Was Katzenvideos mit Maria zu tun haben

Katzenvideos

(screenshot: Treiber)

Fernsehen und Facebook unterscheiden sich in einer Sache grundlegend. Während in den klassischen Medien die schlechten Nachrichten dominieren („Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“, sagen die Zeitungsmacher.), finden sich in den neuen sozialen Medien – neben unsäglichen Verschwörungstheorien, Mobbing und Shitstorms – auch viel mehr positive Meldungen, von „Ich hab mich verliebt!“ bis zu Fotos einer Gruppe lachender Menschen auf dem Weihnachtsmarkt.

Natürlich (Achtung: Ironie!) leuchten süße Katzenvideos die Tiefe der Existenz nicht aus, aber sie zeigen eine Seite an uns Menschen, die wir brauchen: Dass wir uns freuen können. Und diese Freude sollten wir nicht verstecken, sondern laut in die Welt rufen, jubeln, wie die Konfirmandin, die vor Jahren in der Kirche plötzlich laut ausrief: „Mir geht’s gut!“, oder wie Maria, die jubelt, dass Gott sie erwählt hat, ein Kind zu bekommen. „Mein Gott“, mögen dabei die Nachbarn gedacht haben, „Die Maria ist doch erst 16 und ledig!“ Aber der Jubel Marias nimmt uns bis heute gefangen.

Jubeln, dass Gott uns liebt, jubeln über das Schöne im Leben, jubeln über jedes Geschenk! Da wird aus Advent Weihnachten. Und da wird das Schwere vom Guten getragen.

Predigttext am 4. Advent, Sonntag 20. Dezember 2015, ist Philipperbrief 4, 4-7.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Egal, was andere denken

Paper_bag_mask_with_4chan_smiley_at_Anon_raid

Manchmal muss es einem egal sein, was andere denken. (Foto: iStock)

Was andere von einem denken, kann einem egal sein, wichtig ist, dass man vor Gott und seinem eigenen Gewissen bestehen kann, meint der Bibeltext für die Predigt am kommenden Sonntag. Und dann steht da ein weiterer toller Gedanke: Man soll auch mit sich selbst nicht zu hart ins Gericht gehen.

Und als Drittes: Keinesfalls soll man über sich und andere vor dem Ende richten, denn erst dann kommt ans Licht, was heute noch verborgen ist. Und das muss ja nichts Schlechtes sein. Manchmal entdeckt man die guten Seiten eines Menschen erst nach langem Suchen.

Am dritten Advent erwartet man vielleicht andere Gedanken, aber was der Apostel Paulus schreibt, ist guter Stoff zum Nachdenken.

Predigttext am Sonntag, 13. Dezember 2015, ist 1.Korintherbrief 4, 1-5.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Advent – ganz große Gefühle

Edeka

#heimkommen (Screenshot Edeka)

„Besinnliche“ Adventstage und dann Weihnachten wünscht man anderen oft, ein lieb gemeinter Ausdruck, der mir aber eher hilflos vorkommt. Einfach in der Ecke sitzen und vor sich hin denken? Die Weihnachtsbotschaft ist doch viel konkreter: Sie erzählt davon, dass Hoffnungen sich erfüllen, dass Friede sein soll und das Menschen zusammenkommen. Wie es in der Predigt am kommenden Sonntag heißt: Advent heißt Warten, aber wir wissen dabei ziemlich genau auf was.

Deshalb wünsche ich Ihnen eine hoffnungsvolle Adventszeit und frohe Weihnachten: Gott wird Mensch, uns Menschen zugute.

Und weil es dabei um ganz große Gefühle geht, finde ich den (umstrittenen) Weihnachtsspot der Agentur Jung von Matt für eine Lebensmittelkette sensationell: https://youtu.be/V6-0kYhqoRo

Predigttext am Sonntag, 6. Dezember 2015, ist Jakobusbrief 5, 7+8

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Neues Testament, Sonstige Schriften, Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Licht über aller Dunkelheit

Pray

Vor allem die sozialen Netzwerke sind nach den Terroranschlägen ein wichtiges Forum der Selbstvergewisserung Europas. (Abbildung: screenshot)

Die Nacht ist vorgerückt und es wird bald heller Tag, heißt es im Bibeltext zum 1.Advent. Die Situation in Paris und Brüssel scheint eine andere Sprache zu sprechen. Wie ein böser Schatten will sich die Dunkelheit des islamistischen Terrors über Europa legen.

Aufhalten lässt sich der Tag dennoch nicht. Christen haben in Dunkelheiten immer darauf gesetzt, dass der Tag stärker ist als die Nacht und das Licht mächtiger als die Dunkelheit. Europa sollte an diesem Bewusstsein der Aufklärung festhalten: Licht ist der Dunkelheit weit überlegen!

Gerade deshalb suchen doch so viele Menschen Zuflucht im kapitalistischen, liberalen Westen: Weil sie wissen, dass hier versucht wird, eine Politik zu machen, die vom aufgeklärten Christentum und Humanismus geprägt ist, von Freiheit und Frieden, von Gerechtigkeit und Nächstenliebe.

Predigttext am 1. Advent, 29. November 2016, ist Römerbrief 13, 8-12.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Wachsamkeit am Ende dieses Jahres

direct.un-suspect-frere-dun-kamikaze-en-fuite_1.jpg?itok=7418MYP9Wachsamkeit ist gefordert – in diesen Tagen des islamistischen Terrors sowieso. Wachsamkeit vor herrenlosem Gepäck auf Bahnhöfen und Wachsamkeit vor Terroristen – Wachsamkeit aber auch dazu, unerbittlich an unserem zentralen Wert festzuhalten: der Freiheit, die wir uns von niemandem nehmen lassen werden!

Wachsamkeit fordert Jesus im Predigtwort des kommenden Sonntags. Wachsam zu sein, damit man bereit ist, wenn man gefordert wird.

Das heißt auch, nicht in Hass und nicht in ignorantes Beschwichtigen verfallen, sondern nüchtern zu bleiben. Nicht unsere Alpträume zählen und nicht unsere Illusionen. Was zählt ist das hier und jetzt, die offenen Augen und der wache Verstand. Die Liebe, die wir zeigen, und die Klarheit, mit der wir als Glaubende jedem Verständnis für religiösen Wahn widersprechen.

Gott ist die Liebe, und wenn er das nicht ist, ist er nicht Gott.

Predigttext am Sonntag, 22. November 2015, ist Matthäus-Evangelium 25, 1-13.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Was ihr anderen getan habt, habt ihr Gott getan

Je_suis_CharlieEs haben sich schon Menschen, man verzeihe den Ausdruck, gegenseitig den Schädel eingeschlagen wegen der Frage, wie man Gott erkennen kann. Die Geschichte der Religionen scheint in zwei Welten parallel gelaufen zu sein. Auf der einen Seite die Fundamentalisten und Besserwisser, die für den richtigen Glaubenssatz andere umzubringen bereit sind – je suis charlie -, und auf der anderen Seite die Geschichte der Kirchen als Orte, in denen die Nächstenliebe und abendländische Kultur erst zur heutigen Form – mit Krankenhäusern, Sozialstaat und Schule für alle – entwickelt wurde.

Wo begegnet man Gott? Oder anders gefragt: Wo zeigt sich der wahre Glaube? Die christliche Antwort im Bibeltext für nächsten Sonntag sagt eindeutig: Da, wo man anderen Menschen hilft und zugute ist.

Und alle anderen, alle, die sich der Liebe verweigern, – da ist der Text nicht minder eindeutig – sollen in der Hölle schmoren! Man verzeihe auch diesen Ausdruck, aber das sagt Jesus nicht minder deutlich.

Predigttext am Sonntag, 15. November 2015, ist Matthäus-Evangelium 25, 31-46

Veröffentlicht unter Evangelien | Hinterlasse einen Kommentar

Hinterm Horizont

Spacetime_curvature

(Bild: wikicommons – Spacetime curvature by Johnstone)

Hinterm Horizont geht’s weiter heißt die Ballade, die Udo Lindenberg einer 1986 früh verstorbenen Freundin geschrieben hat. Jenseits dessen, was wir sehen und erleben können, gibt es, so die Hoffnung, eine andere, bessere Welt, ohne Leid und Trauer und Tod. In der Physik benutzt man interessanterweise ein ähnliches Bild, das vom Ereignishorizont („Event horizon“), einer Grenze im Raum-Zeit-Kontinuum, hinter der für uns im Hier und Heute nichts mehr erfahrbar ist.

Ist dort Gottes Reich? Im Jenseits? Dort wohin nur Poesie und kosmologische Modelle führen? Der Gedanke ist verführerisch, eine gedankliche Verbindung dazu herzustellen, aber Jesus holt uns auf den Boden unserer Welt zurück: Das Reich Gottes ist mitten unter uns. Es ist dort wo Liebe und Hoffnung herrschen, wo Menschen frei und geborgen sind. Es ist hier und jetzt.

Alles andere ist Spekulation, so dass für das Jenseits nur Bilder bleiben –  und die Hoffnung, dass alle Vergänglichkeit von einem unvergänglichen Grund gehalten und gewürdigt wird.

Predigttext am Sonntag, 8. November 2015, ist Lukasevangelium 17, 20-24.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Evangelien, Neues Testament | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Selig sind die Zukurzgekommenen

431px-Hanns_Dieter_Husch

Hanns Dieter Hüsch lobt die Verlierer in seinem Gedicht „Selig sind die Zukurzgekommenen (Foto: wikicommons/Wittkowsky)

Man kann es kurz und knapp sagen: Jesus scheint offenbar die Verlierer selig zu preisen, die Opfer, die Versager, die Loser oder wie man sie heute sonst noch nennt. Dabei sind wir doch alle so darauf angewiesen, von anderen anerkannt zu werden. Man soll uns sympathisch finden oder zumindest bewundern. Und der Erfolg im Beruf, die Promotion der Kinder und das schöne Haus zeigen doch: Wir sind es wert, geliebt und geachtet zu werden. Wer will dem widersprechen? Es ist toll, wenn jemand etwas kann, wenn etwas gelingt, wenn etwas schön ist!

Nur: Von Gott werden eben die anderen geliebt und selig gesprochen, vielleicht, weil sie es besonders nötig haben. Weil sie auch etwas gelten und geachtet werden wollen.

Das müssen wir ernst nehmen: Schön, wenn es für die Studenten genügend Professoren gibt, aber ein Sozialarbeiter oder Psychologe in der Sonderschule wäre auch wichtig; nett, wie sich alle um die erfolgreiche Schauspielerin scharen, aber hat die Frau aus der betreuten Wohngruppe im Ort uns nicht vielleicht sogar Wichtigeres zu sagen? Und seien wir ehrlich: So toll sind wir nicht, dass wir nicht auch darauf angewiesen wären, dass andere uns mögen, obwohl wir so sind wie wir sind.

Der unvergessene Hanns Dieter Hüsch hat es auf den Punkt gebracht, als er sein Gedicht dazu schloss mit den Worten: „Ich sag immer: Selig sind die Zukurzgekommenen, denn sie tun einem nix!“

Predigttext am Reformationsfest bzw. am Sonntag, 1. November 2015 ist Matthäus-Evangelium Kapitel 5, Verse 2-12.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Die andere Wange hinhalten?

IMG_2034

Gewalt gegen andere darf auch nach Maßgabe des Glaubens nicht toleriert werden. – Denkmal für die beim Terroranschlag 2005 in London Ermordeten. (Foto: Treiber)

Die andere Wange hinhalten, die Feinde lieben, diese Forderungen Jesu gehören zu den bekanntesten ethischen Grundsätzen und sicher auch zu den umstrittensten.

Wer wäre ernsthaft dagegen, einem Mörder mit Gewalt Einhalt zu gebieten? Und selbst die friedensbewegsteste Kirchentagsbesucherin wird die Polizei rufen, wenn bei ihr eingebrochen wurde. Im Barmer Bekenntnis von 1934 ist sogar ausdrücklich erwähnt, dass der Staat auch mit Gewalt für Recht und Frieden sorgen darf. Wie passt das zusammen?

Klar ist: Die Worte Jesu sind keine Worte, die man anderen vorhalten, sondern denen man selbst folgen soll. Und klar ist auch: Man kann nur die eigene Wange hinhalten, die Wange anderer hinzuhalten, die Schwachen der Gewalt auszuliefern, wäre ein Verbrechen. Doch eines ist auch klar. Eine Welt, in der jeder darauf beharrt, zurückzuschlagen, wäre furchtbar.

Jesus geht hier mit seiner Liebe aufs Ganze und zeigt in eine Welt, die jenseits unserer Grenzen liegt und dauernde Herausforderung ist: das Reich Gottes.

Predigttext am Sonntag, 25. Oktober 2015, ist Matthäus-Evangelium 5, 38-48.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Die Hartherzigkeit der Heuchler

Young couple sitting on the grass back to back

(Foto: iStock)

Einer der Dauerbrenner kirchlicher Moral ist das sogenannte Verbot der Ehescheidung, das Jesus ausgesprochen hat. Religionen haben daraus Gesetze gemacht und Menschen ins Unglück gestürzt. Denn Eheglück lässt sich nicht erzwingen, sondern erzeugt nur Heuchelei, wie sie ja gerade in den Kirchen und Religionen am meisten verbreitet ist, die am rigidesten die Moral hochhalten.

Eine paar kleine Worte Jesu werden dabei gerne übersehen. Mit seinem Verbot, die Frau einfach nach Lust und Laune per Brief wegschicken zu können, wendet er sich ausdrücklich gegen die Hartherzigkeit, die dahinter steht.

Paare teilen ein gemeinsames Schicksal, gemeinsames Leben, gemeinsame Kinder, gemeinsames Wachsen; das darf man nicht einfach beiseite schieben. Aber es kann auch einmal an ein Ende kommen. Dann gilt es, fair, ehrlich und so weit möglich weichherzig zu bleiben.

Es ist das große Verdienst der reformatorischen Kirchen, dass sie das Gewissen und die Liebe der einzelnen Menschen über die Paragraphen kirchlicher Moral gestellt haben. Das hätte Jesus auch getan.

Scheidungen verletzen und sind deswegen häufig schlimm, aber viel viel schlimmer sind die Heuchler, die von anderen fordern, was sie selbst nicht beachten.

Predigttext am Sonntag, 18.10.2015 ist Markusevangelium 10, 2-16.

Veröffentlicht unter Evangelien | Hinterlasse einen Kommentar