Glauben – auch wenn man nicht sieht

baufälliges Haus

(Foto: iStock)

An die Liebe glauben – obwohl man gerade alleine ist? Glauben, dass alles gut wird – obwohl man gerade im Krankenhaus auf das Untersuchungsergebnis wartet? Glauben, dass all der Mist bald ein Ende hat – obwohl man gerade bis zum Hals drinsteckt? Das fällt alles furchtbar schwer. Glauben, obwohl man nichts sieht, was ihn begründen könnte.

Doch dann versteckt sich hinter all dem Belastenden irgendwo das Gefühl, dass man das Schwere nicht auf sich belassen will. Man spürt die trotzige Gewissheit, dass da doch etwas sein muss, ein Sinn, ein Halt, eine neue Möglichkeit.

Im Bibeltext für kommenden Sonntag heißt das Ziel „der Seelen Seligkeit“. Nichts, was wir machen könnten, aber wartet auf uns. Das zu hören mag ein erster Trost sein. Und die Aufforderung: Lass dich nicht unterkriegen! Das Leben ist jeden Tag neu.

Predigttext am Sonntag, 3. April 2016, ist 1. Petrusbrief 1, 1-9.

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Ein Leben ohne Auferstehung möchte ich mir nicht vorstellen

house-md_wallpaper-920x690„Wenn sie an die Ewigkeit glauben, ist Ihr Leben hier auf Erden unbedeutend“, meint TV-Arzt Dr. House gegenüber einer schwer traumatisierten Patientin. Glauben ist für ihn Weltflucht, der Glaube an die Auferstehung allemal. Doch die Patientin hält dagegen: „Wenn sie nicht an die Ewigkeit glauben, ist das was Sie tun unbedeutend.“

Genau darum geht es in der Auferstehung. Es ist der Glaube, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern die Aufhebung der Endlichkeit in die Ewigkeit. Wenn es diese Ewigkeit mit und für uns nicht gibt, ist tatsächlich alles unbedeutend, was wir in unserem endlichen Leben sind oder tun.

Ganz prägnant habe ich das von einer Person gehört, die ein Kind verloren hatte und dann meinte: Bisher habe ich nicht an den Himmel geglaubt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich meinen Sohn nicht wiedersehe.

Vielleicht bringt uns das Ostern nahe: Zu spüren, dass wir uns ein Leben ohne Auferstehung nicht vorstellen können und nicht vorstellen möchten.

Predigttext am Ostersonntag, 27. März 2016, ist 1.Korintherbrief 15, 1-11.

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Raumschiff Enterprise

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Mister Spock und Captain Kirk (Pressefoto 1968)

Wie habe ich Raumschiff Enterprise geliebt! Die beiden Hauptdarsteller haben in den nächsten Tage, am 22. und 26. März, ihren 85. Geburtstag, William Shatner und Leonard Nimoy, der allerdings schon vor einem Jahr verstorben ist. Besser bekannt sind sie als Captain Kirk und Mr. Spock.

Der Kern der Handlung ist schnell erzählt: Im 23. Jahrhundert hat die Erde ihre sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten überwunden und ist zur Erkundung des Weltalls aufgebrochen, wobei die Crew des Raumschiffes spannende Abenteuer bestehen muss. Ich habe die Serie geliebt, weil sie von einem tiefen humanen Ethos bestimmt war. Natürlich gibt es noch Not und Gefahr und Leid und Tod, aber die Menschen sind nicht mehr gefangen im Kreislauf von Gewalt und Verzweiflung, sondern blicken nach vorne und lassen sich in eine bessere Zukunft mitnehmen.

Heute fehlt uns dieser Optimismus leider. Anstatt etwas wie weiland Kirk und Spock für eine bessere Welt zu tun, belassen es viele beim Klagen und Schimpfen – oft wohlgenährt vom Küchentisch am Eigenheim aus. Dabei ist es einfach, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen – durch Liebe und Freundlichkeit, durch Verantwortungsbewusstsein und das Eingeständnis, dass auch andere Recht haben könnten.

Es gibt die bessere Welt, noch nicht sichtbar, aber schon entstanden durch all die Menschen, die das Richtige tun und – wie es im Bibeltext des Palmsonntags heißt – so gesinnt sind wie Jesus: voller Liebe zu ihren Nächsten und zu sich selbst.

Predigttext am Sonntag, 20. März 2016, ist Philipperbrief 2, Verse 5-11.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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„Room“ – Raum für Hoffnung auf Erlösung

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(Abbildung: picador.com)

Wie kann es Erlösung aus der Not geben und Hoffnung in allem Leid? Die theologische Begriffe mögen alt klingen, worum es dabei geht, ist dies allerdings nicht. Das zeigt der aktuelle Film „Room“, für den die Hauptdarstellerin jüngst verdient einen „Oscar“ bekam. (An 17. März unter dem Titel „Raum“ auch in deutschen Kinos zu sehen.)

Eine junge Frau wird seit Jahren in einem Raum gefangenen gehalten und hat dort einen inzwischen fünfjährigen Sohn zu Welt gebracht. Trotz allen Elends und des Missbrauchs durch den anonymen Entführer versucht sie, dem Jungen einen gute Kindheit zu bieten und ihn zu einem mutigen Menschen zu erziehen. Als Zeichen seiner Stärke lässt sie ihm nach dem Vorbild des biblische Samson die Haare wachsen,

Mehr soll hier nicht verraten werden, aber es ist eindrücklich, wie diese Geschichte von Not und Hoffnung erzählt und immer mehr um die Frage von Schuld und Verzweiflung kreist. Jenseits alles Bösen gibt es eine Erlösung – und deshalb ist Hoffnung kein Irrtum (um das einem anderen Oscar-Gewinner, „Mad Max“, entgegen zu halten. >https://treiberpredigt.wordpress.com/2015/09/14/hoffnung-ist-kein-fehler-mad-max/)

Predigttext am Sonntag, 13. März 2016, ist Hebräerbrief 5, 7-9.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Auf Trost zu hoffen, ist nicht kindisch

 

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George Frederic Watts: The Good Samaritan (Bild: wikicommons/gemeinfrei)

Kindisch seien wir, hat Sigmund Freud uns Christen vorgeworfen. Anstatt die Probleme des Lebens anzugehen, würden wir uns wie kleine Kinder zur tröstenden Mama flüchten. Glauben war für ihn nur eine religiöse Zwangsneurose.

Wenn er das so gesehen hat, nun gut. Vor hundert Jahren hat man Leute mit religiösem Trost vielleicht wirklich still halten wollen. Heute denke ich allerdings, dass es immer wieder Situationen im Leben gibt, in denen wir mit unserem Latein nicht weiter wissen und mit den Nerven am Ende sind. Und bevor ich dann nur in einen Abgrund schaue, vertraue ich mich lieber im Gebet dem „Gott allen Trostes“ an, von dem am nächsten Sonntag die Rede ist.

Hoffnung auf Trost, wer könnte dagegen ernsthaft etwas haben?

Predigttext am Sonntag, 6. März 2016, ist 2. Korintherbrief 1, 3-7.

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Forderungen zu stellen, ist einfach

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Solaranlagen – eine gute Sache? Oder? (Fotos: wikicommons/Tùrelio)

Forderungen zu stellen ist einfach: Der andere soll sich anständig benehmen und bei seiner Wortwahl darauf achten, dass die nicht beleidigend oder verleumderisch ist. Der erhobene Zeigefinger ist da nicht fern. Und bei manchem, was man gegenwärtig in der Flüchtlingsdebatte hört, muss man wohl deutlich Stop sagen.

 

 

Andererseits wissen wir alle, dass es leichter ist, Forderungen zu stellen, als sie zu erfüllen. Nicht habsüchtig sein, heißt eine der Forderungen der Bibel. Na klar! Gegen die Finanzhaie sind alle – aber gilt das auch für den, der sich im Billigmarkt günstige Hemden kauft, oder den, der sich seine Sonnenstromanlage auf dem Dach mit staatlich garantierter Rendite finanzieren lässt?

Das Leben ist meistens komplizierter als die Forderungen. Deswegen hat Jesus immer betont, dass letztlich nur eine Forderung gilt: Liebt einander! Und wie das dann im Einzelnen aussieht, wird jeder für sich vor seinem Gewissen verantworten müssen.

Predigttext am Sonntag, 28. Februar 2016, ist Epheserbrief 5, 1-8a.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Wie Hoffnung wieder kommt

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Jim Dine: The Black Rainbow (Foto: Treiber)

Ich wünsche uns allen, dass wir das nicht so oft erleben und dass das Gefühl hoffentlich zur Zeit ziemlich fremd ist, aber manchmal fühlt sich das Leben so an, als würde man nach unten gedrückt: Sorgen und Probleme – manche ernst, manche vielleicht auch nur übertrieben wahrgenommen. Jedenfalls scheint es nicht mehr vorwärts und aufwärts zu gehen, sondern eher in die andere Richtung, und man muss wohl noch froh sein, wenn es nicht schlimmer wird.

Zum Glück ist das Leben allerdings nicht so statisch. Irgendwie ist immer noch eine Bewegung zu spüren – nach oben oder zumindest nach vorne: Der Sonnenstrahl, der einen hinaus unter den blauen Himmel lockt, die Enkelin, die einen im Krankenhaus besucht, oder das Gefühl, dass wir geliebt werden, auch wenn wir es gar nicht wahrhaben wollen.

In den Bedrängnissen unseres Lebens lernen wir, geduldig zu sein, und spüren, wie sie wieder kommt: unsere Hoffnung.

Predigttext am Sonntag, 21. Februar 2016, ist Römerbrief, Kapitel 5, die Verse 1 bis 6.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Was im Leben gefragt ist

Alte Fotos

Erfahrung lehrt einen, seine Grenzen zu respektieren. (Foto: iStock)

„Wenn man morgens aufsteht, und es tut einem nichts weh, ist man tot!“ heißt es in einer etwas derb formulierten Lebensweisheit, der man wohl ab einem gewissen Alter zusammen kann. Dass wir schwach sind und an Grenzen stoßen, gehört zum Menschsein dazu und bringt die Lebenserfahrung mit sich.

Schwach sind wird und wollen dennoch den Beschwernissen des Lebens mit Macht begegnen. Probleme wollen wir lösen, obwohl wir manche unserer wirklich ernsthaften Probleme nicht lösen können, sondern nur lernen sollten, damit zu leben.

Stärke ist gut, aber im Leben sind von uns vor allem Liebe, Mut und Besonnenheit gefragt. Dinge, von denen ich überzeugt bin, dass der Glaube sie mit sich bringt.

Predigttext am Sonntag, 14. Februar 2016, ist Hebräerbrief 4, 14-16

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Unser Wissen ist Stückwerk – Liebe nicht

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(Foto: iStock)

Über den schönsten Text aus der Bibel wird am nächsten Sonntag gepredigt. Sie sollten ihn einfach selbst lesen:

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und hätte die Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk.

Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Wundervoll!

Predigttext am Sonntag, 7. Februar 2016, ist 1.Korintherbrief, Kapitel 13

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Du musst dein Leben ändern

Rom197 Ostia / Museum - Statue des Perseus

Statue des Perseus im Museum von Ostia (Foto: Treiber)

Der Dichter Rainer Maria Rilke, so wird erzählt, ist einmal verstört von einem Museumsbesuch zurückgekehrt. Eine griechische Steinskulptur hatte ihn beeindruckt, als sei er einem lebendigen Menschen begegnet. Rilke schreibt dazu: „Denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. Du musst dein Leben ändern.“

Dass Gott „alles sieht“, hat man früher Kindern gesagt, um sie zu gefügigen Untertanen zu machen. Es ist aber aller schwarzen Pädagogik zum Trotz auch eine Erfahrung: Manchmal fühlen wir uns wirklich ertappt, spüren, dass unser Innerstes berührt ist und wir etwas – uns? – ändern müssen. Und wenn unser Innerstes anderen auch verschlossen ist, vor uns selbst, unserem Gewissen, können wir uns nicht verstecken.

Ich denke, es ist gut, wenn man sich selbst nichts vormacht. Auch wenn es manchmal wehtut, bis wir endlich merken: „Du musst dein Leben ändern.“

Predigttext am Sonntag, 31. Januar 2016, ist Hebräerbrief 4, 12+13.

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