Zweifel sind nicht nur erlaubt, sondern notwendig

Le_Caravage_-_L'incrédulité_de_Saint_Thomas

Zweifler wollen alles genau wissen – der „Ungläubige Thomas“ von Caravaggio (Bild: wikicommons – gemeinfrei)

Zweifler sind mir die liebsten Menschen. Sie stellen vermeintliche Sicherheiten in Fragen, sie wagen zu denken und wollen frei und selbständig sein. Deshalb ist Thomas auch mein Lieblings-Heiliger, der Apostel, der an die Auferstehung Jesu nicht glauben konnte.

Die Kirche hat ihn wegen dieses „Unglaubens“ nicht verurteilt, im Gegenteil, er wurde sogar in den erlauchten Kreis der Heiligen aufgenommen, obwohl er weder Wunder vollbracht hat noch für seinen Glauben gestorben ist.

Doch beim Zweifel kann man nicht stehen bleiben. Wir müssen trotz aller Zweifel leben und glauben, lieben und hoffen. Und das tun wir, tut jeder von uns jeden Tag, in jedem Augenblick des Zusammenlebens mit anderen und jedes Mal, wenn wir etwas tun, obwohl wir nicht wissen können, wie es ausgeht.

So sind wir selbst die besten Belege dafür, dass gerade die Zweifler den stärksten Glauben haben, den, der Zweifel nicht leugnet, sondern damit lebt.

Predigttext am Sonntag, 12. April 2015, ist Johannes-Evangelium, Kapitel 20, Verse 19 bis 29.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

Über mtreiber

Matthias Treiber ist Pfarrer und Journalist. Matthias Treiber is a minister in the Lutheran Church of Wuerttemberg and journalist.
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Eine Antwort zu Zweifel sind nicht nur erlaubt, sondern notwendig

  1. Rainer Haak schreibt:

    Hier ein Text, den ich zum Thema Thomas / Zweifel geschrieben habe (erscheint im Herbst bei: Katholisches Bibelwerk):

    Dem Lebendigen begegnet

    Was wohl die Engel im Himmel dachten,
    als du, Thomas,
    dem Lebendigen begegnetest
    und ihm nicht glauben wolltest?
    Haben sie dich verstanden?
    Haben sie gelacht?
    Haben sie sich über dich geärgert?

    Was wohl die Engel im Himmel fühlten,
    als du, Thomas,
    dem Lebendigen begegnetest
    und ihm nicht glauben wolltest?
    Waren sie traurig?
    Haben sie mit dir gelitten?
    Haben sie sich geschämt?

    Was wohl die Engel im Himmel
    dachten und fühlten,
    als du, Thomas,
    dem Lebendigen begegnetest
    und ihm nicht glauben wolltest?
    Vielleicht waren sie ja voller Freude,
    weil sie an mich dachten
    und sich lächelnd vorstellten,
    wie dankbar ich heute bin,
    weil ich mich
    von Thomas verstanden fühle
    und mich trauen darf,
    mit meinen Vorbehalten und Zweifeln
    zu Jesus zu kommen
    und ihn als den Lebendigen zu erfahren.

    Der ungläubige Thomas / Jesus und Thomas (Johannes 20,24-29)

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