30-05-2020 – Pest und Covid

Mit der Pest wurde die Corona-Epidemie immer wieder verglichen. Manches ist ganz anders, manches ähnlich. Wir haben genügend wissenschaftliche Fähigkeiten, um der Covid-19 Epidemie entgegen zu treten – andererseits sind manche Gefühle und Verhaltensweisen durchaus ähnlich wie im 14. Jahrhundert. Der Dichter Boccaccio hat das am Anfang seines „Decamerone“ geschildert, wie die Pest in Florenz wütet und jeden tötet – egal, ob er sich schützt, ob er lebt, als gäbe es kein morgen, oder ob er fliehen will. Niemand entkommt der Pest.

So ist das heute natürlich nicht. Wer Abstand hält und Mundschutz trägt, senkt die Wahrscheinlichkeit einer Infektion erheblich – für sich und andere. Aber der Dichter meint etwas anderes: Er zeigt in seiner Geschichte: Wer nur ums Überleben kämpft, wird nicht überleben. Wir Menschen sind einander keine wilden Tiere und auch keine dummen Schafe. Wir sind fähig zu Liebe und zu Erkenntnis. Es ist fantastisch, was in den letzten Wochen geleistet wurde. In Medizin und Versorgung natürlich, aber eigentlich von uns allen. Natürlich sind Fehler passiert und natürlich gibt es ein paar dumme Menschen, die Dummes sagen. Aber sind dabei, neue Herausforderungen zu meistern, die es in dieser Größenordnung in den letzten 70 Jahren nicht gab. Wir machen das gut.  Ein guter Geist leitet uns.

Ich wünsche Ihnen ein frohes Pfingstwochenende.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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29-05-2020 – Angst als Leidenschaft

Thomas Hobbes kann einem leid tun. „Die einzige Leidenschaft meines Lebens war die Angst.“ hat er geschrieben. Im 17. Jahrhundert, in dem er lebte, furchtbar auf der Welt: In England herrschte Bürgerkrieg nach der großen Feuer-Katastrophe 1666 wollte man ihn in London sogar wegen Gotteslästerung hinrichten. Hobbes hatte allen Grund zur Angst – und hat auch Theorie entwickelt, wie man ihrer Herr werden kann.

Angst ist nämlich ein kluges Gefühl, wenn sie uns hilft, Gefahren zu erkennen. Wenn die Gefahren aber erkannt sind, sollte man sich von der Angst lösen und vernünftig handeln. Das ist oft nicht einfach. Wer Schlimmes erlebt hat, wird die Angst davor oft nicht los, dass das wieder passieren könnte. Und oft ist die Angst berechtigt. „In der Welt habt ihr eben Angst“, sagt Jesus. Und dann sagt er nicht: Reißt euch mal zusammen! – sondern er fährt fort: „Aber seid getröstet. Ich habe die Welt überwunden.“

Angst vergeht nicht einfach. Jesus nimmt das ernst. Aber Angst sollte nicht unser Weltbild sein. Sie soll uns nicht davon abhalten, die Welt so zu sehen, wie Jesus sie wollte: friedlich, liebevoll und frei.

Seien sie behütet.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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28-05-2020 – Glaub‘ nicht alles

Ich glaube, der hat recht, der Martin Luther.  Dass man nicht alles glauben soll, was im Internet steht. Schon lange vor der Elektrizität hat er das offenbar gewusst.

Natürlich ist die Ironie hier überdeutlich. Das Internet ist voll von solchen Memes, die uns davor warnen, alles für bare Münze zu nehmen, was jemand gepostet hat.

Mit Glauben hat das übrigens nichts zu tun. Man kann nicht „glauben“, dass das uns geheime Corona-Chips implantiert wurden, sowenig wie man „glauben“ kann, dass die Erde eine Scheibe ist. Glauben heißt nicht, etwas Unsinniges für wirklich zu halten. Man kann nicht jeden Mist glauben. 

Glauben gibt es nur in Bezug auf Dinge, bei denen es für uns selbst um Alles oder Nichts geht. Beim Glauben geht es um Leben und Tod, um Ewigkeit und Vertrauen, um Liebe und Hoffnung.

Glauben ist für manche Theologen so etwas wie ein Gefühl. Das Gefühl der „schlechthinnigen Abhängigkeit“, das Ergriffenensein von dem, was uns unbedingt angeht. Das spürt man, wenn man in der Trauer von schöner Musik getragen wird, wenn man in einer alten Kirchen die Kerzen und die Fenster betrachtet. Glaube zeigt sich, wenn wir mit anderen weinen und mit anderen Lachen, wenn wir spüren, dass es jenseits aller Grenzen etwas gibt, das uns trägt und hält. 

Gott, der die Liebe ist.

Er segne Sie jetzt und den ganze Tag.

 

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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27-05-2020 – Dorothy Levitt

Kennen Sie Dorothy Levitt? Eine besondere Frau, wie man bei Mercedes in Stuttgart lernen kann. Dorothy Levitt hat den Rückspiegel fürs Auto erfunden. 1909. Die britische Rennfahrerin gab ihren Geschlechtsgenossinnen den Tipp, immer einen Handspiegel beim Autofahren dabei zu haben – um nach hinten schauen zu können. Ab 1914 montierte man dann tatsächlich serienmäßig Spiegel ans Auto. Ihr anderer Ratschlag hat sich nicht durchgesetzt. Sie empfahl allen Frauen eine Schusswaffe, vorzuweisen einen Automatik-Colt, im Handschuhfach zu haben, vor allem, wenn sie alleine unterwegs sind. Nun gut.

Das mit dem Spiegel aber war ein toller Tipp. Man sieht, ob hinten etwas los ist, und kann trotzdem den Blick nach vorne gerichtet halten. Wie im Leben: „Wer zurück schaut, ist nicht geschickt für das Reich Gottes“, sagt Jesus. Wie beim Autofahren zählt vor allem, was vor einem liegt. Sicher ans Ziel zu kommen.

Seien Sie behütet.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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26-05-2020 – Eigentlich anders

„Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu“. In den letzten Wochen hatte man ja abends genügend Zeit, nachzudenken, auch über sich. Und das Zitat von Ödön von Horvath trifft’s, wenn ich so manchmal auf mich schaue.

Eigentlich bin ich gelassen, hilfsbereit und vernünftig. Nie nachtragend, immer das Beste im anderen vermutend – aber jetzt rutsche ich schon in die Ironie hinein. Denn so bin ich natürlich nicht. Oft bin ich genervt, nicht immer hilfsbereit und manchmal auch unvernünftig.

Oder bin ich eigentlich doch ganz anders? Vielleicht macht man sich am besten gar kein so festes Bild von sich selbst. Wichtiger, als wie ich eigentlich bin, ist es, wie ich daherkomme. Und da muss man sich manchmal halt anstrengen, um zu erfüllen, was im Philipperbrief steht: Tut nichts aus Eigennutz oder weil ihr angesehen sein wollt. Und schaut nicht, nur, was ihr davon habt, sondern auch auf das, was dem andern dient.

Seien Sie behütet!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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25-05-2020 – Tomaten-Weisheit

„Wissen ist, gelernt zu haben, dass Tomaten Früchte sind. Weisheit bedeutet, sie trotzdem nicht in einen Obstsalat zu schneiden. Und Philosophie ist das Nachdenken darüber, ob das bedeutet, dass Ketchup ein Smoothie ist.“

Der Spruch gefällt mir. Er zeigt, dass es ganz verschiedene Arten von Erkenntnis gibt. Zur Zeit heißt das vielleicht: Wissen ist das, was die Wissenschaft bis heute erkannt hat. Weisheit bedeutet, bereit zu sein, dass man morgen mehr und anderes weiß. Und Philosophie ist dann wohl wieder bei Sokrates angekommen: Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Und Theologie? Die sagt dann: Ich glaube, dass Gott es gut mit uns meint, wenn er Tomaten wachsen lässt. Und ebenso gut meint er es mit uns, wenn er uns den Verstand gibt,  wissenschaftliche Erkenntnis mit unserem Glauben und unserer Liebe zu verbinden.

Passen Sie auf – auf sich und andere!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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23-05-2020 – Grund-Gesetz

Tragen Sie die Verfassung im Herzen? Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz, die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland verabschiedet. Der erste Satz dort klingt ziemlich religiös: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen…“ 

Den Satz kann man ja auch auf sich selbst beziehen und sich ins Herz schreiben. Ich tue dies oder das nicht nur für mich, weil ich für mich verantwortlich bin, sondern fühle mich auch anderen gegenüber verantwortlich.

„Soll ich meines Bruders Hüter sein“ hat in der Bibel Kain gefragt. Natürlich sind wir auch anderen Menschen verantwortlich für das, was wir tun. Wenn ein Verletzter an der Straße liegt, hat er das Recht uns zu fragen: „Warum hilfst du mir nicht?“  

Und Gott hat das Recht, uns zu fragen: Warum tust du dies oder das? Warum denkst du nur an dich? Warum bist du nicht freundlicher, ruhiger, verständnisvoller?

Da kann man Gott sogar hören: In unserem Gewissen. Dieser inneren Stimme, die uns immer darauf aufmerksam macht, dass wir nicht nur uns selbst gegenüber, sondern auch den anderen Menschen und Gott gegenüber verantwortlich sind.

Gott behüte Sie!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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22.05.2020 – Bleiben Sie……?

Ich habe das noch nie gemocht. Wenn ich niesen muss, ich habe manchmal Heuschnupfen, rufen mir die Leute „Gesundheit!“ zu. Ein gut gemeinter Wunsch, aber krank bin ich ja eigentlich nicht. Mir wäre es lieber, man würde den kleinen Allergie-Defekt einfach übersehen.

Noch mehr Probleme habe ich, wenn ich ihn diesen Tagen den Gruß lese: „Bleiben Sie gesund“. Gerne würde ich dem Ratschlag ja folgen, aber es liegt nicht in meiner Hand, ob ich krank werde. Ich weiß, es ist nett gemeint, als Wunsch. Aber mich erinnert es daran, dass ich jederzeit auch krank werden kann. Der Gruß lässt einen etwas verloren in der Welt zurück.

„Bleiben Sie behütet!“ habe ich bisher selbst oft geschrieben. Damit ist zumindest hörbar, dass das jemand anderes machen muss, mich behüten.

Aber dann kann ich es ja auch gleich direkt sagen und Ihnen wünschen:
Gott behüte Sie!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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20-05-2020 – Dach über dem Kopf

Morgen ist Himmelfahrt und ich werde die Predigt in einer Kirche in der Nachbargemeinde halten. Die Feier wird gestreamt und man kann sie zuhause anschauen. (www.ekg-flein.de). Ausgerechnet an Himmelfahrt, wo normalerweise mehrere hundert Besucher im Freien auf einer Wiese feiern. Aber es wäre völlig unverantwortlich, so etwas organisatorisch auch nur zu versuchen. Nun also in einer Kirche, wo man beim Blick nach oben eine Holzdecke sieht. Und die Zuschauer zuhause zwischen Wänden und unter Rauhfaser-Decken sitzen.

Irgendwie sind wir vielleicht aber doch auch Höhlenmenschen. So gerne man draußen ist, so gut tut es, zu wissen, dass einem der Himmel nicht auf den Kopf fallen kann. Die Gallier mögen da Schilder über sich halten. Ich halte mich an die Bibel, wo steht: „Wer im Schutz des Höchsten wohnt und ruht im Schatten des Allmächtigen, der sagt zu Gott: Du bist für mich Zuflucht und Burg, mein Gott, dem ich vertraue!“

Einen schönen Himmelfahrtstag wünsche ich Ihnen.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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19-05-2020 – 190 Jahre Rasenmäher

Ein großes Jubiläum ist dieses Jahr zu feiern. Vor allem für Männer. Vor genau 190 Jahren wurde der Rasenmäher erfunden, patentiert und erstmals produziert. Seit dem schultert der Mann samstags nicht mehr die Sense, wenn er in den Garten geht, sondern rollt den Rasenmäher aus der Garage.

Und wissen Sie, wer den Rasenmäher erfunden hat? Ich denke, das wäre eine Frage bei Günther Jauch. Edwin Beard Budding, ein englischer Textilingenieur war es. Seinen Namen wird kaum jemand kennen.

Aber so ist das mit den großen Erfindern. Ihre Werke kennt man, ihre Namen kaum. Vermutlich wird es auch den Entwicklern eines Corona-Impfstoffs so gehen. Ihre Namen kennt man kaum, während jeder dämliche Musiker seine Verschwörungstheorien über die Medien verbreiten kann.

Die Wissenschaftler werden ihre Befriedigung darin finden, Millionen Menschenleben zu retten. Anderen zu dienen ist nicht nur für Christen das höchste Ethos Und wir könnten uns zumindest vornehmen, die Arbeit der Mediziner und Pharmazeuten nicht zu vergessen, wenn wir, so Gott will, in ein paar Monaten geimpft werden.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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