Zwischenbemerkung: Winter is coming

GOT(ACHTUNG SPOILERALARM)

Ziemlich finster scheint es zu werden. Plötzlich sind Nazis wieder ein Thema und dazu der Antisemitismus, vor dem auch linke Kirchenkreise nicht gefeit sind. Die vernünftige, westliche Politik der Freiheit scheint zu schwächeln, während Populisten aus dem Ausland unsere Bevölkerung manipulieren. Winter is coming, nicht nur in Westeros.

Auf der anderen Seite brummt unsere Wirtschaft, und wir sehen bei einem Spaziergang in die Stadt, dass Heilbronn aufblüht wie in Jahrzehnten nicht.

Beide Seiten sind Wirklichkeit – die Frage ist, wovon wir unsere Weltsicht bestimmen lassen: Vom Dunkel oder vom Hellen, von der Angst oder von der Hoffnung?

Persönlich stellt sich oft die gleiche Frage: Sind meine Ängste so mächtig, dass sie der Hoffnung kaum noch Raum lassen? Mache ich mir andauernd Sorgen, so dass ich das Gute nicht mehr sehe?

Vielleicht muss man hier ansetzen: Das Gute sehen! Im persönlichen vielleicht die Familie und die Freunde, die einem beistehen, und im gesellschaftlichen Bereich sollte man konsequent auf die Kräfte setzen, die der Dummheit von rechts und links widerstehen.

Während Samwell Tarly in GOT für seine demokratischen Gedanken ausgelacht wird und Tyrion Lannister als Stimme der Vernunft in gelassene Ironie abgleitet, haben wir im richtigen Leben mit der christlichen Lehre der Nächstenliebe und der westlichen Aufklärung bessere Karten, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Zu recht allerdings beklagt Johannes, dass wir Menschen das Licht der Welt nicht ergriffen haben, das im Wort Gottes, in Jesus, wohnt. Es würde uns gut tun, den Fehler nicht andauernd zu wiederholen.

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Mut zum Sein

von Elke

Büste am Grab des Theologe Paul Tillich in New Harmony, Indiana.

Ich bewundere mutige Menschen: die Feuerwehrleute, die im April dieses Jahres, um den Brand von Notre Dame zu löschen, zu den Türmen hinaufkletterten, die amerikanischen Soldaten, die im April 1945 Heilbronn von der Nazi-Pest befreit haben, die Frauen, die den übergriffigen Machos Einhalt gebieten. Vermutlich kommt meine Bewunderung daher, dass ich mir nicht sonderlich mutig vorkomme, sondern oft eher ängstlich und schwächlich.

Dabei steht der Kampf gegen die Angst ganz oben auf der Agenda Jesu: „Ich habe die Angst überwunden,“ sagt er, und meint damit nicht nur seine, sondern auch meine. Von außen auf einen Balkon klettern um eine Katze zu retten, würde ich dennoch nicht tun. Aber mutiger leben, nicht immer ängstlich sein, sondern vom Tag Gutes erwarten und mir zutrauen, die Probleme, die kommen, zu meistern, das würde ich von mir erwarten.

Der Theologe Paul Tillich hat den Glauben als „Mut zum Sein“ verstanden. Wer glaubt, weiß, dass er leben darf, auch wenn er manchmal versagt; dass er geliebt ist, auch wenn die Welt gegen ihn zu sein scheint, dass er gelassen und offen in die Zukunft gehen kann, denn Jesus hat die Angst davor überwunden.

Predigttext am Sonntag, 26. Mai 2019, ist Johannes-Evangelium 16, 23b-28+33

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Tears in Heaven

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Fenster für die Kilianskirche von Xenia Hausner (Entwurf)

Es gibt Songs, die ich nicht vergessen kann, wie (There’ll be no more) tears in heaven, bei dem mir heute noch die Augen feucht werden, wenn ich ihn höre. Eric Clapton hat die Ballade für einen Film im Jahre 1992 geschrieben, aber eigentlich hat er darin die Trauer über den Tod seines vierjährigen Sohnes bearbeitet, der ein Jahr zuvor aus einem Hochhausfenster gefallen war. Unvorstellbar, damit leben zu müssen! Wie soll es danach weitergehen? Wie soll man aus dem Gefängnis von Trauer und Schuld herauskommen?

Clapton erzählt in dem Lied von einem Weg, den so ähnlich wohl viele gehen, die von Leid getroffen sind. Er leidet am Verlust und fragt sich, ob sein Sohn ihn wohl im Himmel wieder erkennen würde. Zugleich ist er sich klar, dass er mit dem Verlust weiterleben muss. Alleine aus dieser Erkenntnis kann so etwas wie Kraft wachsen. Und aus der Gewissheit, dass es im Himmel keine Tränen gibt. Danach, und das berührt mich am meisten, kommt noch einmal die erste Strophe. Die Gewissheit, dass es im Himmel keine Tränen geben wird, ist eben kein Happy End und auch keine billige Vertröstung, sondern ein Glaube, der nicht von dieser Welt ist. Im Himmel sind wir noch nicht, das Leiden bleibt – aber die Hoffnung wächst, dass es Befreiung von allem Elend gibt, die von jenem Ort zu uns kommt, wo es keine Tränen gibt. Die Gefängnistore von Angst und Schuld werden sich öffnen und wir werden Lieder anstimmen, die uns trösten und dankbar sein lassen.

Predigttext des kommenden Sonntags, 19. Mai 2019, ist Apostelgeschichte 16, 23-34.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Weisheit auf dem Mond

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Astronaut Buzz Aldrin (Foto: NASA/gemeinfrei)

Buzz Aldrin, der zusammen mit Neil Armstrong als erster auf dem Mond gelandet ist, wird in den Verfilmungen meist als äußerst selbstbewusster und zeitweilig auch überheblicher Astronaut dargestellt. Im Rahmen seiner Doktorarbeit hatte er am berühmten MIT die komplizierten Flugmanöver entwickelt, die die Raumfahrt erst möglich machten. Die Landung auf dem Mond, bei der er zu seinem großen Bedauern nicht als erster aussteigen durfte, war der alles bestimmende Höhepunkt seiner Lebens.

Wochen später gefragt, was ihm einfalle, wenn er daran denke, zitierte er überraschenderweise die Bibel, Psalm 8: „Wenn ich sehe die Himmel, was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“

Das ist der Schritt von der Bildung und dem Wissen zur Weisheit: Seine Grenzen kennen, die darin bestehen, dass man nicht weiß, woher man kommt und wohin man geht, sondern darauf zu vertrauen, dass die göttliche Weisheit den rechten Weg weist.

Predigttext am Sonntag, 12. Mai 2019, ist Sprüche 8, 22-36.

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Moralisten und Besserwisser

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Altes Bild – guter Maßstab: Den guten Hirten erkennt man an seiner Haltung. (Foto: lizenzfrei)

Kürzlich musste ich überraschend drei kleine Teile in einem Laden kaufen. Da ich keine Tasche dabei hatte, fragte ich höflich nach einer kleinen Papiertüte. Die strenge Dame hinter dem Tresen, die mich nicht umsonst an eine Oberstudienrätin meiner Schulzeit erinnerte, blaffte mich nur streng an: „Sie sind doch eh‘ mit dem Auto da!“ (was nicht stimmte) und mir dann einen Vortrag über Plastikmüll hielt (was mit der Papiertüte nichts zu tun hatte). Weia!

Leute, die einem sagen wollen, wo es lang geht, gibt es genug, finde ich. Moralisten haben heute Hochkonjunktur und Besserwisser rücken einem auf die Pelle, egal ob es um den eigenen Lebensstil geht oder das, was man isst.

Andererseits lasse ich mir von kompetenten und liberalen Menschen gerne für mein Leben Ratschläge geben, denn manchmal ist man darauf angewiesen. So wie auf den guten Hirten, als den Jesus sich bezeichnet. Er nennt übrigens ein klares Merkmal, mit denen man einen „guten Hirten“ von moralisierenden Besserwissern unterschieden kann: Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.

Wer nicht bereit ist, zu dienen statt zu herrschen, sollte die Ratschläge, die er für andere hat, lieber für sich behalten.

Ihr

Matthias Treiber

Predigttext am Sonntag, 5. Mai 2019, ist Johannes-Evangelium 10, 11-16

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Bedroht und trotzdem fröhlich

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Bedroht und trotzdem fröhlich? Das Osterlamm macht es vor (Foto: iStock)

An die Liebe glauben – obwohl man gerade alleine ist? Glauben, dass alles gut wird – obwohl man gerade im Krankenhaus auf das Untersuchungsergebnis wartet? Glauben, dass all der Mist bald ein Ende hat – obwohl man gerade bis zum Hals drinsteckt? Das fällt alles furchtbar schwer. Glauben, obwohl man nichts sieht, was ihn begründen könnte.

Doch dann versteckt sich hinter all dem Belastenden irgendwo das Gefühl, dass man das Schwere nicht auf sich belassen will. Man spürt die trotzige Gewissheit, dass da doch etwas sein muss, ein Sinn, ein Halt, eine neue Möglichkeit. Dass all die bösen Mächte, die einem das Leben schwer machen, am Ende nichts zu sagen haben.

Vielleicht wird so Ostern für uns zur Wirklichkeit: Nichts muss so schlimm bleiben, wie es ist. Keine Bedrohung soll uns die Freude am Leben nehmen.

Predigttext am Ostersonntag, 21. April 2019, ist Johannes 20, 11-18.
Predigttext am Ostermontag, 22. April 2019, ist Jesaja 25, 6-8.
Predigttext am Sonntag, 28. April 2019, ist 1. Petrus 1, 3-9.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonn- und Feiertag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Leidenszeit

woman in depression

Foto: iStock

Dass Menschen leiden, braucht uns niemand zu erzählen. Lebensbedrohliche Krankheiten, tödliche Unfälle, seelische Nöte sind allgegenwärtig. Wir müssen uns nur umschauen, wenn wir nicht gar, Gott bewahre!, selbst davon betroffen sind.

Ist Leiden nun ein Zeichen, dass man Pech hatte, versagt hat oder einem einfach die Götter nicht wohlgesonnen sind?

Mir hilft keiner dieser Gedanken, sondern nur der christliche: Dass wir Gott gerade in den dunklen Stunden nahe sind und gehalten werden, wo wir nicht mehr weiter wissen.

Nach Karfreitag wird Ostern kommen – wunderbar!

Predigttext an Karfreitag, 19. April 2019, ist Johannes 19, 16-30

Pfarrer Treiber predigt sonn- und feiertags um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim

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An der Seite der Schwachen

Obdachlos

Foto: Aufbaugilde

Es ist einfach schön, dass es Menschen gibt, die einen lieben. Es ist ein großes Glück, gesund zu sein, und wenn man auch noch so viel Besitz hat, dass man sich manche guten Möglichkeiten im Leben auch leisten kann, dann ist das einfach herrlich. Doch solche Glückskinder sind leider nicht alle, der eine muss jeden Cent zweimal herumdrehen, der zweite ringt mit einer bedrohlichen Erkrankung und der dritte wird von anderen gemobbt und ausgegrenzt.

Für Jesus ist unser Platz ohne Zweifel genau an deren Seite. „Zur rechten Zeit mit den Müden reden“ hatte er als Ratschlag aus dem Alten Testament übernommen. Und heute wird das auch heißen: An der Seite derer zu stehen, die keine Lobby haben, die ausgegrenzt sind und für die niemand sich groß einsetzt.

Manchmal muss man dafür – zum Glück meist nur im übertragenen Sinne – Schläge einstecken. Aber es ist und bleibt richtig, in jedem Menschen ein Kind Gottes zu sehen.

Predigttext am Palmsonntag, 14. April 2019, ist Jesaja 50, 4-9.

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Wahrheit ist nicht gleich Wahrheit

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Foto: Matthias Treiber

Ein junge Frau in einer fernen Welt. Sie hat eine abenteuerliche Reise hinter sich und begegnet nun ihrem verstorbenen Vater. Alle Ängst und Zwänge scheinen wir abgestreift und sie erkennt: „Es ist alles ganz anders.“ – Wenn Sie den Film „Contact“ noch nicht kennen, würde ich Ihnen den gerne als Vorbereitung auf die Ostertage empfehlen. Es geht darin um die Frage nach einer Wahrheit, die allem zugrunde liegt und uns dennoch verborgen ist.

Um die offenkundigen Wahrheiten – dass die Erde eine Kugel ist, Menschen auf dem Mond waren und Impfen richtig ist – streiten nur Dummköpfe. Hier ist Wahrheit tatsächlich ein richtig beschriebener Sachverhalt, und von Verschwörungstheoretikern dürfen wir uns davon nicht irritieren lassen.

Aber dass es die eine Wahrheit hinter allem gibt, Gott genannt, stellt Pilatus zwar zynisch in Frage, aber Jesus steht als persongewordene Antwort vor ihm: In der Wirklichkeit des Reiches Gottes ist alles ganz anders, als es hier aussieht, die Wahrheit liegt in der Liebe und der Tod behält nicht das letzte Wort.

Predigttext am Sonntag, 7. April 2019 ist Johannes-Evangelium 18,28 bis 19,5.

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Fakten und Erfahrungen

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(Foto: public domain)

Wenn zwei Menschen das Gleiche sehen, sehen sie nicht das gleiche. Beim Blick auf das Sportbecken im Freibad sieht der eine den Ort seiner größten Demütigung, weil er sich damals Angst hatte, vom 5-Meter-Turm zu springen und wieder die Leiter herunterstieg, während der andere den Ort seines größten Glückes sieht, weil er hier die Frau fürs Leben kennenlernt. Die Welt der Erfahrungen ist eben etwas anders als die Welt der Fakten. Und zu den Erfahrungen zählen Glaube, Liebe und Hoffnung, die sich deshalb nicht beweisen lassen, sondern nur erleben.

Wichtig ist, beides deutlich zu unterscheiden. Glauben, dass die Erde eine Scheibe ist, kann man nicht, denn das ist nur Blödsinn und leicht zu widerlegen. Aber ebenso fragwürdig wäre es, Vertrauen für sinnlos zu halten, nur weil die Fakten dagegen sprechen. Wir leben eben nicht vom Brot allein, sondern von Glaube, Liebe und Hoffnung.

Ihr

Matthias Treiber

Predigttext am Sonntag, 31. März 2019 ist Johannes-Evangelium 6, 47-51

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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