Dämliche Schweden-Krimis

Boxer / Kämpfer

Gut oder böse? Wem sieht man das schon an? (Foto: iStock)

Ich mag keine „Schweden-„Krimis, verzeihen Sie mir. Wenn die Mörder kapitalistische, alte Nationalsozialisten sind, die Kinder missbrauchen und Atommüll verschieben (kein Witz!), zweifle ich am Verstand der Autoren. Wer denkt sich so einen Mist aus? Und dass der Tatort diese Klischees kopiert (Die meisten Mörder im Tatort sind Unternehmer oder Banker), macht das nicht besser.

Lesen Sie statt dessen lieber die Bibel: Das Böse kann sich in jedes Leben schleichen, bei Kain und Abel ist es – ironisch gesagt – sogar ein Bio-Ackerbauer, der seinen Bruder, einen Fleischproduzenten erschlägt.

Die Menschen-Welt ist eben nicht so einfach in gut und böse einzuteilen, wie man denkt. Auch Vegetarier können Mörder werden und Kapitalisten sind wie alle anderen auch in der Mehrzahl Menschen, die gut sein wollen.

Es gibt gute und es gibt böse Menschen, aber hüten wir uns davor zur denken, man würde ihnen das von außen ansehen!

Predigttext am Sonntag, 26. August 2018, ist 1.Mose 4, 1-16a – die Geschichte von Kain und Abel.

 

 

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Geheilt werden

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Modernes Wunder – eine Intensive Care Unit im Krankenhaus (Foto: wikicommons/Norbert Kaiser)

Was ist die schönste Erfahrung, die man im Leben machen kann? Da wird Ihnen vermutlich genauso viel einfallen, wie mir: Die Liebe eines anderen Menschen natürlich – und die Liebe zu anderen. Oder ein Kind zu bekommen. Oder ein Ziel zu erreichen und etwas Sinnvolles zu tun.

Wer schwer krank war, wird vielleicht eine Erfahrung zuerst nennen: Geheilt zu werden. Wie der Gelähmte in der biblischen Legende wieder aufstehen zu können. Oft vergessen wir, welche Wunder heute möglich sind: Durch die moderne Medizin. Durch den Einsatz helfender Menschen. Und zuweilen auch durch das Unerklärbare.

Hinter jeder Heilung sehe ich die Macht des Lebens am Werke, die vom Schöpfer allen Lebens kommt, von Gott. Oder denken Sie, wir hätten unser Leben selbst gemacht? Für den Philosophen Rene Descartes war das sogar ein Gottesbeweis: Ich habe mir das Leben nicht selbst gegeben. Also hat es mit jemand gegeben. Und den nennt man Gott.

Dieser Glaube beinhaltet noch etwas anderes: Leben ist gut, und gut ist es, den Tod zu bekämpfen. Auf Booten im Mittelmeer ebenso wie in den Krankenhäusern dieser Welt.

Predigttext am Sonntag, 19. August 2018, ist Apostelgeschichte 3, 1-10. 

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„Rambo nicht“

Children Playing

Leben ist Gnade – ein Geschenk Gottes an seine Kinder (Foto: iStock)

Ein Bösewicht ist im Film endlich zur Strecke gebracht. Der Held, selbst schwer traumatisiert, richtet seine Waffe auf den nun wehrlosen Killer, der um Gnade bittet. Der Held heißt Rambo – und er drückt hab. Mit dem lapidaren Spruch: „Gott kennt Gnade! Rambo nicht!“

Viel kürzer kann man eine Grundeinsicht des christlichen Glaubens eigentlich nicht auf den Punkt bringen: Gott ist gnädig. Dass wir existieren ist so wenig unser Verdienst wie dass wir geliebt werden. Das Leben ist eine einzige Gnade, auch wenn es begrenzt und manchmal voller Leiden ist. Wir können es uns nicht verdienen.

Das sollte uns selbst – im Gegensatz zu Rambo – auch gnädig stimmen. Killer knallt man nicht ab, sondern nimmt man fest. Nachtragend zu sein, ist genauso falsch, wie anderen dauernd ihre Fehler vorzuhalten. Oder wie sagt mir ein alter Mann mal seine Lebensweisheit: Man wird nicht alt, um Recht zu haben, sondern um gnädig zu sein.

Predigttext am Sonntag, 12. August 2018, ist Galaterbrief, Kapitel 2, Verse 16-21.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Dies ist ein Funktionstest

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Israel-Sonntag

800px-Flag_of_Israel.svgIn einem McDonald’s in Neu-Ulm sitzen am Nebentisch zwei junge Frauen mit einer Schar Kinder. Sie erregen meine Aufmerksamkeit und erst nach einer Weile wird mir klar, warum: Sie sprechen Hebräisch. Es ist schön, dies als Deutscher nur zwei Generationen nach dem Holocaust erleben zu dürfen!

Widerlich finde ich dagegen, dass sich die Fratze des Antisemtismus hierzulande wieder in seiner ganzen Breite breit machen kann. Von rechten Hetzern in unseren Parlamenten bis hin zu linken Fanatikern, die leider tief in etablierte Parteien hineinwirken; nicht zu vergessen der importierte Antisemitismus aus dem Mittleren Osten und – Schande über uns – der Antisemitismus, der auch in manchen Teilen der Kirche wieder fröhliche Urstände mit der Forderung nach einem Boykott von Juden und einer Verteufelung Israels feiert.

Am Sonntag begehen wir in der Kirche den Israel-Sonntag. Er erinnert an die unselige Rolle der Christenheit bei der Verfolgung der Juden seit 2.000 Jahren. Und ich hoffe, dass dieser Gedenktag auch dem letzten in der Kirche und im „christlichen Abendland“ klarmacht, dass Antisemitismus und christlicher Glaube nicht miteinander vereinbar sind. „Nur wer für die Juden schreit, darf gregorianisch singen!“ hat Dietrich Bonhoeffer nach 1933 verlangt. Das muss man – leider – auch heute noch betonen.

Predigttext am Sonntag, 5. August 2018, ist Römer 9, 1-5+31 und 10, 1-4

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Denk doch selber!

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Die „Captain America“ von Harley-Davidson im Zweiradmuseum Neckarsulm (Foto: wikicommons Lizenz / Joachim Köhler)

Kündigen, eine Harley kaufen – in den USA natürlich – und sich auf der Route 66 in den Südwesten treiben lassen. Oder: Den Rucksack packen und auf einem Seenot-Rettungsschiff anheuern. Oder eine Hütte im Schwarzwald mieten und einen Krimi schreiben. Was könnte man nicht alles tun, wenn man tun könnte, was man wollte? Eines meiner Lieblingszitate stammt aus einem Gedicht von Robert Frost: „Zwei Wege sich im Wald mir boten dar, und ich ging den, der weniger betreten war!“ Aber irgendwie geht man wohl doch meist auf ausgetreten Pfaden.

Nicht jeder ist dazu geschaffen, sein Leben ganz neu zu erfinden. Allerdings sollten wir weniger Mutigen dabei nicht in die Falle des Konformismus tappen und immer tun, was andere von uns erwarten. Man muss es immer wagen, selbst zu denken.

Was vielleicht verkopft nach Philosophie klingt, ist heute wichtiger denn je, wenn man nicht die Falle politischer Rattenfänger gehen will: Wage es, selber zu denken!

Denn, das möchte ich als Christ ergänzen, genau das hat Gott immer wieder gezeigt: Jeder Mensch soll seinen eigenen Weg gehen. Wie Jeremia, der plötzlich Dinge tat, die er selbst sich nie zugetraut hätte. Zum Beispiel auf die eigene Haltung zu bestehen. Oder wie wir, wenn wir Dinge tun, die andere uns nicht zutrauen.

Predigttext am Sonntag, 29. Juli 2018, ist Jeremia 1, 4-10.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Einladung zum Christopher Street Day

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Die Kirche hat noch Nachholbedarf an Buntem – Regenbogenbank in Aarhus (Foto: Treiber)

„Die Welt hat nie eine gute Definition für das Wort Freiheit gefunden.“ meinte einst Abraham Lincoln. Worin besteht unsere Freiheit? Vermutlich würden die meisten nennen, dass sie sagen dürfen, was sie wollen, und dass sie leben können, wie sie es möchten. Der entscheidende Punkt ist aber: Billigen wir das auch anderen zu? Zur Freiheit gehört auch, die Freiheit des anderen ertragen, zu akzeptieren, dass er anders ist und anders denkt. Und das nicht, weil man ihm das großzügig zubilligt, sondern weil es sein natürliches Recht ist. Das Wesen des Menschen ist seine Freiheit – der biblische Mythos von Eva und Adam erzählt davon.

Kein Mensch darf einen anderen versklaven (auch nicht, um WM-Stadien zu bauen). Kein Mensch darf einen anderen zum bloßen Gegenstand machen (auch nicht in Diskussionen). Jeder muss so leben können, wie er es möchte, solange er die Freiheit anderer nicht einschränkt. „Alles ist mir erlaubt“, schreibt Paulus, der aber sogleich weiß: „Nicht alles dient zum Guten.“ Was das ist, muss aber jeder selbst und frei mit seinem Gewissen und in seinem Glauben abmachen.

Die Kirchen sind dieser Freiheit, wie man ehrlicherweise sagen muss, meist eher widerwillig hinterher geschlichen, als dass sie vorangingen. Dennoch ist sie ohne den christlichen Glauben nicht denkbar. Jesus und Paulus waren die ersten, die alle Menschen als frei bestimmt hatten. Das Umzusetzen ist immer noch eine Aufgabe der Kirche.

Vielleicht muss man unsere Kirche beim CSD in Stuttgart am 28. Juli daran erinnern?

Predigttext am Sonntag, 22. Juli 2018, ist 1.Korintherbrief 6, 9-14.18-20.
Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim

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Demut 2018

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Warnung der Künstlerin Jenny Holzer (Foto: Treiber)

Es gibt ein altbackenes Wort, dem ich gerne wieder mehr Beachtung wünschen würde: Demut.

Das klingt manchem vielleicht nach Unterordnung und Klein-gemacht-werden. Aber es meint das Gegenteil: Wahre Größe. Menschliche Größe, die darin besteht, dass man sich selbst nicht so wichtig nimmt; dass man seine Meinung nicht für die einzig richtige hält; dass man auch mal den Mund hält und nicht immer in den Chor der anderen einstimmt.

Wem ich Demut wünsche, fällt mir schnell ein: Dem arroganten Sänger, der für eine angeblich bessere Welt kämpft; der bekannten Journalisten, die sich für die Wichtigste in der Talkrunde hält; dem Betrüger aus besseren Kreisen, der nach dem Knast-Aufenthalt in jedem Blatt erzählt, was für ein guter Mensch er nun geworden ist. Und, upps!, mir selbst, der ich so klar die fehlende Demut bei anderen entdecke, die mir oft ebenso fehlt.

Das Johannes XXIII. zugeschriebene Zitat muss ich unbedingt an meinen Monitor kleben: „Nimm dich nicht so wichtig!“ Denn wenn Gott dich liebt, musst du dich nicht größer machen, als du bist, und kannst andere höher achten, als dich selbst, wie Paulus im Philipperbrief schreibt.

Predigttext am Sonntag, 15. Juli 2018, ist Philipper 2, 1-4

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Etwas fühlt sich „richtig“ an

Kirche bleibt im dorf

Das fühlt sich doch gut an: „Die Kirche bleibt im Dorf“ (screenshot swr)

Es gibt solche Momente im Leben, wo einem plötzlich etwas klar wird. was man tun soll. Wer man ist. Wie schön etwas doch ist. Wie wertvoll uns andere Menschen sind. Momente, in denen wir verstehen – manchmal mit Verstand und Einsicht, oft aber eher im Herzen. Etwas „fühlt sich jetzt richtig an.“

Solche Momente im Leben sollte man ernst nehmen. Wie der Mann in der biblischen Geschichte, dem einer erzählte, was Jesus getan und gesagt hat. Das fühlte sich richtig an und der Mann ließ sich taufen.

Was tun wir, wenn etwas sich für uns „richtig“ anfühlt? Vielleicht: Es geschehen lassen. Oder anderen zu sagen, was man als richtig erkannt hat. Und manchmal, wenn man in schwierigen Situationen eine Erleichterung gefunden hat: Gott danken!

Predigttext am Sonntag, 8. Juli 2018, ist Apostelgeschichte 8, 26-39 (i.A.)

 

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„Goodbye Deutschland!“

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(Bild: screenshot)

„Goodbye Deutschland“ heißt es seit zwölf Jahren dienstags auf VOX, und so sehr manche vielleicht ihre Nase über die Flut an Doku-Soaps rümpfen, Auswanderer beeindrucken mich in der Regel schon. Alles hier aufgeben, den Hausstand auflösen, das Auto verkaufen und ab in eine ungewisse Zukunft. Dass manche dabei auch mal zu naiv oder zu händsärmelig aufbrechen, was soll’s? Grund zur Schadenfreude ist das ganz und gar nicht, sondern eher zur Bewunderung: Solchen Mut hätte ich auch gerne!

Neben Mut braucht man dafür noch etwas anderes: Vertrauen. Vertrauen, dass es schon was werden wird; dass schon nichts schlimmes passieren wird; dass gewiss nicht alle Träume, aber manches von dem, was möglich ist, wirklich wird.

Und eigentlich brauchen auch wir, die wir zurückbleiben, diesen Mut und dieses Vertrauen. Jeden Tag! Und dass auf unserem Weg in die Fremde, oder auch nur in den neuen Tag, Gott mit uns ist und uns segnet, dass ist christliche Grundüberzeugung, wie am kommenden Sonntag in der Kirche zu hören sein wird, wenn es um die Geschichte von Abraham geht, der als alter Mann seine Sachen packte und anderswo neu anfing.

Predigttext am Sonntag, 1. Juli 2018, ist 1.Mose 12, 1-4.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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