
Muhammad Ali, gestorben am 3. Juni 2016 (Foto: public domain/Library of Congress)
Boxen hat mir eigentlich noch nie gefallen, aber an einen Kampf erinnere mich noch, den „größten Boxkampf aller Zeiten“ 1974 im Kongo zwischen Muhammad Ali und George Foreman. Ali, der sonst seinen Gegner durch dauerndes Getänzel nervös machte, siegte hier mit einer völlig anderen Strategie. Er ließ sich immer wieder in die Seile fallen, brachte seinen Kopf in Sicherheit und wehrte die nun ungefährlicheren Schläge Foremans so lange ab, bis dieser am Ende der achten Runde unaufmerksam wurde und Ali ihn mit vier kurzen Hieben k.o. schlug.
So kann sich das Blatt wenden. Aus der vermeintlichen Schwäche heraus kann man siegen. Beim Fußball führt die Defensivstrategie häufiger zum Erfolg, und im Leben sollte man sich sowieso seiner Stärke nicht zu sicher sein. Der Apostel Paulus jedenfalls, der vom Christenverfolger zum – manchmal kränkelnden – Missionar wurde, betont, dass er seine Stärke, und damit meint er seine Überzeugungskraft, von Gott hat.
Als, wie man sagt, bedeutendster Sportler des Jahrhunderts zu gelten, verdankt Muhammad Ali übrigens auch nicht alleine den K.O.-Siegen, sondern vielmehr seiner Unbeugsamkeit, mit der er gegen den Krieg und die Diskrimierung der Afroamerikaner auftrat, und der Stärke, die er in der Schwäche seiner langen Parkinson-Erkrankung zeigte. Dass er „der Größte“ war, hat er oft genug gesagt. Am Ende hat man ihm es geglaubt.
Predigttext am Sonntag, 12. Juni 2016, ist 1.Timotheusbrief 1, 12 bis 17.
Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10.00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.


Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt, heißt eine etwas abgedroschen klingende aber immer noch stimmende Weisheit. Unsere ersten gedachten Wahrheiten passen oft nicht zu den zweitens gedachten Erfahrungen. Studium ist das allerwichtigste, dachten die Eltern, und 30 Jahres später war der Sohn ohne Abschluss Mitinhaber der wertvollsten Firma der Welt und einer der bedeutendsten noch dazu. Das gilt eine Nummer kleiner, auch bei uns: Man ärgert sich über die Autopanne, die einen zur tagelangen Pause im Allgäu zwingt, und lernt dort die Frau fürs Leben kennen. Man hat zunächst keine Lust, in die Jugendgruppe zu gehen und wird nach all den guten Erfahrungen dort später Pfarrer. Viele könnten hier viel erzählen.
Auf die tiefgründige Frage „Ist das Glas halb voll oder halb leer?“, mit der man Optimisten und Pessimisten unterscheiden will, gibt es für mich nur eine sinnvolle Antwort: Es hat die falsche Größe.


