Er war wirklich der Größte

479px-Muhammad_Ali_NYWTS

Muhammad Ali, gestorben am 3. Juni 2016 (Foto: public domain/Library of Congress)

Boxen hat mir eigentlich noch nie gefallen, aber an einen Kampf erinnere mich noch, den „größten Boxkampf aller Zeiten“ 1974 im Kongo zwischen Muhammad Ali und George Foreman. Ali, der sonst seinen Gegner durch dauerndes Getänzel nervös machte, siegte hier mit einer völlig anderen Strategie. Er ließ sich immer wieder in die Seile fallen, brachte seinen Kopf in Sicherheit und wehrte die nun ungefährlicheren Schläge Foremans so lange ab, bis dieser am Ende der achten Runde unaufmerksam wurde und Ali ihn mit vier kurzen Hieben k.o. schlug.

So kann sich das Blatt wenden. Aus der vermeintlichen Schwäche heraus kann man siegen. Beim Fußball führt die Defensivstrategie häufiger zum Erfolg, und im Leben sollte man sich sowieso seiner Stärke nicht zu sicher sein. Der Apostel Paulus jedenfalls, der vom Christenverfolger zum – manchmal kränkelnden – Missionar wurde, betont, dass er seine Stärke, und damit meint er seine Überzeugungskraft, von Gott hat.

Als, wie man sagt, bedeutendster Sportler des Jahrhunderts zu gelten, verdankt Muhammad Ali übrigens auch nicht alleine den K.O.-Siegen, sondern vielmehr seiner Unbeugsamkeit, mit der er gegen den Krieg und die Diskrimierung der Afroamerikaner auftrat, und der Stärke, die er in der Schwäche seiner langen Parkinson-Erkrankung zeigte. Dass er „der Größte“ war, hat er oft genug gesagt. Am Ende hat man ihm es geglaubt.

Predigttext am Sonntag, 12. Juni 2016, ist 1.Timotheusbrief 1, 12 bis 17.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10.00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Neues Testament, Paulus | 1 Kommentar

Glauben heißt, dem Leben zu vertrauen

iStock

Glauben heißt, dem Leben zu vertrauen. (Foto: iStock)

Manchmal ist Gott ferne. Man glaubt gar nicht, dass es ihn gibt. Man spürt ihn nicht, sondern hat eher das Gefühl, dass man sein Leben ziemlich alleine meistern muss.

Doch dann gibt es auch die lichten Momente, in denen Gott gespürt werden kann. Sie flackern auf, wenn uns in schwierigen Situationen eine innere Gewissheit ergreift, die sagt: „Das ist gut!“ „Das schaffst du!“ Momente, in denen wir in uns Ruhe und Gelassenheit spüren und mutig und offen durchs Leben gehen. Augenblicke auch, in denen unser Herz vor Freude springt.

Dann wohnt der Geist Gottes in uns, heißt es im Bibeltext für nächsten Sonntag. Man könnte auch sagen: Dann ist uns Gott so nahe, dass sich die Frage erübrigt, ob wir an ihn glauben. Glauben zeigt sich eben nicht durch Denken, sondern im Gefühl, dem Leben zu vertrauen.

Predigttext am Sonntag, 5. Juni 2016, ist Epheserbrief 2, 17-22.

Veröffentlicht unter Neues Testament, Paulus, Uncategorized | 1 Kommentar

Gott ist die Liebe

Love

Auch wenn es manchmal kitschig daherkommt: die Liebe ist das Größte und macht uns vollkommen. (Foto: Treiber)

Über Gott ist schon viel zu viel gestritten worden: ob er männlich ist oder „übernatürlich“, ob zornig oder barmherzig. Die Streitereien darum sind so dämlich wie erbärmlich, denn von Gott kann man nur in Bildern sprechen und über Symbole zu streiten ist ebenso sinnvoll wie über die Frage, ob das Blatt Papier weiß oder schneefarben ist. Es sind eben Bilder, mit denen versucht wird zu beschreiben, wie wir Gott im Verhältnis zu uns empfinden. Einige sagen uns etwas, andere nichts.

Einen Satz gibt es allerdings, der kein Sprachbild ist, sondern treffende Wahrheit, wie ich glaube: Gott ist die Liebe! Wer in Liebe lebt, lebt richtig, hat jedenfalls Jesus verkündigt. In der Liebe spüren wir unvollkommenen Menschen Vollkommenheit, einfacher gesagt: dass wir es trotzdem richtig machen können. Auch aus Liebe können wir zwar manches falsch machen, aber aus Liebe etwas zu machen, kann niemals falsch sein.

Und ein Letztes: Liebe ist das einzige, was bleibt, der einzige Sinn, wie Thornton Wilder gesagt hat. Deshalb kann ich dem Predigttext des Sonntags von ganzem Herzen und auch mit aller Vernunft zustimmen: Gott ist die Liebe.

Predigttext am Sonntag, 29. Mai 2016, ist 1.Johannesbrief 4, 16b-21.

Pfarrer Matthias Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt

Je_suis_CharlieErstens kommt es anders – und zweitens als man denkt, heißt eine etwas abgedroschen klingende aber immer noch stimmende Weisheit. Unsere ersten gedachten Wahrheiten passen oft nicht zu den zweitens gedachten Erfahrungen. Studium ist das allerwichtigste, dachten die Eltern, und 30 Jahres später war der Sohn ohne Abschluss Mitinhaber der wertvollsten Firma der Welt und einer der bedeutendsten noch dazu. Das gilt eine Nummer kleiner, auch bei uns: Man ärgert sich über die Autopanne, die einen zur tagelangen Pause im Allgäu zwingt, und lernt dort die Frau fürs Leben kennen. Man hat zunächst keine Lust, in die Jugendgruppe zu gehen und wird nach all den guten Erfahrungen dort später Pfarrer. Viele könnten hier viel erzählen.

Das gilt auch in Sachen Religion: Mancher, der seine Religion als allen anderen überlegen ansieht, wird lernen müssen, dass es immer anders kommt, als man denkt. Wir Christen haben das schon vom Apostel Paulus gesagt bekommen. Deshalb wissen wir, dass wir in Sachen Glauben vor allem auf eines achten Müssen: die Glaubensfreiheit. Anderen Religionen wünscht man, dass auch sie zu dieser Einsicht kommen. Gott macht, was er will – und das ist gut so.

Predigttext am Sonntag, 22. Mai 2016, ist Römerbrief Kapitel 11, Vers 33 bis 36.

Pfarrer Matthias Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Pfingsten als Fest der Freiheit

(Foto: Treiber)

Wie soll man bloß ein abstraktes Ideal abbilden, mag sich Frédéric-Auguste Bartholdi gefragt haben, als er den Auftrag bekam, die Freiheit darzustellen. Natürlich als eine Allegorie, also in Gestalt einer Frau, die die Fackel der Aufklärung den Betrachtern entgegenhält.

 

Und wie würde man den Heiligen Geist darstellen? Die Taube hat sich eingebürgert, obwohl sie seltsam schwach wirkt und als „Ratte der Lüfte“ eigentlich keinen guten Ruf hat. Im Mittelalter hat man den Heiligen Geist ganz selbstverständlich auch in einer Figur, meist männlich allerdings, dargestellt.

Ich könnte mir heute die Freiheitsstatue als Symbol des Heiligen Geistes vorstellen. Die Inschrift an der Basis der Statue aus dem Jahr 1903 klingt, als würde der Geist christlicher Nächstenliebe sich heute, wenn auch in altertümlicher Sprache, melden: „Gebt mir eure Müden, eure Armen, Eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren / Den elenden Unrat eurer gedrängten Küsten / Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturm Getriebenen / Hoch halt‘ ich mein Licht am gold’nen Tore!“

Predigttext am Pfingstfest, 15. Mai 2016, ist Apostelgeschichte Kapitel 2.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Ist das Glas halb voll oder halb leer?

IMG_8950Auf die tiefgründige Frage „Ist das Glas halb voll oder halb leer?“, mit der man Optimisten und Pessimisten unterscheiden will, gibt es für mich nur eine sinnvolle Antwort: Es hat die falsche Größe.

Ist unser Leben halb voll, also schön, toll und einfach lebenswert, auch wenn nicht alles hundertprozentig ist. Aber die Probleme muss man eben akzeptieren und angehen? – Oder ist unser Leben halb leer, also eigentlich nur bestimmt von Ärger und Not, Problemen und Leiden, angesichts derer die gelegentllche Lebensfreude nicht ins Gewicht fällt? Beide Sichtweisen lassen sich erleben und scheinen Recht zu haben.

Aber ich denke, beide Sichtweisen sind falsch: Wer das Leben durch Leiden gleich ganz in Frage gestellt sieht, sollte all das Gute darin, die Liebe und die Kinder zum Beispiel, nicht so gering achten. Und wer die Lebensfreude mit dem Sinn des Lebens verwechselt, verdrängt die Ernsthaftigkeit menschlicher Not.

Beides hat letztlich die falsche Größe. Unser Leben lässt sich nicht als gesamtes messen, ob es erfolgreich oder gescheitert ist, sondern jeder Tag ist neu, jede Sekunde ist geschenkt. Heute sollen wir leben. Und Gottvertrauen ist dabei eine gute Hilfe.

Predigttext am Sonntag, 8. Mai 2016, ist Epheserbrief 3, 14-21.

Pfarrer Matthias Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Beten für andere

Praying_people_crossing

(Bild: wikimedia commons lizenzfrei / GregorHelms)

Auch wenn manche das etwas verschämt nicht an die große Glocke hängen: Für andere zu beten ist eine schöne Sache und kommt viel häufiger vor, als man vielleicht denkt. Das Gebet für die Tochter, die ein Kind erwartet, das Stoßgebet für den Ehemann, der beruflich mit dem Auto so weit fahren muss, die an Gott gerichtete Bitte, dass es der lieben Freundin doch bald wieder besser gehe.

70 Prozent aller Menschen sagen, dass sie beten. Das sind deutlich mehr, als an einen personhaften Gott glauben oder in der Kirche sind. Beten ist offenbar etwas zutiefst menschliches. Im Gebet redet unser Herz, und dann ist es egal, ob uns passende Worte einfallen oder nur Spuren von Gedanken durch den Kopf gehen.

Wer seine Gebete für andere nicht an die große Glocke hängt, tut übrigens ganz das, was Jesus empfohlen hat: Zuhause in aller Stille zu beten. Was wir beten geht ja niemanden etwas an – außer Gott.

Predigttext am Sonntag, 1. Mai 2016, ist 1.Timotheus 2, 1-6a.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Music was my first love ….

metal

Bild: screenshot/blastofeternity

„Music was my first love and it will be my last“ – diese Ballade von John Miles aus dem Jahr 1976 zählt zu den Evergreens, den Liedern, die nie vergehen: „Musik war meine erste Liebe, und sie wird meine letzte sein.“ Ein Lied also, das sich selbst besingt.

Kaum etwas geht uns so unmittelbar nahe wie die Musik. Sie macht die Gefühle, die uns im Kino bewegen; in ihr kommen Dinge zum Ausdruck, die wir „trocken“ kaum so sagen würden. Wer ruft bei uns schon laut „Gelobt sei Gott!“, aber bei Leonard Cohens „Halleluja“ summen alle mit (und bei Jeff Buckleys Coverversion werden die Augen feucht.)

Am Sonntag ist der „Musik-Gedenktag“ in den Kirchen: Kantate, heißt er. Er erinnert daran, dass wir unsere Gefühle – gerade auch das „Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit“, das der Glaube ist – oft nur schwer in Worte fassen können. Wir werden aber wohl immer Musik finden, die diese Gefühle aufnimmt und ausdrückt. Dabei ist jede Art von Musik wertvoll, wenn Sie dies nur leistet, das Metal-Getöse, das das Schweigen durchbricht (weiß eigentlich jemand, dass wir in Neckarsulm jährlich das größte christliche Metal-Event Deutschlands haben ?) ebenso wie die Volksliedmelodie von „So nimm den meine Hände“, die uns in erträumte Paradiese entführt.

Predigttext am Sonntag, 24. April 2016, ist Kolosserbrief 3, 12-17.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Schwachsinn verdient keinen Respekt

D007 Palmyra - Theater

Theater in Palmyra vor der Zerstörung durch den Islamischen Staat (Foto: Treiber)

Wer Gott liebt, liebt auch die Menschen, heißt es kurz und knapp am kommenden Sonntag. Das muss man all den Fanatikern predigen, die glauben, sie müssten für ihren Gott andere Menschen umbringen. Viele sind heute ja übervorsichtig aus lauter Respekt vor dem Glauben anderer, aber manch menschenverachtender Schwachsinn verdient absolut keinen Respekt. Wer Menschen ermordet oder auch nur wegen ihres Glaubens unterdrückt, ist nicht gläubig, sondern böse.

Übrigens (1): Der Gedanke, dass die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen zusammengehören, ist auch im Islam nicht fremd.

Übrigens (2): Die Liebe, von der die Bibel redet, ist nicht nur so ein Gefühl, sondern eine Macht, die die Bösartigkeit in der Welt überwindet. Wir sollten also stolz auf unsere Haltung sein, uns dem Bösen entgegenzustellen. Und ganz konkret können wir stolz darauf sein, dass wir weit über eine Million Migranten im vergangenen Jahr bei uns aufgenommen haben und ihnen mit großem ehrenamtlichen und finanziellem Einsatz Lebensmöglichkeiten eröffnen, die sie in ihren Ländern und Kulturen nie hätten.

Predigttext am Sonntag, 17. April 2016, ist 1.Johannesbrief 5, 1-4.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Wer holt für uns die Kastanien aus dem Feuer ?

kdw

Die Kulissen des Films „Krieg der Welten“, wie sie heute noch in den Universal Studios in North Hollywood zu besichtigen sind. (Foto: Treiber)

Vater kümmert sich zu wenig um Sohn > Vater rettet Sohn um jeden Preis > Vater bringt Sohn zur Mutter zurück und – fast – alles ist gut. So laufen kurz und knapp gesagt viele der Blockbusterfilmen von The Day After Tomorrow bis Krieg der Welten ab. Der Vater, den man vermisst hat, rettet einen aus höchster Not.

Ein kindischer Traum? Sich jemanden zu wünschen, der einem die Probleme des Lebens löst, ist tatsächlich kindlich. Denn das wird nicht geschehen und da ist die Kritik an der Religion auch berechtigt, wenn sie einem die Eigenverantwortlichkeit nimmt und auf eine Lösung vertröstet, die nicht kommt.

Gott zieht nicht die Fäden in unserem Marionettenleben. Aber er ist der „gute Hirte“. Die Kastanien holt er für uns nicht aus dem Feuer. Aber sein Geist gibt uns Mut und Kraft, einen Weg zu finden, den wir gehen können. Leider nicht immer genau dann, wenn wir es wünschen, aber gewiss dann, wenn wir auf ihn hören.

Predigttext am Sonntag, 10. April 2016, ist 1.Petrusbrief 2, 21b-25.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar