„Nicht behindert zu sein, ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das einem täglich genommen werden kann.“ hat der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker einmal geäußert, und es hat mich gefreut, als ich dieses Zitat wieder in einer Schule am Schwarzen Brett las. Zumindest deshalb haben wir allen Grund, Mitmenschen mit Handicap nicht auszugrenzen, sondern einzubeziehen.
Peinlich laut hat ein Blinder einmal Jesus um Hilfe gebeten, so dass seine wohlmeinendem Nachbarn ihn zum Schweigen verdonnern wollten, um den „hohen“ Gast nicht zu belästigen. Aber Jesus tat genau das, was richtig war und Vorbild ist. Er wandte sich dem zu, der ausgegrenzt werden sollte.
Predigttext am Sonntag, 23. Februar 2020, ist Lukas 18, 31-43.
„Tausendmal berührt und tausendmal ist nix passiert!“ hat Klaus Lage mal gesungen, und manchmal macht es tatsächlich „boom!“. Manchmal kann man es tatsächlich anders machen. Besser, liebevoller, verantwortlicher.Die Geduld dazu, scheinen viele zu verlieren. Aber wenn man etwas für richtig hält, sollte man geduldig dafür einstehen, auch wenn nicht alle anderen gleich Hurra schreien. Mit der Nächstenliebe hatte Jesus recht – und seine Kirche nach ihm, auch wenn das häufig immer noch nicht verstanden ist. Das Gute braucht eben Zeit, und die, die dafür einstehen, ebenso.Und das natürlich nur nur, weil die anderen so langsam reagieren, sondern weil auch wir manchmal auf dem falschen Dampfersind und es bei uns dauert, bis wir etwas anders und besser machen.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! lautet eine der wichtigsten Forderungen der Gewerkschaften. Richtig so, selbstverständlich. Bei Gott oder im Leben als Ganzes, könnte man auch sagen, gelten allerdings andere Regeln, zuweilen welche, die wir nicht durchschauen und auch nicht gut finden können. Wer zwölfmal so viel tut wie ein anderer bekommt trotzdem noch genau so viel. Wer anderen Gutes tut, hat genauso viel vom Leben wir der, der sich kaum für andere rührt? Das ärgert, das kann und will man nicht verstehen.
Menschen, die Gott spielen, gibt es zu Genüge, die macht- (und meist auch geld-)gierigen Autokrat*innen ebenso wie die moralischen Besserwisser*innen, die sich im Besitz der Wahrheit glauben und über andere erheben. Und arm dran ist, wer solchen Gestalten nachläuft und sich auf sie verlässt. Denn es gibt keinen Grund, auf diese allzuirdischen Prophet*innen oder Götzen zu hören. Das hat die Geschichte immer wieder gezeigt. Und selbst im Alltag nerven uns die kleinen Götter, die sich in unser Leben einmischen oder es zumindest beurteilen wollen. Es lohnt nicht auf sie zu hören, auch wenn das zunächst verspricht, dass unsere Zweifel aufhören.
Ein weißer alter Mann und eine junge schwarze Frau, ein bunter Vogel und ein grauer Kater, eine Arme und ein Reicher, eine aus gutem Hause und einer aus dem Trailer-Park, eine kluge Ärztin und ein naiver Tropf, ein Ami, ein Syrer und ein Deutscher, Kartoffel und Kümmel, jung und alt – es ist egal, wo jemand herkommt. Wichtig ist, wo er hin will: Zur Freiheit, zur Liebe, zum Glück. Und wie er das machen will: In Glaube, Liebe und Hoffnung.
„There are no atheists in foxholes“ (Im Schützengraben gibt es keine Atheisten.) lautet ein Aphorismus des Feldgeistlichen William T. Cummings aus einem Gottesdienst während des Zweiten Weltkriegs auf den Philippinen. Und so wenig sich damit Gott beweisen lässt, so sehr bin ich auch aus eigenen Erfahrung davon überzeugt, dass in den Stunden der Not jeder auf je seine Weise sich an eine höhere Macht wendet oder daran glaubt.
Was wäre, wenn es den christlichen Glauben nicht mehr gäbe? Wie wäre eine Welt ohne Barmherzigen Samariter und den Glauben an die Gleichheit aller Menschen vor Gott? Welches Gewissen hätte man, wenn man nur sich selbst gegenüber verantwortlich ist? Eine solche Welt käme mir schreckliche vor, schrecklich einsam wären wir und nur so viel wert, wie wir leisten können oder uns andere zubilligen.
Glauben Sie an das neue Jahr? Glauben Sie, dass 2020 ein gutes Jahr für Sie wird? Ich wünsche es Ihnen jedenfalls. Glauben heißt übrigens nicht, „denken, dass“, sondern glauben heißt vertrauen (im Bibelgriechisch ist dies dasselbe Wort.) Vertrauen ich darauf, dass ich gesund bleibe? Vertraue ich darauf, dass die Menschen mir auch in diesem Jahr wohlgesonnen sein werden? Vertraue ich darauf, dass ich mit den Problemen, die dieses Jahr zweifellos auch bringen wird, so umgehen kann wie mit denen des zurückliegenden Jahres?
