Dazu ist die Kirche gut

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Wozu Kirche und Religion gut sind? Vielleicht auch dazu, dass sie sich dem Thema Leid und Tod stellen. Niemand redet davon gerne oder denkt gerne daran, aber das, was im Leben an Finsternis möglich ist, zu ignorieren, ist genauso wenig sinnvoll, wie auf Allgemeinplätze zurückzugreifen. Immerhin kann man der Religion zugute halten, dass sie sich seit Tausenden von Jahren dem Thema stellt und es durchdacht hat. Und dass Menschen dadurch Trost gefunden haben, der ihnen Leben ermöglichte. Darauf kann man auch selbst aufbauen.

Niemand weiß, was nach dem Tod kommt, und niemand kann beweisen, dass das Leben sinnvoll ist. Aber der gläubige Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal hat zu einer Wette eingeladen, deren Ergebnis deutlich macht, dass es in jedem Fall sinnvoller ist, zu glauben, als nicht zu glauben. Wer glaubt mag sich täuschen, aber er führt in jedem Fall ein erfülltes Leben. Wer nicht glaubt, mag am Ende recht haben, aber ein Leben zu führen, das ich als sinnlos empfinde, möchte ich mir nicht vorstellen müssen.

Das macht Leid nicht leichter und den Tod nicht erträglicher – aber es hält einen fest, wenn alles wankt. Es ist gewiss, dass weder Tod noch Leben uns vom Grund unseres Seins, von Gott trennen können.

Predigttext am Ewigkeitssonntag, 24. November 2019, ist Matthäus 25, 1-13.
Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Sei gesegnet und spüre dies!

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Foto: Treiber

Game of Thrones hat in diesem Jahr zu einem – na ja – Happy End gefunden, obwohl immer noch gilt: „Winter is coming“. Die dunkle Jahreszeit provoziert dunkle Gedanken an Leid und Not und Tod. Daran wird auch die kleine Freude am bunten Laub in der kurzen Mittagssonne nichts ändern.

Es ist gut, das Dunkle im Leben nicht zu verdrängen, und für mich ist das die wesentliche Bedeutung der Kirche: Wir stellen uns – seit 2.000 Jahren – diesen bedrängenden Erfahrungen von Endlichkeit, stellen uns der Verzweiflung und suchen spürbaren Trost und stärkende Hoffnung.

Selbstsichere Worte sind da fehl am Platz. Der Glaube, dass es jenseits der Endlichkeit unendliches Sein und Sinn gibt, ist zunächst einmal nur eine trotzige Behauptung: Wir lassen uns von dem kommenden Winter nicht unterkriegen. Der Frühling kommt wieder. Ganz gewiss! Wir können es spüren: Gott ist mit uns und segnet uns. Jeden Tag.

Predigttext am Sonntag, 17. November 2019, ist Hiob 14 (in Auszügen)
Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Liebet eure Feinde?

2019-11-10Liebet eure Feinde! heißt es im Predigttext am kommenden Sonntag, und dass das nicht so einfach ist, weiß jeder. Manchmal muss man Feinden mit Gewalt entgegentreten.Es war nötig, dass die Allierten den Kampf gegen Nazideutschland mit Waffen geführt haben; es wäre ein Verbrechen gewesen, jesidischen Frauen in Syrien den Schutz durch Waffengewalt zu verwehren; es ist dringend nötig, dass Politik und Polizei mit aller legitimen Gewalt den Untaten bei uns entgegentreten. So steht es auch in einem unserer Bekenntnisse, der Barmer Theologischen Erklärung von 1934.

Man könnte es bei der Feststellung belassen, dass Feindesliebe eine Utopie ist – oder man fängt einfach damit an, so wie Jesus oder Martin Luther King oder all die anderen, die mit Weisheit und Verstand im anderen nicht den Feind sehen, sondern maximal einen bösartigen Menschen, den man stoppen muss – manchmal leider auch mit Gewalt.

Predigttext am Sonntag, 10. November 2019 ist Lukas 6, 27-38.
Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Gott verlässt uns nicht

2019-11-03.jpeg„Die Saurier hatten einfach Pech, weil Sie zu groß für die Arche Noah waren. Deshalb sind sie ausgestorben, als vor 5000 Jahren die Sintflut kam.“

Das ist natürlich kreationistischer Quatsch*. Saurier gibt es in der Bibel nicht und die großen Echsen verschwanden wohl infolge eines Kometeneinschlags vor 65 Millionen Jahren. Dafür haben sich ihre Nachfahren aber prächtig zu Vögeln entwickelt. „Das Leben findet einen Weg. Immer.“ (Sie wissen, woher das Zitat ist?)

Bei der Geschichte Noahs geht es nicht um einen Mann, der einen Kahn für zigtausend Tiere gebaut hat, sondern um den Menschen, der Erlösung findet, wenn er sich auf Gott verlässt. Wo die einen denken, dass alles den Bach runtergeht (wenn man die Sintflut so verniedlichen darf), erkennt Noah im Regenbogen ein Zeichen Gottes. So etwas Schönes am Himmel kann nur eines heißen: Gott verlässt uns nicht, nie und nimmer.

(* Mich ärgern die Menschen, die die Bibel missbrauchen, um pseudo-wissenschaftliche Fake-News zu verbreiten. Evolution ist eine Tatsache. In der Bibel geht es um Anderes: Um unser Leben als Menschen – und den Segen Gottes dazu.)

Predigttext am Sonntag, 3. November 2019, ist die mythologische Erzählung von Noah in 1.Mose 8 und 9 (in Auszügen).

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Glaube als Mut zum Sein

2019-10-27

Foto: Treiber 

Manchmal mache ich Dinge richtig, und weiß nicht wie.
Manchmal geht es mir gut, und es liegt nicht an mir.
Manchmal spüre ich daran tief im Innersten, dass ich glaube.

Glauben heißt nicht, etwas für wirklich zu halten, das nicht ist, sondern Glauben ist innere Kraft, die uns liebevoll sein lässt, ist Mut zum Sein, der uns Kraft gibt, und ist Gottvertrauen, das unser Leben zuweilen verändert.

Predigttext am Sonntag, 27. Oktober 2019 ist Johannes-Evangelium 5, 1-16.
Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

Der Begriff „Mut zum Sein“ ist der Titel eines Buches von Paul Tillich, einem deutsch-amerikanischen Theologen des 20. Jahrhunderts. Leider ist es aktuell nicht mehr als günstiges Taschenbuch zu haben. Ein Redemanuskript von Wilhelm Grab zu dem Buch finden Sie >hier.

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Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert

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Sozialer Visionär – Gustav Werner (Abb. gemeinfrei)

„Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert“, lautete das Motto von Gustav Werner. Und als er die Not elternloser Kinder sah, quittierte er – eher unfreiwillig – den Pfarrdienst und gündete eine Waisenhaus. (Später nahm er dort den in Heilbronn geborenen Wilhelm Maybach auf, der bei Werkstattleiter Gottlieb Daimler lernte…. Sie wissen vielleicht, wie die Geschichte weiterging.)

Tatsächlich halte ich von Leuten, die guten Absichten haben, denen aber die Konsequenzen egal sind, nicht viel. Heuchler und Moralisten können einem doch wirklich gestohlen bleiben. Wichtig ist, dass man sieht, was helfen würde, und tut, was notwendig ist. So wie Gustav Werner.

Predigttext am Sonntag, 20. Oktober 2019 ist Jakobus 2, 14-26.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim

P.S. Für Interessierte zur Geschichte von Gustav Werner und Wilhelm Maybach: https://www.evangelisch.de/inhalte/112751/14-02-2015/was-nicht-zur-tat-wird-hat-keinen-wert

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Gutes zählt, egal aus welchen Gründen wir es tun

2019-10-13

Wichtig ist, das man hilft – das Warum ist zweitrangig.

In Schubladen könnte man die Frau leicht stecken: Prostituierte, Hausbesitzerin, vielleicht sogar Kapitalistin – dazu Verräterin und sie hilft anderen nur, wenn ihr selbst auch geholfen wird. Aber sie hilft anderen und darauf kommt es an.

Rahab heißt die Frau, im biblischen Buch Josua wird von ihr erzählt, und ich finde es erstaunlich, das dabei nichts beschönigt wird. Wichtig ist allein, was dabei rauskommt: Rettung.

Heute wird von nahezu jedem, der in der Öffentlichkeit wirkt, moralische Vollkommenheit gefordert. (Nur bei den eigenen Leuten drückt man natürlich ein Auge zu.) Dabei geht es doch nicht darum Gutes zu beabsichtigen, sondern Gutes zu tun. Die Konzentrations- und Umerziehungslager dieser Welt wurden von Idealisten erbaut. In der Geschichte von Rahab zählt nur die Praxis. Das finde ich gut und daran kann ich glauben.

Predigttext am Sonntag, 13. Oktober 2019, ist Josua 2, 1-21.

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Das Gute im Leben

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Erntedankaltar in der Sontheimer Matthäuskirche (Foto: Treiber)

Wie schnell man doch vergisst! Bang hat man auf das Ergebnis beim Arzt gewartet, ängstlich an die Zukunft der Firma gedacht, sorgenvoll die Krise in der Partnerschaft erlitten. Und im Jahr darauf ist schon fast vergessen, dass Krankheit kuriert ist, der Arbeitsplatz gesichert und dass man wieder viele glückliche Momente in der Ehe erlebt.

Dass wir das Gute als selbstverständlich nehmen, ist zunächst oft weniger das Problem, als dass wir die Momente der Bedrohung so schnell vergessen. Das sind ja häufig die Situationen, in denen wir merken, dass wir leben und dass wir ein gutes Leben haben wollen und bereit sind, darum zu ringen. Das sind die Situationen, in denen wir etwas lernen können; vor allem den Unterschied zwischen dem, was im Leben wichtig ist, und was nur so dazugehört oder nicht. Streit um Nachbars Apfelbaum lohnt nicht, Ringen um ein erfülltes Leben schon.

Um zu erkennen, was im eigenen Leben wichtig ist, gehört wohl auch das Bewusstsein, dass man das Glück in seinem Leben letztlich nicht selbst geschaffen hat, sondern geschenkt bekommt, als Leben, als Liebe und als Erfahrung.

Das könnte dieses Jahr der Erntedank sein: Im Herzen Gott Danke zu sagen für das Gute in unserem Leben – und unseren Liebsten zu danken für alle Liebe.

Predigttext zum Erntedankfest ist Jesaja 58, 7-12.

 

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Keine Sorge!

2019-09-29Vor ein paar Jahren hat eine Australierin interessante Interviews geführt und Menschen, die in der Ruhestand gingen, gefragt, was sie am meisten in ihrem Leben bereuen. Erwartet wurden Antworten wie „Ich habe zu viel gearbeitet und mich zu wenig um meine Familie gekpümmert“ oder „Ich habe viel zu sehr darauf geachtet, was andere von mir denken.“ Aber die Mehrheit der Befragten bereute etwas ganz anderes und sagte: „Ich habe mir in meinem Leben viel zu viele Sorgen gamacht.“

Diese Weisheit fehlt mir ehrlich gesagt noch. Ich mache mir dauernd Sorgen – über alles mögliche. Und wenn konkrete Anlässe fehlen genügt ein Blick in mögliche Krankheitsstatistiken und ich glaube, ein kommendes Zipperlein zu spüren. Lächerlich eigentlich, aber ich denke, ich bin da nicht allein.

Da wünsche ich mir, dass mein Glaube ruhig etwas fester sein könnte. „All eure Sorge werft auf Gott.“ heißt es in der Bibel. Richtig werfen! Loswerden mit Schmackes! Manchmal klappt es. Nicht immer, aber immer öfters. Also sollte ich mir als nächstes ums Sorgen-Loswerden auch keine Sorgen machen, sondern dem Ruf einfach folgen: „All Deine Sorgen wirf auf Gott!“ und „Always look on the bright side of life.“

Anfang des Jahres im Krankenhaus waren das ganz hilfreiche Sätze.

Predigttext am Sonntag, 29. September 2019 ist 1.Petrusbrief 5, 5b-11.

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Stairway to Heaven

2019-09-22

Martin Puryear, Ladder for Booker T. Washington, Modern Art Museum of Fort Worth (Foto: Treiber)

Die Stairway to Heaven bestimmt den nächsten Sonntag in den Predigten, die Himmelsleiter, die nächtens dem Jakob erscheint, der auf der Flucht vor seinem Bruder ist, den er betrogen hat.

Während der Song von Led Zeppelin allerdings in mystischer Unklarheit bleibt, führt der Traum des Jakob zu Klarheit: Gott ist mit uns, auch wenn wir Mist bauen.

Darauf zu vertrauen lernt man, wenn man auf die Zeichen achtet, die Gott uns schickt. Manchmal sind das Träume, häufig Bibeltexte und in der Regel andere Menschen, die uns in Liebe begegnen.

Predigttext am Sonntag, 22. September 2019, ist 1.Mose 28, 10-19a
Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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