Hoffnung jenseits

2020-02-02Menschen, die Gott spielen, gibt es zu Genüge, die macht- (und meist auch geld-)gierigen Autokrat*innen ebenso wie die moralischen Besserwisser*innen, die sich im Besitz der Wahrheit glauben und über andere erheben. Und arm dran ist, wer solchen Gestalten nachläuft und sich auf sie verlässt. Denn es gibt keinen Grund, auf diese allzuirdischen Prophet*innen oder Götzen zu hören. Das hat die Geschichte immer wieder gezeigt. Und selbst im Alltag nerven uns die kleinen Götter, die sich in unser Leben einmischen oder es zumindest beurteilen wollen. Es lohnt nicht auf sie zu hören, auch wenn das zunächst verspricht, dass unsere Zweifel aufhören.

Weil wir im Leben immer wieder an Grenzen stoßen, brauchen wir Hoffnung. Ohne die Zuversicht, dass etwas anders oder gottseidank besser werden kann, möchte ich nicht leben und könnte ich nicht leben. Diese Hoffnung aber können Menschen nicht machen. Sie wird geschenkt und lässt sich erahnen. Hinter der Mauer unserer Sorgen liegt das andere,das Jenseits, die Ewigkeit, wo das Sein-Selbst – Gott – unsere Nähe sucht. Und zu uns ausstrahlt in Glaube, Liebe und Hoffnung.

Predigttext am Sonntag, 2. Februar 2020, ist Offenbarung 1, 9-18.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Wer will, ist dabei

2020-01-26Ein weißer alter Mann und eine junge schwarze Frau, ein bunter Vogel und ein grauer Kater, eine Arme und ein Reicher, eine aus gutem Hause und einer aus dem Trailer-Park, eine kluge Ärztin und ein naiver Tropf, ein Ami, ein Syrer und ein Deutscher, Kartoffel und Kümmel, jung und alt – es ist egal, wo jemand herkommt. Wichtig ist, wo er hin will: Zur Freiheit, zur Liebe, zum Glück. Und wie er das machen will: In Glaube, Liebe und Hoffnung.

Der christliche Glaube war seit Petrus und Paulus immer davon gekennzeichnet, dass Herkunft und Hautfarbe, sozialer Status und Geschlecht keine Rolle für ihn spielen (dürfen). Menschen dürfen nicht durch ihr Herkommen auf ihr Leben festgelegt werden. Wer leben will, wie Jesus es verheißen hat, ist willkommen und dabei. So steht es für den nächsten Sonntag in der Bibel.

Predigttext am Sonntag, 26. Januar 2020, ist Apostelgeschichte 10, 21-35.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Im Schützengraben gibt es keine Atheisten.

2020-01-19„There are no atheists in foxholes“ (Im Schützengraben gibt es keine Atheisten.) lautet ein Aphorismus des Feldgeistlichen William T. Cummings aus einem Gottesdienst während des Zweiten Weltkriegs auf den Philippinen. Und so wenig sich damit Gott beweisen lässt, so sehr bin ich auch aus eigenen Erfahrung davon überzeugt, dass in den Stunden der Not jeder auf je seine Weise sich an eine höhere Macht wendet oder daran glaubt.

Manchmal allerdings bleibt diese Hinwendung zu Gott auf halbem Wege stecken, in einer Leere, die uns Gott unendlich fern scheinen lässt. Diesem „abwesenden“ Gott ist schon Martin Luther begegnet, als seine Tochter starb und er in Verzweiflung stürzte.

„Du musst halt glauben!“ hilft da wenig. Eher schon die Zusage: „Auch wenn du gerade nicht glauben kannst, dass Gott es gut mit dir meint, so ist er in jedem Fall bei Dir. Das lass dir gesagt sein.“

Predigttext am Sonntag, 19. Januar 2020, ist Jeremia 14, 1-9.

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Zum Glück glauben

2020-01-12Was wäre, wenn es den christlichen Glauben nicht mehr gäbe? Wie wäre eine Welt ohne Barmherzigen Samariter und den Glauben an die Gleichheit aller Menschen vor Gott? Welches Gewissen hätte man, wenn man nur sich selbst gegenüber verantwortlich ist? Eine solche Welt käme mir schreckliche vor, schrecklich einsam wären wir und nur so viel wert, wie wir leisten können oder uns andere zubilligen.

Dem steht der Glaube gegenüber, dass wir alle Gottes Kinder sind, mit Fehlern und mit Würde, frei und doch mit Bezug zu dem, was jenseits von Raum und Zeit und unserer sichtbaren Welt ist.

Predigttext am Sonntag, 12. Januar 2020, ist Matthäus-Evangelium 3, 13-17.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Vertrauen 2020

2020-01-01Glauben Sie an das neue Jahr? Glauben Sie, dass 2020 ein gutes Jahr für Sie wird? Ich wünsche es Ihnen jedenfalls. Glauben heißt übrigens nicht, „denken, dass“, sondern glauben heißt vertrauen (im Bibelgriechisch ist dies dasselbe Wort.) Vertrauen ich darauf, dass ich gesund bleibe? Vertraue ich darauf, dass die Menschen mir auch in diesem Jahr wohlgesonnen sein werden? Vertraue ich darauf, dass ich mit den Problemen, die dieses Jahr zweifellos auch bringen wird, so umgehen kann wie mit denen des zurückliegenden Jahres?

Aber… wer weiß? Niemand weiß, was kommt, und niemand, wie er sich vielleicht verändert. „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“ heißt die biblische Losung für 2020. Man könnte auch beten: „Ich vertraue Dir, Gott; schenke mir dieses Vertrauen.“

Gottes Segen für 2020 wünsche ich Ihnen und ebenso Gesundheit und Glück.

Ihr
Matthias Treiber

Die Jahreslosung stammt aus Markus-Evangelium 9 Vers 24.

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Frohe Weihnacht!

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Der Stern symbolisiert die Nähe Gottes. (Foto: Treiber)

Dass das Leben manchmal im Dunkeln ist, braucht uns keiner zu sagen, so wenig wie den Hirten, die da eines Nachts bei ihren Herden saßen, als sie plötzlich einen Engelsgesang hörten, der die Welt veränderte: „Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ Gott lässt uns also nicht im Dunkeln sitzen, in Angst und Einsamkeit und mit all unserem Scheitern.

Es ist gut mit dir und deinem Leben, sagen die Engel. Es wird gut mit euch und mit eurer Welt. Die Erde wird nicht vergehen, solange Gott seine schützende Hand über uns hält. Unser Leben ist nicht verloren. Es ist zuweilen bedroht und fällt uns zuweilen schwer. Aber Gott kommt zu uns, ist mit uns, geht mit uns.

Und dann sagen uns die Engel auch: Öffne die Augen! Blicke aus deinem Herzen heraus! Sieh all das Gute, das dir widerfährt. Sieh all das Sinnvolle, das du tun kannst. Sieh all die Liebe, die wirklich ist. Sieh all die Liebe, die tätig ist. Sieh all die Liebe, die möglich ist.

Ich wünsche Ihnen eine fröhliche, selige, Gnaden bringende, und von Liebe erfüllte Weihnachtszeit.

Ihr
Matthias Treiber

Die Weihnachtsgeschichte steht in Lukas 2, 1-20.

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Ja-Sager

Frau spritzt Wasser

Einfach Ja sagen zu sich und andern:

Ja, ich mag dich. Ja, ich verstehe dich. Ja, ich vergebe dir.
Oder auch: Ja, das möchte ich. Ja, so bin ich. Ja, das habe ich gut gemacht.
Ja sagen: Zum Leben, zur Liebe und zur Freiheit.

Und zum Glauben.
Denn Gott sagt Ja zu uns. So steht es im zweiten Brief des Paulus an die Korinther.

(Eine Anmerkung möchte ich noch machen. Sogenannte „Ja-Sager“, also Menschen, die ohne eigenes Denken anderen nachlaufen, haben einen schlechten Ruf und das zurecht. Tatsächlich sind das aber in der Regel „Nein-Sager“, da sie Nein zur Freiheit sagen, Nein zum eigenen Denken und Nein zum Vertrauen in Gott, in die Zukunft und in das Gute im Menschen.)

Predigttext am 4. Advents-Sonntag, 22. Dezember, ist 2.Korinther 1, 18-22.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Schenken als Geschenk

2019-12-15Wenn man nur wüsste, was man schenken soll. Vielleicht macht man sich zunächst einmal selbst ein Geschenk, indem man anderen etwas schenkt. „Wer zwei Hemden hat, gebe dem, der keines hat,“ rät Johannes der Täufer seinen Zuhörern. So bereitet man sich richtig auf Weihnachten, das Kommen Christi, vor, indem man löslässt und sich auf das Wesentliche konzentriert. Aber bitte: Nicht den abgetragenem Plunder von vor zwanzig Jahren spenden, sondern Sachen, die man auch selbst noch anziehen würde. Das Second-Hand-Kaufhaus unserer Aufbaugilde nimmt gerne Sachen entgegen, die sich an oder für Bedürftige weiterverkaufen lassen.

Ich finde es sehr schön, dass die Spendenbereitschaft in unserem Land ungebrochen ist. Darauf, eine soziale Gesellschaft zu sein, können wir stolz sein. Begonnen hat die Nächstenliebe bei uns mit der christlichen Botschaft der Nächstenliebe, die alle Menschen in Blick nimmt, die Hilfe brauchen, nicht nur die Angehörigen der eigenen Familie oder direkten Nachbarn. Advent ist für alle da.

Falls Sie noch Geschenke suchen, ist das Second-Hand-Kaufhaus unserer Aufbaugildeübrigens auch eine interessante Adresse. Beim Stöbern dort entdeckt man oft Dinge, auf die man nie gekommen wäre.

Predigttext am 3. Advent, 15. Dezember 2019, ist Lukas 3.

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Erlösung naht!

Freedom

„Freedom“ (Sculpture by Zenos Frudakis / Philadelphia, PA / image: Treiber)

Ich bewundere Menschen, die etwas wagen – für andere, für die Freiheit. Die Passanten, die in London letzte Woche einen Terroristen überwältigten oder die Menschen, die überall auf der Welt um ihre Freiheit kämpfen. Eine der Grundbedingungen erfüllten Lebens ist es ja, erhobene Hauptes durchs Leben gehen zu können. Was braucht man, um solche Risitken für den Kampf dafür eingehen zu können? Mut, einen gewissen Leidensdruck und die Hoffnung, dass sich die Fesseln lösen.

 

„Erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!“ heißt die Verheißung des Zweiten Advents.

Gott hat jeden Menschen mit dem Recht auf Leben und Freiheit ausgestattet. Bedroht ist das allenthalben. Doch die Hoffnung, dass am Ende die Erlösung naht, verleiht einem Flügel wie Adler. Lassen wir die Menschen, die sich für Leben und Freiheit einsetzen, nicht allein! Sie hoffen und handeln auch für uns.

Predigttext am 2.Advents-Sonntag, 8. Dezember, ist Lukas 21, 25-33.

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Waffen des Lichts

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Waffen des Lichts?

Wer liebt, lebt besser! Gelassener, fröhlicher, sicherer und freier. Man kann sich in die Arme anderer auch mal fallen lassen und zusammen über Fehler lachen, kann spüren, dass andere für einen kämpfen, und bleibt nicht im eigenen Denken gefangen.

So soll es sein – auch wenn es noch nicht so weit ist, dass wir uns alle um den Hals fallen. Immerhin versprüht die Adventszeit in all ihrem Lichterglanz schon erst Hoffnung in dieser finsteren Jahreszeit: Liebe ist möglich, und wir können schon jetzt damit anfangen. „So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.“ heißt es im Predigttext für den ersten Advent. Na denn! Zünden wir also ein Lichtlein an!

Predigttext am ersten Advent, 1. Dezember 2019, ist Römerbrief 13, 8-12.

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