24-04-2020 -Freunde

IMG_1712Das sind die Plüschtiere, die den Engländer Alan Milne zu seinem Kinderbuch Winnie the Pu inspiriert haben. Sie gehörten seinem Sohn, Christopher Robin. Und aus dem Buch „Pu – der Bär“ möchte ich Ihnen einen kleinen Absatz vorlesen:

„Heute war ein schwieriger Tag,“ sagte Puuh. Es gab eine Pause. „Willst du darüber reden?“ fragte Ferkel. „Nein,“ sagte Puuh nach kurzem Überlegen. „Ich glaube nicht, dass ich das tue.“ – „Das ist okay,“ sagte Ferkel und er setzte sich neben seinen Freund – „Was machst du da?“ fragte Puuh. – „Eigentlich nichts,“ sagte Ferkel. „Nur, ich weiß, was schwierige Tage sind. Ich habe auch oft keine Lust, an meinen schwierigen Tagen darüber zu reden.“ „Aber,“ fuhr Ferkel fort, „schwierige Tage sind viel einfacher, wenn man weiß, dass jemand für einen da ist. Und ich werde immer für dich da sein, Puuh. Und als Puuh dort saß und seinen schwierigen Tag in seinem Kopf durcharbeitete, während das solide, zuverlässige Ferkel leise neben ihm saß und seine kleinen Beine schwang… dachte er, dass sein bester Freund noch nie mehr recht gehabt hätte, als jetzt.“

Freuen wir uns an den Menschen, die zu uns halten.
Und danken wir Gott dafür.

Ihr
Pfarrer Matthias Treiber

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23-04-2020 – …wie eine Partie Schach

Ein nettes Meme macht gerade auf Facebook seine Runde: „Das Leben ist wie eine Partie Schach….“- „Ich kann kein Schach.“ Ja, da hat man etwas anderes erwartet. Aber die Einsicht muss wohl jeder mal gewinnen. Dass das Leben nicht Zug um Zug planbar ist und voranschreitet. Zum Glück. Wer will schon am Ende schachmatt gesetzt werden?

Aber so ganz stimmt das dann doch nicht. Die Regeln des Lebens kennen wir doch. Dass es besser ist, miteinander als gegeneinander zu leben. Dass das Leben Grenze hat, die wir Akzeptieren müssen. Dass Höhen dun Tiefen sich abwechseln. Und dass wir letztlich doch selbst für uns verantwortlich sind.

Deswegen gefällt mir ein anderes Zitat, das ich mal gefunden habe, besser: „Das Leben ist wie eine Partie Schach. Wir wissen nicht, was unser nächster Zug sein wird., obwohl wir wissen, wie man es spielt. Und – ganz wichtig: Wir können neue Züge lernen.“

Nichts hindert uns daran, etwas beim nächsten Zug, am nächsten Tag, besser zu machen.

Gott gebe uns den Mut und die Kraft dazu.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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22-04-2020 – Blut, Schweiss und Tränen

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Was kannst Du für Dein Land tun? – Gedenktafel am Grab von John F. Kennedy (Foto: Treiber)

Man hat ja oft gedacht, dass die Leute denjenigen Politikern hinterher rennen, die ihnen am meisten versprechen. Aber das ist nicht so, wie wir zur Zeit erleben. Vertrauen genießt die Person, die auch etwas von uns fordert: Geduld, zuhause bleiben und Rücksicht aufeinander. Und Vertrauen genießt auch der, der nicht behauptet, alles lösen zu können, oder sagt: Das wird schon wieder.

Es gibt da ein paar tolle Beispiele in der Geschichte: Winston Churchill, der seinen Briten am Beginn des Kriegs gegen die Nazis sagte, er könne ihnen nur „Blut, Mühsal, Schweiß und Tränen“ versprechen. Oder John F. Kennedy, der den berühmten Satz sagte: „Frag nicht, was dein Land für dich tun kann. Frage, was du für dein Land tun kannst.“ Die Formulierung stammt übrigens von einem Pfarrer, Georg Saint John, der Kennedys Schulleiter war. Und er klingt ja so, als sei er direkt von Jesus abgeleitet: „Was ihr von anderen erwartet, das tut ihnen.“ heißt es in der Bergpredigt.

Und genau das machen wir ja in diesen Tagen: Wir halten Abstand und nehmen Rücksicht, wir kaufen für andere ein und lassen uns nicht verrückt machen.

Gott segne uns!

Ihr
Pfarrer Matthias Treiber

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21.04.2020 – Straßenkreide

Straße auferstandenEin tolles Bild auf der Straße beim nachösterlichen Spaziergang – „Das Grab ist leer!“ steht mit Kreide auf dem Boden gemalt. – Und darüber: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden.“ Eine Botschaft, die einen überfällt. Auch außerhalb der Kirche. Mitten im Grünen auf einem kleinen Fahrweg: Die Botschaft der Auferstehung. Lange diskutieren wird man hier nicht. Man wird darüber hinweg gehen – aber nur im wörtlichen Sinne. Denn beim Weitergehen bleibt das in mir drin: Christus ist wahrhaftig auferstanden! 

Ich weiß nicht, wie! Ich weiß nicht mal, was ich mir da vorstellen soll. Am besten gar nicht Am besten nur tief in sich die Gewissheit spüren: Gott ist mächtiger als der Tod. Das Leben siegt über den Tod. Nicht jetzt, nicht gleich. Aber in der Ewigkeit. Hier bleiben: Glaube, Liebe, Hoffnung. An einem schönen Frühlingstag am Ortsrand von Sontheim.

Blieben Sie behütet.

Ihr
Matthias Treiber

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20-04-2020 – Jeder einzelne zählt

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1.767 Teile – Das Empire State Building für zuhause (Foto: Treiber)

Was man alles macht, wenn man so zuhause ist. Das Empire States Building zum Beispiel, 1.767 Teile. Ein Wochenend-Projekt. Was vorher die Städte in Norditalien waren, ist nun New York – die gewaltige Spitze der Corona-Pandemie. Und vielleicht auch eine Erinnerung daran, dass nicht alle soviel Glück haben wie wir. Nur weil bei uns nur wenige betroffen sind, sollten wir nicht denken, es sei vorbei. Im Gegenteil. Am Samstag bin erschrocken, weil bei den Todesanzeigen in der Zeitung erstmals ausdrücklich das Corona-Virus als Ursache genannt wurde.

Jeder einzelne Tod durch Krankheit ist ein unzeitiger Tod, auch wenn die Opfer vielleicht alt oder körperlich beeinträchtigt waren. Auf „Herdenimmunität“ zu setzen, klingt für mich zynisch. Jeder verdient Erbarmen. Als Lazarus in der Bibel stirbt, weint Jesus, weint Gott selbst über einen einzigen Menschen. 10.000 Menschen wohnen übrigens im Empire State Building, 25.000 arbeiten dort.  Wir sind viele, die vom Virus bedroht sind, und jeden einzelnen von uns möge Gott behüten.  

Ihr Pfarrer Matthias Treiber

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18-04-2020 – Lieferservice

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Symbolbild von Andrea Haufer-Murrweiss

Der Döner-Laden bei uns an der Ecke hat eine ganz eigene Hygienevorkehrung getroffen. Das Lokal ist abgeschlossen, aber man kann eine Handy-Nummer dort anrufen, sein Essen bestellen und es dann durch einen Schalter in Empfang nehmen. Gute Idee, das Restaurant gegenüber hat das nun allerdings aufgegeben. Das hat sich wohl nicht gelohnt.

In der Ethik gibt es dazu aktuell eine interessante Diskussion. Kann man es ethisch verantworten, sich Essen liefern zu lassen?

Der Lieferant steht vor der Frage, bleibe ich zuhause und verdiene nichts oder liefere ich und gefährde mich dadurch?

Die ethische Frage für uns Konsumenten ist, ob uns das egal ist, oder wie eine ethische richtige Entscheidung für uns aussieht. Auch wenn wir Essen abholen oder selbst Kochen und nur Zutaten einlaufen, gefährden wir andere.

Sie merken, wie man es macht, ist es verkehrt – und richtig: Wir müssen auch andere schützen und gleichzeitig sind andere darauf angewiesen, dass wir bei ihnen einkaufen.

Eine Krise zeigt immer das gleiche: Es gibt kein eindeutiges richtig oder falsch. Wir müssen uns immer irgendwie durchlavieren – und suchen, was die beste, oder die am wenigsten schlechte Lösung ist. Und versuchen, dabei gerecht und solidarisch zu sein – und es beim nächsten Mal versuchen, besser zu machen.

Gott hat nie von uns verlangt, dass wir vollkommen sind. Es genügt, wenn wir unser Bestes versuchen, gut zu sein.

Bleiben Sie behütet.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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17-04-2020 – Das Käthchen von Heilbronn

Käthchen

Käthchen-Statue von Dieter Läpple (Foto und Gestaltung: Andrea Haufer-Murrweiss)

Die berühmteste Heilbronnerin ist wohl das Käthchen von Heilbronn. Leider hat die Figur aus dem Theaterstück nichts mit meiner Heimatstadt zu tun, und die Stadt selber kann mit ihr nicht viel anfangen. Kürzlich hat jemand sogar die Statue von ihr umgefahren.

In Berlin war das einmal anders. Da hat mich das Käthchen umgehauen. 2003 muss das gewesen sein, im Deutschen Theater. Ich saß irgendwo hinten und gegen Ende, als Käthchen auf der Bühne ins Feuer gegangen ist und man denken muss, jetzt stirbt sie aus Liebe, da steht neben mir plötzlich ein jungen Mann auf und beginnt zu singen, einen Choral, zusammen mit einem Dutzend anderer Chorsänger, die sich bisher im Publikum verborgen gehalten hatten.

„Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“ Inbrünstig singt der Chor alle Zweifel weg, hat ein Kritiker geschrieben. Wer wollte da noch an der Rettung Käthchens zweifeln? Die Liebe ist stark wie der Tod. Auferstehung kann man manchmal spüren, wenn einem Musik tief durchs Innere geht. Und für einen kurzen Moment sind alle Zweifel verschwunden. Lassen wir uns das für den heutigen Tag gesagt sein: „Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie uns behüten.“

Ihr
Matthias Treiber

Und hier zum Anschauen und Zuhören:

 

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16-04-2020 – Mundschutz

2020-04-16

Nun also Mundschutz. In asiatischen Ländern ist das ja schon lange üblich, dass Menschen auf der Straße mit einem Mundschutz unterwegs sind. Schon lange vor Corona. 

Bei uns erregen solche Masken Argwohn – egal, ob radikale Demonstranten oder Frauen mit Gesichtsschleier. Wobei man ergänzen kann, dass auch manche Geistlichen riesige Bärte tragen, durch die man das Gesicht kaum noch sieht.

Wir wollen aber Leuten ins Gesicht schauen können. Das schafft Vertrauen. Denn wenn man miteinander redet, spielt nicht nur das, was wir sagen, eine große Rolle, sondern auch, welches Gesicht wir dazu machen. Non-Verbale Kommunikation. Wenn der andere eine Maske trägt, weiß ich nicht: Lächelt der jetzt oder ist er wütend, meint er das wörtlich oder ironisch? Wir Deutschen aber mögen es eindeutig, habe ich dazu in einem Artikel gelesen. Deshalb bin ich gespannt, wie das in den nächsten Wochen wird, mit Mundschutz.

Eines ist klar. Wir brauchen Vertrauen. Vertrauen, dass der andere es gut meint. Dass er mir nichts Böses will. Das sieht man anderen nicht an – und das kann man auch nicht beweisen. Um anderen zu vertrauen, braucht man schlicht und einfach: Gottvertrauen.

Gott gebe uns alles Vertrauen, das wir brauchen, und allen Mut dazu.

Ihr
Matthias Treiber

Hier können das auch anschauen und anhören:

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15-04-2020 – Höllenhunde ade

Höllenhund klein

Detail in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim (Foto: Andrea Haufer-Murrweiss)

Unsere Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim hat eine kleine Besonderheit: Höllenhunde zieren unsere Kanzel, liegen eingequetscht unter ihr. Gefährlich sind sie dennoch. Wenn man vorbeigeht, muss man aufpassen, dass man sich nicht anstößt. Kunsthistoriker halten das für reine Dekoration, aber für mich ist die Botschaft klar: Die Hölle kann uns nichts mehr antun. Der Teufel kann uns mal. Das Wort Gottes hat seine Begleiter zerquetscht.

Das ist doch ein guter Gedanke für diese Woche. Dem Bösen einfach keine Macht mehr zu geben. Die Bedrohung durch Not und Seuche und Tod bleibt. Aber deshalb sollen wir trotzdem als Gottes Kinder leben. Unser Denken sollen die Höllenhunde nicht bestimmen. Angst soll uns nicht beherrschen – auch nicht Wut oder Ärger. Sondern Glaube, Liebe und Hoffnung.

Und nach nun vier Wochen voller weitreichender Einschränkungen muss ich sagen: Wir haben uns gut geschlagen. Wir gehen gut miteinander um. Wir können stolz auf uns sein.

Seien Sie auch weiterhin vorsichtig und behütet!
Ihr
Pfarrer Matthias Treiber

Das gibt es auch als Video:

 

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14-04-2020 – Contact

2020-04-14Ist heute etwas anders? Nach Ostern ist alles ganz anders. Das Leben ist stärker als der Tod, die Hoffnung ist deshalb stärker als die Not.

Sind das nur fromme Worte? Ellie Arroway hat das erlebt – in einem wunderschönen Spielfilm. („Contact“ von Robert Zemeckis) Dort begegnet sie in einer fremdartigen Welt ihrem verstorbenen Vater. „Es ist alles ganz anders“ sagt sie erstaunt, als sie in diesem Paradies ankommt. Anders als man es sich vorstellen kann, anders als man denken kann, anders auch als befürchtet.

Ich wünsche mir, dass nach Ostern solch ein Neustart möglich wird. Dass wir uns lösen können von unseren Vorstellungen und Wünschen, von unseren Ängsten und Vorurteilen. Das neue Leben ist anders, kann anders sein: Liebevoller, hoffnungsfroher, freier. Warum? Weil Gott sagt: Du sollst leben! und: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Mein Reich ist anders.

Bleiben Sie behütet!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

Diesen Sonntagsgedanken gibt es auch auf YouTube:

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