Kätchen von Heilbronn – Sonntagsgedanken zum 9. Februar 2025

„Das Käthchen von Heilbronn“ in einer wundervollen Inszenierung in Berlin vor vielen Jahren: Käthchen stürzt in das brennende Haus, scheint verloren – und dann steht der junge Mann neben mir zusammen mit einem Dutzend anderer auf, die offenbar keine Besucher, sondern Mitglieder des Ensembles sind, und singt die Worte aus Psalm 91 „…. denn er hat seinen Engeln befohlen über dir“ mit der wunderbaren Melodie von Felix Mendelssohn-Bartholdy. (https://www.youtube.com/watch?v=40CnTO3EJHw)

Das Bibelwort gehört zu den beliebtesten Taufsprüchen, die Eltern aussuchen. Es ist wohl der Wunsch nach Geborgenheit in einer manchmal schönen und manchmal gefährlichen, aber immer unsicheren Welt. Selbst „religiös unmusikalische“ Menschen sitzen dann in der Kirche berührt vor dem Altar, hören die Worte der Taufe oder in einem Kirchenkonzert das Oratorium von Mendelssohn.

Irgendwo da, wo wir von etwas berührt werden, dass uns über Unsicherheit und Bedrängnis hinaus führt, wo wir uns gehalten und gestärkt fühlen, da muss das Heilige sein, da ist Gott, der mit uns ist alle Tage bis an der Welt Ende. In der Kirche kann man das spüren – und manchmal sogar in einem Theater in Berlin.

Predigttext am Sonntag, 9. Februar 2025, ist 2. Mose 3, 1-15.

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Stürmische Zeiten – Sonntagsgedanken zum 2. Februar 2025

Die Zeiten sind stürmisch geworden. Nasskalter Wind bläst uns durcheinander. 

Der Wirtschaft geht es schlecht, und die Feinde der Freiheit stehen vor der Türe.

Die vernünftige, westliche Politik der Freiheit scheint zu schwächeln.

Auf der anderen Seite erlebe ich Menschen, die immer noch mit Optimismus an Sachen herangehen, Mut haben, etwas neu und anders zu machen, Firmen gründen, Ausbildungen machen. Bei einem Spaziergang durch meine Heimat-Stadt sehe ich, dass Heilbronn aufblüht wie in Jahrzehnten nicht.

Beide Seiten sind Wirklichkeit – die Frage ist, wovon wir unsere Weltsicht bestimmen lassen: Vom Dunkel oder vom Hellen, von der Angst oder von der Hoffnung? Persönlich stellt sich oft die gleiche Frage: Sind meine Ängste so mächtig, dass sie der Hoffnung kaum noch Raum lassen? Mache ich mir andauernd Sorgen, so dass ich das Gute nicht mehr sehe?

Vielleicht muss man hier ansetzen: Das Gute sehen! Im persönlichen vielleicht die Familie und die Freunde, die einem beistehen, und im gesellschaftlichen Bereich sollte man konsequent auf die Kräfte setzen, die der Dummheit von rechts und links widerstehen. 

Mit der christlichen und westlichen Bewusstsein von der Freiheit des Menschen und seiner Verantwortung vor Gott haben wir die besten Karten, den Stürmen zu widerstehen.. 

Das ist der Geist, aus dem Gutes erwächst, der Geist der Glaubens, der Liebe und der Hoffnung.

Der Theologe Paul Tillich hat dies den „Mut zum Sein“ genannt.

Predigttext am Sonntag, 2. Februar 2025, ist Markus 4, 35-41

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Geschmack fürs Unendliche – Sonntagsgedanken zum 26. Januar 2025

„Ich habe eine Begegnung gehabt. Ich kann sie nicht einmal beweisen, doch ich spüre sie mit allem was ich bin. Wir sind verbunden mit etwas Höherem – und wir sind nicht allein. Keine Sekunde.“

Haben Sie so etwas auch schon mal empfunden: Damals im Krankenhaus als Sie inmitten aller Bedrohung gespürt haben: Das geht gut? Oder als Sie mit Sorgen in der Kirche saßen und plötzlich das Gefühl hatten, hier sind Sie umgeben von Ewigkeit und Sie spüren plötzlich Ruhe und Kraft?

Das Zitat stammt aus dem Film Contact, in dem eine Wissenschaftlerin im Rahmen einer äußerlich gescheiterten Raumfahrtmission eine Begegnung dieser besonderen Art hat: Die Gewissheit zu spüren, dass alles ganz anders ist, alles ist geborgen, gedacht, gehalten und voller Sinn.

Manche halten das für Illusion – das kann man so sehen. Delusion – Irrsinn -, wie es militante Atheisten nennen, ist diese Begegnung aber nicht. Glaube kann man nicht beweisen und nicht machen, man kann ihn nur spüren: Als „Ergriffenheit von dem, was uns unbedingt angeht“, als „Sinn und Geschmack für das Unendliche“ – oder manchmal auch nur ganz lapidar als Gewissheit, dass Liebe und Güte richtig sind.

Predigttext am Sonntag, 26. Januar 2025 ist Johannes 4, 5-14

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…und immer wieder geht die Sonne auf – Sonntagsgedanken zum 19. Januar 2025

„Und immer wieder geht die Sonne auf“ Mit diesem Lied von Udo Jürgens sind zu Beginn der Corona-Pandemie Feuerwehrleute durch Aachen gefahren um den Menschen Mut zu machen. 

Und die Sonne ging wieder auf. Die Pandemie ging vorüber. Haben Sie damals daran geglaubt?

Oft fällt Glauben schwer.

An die Liebe glauben – obwohl man gerade alleine ist? 

Glauben, dass alles gut wird – obwohl man gerade im Krankenhaus auf das Untersuchungsergebnis wartet? 

Glauben, dass all der Mist bald ein Ende hat – obwohl man gerade bis zum Hals drinsteckt? 

Das fällt alles furchtbar schwer. Glauben, obwohl man nichts sieht, was ihn begründen könnte.

Doch dann versteckt sich hinter all dem Belastenden irgendwo das Gefühl, dass man das Schwere nicht auf sich belassen will. 

Man spürt die trotzige Gewissheit, dass da doch etwas sein muss, ein Sinn, ein Halt, eine neue Möglichkeit. 

Dass alles, was einem das Leben schwer macht, am Ende nichts zu sagen hat.

„Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“ heißt es im Bibeltext für diesen Sonntag,

Genau das ist Glauben.

Predigttext am Sonntag, 19. Januar 2025, ist Römerbrief 12, 9-16

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Über Grenzen hinweg – Sonntagsgedanken zum 12. Januar 2025

Wäre das nicht herrlich, keine Angst zu haben, keine Angst vor dem Versagen und keine Angst vor dem Urteil anderer, keine Angst vor den eigenen Grenzen und keine Angst vor dem Ewigen? Dann kann man sich wirklich frei fühlen.

Vielleicht braucht man manchmal einfach den Mut, über seine Grenzen zu gehen, Grenzen, die man sich oft genug selbst setzt: Warum nicht eine bessere Stelle suchen? Warum nicht Neues wagen? Warum nicht endlich das erlösende Wort sagen, dass den Konflikt mit anderen ausspricht? Warum nicht versuchen, sich zu ändern, freundlicher, offener, neugieriger sein?

Wer Freiheit möchte, muss mutig sein. 
Muss Flüsse durchqueren – und Gott vertrauen.
Wie die Israeliten damals am Fluß Jordan.

Predigttext am Sonntag, 12. Januar 2025, ist Josua 3, 5-17.

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Nicht gut, aber… – Sonntagsgedanken zum 5. Januar 2025

Haben Sie auch zuweilen das Gefühl, auf schwankendem Boden in dieses neue Jahr zu gehen. Ich meine das nicht nur auf unsere politische Situation bezogen, sondern auf das ganz persönliche, eigene Leben. 

Manchmal ist es wie ein Bootsanleger, der bei Wellen kräftig auf und ab gehen kann, und – schrecklicher Gedanke – irgendwo im See oder Fluss endet.

Meistens aber ist der Grund doch recht stabil, auf dem wir unseren Lebensweg gehen können. Und wir können uns auf das konzentrieren, was das Leben von uns erwartet und was wir in ihm geschenkt bekommen.

Dieses zuweilen schwankende, meist stabile und vielleicht manchmal sogar langweilige Leben sollen wir als erfüllt erfahren. 

Nicht weil alles gut ist und glatt geht, und schon gar nicht weil die Welt vollkommen ist. 

Unser Leben ist dann vollkommen, wenn es mit Gutem gefüllt ist, wenn in ihm Liebe sichtbar wird und wir jeden Tag den einen, entscheidenden Moment finden, an dem wir sagen können: Es ist gut zu leben auch wenn in der Welt so manches schief läuft und uns belastet.

Das ist der Glaube, der die Welt überwindet.

Predigttext am Sonntag, 5. Januar 2025 ist 1.Johannesbrief 5, 1-11

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Die Zukunft nicht kennen – Zum Jahreswechsel 2024/25

Würden Sie gerne einen Blick in die Zukunft wagen, an diesem Jahreswechsel schon wissen wollen, wie 2025 ausgeht? 

Reizvoll wäre das für mich nur, wenn ich wüsste, dass es gut ausgeht, weniger Terror und mehr Friede herrscht, mehr gedacht und weniger gemeint weniger, weniger behauptet, und mehr verstanden wird. 

Und für mich selbst hätte ich gerne die Gewissheit, am Ende des Jahres so glücklich, zufrieden und gesund wie heuer zu sein.

Aber die Zukunft zu kennen hieße, sie nicht verändern zu können. 

Deswegen ist es mir doch lieber, nicht zu wissen was morgen kommt, denn dann kann ich heute leben, kann heute versuchen, gelassener zu sein und verständnisvoller, kann heute tun, was ich für richtig halte, ohne zu sehen, ob das von Erfolg gekrönt ist.

Ich möchte darauf vertrauen, dass ich dieses neue Jahr unter Gottes Segen gehen und bestehen kann, will mich an allem Schönen freuen, das Gott mich erfahren lässt, an aller Liebe, die mir andere schenken. 

Und für alles Belastende, da gebe Gott mir Kraft und Hoffnung.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Jahr 2025.

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Frohe Weihnachten 2024

Die Geschichte von Weihnachten ist zunächst ziemlich eindeutig: Nach seiner Geburt wird Jesus zuerst Menschen vorgestellt, die am Rande stehen: verdächtigen Hirten und fremde Sterndeutern. Anderen Außenseitern gilt später die besondere Aufmerksamkeit Jesu, den „Sündern und Zöllnern“.

Dennoch weitet sich die Geburt Jesu zu seiner Verheißung für alle: In einer Welt, in der jeder Mensch als Kind Gottes betrachtet wird, misst sich der Wert unseres Lebens nicht an Reichtum oder Macht – und auch nicht daran, ob wir eine glückliche Familie haben und viele Menschen, die uns lieben. Wir sind doch alle Gottes Kinder! Es gibt keinen Grund für uns, vor dem Thron Gottes in die zweite Reihe zu treten. Wir sind wer! Jeder, jede!

Und Gott steigt herab von seinem Thorn. Er zeigt sich in einem neugeborenen Kind, in einem gelebten Leben. Als Prinzip oder jenseitiger Despot könnte er uns nicht im Innersten berühren. 

Unsere Seele bebt zu Weihnachten, weil zwischen Kerzenglanz und Geschenkpapier das Kind in der Krippe liegt und wir spüren: Das Leben kann schön sein, und wo es schwer ist, ist es jedenfalls erfüllt. 

Hoffnung ist nicht leer, sondern lebt; es gibt ein Reich, das nicht von dieser Welt ist, sondern im Kind in der Krippe existiert.

Ich wünsche Ihnen ein gesegntes Weihnachtsfest!

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Schräge Vögel – Sonntagsgedanken zum 3. Advent

Die Bekannte, die immer wieder mit einem neuen Typen ankommt, der Jugendliche, der nach dem Abitur erstmal gar nichts macht und danach überlegt, was er vielleicht tun will, der Nachbar, der nie zuhause ist, oder die Freundin, die die Haare jetzt giftgrün trägt und sich auch so verhält – ich nenne solche Leute „schräge Vögel“ 

Ein gewisse Bewunderung schwingt in meiner Bezeichnung dabei durchaus mit für Leute, denen es zunächst einmal egal ist, was andere von ihnen denken, und die einfach ihren Weg gehen.

Solche „schrägen Vögel“ erinnern auch daran, dass es uns Menschen nicht nur in bunter Vielfalt und Lebensstilen gibt, sondern dass Gott das auch so gewollt hat. 

Schon im Stall zu Bethlehem versammelt sich beim Krippenspiel eine bunte Schar von suspekten Naturburschen bis hin zu würdevollen Königen vor einer jugendlichen Maria, die mit einem alten Mann verheiratet ist.

Gott nimmt uns alle an, wie wir sind. Deswegen sei auch in der Kirche ein Loblied auf die Vielfalt gesungen: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat!“

Predigttext am Sonntag, 15. Dezember, ist Römerbrief 15, 4-13.

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Red Bull der Seele – Sonntagsgedanken zum 2.Advent

Vielleicht kennen Sie die Büchse der Pandora, eine Kiste, von der die griechische Mythologie erzählt. Sie wird aus Versehen von einem Mann geöffnet, und daraufhin verbreiten sich alle Übel der Welt: Krankheiten und Leid. Der Mann schließt die Kiste schnell wieder, so dass etwas zurückbleibt: Die Hoffnung.

Ist Hoffnung also auch ein Übel? Der Mythos ist hier widersprüchlich, so widersprüchlich, wie auch die Hoffnung ist. Die einen erzählen, dass Pandora die Büchse dann noch einmal öffnet, so dass nach all dem Übel auch die Hoffnung in die Welt kommt. Später ist für den Philosophen Friedrich Nietzsche Hoffnung das schlimmste aller Übel, weil es verhindert, dass wir die Welt so akzeptieren, wie sie ist.

Was meinen Sie: Ist Hoffnung also ist ein fragwürdiges Geschenk?

Ich möchte da widersprechen. Kein Mensch kann doch ohne Hoffnung leben. Einem Menschen, der der Verzweiflung nahe ist, die Hoffnung zu nehmen, ist doch das Schlimmste, was man ihm antun kann. Und vielleicht ist Hoffnung sogar das Red Bull der Seele: Hoffnung verleiht Flügel. Sie weckt Sehnsüchte und Träume und macht, dass wir ihnen nachgehen.

Hoffnung betäubt nicht, sondern belebt.

Predigttext am Sonntag, 8. Dezember, ist Jesaja 35, 3-10.

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