Das Gute im Leben

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Erntedankaltar in der Sontheimer Matthäuskirche (Foto: Treiber)

Wie schnell man doch vergisst! Bang hat man auf das Ergebnis beim Arzt gewartet, ängstlich an die Zukunft der Firma gedacht, sorgenvoll die Krise in der Partnerschaft erlitten. Und im Jahr darauf ist schon fast vergessen, dass Krankheit kuriert ist, der Arbeitsplatz gesichert und dass man wieder viele glückliche Momente in der Ehe erlebt.

Dass wir das Gute als selbstverständlich nehmen, ist zunächst oft weniger das Problem, als dass wir die Momente der Bedrohung so schnell vergessen. Das sind ja häufig die Situationen, in denen wir merken, dass wir leben und dass wir ein gutes Leben haben wollen und bereit sind, darum zu ringen. Das sind die Situationen, in denen wir etwas lernen können; vor allem den Unterschied zwischen dem, was im Leben wichtig ist, und was nur so dazugehört oder nicht. Streit um Nachbars Apfelbaum lohnt nicht, Ringen um ein erfülltes Leben schon.

Um zu erkennen, was im eigenen Leben wichtig ist, gehört wohl auch das Bewusstsein, dass man das Glück in seinem Leben letztlich nicht selbst geschaffen hat, sondern geschenkt bekommt, als Leben, als Liebe und als Erfahrung.

Das könnte dieses Jahr der Erntedank sein: Im Herzen Gott Danke zu sagen für das Gute in unserem Leben – und unseren Liebsten zu danken für alle Liebe.

Predigttext zum Erntedankfest ist Jesaja 58, 7-12.

 

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Keine Sorge!

2019-09-29Vor ein paar Jahren hat eine Australierin interessante Interviews geführt und Menschen, die in der Ruhestand gingen, gefragt, was sie am meisten in ihrem Leben bereuen. Erwartet wurden Antworten wie „Ich habe zu viel gearbeitet und mich zu wenig um meine Familie gekpümmert“ oder „Ich habe viel zu sehr darauf geachtet, was andere von mir denken.“ Aber die Mehrheit der Befragten bereute etwas ganz anderes und sagte: „Ich habe mir in meinem Leben viel zu viele Sorgen gamacht.“

Diese Weisheit fehlt mir ehrlich gesagt noch. Ich mache mir dauernd Sorgen – über alles mögliche. Und wenn konkrete Anlässe fehlen genügt ein Blick in mögliche Krankheitsstatistiken und ich glaube, ein kommendes Zipperlein zu spüren. Lächerlich eigentlich, aber ich denke, ich bin da nicht allein.

Da wünsche ich mir, dass mein Glaube ruhig etwas fester sein könnte. „All eure Sorge werft auf Gott.“ heißt es in der Bibel. Richtig werfen! Loswerden mit Schmackes! Manchmal klappt es. Nicht immer, aber immer öfters. Also sollte ich mir als nächstes ums Sorgen-Loswerden auch keine Sorgen machen, sondern dem Ruf einfach folgen: „All Deine Sorgen wirf auf Gott!“ und „Always look on the bright side of life.“

Anfang des Jahres im Krankenhaus waren das ganz hilfreiche Sätze.

Predigttext am Sonntag, 29. September 2019 ist 1.Petrusbrief 5, 5b-11.

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Stairway to Heaven

2019-09-22

Martin Puryear, Ladder for Booker T. Washington, Modern Art Museum of Fort Worth (Foto: Treiber)

Die Stairway to Heaven bestimmt den nächsten Sonntag in den Predigten, die Himmelsleiter, die nächtens dem Jakob erscheint, der auf der Flucht vor seinem Bruder ist, den er betrogen hat.

Während der Song von Led Zeppelin allerdings in mystischer Unklarheit bleibt, führt der Traum des Jakob zu Klarheit: Gott ist mit uns, auch wenn wir Mist bauen.

Darauf zu vertrauen lernt man, wenn man auf die Zeichen achtet, die Gott uns schickt. Manchmal sind das Träume, häufig Bibeltexte und in der Regel andere Menschen, die uns in Liebe begegnen.

Predigttext am Sonntag, 22. September 2019, ist 1.Mose 28, 10-19a
Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Alle Menschen werden Brüder

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Berlin, Leipziger Platz 2019 (Abb.: Treiber)

Klassik-Musik gefällt nicht jedem, aber praktisch jeder kennt „Freude schöner Götterfunken“ von Beethoven zum Text von Friedrich Schillers Ode an die Freude. Zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland 2009 stand ich in einer großen Menge Menschen vor dem Brandenburger Tor, es wurde gelacht und gefeiert, tolle Stimmung, und als der Schlussteil der 9. Symphonie anfing, schwiegen alle ergriffen und manche sangen die bekanntesten Zeilen auch mit. Der Klang war zwar suboptimal, aber von der Bedeutung her war das Klassik at it’s best. Viele Menschen, die zusammen davon singen, dass alle Menschen Brüder werden und von dem Gedanken ergriffen sind, dass alle Menschen zusammengehören – was will man mehr!

Dieser Gedanken ist im Westen, genauer in der Aufklärung entwickelt worden: Wir Menschen sind alle gleich, weil wir alle Kinder eines Schöpfers sind. Thomas Jefferson und der Marquis de Lafayette haben daraus die Menschenrechte formuliert. Eine der wichtigsten Ursprünge der Menschenrechte stammt von Jesus Christus (auch wenn seine Kirche dies oft genug verraten hat und verrät), der Gedanke, dass alle Brüder und Schwestern sind, dass Blutsverwandtschaft dabei nichts zählt und wir deshalb gerade in aller Verschiedenheit zusammengehören und Kinder eines Schöpfers sind (die Aufklärer würden ergänzen: egal, wen wir für den Schöpfer halten.)

Ich mag den Gedanke übrigens lieber konkret in Kurzfassung: Ich bin Gottes Kind und jeder andere Mensch auch.

Predigttext am Sonntag, 15. September 2019 ist Markus-Evangelium 3, 31-35.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Anders als man denkt

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Immer noch up to date – Blaise Pascal (Abb.: gemeinfrei)

„Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.“ heißt eine vielzitierte Lebensweisheit, die gelegentlich Wilhelm Busch zugeschrieben wird. Religiös hat das schon der Mathematiker Blaise Pascal auf den Punkt gebracht: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm von deinen Plänen.“ Beides ist uns klar und dennoch denken wir immer wieder, wir könnten planen: Unser Leben und das unserer Kinder, den Ruhestand und unsere Gesundheit. Aber Prognosen haben eben das Grundproblem, dass niemand weiß, wie die Zukunft aussieht. 1962 meinte eine große Plattenfirma, dass die Beatles bald aus der Mode kommen. 1975 haben Wissenschaftler noch eine neue Eiszeit propagiert und die Fehlprognosen des Club of Rome sind Legion. Politisch sollten wir also lieber versuchen, die heutigen Probleme zu lösen, als uns die morgigen möglichst schrecklich auszumalen.

Privat gilt das natürlich genauso. Unser Erwartungen und oft auch Befürchtungen haben mit der Wirklichkeit oft wenig zu tun. Am besten ist es, heute offen zu sein für das, was geschieht und von uns verlangt ist. Um den morgigen Tag brauchen wir uns nicht zu kümmern, hat Jesus gesagt. Wenn es um die Zukunft geht, sollten wir keine Pläne machen, sonder besser Gott im wahrsten Sinn des Wortes „einen guten Mann“ sein lassen. Wie es dem Gelähmten aus der Bibel ergeht, der Petrus und Johannes um Geld anbettelt – und am Ende geheilt dasteht. Manchmal ist es doch gut, wenn es anders kommt, als man denkt.

Predigttext am Sonntag, 8. September 2019, ist Apostelgeschichte 3, 1-10.

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Lass Hoffnung nicht vergeblich sein!

2019-09-01

Foto: Treiber

Eine Sache ist mir aufgefallen, als ich Anfang des Jahres mit einer Krebserkrankung zu kämpfen hatte. Die Frage, die ich mir zuvor klischeehaft vorgestellt hatte: „Warum gerade ich? Und wie kann Gott das zulassen?“ hat sich mit nie gestellt. Krankheit ist nie und nimmer eine Strafe, sondern Teil des Lebens, ein Teil, den wir nicht wollen, und eines Lebens, das wir uns anders und besser vorstellen.

 

Die mit der Krankheit verbundenen Ängste lassen sich nicht dadurch überwinden, dass man sich als Opfer eines ungerechten Gottes sieht. Meinen Ängsten stand damals eine Hoffnung gegenüber, die mir eine innere Stimme immer ins Gedächtnis rief. Das Bibelwort aus Psalm 119 schwirrte mir, ohne dass ich es überlegt hatte, als Gebet durch den Kopf: „Gott, lass meine Hoffnung nicht zuschanden werden.“

Predigttext am Sonntag, 1. September 2019 ist das Buch Hiob, Kapitel 23.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Eine echte Zwickmühle

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Zwickmühlen haben es in sich (Abb. public domain)

Der Mann steckt in einer echten Zwickmühle: Seiner sterbenskranken Frau kann nur noch ein Medikament helfen, das aber seine Versicherung nicht bezahlt, er sich nicht leisten kann und leihen tut ihm auch niemand so viel Geld. Soll er das Medikament stehlen?

Dieses Gedankenexperiment von Lawrence Kohlberg ist als „Heinz-Dilemma“ in der Sozialpsychologie bekannt. Darf man stehlen, um Leben zu retten? Welches Gebot ist höher: Nicht stehlen oder nicht töten? Je mehr man drüber nachdenkt, desto mehr spürt man die Zwickmühle. Wenn zwei Gebote sich widersprechen, dann bleibt uns nur eines: Wir müssen nach unserem Gewissen entscheiden.

Aber hat unser Gewissen eine Richtung? Für Jesus war das ganz klar: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!“ Das ist das höchste Gebot – zusammen mit der Ehrfurcht vor Gott, und das heißt doch hier wohl: zusammen mit dem, was uns der Heilige Geist in unserem Gewissen sagt.

Was das jeweils konkret heißt, ist nicht leicht zu beantworten. Aber alles, was in Liebe geschieht, kann jedenfalls nicht ganz falsch sein.

Mit besten Wünschen

Ihr
Matthias Treiber

Predigttext am Sonntag, 25. August 2019 ist Markus-Evangelium 12, 28-34.
Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Alles falsch gemacht?

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Alles falsch gemacht? Es gibt immer die Möglichkeit, neue Wege zu besteigen…. (Foto: Treiber)

Alles falsch gemacht?Nicht nur ein bisschen, sondern ganz grundsätzlich. Mir hat das mal jemand ziemlich drastisch so als seine Lebensbilanz geschildert: „Alles schief gegangen und ich bin selbst schuld.“

Ich kann mir kein Leben vorstellen, für das dieser Satz gilt. Natürlich kann man gewaltig Mist bauen im Leben, falsche Entscheidungen treffen und andere Menschen zutiefst verletzen. Und manchmal tun Menschen sogar Unverzeihliches, sagen wir. Und ich weiß, dass das stimmt, und möchte mir das jetzt gar nicht vorstellen.

Aber dann gibt es diese Offenbarung aus einem jenseits dieser Welt, von hinter den Kulissen des Lebens. Gott kann jedem gnädig sein. In der Ewigkeit ist alles anders. Nichts legt uns auf ewig fest.

Schön, im Paradies mag das so sein, aber hier auf Erden? kann man zu Recht einwenden.

Da, so glaube ich, bedeutet das doch, das wir jeden Augenblick anfangen können, ein besseres Leben zu führen. Das alte vergeht nicht, aber wenn es – Gott behüte uns davor – für uns keinen Wert mehr hat, sollte es uns auch nicht mehr daran hindern, ein anderes zu beginnen, hier und jetzt.

Predigttext am Sonntag, 18. August 2019 ist Philpperbrief 3, 7-11.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Das Ende der Gewalt

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Denkmal im Park der Vereinten Nationen in New York City (Foto: Treiber)

Warum können einen andere Menschen nicht einfach in Ruhe lassen?Warum werden Jugendliche gemobbt? Warum glauben manche, andere in Panik versetzen und erziehen zu müssen? Warum lässt man Leute, die anders leben und lieben nicht in Ruhe? Warum wollen einem andere alles mögliche verbieten? Warum können die Besserwisser nicht einfach mal ihren Mund halten? Warum gibt es überhaupt Konflikte zwischen Menschen?

Das ist wohl der Preis dafür, dass wir soziale Wesen sind und mit anderen zusammenleben müssen. Darunter gibt es eben auch manche Verbrecher und viele, die einfach nur dumm sind. Gegen die Verbrecher wird man sich wehren müssen, zur Not auch mit Gewalt. dennoch bleibt die Verheißung, dass alle Gewalt einmal ein Ende hat, dass wir Menschen lernen, aus Schwertern Pflugscharen zu machen.

Predigttext am Sonntag, 11. August 2019 ist Jesaja 2, 1-5.

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Brot meines Lebens

Super-Woman

Im Leben braucht man Power – aber woher nehmen? (Foto: lizenzfrei)

Wenn mir mal wieder einiges über den Kopf zu wachsen droht, dann hätte ich gerne jemanden, der meine Probleme löst. Das sage ich ganz ehrlich, obwohl es infantil ist. Kindisch, zu glauben, dass der große Zampano kommt, und alles gut macht.

Meine Gebete formuliere ich deshalb anders. Ich bitte Gott um Kraft und Mut und Gelassenheit und Zuversicht und ….., na ja, es gibt viel, was einem hilft, das Leben zu meistern. Infantil wäre es auch, zu denken, man müsste Gott einen konkreten Wunschzettelauflisten. Denn Gott wäre nicht Gott, wenn er uns nicht anbieten würde, was wir Menschen brauchen. „Brot“ unseres Lebens zu sein und jemand der unseren Durst stillt, sagt Jesus.

Manchmal fällt es schwer, das zu glauben, weil es manchmal weniger und anderes ist, als wir uns – zu Recht – wünschen würden. Dass es doch genügt, Brot unseres Lebens zu sein und unseren Durst nach einem guten Leben zu stillen? Am Ende der Tage werden wir es sehen, glaube ich.

Ihr

Matthias Treiber

Predigttext am Sonntag, 4. August 2019, ist Johannes-Evangelium 6, 30-35.

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