Weihnachtspredigt

„In Zeiten tiefer Krisen haben wir ein Recht auf Erleuchtung,“ hat die Philosophin Hannah Arendt gesagt. Menschen haben ein Recht darauf, dass man sie nicht im Dunkeln sitzen lässt, sondern ihnen Erleuchtung bringt, Licht ins Leben. 

Das ist vielleicht die Aufgabe der Kirche in dieser Zeit. Und das ist vielleicht auch das, was viele zu Weihnachten suchen: Licht im Dunkel. 

Davon spricht die Bibel am Anfang des Johannes-Evangeliums, wo es heißt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis.“

Finsternis erleben wir seit Monaten zu genüge: Angst vor Krankheit, Sorgen um die Existenz, Furcht vor Einsamkeit. Für andere war dieses Jahr nicht nur ein bisschen finster, sondern rabenschwarz, und das nicht nur wegen Corona.Tatsächlich wurden manche schwer krank. Tatsächlich wurde einem das Leben auf den Kopf gestellt. Und tatsächlich wacht man nun jeden Morgen alleine zuhause auf.

Aber natürlich gibt es andere, für die es in diesem Jahr hell war: mit der Freude an den Kindern, dem Stolz auf Geleistetes und den Gefühlen von Geborgenheit, die in diesem Jahr besonders bewusst wurden.

So unterschiedlich sind wir und so unterschiedlich ist unser aller Leben. Und so sind wir alle an der Krippe versammelt im Stall von Bethlehem. Und aus dieser Krippe strahlt das Licht der Menschen, heißt es. Das Licht der Menschen, für Johannes ist es Leben, menschliches Leben in seiner einfachsten und reinsten Form: Ein Kind. Kind einfacher Eltern, ärmlich geboren. In einem Menschenskind, in einem MenschenLEBEN offenbart sich Gott. In einem Kind offenbart sich richtiges, gutes und schönes Leben. In einem Kind zeigt sich das Licht der Welt, das die Finsternis um uns hell machen will.

Licht in der Dunkelheit. Wer wünscht sich das nicht, wenn es finster ist? Wenn einen immer wieder, immer neue Probleme und Nöte plagen? Wenn man als Hirte auf einem dunklen Feld bei der Herde sitzt? Wenn man als junge Frau unterwegs in der Fremde ist? Wenn man zum Himmel blickt, um auf die bohrende Frage nach dem Woher und Wohin im Leben keine Antwort zu erhalten?

Plötzlich kommt dann ein Leuchten vom Himmel und Klarheit. Plötzlich ertönt Gloria-Gesang und der Ruf zur Krippe. Doch als die Engel wieder weg waren und die Hirten auf dem Heimweg vom Stall, da war es wieder dunkel. Aber es bleib nicht finster. Die Hirten erzählten erstaunt und erschrocken, erfreut und aufgeregt von dem,  was sie gesehen hatten: 

Ein Kind in einem Stall und angeblich Gesänge vom Himmel herab. 

Das Kind im Stall als Sohn Gottes, das ist ein ebenso unbeweisbares Erlebnis wie banales Ereignis. Das soll die Erlösung sein? Ein Kind erlöst von Not und Angst, von Streit und Tod? Damit soll alles Dunkel ein Ende haben? Zu Weihnachten können wir das so erleben. 

Die Krippe strahlt für viele Ruhe und Frieden aus. Die Krippe macht nachdenklich und erhellt die, die sich davon ergreifen und erleuchten lassen, und die dabei spüren oder zumindest erahnen: Das Leben ist doch auch schön! Machen wir es schön! Auch für andere!

Das Leben ist nicht immer hell, aber es ist schön, wenn uns ein anderer mit seiner Liebe berührt, wenn er uns an die Hand nimmt – oder vielleicht auch einfach nur die Hand hält.

Das Leben ist doch schön! Wenn wir stolz auf unsere Kinder schauen oder auf die Enkel, wenn wir spüren, wie unsere Familie, Eltern und Geschwister, Lebenspartner und Kinder uns lieben und uns mit ihrer Liebe Halt geben.

Das Leben kann doch schön sein – wenn wir Gutes tun und uns das in der Seele auch gut tut. 

Plötzlich sehen wir den unglaublichen Stress der Pflegekräfte im Krankenhaus – und werden verständnisvoll. Plötzlich sehen wir die Menschen, die hier in Heilbronn keine bezahlbare Wohnung finden, und tun was dagegen. Wir hier in Sontheim mit zwei kleinen Häuschen. Plötzlich sehen wir die, denen wir doch die Hand reichen könnten. „Die Leute in den Geschäften sind so nett“ hat mir eine Frau gesagt, die beim Einkauf auf Hilfe angewiesen ist.

Das Kind in der Krippe strahlt tief in uns hinein. Das ist das Tolle an Weihnachten. Hoffnung auf Licht – dann, wenn wir es brauchen. Wenn es finster ist, werden wir Licht spüren, sagt Weihnachten. Wenn das Leben schwer ist, können wir uns getragen fühlen. Wenn unsere Träume Makulatur werden, bleibt die Hoffnung, dass in dem Kind der Krippe Gott zu uns Menschen gesprochen hat und sagt: Fürchtet euch nicht! Ich bin das Licht der Welt! Und das Licht auch für Dich, an jedem Tag Deines Lebens.

Gesegnete Weihnacht wünsche ich Ihnen!

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Sonntagsgedanken 20-12-2020 – Lachen, Wünschen und ein anderes Leben

Enttäuschungen verleiden einem das Lachen. So wie jetzt manchem im Corona-Advent – und damals in der Bibel Sara. Ihr und ihrem Mann Abraham war eine große Nachkommenschar verheißen worden. Aber es hatte nicht geklappt. Sara konnte keine Kinder bekommen und nun war sie zu alt, viel zu alt dafür. Als Demütigung hat sie das gewiss erfahren, und aus Enttäuschung kann man auch verhärmt werden. Aber Sara hatte das hinter sich. Das Alter macht vielleicht wirklich weise. Alt waren Sara, uralt. Bis ein Mann, ein Engel sagt man, Ihr ankündigte, dass sie doch noch schwanger wird. Ein Kind zeugen? Sara lacht. Liebeslust scheint dazu auch noch ferne. Es ist ziemlich erfrischend, wie offen die Bibel das erzählt. Sara lacht – über ihr „Liebesleben“ oder über die unrealistische Verheißung. Abraham hat da deutlich weniger Humor. Männer verstehen da weniger Spaß, und er stellt sie zur Rede – und sie streitet es ab. Aber sie hat doch gelacht. Ein Kind zeugen – wenn man schon so alt ist? Das ist doch völlig unrealistisch.

Haben wir den Mut, uns etwas Unrealistisches zu Weihnachten zu wünschen? Etwas, das man nicht kaufen kann? Ich glaube, es fällt uns schwer. Wir wollen nicht enttäuscht werden. Und wollen keine Wünsche haben, die nicht erfüllt werden. Oder doch? Ein Wunsch, der sich nicht erfüllen lässt? Versöhnung nach vielen Jahren vielleicht, oder eine bessere Gesundheit. Ein anderes Leben – und die Freiheit dazu. Vielleicht auch Wünsche für andere, für die Liebsten, für die Kinder, dass es ihnen gut geht, für die Eltern, dass es ihnen wieder besser geht. Solche Wünsche erfüllen sich nicht von selbst, das wissen wir.

Wahrscheinlich gewöhnt man sich daran, dass Wünsche nicht erfüllt werden. Für Sara war es wohl inzwischen in Ordnung, so wie es war. Im Alters war sie gelassen geworden. Und gelassen war sie alt geworden. Ihr Wünsche hatte sie dabei vergessen. Und Gottes Verheißung auch – dass sie zahlreichen Nachkommen haben wird. Aber damit kommt sie nicht durch. Gott erfüllt seine Verheißung für sie – nicht gleich, sondern erst später. Männer -Engel- kündigen das an. Geglaubt hatte Sara das nicht mehr. Da kann sie nur lachen.  Nicht sarkastisch, sondern gelassen: „Kinder bekommen? (lacht) Diese Zeit ist vorbei.“

Aber man sollte Gott nicht unterschätzen. Man sollte nicht unterschätzen, welche Möglichkeiten das Leben immer wieder doch bietet. Auch im Alter, auch dann, wenn alles geklärt scheint, bietet sich Neues an. Manchmal überraschend – und manchmal haben wir es auch nur übersehen. Wünsche können wahr werden. Vielleicht nicht genau so, wie wir uns das vorstellen, aber irgendwie dann doch. Oft ist es ja so, dass wir Gott eher unter- als überschätzen. Oft ist es so, dass wir unserem Leben nicht mehr viel zutrauen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ sagt man, aber ich denke, dass es oft auch umgekehrt ist: Dass die Hoffnung zuerst vergeht – und dadurch manches trüber und dunkler wird, und unmöglicher. Man richtet sich ein in den Begrenzungen, macht sich keine falschen Hoffnungen mehr, hat gelernt, dass manche Wünsche unerfüllt bleiben. Und es stimmt ja: „Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche“, wie Dietrich Bonhoeffer gesagt hat. „Aber alle seine Verheißungen.“

Was hat Gott uns verhießen?

Bei uns zu sein bis an der Welt Ende! – Ich habe das schon gespürt und Sie vielleicht auch. In schweren Stunden fühlt man sich plötzlich irgendwie doch gehalten und getragen. Eine Stimme sagt einem:        Das geht gut aus! – Auch wenn du jetzt im Krankenhaus noch auf dem Gang sitzt und ängstlich wartest; auch wenn es ganz anders kam, als du gedacht hast.      Am Ende wird es gut sein.

Gott hat uns verheißen, dass unser Leben erfüllt sein wird. Nicht weil wir es so wollen und gestalten, sondern weil er uns alle Angst nehmen will und alle Schuld, weil er uns erträgt in all unserer Fehlerhaftigkeit und Schwäche.

Und Gott hat der Welt verheißen: Wenn die Zeit erfüllt ist, zeigt er selbst sich. Das wird anders sein, als gewünscht und vielleicht sogar anders als erhofft: Gott zeigt sich in einem Kind in der Krippe, zeigt sich im Jubel der Engelchöre, im Erstaunen der Hirten und in der Freude der Kinder.

Das alles ist Grund zur Freude und auch ein Grund zu lachen. Vielleicht hat Sara deshalb gelacht. Weil sie dachte, wenn das stimmt, wenn – wie es in der Bibel heißt – die Liebeslust wieder erwacht und ein Kind kommt, dann ist doch alles gut, alles leicht – und wir selbst können lachen, so wie Lachen im besten Falle eben ist: unbeschwert und frei!

Das wird natürlich nicht andauern. Lasten bleiben und das Unmögliche wird nicht plötzlich machbar sein. Aber als Sara hinter dem Vorhang steht und ob der Verheißungen lacht, da hat sie das vielleicht auch getan, weil das sie doch verunsichert hat: „Was, wenn es wahr ist? Was wenn mein Leben noch einmal eine neue Wende bekommen kann?“  Dann lache ich dem Schicksal ins Gesicht und verlasse mich lieber auf Gott, der seine Verheißungen erfüllt und uns über die Begrenzungen unserer Welt lachen lässt.

Seien Sie behütet!

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Alltagsglaube #18 – gechillt bleiben

Jugendliche kommen – jedenfalls Erwachsenen gegenüber – mit zwei Worten durchs Leben. Auf „Jetzt räume doch endlich mal auf!“ heißt die Antwort garantiert: „Gleich!“, und bei der Frage „Wie war’s in der Schule?“ – „Ganz O.K.“ Eltern sind durch diese Kommunikation wohl regelmäßig genervt.

Immer mit der Ruhe! Chill doch mal! Mach doch nicht so Stress! Vielleicht muss man sich das wirklich von anderen sagen lassen, wenn man selbst mal wieder auf 180 aufgedreht hat. Aber es ist ja auch so viel zu tun und zu bedenken und es kann so viel passieren!

Bei den alten Geistesgrößen war es eine Tugend, so gechillt zu sein: Serenitas, die Gelassenheit. Damit ist nicht Gleichgültigkeit gemeint, sondern eher eine Art Gefestigt-Sein. Man muss dann nicht immer alles gleich bewerten; man muss nicht zu allem etwas meinen; man muss sich nicht immer gleich erregen über den Zustand der Welt und das Tun anderer Menschen. Das gilt für unseren Alltag im Zusammenleben ebenso wie beim Blick in die Medien. Die Welt ist ein Chaos, wird immer eines sein – und im Großen und Ganzen meistern wir Menschen es ganz gut. 

Gefestigt zu sein und deshalb gelassen sein zu können, heißt deshalb das Motto. „Seht die Vögel unter dem Himmel, sie säen nicht, sie ernten nicht und ihr himmlischer Vater ernährt sie doch.“ höre ich da heraus. Seltsam nur, dass gerade die ungefestigten Pubertierenden so gechillt sein können.

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Sonntagsgedanken 13-12-2020 – Bitte kein „Ja, aber!“

Wer nicht glauben will, muss fühlen. Zacharias war ein Priester, hochbetagt wie seine Frau Elisabeth. Kinderlos waren Sie leider geblieben. Bis eines Tages ein Engel kam und ankündigte, dass Elisabeth ein Kind bekommen wird. „Ja aber, woher soll ich wissen, dass das stimmt“, fragte Zacharias. Die Antwort des Erzengels Gabriel ist ganz einfach: „Indem du den Mund hältst.“ Und ab dann bringt Zacharias kein Wort mehr heraus.

„Ja, aber“ – das ist so ein Wort dass man sich verkneifen sollte. Das muss ich mir selbst andauernd sagen. „Ja, aber“ – das ist keine Zustimmung und kein Nachdenken, kein Hoffen und kein Überlegen – sondern einfach nur eine Bremse im Gespräch. Ein Einwand, der keiner ist. Da hält man besser den Mund. Wie Zacharias.

Im Advent fallen mir auch so manche „Ja-abers“ ein. Es ist ja eine schöne Zeit, an der man sich freuen kann – aber in diesem Jahr ist doch so manches, was schön ist, nicht möglich: Begegnungen, Weihnachtsmärkte, Kirchenkonzerte.

„Fürchte dich nicht!“ sagt Gott da – auch zu mir, hat er vor zwei Jahren im Advent gesagt, als ich schwer krank wurde. Inzwischen ist alles ist wieder gut. Aber ich habe gelernt, dass ich mich auch heute und jederzeit auf diesen Zuspruch Gottes verlassen sollte. Wenn er schon sagt: Fürchte dich nicht!

Ist diese Zeit jetzt nicht doch zum Fürchten? Nein! Es ist eine Zeit, in der wir das Gute schon erahnen. Also: Bitte kein „Ja, aber!“, sondern den Mund halten. Das ist frech, wenn man das zu jemand anderem sagt. Aber zu sich selbst kann man das schon manchmal sagen. Sich auf die Lippen beißen, bevor einem etwas Dummes herausrutscht.

Und bevor man der Adventszeit die Hoffnung und den Glanz abspricht.  Die leuchten uns doch auch in diesem Jahr, auch wenn alles Äußerliche ziemlich begrenzt ist. Da ist es besser nichts zu sagen. Und zu Warten. Bis die Hoffnung sich erfüllt. 

Als das kleine Kind dann gesund und munter auf der Welt ist, lässt der verstummte Zacharias sich eine Tafel geben und schreibt darauf: „Es soll Johannes heißen!“ Und dann fand er die Sprache wieder – und die richtigen Worte.

„Gelobt sei Gott, der erlöst und rettet. Gott, der barmherzig ist. Und dessen Licht aus der Höhe in die Welt kommt, dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.“

Gott wird kommen.

Jahre später steht dieses Kind als erwachsener Mann am Jordan. Er predigt und ruft die Leute auf, umzukehren, ermutigt sie, zu hoffen auf den, der Gottes Reich bringt. Und als Jesus dann kommt, tauft Johannes ihn, sagt, dass Jesus der ist, auf den alle gewartet haben.

„…dessen Licht aus der Höhe in die Welt kommt, dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis.“

Darum geht es. Damit sollen wir rechnen in diesem Advent. Dass es tatsächlich besser werden kann in der Welt. Dass unsere Hoffnung nicht vergebens ist. Dass unsere Erwartungen nicht vergeblich sind. Aber wir müssen natürlich auch das unsere dazu tun. Dass es Weihnachten werden kann. Nicht „Ja-aber“ sagen – sondern etwas tun, das von diesem Geist von Weihnachten erfüllt ist. Jetzt schon im Advent soll man das Christkind spüren:  In aller Liebe, in dem, was wir Gutes tun, im Verständnis füreinander und in der Gelassenheit, dasss wir in diesem Jahr manche Dinge einfach so hinnehmen müssen, wie sie sind.

Bleiben Sie behütet!

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Alltagsglaube #17 – The Who natürlich!

In meiner Jugend gab es zwei große Schubladen, in die man einsortiert wurde: Beatles oder Stones hieß die Frage. Und noch heute stellen die alternden Moderatoren von „SWR1-Leute“ ihren Musikgästen gerne diese Frage.

Meine Antwort darauf lautet: The Who! Was sonst? Während die Beatles schon immer und bis heute nach Musik für die Eltern klingen, habe ich Mick Jagger und Keith Richards selbst ihre tollsten Songs nie wirklich abgenommen, sondern höre da nur Bürgersöhnchen aus Dartford Revolution spielen.

The Who dagegen waren eine authentische Stimme ihrer Generation: kreativ und laut, live am besten und mit großem Einfluss auf Bands wie Pink Floyd und den Punk bis zu den Alternatives heute.  

Dass die Jungs immer ihr Bühneninstrumentarium wie auch die Hotelzimmer zerstörten, fand ich bescheuert, aber „Baba O-Riley“, das Klagelied über die in Woodstock durch Drogen zerstörten Teenager, ist für mich nicht nur musikalisch einer der besten Rocktitel aller Zeiten.

Nach 55 Jahren sei es, so klagte ein Journalist, still geworden um die einst „lauteste Rockband der Welt“. Mit 75 Jahren, so alt ist The Who’s Pete Townsend jetzt, darf man das auch. Spätestens in diesem Alter sollte man Gelassenheit gelernt haben und nicht denken, man müsse nun den würdelosen Alten geben. Besser ist es, auf dem Marktplatz in Ruhe einen Frappuccino zu genießen und zuzuschauen, wie die heutige junge Generation sich ihre Welt erobert, – diese uns alt Gewordenen manchmal befremdenden Jugendlichen mit ihren Piercings, ihren Gadgets und ihrem Hip-Hop „… before they get old“.

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Sonntagsgedanken 06-12-2020 – Besinnliche(?) Tage

„Besinnliche“ Adventstage und dann ebensolche Weihnachten wünscht man anderen oft, ein lieb gemeinter Ausdruck, der mir aber eher hilflos vorkommt. 

Einfach besinnlich in der Ecke sitzen und vor sich hin denken? Die Weihnachtsbotschaft ist doch viel konkreter. Sie erzählt davon, dass Hoffnungen sich erfüllen, dass Friede sein soll und dass Menschen zusammenkommen. Wie es in der Predigt über Jakobus 5, 7+8, am 2. Adventssonntag heißt.

Advent heißt Warten, und wir wissen dabei ziemlich genau auf was: Auf Jesus und die Liebe, die er gezeigt hat. Dass das wahr wird unter uns. Warten auf Friede und Erfüllung. In der Gewissheit, dass das Gute am Ende das Böse bezwingt. Warten darauf, dass Hoffnung immer wieder neue Kraft gibt und einem das frohe Lächeln auf die Lippen zaubert.

Deshalb wünsche ich Ihnen eine hoffnungsvolle Adventszeit mit diesem Warten auf Weihnachten: Gott wird Mensch, uns Menschen zugute.

Pfarrer Matthias Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Alltagsglaube #16 – How I Met Your Mother

Die Frage, „Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt!“, haben schon viele Eltern ihren Kindern beantwortet, allerdings selten so ausführlich wie Ted Mosby in der amerikanischen Sit-Com „How I Met Your Mother“. Über 208 Folgen hinweg erleben wir das berufliche und vor allem private Auf und Ab und Miteinander eines Freundeskreises. Eine Serie, die hoffentlich nicht nur Jugendliche süchtig gemacht hat. In den letzten Corona-Monaten war sie einer der meistgesehenen Klassiker auf Netflix. 

Wie sich die Eltern der beiden aus dem Jahr 2030 zurückblickenden Kindern kennengelernt haben, ist dabei gar nicht so wichtig. Die Serie lebt nicht von Spannung, sondern von einem Hohelied auf die Freundschaft, das hier immer wieder gesungen wird. Fünf Freunde, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Ted, der Intellektuelle; Marshall, die ehrliche Haut; Robin, die Karrierefrau; Barney, der Frauenheld, und Lily mit ihrer etwas chaotischen Art. Konflikte scheinen da programmiert, aber ihre Freundschaft ist dadurch (fast) nie ernsthaft gefährdet und wenn nötig, halten sie einander fest.

Eine tolle Serie, für endlose Wintertage zuhause. Wer diese Serie mag, zeigt, dass er sein Herz am rechten Fleck hat und dass er um den Wert der Freundschaft weiß. Irrwege, Streit und Trennungen sind dabei nicht ausgeschlossen, aber Treue kann alles überstehen. 

Gut das zu hören und immer wieder zu sehen!

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Sonntagsgedanken 29-11-2020 – Was brauchen wir um glücklich zu sein?

Können Sie sich das vorstellen? Ein Lottogewinner ist nach einem Jahr nicht glücklicher als er vorher war. Und ein Unfallopfer ist ein Jahr nach dem Unglück, das es in den Rollstuhl brachte, nicht unglücklicher. Verschiedene Untersuchungen brachten jedenfalls dieses Ergebnis. Offenbar hängt unser Glück viel weniger von materiellen oder äußerlichen Umständen ab, als wir denken. 

Was brauchen wir wirklich, um glücklich zu sein? Im Predigttext für den 1. Advent, Sacharja 9, 9-10, wird der Friede genannt.

Friede ganz umfassend. Nicht nur die Abwesenheit vom Krieg, sondern auch ein Leben ohne all die Alltagsgewalt, ohne Mobbing und ohne Aggression, ohne Dummheit und Unverschämtheit, Friede voll Licht und Klarheit. Und den inneren Frieden: Gelassenheit und das Gefühl, dass das Leben Sinn hat und erfüllt ist. Zu spüren, dass man geliebt wird und andere liebt. Mit sich im Reinen sein – und mit anderen auch. So ist es nicht immer. Aber so soll es sein und so wird es sein. Das ist die Hoffnung im Advent.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Alltagsglaube #15 – Beklemmung auf Facebook

Ihre Facebook-Seite ruft Beklemmungen hervor. Im Kreis von Freundinnen blickt Athena Lea Orchard in die Kamera, den Mund weit aufgerissen, das Bild in himmlischem Blau verfärbt. Darunter eine zunächst leere Chronik, der letzte Eintrag stammt vom April 2014.

Die 13jährige Schülerin aus England ist kurz danach an Knochenkrebs gestorben. IhreGeschichte ging um die Welt, als ihre Eltern das Jugendzimmer der verstorbenen Tochter aufräumten und dabei auf der Rückseite ihres großen Spiegels einen rund 10 Seiten umfassenden Text entdeckten, das Vermächtnis des jungen Mädchens. Niemandem hatte sie davon erzählt.

Schon allein dies berührt einen. Die Worte, die sie aufschrieb hauen einen dann vollends um. Philosophische Gedanken, weise und liebevoll, klug und tröstend: „Glück ist eine Richtung, kein Ziel. Danke dafür, dass du bist. Sei glücklich, sei frei, glaube!“

Ihre Botschaften dürften vielen Teenagern aus der Seele sprechen: „Das ist mein Leben, nicht deines. Sorge dich nicht um das, was ich tue.“ und: „Urteile nicht zu schnell über mich, du siehst nur, was ich dir zeigen möchte … du kennst die Wahrheit nicht.“

Athena Orchard kannte aber offenbar die Wahrheit: „Der Sinn des Lebens ist ein Leben mit Sinn. Der Unterschied zwischen gewöhnlich und außergewöhnlich ist dieses kleine „außer“.“ Und: „Glücklich zu sein, liegt an uns. Vielleicht geht es nicht um ein Happy End, sondern vielleicht geht es um die Geschichte.“ 

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Sonntagsgedanken 22-11-2020 – Alles dunkel?

Finster wird es im November am Ende der Kirchenjahres. Nicht nur draußen, sondern das kann auch im Inneren passieren, wenn sich das Gefühl einstellt: Es war alles umsonst! Alle Liebe vergeblich, alle Mühe folgenlos. Nichts ist gut! Tränen, Leid und Geschrei haben scheinbar recht!

Doch das Leben ist in Wirklichkeit nicht von seiner Vergeblichkeit bedroht, sondern von seiner Unvorhersehbarkeit. Das Leben ist bedroht, weil man nicht sicher wissen kann, was morgen kommt. Das macht Angst.

Aber an jedem neuen Tag lauert eben nicht nur Gefahr, sondern kann auch das Gute kommen.

Wenn ein Tag dunkle war, kann der nächste hell sein.
Schon morgen kann einem die Liebe neu über den Weg laufen, 
Schon morgen kann unser Tun Früchte zeigen, wo wir keinen Erfolg vermutet haben. 

Das zu hoffen, ist weise. Warum also daran zweifeln? Gott macht am Ende alles neu „und kein Leid, noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.“

Predigttext am Sonntag, 22. November 2020, ist Offenbarung 21, 1-7.
Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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