Wir sind komische Heilige

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Kein Mensch ist heilig, nicht einmal Petrus. (Foto: Treiber)

Kein Mensch ist heilig! Mit diesem Grundsatz haben wie Evangelischen ziemlich ernst gemacht und alle Heiligen „abgeschafft“, sogar den heiligen Nikolaus. Vielleicht haben Martin Luthers Kinder deswegen Rabatz gemacht, aber jedenfalls hat der Reformator die Geschenke dann doch, aber erst zu Weihnachten und nun durch das Christkind bringen lassen. Erst im Biedermeier (und übrigens nicht durch Coca-Cola) tauchte dann wieder der Weihnachtsmann auf der „morgen seine Gaben“ bringt.

Sei’s wie’s ist: Es gibt keine Heiligen, denn es gibt keine vollkommenen Menschen. Keiner von uns kann Wunder tun. Es gibt uns nur als fehlbare, mal starke und mal schwache Wesen. Und manchmal sind wir höchstens „komische Heilige“, die in dem, was sie tun, haarscharf daneben liegen.

Mit Martin Luther kann man allerdings zum Thema ergänzen: „Wir sind’s noch nicht, wir werden’s aber.“ Nicht morgen und nicht in diesem Leben. Aber als Ziel steht es uns vor Augen: Dass das, was wir tun, schon richtig sein wird und etwas Gutes draus wird. Im Miteinander und in der Erziehung unserer Kinder, im Beruf und in unserem Einsatz für andere. Heilige sind wir nicht, aber wir bemühen uns – Schritt für Schritt.

Predigttext am Sonntag, 9. Oktober 2016, ist 1.Thessalonicherbrief 4, 1-8.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Großzügigkeit ist eine Tugend

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Großzügigkeit ist eine Tugend – beim Spenden und im Umgang miteinander. (Foto:privat)

Was Schwaben und Schotten gemeinsam haben? Separatistische Tendenzen – vielleicht; einen komischen Dialekt – vielleicht auch; ganz gewiss aber, dass man ihnen Geiz nachsagt. Dabei ist Geiz doch eine Todsünde und Sparsamkeit durchaus eine Tugend. In einem allerdings lassen sich die Württemberger kaum übertreffen: In ihrer Großzügigkeit, wenn es um Spenden für kirchliche Hilfsorganisationen geht. Also Vorsicht mit Vorurteilen, die Schwaben haben nämlich ein Bibelwort beherzigt, das besonders am Erntedankfest gilt: „Wer kärglich sät, wird auch kärglich ernten. Wer aber fröhlich gibt, den hat Gott lieb.“

Wer unfreundlich ist, engstirnig und ein Pfennigfuchser, der wird vermutlich gleiches zurückbekommen. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es nämlich zurück. Wer aber großzügig gibt, freundlich und fröhlich ist, der wird sehen, wie sich die Menschen dadurch verändern.

Erntedank heißt Gott dafür danken, dass wir anderen etwas geben können: Liebe und Hilfe, Möglichkeiten und Freundlichkeit.

Predigttext am Erntedankfest, 2. Oktober 2016, ist 2.Korintherbrief 9, 6-15.

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Flow ins Reich Gottes

Kirche bleibt im dorf

Eins sein mit dem, was man tut – bei die „Kirche bleibt im Dorf“ erlebt der Pfarrer allerdings nur wenige solche beglückende Momente. (Foto: screenshot swr mediathek)

Kennen Sie die Momente, in denen einfach alles stimmt? In denen man sich einfach wohl fühlt, am richtigen Platz, erfüllt und nicht an Vergangenheit oder Zukunft denkt? Flow nennen das die Psychologen, das als beglückend erlebte Gefühl restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit, die wie von selbst vor sich geht. So geht es einem nicht immer, aber vielleicht doch öfters, als man denkt.

So fühlt es sich wohl an, wenn das Leben erfüllt ist, vollkommen ist. Eine 10 auf der Skala!

Bewahren kann man solche Momente zwar nicht, aber man kann darauf achten, dass man sie nicht übersieht. Das Leben wird nicht erfüllt durch das was wir haben und erreichen, sondern durch das, was wir empfinden: Friede und Freude sind das Reich Gottes, meint der Bibeltext für nächsten Sonntag.

Predigttext am Sonntag, 25. September 2016, ist Römerbrief 14, 17 bis 19.

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Du hast recht – und ich vielleicht auch

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Man kann verschiedener Ansicht sein – wie hier im Hyde Park in London. (Foto: Treiber)

Manche Leute wissen ganz genau, was richtig und was falsch ist. Kein Zweifel nagt an ihnen und falls doch, lassen Sie es sich nicht anmerken. Sie streiten um ihre Ansicht und hören dabei anderen nicht einmal zu. Und einen Streit beenden Sie höchstens mit dem ironischen Satz „Du hast recht und ich meine Ruh'“.

Und wenn der andere wirklich recht hat, oder auch recht hat, mindestens im gleichen Maße wie ich? Wenn in jeder Diskussion beide Seiten recht hätten, 50 zu 50, oder manchmal wenigstens 80 zu 20? Es täte uns gut, das anzunehmen. Der unseligste Streit entsteht nämlich daraus, dass wir die Welt nur in richtig oder falsch, in schwarz oder weiß denken können und dabei vergessen, dass sie eher grau und hoffentlich ganz häufig bunt ist.

Glaube, unsere Überzeugung, was wahr und richtig und gut ist, entsteht nach christlicher Lehre dadurch, dass man – nein, nicht Lehrsätze lernt, sondern – die Geschichten von und über Jesus hört, Geschichten von Liebe und Verständnis, von Freiheit und Hoffnung. Und jeder wird diese Geschichten in seinem Leben ein bisschen anders verstehen und eine andere Wahrheit für sein Leben erkennen. „So kommt der Glaube aus dem Wort Christi“ heißt es dazu in der Predigt am kommenden Sonntag.

Predigttext am Sonntag, 18. September 2016, ist Römerbrief 10, 9-18.

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Kraft, Liebe und Besonnenheit

Kassel, 2. CVJM-Europa-Konferenz

Reckturnen kann auch Angst machen – jedenfalls dem Verfasser. (Foto: wikicommmons)

Ängstlich war ich eigentlich schon immer. Im Sportunterricht hatte ich so viel Respekt vor dem Reck, dass ich außerstande war, da auch nur einen Umschwung zu versuchen. Im Auto schnalle ich mich an, bevor ich den Motor anlasse und unsere Auffahrt hinunterfahre. Und bei Kopfweh, nehme ich nicht nur eine Aspirin, sondern schaue auch gleich noch im Internet nach, welche Krankheiten dahinter stecken könnten.

Vielleicht ist mein Lieblingsvers aus der Bibel deshalb einer, der mit das ausreden will: „Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Das Bibelwort wirkt bei mir tatsächlich, wenn auch oft nur kurz. Aber spätestens in der Kirche am nächsten Sonntag fällt es mir wieder ein.

Den zweiten Teil des Verses finde ich übrigens auch toll! Was brauchen wir wirklich in uns? Kraft, Liebe und Besonnenheit. Man kann auch sagen: die Fähigkeit das zu tun, was nötig ist; den Blick auf die anderen dabei; und die Weisheit, zu wissen, dass man die Fünf auch mal gerade sein lassen – und seiner Angst einfach mal zuzwinkern muss.

Predigttext am Sonntag, 11. September 2016, ist 2.Timotheus 1, 7-10.

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Mut ist gut, Hochmut nicht

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Ob Bungee-Jumping mutig ist oder hochmütig, zeigt sich daran, ob man damit eigene Grenzen überwinden will oder sich über andere erheben. (Foto: wikicommons)

Mut ist etwas Gutes – Hochmut allerdings nicht.

Es ist toll, wenn sich jemand etwas zutraut und dafür auch ein Risiko eingeht. Das kann ein Berufsziel ebenso sein wie eine Entscheidung für ein Kind, mutig sind die Polizisten und Soldaten, die uns schützen, ebenso wie das Mädchen, das sich auf dem Schulhof zu einer anderen stellt, die gemobbt wird. Mut ist gut!

Hochmut allerdings nicht. Wer sich nur stark fühlen kann, wenn er sich über andere erhebt und meint, er sei besser als die anderen, ist nicht nur dumm, sondern auch gemeingefährlich, denn er zerstört gutes menschliches Zusammenleben. Die kirchliche Tradition bezeichnet den Hochmut deshalb als Todsünde. Hochmut ist nicht gut!

Gut allerdings ist laut Bibel die Demut. Keine Angst, damit ist nicht die ängstliche Unterwerfung unter andere gemeint und niemand soll sich kleiner machen, als er ist. Frei und wir selbst sollen wir sein! Demut meint in der Bibel, dass wir unsere Grenzen kennen und uns nicht mehr aufladen, als wir tragen können. „All eure Sorge werft auf Gott!“ heißt es deshalb im Zusammenhang mit der Demut. Nur wer seine Grenzen kennt, kann auch ein Risiko bewusst eingehen. Oder biblisch: Nur wer demütig ist, kann mutig sein und „den Mut zum Sein“ haben, wie der Glaube auch genannt wird.

Predigttext am Sonntag, 4. September 2016, ist 1.Petrusbrief 5, 5c-11.

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Der Knechtische Geist im Populismus

Kanzel der Matthäuskirche (Detail)

Der Höllenhund, der einen wie einen Knecht gefangen halten will, ist unter der Kanzel in der Matthäuskirche gefangen durch das Wort Gottes, das jeden Sonntag in Sontheim verkündigt wird.

Meinen, dass andere einem die Probleme lösen? Andere nachlaufen ohne selbst zu denken? Furcht zu haben vor allem, was anders, neu oder fremd ist? Wer so ist, hat laut Bibel einen „knechtischen“ Geist. Das klingt altertümlich, beschreibt aber ziemlich genau, was manche empfinden, die auf die heutigen Populisten hereinfallen. In einer komplizierten Welt sucht man einfache Lösungen. Die allerdings machen weder glücklich noch lösen sie die Probleme. „Knechtischer Geist“ führt in die Sackgasse und beseitigt keine Furcht.

Der Apostel Paulus preist als Gegensatz dazu den „kindlichen“ (nicht: kindischen) Geist an. Wer trotz aller Probleme, die einen manchmal umzingeln, Halt findet im Glauben und im Vertrauen auf Gott, der ist „Kind Gottes“. Er weiß: Ich muss kein Übermensch sein und mich alleine durch die Welt schlagen, sondern ich darf schwach sein und Fehler machen  – und billige das auch anderen zu.

Das Reich Gottes beginnt nicht, wenn alle Probleme weg sind, sondern wenn wir anfangen zu lieben.

Predigttext am Sonntag, 28. August 2016, ist Römerbrief 8, 12-17.

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Liebe – der Grund des Lebens

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(Foto: iStock)

Wenn Religionen miteinander Krach haben, ist es meistens ein völlig sinnloser Streit. Ob man als Bild für Gott – und alles, was man von Gott sagt, ist bildhaft gemeint – das Eine oder das Andere nimmt, ist Geschmacksache, sprich: Es muss einen ansprechen. Ob man Gott dann als Mann oder Frau, als Gedanke oder Herrscher darstellt, entscheidet sich daran.

Nur in einem Punkt hat sich die Bibel ziemlich unmissverständlich festgelegt: Gott ist die Liebe. Das wird dort nicht nur so behauptet und festgestellt, sondern vor allem auch erzählt. Wie Gott ist, hat Jesus gelebt. Davon geht der christliche Glaube aus. Und Jesus hat die Menschen geliebt und Liebe in der Welt gelebt.

Nicht die Auserwählten und die Fanatiker sind bei Gott, sondern man ist Gott immer dann nahe, wenn man liebt. Und das sage ich nicht nur als Glaubenssatz, sondern das empfinde ich so: Wenn ich liebevoll bin, bin ich Gott nahe, bin ich mit dem Sinn und Grund meines Lebens verbunden.

Predigttext am Sonntag, 21. August 2o16, ist 1.Johannesbrief 4, 7-16.

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Nix mehr mit „midlife crisis“

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Männer geraten heute kaum noch in die Midlife Krise, sagt man (Foto: iStock)

Es ist alles geregelt, alles in festen Bahnen und kaum noch Chancen auf Veränderung – damit hat man die midlife crisis erklärt, in die Männer ab 40 geraten, wenn sie spüren, dass in ihrem Leben inzwischen das meiste festgelegt ist und die Änderungsmöglichkeiten gering geworden sind. Diese Krise in der Lebensmitte gebe es aber gar nicht mehr, las ich kürzlich, weil auch Männer über 40 heute noch genügend Veränderung erfahren – als Väter und im Beruf, wo nichts mehr auf Lebenszeit sicher ist.

Das gegenteilige Schicksal erwischt zwar auch nicht jeden, aber doch immer mehr: Dass sich das Leben auf einen Schlag ändert. Plötzlich muss man sich konkrete Gedanken um die Kinder und die eigenen alten Eltern machen; plötzlich sitzt man selbst nervös auf dem Krankenhausgang und wartet auf einen Befund; plötzlich geht es mit der Firma bergab oder man findet eine bessere Stelle in einer anderen Stadt – und, recht häufig, plötzlich ist es mit der Ehe oder Partnerschaft zu Ende und man muss für sich einen neuen Anfang finden.

Plötzlich kann alles ganz anders sein. Im Nachhinein erscheint einem, wie dem Apostel Paulus, das, was vorher war, vielleicht sogar als falsch oder fade. Das muss aber nicht sein und es ist gewiss wichtiger, voraus zu blicken, als am Vergangenen zu kleben. Den Blick voraus erlebt der Apostel Paulus als Verheißung: Vor einem liegen die Möglichkeiten, es anders und besser zu machen, neue Ziele und neue Kraft zu finden.

Predigttext am Sonntag, 14. August 2016, ist Apostelgeschichte 9, 1-20.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:30 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Der Himmel auf Erden

Children Playing

Foto: istockphoto • stevecoleimages • Atlanta, Georgia

„Ihr liebt das Leben – Wir lieben den Tod!“ haben die islamistischen Attentäter von Madrid 2004 geblökt. Ein Satz, so dumm wie präzise zugleich. Wir Christen lieben tatsächlich das Leben, denn „Gott hat uns lebendig gemacht“, wie es in der Predigt am Sonntag heißt. Er hat uns dieses Leben geschenkt, die Sonne, die uns weckt, das Baby, das uns entzückt, den Mut, der uns anspornt, die Zärtlichkeit, die uns das Paradies erahnen lässt.

Das dieser „Himmel auf Erden“, von dem in der Bibel auch die Rede ist, manchmal kaum zu spüren ist, wissen wir dabei nur allzu gut. Zu viel Leid, das Menschen einander bereiten; zu viel Dummheit, zu viel Hass, zu viel Gewalt. Und neben all dem, auch zu viel Ungewissheit und Angst in uns selbst.

Vollkommenheit dürfen wir offenbar nicht zum Maßstab eines schönes Lebens machen. Aber Gnade und Liebe sind es, die das Leben schön machen. Sie zu entdecken und wert zu achten, ist wohl der Beginn des „Himmels auf Erden“.

Predigttext am Sonntag, 7. August 2016, ist Epheserbrief 2, 4-10.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:30 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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