Peinlich – Sonntagsgedanken zum 1.Advent

Sie kennen vielleicht die Fotoshootings, für die man als Tourist auf einen Esel gesetzt wird. Ich weiß nicht: Ein Elefant oder Kamel mag ja noch exotisch-imposant sein, aber ein Esel wäre mir peinlich, zumal es dem Tier mit meinem Gewicht auch nicht gut ginge. Aber ich denke da eher an mich, wie lächerlich das aussehen würde; dann lieber zu Fuß.

Oder darf man als Erlöser lächerlich auf einem Esel daherkommen? Muss man vielleicht sogar? Wenn ich an die inzwischen allgegenwärtigen religiösen Fanatiker denke, die mit ihrem ernsthaften „Glauben“ zu einer Seuche der ganzen Welt geworden sind, weiß ich, dass Erlösung nur in der Leichtigkeit liegen kann, im Humor, in der Gelassenheit. All das zeigt sich in der Fähigkeit, über sich selbst lachen und sein Erscheinungsbild lächeln zu können. Und sich eher kleiner als groß zu machen.

Jesus kam auf einem Esel nach Jerusalem geritten und die Leute haben ihn wie einen König empfangen. Ich bin sicher: Man hat damals gelächelt bei aller Freude über den Erlöser.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten ersten Advent.

Predigttext am 1. Adventssonntag, 1. Dezember, ist Matthäus-Evangelium, Kapitel 21, Verse 1 bis 11.

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Was bleibt – Gedanken zum Totensonntag

Was zählt am Ende? heißt die Frage, die den Totensonntag bestimmt. Dass man am Ende nichts mitnehmen kann, weiß jeder, also zählt hier auf Erden das, was bleibt. Vermögen oder Pokale sind damit aber gewiss nicht gemeint. Es bleibt, was wir anderen Gutes getan haben.

Ich glaube: Am Ende zählt auf Erden nicht, was wir haben, sondern was wir gegeben haben. Und am Ende zählt nicht, ob wir recht haben, sondern ob wir geliebt haben.

Und was zählt im Angesicht Gottes? Weil wir oft schwach und fehlbar ihn unserem Leben sind, zählt in der Ewigkeit zum Glück nicht unser Tun. Am Ende nimmt Gott uns in ein Land, das wir noch nicht kennen, sondern als Gnade und Liebe nur erahnen können.

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Gut gemeint – Sonntagsgedanken zum Buß- und Bettag

Man will richtig handeln, und macht oft das Gegenteil. Man möchte Gutes tun und richtet of nur Schaden an. Nicht umsonst sagt man ja, dass der Weg zur Hölle mit guten Vorsätzen gepflastert ist.

Kann es gut sein, das Kind zu Nachhilfe und Musikstunden zu zwingen, damit es erfolgreich im Berufsleben wird? Ist es richtig, der Schwiegertochter dauernd gut gemeinte Ratschläge für den Haushalt zu geben und dem Sohn zu sagen, dass er mit seiner neuen Freundin garantiert nicht glücklich wird? Gut ist eben oft das Gegenteil von gut gemeint.

Den richtigen Weg kennen auch wir nicht. Deshalb sollten wir anderen unseren Weg auch nicht aufdrängen, sondern uns lieber lenken lassen von der Liebe, die Gott ist, und in dem Bewusstsein, dass wir jederzeit unseren Weg auch ändern können. Auch dafür steht der Buß- und Bettag.

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Schwerter zu Pflugscharen? – Sonntagsgedanken zum 10. Nov. 2024

Von Schwertern zu Pflugscharen ist im Bibeltext für den Sonntag die Rede.

Bei den Vereinten Nationen steht dazu eine Skulptur – ausgerechnet ein Geschenk der Sowjetunion.

Und die Friedensbewegung hatte es zu ihrem Symbol gemacht – inzwischen weiß man, dass die Stasi da im Hintergrund die Fäden gezogen hat.

Nicht jeder, der vom Frieden redet, meint es ernst. 

Und wer das Opfer auffordert, mit dem Täter Frieden zuschließen, hat nichts verstanden.

Das gilt für jeden von uns.

Wer gemobbt wird, sollte das nicht hinnehmen müssen.

Und wer zuhause Gewalt erfährt, der muss geschützt werden, notfalls durch die Polizei.

Schwerter zu Pflugscharen ist in der Bibel eine Verheißung. Gott allein kann das ermöglichen. Dann, wenn sein Geist alle Menschen zu Glaube, Liebe und Hoffnung geführt hat, müssen wir Menschen uns und andere nicht mehr mit dem Schwert verteidigen.

Solange die Welt aber noch nicht erlöst ist von den Gewalttätern, wäre es ein Verbrechen, die Opfer alleine und die Täter gewähren zu lassen.  

Predigttext am Sonntag, 10. November 2024, ist Micha 4, 1-7b

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Freiheit die ich meine – Sonntagsgedanken zur Reformation

Wäre das nicht herrlich: keine Angst zu haben, keine Angst vor dem Versagen und keine Angst vor dem Urteil anderer, keine Angst vor den eigenen Grenzen und keine Angst vor dem Ewigen? Dann kann man sich wirklich frei fühlen.

Die Reformatoren haben die Freiheit ins Zentrum ihrer Überlegungen gestellt. Und ihnen war klar, dass Freiheit auch eine Herausforderung ist. 

Wer frei ist, kann nicht mehr andere für das eigene Leben verantwortlich machen, sondern ist selbst verantwortlich.

Aber es lohnt sich, die Freiheit zu schätzen. Joachim Gauck hat in seiner Autobiographie darauf aufmerksam gemacht: „Wir haben die Freiheit ersehnt, sie hat uns angeschaut, wir sind aufgebrochen und sie hat uns nicht im Stich gelassen.“

Freiheit sollten wir uns nicht nehmen lassen, von niemandem und auch nicht im Namen einer angeblich guten Sache. Denn ohne Freiheit ist alles nichts. 

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Demut? Um Himmels Willen – Sonntagsgedanken zum 27. Okt. 2024

Es gibt ein altbackenes Wort, dem ich gerne wieder mehr Beachtung wünschen würde: Demut.

Das klingt manchem vielleicht nach Unterordnung und Klein-gemacht-werden. Aber es meint das Gegenteil: Wahre Größe. 

Menschliche Größe, die darin besteht, dass man sich selbst nicht so wichtig nimmt; dass man seine Meinung nicht für die einzig richtige hält; dass man auch mal den Mund hält und nicht immer in den Chor der anderen einstimmt.

Wem ich Demut wünsche, fällt mir schnell ein: Dem arroganten Sänger, der für eine angeblich bessere Welt kämpft; der Influenzerin, die sich für die Wichtigste in der Talkrunde hält; dem Betrüger aus besseren Kreisen, der nach dem Knast-Aufenthalt in jedem Blatt erzählt, was für ein guter Mensch er nun geworden ist. 

Und, upps!, mir selbst, der ich so klar die fehlende Demut bei anderen entdecke, die mir oft ebenso fehlt.

Das Johannes XXIII. zugeschriebene Zitat muss ich unbedingt an meinen Monitor kleben: „Nimm dich nicht so wichtig!“ Denn demütig zu sein macht unser Leben leichter und besser.

Predigttext am Sonntag, 27. Oktober 2024 ist Micha 6, 1-8

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Au Backe, die andere Backe – Sonntagsgedanken zum 20. Okt. 2024

Die andere Wange hinhalten, die Feinde lieben, diese Forderungen Jesu gehören zu den bekanntesten ethischen Grundsätzen und sicher auch zu den umstrittensten.

Wer wäre ernsthaft dagegen, einem Mörder mit Gewalt Einhalt zu gebieten? Und selbst die friedensbewegsteste Kirchentagsbesucherin wird die Polizei rufen, wenn bei ihr eingebrochen wurde. Im Barmer Bekenntnis von 1934 ist sogar ausdrücklich erwähnt, dass der Staat auch mit Gewalt für Recht und Frieden sorgen darf. Wie passt das zusammen?

Klar ist: Die Worte Jesu sind keine Worte, die man anderen vorhalten, sondern denen man selbst folgen soll. Und klar ist auch: Man kann nur die eigene Wange hinhalten, die Wange anderer hinzuhalten, die Schwachen der Gewalt auszuliefern, wäre ein Verbrechen. Doch eines ist auch klar. Eine Welt, in der jeder darauf beharrt, zurückzuschlagen, wäre furchtbar.

Jesus geht hier mit seiner Liebe aufs Ganze und zeigt in eine Welt, die jenseits unserer Grenzen liegt und dauernde Herausforderung ist: das Reich Gottes.

Predigttext am Sonntag, 20. Oktober 2024, ist Matthäus-Evangelium 5, 38-48.

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Reisesegen

Zwei liebe Bekannte haben mich dieser Tage um einen Reisesegen gebeten. Wenn man unterwegs ist, weiß man ja nie, was auf einen zukommt. Ich mache mir da immer viel zu viele Gedanken. Was mache ich, wenn das mit der Hotelbuchung nicht geklappt hat oder wenn ich im Ausland krank werde. Aber zuhause zu bleiben ist keine Alternative. 

Der Satz von Augustinus nach wie vor: „Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ Man muss die Welt unmittelbar erleben in ihrer Vielfalt, den Morgennebel im Gebirge und den gleichmäßigen Klang der Wellen, die knorrigen Alten auf dem Land und die groovy Jungen in der Weltstadt. Und auch der Seele tut es gut, einmal seine Wohlfühlzone verlassen. Neukölln statt Potsdam; Ludwigshafen statt Heidelberg und sich offen auf den Weg machen.

Ich mache mir Sorgen, was da auf der Reise auf mich zukommt? Da lasse ich mir gerne den irischen Reisesegen sagen und gebe ihn meinen Bekannten weiter:

Möge die Straße dir entgegeneilen 
und der Wind immer in deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf deine Felder fallen.
Gott gehe neben dir und mit dir und
halte dich fest in seiner Hand.

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Fussball inspirierend – Sonntagsgedanken zum 13. Okt. 2024

Ein schönes Fußballtor kann einen ebenso begeistern wie die Tochter, die einem ein Lied auf der Geige vorspielt; 

ein Blick auf die Fahrgäste in einer New Yorker U-Bahn ist ebenso inspirierend wie Mozarts 40.Symphonie. 

Allem, was uns begeistert und inspiriert, ist eines gemein: 

Es macht unser Leben erfüllter und uns vielleicht sogar zu besseren Menschen. Jedenfalls hat es etwas mit richtigem, wahren Leben zu tun.

„Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig“ heißt es beim Apostel Paulus.

Genau:

Wo wir Glaube, Liebe und Hoffnung fühlen, hat Gottes Geist uns lebendig gemacht.

Tote Buchstaben, also kalte Regeln, leere Worthülsen und dumme Dogmen, sind nichts wert.

Was zählt ist das Leben.

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T-Shirts auf dem Altar – Sonntagsgedanken zum 6. Okt. 2024

Der Erntedankaltar in der Kirche hat mich ziemlich irritiert. Ich war erst kurz zuvor nach Albstadt-Tailfingen versetzt worden, und zu Erntedank stapelten sich auf dem Altar die T-Shirts. „Fruit of the loom“ – Früchte des Webstuhls. Klar. 

Gewachsen ist hier in fast 900 Metern Höhe nicht viel, aber man hatte Strickmaschinen, und die Texilindustrie ermöglichte damals ein gutes Auskommen.

Und dafür haben die Menschen auf der Alb gedankt.

Und wofür würden Sie im Leben danken?

Ich bin dankbar für mein Leben und für meine Familie.
Für Gesundheit und für Bewahrung in Krankheit
Für Liebe und für Hoffnung.

Seien Sie behütet!

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