Woran merken wir, dass wir nicht Gott sind? An unseren Grenzen, werden Sie sagen. Gut, aber dennoch trauen wir uns manchmal ganz schön viel zu: Unser Kinder wollen wir zu perfekten Menschen machen und mit unserem Handeln die ganze Welt retten. Und wenn wir es nicht tun können, so wissen wir doch was andere tun müssten. Wir können vielleicht nicht alles besser, aber wir wissen es zumindest besser. Und – selbstkritisch gesagt – auch die heutige Kirche spielt da gerne mit.
Ich finde es toll, dass Jesus über diese Allmachtsfantasien locker hinweg geht. Zum Anführer seiner Nachfolger macht er ausgerechnet Petrus, einen Mann, der unter den Jüngern wohl eine gewisse natürliche Autorität hatte, aber ansonsten höchst durchschnittlich war. Ein Fischer war er, kein Lehrer und schon gar kein Supermann. Dass er alles besser wusste, kann man wirklich nicht sagen, als Gefahr drohte, hat er Jesus verleugnet, und von Paulus musste er sich ein ängstliches Doppelspiel in Frage der Heidenmission vorwerfen lassen.
Aufs falsche Pferd gesetzt? Im Gegenteil. Hätte Jesus eine Superhero an die Spitze seiner Kirche gesetzt, wäre Christi Botschaft schnell vergessen worden. Mit einem fehlbaren Menschen an der Spitze aber haben die Christen gezeigt wer sie sind: Fehlbare und schwache Menschen, die sich gerade deswegen in Liebe begegnen können, weil jeder weiß: Ich bin nicht besser als der andere.
Predigttext am Sonntag, 5. Juli 2015, ist Lukasevangelium, Kapitel 5, Verse 1 bis 11.
Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.