Demut 2018

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Warnung der Künstlerin Jenny Holzer (Foto: Treiber)

Es gibt ein altbackenes Wort, dem ich gerne wieder mehr Beachtung wünschen würde: Demut.

Das klingt manchem vielleicht nach Unterordnung und Klein-gemacht-werden. Aber es meint das Gegenteil: Wahre Größe. Menschliche Größe, die darin besteht, dass man sich selbst nicht so wichtig nimmt; dass man seine Meinung nicht für die einzig richtige hält; dass man auch mal den Mund hält und nicht immer in den Chor der anderen einstimmt.

Wem ich Demut wünsche, fällt mir schnell ein: Dem arroganten Sänger, der für eine angeblich bessere Welt kämpft; der bekannten Journalisten, die sich für die Wichtigste in der Talkrunde hält; dem Betrüger aus besseren Kreisen, der nach dem Knast-Aufenthalt in jedem Blatt erzählt, was für ein guter Mensch er nun geworden ist. Und, upps!, mir selbst, der ich so klar die fehlende Demut bei anderen entdecke, die mir oft ebenso fehlt.

Das Johannes XXIII. zugeschriebene Zitat muss ich unbedingt an meinen Monitor kleben: „Nimm dich nicht so wichtig!“ Denn wenn Gott dich liebt, musst du dich nicht größer machen, als du bist, und kannst andere höher achten, als dich selbst, wie Paulus im Philipperbrief schreibt.

Predigttext am Sonntag, 15. Juli 2018, ist Philipper 2, 1-4

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Etwas fühlt sich „richtig“ an

Kirche bleibt im dorf

Das fühlt sich doch gut an: „Die Kirche bleibt im Dorf“ (screenshot swr)

Es gibt solche Momente im Leben, wo einem plötzlich etwas klar wird. was man tun soll. Wer man ist. Wie schön etwas doch ist. Wie wertvoll uns andere Menschen sind. Momente, in denen wir verstehen – manchmal mit Verstand und Einsicht, oft aber eher im Herzen. Etwas „fühlt sich jetzt richtig an.“

Solche Momente im Leben sollte man ernst nehmen. Wie der Mann in der biblischen Geschichte, dem einer erzählte, was Jesus getan und gesagt hat. Das fühlte sich richtig an und der Mann ließ sich taufen.

Was tun wir, wenn etwas sich für uns „richtig“ anfühlt? Vielleicht: Es geschehen lassen. Oder anderen zu sagen, was man als richtig erkannt hat. Und manchmal, wenn man in schwierigen Situationen eine Erleichterung gefunden hat: Gott danken!

Predigttext am Sonntag, 8. Juli 2018, ist Apostelgeschichte 8, 26-39 (i.A.)

 

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„Goodbye Deutschland!“

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(Bild: screenshot)

„Goodbye Deutschland“ heißt es seit zwölf Jahren dienstags auf VOX, und so sehr manche vielleicht ihre Nase über die Flut an Doku-Soaps rümpfen, Auswanderer beeindrucken mich in der Regel schon. Alles hier aufgeben, den Hausstand auflösen, das Auto verkaufen und ab in eine ungewisse Zukunft. Dass manche dabei auch mal zu naiv oder zu händsärmelig aufbrechen, was soll’s? Grund zur Schadenfreude ist das ganz und gar nicht, sondern eher zur Bewunderung: Solchen Mut hätte ich auch gerne!

Neben Mut braucht man dafür noch etwas anderes: Vertrauen. Vertrauen, dass es schon was werden wird; dass schon nichts schlimmes passieren wird; dass gewiss nicht alle Träume, aber manches von dem, was möglich ist, wirklich wird.

Und eigentlich brauchen auch wir, die wir zurückbleiben, diesen Mut und dieses Vertrauen. Jeden Tag! Und dass auf unserem Weg in die Fremde, oder auch nur in den neuen Tag, Gott mit uns ist und uns segnet, dass ist christliche Grundüberzeugung, wie am kommenden Sonntag in der Kirche zu hören sein wird, wenn es um die Geschichte von Abraham geht, der als alter Mann seine Sachen packte und anderswo neu anfing.

Predigttext am Sonntag, 1. Juli 2018, ist 1.Mose 12, 1-4.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Habt mit allen Menschen Frieden

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Wenn man sich über etwas ärgert, sollte man versuchen, darüber zu lachen. (Foto: iStock)

„Das war ein toller Mensch! Der hat sich nie etwas gefallen lassen. Wenn dem einer krumm kam, gab’s gleich contra. Bewundernswert: Der ist keinem Streit aus dem Weg gegangen.“

Wenn es um Nachrufe und Lebensläufe geht, habe ich solche Sätze noch nie gehört. Und das ist interessant: Wenn es im Leben wirklich um alles geht, wenn andere auf das Leben eines Verstorbenen zurückblicken, dann zählt offenbar nicht, ob einer sein Recht auf Teufel komm raus durchsetzen konnte und sich nichts gefallen ließ. Das bewundert niemand und findet niemand gut – und das ist gut so. Offenbar wissen wir, dass am Ende nicht zählt, ob wir unsere Interessen durchsetzen konnten, sondern ob wir geliebt haben und Gutes getan haben. Ob wir das Böse mit Gutem überwunden haben, wie es in der Bibel heißt.

Was eigentlich jeder weiß, sollte eigentlich auch in jeder Situation gelten. Auch im Kleinen: „Wenn es möglich ist, so habt mit allen Menschen Frieden.“  Auch mit denen, die euch dumm und krumm kommen. Und wenn Ihr deswegen auch mal eine Kröte schlucken müsst: Wenn es geht, dann tut es. Versucht, darüber zu lachen! Die meisten Streitigkeiten lohnen nicht.

Predigttext am Sonntag, 24. Juni 2018, ist Römer 12, 17-21.

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Sich in Frage stellen lassen

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Wer glaubt, er habe alleine recht, liegt falsch. (Foto: creativecommons / blmurch /  https://www.flickr.com/photos/blmurch/6860033613/)

Heutzutage sind sich manche schnell einig: „Das sind doch Idioten!“ Die anderen natürlich, die Politiker, die Funktionäre, die Gutmenschen oder die Populisten und all die anderen üblichen Bösewichte, auf die sich die Medien – in unserem Auftrag als Zuschauer – gerne stürzen. Feindbilder tun immer gut.

…und richten immensen Schaden an. Zum einen, weil wir es uns damit zu einfach machen. Wenn wir andere einfach als Quelle des Übels sehen, werden wir unsere Probleme wohl nie in Griff bekommen. Und zumindest kann man ja mal verstehen wollen, warum andere anders denken und handeln, als wir es für richtig halten – und wo vielleicht wir Fehler machen. Die Wurzel vieler Konflikte jedenfalls wird im Predigttext nächsten Sonntag klar benannt: „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, betrügen wir uns selbst!“

Deswegen finde ich in den Medien eigentlich die Beiträge am interessantesten, die meine eigene Meinung nicht bestätigen. Das heißt ja nicht, dass ich ihnen zustimme. Aber man sollte seine eigene Überzeugung  immer mal wieder in Frage stellen lassen – oder jedenfalls die Folgerungen, die man daraus zieht.

Predigttext am Sonntag, 17. Juni 2018, ist 1.Johannesbrief 1,5 bis 2,6

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Ohne die Liebe wäre das Leben ein Irrtum.

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Liebe ist das einzige, was letztlich zählt. (Foto: iStock)

Ohne die Liebe wäre das Leben ein Irrtum. Den Satz darf nicht missverstanden werden, als ginge es dabei nur um die Liebe zu einem Mann oder zu einer Frau. Da kann es manchmal Irrtümer geben. Nein, es geht darum, dass das Leben gut und erfüllt ist, wenn man liebt – das Leben, sich selbst und die anderen.

„Wir lieben den Tod!“ brüllen uns Idioten und Selbstmordattentäter entgegen. Diese Killer sind wohl das beste Beispiel dafür, dass der Satz stimmt. Ohne Liebe, erfüllt von Hass, Gewalt und Dummheit ist das Leben ein Irrtum, falsch geführt und unsagbar dumm.

Ich denke, das lässt sich auch spüren: Wer liebt, lebt richtig. Das bedeutet nicht, dass Liebe leicht ist. Manchmal bleibt sie ohne Antwort oder man wird ausgenutzt. Aber wer anderen in Freundlichkeit begegnet – dem Bettler auf der Straße (gleichgültig, ob man ihm etwas gibt oder nicht) ebenso wie der ruppigen Dränglerin im Stadtbus, wird sich hinterher sicher besser fühlen, als wenn er der Liebe ade gesagt und sein Unverständnis oder seinen Ärger einfach so rausgelassen hätte.

Alle Menschen zu lieben, geht nicht, meinen Sie? Gewiss gibt es Grenzen, aber zunächst vielleicht ganz einfach nicht auf Kosten anderer zu leben, anderen gegenüber offen und für sich selbst verantwortlich zu sein und auch mal darauf achten, wie es dem anderen geht – das wäre doch schon sehr viel Liebe in unserer Welt.

Predigttext am Sonntag, 10. Juni 2018, ist 1.Korintherbrief 14 (Verse 1-3 und 20-25)

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Was die Mehrheit macht, ist nicht entscheidend

Hidden Camera

Lustig: Ein Beitrag der „Hidden Camera“ (Screenshot YouTube)

In der Sozialpsychologie gibt es einige sehr interessante Experimente zum Thema Konformismus. Das ist die Beobachtung, dass wir Menschen in dem, was wir tun, stark beeinflusst werden, von dem, was andere tun. Ganz lustig zum Beispiel ein schon altes Experiment in einem Aufzug. Überlegen Sie mal, wenn Sie Aufzug fahren – in einem der keine Spiegel hat. Wo sehen Sie während der Fahrt hin? Die meisten Menschen blicken zur Türe. Ganz automatisch. Alle blicken in die gleiche Richtung. Fremde Menschen starrt man nicht an. Bei dem Experiment stieg nun also eine Versuchsperson in einen Aufzug, ging hinein, drehte sich um und blickte zur Türe. Sogleich stiegen noch einige andere ein, die Teil der Versuchsanordnung waren: Die blickten zunächst auch zur Türe, drehten sich aber während der Fahrt zur Wand – und die unwissende Versuchsperson tat dies auch. Und zwar in jedem Fall, bei allen Versuchen.

Man machte das Experiment auch mit Männern – es war in den 50er Jahren -, die im Aufzug den Hut abnahmen. Die Versuchspersonen machten alles mit. Im Film sieht das lustig aus. Weniger lustig war ein anderes Experiment, bei dem eine Versuchsperson für einen angeblichen Test in einen Raum mit anderen Menschen gesetzt wurde. In den Raum drang Rauch ein, immer mehr, doch keine der eingeweihten Personen rührte sich – so dass auch die meisten der Versuchspersonen keine Hilfe holten, sondern im Raum sitzen blieben. Manche so lange, bis man vor Rauch kaum noch etwas sah.

Warum ich das erzähle? Nun, weil es zeigt, wie mächtig der Konformitätsdruck ist, wie sehr wir bereit sind, Mehrheitsmeinungen hinterherzurennen. Und wie wichtig es ist, das es Minderheiten gibt, die zu ihrer Meinung stehen, zu ihrer Beobachtung – und die uns vor dem gefährlichen Rauch warnen.

In der Bibel waren das Propheten wie Jeremia. Was die Mehrheit sagte, war ihm egal. Es zählt, was richtig ist. Das macht Jeremia doch auch für jeden heute noch zum Vorbild, oder?

Predigttext am Sonntag, 3. Juni 2018, ist Jeremia 23, 16-29.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Wer ist Gott und wenn ja wieviele?

Trinität

Mysteriöse Trinität in einer Darstellung der „Gartenlaube“ aus dem Jahr 1882 (Abb.: wikicommons/gemeinfrei)

Vielleicht liegt es an dem mysteriösen Raunen, mit dem man versucht hat, die christliche Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes zu umgeben und vom „Geheimnis“ zu reden, nach dem „drei gleich eins“ sei. Vielleicht hat man aber auch einfach zu viel um Begriffe gestritten – jedenfalls fängt mit der Trinität nur noch eine Minderheit selbst der Christen heute etwas an. Das macht Mut, es einmal mit einer kurzen heutigen Erklärung zu versuchen.

Zunächst: Von Gott kann man nur in Bildern reden. Genau aus diesem Grund lehnen die meisten Religionen es ab, Gottesbilder anzubeten. Wir haben nur eine sehr begrenzte Sprache, um unseren Glauben und das, worauf er sich richtet, zu beschreiben. Gott ist gewiss kein alter Mann, der vom blauen Himmel herab uns Menschen beurteilt. Dennoch nennen wir ihn Richter oder gnädig. Wie anders auch sollten wir uns in Beziehung setzen zum „Sein-Selbst“, wie Philosophen Gott beschreiben, zur „ersten Ursache“? Deswegen ist auch die Lehre von der Dreifaltigkeit Bildersprache, die das, was sie beschreibt eher sucht als findet.

Gott der Schöpfer

„Am Anfang schuf Gott….“ Gott ist die Bezeichnung für das, was der Ursprung allen Seins ist. Ein Atheist wie der bewundernswerte, jüngst verstorbene Stephen Hawking entdeckt am Anfang allen Seins eine „Singulariät“, aus der mit Notwendigkeit das Universum in einem „Urknall“ entstand. Die Bildersprache ist auch in der Physik nicht zu überhören. Im Widerspruch zur christlichen Lehre steht das nicht. Im Glauben sehen wir Menschen uns aber zu diesem Grund allen Seins in eine Beziehung gesetzt. Und deswegen verstehen wir ihn als Person, als Gott, den Schöpfer. Natürlich ist Gott etwas anderes als eine Person, etwas – im wahrsten Sinne – unendlich mächtigeres; aber das übersteigt unseren Horizont. Das Größte, dem wir begegnen können, ist eine andere Person. Deswegen wäre Gott als Idee oder Gott als Objekt ohne Selbstbewusstsein zu klein für uns. Wir sehen Gott als Gegenüber, mit dem wir kommunizieren können. Mehr geht nicht. Und das ist nicht naiv, sondern „Ergriffensein von dem dem, was uns unbedingt angeht“, wie der Theologe Paul Tillich den Glauben nannte. Wir sind! Und zwar nicht weil wir uns gemacht haben, sondern offenbar geschaffen wurden oder „entstanden sind“, was letztlich für uns das Gleiche meint.

Eine Besonderheit der christlichen Lehre der Schöpfung ist, dass Gott als der geglaubt wird, der die Schöpfung in jedem Moment auch „erhält“. Ohne Gott, ohne das Sein-Selbst, gäbe es uns keine Sekunde lang. Gott hat also nicht nur am Anfang die Welt geschaffen und lässt seitdem alles laufen, sondern er erhält sie, indem es Energie, Elementarbausteine und Naturgesetze samt den Naturkonstanten gibt.

Jesus der Sohn Gottes

Wenn Gott alles Seiende geschaffen hat, dann ist alles gut, was dem Seienden zugute kommt. Auf uns Menschen bezogen – und zunächst geht es uns nur um uns – heißt das: Gott will, dass Menschen leben, und ist gegen alles, womit Menschen dem Leben schaden. Deswegen ist das Gute nicht eine von zwei Möglichkeiten, sondern die einzige, nach der wir Menschen richtig leben. Als abstrakter Gedanke wäre das Gute aber nicht sonderlich hilfreich, sondern es ist am besten, wenn es uns möglichst in Reinform so begegnet, dass wir es sehen und verstehen können – in einem Menschen. Im Zentrum der christlichen Lehre steht deshalb Jesus von Nazareth, von dem geglaubt wird, dass er der „Sohn Gottes“ ist, weil in ihm dieses Gute zwischen den Menschen vollkommen erschienen ist. Eigentlich geht das nicht, weil alle Menschen widersprüchlich und fehlerhaft leben. In Jesus aber sehen Christen den vollkommenen Menschen abgebildet, gerade weil er mit seiner Vollkommenheit keine heile Welt erschuf, sondern am Kreuz das Elend einer unheilvollen Welt trug. Diesen Gedanken gibt es nur in der Religion, denn die Philosophie kann hier nur einen Widerspruch feststellen und sich vielleicht auf ein trotziges „dennoch“ der Existenzphilosophie besinnen nach dem Motto: Das Leben ist sinnlos, aber es ist gut, wenn wir das wissen. Bei allem Respekt, da greift mir die Philosophie zu kurz!

Der Heilige Geist

Die dritte Art, wie wir Gott erfahren und denken können, ist der Heilige Geist. Wer nicht ganz und gar „religiös unmusikalisch“ ist, wird ihn zuweilen in sich spüren: Lassen Sie sich auch berühren, wenn andere Menschen Gutes tun? Haben Sie Mitleid? Und wenn Sie in der Kilianskirche sitzen und den Hochaltar anschauen, überkommt sie dann das Gefühl, hier etwas zu begegnen, das über die Endlichkeit der Welt hinausweist – auch wenn es Ihnen völlig egal ist, welche Kirchenlehrer da abgebildet sind und dass das ein alter Marienaltar ist. Mit dem Heiligen Geist jedenfalls wird die Wirkung beschrieben, die der Glaube hat, der nicht aus uns kommt, sondern erlebt wird, erlebt werden muss, weil man ihn nicht völlig in Begriffe fassen kann…

…. und ich stehe am Ende mit meinen Versuchen wieder da, wo ich am Anfang war: Der Glaube ist „Sinn und Geschmack fürs Unendliche“, wie der Theologe D.F.E.Schleiermacher ihn beschrieben hat. Alle Begriffe und Bilder sind deshalb nur begrenzte Versuche, eine Sprache für das zu finden, was man in den lichten Momenten seinen Lebens erfahren darf: Dass es jenseits unseres begrenzten und zuweilen schweren Lebens Halt und Sinn gibt, und wir auch als „Staubkörner im All“ nicht Nichts sind.

Predigttext am Sonntag „Trinitatis“, 27. Mai 2018, ist Epheserbrief 1, 3-14.

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Gefühl für das Unendliche

Pfingsten: Spüren, das etwas jenseits und uns nahe ist. (Foto: Treiber)

Dass der Geist Gottes in und für uns wirkt, ist zunächst einmal nur eine Behauptung, die wir an Pfingsten feiern. Aber dann und wann, in den wirklich bedeutsamen Momenten unseres Lebens, kann man diesen Geist tatsächlich spüren: Es ist vielleicht der Moment, wenn man im Kreißsaal sitzt und sein neugeborenes Kind im Arm hält. Oder der Moment, wenn der freudige Brief da ist, auf den man so lange gewartet hat. Oder die Stunde, in der wir einem anderen Menschen ganz nahe fühlen und alles um uns herum vergessen. Oder der kurze Augenblick, wenn etwas, woran wir lange gearbeitet haben, endlich fertig ist.

Momente, in denen wir Transzendenz spüren, in denen wir die Grenzen der Welt und unseres Denkvermögens überschreiten. Was sich uns dort offenbar ist allerdings nichts, was man behalten kann. Wir haben den Geist Gottes nicht, sondern bekommen nur dann und wann eine Begegnung mit ihm geschenkt, und wenn wir klug sind, ziehen wir einen Schluss daraus: Man kann den Verheißungen Gottes trauen, dem Gefühl „für das Unendliche“, das uns ins Herz flüstert: „Du bist gehalten, du bist geliebt!“

Predigttext am Pfingstfest, 20. Mai 2018, ist 1. Korinther 2, 12-16.

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Ergriffen und geborgen

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Karl G. Jansky Very Large Array (Foto: wikicommons/Mihaisiscanu

„Ich habe eine Begegnung gehabt. Ich kann sie nicht einmal beweisen, doch ich spüre sie mit allem was ich bin. Wir sind verbunden mit etwas Höherem – und wir sind nicht allein. Keine Sekunde.“

Haben Sie so etwas auch schon mal empfunden: Damals im Krankenhaus als Sie inmitten aller Bedrohung gespürt haben: Das geht gut? Oder als Sie mit Sorgen in der Kirche saßen und plötzlich das Gefühl hatten, hier sind Sie umgeben von Ewigkeit und Sie spüren plötzlich Ruhe und Kraft?

Das Zitat stammt aus dem Film Contact, in dem eine Wissenschaftlerin im Rahmen einer äußerlich gescheiterten Raumfahrtmission eine Begegnung dieser besonderen Art hat: Die Gewissheit zu spüren, dass alles ganz anders ist, alles ist geborgen, gedacht, gehalten und voller Sinn.

Manche halten das für Illusion – das kann man so sehen. Delusion – Irrsinn -, wie es militante Atheisten nennen, ist diese Begegnung aber nicht. Glaube kann man nicht beweisen und nicht machen, man kann ihn nur spüren: Als „Ergriffenheit von dem, was uns unbedingt angeht“, als „Sinn und Geschmack für das Unendliche“ – oder manchmal auch nur ganz lapidar als Gewissheit, dass Liebe und Güte richtig sind.

Predigttext am Sonntag, 13. Mai 2018, ist Jeremia 31, 31-34

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

 

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