Wenn man dieses Jahr schon nicht richtig verreisen kann, kann man sich ja nochmal dran erinnern, was einen bei den großen Reisen, die man in seinem Leben gemacht hat, vielleicht überrascht hat. Der griechische Reiseführer zum Beispiel, der mir 2015 sagte, dass er uns Deutsche gut versteht, dass wir seinem Land nicht einfach die Schulden erlassen wollen. Oder die Fahrt durch die Serengeti – mit einem Internetempfang, den man nicht mal hier im Nachbarort überall hat. Oder der Anflug auf den – wie es heißt – gefährlichsten Flughafen der Welt in Paro/Bhutan. Und absolut professionelle, hochqualifizierte Piloten aus diesem kleinen Land, das erst seit wenigen Jahrzehnten richtige Schulen und Hochschulen hat.
„Reisen bedeutet, herauszufinden, dass alle Unrecht haben mit dem, was sie über andere Länder denken.“ hat Aldous Huxley einmal gesagt. Das lasse ich mir und meinen Vorurteilen immer gerne sagen.Und so offen sollte man immer sein, wenn man anderen Menschen begegnet – auf Reisen – oder auf dem Marktplatz bei uns im Ort. „Herauszufinden, dass alle Unrecht haben mit dem, was sie über andere Länder denken.“
Am 3. August 1984, trifft in Karlsruhe die erste e-Mail in Deutschland ein. Um 10 Uhr 14, genau gesagt. Einen Tag zuvor war sie von Laura Breeden in Cambridge, Massachussetts abgeschickt worden. „Willkommen in CSNET!“ stand darin. Kein Ahnung, was die Mail unterwegs so lange gemacht hat. Heute ging das schneller.
Dennoch war das ein bedeutender Tag. Bis dahin gab es Fernschreiber und Telegramme. Ziemlich kostspielig und nur für das allerwichtigste. Heute werden weltweit täglich 300 Milliarden eMails verschickt.
Man kann mit der Tochter im Ausland skypen und die Enkel in Hamburg auf dem Smartphone sehen. Die Corona-Monate haben uns deutlich gemacht, wie wichtig elektronische Post sein kann.
Die biblischen Apostel hatten für ihre Briefe diese Möglichkeiten nicht. Aber immerhin waren im römischen Reich Briefe, die von Jerusalem aus abgeschickt wurden nach sieben Tagen in Rom, habe ich mal gelesen. Ich denke, dass würde man heute nicht mehr schaffen – außer per e-Mail.
Sanford Greenberg kam 1959 mit einem Koffer nach New York City, um dort zu studieren. Sein Zimmergenosse war Art Garfunkel, der später als Liedermacher des Duos Simon & Garfunkel berühmt werden sollte. Sie wurden lebenslange beste Freunde. Zwei Jahre danach ereilte Sanford Greenberg ein schweres Schicksal. Er wurde blind.Sanford fuhr zurück in seine Heimatstadt. Ein Sozialarbeiter empfahlt ihm, doch Kleinstadtrichter zu werden oder Stühle zu flechten. Art Garfunkel jedoch überzeugte seinen Freund, nicht aufzugeben, sondern an die Uni zurückzukehren. Er werde ihn in jeder Weise unterstützen. Sanford Greenberg legte einer erfolgreiche Karriere hin und promovierte in Harvard. Simon & Garfunkel haben inspiriert von seinem Schicksal einen der bekanntesten Songs der Popmusik geschrieben, „The Sound of Silence“ – Der Klang der Stille.
Das muss fürchterlich sein, mit Anfang 20 plötzlich blind zu werden. Sich in einer Welt, die man nicht sieht, zurechtzufinden. Greenberg schildert in seiner Autobiographie, wie er sich anfangs immer wieder durchsetzen musste. Immer wieder stürzte er auf der Straße, war manchmal blutüberstörmt. Als er gelernt hatte, sich alleine durch das New Yorker U-Bahn-System zu bewegen, wusste er, so sagt er, dass er es schaffen konnte.
Von der Frage nach der Schuld an seiner Blindheit habe ich in den Artikeln nichts gelesen. Keine Ahnung, ob er sie sich gestellt hat. Aber die Jünger Jesu stellen diese Frage. Am Straßenrand sehen sie einen blinden Jungen und fragen Jesus, ob er selbst oder seine Eltern gesündigt haben. Da die Blindheit des biblischen Jungen angeboren ist, ist das eine besonders dumme Frage. Ein schweres Schicksal soll Folge der Sünde sein? Alleine unsere Lebenserfahrung spricht dagegen. Unangenehme Menschen können ein angenehmes Leben führen, erfolgreich im Beruf sein und immer gesund. Und andere, gute Menschen, erwischt es wie Hiob in der Bibel. Zu jedem Schicksalsschlag gesellt sich bald ein weiterer.
Ein schweres Schicksal ist keine Strafe. Schluss der Debatte!, würde ich mit Jesus sagen.Die meisten Erklärungen dieser Art geschehen wohl nicht aus Bösartigkeit, sondern weil wir so schwer akzeptieren können, dass es keine Gründe gibt, warum manche ein leichteres und andere ein schwereres Schicksal haben.
Warum jemand leiden muss, ist letztlich unbegreiflich. Es gibt für mich persönlich zum Beispiel keine Schuld, warum ich im vergangenen Jahr Krebs hatte. Und es ist auch kein Verdienst, dass ich damals nach einer Operation so problemlos davon kam. Es gibt keine Sünde, die dafür verantwortlich ist, wenn jemand ein behindertes Kind bekommt. Es gibt keine Schuld, warum jemand zur falschen Zeit am falschen Ort ist und deshalb Opfer eines Unfalls wird.
Jesus wischt diese falschen Erklärungsversuche beiseite.Sie lösen ja auch das Problem nicht, sondern blicken nur zurück. Vielleicht ging es jenem Sandy Greenberg so, als er zuhause in Buffalo saß.Das Problem wird nicht gelöst, wenn man fragt, was bei der Diagnose schief ging. Das Problem löst sich auch nicht, wenn man im Elend gefangen bleibt.
Was hilft, das ist, das Leben nach vorne auszurichten. „Wie will ich leben?“ fragte er sich. Und erarbeitet sich mit Unterstützung seiner Frau und seines Freundes Art Garfunkel ein Leben, dass viele Schwierigkeiten überwand. Jesus zwingt seine Jünger auch zu diesem Blickwechsel. Aus der Frage, „Wo kommt die Blindheit her?“, muss die Frage werden: „Wie können wir helfen?“ Das ist ein fundamentaler Blickwechsel. Sich von der Frage und den Verletzungen der Vergangenheit zu lösen – und das Leben hier und heute zu beginnen, das wir morgen haben möchten. Es ist wie wenn Sie einen Verletzten auf der Straße liegen sehen. Da sollte ihre erste Frage nicht lauten „Wer ist schuld?“, sondern „Wie kann ich helfen?“ Und wenn Sie selbst an Leib und Seele verletzt sind, sollte die erste Frage auch nicht lauten „Warum wurde mir das angetan?“ – sondern „Bei wem finde ich Hilfe?“
Einfach ist das nicht.
Sandy Greenberg erzählt, dass das Gebet immer ein Teil seines Lebens war. Und als er gefragt wurde, ob er auf Gott wütend war, als er blind aus dem Krankenhaus entlassen wurde, sagte er: „Ich würde lügen, wenn ich Nein sagen würde. Ich war zornig, aber nur selten. Ich glaube an das, was Harry Truman sagte: „Ich habe keine Zeit für Bitterkeit.“
Ich habe sie nie gemocht, die Rechtschreibreform. Am 1. August 2006 trat sie nach jahrelanger Diskussionen in Kraft und wurde auch immer wieder korrigiert. Eine vom Staat verordnete Rechtschreibung gibt es seitdem, vorher galt das, was die Duden-Redaktion sagt.
In vielen Ländern gibt es übrigens gar keine verbindliche Rechtschreibung – und man versteht sich auch so. Und andererseits hätte ich mir gewünscht, dass unsere Sprache etwas Computer- freundlicher wird und man auf das ESZET ganz verzichtet.
Übrigens sind nur Schulen und die Verwaltung an die vorgegeben Rechtschreibung gebunden. Sie und ich, wir können schreiben, wie wir wollen. Denn „die Sprache gehört dem Volk“, sagte der Deutsche Bundestag dazu – und das wusste schon Martin Luther, als er die Bibel ins Deutsche übersetzte: Dass das am besten ist: Dem Volk aufs Maul schauen. Und so schreiben, wie es der andere am besten versteht.
Ganz so unbefangen kann man den heutigen Tag vielleicht nicht feiern. Gefangene Wildtiere sind umstritten. Aber der älteste Zoo der Welt, der Tiergarten Schönbrunn, wurde am 31. Juli 1752 in Wien eröffnet. Zunächst nur für die kaiserliche Familie und geladene Schulklasse und ab 1778 auch für „anständig gekleidete Personen“, wie es hieß.
Zoologische Gärten haben unseren Verfahren die Welt näher gebracht. Elefanten und Großkatzen, Hyänen und Kängurus machten den Besuchern deutlich: Da draußen in der Welt gibt es mehr als in Österreich und ganz andere Lebewesen als in Europa. Die meisten Menschen kamen in ihrem Leben kaum einmal aus ihrem Landkreis heraus – und mit Schönbrunn bekamen sie die Welt vor ihrer Haustüre zu sehen.
Wir haben heute andere Möglichkeiten – Reisen und Fern-sehen.Obwohl, in diesen Wochen, wo es mit den Reisen jedenfalls in ferne Länder nichts ist, ist es sicher noch einmal ein ganz anderes Gefühl mit Giraffen auf Augenhöhe zu sein, so wie im Tiergarten Schönbrunn.
Haben Sie auch mal ein „Freundschaftbändchen“ gehabt. Die waren früher sehr in Mode – und heute sollte man sie eigentlich aus der Schublade holen, denn heute ist der Internationale Tag der Freundschaft. Die Vereinten Nationen haben den 30. Juli dazu erklärt.
Freundschaft zwischen Menschen ist damit gemeint, aber auch auch Freundschaften zwischen Ländern und Kulturen. Was kennzeichnet eine Freundschaft? Nun, sie beruhen immer auf Gegenseitigkeit, meinte der Philosoph Aristoteles. Man kann zwar sein Auto lieben, aber befreundet sein mit ihm, kann man nicht. Und Freundschaften sind selbstlos. Man tut dem Freund Gutes, auch wenn es einem selbst nichts nützt.
Deswegen soll der Staat übrigens die Freundschaft fördern. Unser Zusammenleben basiert nämlich darauf, dass man etwas für andere tut, auch wenn es einem selbst nichts bringt. Für Jesus geht das sogar so weit, dass Freunde sogar mit ihrem Leben füreinander einstehen. Das Freundschaftbändchen am Arm kann also ziemlich viel bedeuten.
Am 29.Juli 1954 erschien in London der erste Band von „Der Herr der Ringe“. Die große Sage vom Kampf des Guten gegen das Böse. In Romanen kann man meist davon ausgehen, dass das Gut doch irgendwie siegt, aber in der Wirklichkeit weiß man das eben nicht. Und je älter man wird, desto mehr Erfahrungen macht man, dass das Gute oft ziemlich ins Hintertreffen geraten kann – und der Kampf für das Gute gefährlich ist.
Bilbo Beutlin ist so einer. Er hat in dem Roman diesen machtvollen Ring gefunden – und schreckt davor zurück, gegen das Böse loszuziehen. “Es ist eine gefährliche Sache, aus deiner Tür hinauszugehen. Du betrittst die Straße, und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen.“
Wäre es wirklich besser, zuhause sitzen zu bleiben, weil man nicht weiß, was draußen passiert? Ich denke, Nein. Zuhause sterben die Leute, sagt man in Bayern. Richtiges Leben gibt es nur draußen auf der Straße, wo man anderen Menschen begegnet und anderes sieht. Es muss ja nicht gleich der finstere Weg nach Mordor sein. Obwohl, selbst da wäre Gott mit uns.
„The Sound of Silence“ von Simon and Garfunkel ist einer der besten Folksongs aller Zeiten, finde ich. In der Jugend haben wir ihn bei jeder Gelegenheit gesungen, und noch vor ein paar Jahren wurde er von einer Metal-Band gecovert und von Eminem gesampelt.
Wenn man niedergedrückt ist, fühlt man sich in den Anfangsworten wieder: „Hello Darkness my old Friend“, Hallo Dunkelheit, mein alter Freund – und dieser Klang aus der Stille erinnert an die erste, vergebliche Liebe, an das erste Scheitern, an die Traurigkeit, die einen in der Jugend manchmal erfüllt.
Paul Simon hat das Lied geschrieben, weil er als Teenager häufig im Dunkeln Gitarre spielte, erzählte er 1984. Aber jetzt kam die ganze Geschichte ans Licht. Sanford Greenberg war ein Zimmergenosse von Art Garfunkel, der anderen Hälfte des Duos – und erblindete 1961. Sein Schicksal inspirierte Simon and Garfunkel zu dem Song.
Greenberg zog sich nicht zurück, wie ein Sozialarbeiter ihm empfahl, sondern legte eine glänzende Karriere hin, promovierte in Harvard und arbeitete im Weißen Haus. Und er gründete eine Stiftung für Blinde, die nun auch Blindheit bekämpft. „Niemand soll erblinden“, sagte er einmal. „Das habe ich Gott versprochen“.
80 Jahre wird er heute alt, Bugs Bunny, der stets gut gelaunte Hase, der so elegant Karotten essen kann. 1940 trat erstmals in einem Film auf. In meiner Kindheit hatte er seine eigene Fernsehshow. Ich habe ihn geliebt. Bugs Bunt ist selbstbewusst und schlau, stets gelassen und optimistisch. So wäre ich auch gerne – gelassen und optimistisch, aber obwohl ich noch keine 80 Jahre alt bin wie Bugs Bunny, habe ich das immer noch nicht richtig gelernt. Das Beste an Bugs Bunny ist, dass er auch immer hilfsbereit und verständnisvoll ist.
Ist es naiv, solch eine ungebrochen gute Figur zu zeichnen?Ist Bugs Bunny nur ein Kindertraum?Ich denke nein.Immer wieder begegne ich Menschen, die freundlich sind und klug, die anderen Menschen gut tun mit ihrer offenen und liebevollen Art. Menschen wie Bugs Bunny eben…..
Predigt am 26. Juli 2020 – Hebräer 13, 1-3 (Analoge Version aus der Matthäuskirche)
Hört nicht auf, einander als Brüder und Schwestern zu lieben. Vergesst nicht, Gastfreundschaft zu üben, denn auf diese Weise haben einige, ohne es zu wissen, Engel bei sich aufgenommen. Denkt an die Gefangenen, als ob ihr selbst mit ihnen im Gefängnis wärt! Denkt an die Misshandelten, als ob ihr die Misshandlungen am eigenen Leib spüren würdet!
Liebe Gemeinde,
ist Ihnen schon einmal ein Engel begegnet? Natürlich, manchmal sagt man zu jemanden: „Sie sind ein Engel.“, wenn der einem bei etwas hilft, der einem etwas Gutes tut. Das ist nett, das zu sagen. Freundlich. Aber ein richtiger Engel muss ja wohl etwas fast Überirdisches tun, etwas unerwartetes, etwas, das wie ein Wunder ist. Obwohl er keine Flügel hat und vielleicht nicht einmal lächelnd über dem Boden schwebt.
Ich bin einmal einem Engel begegnet, einem Mensch, der mir als ich jung war in einer schwierigen Lebenslage sehr geholfen hat. Das war so nicht zu erwarten gewesen, dass diese Person einfach in mein Leben tritt, überraschend das ganz Richtige tut, mir gut tut, was für mich damals wie ein Wunde war. Und nach ein paar Monaten war dieser Engel wieder weg und mir ging es weiterhin gut. Auch mit vielen Jahrzehnten Abstand ist das wie ein Wunder, dass mir da zum richtigen Zeitpunkt der richtige Mensch begegnet ist. Ein Engel – auch wenn die Person bestimmt keine Heilige war.
Engel bringen Glück in unser Leben – manchmal wundervoll und überraschend und immer wie von Außen. Aber man muss sich natürlich auf Situationen einlassen, in denen einem Engel begegnen können „Einige haben Engel bei sich aufgenommen, ohne es zu wissen.“ heißt es in der Bibel. Wer weiß, was einem die Menschen Gutes tun werden, denen man begegnet? Wer weiß, was wir gewinnen, wenn wir unser Herz gastfreundlich anderen öffnen? Wer weiß, was uns gut tut, wenn wir es nicht ausprobiert haben?
Wahrscheinlich muss man hoffen, dass einem mal ein Engel begegnet – gerade in der Not. Manchmal macht man das. Und dann ist er da, und man erkennt ihn nicht, zunächst jedenfalls – oder glaubt ihm nicht, kann sich nicht auf ihn einlassen.
Viele Geschichten dieser Art sind in der Bibel dazu zu finden. Engel klettern die Himmelsleiter rauf und runter, als Jakob auf dem Weg zur Versöhnung mit seinem Bruder Esau ist. Engel kündigen Sarah die Geburt ihres Sohnes an. Ein Engel sitzt am leeren Grab Jesu. Eine Engel zeigt den gefangenen Aposteln der Weg aus dem Gefängnis.
In der Bibel sind es die verzagten und verunsicherten Menschen, die von Engeln aufgesucht werden. Menschen, die in der Seele verletzt sind, werden von Engeln geheilt. Denen, die von anderen geplagt werden, wird von Engeln eine andere Richtung gewiesen. Menschen, die auf keine bessere Zukunft mehr hoffen, erleben plötzlich, wie das Leben auch leicht und schön sein kann. Sie beherbergen Engel bei sich, ohne es zu wissen. Sie lassen sich auf Fremde ein, die ihnen schließlich zu Freunden werden.
Auch uns könnte genau das passieren, dass für uns gänzlich unbekannte Menschen unser Leben auf einmal in entscheidender Weise prägen und auch verändern. Menschen, die wir im Urlaub kennenlernen, die uns auf einer neuen Arbeitsstelle begegnen, die wir in unser privates, intimes, geheimes Innerstes schauen lassen, weil wir Vertrauen haben, dass sie uns nicht schaden werden. Und diese Erfahrung können wir immer wieder machen, eigentlich ein Leben lang. Weil Gott uns diese Engel schickt.
Woher man wissen kann, dass Gott sie schickt? Nun, wissen kann man das vorher nie, ob andere Engel sind. Die Leute in der Bibel haben auch nicht gewusst, wenn sie da gastfreundlich bei sich aufnehmen. Der vermeintliche Engel kann sich natürlich auch als falscher Hund entpuppen. Aber wer kein Geld von uns will, wer uns nicht zu nahe rückt, wer uns nicht belehrt – der hat zunächst einmal unser Vertrauen verdient. Vielleicht ist er ein Engel. Ich denke, das spüren wir. Engel werden sich nicht wie Heiratsschwindler in alten Heimatfilmen bei uns einschmeicheln. Im Gegenteil, mancher Engel ist vielleicht sogar eine Herausforderung.
Das hat mir mal eine Frau erzählt. Sie war alleine auf der Straße uns schwer gestürzt. Niemand in der Nähe. Bis ein dunkler BMW an der Straße hielt und ein junger Mann in Lederkluft und mit dunklem Teint ausstieg. Der half ihr auf und begleitet sie in ihre Wohnung. „Stellen Sie sich vor! Ein Ausländer!“ sagte sie noch. Politisch korrekt ist das heute natürlich nicht, aber die alte Frau sagte das wie eine tiefe Erkenntnis. Es war ganz anders, als sie erwartet hatte.
Ein Engel eben, der unerwartet kommt. Die Engel, die Gott uns schickt, sind oft erst hinterher zu erkennen. So steht es ja im heutigen Predigttext. Und Engel können nicht nur helfen, sondern einem offenbar auch etwas beibringen. Nicht durch Worte, sondern durch Tun.
Hab Vertrauen sagen sie. Das macht das Leben leichter.
Und zum Schluss noch ein Blick auf die Engel, die man nicht sieht, die aber umso mächtiger da sind. Haben Sie ihren Schutzengel schon mal in Aktion erlebt? Ich schon. Vor ein paar Jahren hätte ich mit dem Auto fast einen schweren Unfall verursacht. Ganz knapp raste der LKW noch an mir vorbei. Ich wäre schuld gewesen – und wahrscheinlich tot. Da ist mir gar nichts anderes mehr übrig geblieben, als an einen Schutzengel zu glauben. Wer glaubt schon, dass er zufällig lebt? Ich nicht, dazu nehme ich mich und mein Leben viel zu wichtig.
Das war kein Zufall, dass ich bewahrt wurde, sondern das war eine Zusage: „Ich schütze dich,“ sagt Gott. „Das hast du erlebt. Du kannst das deinen Schutzengel nennen, aber letztlich war ich es, der Gott, der dich geschaffen hat und möchte, dass du gut lebst in einer Welt, die von Zufällen bestimmt scheint.“ Das sagt Gott zu jedem Menschen, glaube ich.