Gegen den Strom

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Der Prophet Jeremia von E.M.Lilien (Abb. wikicommons/gemeinfrei)

„Wer gegen den Strom schwimmt, darf nicht damit rechnen, dass dieser die Richtung ändert,“ lautet ein Aphorismus des polnischen Lyrikers Stanislaw Jerzy Lec. Das stimmt. Manchmal muss man Kraft und Mut aufbringen, wenn man zu dem stehen möchte, was man als richtig erkannt hat oder woran man glaubt. Und die oft vielgerühmten „Querdenker“ stoßen nur bei denjenigen auf Toleranz, die eine ähnliche Meinung vertreten.

Die alttestamentlichen Propheten sind Musterbeispiele dafür. Gehört man nicht auf sie, manche ihrer Ansichten wären heute sicher auch fragwürdig. Langfristig waren sie allerdings erfolgreich. Man hört ihre Mahnungen, gerecht zu sein, bis heute, während ihre Widersacher nichts hinterlassen haben.

So ist das vermutlich auch mit den heutigen „Querdenkern“ für die gilt, was Steve Jobs schon im berühmten Apple-Werbespot 1997 über sie gesagt hat: „Man kann sie ablehnen. Aber was man nicht kann, ist sie ignorieren, weil sie Dinge verändern, die die Menschen weiterbringen.“

Predigttext ist Jeremia 20, 7-11a

Pfarrer Treibe Predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Gott liebt mich, spür ich

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Seit 2.000 Jahren gilt jedem Menschen die Verheißung, dass Gott ihn liebt (Foto: privat)

Wer versucht, anderen Menschen im Geist der Nächstenliebe zu begegnen, der merkt, dass das einfach richtig ist. Davon bin ich überzeugt, weil alle, die mies handeln, dies irgendwie versuchen zu rechtfertigen oder zu ignorieren oder einfach nur bescheuert sind. Und wer anderen etwas Gutes tut, fühlt sich selbst besser. Warum? Weil er merkt, dass es so sein sollte.

Ähnlich wie mit dem Satz von Jesus, dass man seinen Nächsten lieben soll wie sich selbst, geht es mir mit dem Glauben überhaupt. Beweisen kann ich nicht, dass alles hier auf Erden einen Sinn hat und dass es eine Wahrheit gibt, die in der Ewigkeit verankert ist und durch Jesus verkündigt wurde. Aber ich spüre manchmal mehr, manchmal weniger, dass das für mich stimmt. Gott liebt mich, sonst gäbe es mich nicht.

Predigttext am Sonntag, 17. März 2019, ist Johannes-Evangelium Kapitel 3, Verse 14 bis 21.

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Prominent und nahe

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Folie für perfektes Leben: Prominente (Foto: Screenshot)

Kennen Sie jemanden, der zugibt, das er das „Prominent!“-Magazin auf Vox anschaut oder Yellowpress-Magazine verschlingt? Von den angeblichen Spannungen im Königshaus hat man ja nur zufällig beim Friseur gelesen, heißt es oft. Mag sein, aber irgendjemand muss die Magazine, die uns das Leben der Prominenten nahebringen, auch kaufen. Offenbar ist das Interesse an Herzogin Kate so ungebrochen wie für Ariana Grande oder Jürgen Klopp.

Prominente dienen oft als Folien für das eigene Leben. Allerdings sind sie reicher, berühmter und erfolgreicher, und ihr Leben soll, trotz mancherlei alltäglicher Probleme, die sie menschlich machen, perfekt sein. So ganz anders, als unseres ist.

Wie ein verehrungswürdiger Promi wird Jesus im Predigttext am kommenden Sonntag eingeführt, als Hohepriester. Aber eben nicht als einer, der mit einem perfekten Leben über mir steht, nicht als einer die Macht ergreift, sondern sie aufgibt.

Da steht dieser prominente „Sohn Gottes“ plötzlich wie ein Mensch neben mir, der das gleiche Schicksal teilt, wie ich. Der den gleichen Nöten und den gleichen Versuchungen ausgesetzt ist. Das kann doch bei aller Fremdheit einen tiefen Trost entfalten: Gott ist uns nahe, unserem Streben nach Glück und unserer Gier nacht Macht, unser Sehnsucht nach Liebe und unserem Scheitern im Tun.

Predigttext am Sonntag, 10. Februar 2019, ist Hebräer 4, 14-16.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Hören und Handeln

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Nur Roboter denken nicht, bevor sie handeln….. (Foto: privat)

Was ist besser: Etwas tun oder auf etwas hören? Darum geht es im Bibeltext am nächsten Sonntag. Man könnte auch fragen: Sind wir das, was wir tun, oder das, was wir glauben?

Ich habe, ehrlich gesagt, etwas gegen Leute, die große Worte mit sich herumtragen – Liebe, Solidarität, Toleranz – und sich benehmen, als wollten Sie das Gegenteil erreichen. Jesus hatte da schon recht. Die rechte Überzeugung macht noch keinen guten Menschen aus. Der barmherzige Samariter hat gezeigt, wie es geht: Helfen, wo Hilfe nötig ist.

Andererseits müssen wir auch wissen, was wir wollen. Und auch wer wir sind. Handeln ohne vorher nachzudenken, kann auch falsch sein. Zum Beispiel, wenn man sich zu viel vornimmt und selbst überfordert. Und wenn man das merkt, dann womöglich nur Forderungen an andere stellt.

Gelassenheit ist eben auch eine Tugend wie die Einsicht in die eigenen Grenzen. Zuhören ist dann gefragt, wenn jemand uns an unsere Grenzen erinnern muss – und Tun ist gefragt, wenn wir wissen, was wir wollen: Soweit wir können anderen das Leben ein bisschen besser zu machen.

Ihr
Matthias Treiber

Predigttext am Sonntag, 3. März 2019 ist Lukas 10, 38-42.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Eine Kapitalistin, die Schnecken tötet

Philippi - Taufstelle der Lydia

Die legendäre Taufstelle der Lydia (Foto: Treiber)

Ich mag es, wenn es bunt zugeht, wenn Menschen unterschiedlich sind und jede Schublade sprengen, in die Kleingeister sie sperren wollen. Und Christ bin ich deshalb auch besonders gerne, weil das in der Bibel laufend passiert, dass Vorurteile einfach unterlaufen werden. Wen würde man zum Beispiel als ersten europäischen Christenmenschen vermuten? Ein römischer Gladiator in Griechenland wäre ganz cool und ein armer Bettler in Korinth ließe sich als erster Christ heute gut in der Öffentlichkeit verkaufen. Aber die Bibel treibt keine PR, sondern benennt es, wie es ist: Lydia lässt sich als erster europäischer Mensch taufen, eine Frau und noch dazu eine selbständige und reiche, die mit Purpur handelte. Ein PR-Berater hätte das Paulus gewiss nicht so empfohlen.

In einer Männerwelt präsentiert das Christentum eine Frau als ersten Christenmenschen in Europa und stellt sie uns als Kapitalistin vor, die Schnecken tötet! Verzeihen Sie, das ist nur spaßige Überzeichnung. Aber ernst ist es mir damit, dass wir Menschen aufgrund von äußeren Merkmalen (Frau, reich, Händlerin – oder auch Ausländer oder arm oder unsympathisch oder unrasiert) nicht in Schubladen stecken sollten. Ob Menschen gläubig, hoffend und liebevoll sind, hat in der Regel wenig mit Geld zu tun – und mit dem Geschlecht oder der Hautfarbe schon gar nicht.

Predigttext am Sonntag, 24. Februar 2019, ist Apostelgeschichte 16, 9-15.

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Ein Lob dem Mittelmaß

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Aristoteles lobte das Mittelmaß – aber nur wenn es um Charaktereigenschaften geht. (Foto: wikicommons / gemeinfrei)

Mit am schlimmsten sind wohl die Menschen, die gut und gerecht sein wollen – koste es, was es wolle; die andere dauernd korrigieren und belehren, den Nachbarn auf seine Fehler hinweisen und fünf niemals gerade sein lassen. Das richtige Maß zum Guten ist immer das Mittelmaß. Das lehrte schon der Philosoph Aristoteles und so steht es auch im Predigttext des kommenden Sonntags: „Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest.“ (Eine Freibrief für Dummheit und Unfairness ist das übrigens nicht. Gleich danach steht nämlich „Sei nicht gottlos und sei kein Narr!“)

Und warum ist Fanatismus auch im Guten schädlich? Weil man sich dadurch selbst zu Gott macht, zu jemanden, der über den Zweideutigkeiten des Lebens ebenso steht wie er moralisch über die anderen erhaben ist. In der Politik sind Moralisten sowieso ein großes Übel, und im Alltag ein Ärgernis. Es genügt, auch das steht in der Bibel, wenn man sich so gut es eben geht an Gott hält ohne sich als kleiner Besserwisser aufzuspielen.

Predigttext am Sonntag, 17. Februar 2019, ist Prediger Salomo (Kohelet) 7, 15-18.

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Das Heilige

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Kirche als Ort der Begegnung mit dem Heiligen? – Detail aus der Matthäuskirche Sontheim (Foto: Treiber)

„Das Käthchen von Heilbronn“ in einer wundervollen Inszenierung in Berlin vor vielen Jahren: Käthchen stürzt in das brennende Haus, scheint verloren – und dann steht der junge Mann neben mir zusammen mit einem Dutzend anderer auf, die offenbar keine Besucher, sondern Mitglieder des Ensembles sind, und singt die Worte aus Psalm 91 „…. denn er hat seinen Engeln befohlen über dir“ mit der wunderbaren Melodie von Felix Mendelssohn-Bartholdy. (https://www.youtube.com/watch?v=40CnTO3EJHw)

Das Bibelwort gehört zu den beliebtesten Taufsprüchen, die Eltern aussuchen. Es ist wohl der Wunsch nach Geborgenheit in einer manchmal schönen und manchmal gefährlichen, aber immer unsicheren Welt. Selbst „religiös unmusikalische“ Menschen sitzen dann in der Kirche berührt vor dem Altar, hören die Worte der Taufe oder in einem Kirchenkonzert das Oratorium von Mendelssohn.

Irgendwo da, wo wir von etwas berührt werden, dass uns über Unsicherheit und Bedrängnis hinaus führt, wo wir uns gehalten und gestärkt fühlen, da muss das Heilige sein, da ist Gott, der mit uns ist alle Tage bis an der Welt Ende. In der Kirche kann man das spüren – und manchmal sogar in einem Theater in Berlin.

Predigttext am Sonntag, 27. Januar 2019, ist 2. Mose 3, 1-15.

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„Nehmt einander an, ihr schrägen Vögel!“

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Genau so! (Foto: iStock)

Die Bekannte, die immer wieder mit einem neuen Typen ankommt, der Jugendliche, der nach dem Abitur erstmal gar nichts macht und danach überlegt, was er vielleicht tun will, der Nachbar, der nie zuhause ist, oder die Freundin, die die Haare jetzt giftgrün trägt und sich auch so verhält – ich nenne solche Leute „schräge Vögel“ (Bin mir allerdings unsicher, ob das politisch korrekt ist.) Ein gewisse Bewunderung schwingt in meiner Bezeichnung dabei durchaus mit für Leute, denen es zunächst einmal egal ist, was andere von ihnen denken, und die einfach ihren Weg gehen.

Solche „schrägen Vögel“ erinnern auch daran, dass es uns Menschen nicht nur in bunter Vielfalt und Lebensstilen gibt, sondern dass Gott das auch so gewollt hat. Schon im Stall zu Bethlehem versammelt sich beim Krippenspiel eine bunte Schar von suspekten Naturburschen bis hin zu würdevollen Königen vor einer jugendlichen Maria, die mit einem alten Mann verheiratet ist. (Ob das historisch genauso war, wissen wir nicht, aber es wird so jedenfalls gerne so dargestellt.)

Gott nimmt uns alle an, wie wir sind. Deswegen sei auch in der Kirche ein Loblied auf die Vielfalt gesungen: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat!“

Predigttext am Sonntag, 16. Dezember 2018, ist Römerbrief 15, 4-13.

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Ist Hoffnung von Übel?

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Die Büchse der Pandora – Symbol des Ursprungs allen Übels. (Foto: MT)

Vielleicht kennen Sie die Büchse der Pandora, eine Kiste, von der die griechische Mythologie erzählt. Sie wird aus Versehen von einem Mann geöffnet, und daraufhin verbreiten sich alle Übel der Welt: Krankheiten und Leid. Der Mann schließt die Kiste schnell wieder, so dass etwas zurückbleibt: Die Hoffnung.

Ist Hoffnung also auch ein Übel? Der Mythos ist hier widersprüchlich, so widersprüchlich, wie auch die Hoffnung ist. Die einen erzählen, dass Pandora die Büchse dann noch einmal öffnet, so dass nach all dem Übel auch die Hoffnung in die Welt kommt. Später ist für den Philosophen Friedrich Nietzsche Hoffnung das schlimmste aller Übel, weil es verhindert, dass wir die Welt so akzeptieren, wie sie ist.

Was meinen Sie: Ist Hoffnung also ist ein fragwürdiges Geschenk?

Ich möchte da widersprechen. Kein Mensch kann doch ohne Hoffnung leben. Einem Menschen, der der Verzweiflung nahe ist, die Hoffnung zu nehmen, ist doch das Schlimmste, was man ihm antun kann. Und vielleicht ist Hoffnung sogar das Red Bull der Seele: Hoffnung verleiht Flügel. Sie weckt Sehnsüchte und Träume und macht, dass wir ihnen nachgehen.

Hoffnung betäubt nicht, sondern belebt.

Predigttext am Sonntag, 9. Dezember 2018, ist Jesaja 35, 3-10.

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Ein Lob der Lächerlichkeit

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Erträgliche Leichtigkeit durch Lächerlichkeit (Foto: wikicommons/lizenzfrei)

Sie kennen vielleicht die Fotoshootings, für die man als Tourist auf einen Esel gesetzt wird. Ich weiß nicht: Ein Elefant oder Kamel mag ja noch exotisch-imposant sein, aber ein Esel wäre mir peinlich, zumal es dem Tier mit meinem Gewicht auch nicht gut ginge. Aber ich denke da eher an mich, wie lächerlich das aussehen würde; dann lieber zu Fuß.

Oder darf man als Erlöser lächerlich auf einem Esel daherkommen? Muss man vielleicht sogar? Wenn ich an die inzwischen allgegenwärtigen religiösen Fanatiker denke, die mit ihrem ernsthaften „Glauben“ zu einer Seuche der ganzen Welt geworden sind, weiß ich, dass Erlösung nur in der Leichtigkeit liegen kann, im Humor, in der Gelassenheit. All das zeigt sich in der Fähigkeit, über sich selbst lachen und sein Erscheinungsbild lächeln zu können. Und sich eher kleiner als groß zu machen.

Jesus kam auf einem Esel nach Jerusalem geritten und die Leute haben ihn wie einen König empfangen. Ich bin sicher: Man hat damals gelächelt bei aller Freude über den Erlöser.

Predigttext am 1. Adventssonntag, 2. Dezember, ist Matthäus-Evangelium, Kapitel 21, Verse 1 bis 11.

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