Menschen, die Gott spielen, gibt es zu Genüge, die macht- (und meist auch geld-)gierigen Autokrat*innen ebenso wie die moralischen Besserwisser*innen, die sich im Besitz der Wahrheit glauben und über andere erheben. Und arm dran ist, wer solchen Gestalten nachläuft und sich auf sie verlässt. Denn es gibt keinen Grund, auf diese allzuirdischen Prophet*innen oder Götzen zu hören. Das hat die Geschichte immer wieder gezeigt. Und selbst im Alltag nerven uns die kleinen Götter, die sich in unser Leben einmischen oder es zumindest beurteilen wollen. Es lohnt nicht auf sie zu hören, auch wenn das zunächst verspricht, dass unsere Zweifel aufhören.
Weil wir im Leben immer wieder an Grenzen stoßen, brauchen wir Hoffnung. Ohne die Zuversicht, dass etwas anders oder gottseidank besser werden kann, möchte ich nicht leben und könnte ich nicht leben. Diese Hoffnung aber können Menschen nicht machen. Sie wird geschenkt und lässt sich erahnen. Hinter der Mauer unserer Sorgen liegt das andere,das Jenseits, die Ewigkeit, wo das Sein-Selbst – Gott – unsere Nähe sucht. Und zu uns ausstrahlt in Glaube, Liebe und Hoffnung.
Predigttext am Sonntag, 2. Februar 2020, ist Offenbarung 1, 9-18.
Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.
Ein weißer alter Mann und eine junge schwarze Frau, ein bunter Vogel und ein grauer Kater, eine Arme und ein Reicher, eine aus gutem Hause und einer aus dem Trailer-Park, eine kluge Ärztin und ein naiver Tropf, ein Ami, ein Syrer und ein Deutscher, Kartoffel und Kümmel, jung und alt – es ist egal, wo jemand herkommt. Wichtig ist, wo er hin will: Zur Freiheit, zur Liebe, zum Glück. Und wie er das machen will: In Glaube, Liebe und Hoffnung.
„There are no atheists in foxholes“ (Im Schützengraben gibt es keine Atheisten.) lautet ein Aphorismus des Feldgeistlichen William T. Cummings aus einem Gottesdienst während des Zweiten Weltkriegs auf den Philippinen. Und so wenig sich damit Gott beweisen lässt, so sehr bin ich auch aus eigenen Erfahrung davon überzeugt, dass in den Stunden der Not jeder auf je seine Weise sich an eine höhere Macht wendet oder daran glaubt.
Was wäre, wenn es den christlichen Glauben nicht mehr gäbe? Wie wäre eine Welt ohne Barmherzigen Samariter und den Glauben an die Gleichheit aller Menschen vor Gott? Welches Gewissen hätte man, wenn man nur sich selbst gegenüber verantwortlich ist? Eine solche Welt käme mir schreckliche vor, schrecklich einsam wären wir und nur so viel wert, wie wir leisten können oder uns andere zubilligen.
Glauben Sie an das neue Jahr? Glauben Sie, dass 2020 ein gutes Jahr für Sie wird? Ich wünsche es Ihnen jedenfalls. Glauben heißt übrigens nicht, „denken, dass“, sondern glauben heißt vertrauen (im Bibelgriechisch ist dies dasselbe Wort.) Vertrauen ich darauf, dass ich gesund bleibe? Vertraue ich darauf, dass die Menschen mir auch in diesem Jahr wohlgesonnen sein werden? Vertraue ich darauf, dass ich mit den Problemen, die dieses Jahr zweifellos auch bringen wird, so umgehen kann wie mit denen des zurückliegenden Jahres?

Wenn man nur wüsste, was man schenken soll. Vielleicht macht man sich zunächst einmal selbst ein Geschenk, indem man anderen etwas schenkt. „Wer zwei Hemden hat, gebe dem, der keines hat,“ rät Johannes der Täufer seinen Zuhörern. So bereitet man sich richtig auf Weihnachten, das Kommen Christi, vor, indem man löslässt und sich auf das Wesentliche konzentriert. Aber bitte: Nicht den abgetragenem Plunder von vor zwanzig Jahren spenden, sondern Sachen, die man auch selbst noch anziehen würde. Das 
