Unsere Schubladen sind zu klein

NJ

Foto: Bearbeitung eines google street.view

Unsere Schubladen sind zu klein, um andere darin unterzubringen. Das muss ich mir immer wieder selbst sagen, wenn mir andere Leute kurz begegnen und ich spüre, dass da nach wenigen Sekunden schon ein Bild vom anderen entstanden ist: der ist nett, die ist tough und das sind Schwätzer. Dabei täuscht man sich oft mächtig. Der junge Typ, der mich sofort um einen Dollar anbettelte, als ich an einer Tankstelle in einem Industriegebiet in New Jersey ausstieg, war gewiss ein Junkie, vor dem ich gleich zum Kassenhäuschen flüchtete, an dem man nur durch ein schwer verbarrikadiertes Fenster (vorher mit Kreditkarte) bezahlen konnte. Wieder am Auto setzte sich die Zapfsäule doch nicht in Betrieb.

Die Frau an der Kasse versprach Hilfe und schickte mir den jungen Bettler mit dem Hauptschlüssel, der mir freundlich half. Und ich habe mich zu Recht ziemlich mies gefühlt, mit meinen dummen Vorurteilen. Zwar war er offenkundig auf Drogen – aber mit Sicherheit war er eben auch mehr, in dem Fall ein junger Mann, der mir geholfen hat.

Äußerlichkeiten helfen uns, Situationen so einzuschätzen, dass wir nicht permanent alles abchecken müssen. Das macht die Welt einfacher und ist manchmal ganz nützlich. Aber Menschen sind viel mehr und vielseitiger, und manchmal ganz anders, als sie aussehen.

Du sollst andere nicht verachten noch über sie richten! heißt es in der Bibel. Gut so!

Predigttext am Sonntag, 19. Juni 2016, ist Römerbrief Kapitel 14, Verse 10 bis 13.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

Über mtreiber

Matthias Treiber ist Pfarrer und Journalist. Matthias Treiber is a minister in the Lutheran Church of Wuerttemberg and journalist.
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Eine Antwort zu Unsere Schubladen sind zu klein

  1. Gertrud Schneider schreibt:

    Meinen Kommentar finden Sieauf meiner facebookseite Trudy Schneider Heilbronn. Hier habe ich es zweimal versucht. Wahrscheinlich war der Text zu lang. Ich habe Ihnen den Kommentar auch per Post zugesandt.
    Mit christlicher Verbundenheit
    Gertrud Schneider

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