In Vino Veritas

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Der deutscheste aller Weine, der Riesling. (Foto: wikicommons / Bauer Karl)

„Im Wein ist Wahrheit“, sagt man, aber ich habe mit solch einer Weisheit zunächst meine Probleme. Ein guter Lemberger ist eine feine Sache, und im Sommer kann man bei einem Glas kühlen Weisswein gut zur Ruhe kommen. Auf der anderen Seite finde ich das große Elend und Leid, dass der Alkoholkonsum Menschen in unserer Gesellschaft zufügt – Alkoholkranken und deren Familien, Verkehrstoten – so fürchterlich, dass mir keines der üblichen Sauflieder über die Lippen geht.

Tacitus, dem wir die Verbreitung des Zitats verdanken, hat damit eine Beobachtung im alten Germanien verdeutlicht: Unsere Vorfahren würden ihre Ratssitzungen nur betrunken abhalten, weil man betrunken nicht lügen könne. Um Saufen bis zur Bewusstlosigkeit kann es also nicht gegangen sein, sondern darum, sich nicht mehr verstellen zu können.

Da ist etwas wahres dran. Und vielleicht ist der Weinbau deshalb so besonders mit Kultur und menschengemäßem Genuss verbunden. In jedem Fall ist er eine der ältesten Kulturleistungen des Menschen. Bei Jesus ist der liebevolle Weinanbau sogar ein Bild für Leben, das wächst und gelingt. Darauf möchte ich anstoßen – mit einem Zehntel Chardonnay und nur nach 20 Uhr und nur, wenn alle Anwesenden auch mitmachen können.

Predigttext am Sonntag, 25. Februar 2018, ist Jesaja 5, 1-7.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Mit Widersprüchen leben

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Gnade schenkt Offenheit und Gelassenheit und macht das Leben trotz aller Widersprüchlichkeit schön. (Foto: iStock)

Lachen und Weinen, Freude und Angst, Erfolg und Niederschläge, Leiden, Lachen und Freundlichkeit – das Leben ist voller Widersprüche, und jeder von uns muss seines zusammenhalten. Vielleicht können Sie dieser Beschreibung, die so ähnlich vom Apostel Paulus stammt, zustimmen. Wenn, dann können wir eigentlich meistens ziemlich stolz auf uns sein, dass wir das schaffen: Jeden Tag mit diesen gegensätzlichen Erfahrungen umzugehen, manche zu ertragen, uns über manche zu freuen und aus manchen das Beste für uns und andere herauszuholen.

Das zu können ist – das alte Wort sei gesagt: – Gnade. Ein Geschenk, das zum Leben dazugehört. Und ich möchte dankbar dafür sein und es jedem wünschen, dem das Leben gerade schwer fällt.

Predigttext am Sonntag, 18. Februar 2018, ist 2.Korinther-Brief 6, 1-10

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Das beste Argument: Glaubwürdigkeit

HeucheleiManchmal kann ich mich bei Debatten so richtig ereifern. Keine Angst, immer noch zivilisiert, aber doch so, dass ich das Gefühl habe: Jetzt platzt mir gleich der Kragen. Dann tippe ich unter den entsprechenden Facebook-Beitrag mal einen saftigen Kommentar – und poste ihn dann doch nicht, weil es den Ärger nicht lindert.

Was mich meistens so ärgert, ist Heuchelei: Gut erscheinen und schlecht handeln. Die Öko-Prediger, die mit ihren alten TDIs zur Tagung kommen, ebenso wie die selbsternannten Retter des Abendlands, die vor Jahren selbst hier eingewandert sind. Dabei ist klar: Man darf sagen und (mit Respekt vor der Freiheit der anderen) tun, was man will. Aber beides muss übereinstimmen!

Doch dann fasse ich mich an meine eigene Nase: Bei keinem stimmen Reden und Handeln immer überein. Manchmal sieht man zwar den Splitter im Auge des anderen, aber den Balken vor den eigenen Augen sieht man nicht. Diese Einsicht kühlt manchen Eifer deutlich ab und man erkennt, was in Diskussionen immer das beste Argument ist: Glaubwürdigkeit.

Predigttext am Sonntag, 11. Februar 2018, ist Amos 5, 21-24.

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In der Schwachheit liegt die Kraft

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Diese Schüler wissen das offenbar: In der Schwachheit liegt die Kraft… 🙂  (Foto: wikipedia commons / Love Krittaya)

Wir leben von dem, was wir geschenkt bekommen: Leben und Liebe, Möglichkeiten und Fähigkeiten, Raum und Zeit für uns.

Und wir leben für das, was wir daraus machen können: Anderen zu Ihrem Glück verhelfen und unser Liebsten lieben, Not linderen und für Fortschritt sorgen, Neues wagen, Gutes planen, Sinnvolles tun.

Mit dieser Erkenntnis beginnt Religion: Unser Leben haben wir uns nicht selbst gegeben und unser Glück können wir nur in geringem Maße selbst uns schaffen. Aber wir können anderen ihr Leben leichter machen und unser Glück Gott anvertrauen, der uns jenseits von Raum und Zeit, jenseits alles Begrenztheit und Endlichkeit in seinen Armen hält. So ist es zu verstehen, wenn Gott laut Paulus sagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; den meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit.

Predigttext am Sonntag, 4. Februar 2018, ist 2.Korinther 12, 1-10.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Angeber mag keiner

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Angabe oder tolles Auto? Was meinen Sie? (Foto: wikicommons/OSX)

Angeber und Wichtigtuer mag keiner. Dem werden Sie vielleicht zustimmen, aber je nach dem haben wir dabei unterschiedliche Typen vor Augen und könnten uns herrlich streiten, ob ein AMG-Mercedes Angabe oder einfach ein klasse Fahrzeug ist, oder ob der Essay der sich als Intellektuelle verstehenden Autorin inspirierend ist oder nur überhebliches Geschwätz.

 

Außerdem wird kaum einer abstreiten, dass er für das, was er tut, gerne die entsprechende Anerkennung hätte. Und wenn andere das nicht einsehen, hilft man eben etwas nach, indem man sich selbst rühmt. Das ist menschlich und verständlich – führt aber nicht weiter.

Denn für jede Stärke haben wir auch eine Schwäche. Deswegen warnt der Apostel Paulus davor, sich selbst zu rühmen. Wir sind alle darauf angewiesen, dass andere mit uns auch mal gnädig umgehen und dass Gott und das Leben uns gnädig sind. Wohl deswegen sollen wir Gott, den Grund unseres Lebens, rühmen: Weil er barmherzig ist.

Das braucht uns nicht klein zu machen, im Gegenteil. Denn umgekehrt gilt auch: Für jede Schwäche haben wir von Gott gewiss auch eine Stärke bekommen. Andere mögen die nicht immer sehen oder anerkennen. Sei’s drum! Wer sich selbst nicht rühmt, ist auch nicht vom Lob anderer abhängig. Es genügt, sich an Gott zu halten und seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst auch. Und deshalb ist mir ein freundlicher AMG-Fahrer allemal lieber als ein rücksichtsloser Radfahrer – und umgekehrt.

Predigttext am Sonntag, 28. Januar 2018, ist Jeremia 9, 22+23.

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Stranger Things – seltsame Dinge

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Vorbild der Fantasy: Die Offenbarung des Johannes (Hier die Apokalyptischen Reiter von Hans Burgkmaier – Metropolitan Museum of Art, NY – Wikimedia commons)

Beim bingen in den Weihnachtsferien habe ich mich über gar nichts gewundert, nicht über die seltsamen Gestalten in „Herr der Ringe“, nicht über die kafkaeske Welt in „Stranger Things“und schon gar nicht über die fliegenden Drachen in „Game of Thrones“ – aber jetzt reicht es, denke ich. Die Wirklichkeit sieht anders aus und ist zum Glück viel weniger bedrohlich.

Oder doch nicht? Hinter der meist mittelalterlichen Kulisse der Fantasy-Epen zeigen sich die offenbar ewigen Menschheitskonflikte um Liebe und Macht, um Hass und Gewalt – und in der Bibel ist es nicht anders in der von mythischen Bildern geprägten Offenbarung des Johannes. Die apoklayptischen Reiter dort haben nicht nur die Filmemacher inspiriert, sondern sprechen unsere tiefen Ängste an.

Wie man von Ängsten und vom Bösen frei werden kann? Im „Herrn der Ringe“ musste die Macht im Vulkanfeuer vernichtet werden, wie „Stranger Things“ ausgeht, weiß noch niemand und in der Welt von „Game of Thrones“ scheint es aus der Gewalt keinen Ausweg zu geben. In der Fantasy wird uns eben nur unsere Angst vorgeführt.

Für mich gibt es aus der Welt der Angst nur einen Ausweg: An Gott, der die Liebe ist, zu glauben, und dies in Jesus zu erkennen: Liebe ist stärker als der Tod. Das Böse wird keinen ewigen Bestand haben. Und das können wir jeden Tag selbst beweisen, indem wir lieben.

Predigttext am Sonntag, 21. Januar 2018, ist Offenbarung des Johannes Kapitel 1, Verse 9 bis 18.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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„Es ist alles ganz anders. Wunderschön.“

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Kontaktstelle in eine außerirdische Welt: Das Very Large Array in New Mexico (Foto: wikicommons/user:Hajor)

„Worte können das nicht beschreiben. Gedichte. Sie hätten einen Dichter schicken sollen. Wunderschön…so wunderschön“ jubelt in dem Film „Contact“ fast sprachlos die Wissenschaftlerin Ellie Arroway, als sie die ersehnte jenseitige Welt betritt. Oder bildet sie sich das nur ein? Überwältigend jedenfalls scheint die Erfahrung zu sein.

Und wir? Bilden wir uns unseren Glauben und unsere Hoffnung nur ein? Ich bin überzeugt: Nein! In manchen Erfahrungen ist mir schon deutlich geworden: Da ist mehr, als ich sehen und begreifen kann. So wichtig und unbestreitbar richtig naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind, es gibt Wahrheit, die jenseits davon ist. Ethik und Moral gehören dazu, aber auch Hoffnung und Vertrauen und Liebe. Wissenschaftlich lässt sich das nur begrenzt erklären und herbei diskutieren lässt es sich, denke ich, gar nicht. Hoffen können und geliebt werden, ist mehr als ich begreifen kann.

Und am Ende? Wo all unsere Vorstellungen und Modelle scheitern? Wenn wir die letzte Grenze überwunden haben, wenn der letzte Schmerz vergangen ist? In manchen Momenten spüre ich den Glauben, dass ich dann erkennen werde: „Es ist alles ganz anders. Wunderschön… so wunderschön.“

Dass das stimmt, kann ich nicht beweisen. Aber dass ich damit besser leben kann, weiß ich.

Predigttext am Sonntag, 14. Januar 2018, ist 1.Korinther-Brief 2, 1-10.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Sich leicht nehmen – wenn’s doch so leicht wäre!

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Think different! hieß das Motto der Apple-Werbekampagne 1997, die die „crazy ones“ lobte. (Foto: Treiber)

Wie ein Apostel der Mittelmäßigen lässt der greise Komponist Salieri sich in dem unvergessenen Film „Amadeus“ feiern. Gegen den genialen Mozart ist er nur mittelmäßig – und jeder andere sowieso. Wir bewundern die Genies, gieren nach sportlichen Höchstleistungen und lassen uns von im wahren Sinne außer-ordentlichen Künstlern inspirieren. Und wie in dem legendären Apple-Werbespot aus dem Jahr 1997 sind es offenbar die „crazy ones“, die Verrückten, die unsere Welt verändern.

Doch Vorsicht! ruft der Apostel Paulus. Was in der Welt als genial verehrt wird, muss nichts Gutes sein. Da kann einer noch so gute Filme machen. Die Vergewaltigung einer 13jährigen macht das nicht ungeschehen. Und da mag einer noch so hehre politische Ziele verfolgen. Massenmord wird das nie rechtfertigen.

Woran erkennt man also ein wirkliches Genie? Vielleicht daran, dass es seine Grenzen kennt. Alle Begabungen die wir haben, wir Mittelmäßigen wie die Genies, haben wir uns nicht verdient, sondern qua Geburt geschenkt bekommen. Wer viel davon hat, von dem darf man deshalb auch erwarten, dass er sein Genie für andere einsetzt. Und wer dafür Ruhm erntet, der sollte ihn Gott weitergeben.

Predigttext am Sonntag, 7. Januar 2018, ist 1.Korintherbrief 1, 16-21.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Mehr als ich zu hoffen wage

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Seltsam: Die Taube ist ein oft verhasstes Stadt-Tier – und zugleich ein mächtiges Symbol für den Heiligen  Geist.

Atheisten vergleichen den Glauben an Gott zuweilen mit dem Glauben an eine Teekanne, die um die Erde kreist und unser Schicksal steuert. Absurd, klar! Aber ein Bild, das eben auch völlig daneben liegt, weil es den Kern des Glaubens nicht erreicht: Glaube ist nicht das Für-wahr-halten einer dummen Ansicht wie der, dass die Erde eine Scheibe ist, sondern Glauben ist das existentielle Vertrauen, dass mein Leben und mein eigenes Bewusstsein einen Grund und Sinn und ein Ziel hat, dass es mit dem hinter allem stehenden Ewigen verbunden ist, mit dem Sein-Selbst, wie Philosophen Gott nennen.

Spannender und strittig ist eher die Frage, ob es dafür Zeichen gibt, Anzeichen dafür, dass es Gibt gibt und er für uns da ist. Das Problem: Auch an die Zeichen dafür muss man glauben, beweisen tun Zeichen nämlich nichts. Deswegen irren die religiösen Fundamentalisten genauso wie die Atheisten. Sie nehmen den Glauben nicht ernst, der eben nicht das Für-wahr-halten von der Wissenschaft widersprechenden Ansichten ist, sondern Vertrauen und Gefühl das Unendliche.

Wer in sich lauscht und diesen Hauch der Unendlichkeit erahnt, vielleicht in dieser weihnachtlichen Zeit mit ihrer seltsamen Beseeltheit, der kann auch ohne Beweise an Gott glauben. Weil er spürt: Da ist mehr als ich zu hoffen wage.

Predigttext an Silvester ist 2. Mose 13, 20-22.

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Gesegnete Weihnacht!

W.motiv5-1Weihnachten – Keiner soll zu kurz kommen! Die Geschichte ist ziemlich eindeutig: Nach seiner Geburt wird Jesus zunächst Menschen vorgestellt, die am Rande stehen: verdächtigen Hirten und fremde Sterndeutern. Anderen Außenseitern gilt später die besondere Aufmerksamkeit Jesu, den „Sündern und Zöllnern“.

Weihnachten – Endlich Erlösung! Dennoch weitet sich die Geburt Jesu zu seiner Verheißung für alle: In einer Welt, in der jeder Mensch als Gott betrachtet wird, misst sich der Wert unseres Lebens nicht an Reichtum oder Macht – und auch nicht daran, ob wir eine glückliche Familie haben und viele Menschen, die uns lieben. Wir sind doch alle Gottes Kinder! Es gibt keinen Grund für uns, vor dem Thron Gottes in die zweite Reihe zu treten. Wir sind wer! Jede(r)!

Weihnachten – Lebendige Hoffnung! Gott zeigt sich in einem neugeborenen Kind, in einem gelebten Leben. Als Prinzip oder jenseitiger Despot könnte er uns nicht berühren. Unsere Seele bebt zu Weihnachten, weil zwischen Kerzenglanz und Geschenkpapier das Kind in der Krippe liegt und wir spüren: Das Leben kann schön sein, und wo es schwer ist, ist es jedenfalls erfüllt. Hoffnung ist nicht leer, sondern lebt; es gibt ein Reich, das nicht von dieser Welt ist, sondern im Kind in der Krippe existiert.

Ein gesegntes Weihnachtsfest wünscht Ihnen
Matthias Treiber

Die Weihnachtsgeschichte finden Sie in der Bibel im Lukas-Evangelium, Kapitel 2, und im Matthäus-Evangelium, Kapitel 1 und 2. Lesenswert ist auch die philosphisch-theologische Verkündigung der Bedeutung Jesu im Johannes-Evangelium, Kapitel 1.

Pfarrer Treiber predigt sonn- und feiertags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim. Das Foto zeigt den Weihnachtsstern in der Matthäuskirche.

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