16-04-2020 – Mundschutz

2020-04-16

Nun also Mundschutz. In asiatischen Ländern ist das ja schon lange üblich, dass Menschen auf der Straße mit einem Mundschutz unterwegs sind. Schon lange vor Corona. 

Bei uns erregen solche Masken Argwohn – egal, ob radikale Demonstranten oder Frauen mit Gesichtsschleier. Wobei man ergänzen kann, dass auch manche Geistlichen riesige Bärte tragen, durch die man das Gesicht kaum noch sieht.

Wir wollen aber Leuten ins Gesicht schauen können. Das schafft Vertrauen. Denn wenn man miteinander redet, spielt nicht nur das, was wir sagen, eine große Rolle, sondern auch, welches Gesicht wir dazu machen. Non-Verbale Kommunikation. Wenn der andere eine Maske trägt, weiß ich nicht: Lächelt der jetzt oder ist er wütend, meint er das wörtlich oder ironisch? Wir Deutschen aber mögen es eindeutig, habe ich dazu in einem Artikel gelesen. Deshalb bin ich gespannt, wie das in den nächsten Wochen wird, mit Mundschutz.

Eines ist klar. Wir brauchen Vertrauen. Vertrauen, dass der andere es gut meint. Dass er mir nichts Böses will. Das sieht man anderen nicht an – und das kann man auch nicht beweisen. Um anderen zu vertrauen, braucht man schlicht und einfach: Gottvertrauen.

Gott gebe uns alles Vertrauen, das wir brauchen, und allen Mut dazu.

Ihr
Matthias Treiber

Hier können das auch anschauen und anhören:

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15-04-2020 – Höllenhunde ade

Höllenhund klein

Detail in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim (Foto: Andrea Haufer-Murrweiss)

Unsere Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim hat eine kleine Besonderheit: Höllenhunde zieren unsere Kanzel, liegen eingequetscht unter ihr. Gefährlich sind sie dennoch. Wenn man vorbeigeht, muss man aufpassen, dass man sich nicht anstößt. Kunsthistoriker halten das für reine Dekoration, aber für mich ist die Botschaft klar: Die Hölle kann uns nichts mehr antun. Der Teufel kann uns mal. Das Wort Gottes hat seine Begleiter zerquetscht.

Das ist doch ein guter Gedanke für diese Woche. Dem Bösen einfach keine Macht mehr zu geben. Die Bedrohung durch Not und Seuche und Tod bleibt. Aber deshalb sollen wir trotzdem als Gottes Kinder leben. Unser Denken sollen die Höllenhunde nicht bestimmen. Angst soll uns nicht beherrschen – auch nicht Wut oder Ärger. Sondern Glaube, Liebe und Hoffnung.

Und nach nun vier Wochen voller weitreichender Einschränkungen muss ich sagen: Wir haben uns gut geschlagen. Wir gehen gut miteinander um. Wir können stolz auf uns sein.

Seien Sie auch weiterhin vorsichtig und behütet!
Ihr
Pfarrer Matthias Treiber

Das gibt es auch als Video:

 

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14-04-2020 – Contact

2020-04-14Ist heute etwas anders? Nach Ostern ist alles ganz anders. Das Leben ist stärker als der Tod, die Hoffnung ist deshalb stärker als die Not.

Sind das nur fromme Worte? Ellie Arroway hat das erlebt – in einem wunderschönen Spielfilm. („Contact“ von Robert Zemeckis) Dort begegnet sie in einer fremdartigen Welt ihrem verstorbenen Vater. „Es ist alles ganz anders“ sagt sie erstaunt, als sie in diesem Paradies ankommt. Anders als man es sich vorstellen kann, anders als man denken kann, anders auch als befürchtet.

Ich wünsche mir, dass nach Ostern solch ein Neustart möglich wird. Dass wir uns lösen können von unseren Vorstellungen und Wünschen, von unseren Ängsten und Vorurteilen. Das neue Leben ist anders, kann anders sein: Liebevoller, hoffnungsfroher, freier. Warum? Weil Gott sagt: Du sollst leben! und: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Mein Reich ist anders.

Bleiben Sie behütet!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

Diesen Sonntagsgedanken gibt es auch auf YouTube:

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Karsamstag – ab in die Hölle

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(Foto: Treiber)

Karsamstag, der Tag zwischen Karfreitag und Ostern. Ein ziemlich finsterer Tag „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“ heißt das im Glaubensbekenntnis. Also in die Hölle.

Ich habe mir als Kind die Hölle immer wie einen tiefen Keller vorgestellt. Nicht wirklich unheimlich, Gespenster gibt es nicht. Aber irgendwie finster, häßlich und ganz gewiss kein Ort, an dem man leben möchte oder leben kann.

Und wissen Sie, was das Schlimmste an der Hölle ist? Dass man alleine ist. Niemand da, der einem in der Not beisteht. Wie Hänsel ohne Gretel; wie Lieutenant Ripley alleine im Kampf gegen das Alien; wie Tom Hanks alleine mit seinem Basketball „Wilson“ auf der Insel in Cast Away.

Hoffentlich kommt bald einer, der hier heraus hilft.

Morgen schon, an Ostern, bringt Gott neues Licht in unser Leben – oder: Licht, das uns neues Leben zeigt: Hell, klar und voller Liebe.

Seien Sie behütet! 

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

…und hier zum Anschauen:

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Gründonnerstag – „We’ll meet again“

IMG_1990Ich beneide die Briten. Um ihre Königin. Vor ein paar Tagen hat sie eine grandiose Rede  gehalten. Mit 93 Jahren. Hat in aller britischen Coolness ihren Landsleuten Mut zugesprochen. Und dabei einen Schlager aus dem zweiten Weltkrieg zitiert: „We will meet again“ – der so vielen Soldaten im Kampf gegen unser Nazideutschland Mut gemacht hat.

Wir werden uns wieder treffen. Zum Glück nicht nach einem Krieg, sondern nach der häuslichen Kontaktbeschränkung. Die allermeisten von uns werden die Corona-Erkrankung, falls sie sie überhaupt bekommen, wohl gut überstehen und werden einander tatsächlich wiedersehen. Und noch lange leben – wie Dame Vera Lynn, die das Lied gesungen hat und inzwischen 104 Jahre alt ist.

Das alles war 1939, als das Lied aufgenommen wurde, nicht abzusehen. Da ging es Vera Lynn und Elizabeth II wie den Jüngern Jesu am heutigen Gründonnerstag – man weiß nicht einmal, was morgen kommt. 

Was in drei Tagen kommt, wissen wir aber: Ostern. Die Auferstehung Christi. Wie sagte die Queen: „Bessere Tage werden zurückkehren: Wir werden wieder bei unseren Freunden sein. Wir werden wieder bei unseren Familien sein, wir werden uns wiedersehen“. Nicht an den Osterfeiertagen in diesem Jahr, aber irgendwann danach.

Bleiben sie behütet, mutig und stark!

Ihr
Pfarrer Matthias Treiber

Diesen Beitrag gibt es auch zum Anschauen:

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2 Tage bis Karfreitag – mit Steve Jobs

2020-04-08

Steve Jobs (Abb wiki commons gemeinfrei / based on File:Steve_Jobs_Headshot_2010-CROP.jpg made by Matt Yohe)

„Fast alles – alle äußeren Erwartungen, aller Stolz, alle Angst vor Peinlichkeit oder Misserfolg – all diese Dinge fallen einfach im Angesicht des Todes ab und lassen nur das übrig, was wirklich wichtig ist.“
Steve Jobs hat das gesagt, der charismatische Gründer von Apple, kurz nach seiner ersten Krebserkrankung.
Der Tod, genauer gesagt: Die Angst vor dem Tod zeigt einem, worauf es im Leben wirklich ankommt.

In diesen Tagen lässt sich das, wenn man will, deutlich spüren. Was ist mir das Wichtigste im Leben, heißt die Frage? Dass es meinen Kindern gut geht. Meiner Frau selbstverständlich auch. Und dass ich immer mehr Hoffnung und Glaube habe als Angst und Leere spüre.

Und schön in diesen Tagen ist, dass vieles von dem, was einen oft so arg beschäftigt hat, keine Rolle mehr spielen muss: Was andere von mir denken? zum Beispiel. Oder die Fehler der anderen am Arbeitsplatz. Oder wo wir in ein paar Jahren eine neue Wohnung finden.

Was zählt, ist das Jetzt. Was zählt, ist die Liebe. Alles andere ist nicht unwichtig, aber zweitrangig und manchmal ganz zu vernachlässigen.

Bleiben Sie behütet!

Ihr
Matthias Treiber

Diesen Beitrag gibt es auch zum Anschauen:

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5 Tage bis Ostern – Simon Birch

2020-04-07Ich möchte heute Abend diese DVD anschauen, Simon Birch. Es geht dabei um einen kleinwüchsigen Jungen, der überzeugt ist, dass er eine Bestimmung hat. Er ist nur 94 Zentimeter groß, aber er glaubt, dass Gott ihn so gemacht hat, wie er ist, weil er etwas mit ihm vorhat.

Der Film ist leider in Deutschland nicht mehr erhältlich und die Kopie auf YouTube ist furchtbar. Deshalb darf ich Spoilern: Am Ende erfüllt der Junge seine Bestimmung und rettet zahlreiche Kinder vor dem Ertrinken.

Eine Geschichte über Freundschaft und Schicksal und Glaube.

Und eine tragische Komödie gegen das Vorurteil, man könnte von außen sehen, ob jemand mutig ist und sich in der Not bewährt.

Sie kennen sicher die Geschichte von Petrus mit der großen Klappe. Der Jünger Jesu, der ewige Treue schwor und dann aber schlief, als Jesus auf seine Gefangennahme wartete, und der ihn verleugnete, als er später nach ihm gefragt wurde.

Simon Birch ist anders. Er erzählt nur seinem Freund von der Bestimmung – und ist da, als man ihn braucht. Opfert sich für andere.

Ein Vorbild in diesen Tagen.

Bleiben Sie behütet!
Ihr
Matthias Treiber

Das Buch, auf dem der Film basiert, können Sie natürlich lesen: Owen Meany von John Irving. Und diesen Beitrag gibt es auch zum Anschauen:

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6 Tage bis Ostern – Raffaels Tod

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Raffael, Selbstporträt (Abb. gemeinfrei)

Raffaello kann man auch selbst machen, habe ich im Internet gelernt. Aber mir geht es heute nicht um die italienische Praline, sondern um den Namensgeber, denke ich, Raffaello Sanzio, den Künstler. Seine Bilder kann man nicht selbst nachmachen.

Und seine Geschichte zu hören ist kein süßer Genuss, im Gegenteil.  

Das Fieber hatte ihn erwischt. Schweißgebadet lag er in Rom, erst 37 Jahre alt. Und heute vor genau 500 Jahren, am 6. April 1520 starb Raffael vermutlich an der Malaria. 

Er war ein schon damals ungemein erfolgreicher Künstler, den aber eines auszeichnete. Der Ruhm ist ihm nie zu Kopf gestiegen. Die Frauen lagen ihm wohl zu Füßen, wie man so sagt, aber geliebt hat er vielleicht nur eine: Margerite Luti, eine Bäckerstochter aus Siena. 

Nach seinem Tod an der Seuche wurde er schnell im Pantheon in Rom beerdigt. Sein Grab wird heute noch verehrt. Eine Statue der Maria wacht über seinem Grab.

Genies wie Raffael werden bewundert, von allem, wenn sie auch noch einen hohen „sittlichen Charakter“ haben, wie es über ihn heißt.

Typisch, dass andere ihn schlecht machten, und behaupteten, er sei selbst an seinem Tod schuld, weil er sich in einem Bordell infiziert habe.

So weit weg sind uns die Menschen vor 500 Jahren heute gar nicht. Krankheit, Neid und Tod. Halten wir uns an die andere Seite, die Raffael gezeigt hat: Liebe und Charakter

Tun wir also das, was wir gut können – auch wenn wir keine Genies sind. Und tun wir das, was für andere gut ist – vor allem, wenn wir sie lieben.

Bleiben Sie behütet!
Ihr
Matthias Treiber

Das Ganze gibt es auch zum Anschauen:

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8 Tage bis Ostern …und die Frühverrentung?

Matthias Treiber

Pfarrer Matthias Treiber (Foto: Haufer-Murrweiss)

Wochenende – und noch eine Woche bis Ostern. Eigentlich hätten jetzt ja die Osterferien begonnen, aber in diesem Jahr fühlt sich das nicht so an. Lehrer und vor allem Schüler werden zwar froh sein, wenn sie das ungewohnte Internet-Lernen mal etwas ruhen lassen können, aber ansonsten fehlt für viele das Gefühl, dass jetzt endlich ein paar Tage kommen, die man gemütlich zuhause verbringen kann.

Seit drei Wochen sind wir jetzt dauernd zuhause, jedenfalls in der Freizeit. Kein Sportplatz und kein Kino, keine Kneipe und keine Einladungen zum Abendessen. In den letzten drei Wochen hätte man all das tun können, wozu man nie Zeit hatte, aber das „gute“ Buch, das man neben den Sessel gelegt hat, ist immer noch in Folie eingeschweisst, und der Kleiderschrank nicht ausgemistet.

„Corona muss man sich als Warm-up für die Frühverrentung vorstellen“, hat ein Journalist in der WELT geschrieben. Nun, wenn so der Ruhestand aussieht, dann verstehe ich, warum Rentner sagen, dass sie nie Zeit hätten.

Zeit sollten wir uns in diesen Tagen aber nehmen. Für uns. Bewusst. Die Möglichkeit haben wir in diesem Jahr nun mehr als genug. Sich in der Karwoche einfach einmal in einen Sessel setzen und die letzten drei Wochen Revue passieren lassen.

  • Was war anders und hat mich verändert?
  • Was habe ich ganz neu erlebt? Und was schmerzlich vermisst?
  • Woher kommen meine Ängste? Und was erhoffe ich?
  • Und vor allem: Wen habe ich so gerne, dass ich ihn nie missen möchte?

Bleiben Sie behütet unter Gottes Segen! 

Ihr
Pfarrer Matthias Treiber

Das Ganze gibt es auch zum Anschauen:

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9 Tage bis Ostern und ein schräger Dichter

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Hölderlin im Kreisverkehr in Lauffen am Neckar (Foto: Treiber)

Nur wenige Kilometer entfernt von hier liegt Lauffen am Neckar. Ein Katzensprung, oder besser gesagt 20 Minuten mit dem Fahrrad. Richtig verboten ist Radfahren ja gerade nicht, aber allein macht es auch keinen Spaß. In Lauffen wurde vor 250 Jahren Friedrich Hölderlin geboren. Ein  Dichter, ein bisschen schräg vielleicht, würde man heute sagen. Das Denkmal im Kreisverkehr in Lauffen zu seinen Ehren deutet jedenfalls darauf hin.

Ein Satz von ihm wird gerade dauern zitiert: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“

Das klingt ziemlich passend. Wir hoffen, dass unser nachbarschaftlicher Zusammenhalt wächst und hoffentlich auch die wissenschaftliche Erkenntnis über das Corona-Virus. Ich hoffe, dass daher Hilfe kommt.

Hölderlin hat aber etwas anderes gemeint: Das Zitat heißt nämlich ganz: „Nah ist und schwer zu fassen der Gott. Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“

Ich verstehe das so, dass wir den Gang der Welt oft nicht verstehen, warum vieles schwierig ist, manches leidvoll, und warum unser Leben immer gefährdet ist. Gott wirkt da ziemlich fern, so als gäbe es ihn nicht. Aber ganz im Verborgenen wirkt er. Wächst das Rettende. Das wir nicht sehen, manchmal nicht erkennen. Und das manchmal ganz anders kommt, als erwartet und erhofft.

In aller Gefahr und Angst und Unsicherheit muss man das Rettende wachsen lassen. Das gilt übrigens auch in der Wissenschaft. Viele Erkenntnisse hat man ganz unerwartet gewonnen. Zum Beispiel dass ein Malaria-Mittel gegen das Corona-Virus wirkt. „Der“ Gott Hölderlins wäre uns dann ganz nahe.

Bleiben Sie behütet heute.

Ihr
Matthias Treiber

Das Ganze gibt es auch zum Anschauen:

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