Standhaft bleiben und gechillt sein

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(Foto: wikicommons)

Ein feuriges Meer, die letzte der apokalyptischen Plagen, beherrscht den Predigttext des kommenden Sonntags. Da ich dabei allerdings die Konfirmation von 22 Kindern aus unserer Gemeinde feiere, sei mir ein sehr spezieller Blick auf dieses „Lied der Standhaften“ erlaubt:

Jugendliche kommen – jedenfalls Erwachsenen gegenüber – mit zwei Worten durchs Leben. Auf „Jetzt räume doch endlich mal deine Schuhe im Flur auf!“ heißt die Antwort garantiert: „Gleich!“, und bei der Frage „Wir war’s in der Schule?“ – „Ganz O.K.“ Vor allem Mütter scheinen durch diese Kommunikation genervt zu sein, während Väter sich mit solchen Antworten eher zufrieden geben und sich wieder im Sessel sitzend der Lektüre zuwenden können.

Immer mit der Ruhe! Chill doch mal! Mach doch nicht so Stress! Vielleicht muss man sich das wirklich von anderen sagen lassen, wenn man selbst mal wieder aufgedreht hat. Aber es ist ja auch so viel zu tun und zu bedenken und es kann so viel passieren!

Bei den alten Geistesgrößen war es eine Tugend, so gechillt zu sein: Serenitas, die Gelassenheit. Damit ist nicht Gleichgültigkeit gemeint, sondern eher eine Art Gefestigtsein. Man muss dann nicht immer alles gleich bewerten; man muss nicht zu allem etwas meinen; man muss sich nicht immer gleich erregen über den Zustand der Welt und das Tun anderer Menschen. Das gilt für unseren Alltag im Zusammenleben ebenso wie beim Blick in die Zeitung. Die Welt ist ein Chaos, wird immer eines sein – und im Großen und Ganzen meistern wir Menschen es ganz gut. Der Glaube ist dabei eine gute Hilfe.

Gefestigt zu sein und deshalb gelassen sein zu können – vielleicht kann man das hinter all der apokalyptischen Bilderhektik des Predigtextes am kommenden Sonntag entdecken. Gut tun würde es uns.

Predigttext am Sonntag, 18. Mai 2014 ist Offenbarung 15, 2-4.

Über mtreiber

Matthias Treiber ist Pfarrer und Journalist. Matthias Treiber is a minister in the Lutheran Church of Wuerttemberg and journalist.
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