Störrische Esel – Sonntagsgedanken zum 29. Sep. 2024

Störrische Esel kennt man. Die blockieren und wollen einfach nicht mehr weitergehen. 

Störrische Esel kann man auch unter uns Menschen entdecken. Die nicht einsehen, was wir ihnen sagen, die nicht tun, was wir für richtig halten.

Bileam in der Bibel hatte so einen Esel. Das ist eine wirklich nette Geschichte. Der Esel geht nicht, wie er soll, er quetscht Bileam an einer Mauer ein und geht einfach nicht mehr weiter. Ein dummer Esel, denkt Bileam, und schlägt ihn mit dem Stock.

Da reicht es dem Esel und er spricht plötzlich: „Warum schlägst du mich? Ich bin doch nur einem Engel ausgewichen, der sich dir entgegengestellt hat.“

So kann es nämlich auch sein: Dass die störrischen Esel uns daran hindern, das Falsche zu tun.

Es kann sein, dass die anderen uns vor Gefahren bewahren. 

Dass andere uns unseren Schutzengel zeigen.

Störrische Menschen sind oft unangenehm – aber manchmal gilt: sie könnten auch recht haben.

Predigttext am Sonntag, 29. September 2024 (Michaelis) ist 4.Mose 22, 31-25

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Keine Schubladen – Sonntagsgedanken zum 22. September 2024

„Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird.“

Martin Luther Kjng hat das vor über 60 Jahren gesagt, und heute muss man diesen Satz genauso wie damals verteidigen. Nicht nur gegen die altvertrauten Rassisten von rechts, sondern auch gegen diejenigen, die uns Deutsche Kartoffeln nennen, die sich über „alt weiße Männer“ erheben und die sowieso die Menschen am liebsten in Schubladen einsortieren: Weiß gegen farbig; heterobinär gegen queer, und was es da noch gibt. Allesamt menschenfeindliche Gegenüberstellungen.

Dumm ist das und offenbar unausrottbar. Denn wir Menschen passen nicht in Schubladen. Wir sind grundsätzlich alle gleich. In der Bibel wird nur eine Sorte Mensch von Gott geschaffen. „Da gibt es nicht Jude oder Nichtjude, nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau.“ schreibt der Apostel Paulus

Es gibt keine angeborene Über- oder Unterordnung von Menschen. Was am Ende zählt, ist jeder einzelne Mensch, so wie er ist. Und egal wie verschieden wir sind: Am Ende zählt unser Charakter und unser Tun – und dass wir alle von Gott geliebt sind.

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Die falsche Größe – Sonntagsgedanken zum 15. September 2024

Auf die tiefgründige Frage „Ist das Glas halb voll oder halb leer?“, mit der man Optimisten und Pessimisten unterscheiden will, gibt es für mich nur eine sinnvolle Antwort: Es hat die falsche Größe.

Ist unser Leben halb voll, also schön, toll und einfach lebenswert, auch wenn nicht alles hundertprozentig ist. Aber die Probleme muss man eben akzeptieren und angehen? – Oder ist unser Leben halb leer, also eigentlich nur bestimmt von Ärger und Not, Problemen und Leiden, angesichts derer die gelegentliche Lebensfreude nicht ins Gewicht fällt? Beide Sichtweisen lassen sich erleben und scheinen Recht zu haben.

Aber ich denke, beide Sichtweisen sind falsch: Wer das Leben durch Leiden gleich ganz in Frage gestellt sieht, sollte all das Gute darin, die Liebe und die Kinder zum Beispiel, nicht so gering achten. Und wer die Lebensfreude mit dem Sinn des Lebens verwechselt, verdrängt die Ernsthaftigkeit menschlicher Not.

Beides hat letztlich die falsche Größe. Unser Leben lässt sich nicht als gesamtes messen, ob es erfolgreich oder gescheitert ist, sondern jeder Tag ist neu, jede Sekunde ist geschenkt. Heute sollen wir leben. Und Hoffnung haben, dass all das Gute und Gelingende, was wir noch nicht sehen, letztlich Wirklichkeit wird. Hier liegt die „Fülle“ und „Wonne“ des Lebens, wie es in Psalm 16 heißt.

Predigttext am Sonntag, 15. September 2024, ist Psalm 16.

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Mach dir keine Sorgen – Sonntagsgedanken zum 8. September 2024

Mach‘ dir keine Sorgen! sagt Jesus. „Der hatte es auch einfach, er war der Sohn Gottes. Was sollte da schief gehen?“ heißt es in einer humorvollen Replik dazu. Ich kenne mindestens zehn Dinge, um die ich mich ernsthaft täglich sorgen muss, und es käme mir fahrlässig vor, Probleme einfach zu ignorieren und nicht immer einen Plan B zu haben.

Im Rückblick auf Situationen, in denen ich bewahrt worden bin, fällt mir aber auf: Es lag nicht an meinen Sorgen, dass es gut ausging. Mit vielen Problemen kann man erst dann vernünftig umgehen, wenn sie da sind, und nicht schon am Tag vorher. Und viel zu oft habe ich mir unnütze Sorgen gemacht. Die aber hat Jesus im Blick, wenn er meint, dass wir doch Vertrauen haben sollen ins Leben, das manchmal schwierig und oft chaotisch ist und uns jeden Tag neu überrascht.

Gott weiß schon, was er tut.

Predigttext am Sonntag, 8. September 2024, ist Matthäus-Evangelium Kapitel 6, 25-34.

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Andere lösen meine Probleme nicht – Sonntagsgedanken zum 1. Seitember 2024

Meinen, dass andere einem die Probleme lösen? Andere nachlaufen ohne selbst zu denken? Furcht zu haben vor allem, was anders, neu oder fremd ist? Wer so ist, hat laut Bibel einen „knechtischen“ Geist. Das klingt altertümlich, beschreibt aber ziemlich genau, was manche empfinden, die auf die heutigen Populisten hereinfallen. In einer komplizierten Welt sucht man einfache Lösungen. Die allerdings machen weder glücklich noch lösen sie die Probleme. „Knechtischer Geist“ führt in die Sackgasse und beseitigt keine Furcht.

Der Apostel Paulus preist als Gegensatz dazu den „kindlichen“ (nicht: kindischen) Geist an. Wer trotz aller Probleme, die einen manchmal umzingeln, Halt findet im Glauben und im Vertrauen auf Gott, der ist „Kind Gottes“. Er weiß: Ich muss kein Übermensch sein und mich alleine durch die Welt schlagen, sondern ich darf schwach sein und Fehler machen  – und billige das auch anderen zu.

Das Reich Gottes beginnt nicht, wenn alle Probleme weg sind, sondern wenn wir anfangen zu lieben.

Predigttext am Sonntag, 1. September 2024, ist Römerbrief 8, 12-17.

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Nächstenliebe – Sonntagsgedanken zum 25. August 2024

„Ohne die Liebe wäre das Leben ein Irrtum.“ – Den Satz darf nicht missverstanden werden, als ginge es dabei nur um die Liebe zu einem Mann oder zu einer Frau. Da kann es manchmal Irrtümer geben. Nein, es geht darum, dass das Leben gut und erfüllt ist, wenn man liebt – das Leben liebt,  sich selbst und die anderen.

„Wir lieben den Tod“ brüllen uns Idioten und Selbstmordattentäter entgegen. Diese Killer sind wohl das beste Beispiel dafür, dass der Satz von der Liebe stimmt. Ohne Liebe, erfüllt von Hass, Gewalt und Dummheit ist das Leben ein Irrtum, einfach: falsch geführt.

Ich denke, das lässt sich auch spüren: Wer liebt, lebt richtig. Das bedeutet nicht, dass Liebe leicht ist. Manchmal bleibt sie ohne Antwort oder man wird ausgenutzt. Aber wer anderen in Freundlichkeit begegnet – dem Bettler auf der Straße (gleichgültig, ob man ihm etwas gibt oder nicht) ebenso wie der ruppigen Dränglerin im Stadtbus, wer solchen Menschen gegenüber dennoch freundlich bleibt, der wird sich hinterher sicher besser fühlen, als wenn er der Liebe ade gesagt hätte und sein Unverständnis oder seinen Ärger einfach so rausgelassen hätte.

Alle Menschen zu lieben, geht nicht, meinen Sie? Gewiss gibt es Grenzen der Nächstenliebe. Aber zunächst geht es vielleicht ganz einfach darum, nicht auf Kosten anderer zu leben, anderen gegenüber offen und für sich selbst verantwortlich zu sein und auch mal darauf achten, wie es dem anderen geht.

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst,“ heißt es am Sonntag in der Kirche. Ganz genau!

Predigttext am Sonntag, 25. August 2024, ist 3. Mose 19, 1-34

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Geheilt werden – Sonntagsgedanken zum 18. August 2024

Was ist die schönste Erfahrung, die man im Leben machen kann? Da wird Ihnen vermutlich genauso viel einfallen, wie mir: Die Liebe eines anderen Menschen natürlich – und die Liebe zu anderen. Oder ein Kind zu bekommen. Oder ein Ziel zu erreichen und etwas Sinnvolles zu tun.

Wer schwer krank war, wird vielleicht eine Erfahrung zuerst nennen: Geheilt zu werden. Wie die Frau in der biblischen Legende wieder aufstehen zu können. Oft vergessen wir, welche Wunder heute möglich sind: Durch die moderne Medizin. Durch den Einsatz helfender Menschen. Und zuweilen auch durch das Unerklärbare.

Hinter jeder Heilung sehe ich die Macht des Lebens am Werke, die vom Schöpfer allen Lebens kommt, von Gott. Oder denken Sie, wir hätten unser Leben selbst gemacht? Für den Philosophen Rene Descartes war das sogar ein Gottesbeweis: Ich habe mir das Leben nicht selbst gegeben. Also hat es mit jemand gegeben. Und den nennt man Gott.

Dieser Glaube beinhaltet noch etwas anderes: Leben ist gut, und gut ist es, den Tod zu bekämpfen. Den Tod, den Terroristen und Kriegsherren bringen ebenso wie in den Krankenhäusern dieser Welt.

Predigttext am Sonntag, 18. August 2024, ist Lukas 13, 10-17. 

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Keine Gnade – Sonntagsgedanken zum 11. August 2024

Ein Bösewicht ist im Film endlich zur Strecke gebracht. Der Held, selbst schwer traumatisiert, richtet seine Waffe auf den nun wehrlosen Killer, der um Gnade bittet. Der Held heißt Rambo – und er drückt hab. Mit dem lapidaren Spruch: „Gott kennt Gnade! Rambo nicht!“

Viel kürzer kann man eine Grundeinsicht des christlichen Glaubens eigentlich nicht auf den Punkt bringen: Gott ist gnädig. Dass wir existieren ist so wenig unser Verdienst wie dass wir geliebt werden. Das Leben ist eine einzige Gnade, auch wenn es begrenzt und manchmal voller Leiden ist. Wir können es uns nicht verdienen.

Das sollte uns selbst – im Gegensatz zu Rambo – auch gnädig stimmen. Killer knallt man nicht ab, sondern nimmt man fest. Nachtragend zu sein, ist genauso falsch, wie anderen dauernd ihre Fehler vorzuhalten. Oder wie sagt mir ein alter Mann mal seine Lebensweisheit: Man wird nicht alt, um Recht zu haben, sondern um gnädig zu sein.

Predigttext am Sonntag, 11. August 2024, ist Galaterbrief, Kapitel 2, Verse 16-21.

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Israelsonntag – Gedanken zum 4. August 2024

In einem Lokal in München sitzen am Nebentisch zwei junge Frauen mit einer Schar Kinder. Sie erregen meine Aufmerksamkeit und erst nach einer Weile wird mir klar, warum: Sie sprechen Hebräisch. Eigentlich ist es schön, dies als Deutscher nur zwei Generationen nach dem Holocaust erleben zu dürfen!

Aber dann kommt die Scham. Die ganze widerliche Fratze des Antisemitismus hat sich hierzulande wieder breit gemacht, von dummen Profesoren bis hin zu linken Kunstliebhabern.

Nicht zu vergessen der importierte Antisemitismus aus dem Mittleren Osten und – Schande über uns – der Antisemitismus, der auch in manchen Teilen der Kirche wieder fröhliche Urstände feiert mit der Forderung nach einem Boykott von Juden und einer Verteufelung Israels.

Am Sonntag begeht die Kirche den Israel-Sonntag. Er erinnert an die unselige Rolle der Christenheit bei der Verfolgung der Juden seit 2.000 Jahren. Und ich hoffe, dass dieser Gedenktag auch dem letzten in der Kirche und in unserem Land klar macht, dass Antisemitismus und Glaube nicht miteinander vereinbar sind. „Nur wer für die Juden schreit, darf gregorianisch singen!“ hat Dietrich Bonhoeffer nach 1933 verlangt. Das muss man – leider – heute wie damals betonen.

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Nur was einem wirklich wichtig ist, zählt – Sonntagsgedanken zum 28. Juli 2024

Für meine Kinder würde ich alles tun! Die meisten Eltern würden diesen Satz wohl unterschreiben. Nur was einem wirklich wichtig ist, zählt. Wenn wir jemanden lieben, dann gibt es nichts wichtigeres, weil darin unser Seelenheil liegt. So wie es auch dem Menschen ergeht, der in einem Gleichnis Jesu alles verkauft, was er hat, um einen Acker zu erwerben, auf dem das Wichtigste für ihn ist, ein Schatz. Wer den Glauben für eine besserwisserische Handlungsanweisung hält, die vorschreibt, was wir zu tun und zu lassen habe, wird hier irritiert sein. Ein Kapitalist gibt hier Geld aus, nicht für Arme, sondern für eine Perle, und wird dafür von Jesus gelobt? Wir bevorzugen das eigene Kind, ganz parteiisch und eindeutig gegen jede Gerechtigkeit? – Wer Glaube aber als das versteht, was uns die Unendlichkeit fühlen lässt, die unendliche Verbundenheit mit unseren Kindern, die unendliche Bedeutung der Liebe, die nach biblischem Verständnis sogar Gott ist, der wird zu dem Kapitalisten, der die kostbare Perle kauft, sagen: Das machst du genau richtig!

Predigttext am Sonntag, 28. Juli 2024, ist Matthäus 13, 44-46.

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