Und warum ist Fanatismus auch im Guten schädlich? Weil man sich dadurch selbst zu Gott macht, zu jemanden, der über den Zweideutigkeiten des Lebens ebenso steht wie er moralisch über die anderen erhaben ist. In der Politik sind Moralisten sowieso ein großes Übel, und im Alltag ein Ärgernis. Es genügt, auch das steht in der Bibel, wenn man sich so gut es eben geht an Gott hält ohne sich als kleiner Besserwisser aufzuspielen.

Predigttext am Sonntag, 16. Februar 2025, ist Prediger Salomo 7, 15-18.

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Kätchen von Heilbronn – Sonntagsgedanken zum 9. Februar 2025

„Das Käthchen von Heilbronn“ in einer wundervollen Inszenierung in Berlin vor vielen Jahren: Käthchen stürzt in das brennende Haus, scheint verloren – und dann steht der junge Mann neben mir zusammen mit einem Dutzend anderer auf, die offenbar keine Besucher, sondern Mitglieder des Ensembles sind, und singt die Worte aus Psalm 91 „…. denn er hat seinen Engeln befohlen über dir“ mit der wunderbaren Melodie von Felix Mendelssohn-Bartholdy. (https://www.youtube.com/watch?v=40CnTO3EJHw)

Das Bibelwort gehört zu den beliebtesten Taufsprüchen, die Eltern aussuchen. Es ist wohl der Wunsch nach Geborgenheit in einer manchmal schönen und manchmal gefährlichen, aber immer unsicheren Welt. Selbst „religiös unmusikalische“ Menschen sitzen dann in der Kirche berührt vor dem Altar, hören die Worte der Taufe oder in einem Kirchenkonzert das Oratorium von Mendelssohn.

Irgendwo da, wo wir von etwas berührt werden, dass uns über Unsicherheit und Bedrängnis hinaus führt, wo wir uns gehalten und gestärkt fühlen, da muss das Heilige sein, da ist Gott, der mit uns ist alle Tage bis an der Welt Ende. In der Kirche kann man das spüren – und manchmal sogar in einem Theater in Berlin.

Predigttext am Sonntag, 9. Februar 2025, ist 2. Mose 3, 1-15.

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Stürmische Zeiten – Sonntagsgedanken zum 2. Februar 2025

Die Zeiten sind stürmisch geworden. Nasskalter Wind bläst uns durcheinander. 

Der Wirtschaft geht es schlecht, und die Feinde der Freiheit stehen vor der Türe.

Die vernünftige, westliche Politik der Freiheit scheint zu schwächeln.

Auf der anderen Seite erlebe ich Menschen, die immer noch mit Optimismus an Sachen herangehen, Mut haben, etwas neu und anders zu machen, Firmen gründen, Ausbildungen machen. Bei einem Spaziergang durch meine Heimat-Stadt sehe ich, dass Heilbronn aufblüht wie in Jahrzehnten nicht.

Beide Seiten sind Wirklichkeit – die Frage ist, wovon wir unsere Weltsicht bestimmen lassen: Vom Dunkel oder vom Hellen, von der Angst oder von der Hoffnung? Persönlich stellt sich oft die gleiche Frage: Sind meine Ängste so mächtig, dass sie der Hoffnung kaum noch Raum lassen? Mache ich mir andauernd Sorgen, so dass ich das Gute nicht mehr sehe?

Vielleicht muss man hier ansetzen: Das Gute sehen! Im persönlichen vielleicht die Familie und die Freunde, die einem beistehen, und im gesellschaftlichen Bereich sollte man konsequent auf die Kräfte setzen, die der Dummheit von rechts und links widerstehen. 

Mit der christlichen und westlichen Bewusstsein von der Freiheit des Menschen und seiner Verantwortung vor Gott haben wir die besten Karten, den Stürmen zu widerstehen.. 

Das ist der Geist, aus dem Gutes erwächst, der Geist der Glaubens, der Liebe und der Hoffnung.

Der Theologe Paul Tillich hat dies den „Mut zum Sein“ genannt.

Predigttext am Sonntag, 2. Februar 2025, ist Markus 4, 35-41

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Geschmack fürs Unendliche – Sonntagsgedanken zum 26. Januar 2025

„Ich habe eine Begegnung gehabt. Ich kann sie nicht einmal beweisen, doch ich spüre sie mit allem was ich bin. Wir sind verbunden mit etwas Höherem – und wir sind nicht allein. Keine Sekunde.“

Haben Sie so etwas auch schon mal empfunden: Damals im Krankenhaus als Sie inmitten aller Bedrohung gespürt haben: Das geht gut? Oder als Sie mit Sorgen in der Kirche saßen und plötzlich das Gefühl hatten, hier sind Sie umgeben von Ewigkeit und Sie spüren plötzlich Ruhe und Kraft?

Das Zitat stammt aus dem Film Contact, in dem eine Wissenschaftlerin im Rahmen einer äußerlich gescheiterten Raumfahrtmission eine Begegnung dieser besonderen Art hat: Die Gewissheit zu spüren, dass alles ganz anders ist, alles ist geborgen, gedacht, gehalten und voller Sinn.

Manche halten das für Illusion – das kann man so sehen. Delusion – Irrsinn -, wie es militante Atheisten nennen, ist diese Begegnung aber nicht. Glaube kann man nicht beweisen und nicht machen, man kann ihn nur spüren: Als „Ergriffenheit von dem, was uns unbedingt angeht“, als „Sinn und Geschmack für das Unendliche“ – oder manchmal auch nur ganz lapidar als Gewissheit, dass Liebe und Güte richtig sind.

Predigttext am Sonntag, 26. Januar 2025 ist Johannes 4, 5-14

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