Sonntagsgedanken 04-07-2021 – Besserwisser

Haben Sie schon einmal an einer Studienreise oder einer Stadtführung teilgenommen? Dann kennen Sie den Albtraum aller Fremdenführer, den Oberstudienrat, der mit dem Baedeker in der Hand hier und dort etwas berichtigt, oder die Volkshochschuldozentin, die nahezu alles besser weiß.
Das alles seien aber nur Klischees, die nicht mehr stimmen, hat mir eine Reiseleiterin kürzlich versichert. Gut so! Besserwisser können einem nämlich gewaltig auf den Geist gehen. In der Politik gibt es die leider noch massig. Leute, die die Meinung anderer nicht anhören können, sondern immer denken, der andere habe einfach noch nicht richtig verstanden und man müsse es ihm oft genug erklären.
Am schlimmsten ist dabei nicht die Unbildung, sondern die Halbbildung, die leider auch unter Journalisten und Lehrern immer mehr um sich greift. Die Klugheit der Welt, von der der Bibeltext am Sonntag spricht, ist meistens nicht klug, sondern häufig nur eingebildet – so wie der hohe Eisengehalt im Spinat, womit vermeintliche Wissenschaft jahrzehntelang Kinder gequält hat. Wirkliche Klugheit findet sich sowieso nur in unserem Herzen, wo der Glaube die Seele küsst und der Geist der Verstand beflügelt.

Predigttext am Sonntag, 4. Juli 2021, ist 1.Korintehrbrief 1, 18-25

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Sonntagsgedanken 27-06-2021 – Sei doch gnädig!

Der alte Mann saß in seinem Lehnstuhl am 85. Geburtstag. In der Familie hatte es vor Jahren Ärger gegeben – um Geld natürlich, wobei er, so weit ich es als junger Vikar mitbekam, eher das Opfer war. Er aber saß sanft lächelnd da und erklärte mir, als ich nach dem alten Streit fragte: „Wissen Sie, man wird nicht alt um recht zu haben, sondern um gnädig zu sein.“
Es ist ein Teil der Lebenskunst, gnädig zu sein. Gerade da, wo einem übel mitgespielt wurde; wo andere über einen hinweg gehen; wo andere nur an sich denken: Der Bruder, der sich das Haus als Erbe gesichert hat, die Schwester, die einem den Jugendschwarm weggeschnappt hat – man kennt solche Geschichten.
Warum schaffen es manche, Schläge wegzustecken und andere nicht? Warum können manche die, die ihnen übel mitgespielt haben, in Ruhe übersehen, während andere in Bitternis versinken? Es liegt letztlich, denke ich, am Vertrauen, das man in sich und in das Leben hat, am Wissen, dass man von Gott geliebt und geschaffen ist, am Gefühl, dass man sich die Liebe als Grundüberzeugung für das eigene Leben nicht nehmen lassen will. Es liegt am Glauben.
Predigttext am Sonntag ist der Schluss der tollen biblischen Geschichte von Josef und seinen Brüdern.

Predigttext am Sonntag, 27. Juni 2021, ist 1. Mose 50, 15-21

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Sonntagsgedanken 20-06-2021 – Verloren und geliebt

Gnädig zu sein, fällt meist nicht schwer. Wenn es nur darum geht, nach einem kleinen Fehler des anderen zu sagen „Macht nichts“, ist das kein Problem, im Gegenteil, es gibt einem oft sogar ein gutes Gefühl, andere zu entschuldigen.
Schwieriger wird es, wenn A B etwas getan hat, und B A vergibt – und ich C bin, der sich redlich abmüht, keine Fehler zu machen. Klingt kompliziert? Dann konkret, wie es Jesus in seinen Gleichnissen erzählt hat.
Ein Schaf geht verloren, spaziert einfach davon – und der Hirte lässt die restliche Herde stehen, um das eine zu suchen.
Ein schwarzes Schaf bekommt die ganze Aufmerksamkeit – und die braven Schafe sind auf sich selbst gestellt.
Das ist doch ungerecht!
Aber ist es wirklich ungerecht, wenn dem einen mehr geholfen wird als dem anderen? Ist es wirklich gerecht, wenn alle über den gleichen Kamm geschert werden? Freuen wir uns doch, wenn einer in seinem Leben Mist gemacht und und ihm nun wieder geholfen wird, sein Leben in Griff zu bekommen.
Freuen wir uns doch, wenn einem anderen etwas geschenkt wird im Leben, wenn er gesund wird und ihm geholfen wird.
Unsere Lage wird weder besser noch schlechter dadurch, dass wir darauf starren, wie anderen mehr geholfen wird als uns.
Oder wie es in einem (fälschlicherweise John F. Kennedy zugeschrieben) Zitat heißt: „Das Leben ist ungerecht. Aber vergiss nicht: Nicht immer zu deinen Ungunsten.“
Seien wir also gnädig – vor allem denen gegenüber, die Gnade brauchen.

Predigttext am Sonntag, 20. Juni 2021, ist Lukas 15, 1-10

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Sonntagsgedanken 13-06-2021 – „Bemüht euch um Liebe“

„Ohne die Liebe wäre das Leben ein Irrtum.“ – Den Satz darf nicht missverstanden werden, als ginge es dabei nur um die Liebe zu einem Mann oder zu einer Frau. Da kann es manchmal Irrtümer geben. Nein, es geht darum, dass das Leben gut und erfüllt ist, wenn man liebt – das Leben liebt,  sich selbst und die anderen.

„Wir lieben den Tod“ brüllen uns Idioten und Selbstmordattentäter entgegen. Diese Killer sind wohl das beste Beispiel dafür, dass der Satz von der Liebe stimmt. Ohne Liebe, erfüllt von Hass, Gewalt und Dummheit ist das Leben ein Irrtum, einfach: falsch geführt.

Ich denke, das lässt sich auch spüren: Wer liebt, lebt richtig. Das bedeutet nicht, dass Liebe leicht ist. Manchmal bleibt sie ohne Antwort oder man wird ausgenutzt. Aber wer anderen in Freundlichkeit begegnet – dem Bettler auf der Straße (gleichgültig, ob man ihm etwas gibt oder nicht) ebenso wie der ruppigen Dränglerin im Stadtbus, wer solchen Menschen gegenüber dennoch freundlich bleibt, der wird sich hinterher sicher besser fühlen, als wenn er der Liebe ade gesagt hätte und sein Unverständnis oder seinen Ärger einfach so rausgelassen hätte.

Alle Menschen zu lieben, geht nicht, meinen Sie? Gewiss gibt es Grenzen. Aber zunächst geht es vielleicht ganz einfach darum, nicht auf Kosten anderer zu leben, anderen gegenüber offen und für sich selbst verantwortlich zu sein und auch mal darauf achten, wie es dem anderen geht.

„Bemüht euch darum, dass euch die Liebe geschenkt wird“ heißt es am Sonntag in der Kirche. Ganz genau!

Predigttext am Sonntag, 13. Juni 2021, ist 1.Korintherbrief 14, 1-12

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Sonntagsgedanken 06-06-2021 – Hilfe, mal anders

Zum Bibeltext vom Sonntag eine kleine Geschichte:

Einst wohnte ein sehr frommer Mann am Ufer eines Flusses. Als ein Hochwasser kam, sendete die Stadt einen Jeep, der ihn und andere aus dem gefährdeten Gebiet abholen sollte. Doch der Fromme sprach: „Ich brauche keine Rettung. Gott wird mich erretten“ und blieb. Einige Stunden später war das Wasser bis in den ersten Stock gestiegen. Da kam ein Schlauchboot ans Fenster gefahren. Die Rettungskräfte forderten ihn erneut auf, einzusteigen und sich retten zu lassen. „Nicht nötig“, rief ihnen der Fromme zu, „Gott wird mich erretten. Ich bleibe.“ Das Schlauchboot fuhr davon. Eine weitere Stunde später musste der Fromme schon aufs Dach steigen. Ein Hubschrauber kam geflogen, ein Retter ließ ein Seil herab. Doch der Fromme ließ es unberührt neben sich baumeln und schrie gegen den Lärm an: „Geht. Gott wird mich erretten.“ So kam es, dass die Fluten den Frommen mitrissen und er in den reißenden Wassern zu Tode kam. Im Himmel beklagte er sich bei Gott: „Herr, ich habe so viel zu dir gebetet und an dich geglaubt. Warum hast du mich nicht errettet?“ Da blickt Gott ihn irritiert an: „Ich hab dir doch einen Jeep, ein Schlauchboot und dann sogar noch einen Hubschrauber geschickt.“

Gott hilft uns im Leben. Oft nicht so, wie wir es erwarten. Und meist schon gar nicht so, wie wir es wünschen. Aber am Ende werden wir wie Jona in der Bibel vom großen Fisch an Land gebracht – und sind gerettet.

Predigttext am Sonntag, 6. Juni 2021, ist Jona 1+2

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Sonntagsgedanken 30-05-2021 – Nur, wer sich verändert, bleibt sich treu

Ein durchaus kluger Mann hat mir vor Jahrzehnten einmal gesagt: Ab Fünfzig ändern sich Leute nicht mehr. Das klang damals plausibel, aber nun, da ich selbst diese Grenze schon lange überschritten habe, bin ich mir da nicht so sicher. Gewiss, manche Charakterzüge wie Ängstlichkeit oder Mut, Kommunikationsfreude oder Zurückhaltung, Aktivismus oder Gelassenheit, die scheinen fest zu sein. Sie sind schließlich das, was unsere Persönlichkeit ausmacht.

Dennoch: Man kann sich immer ändern. Wer selbstkritisch Fehler an sich entdeckt, muss sich eben an die Arbeit machen: Mal mutig sein, auch wenn wir uns am liebsten verkriechen würden. Mal sich zwingen, den Mund zu halten, auch wenn man mit seinen guten Ratschlägen am liebsten herausplatzen möchte. Mal neu denken und nicht nur das, was man seit 30 Jahren schon immer gemeint hat. Neugierig und offen zu sein, hat noch keinem geschadet. 

Und nur wer bereit ist, sich zu verändern, bleibt sich treu. So wie Nikodemus, von dem am Sonntag in der Predigt die Rede sein wird.

Predigttext am Sonntag, 30. Mai 2021, ist Johannes 3, 1-3

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Hilfe, wir verstehen uns nicht – Pfingsten 2021

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Pfingstfest!

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Sonntagsgedanken 09-25 2021 – Ohne Ansehen der Person

 Liebe Gemeinde,

Gott hilft ohne Ansehen der Person, heißt es. Aber Leute wie Zachäus können da eigentlich nicht gemeint sein. Denn wenn Gericht über ihn gehalten wird, ist das Urteil klar: Ein Betrüger und Verräter ist er, korrupt und nur auf den eigenen Vorteil bedacht. 

Zachäus hatte von den Römer eine Zollstation gepachtet. Zöllner waren damals keine pflichtbewussten Beamten wie heute, sondern Büttel der Besatzungsmacht. Landesverräter eigentlich und nicht sonderlich beliebt, vor allem, weil sie davon lebten, dass sie den Leuten mehr Wegezoll abknöpften, als vorgegeben. Zachäus hatte es so zu einigem Reichtum gebracht. Also arm war er auch nicht.

Oder doch? Ein armer Kerl war er, wie man so sagt. Denn es gibt natürlich wie immer auch eine andere Seite. Zachäus hatte zwei Probleme, die man nicht übersehen sollte. Zum einen mochte ihn niemand. Selber schuld, sagen wir, aber es ist wie mit der Henne und dem Ei: Mochten die Leute Zachäus nicht, weil er Zöllner war? Oder war er Zöllner für die Römer geworden, weil die anderen ihn sowieso nicht mochten – und zum Beispiel wegen seines kleinen Wuchses gemobbt haben. Das war nämlich sein zweites Problem. Er war klein. Und als eines Tages Jesus in die Stadt kam, konnte Zachäus keinen Platz an der Straße finden, wo dieser ihn sah. Und die anderen dachten nicht im Traum daran, ihn in die erste Reihe vorzulassen.

Und sehen Sie, das ist jetzt das Tolle an der Bibel. Da gibt es so völlig alltägliche Geschichten mit alltäglichen Personen. Die wurden garantiert nicht für ein heiliges Buch erfunden, sondern das ist so oder ähnlich passiert. Zachäus entspricht keinem Klischee, sondern ist ein ganz normaler Egoist. Im Dienst der Besatzungsmacht, korrupt, klein von Wuchs und reich. Also so ziemlich die letzte Figur, die man sich als Opfer ausdenken würde. Dem hilft Gott nicht, oder?

Zachäus will unbedingt Jesus sehen und da ihn niemand vortreten lässt, klettert er eben nach oben. Eine ziemlich lächerliche Vorstellung: Ein Erwachsener klettert auf einen Baum. Ein Gauner macht sich selbst zum Gespött der Leute, weil er einen heiligen Mann sehen will. Doch mit dem Verspotten macht Jesus sofort Schluss. Er wählt Zachäus aus der Menge aus und gibt ihm die Ehre seines Besuchs.

Würden Sie so etwas tun? Würden Sie ganz offen jemandem die Ehre geben, der sie in den Augen der anderen garantiert nicht verdient hat? Würden Sie einen Rechtspopulisten zu einer geselligen Veranstaltung einladen? Oder einen Obdachlosen in ihrem Hof übernachten lassen? Oder einen Kinderschänder gegen Hasstiraden in Schutz nehmen?

Ich denke, man sollte auf korrupte Verräter wie Zachäus nicht hereinfallen, aber abschreiben darf man auch solche Menschen nie. Das Gericht, von dem im Predigttext bei Jesus Sirach die Rede ist, halten nicht wir, sondern Gott am Ende der Zeiten. 

Unser Leben wird nur vom gnädigen und vergebenden Gott beurteilt, denn auch der schlimmste Verbrecher behält die Würde, die ihm sein Schöpfer verliehen hat.

Die glasklare Verkündigung des Propheten Jesus Sirach hat Jesus von Nazareth weitergedacht: Vor Gott ist jeder arm. Gott beurteilt nicht nach dem Geldbeutel, nicht nach dem leeren und nicht nach dem vollen, sondern wir sind alle Kinder Gottes und brauchen alle Hilfe, Liebe und Gnade.

Kürzlich war ich dienstlich im Krankenhaus, und es zu sehen ist etwas anderes, als es zu wissen: Völlig selbstverständlich wird dort ohne Ansehen der Person geholfen. Auf der Intensivstation liegen Menschen, die ungemein viel Hilfe brauchen und bekommen. Und da schaut keiner nach Geldbeutel oder Herkunft, oder fragt, ob der da liegt überhaupt die Hilfe verdient. Das ist gut so, und da haben wir viel von Jesus gelernt und können all denen dankbar sein, die helfen ohne viel zu fragen. Wer Hilfe braucht, soll Hilfe bekommen. 

Und zwar deshalb, weil Gott auch uns so gegenüber tritt. Er hilft dem Armen ohne Ansehen der Person, dem armen Schlucker, dem nichts seine Würde nehmen kann, und den geistlich Armen, von denen in der Bergpredigt die Rede ist. Gott hilft den laut Klagenden und den leise Weinenden. Und manchmal sogar einem Schurken wie Zachäus.

Und am Ende? Da bleibt die Liebe! Was denn sonst?

Predigttext am Sonntag, 9. Mai 2021, ist Sirach 35, 16-22a)

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Sonntagsgedanken 02-05-2021 – Schreiende Steine

 Ein Stein, der schreit. Ich habe ihn Ende November 1989 eigenhändig aus der Berliner Mauer an der Koch-Straße nahe am Checkpoint Charlie geholt. 40 Jahre lang hatte man den Menschen in der DDR den Mund verboten. Menschen, die entkommen wollten, wurden erschossen, und wer die Wahrheit über das Leben im Sozialismus aussprach, musste mit Gefängnis rechnen und damit, dass seine Kinder zur Adoption freigegeben werden. 28 Jahre lang schrieen die Steine der Berliner Mauer die Wahrheit über diese Verbrechen in die Welt hinaus, und am Ende jubelten auch die Menschen als 1989 die Grenze geöffnet wurde.

Dass sich die Wahrheit auf Dauer nicht aufhalten lässt, ist eine Grunderfahrung des Christentums, das ist spätestens am Ostermorgen deutlich geworden. Doch vorher gab es Versuche, Jesus zum Schweigen zu bringen. Er ist ganz offenkundig bei den Menschen sehr beliebt, und sein Botschaft lässt sie jubeln: Liebe soll regieren, Vertrauen soll herrschen, und keine Macht der Welt soll das verhindern. 

Wichtig ist dabei, dass Jesus das eben nicht nur sagt, sondern tut. Die Leute haben das an ihm gesehen: Lieben und Vertrauen, Aufhelfen und Heilen. Nie ist Gott den Menschen so nahe gekommen, und deshalb ist für mich ganz deutlich: Was soll Wahrheit anderes sein als das, was dieser Jesus aus Nazareth verbreitet, als er sagt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ – „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!“ – „Nehmt einander an!“

Deshalb heben ihn Menschen auf der Straße, wenn man so sagen will, in den Himmel! Sie fühlen sich befreit und trauen sich, ihm zuzujubeln, weil sie die Hoffnung haben, dass alles sich zum Besseren wendet.

Dass in Wahrheit alles besser wird, hören manche nicht gerne, denn sie haben einfach zu schlechte Erfahrungen gemacht. Pessimisten haben ja immer irgendwie recht, meinen sie. Ich finde, es ist fantastisch, dass es schon ein Jahr nach Beginn der Pandemie eine Reihe von Impfstoffen gegen Covid-19 gibt. Aber dann sagen die Pessimisten: Es gibt da doch manchmal Nebenwirkungen. 

Und noch nie in der Geschichte konnten Menschen so friedlich miteinander leben und sind so sozial miteinander umgegangen und gab es so wenig Gewalt. Nur glauben wollen das die Pessimisten nicht, dass man die Welt zu einem besseren Platz machen kann – mit Glaube, Liebe und Hoffnung. 

Jesus hatte sich damit die Mächtigen zu Gegnern gemacht, die dem Fortschritt nicht trauten – und dem naiven Gottvertrauen auch nicht. Und schon gar nicht trauten sie Jesus, der die einfachen Leute in seinen Bann zog, und den die einfachen Leute verehrten und dem sie nachfolgten.

Aber so einfach lässt sich die Wahrheit nicht unterdrücken. Sie kommt ans Licht, immer!

Der Schüler sollte das wissen, der eine schlechte Klassenarbeit zurückbekommen hat. Die Eltern fragen: „Hat die Lehrerin sie schon zurückgegeben?“ – „Nein!“, sagt er, und ich frage ich, was das soll, denn irgendwann kommt es doch heraus.

Erwachsene denken oft noch viel mehr, dass sie mit Verschweigen durchkommen: Die Frau, deren Geschäft vor der Pleite steht und die sich Geld leihen möchte, oder der Mann, der seine Frau betrügt.

Mit Verschweigen durchzukommen, glauben auch all diejenigen, die sich selbst etwas nicht eingestehen können, und das trifft uns manchmal vielleicht am stärksten, dass wir uns nicht eingestehen können, dass es etwas nicht in Ordnung ist, in unserem Leben. Es fällt uns schwer, uns einzugestehen, dass wir etwas ändern müssen und anders machen sollten, vielleicht, dass wir jetzt wirklich freundlicher, offener, ehrlicher werden sollten, weil sonst alles so mies bleibt, wie es ist. Es fällt schwer, sich aufzuraffen, dass man endlich tut, was nötig ist. Manchen fällt es schwer, sich einzugestehen, dass sie endlich Hilfe suchen und sich anderen anvertrauen müssen. Aber wer sich selbst etwas vormacht und die Wahrheit nicht eingesteht, der schadet sich selbst, denn irgendwann wird die Wahrheit ans Licht kommen. 

Aber auch das Gute kommt ans Licht. 

Es kommt ans Licht, dass das Gute richtig ist, dass es richtig ist, die Hand zur Versöhnung zu reichen und nicht nachtragend zu sein. Es kommt ans Licht, dass es besser ist, Fehler gleich zuzugeben, und sie nicht zu vertuschen. Es kommt ans Licht, dass es richtig ist, nicht nur an sich zu denken, sondern auch daran, wie es den anderen geht, mit denen ich zusammenlebe.

Es soll nicht so weit kommen, dass es die Steine schreien müssen. Jesus hat sich den Mund nicht verbieten lassen und seinen Jüngern auch nicht. Das wurde ihm übel genommen. Er wurde verhaftet und schließlich gekreuzigt. 

Doch seine Botschaft lebte weiter, mächtiger als zuvor, lebt weiter bis heute: Liebe ist stärker als der Tod. Also: Liebt einander! Du bist ein Kind Gottes! Hab also keine Angst, und sieh auch in allen anderen Menschen ein Kind Gottes! Reich deinem Widersacher die Hand! Tu anderen Gutes, und lass dir deine Freiheit von niemandem nehmen. Denn das letzte Wort über dein Leben hat nicht die Lüge, hat nicht das Unrecht, hat nicht der Tod,  sondern am Ende siegt die Liebe und am Ende siegt das Leben, das in Wahrheit ewig ist. Amen! 

Predigttext am Sonntag, 2. Mai 2021, ist Lukas-Evangelium 19, 37-40.

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Sonntagsgedanken 25-04-2021 – Sei wie du bist!

 Hier auf diesem Felsbrocken stand vor 2000 Jahren Paulus. Hier trifft das Evangelium von Jesus Christus zum ersten Mal auf die philosophisch gebildete Welt. Vorher, in Israel, da waren es eher die einfachen Leute, Bauern und Fischer, die von der Frohen Botschaft in den Bann gezogen wurden. Jetzt beschäftigten sich die Philosophen Athens mit diesem Jesus von Nazareth, der gestorben und am dritten Tag auferstanden ist. Und diese Speerspitzen des Geistes kann man eben heute noch genau lokalisieren. Sie versammelten auf dem Areopag. 

„Ihr Athener,“ sagt Paulus. „Ihr seid doch offenkundig äußerst gottesfürchtige Menschen. Wo man auch hinschaut: Götterbilder, Altäre. Religiöse Symbole. Ein Altar trägt sogar die Aufschrift: „Dem unbekannten Gott.“ Könnte das nicht das sein, was uns verbindet? An die alten Götter, Zeus und Aphrodite, glaube sowieso niemand mehr. Die Philosophen haben sich längst dem Gedanken zugewandt, dass da nur eine Macht hinter allem ist. Paulus sagt auch: Ein einziger Gott ist es, der durch viele Erscheinungen der Welt und Erfahrungen der Menschen hindurch am Wirken ist. Ein einziger Gott ist es, der uns allen das Leben eingehaucht hat. Und er ist anders und größer als alles, was wir uns vorstellen können.

Für vielen Griechen und Römer war das ein überzeugender Gedanke. Ein Gott. Bei uns glaubt fast die Hälfte, 45 Prozent der Deutschen, nicht einmal mehr an einen Gott. Das klingt für den Glauben bedrohlich, aber 69 Prozent aller Jugendlichen finden es gut, dass es die christliche Kirche gibt. Das ist ein sehr guter Wert, weil hier sich auch muslimische Jugendliche und Jugendliche ohne Konfession geäußert haben, die zusammen fast ein Drittel in Deutschland ausmachen. Glaube ist nicht „out“, weltweit schon gar nicht. Nur ist inzwischen das Betonen der Unterschiede zwischen den Konfessionen lächerlich und der Streit zwischen den Religionen ärgerlich, für mich jedenfalls.

Paulus stellt sich und seinen Zuhörern die Frage: Was verbindet uns – was ist uns gemeinsam? Die Antwort hat Thomas Jefferson für Menschen jeden Glaubens in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung formuliert: „Wir halten die Wahrheit für selbstverständlich: Dass alle Menschen vom Schöpfer gleich geschaffen wurden.“

Mein Leben habe nicht ich mir gemacht – nicht einmal meine Eltern waren das. Und dass ich der geworden bin, der ich bin, das ist unverdient. Gott hat einfach Ja! zu mir gesagt.

Dieses Ja gilt – und zwar unabhängig von uns oder von anderen. Gott sagt ja zu uns – so wie wir sind. Wir wollen und dürfen nicht immer nur an dem gemessen werden, was wir haben oder was wir leisten können. Geld und Schulnoten sind nicht das Wichtigste. Gott wollte uns also genau so, wie wir sind. „Gott liebt dich, wie du bist.“ habe ich auf einem kleinen Spiegel gelesen. Immer sollte uns das daran erinnern: Gott wollte uns so wie wir sind – mit unserer großen Nase und mit unserem manchmal zu großen Mundwerk. Mit unserem schönen Gesicht und unseren ungeschickten Händen. Mit unserer tollen Begabung und mit unser andauernden Schwäche.

Deshalb sind wir allerdings auch auf etwas angewiesen, das außerhalb unser selbst liegt. Gnade nennt das die Bibel. Wir sind gebunden an einen weiten, ja sogar einen absoluten Sinnzusammenhang, in den wir unsere Existenz inmitten dieser Welt hinein gestellt wissen. Wir brauchen von da her auch Orientierung in den gewichtigen Fragen des Lebens. Rückbindung an Werte, die wir uns nicht selber geben können – weil wir sonst gnadenlos uns selbst überlassen sind – und dem Urteil anderer natürlich auch. 

Aber hier können wir genau unser Selbstbewusstsein bekommen, wenn wir uns immer sagen lassen können: Gott liebt dich, wie du bist. Er sagt Ja zu Dir. Und ich denke, genau deshalb suchen wir Gott, suchen die Gewissheit, dass doch alles irgendwie in Ordnung ist – und dass wir mit aller Unordnung umgehen können. Wir waren schwach, wir haben versagt, sind erfolglos – na und, sagt Gott. Morgen ist ein neuer Tag – hab Vertrauen. Das ist schon okay so. Und das Chaos, all das, was uns das Leben schwer macht. Manchmal ist es nur ärgerlich, doch manchmal auch lebensbedrohlich. Hab keine Angst, sagt Gott, ich bin mit Dir.

Meine Gedanken sind zur Zeit oft im Krankenhaus. Vor zwei Jahren hatte ich dort eine lebensrettende Operation. Ein Wunder für mich, dass man den Tumor entdeckt hatte und auch noch so gut entfernen konnte. Was soll ich sagen? Gott war mit mir in diesen Tagen, so schwer sie auch waren. Der unbekannte Gott hat sich gezeigt in seinem Ja zum Leben. Christus ist auferstanden, und ich bin gerettet worden.

Und dann stellt er eine Forderung: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!“ Streitet nicht um Worte, sondern handelt in Liebe! Bei meinen Gedanken ans Krankenhaus heißt das in dieser Corona-Zeit: Unterstützt all die barmherzigen Samariter, die in den Krankenhäusern pflegen und heilen, indem hier direkte Kontakte vermeidet.

Und wie immer sagt Jesus zu uns: Seid für andere da! Nehmt Rücksicht! Sorgt für Ihren Schutz Denn Gott sorgt für uns und liebt uns. Jeden Einzelnen.

Predigttext am Sonntag, 25. April 2021, ist Apostelgeschichte 17, 22-34

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