Hören und Handeln

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Nur Roboter denken nicht, bevor sie handeln….. (Foto: privat)

Was ist besser: Etwas tun oder auf etwas hören? Darum geht es im Bibeltext am nächsten Sonntag. Man könnte auch fragen: Sind wir das, was wir tun, oder das, was wir glauben?

Ich habe, ehrlich gesagt, etwas gegen Leute, die große Worte mit sich herumtragen – Liebe, Solidarität, Toleranz – und sich benehmen, als wollten Sie das Gegenteil erreichen. Jesus hatte da schon recht. Die rechte Überzeugung macht noch keinen guten Menschen aus. Der barmherzige Samariter hat gezeigt, wie es geht: Helfen, wo Hilfe nötig ist.

Andererseits müssen wir auch wissen, was wir wollen. Und auch wer wir sind. Handeln ohne vorher nachzudenken, kann auch falsch sein. Zum Beispiel, wenn man sich zu viel vornimmt und selbst überfordert. Und wenn man das merkt, dann womöglich nur Forderungen an andere stellt.

Gelassenheit ist eben auch eine Tugend wie die Einsicht in die eigenen Grenzen. Zuhören ist dann gefragt, wenn jemand uns an unsere Grenzen erinnern muss – und Tun ist gefragt, wenn wir wissen, was wir wollen: Soweit wir können anderen das Leben ein bisschen besser zu machen.

Ihr
Matthias Treiber

Predigttext am Sonntag, 3. März 2019 ist Lukas 10, 38-42.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Eine Kapitalistin, die Schnecken tötet

Philippi - Taufstelle der Lydia

Die legendäre Taufstelle der Lydia (Foto: Treiber)

Ich mag es, wenn es bunt zugeht, wenn Menschen unterschiedlich sind und jede Schublade sprengen, in die Kleingeister sie sperren wollen. Und Christ bin ich deshalb auch besonders gerne, weil das in der Bibel laufend passiert, dass Vorurteile einfach unterlaufen werden. Wen würde man zum Beispiel als ersten europäischen Christenmenschen vermuten? Ein römischer Gladiator in Griechenland wäre ganz cool und ein armer Bettler in Korinth ließe sich als erster Christ heute gut in der Öffentlichkeit verkaufen. Aber die Bibel treibt keine PR, sondern benennt es, wie es ist: Lydia lässt sich als erster europäischer Mensch taufen, eine Frau und noch dazu eine selbständige und reiche, die mit Purpur handelte. Ein PR-Berater hätte das Paulus gewiss nicht so empfohlen.

In einer Männerwelt präsentiert das Christentum eine Frau als ersten Christenmenschen in Europa und stellt sie uns als Kapitalistin vor, die Schnecken tötet! Verzeihen Sie, das ist nur spaßige Überzeichnung. Aber ernst ist es mir damit, dass wir Menschen aufgrund von äußeren Merkmalen (Frau, reich, Händlerin – oder auch Ausländer oder arm oder unsympathisch oder unrasiert) nicht in Schubladen stecken sollten. Ob Menschen gläubig, hoffend und liebevoll sind, hat in der Regel wenig mit Geld zu tun – und mit dem Geschlecht oder der Hautfarbe schon gar nicht.

Predigttext am Sonntag, 24. Februar 2019, ist Apostelgeschichte 16, 9-15.

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Ein Lob dem Mittelmaß

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Aristoteles lobte das Mittelmaß – aber nur wenn es um Charaktereigenschaften geht. (Foto: wikicommons / gemeinfrei)

Mit am schlimmsten sind wohl die Menschen, die gut und gerecht sein wollen – koste es, was es wolle; die andere dauernd korrigieren und belehren, den Nachbarn auf seine Fehler hinweisen und fünf niemals gerade sein lassen. Das richtige Maß zum Guten ist immer das Mittelmaß. Das lehrte schon der Philosoph Aristoteles und so steht es auch im Predigttext des kommenden Sonntags: „Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest.“ (Eine Freibrief für Dummheit und Unfairness ist das übrigens nicht. Gleich danach steht nämlich „Sei nicht gottlos und sei kein Narr!“)

Und warum ist Fanatismus auch im Guten schädlich? Weil man sich dadurch selbst zu Gott macht, zu jemanden, der über den Zweideutigkeiten des Lebens ebenso steht wie er moralisch über die anderen erhaben ist. In der Politik sind Moralisten sowieso ein großes Übel, und im Alltag ein Ärgernis. Es genügt, auch das steht in der Bibel, wenn man sich so gut es eben geht an Gott hält ohne sich als kleiner Besserwisser aufzuspielen.

Predigttext am Sonntag, 17. Februar 2019, ist Prediger Salomo (Kohelet) 7, 15-18.

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Das Heilige

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Kirche als Ort der Begegnung mit dem Heiligen? – Detail aus der Matthäuskirche Sontheim (Foto: Treiber)

„Das Käthchen von Heilbronn“ in einer wundervollen Inszenierung in Berlin vor vielen Jahren: Käthchen stürzt in das brennende Haus, scheint verloren – und dann steht der junge Mann neben mir zusammen mit einem Dutzend anderer auf, die offenbar keine Besucher, sondern Mitglieder des Ensembles sind, und singt die Worte aus Psalm 91 „…. denn er hat seinen Engeln befohlen über dir“ mit der wunderbaren Melodie von Felix Mendelssohn-Bartholdy. (https://www.youtube.com/watch?v=40CnTO3EJHw)

Das Bibelwort gehört zu den beliebtesten Taufsprüchen, die Eltern aussuchen. Es ist wohl der Wunsch nach Geborgenheit in einer manchmal schönen und manchmal gefährlichen, aber immer unsicheren Welt. Selbst „religiös unmusikalische“ Menschen sitzen dann in der Kirche berührt vor dem Altar, hören die Worte der Taufe oder in einem Kirchenkonzert das Oratorium von Mendelssohn.

Irgendwo da, wo wir von etwas berührt werden, dass uns über Unsicherheit und Bedrängnis hinaus führt, wo wir uns gehalten und gestärkt fühlen, da muss das Heilige sein, da ist Gott, der mit uns ist alle Tage bis an der Welt Ende. In der Kirche kann man das spüren – und manchmal sogar in einem Theater in Berlin.

Predigttext am Sonntag, 27. Januar 2019, ist 2. Mose 3, 1-15.

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„Nehmt einander an, ihr schrägen Vögel!“

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Genau so! (Foto: iStock)

Die Bekannte, die immer wieder mit einem neuen Typen ankommt, der Jugendliche, der nach dem Abitur erstmal gar nichts macht und danach überlegt, was er vielleicht tun will, der Nachbar, der nie zuhause ist, oder die Freundin, die die Haare jetzt giftgrün trägt und sich auch so verhält – ich nenne solche Leute „schräge Vögel“ (Bin mir allerdings unsicher, ob das politisch korrekt ist.) Ein gewisse Bewunderung schwingt in meiner Bezeichnung dabei durchaus mit für Leute, denen es zunächst einmal egal ist, was andere von ihnen denken, und die einfach ihren Weg gehen.

Solche „schrägen Vögel“ erinnern auch daran, dass es uns Menschen nicht nur in bunter Vielfalt und Lebensstilen gibt, sondern dass Gott das auch so gewollt hat. Schon im Stall zu Bethlehem versammelt sich beim Krippenspiel eine bunte Schar von suspekten Naturburschen bis hin zu würdevollen Königen vor einer jugendlichen Maria, die mit einem alten Mann verheiratet ist. (Ob das historisch genauso war, wissen wir nicht, aber es wird so jedenfalls gerne so dargestellt.)

Gott nimmt uns alle an, wie wir sind. Deswegen sei auch in der Kirche ein Loblied auf die Vielfalt gesungen: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat!“

Predigttext am Sonntag, 16. Dezember 2018, ist Römerbrief 15, 4-13.

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Ist Hoffnung von Übel?

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Die Büchse der Pandora – Symbol des Ursprungs allen Übels. (Foto: MT)

Vielleicht kennen Sie die Büchse der Pandora, eine Kiste, von der die griechische Mythologie erzählt. Sie wird aus Versehen von einem Mann geöffnet, und daraufhin verbreiten sich alle Übel der Welt: Krankheiten und Leid. Der Mann schließt die Kiste schnell wieder, so dass etwas zurückbleibt: Die Hoffnung.

Ist Hoffnung also auch ein Übel? Der Mythos ist hier widersprüchlich, so widersprüchlich, wie auch die Hoffnung ist. Die einen erzählen, dass Pandora die Büchse dann noch einmal öffnet, so dass nach all dem Übel auch die Hoffnung in die Welt kommt. Später ist für den Philosophen Friedrich Nietzsche Hoffnung das schlimmste aller Übel, weil es verhindert, dass wir die Welt so akzeptieren, wie sie ist.

Was meinen Sie: Ist Hoffnung also ist ein fragwürdiges Geschenk?

Ich möchte da widersprechen. Kein Mensch kann doch ohne Hoffnung leben. Einem Menschen, der der Verzweiflung nahe ist, die Hoffnung zu nehmen, ist doch das Schlimmste, was man ihm antun kann. Und vielleicht ist Hoffnung sogar das Red Bull der Seele: Hoffnung verleiht Flügel. Sie weckt Sehnsüchte und Träume und macht, dass wir ihnen nachgehen.

Hoffnung betäubt nicht, sondern belebt.

Predigttext am Sonntag, 9. Dezember 2018, ist Jesaja 35, 3-10.

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Ein Lob der Lächerlichkeit

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Erträgliche Leichtigkeit durch Lächerlichkeit (Foto: wikicommons/lizenzfrei)

Sie kennen vielleicht die Fotoshootings, für die man als Tourist auf einen Esel gesetzt wird. Ich weiß nicht: Ein Elefant oder Kamel mag ja noch exotisch-imposant sein, aber ein Esel wäre mir peinlich, zumal es dem Tier mit meinem Gewicht auch nicht gut ginge. Aber ich denke da eher an mich, wie lächerlich das aussehen würde; dann lieber zu Fuß.

Oder darf man als Erlöser lächerlich auf einem Esel daherkommen? Muss man vielleicht sogar? Wenn ich an die inzwischen allgegenwärtigen religiösen Fanatiker denke, die mit ihrem ernsthaften „Glauben“ zu einer Seuche der ganzen Welt geworden sind, weiß ich, dass Erlösung nur in der Leichtigkeit liegen kann, im Humor, in der Gelassenheit. All das zeigt sich in der Fähigkeit, über sich selbst lachen und sein Erscheinungsbild lächeln zu können. Und sich eher kleiner als groß zu machen.

Jesus kam auf einem Esel nach Jerusalem geritten und die Leute haben ihn wie einen König empfangen. Ich bin sicher: Man hat damals gelächelt bei aller Freude über den Erlöser.

Predigttext am 1. Adventssonntag, 2. Dezember, ist Matthäus-Evangelium, Kapitel 21, Verse 1 bis 11.

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Gedanken zum Totensonntag

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Am 25. November ist Totensonntag (Foto: iStock)

Wozu Kirche und Religion gut sind? Vielleicht auch dazu, dass sie sich dem Thema Leid und Tod stellen. Niemand redet davon gerne oder denkt gerne daran, aber das, was im Leben an Finsternis möglich ist, zu ignorieren, ist genauso wenig sinnvoll, wie auf Allgemeinplätze zurückzugreifen. Immerhin kann man der Religion zugute halten, dass sie sich seit tausenden von Jahren dem Thema stellt und es durchdacht hat. Und dass Menschen dadurch Trost gefunden haben, der ihnen Leben ermöglichte. Darauf kann man auch selbst aufbauen.

Niemand weiß, was nach dem Tod kommt, und niemand kann beweisen, dass das Leben sinnvoll ist. Aber der gläubige Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal hat zu einer Wette eingeladen, deren Ergebnis deutlich macht, dass es in jedem Fall sinnvoller ist, zu glauben, als nicht zu glauben. Wer glaubt mag sich täuschen, aber er führt in jedem Fall ein erfülltes Leben. Wer nicht glaubt, mag am Ende recht haben, aber ein Leben zu führen, das ich als sinnlos empfinde, möchte ich mir nicht vorstellen müssen.

Das macht Leid nicht leichter und den Tod nicht erträglicher – aber es hält einen fest, wenn alles wankt. Es ist gewiss, dass weder Tod noch Leben uns vom Grund unseres Seins, von Gott trennen können.

Predigttext am Ewigkeitssonntag, 25. November 2018, ist Jesaja 65, 17-25 (in Auszügen).

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Kein Boden unter den Füßen

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November-Feeling (Foto: Treiber)

Alles gut heute? Ich hoffe, Sie können dazu ja sagen. Der November mutet uns uns allerdings auch dunkle Gedanken zu, Wege zum Friedhof wie auch den Herbstblues, wenn es morgens noch dunkel ist und nachmittags schon wieder. Und selbst die Halloween-Späße klingen noch nach mit ihrem mahnenden Unterton des Memento mori: Denke daran, dass du sterblich bist!

Der christliche Glaube hat diese Situation nie beschönigt. Schon alleine deshalb, weil ihr Begründer Jesus von Nazareth getötet wurde wie auch fast alle der ersten Anführer der Kirche von Petrus bis Paulus.

Im Dunkel stecken bleiben, wollte man allerdings nie, im Gegenteil. Die Konsequenz aus dem Dunkel lautet, die Lichter der Gegenwart nicht zu übersehen: Die Liebe, die es gibt; das Schöne, das wir sehen und das Gefühl, dass unser Leben sinnvoll und gehalten ist, auch wenn wir da nicht immer so sicher sind.

Gott lässt uns nicht los. Auch dann nicht, wenn wir keinen Boden mehr unter den Füßen spüren.

Predigttext am Sonntag, 18. November 2018, ist Offenbarung Kapitel  2, Verse 8-11.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Kann man Optimismus lernen?

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Optimismus ist möglich, wenn man einzelne schlechte Erfahrungen nicht verallgemeinert, sondern weiter nach vorne blicken kann. (Foto: iStock) 

Kann man Optimismus lernen? Der Psychologe Martin Seligman behauptet das. Ausgangspunkt für ihn war das Gespräch mit einem Nebensitzer im Flugzeug, dem allerhand Schlimmes widerfahren war, beruflich und privat. Trotzdem hatte er eine positive Grundhaltung behalten. Seligman fragte daraufhin, was uns niedergeschlagen werden lässt und kam unter anderem auf den Gedanken der „erlernten Hilflosigkeit“. Wenn wir uns Situationen machtlos ausgeliefert fühlen, geraten wir schnell in Verzweiflung. Seligmans Verhaltenstherapie kann dagegen gute Erfolge in der Behandlung von depressiven Stimmungen vorweisen.

Ein Schritt dabei kann sich jeder merken: Man soll nicht verallgemeinern. Man sage nicht „Immer habe ich Pech,“ sondern „Das ist heute aber schief gegangen.“ Es gilt nicht „Niemand mag mich“, sondern „Mit den Leuten hier kann ich nicht so viel anfangen.“

In allen schlechten Erfahrungen Resilienz zu zeigen, wie es andere Psychologen nennen, also sich vom Schlechten nicht herunter ziehen zu lassen, ist das Geheimnis Hiobs, über den am kommenden Sonntag zu predigen ist. Aus dem Glauben an Gott, dessen Ferne auch Hiob zuweilen nicht versteht, gewinnt er die Hoffnung, dass der Tag kommt, an dem alles gut wird.

Manche mögen das naiv nennen; ich würde sagen, dieser Glaube ist hilfreich und gibt die Kraft, die optimistisch in die Zukunft blicken lässt.

Predigttext am Sonntag, 11. November 2018, ist Hiob 14, 1-6.

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