Sonntagsgedanken 07-05-2023 – Music was my first love

Musik ist wohl so etwas wie Teil meiner Lebensgeschichte. Vielleicht geht es ihnen auch so. Dabei spiele ich nicht mal ein Instrument. Aber es gibt Musik und Lieder, die irgendwie ein Teil von mir sind. Das ist mir letztes Jahr bewusst geworden, als ich umgezogen bin und meine alten LPs weggegeben habe. Mein erste Platte, die ich mir gekauft hatte, war ein Sampler. Darauf „Long Time Gone“ von Crosby, Stills, Nash & Young. Ja, lange ist es her. Und bestimmt war ich nicht der einzige, der damals in seinem Jugendzimmer saß und den melancholisch Texten von Simon&Garfunkel lauschte. „Bridge over troubled water“. Und erst die Lieder über Liebe und ihre Komplikationen. Die Gefühle, die einen damals umgetrieben haben, und die Musik dazu?

Was fällt Ihnen da ein? Heavy Metal, um mal so wichtig rauszubrüllen? Punk, und das ganze Elende der Welt? Oder Abba, mit den Träumen von Klarheit und Liebe? Tröstlich fand ich immer die Jungs, die sich nicht unterkriegen lassen. So wie Bob Dylan, der seine Fans immer wieder verstörte.

Musik kann nicht nur trösten, sondern auch befreien. Neue Gefühle, neue Gedanken kann man in Liedern finden. Und das Wissen, dass es viele andere gibt, denen es mit ihren Gefühlen ebenso geht. Sonst würden sie ja nicht die gleiche Musik hören.

Am Sonntag wird in der Kirche über den alten König Saul gepredigt, der in Schwermut versinkt. Bis ihn schließlich die Musik des jungen David aus dem finsteren Loch holt.

Predigttext am Sonntag, 7. Mai 2023, ist 1.Samuel 16, 14 bis 23.

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Sonntagsgedanken 28-04-2023 – Spüren, dass ich lebe

„Das Leben ist kein Ponyhof“, heißt es in der schwäbischen TV-Serie „Die Kirche bleibt im Dorf“ immer wieder, und hinter dem witzigen Bild stecken bei vielen Menschen persönliche bittere Erfahrungen: Erzwungene Abschiede, belastende Sorgen, Probleme, die nicht vergehen. Dass „Traurigkeit in Freude verwandelt“ werden wird, klingt da wie Hohn. Die Probleme bleiben doch, das wissen wir nur zu gut.

Was sich aber verändern kann, ist die Art, wie wir unsere Probleme erleben. Ein Mann, dem plötzlich die halbe Welt zusammenbrach, brachte das mir gegenüber auf den Punkt: „Sch…., das alles; aber ich spüre endlich mal wieder, dass ich lebe.“

Und vielleicht auch, wie wertvoll das Leben ist: jeder Tag, jeder geliebte Mensch, jede gute Tat. Dass Zweifel und Hoffnung, Freud und Leid zusammengehören, ist schwer zu akzeptieren. Niemand sollte uns das verübeln. Das Leben ist kein Ponyhof – aber es ist eben auch kein finsteres Loch. Das Leben ist ein Weg, der mal über blühende Wiesen aufwärts geht und manchmal durch finstere Täler führt. Ich setze jeden Tag dabei einen Fuß vor den anderen und spüren: Es ist mein Leben. Welch ein Glück, dass ich es bekommen habe!

Der Predigttext am Sonntag, 30. April 2023, ist aus dem Johannesevangelium, Kapitel 16, die Verse 16-23a

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Sonntagsgedanken 23-04-2023 – Angeber mag niemand

Arrogante Typen mag niemand. Seltsam nur, dass sie immer wieder damit durchkommen. Über den Mann mit Goldkettchen, der seinen lauten Sportwagen auf dem Gehweg vor dem Lieblingsitaliener parkt, mag man den Kopf schütteln. Seinen Stammplatz und prompte Bedienung bekommt er trotzdem.

Vielleicht liegt das daran, dass hochmütige Menschen eine unerschütterliche Souveränität ausstrahlen, die mir zum Beispiel abgeht. Ohne Selbstzweifel ist eben manches einfacher. Oder doch nicht? Wie eingangs geschildert, fehlt den Hochmütigen etwas Wichtiges: Man mag sie nicht.

Die Unsicheren („demütig“ nennt man sie kaum noch) dagegen können damit rechnen, dass man gnädig mit ihnen umgeht, oder sollten jedenfalls damit rechnen können. Manches können wir gut, aber in manchem sind wir schwach und machen Fehler, und wer das weiß, fährt besser – auch in einem Sportwagen.

Predigttext am Sonntag, 23. April 2023, ist 1.Petrusbrief 5, 1-5

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Sonntagsgedanken 16-04-2023 – Nächtliche Dämonen

„Und welche Dämonen verfolgen dich in der Nacht?“ fragt der Attentäter den Polizisten, der ihn jagt. Und trifft damit einen Punkt. In dem Klassiker „In The Line of Fire“ bringt die Erinnerung an eigenes Versagen Clint Eastwood um den Schlaf. Vielleicht kennen Sie auch solche nächtlichen Gedanken, Dämonen, Alpträume, die einen verfolgen. Kämpfe, die in uns selbst stattfinden.

Keiner will das, wie gerne würden wir in Ruhe schlafen, aber die Vergangenheit holt uns ein.

Wie Jakob, der am Fluss Jabok eine ganze Nacht gegen einen Unbekannten kämpft. Kämpft er gegen seine Schuld, den Diebstahl und Betrug, den er begangen hat? Jedenfalls lässt es ihn nicht los. 

Bis am Morgen die Sonne aufgeht und der Unbekannte fliehen will. Da hält Jakob ihn: ich lasse dich nicht, du segnest mich denn! 

Vielleicht ist das die richtige Art, mit unseren nächtlichen Gedanken umzugehen. Nicht immer im Kreise drehen, nicht immer zu verdrängen versuchen – sondern sie festzuhalten und aus ihnen das zu gewinnen, was uns von ihnen befreit: Lehren für unser Leben, Segen für das, was möglich ist und kommt.

Predigttext am Sonntag, 16. April 2023, ist Genesis 32, 23-32.

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Ostergedanken 09-04-2023 – Auferstehung

„Wenn sie an die Ewigkeit glauben, ist Ihr Leben hier auf Erden unbedeutend“, meint TV-Arzt Dr. House gegenüber einer schwer traumatisierten Patientin. Glauben ist für ihn Weltflucht, der Glaube an die Auferstehung allemal. Doch die Patientin hält dagegen: „Wenn sie nicht an die Ewigkeit glauben, ist das was Sie tun unbedeutend.“

Genau darum geht es in der Auferstehung. Es ist der Glaube, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern die Aufhebung der Endlichkeit in die Ewigkeit. Wenn es diese Ewigkeit mit und für uns nicht gibt, ist tatsächlich alles unbedeutend, was wir in unserem endlichen Leben sind oder tun.

Ganz prägnant habe ich das von einer Person gehört, die ein Kind verloren hatte und dann meinte: Bisher habe ich nicht an den Himmel geglaubt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich meinen Sohn nicht wiedersehe.

Vielleicht bringt uns das Ostern nahe: Zu spüren, dass wir uns ein Leben ohne Auferstehung nicht vorstellen können und nicht vorstellen möchten.

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Sonntagsgedanken 02-04-2023 – Leidenszeit

Dass Menschen leiden, braucht uns niemand zu erzählen. Lebensbedrohliche Krankheiten, tödliche Unfälle, seelische Nöte sind allgegenwärtig. Wir müssen uns nur umschauen, wenn wir nicht gar, Gott bewahre!, selbst davon betroffen sind.

Ist Leiden nun ein Zeichen, dass man Pech hatte, versagt hat oder einem einfach die Götter nicht wohlgesonnen sind?

Mir hilft keiner dieser Gedanken, sondern nur der christliche: Dass wir Gott gerade in den dunklen Stunden nahe sind und gehalten werden, wo wir nicht mehr weiter wissen.

Nach der Karwoche wird Ostern kommen – wunderbar!

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Sonntagsgedanken 26-03-2023 – Erlösung

Wie kann es Erlösung aus der Not geben und Hoffnung in allem Leid? Die theologische Begriffe mögen alt klingen, worum es dabei geht, ist dies allerdings nicht. Das zeigt zum Beispiel der Film „Room“, für den die Hauptdarstellerin verdient einen „Oscar“ bekam.

Eine junge Frau wird seit Jahren in einem Raum gefangenen gehalten und hat dort einen inzwischen fünfjährigen Sohn zu Welt gebracht. Trotz allen Elends und des Missbrauchs durch den anonymen Entführer versucht sie, dem Jungen einen gute Kindheit zu bieten und ihn zu einem mutigen Menschen zu erziehen. Als Zeichen seiner Stärke lässt sie ihm nach dem Vorbild des biblische Samson die Haare wachsen,

Mehr soll hier nicht verraten werden, aber es ist eindrücklich, wie diese Geschichte von Not und Hoffnung erzählt und immer mehr um die Frage von Schuld und Verzweiflung kreist. Jenseits alles Bösen gibt es eine Erlösung – und deshalb ist Hoffnung kein Irrtum.

Predigttext am Sonntag, 26. März 2023, ist Hebräer 5, 7-9.

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Sonntagsgedanken 19-03-2023 – Heilt die Zeit alle Wunden?

Dass die Zeit alle Wunden heilt, ist ein Märchen. Narben bleiben immer, das sagt uns die Lebenserfahrung. Aber diese Narben haben uns zu denen gemacht, die wir sind. Das war manchmal schmerzhaft, manchmal hat es uns aber auch so weitergebracht, dass wir die Schmerzen von früher vergessen. Wären wir wirklich mit unserer ersten großen Liebe, aus der damals nichts wurde, glücklich geworden? Hätten wir den Erfolg der erträumten Stelle in der Firma genießen können, oder wären wir noch mehr in der beruflichen Mühle drin als heute schon? Und so schrecklich die Tage voller Ungewissheit damals im Krankenhaus waren, sind wir dadurch nicht um Vieles reifer geworden? Ist unser Leben dadurch vielleicht sogar vertieft und verbessert worden?

Leid bedrängt und macht einen fertig, die alltäglichen Nöte ebenso wie die Schicksalsschläge, die uns mit voller Wucht treffen. Dass uns das vielleicht sogar weiterbringt, können wir in solchen Situationen nicht glauben.

Deshalb ist die wichtigste Erfahrung zunächst vielleicht diejenige, dass man Leid überstehen kann, dass Gott treu ist, wie es im Bibeltext des Sonntags heißt, und dass am Horizont die Verheißung steht, dass am Ende Licht steht, nicht Finsternis.

Predigttext am 19. März 2023 ist Jesaja 54, 7-10.

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Sonntagsgedanken 12-03-2023 – Nächtliche Gedanken

Kennen Sie das auch? Man wacht nachts auf und dunkle Gedanken umgeben einen. Sorgen und Ängste und vor lauter Grübeln kann man nicht wieder einschlafen. Das liegt daran, dass um drei Uhr nachts die Melatonin-Konzentration in unserem Körper am höchsten ist. Da fehlt die Lebendigkeit unserer anderen Hormone – sagen die Biologen und Mediziner. 

Das zu wissen – hilft einem das? Zu wissen, dass hinter unseren Gefühlen oft Hormone stecken, die Schlimmes schlimmer machen. Vielleicht hilft es wirklich, zum nächtlichen Grübeln einmal Stopp! zu sagen. „Lasst ab!“ sagt Jesus, als er nächtens verhaftet wird und seine Freunde ihn mit Gewalt verteidigen wollen. Lasst ab ihr dunklen Gedanken. Manchmal muss man sich vielleicht einfach seinem Schicksal stellen. Nicht, indem man nachts grübelt, sondern indem man am Tag auf seine innere Kraft vertraut.

Predigttext am Sonntag, 12. März 2023, ist Lukas 22, 47-53.

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Sonntagsgedanken 05-03-2023 – Lebenslügen

Das unangenehme an Lebenslügen ist, dass man sie lange aufrecht erhalten kann: das eigene, unmögliche Verhalten, die Überheblichkeit und Unversöhnlichkeit. Egal wie falsch man offenkundig liegt, man kann gute Ratschläge ignorieren, man kann den besorgten Freunden aus dem Weg gehen und vielleicht sogar die von sich stoßen, die einen doch lieben. Warum man das tut? Vielleicht, weil es bequemer ist, im Falschen zu leben, als sein Leben auch einmal in Frage stellen zu lassen.

Am Ende allerdings sind noch alle Lebenslügen zerbrochen.

Und diejenigen, über die man sich vielleicht zuvor in seiner Überheblichkeit lustig gemacht oder die man ignoriert hat, sind dem wahren Leben doch näher als man selbst. „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden“, heißt es in der Predigt des kommenden Sonntags.

Predigttext am Sonntag, 5. März 2023, ist Markus 12, 1-12.

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