Beten für andere

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(Bild: wikimedia commons lizenzfrei / GregorHelms)

Auch wenn manche das etwas verschämt nicht an die große Glocke hängen: Für andere zu beten ist eine schöne Sache und kommt viel häufiger vor, als man vielleicht denkt. Das Gebet für die Tochter, die ein Kind erwartet, das Stoßgebet für den Ehemann, der beruflich mit dem Auto so weit fahren muss, die an Gott gerichtete Bitte, dass es der lieben Freundin doch bald wieder besser gehe.

70 Prozent aller Menschen sagen, dass sie beten. Das sind deutlich mehr, als an einen personhaften Gott glauben oder in der Kirche sind. Beten ist offenbar etwas zutiefst menschliches. Im Gebet redet unser Herz, und dann ist es egal, ob uns passende Worte einfallen oder nur Spuren von Gedanken durch den Kopf gehen.

Wer seine Gebete für andere nicht an die große Glocke hängt, tut übrigens ganz das, was Jesus empfohlen hat: Zuhause in aller Stille zu beten. Was wir beten geht ja niemanden etwas an – außer Gott.

Predigttext am Sonntag, 1. Mai 2016, ist 1.Timotheus 2, 1-6a.

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Music was my first love ….

metal

Bild: screenshot/blastofeternity

„Music was my first love and it will be my last“ – diese Ballade von John Miles aus dem Jahr 1976 zählt zu den Evergreens, den Liedern, die nie vergehen: „Musik war meine erste Liebe, und sie wird meine letzte sein.“ Ein Lied also, das sich selbst besingt.

Kaum etwas geht uns so unmittelbar nahe wie die Musik. Sie macht die Gefühle, die uns im Kino bewegen; in ihr kommen Dinge zum Ausdruck, die wir „trocken“ kaum so sagen würden. Wer ruft bei uns schon laut „Gelobt sei Gott!“, aber bei Leonard Cohens „Halleluja“ summen alle mit (und bei Jeff Buckleys Coverversion werden die Augen feucht.)

Am Sonntag ist der „Musik-Gedenktag“ in den Kirchen: Kantate, heißt er. Er erinnert daran, dass wir unsere Gefühle – gerade auch das „Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit“, das der Glaube ist – oft nur schwer in Worte fassen können. Wir werden aber wohl immer Musik finden, die diese Gefühle aufnimmt und ausdrückt. Dabei ist jede Art von Musik wertvoll, wenn Sie dies nur leistet, das Metal-Getöse, das das Schweigen durchbricht (weiß eigentlich jemand, dass wir in Neckarsulm jährlich das größte christliche Metal-Event Deutschlands haben ?) ebenso wie die Volksliedmelodie von „So nimm den meine Hände“, die uns in erträumte Paradiese entführt.

Predigttext am Sonntag, 24. April 2016, ist Kolosserbrief 3, 12-17.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Schwachsinn verdient keinen Respekt

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Theater in Palmyra vor der Zerstörung durch den Islamischen Staat (Foto: Treiber)

Wer Gott liebt, liebt auch die Menschen, heißt es kurz und knapp am kommenden Sonntag. Das muss man all den Fanatikern predigen, die glauben, sie müssten für ihren Gott andere Menschen umbringen. Viele sind heute ja übervorsichtig aus lauter Respekt vor dem Glauben anderer, aber manch menschenverachtender Schwachsinn verdient absolut keinen Respekt. Wer Menschen ermordet oder auch nur wegen ihres Glaubens unterdrückt, ist nicht gläubig, sondern böse.

Übrigens (1): Der Gedanke, dass die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen zusammengehören, ist auch im Islam nicht fremd.

Übrigens (2): Die Liebe, von der die Bibel redet, ist nicht nur so ein Gefühl, sondern eine Macht, die die Bösartigkeit in der Welt überwindet. Wir sollten also stolz auf unsere Haltung sein, uns dem Bösen entgegenzustellen. Und ganz konkret können wir stolz darauf sein, dass wir weit über eine Million Migranten im vergangenen Jahr bei uns aufgenommen haben und ihnen mit großem ehrenamtlichen und finanziellem Einsatz Lebensmöglichkeiten eröffnen, die sie in ihren Ländern und Kulturen nie hätten.

Predigttext am Sonntag, 17. April 2016, ist 1.Johannesbrief 5, 1-4.

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Wer holt für uns die Kastanien aus dem Feuer ?

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Die Kulissen des Films „Krieg der Welten“, wie sie heute noch in den Universal Studios in North Hollywood zu besichtigen sind. (Foto: Treiber)

Vater kümmert sich zu wenig um Sohn > Vater rettet Sohn um jeden Preis > Vater bringt Sohn zur Mutter zurück und – fast – alles ist gut. So laufen kurz und knapp gesagt viele der Blockbusterfilmen von The Day After Tomorrow bis Krieg der Welten ab. Der Vater, den man vermisst hat, rettet einen aus höchster Not.

Ein kindischer Traum? Sich jemanden zu wünschen, der einem die Probleme des Lebens löst, ist tatsächlich kindlich. Denn das wird nicht geschehen und da ist die Kritik an der Religion auch berechtigt, wenn sie einem die Eigenverantwortlichkeit nimmt und auf eine Lösung vertröstet, die nicht kommt.

Gott zieht nicht die Fäden in unserem Marionettenleben. Aber er ist der „gute Hirte“. Die Kastanien holt er für uns nicht aus dem Feuer. Aber sein Geist gibt uns Mut und Kraft, einen Weg zu finden, den wir gehen können. Leider nicht immer genau dann, wenn wir es wünschen, aber gewiss dann, wenn wir auf ihn hören.

Predigttext am Sonntag, 10. April 2016, ist 1.Petrusbrief 2, 21b-25.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Glauben – auch wenn man nicht sieht

baufälliges Haus

(Foto: iStock)

An die Liebe glauben – obwohl man gerade alleine ist? Glauben, dass alles gut wird – obwohl man gerade im Krankenhaus auf das Untersuchungsergebnis wartet? Glauben, dass all der Mist bald ein Ende hat – obwohl man gerade bis zum Hals drinsteckt? Das fällt alles furchtbar schwer. Glauben, obwohl man nichts sieht, was ihn begründen könnte.

Doch dann versteckt sich hinter all dem Belastenden irgendwo das Gefühl, dass man das Schwere nicht auf sich belassen will. Man spürt die trotzige Gewissheit, dass da doch etwas sein muss, ein Sinn, ein Halt, eine neue Möglichkeit.

Im Bibeltext für kommenden Sonntag heißt das Ziel „der Seelen Seligkeit“. Nichts, was wir machen könnten, aber wartet auf uns. Das zu hören mag ein erster Trost sein. Und die Aufforderung: Lass dich nicht unterkriegen! Das Leben ist jeden Tag neu.

Predigttext am Sonntag, 3. April 2016, ist 1. Petrusbrief 1, 1-9.

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Ein Leben ohne Auferstehung möchte ich mir nicht vorstellen

house-md_wallpaper-920x690„Wenn sie an die Ewigkeit glauben, ist Ihr Leben hier auf Erden unbedeutend“, meint TV-Arzt Dr. House gegenüber einer schwer traumatisierten Patientin. Glauben ist für ihn Weltflucht, der Glaube an die Auferstehung allemal. Doch die Patientin hält dagegen: „Wenn sie nicht an die Ewigkeit glauben, ist das was Sie tun unbedeutend.“

Genau darum geht es in der Auferstehung. Es ist der Glaube, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern die Aufhebung der Endlichkeit in die Ewigkeit. Wenn es diese Ewigkeit mit und für uns nicht gibt, ist tatsächlich alles unbedeutend, was wir in unserem endlichen Leben sind oder tun.

Ganz prägnant habe ich das von einer Person gehört, die ein Kind verloren hatte und dann meinte: Bisher habe ich nicht an den Himmel geglaubt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich meinen Sohn nicht wiedersehe.

Vielleicht bringt uns das Ostern nahe: Zu spüren, dass wir uns ein Leben ohne Auferstehung nicht vorstellen können und nicht vorstellen möchten.

Predigttext am Ostersonntag, 27. März 2016, ist 1.Korintherbrief 15, 1-11.

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Raumschiff Enterprise

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Mister Spock und Captain Kirk (Pressefoto 1968)

Wie habe ich Raumschiff Enterprise geliebt! Die beiden Hauptdarsteller haben in den nächsten Tage, am 22. und 26. März, ihren 85. Geburtstag, William Shatner und Leonard Nimoy, der allerdings schon vor einem Jahr verstorben ist. Besser bekannt sind sie als Captain Kirk und Mr. Spock.

Der Kern der Handlung ist schnell erzählt: Im 23. Jahrhundert hat die Erde ihre sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten überwunden und ist zur Erkundung des Weltalls aufgebrochen, wobei die Crew des Raumschiffes spannende Abenteuer bestehen muss. Ich habe die Serie geliebt, weil sie von einem tiefen humanen Ethos bestimmt war. Natürlich gibt es noch Not und Gefahr und Leid und Tod, aber die Menschen sind nicht mehr gefangen im Kreislauf von Gewalt und Verzweiflung, sondern blicken nach vorne und lassen sich in eine bessere Zukunft mitnehmen.

Heute fehlt uns dieser Optimismus leider. Anstatt etwas wie weiland Kirk und Spock für eine bessere Welt zu tun, belassen es viele beim Klagen und Schimpfen – oft wohlgenährt vom Küchentisch am Eigenheim aus. Dabei ist es einfach, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen – durch Liebe und Freundlichkeit, durch Verantwortungsbewusstsein und das Eingeständnis, dass auch andere Recht haben könnten.

Es gibt die bessere Welt, noch nicht sichtbar, aber schon entstanden durch all die Menschen, die das Richtige tun und – wie es im Bibeltext des Palmsonntags heißt – so gesinnt sind wie Jesus: voller Liebe zu ihren Nächsten und zu sich selbst.

Predigttext am Sonntag, 20. März 2016, ist Philipperbrief 2, Verse 5-11.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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„Room“ – Raum für Hoffnung auf Erlösung

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(Abbildung: picador.com)

Wie kann es Erlösung aus der Not geben und Hoffnung in allem Leid? Die theologische Begriffe mögen alt klingen, worum es dabei geht, ist dies allerdings nicht. Das zeigt der aktuelle Film „Room“, für den die Hauptdarstellerin jüngst verdient einen „Oscar“ bekam. (An 17. März unter dem Titel „Raum“ auch in deutschen Kinos zu sehen.)

Eine junge Frau wird seit Jahren in einem Raum gefangenen gehalten und hat dort einen inzwischen fünfjährigen Sohn zu Welt gebracht. Trotz allen Elends und des Missbrauchs durch den anonymen Entführer versucht sie, dem Jungen einen gute Kindheit zu bieten und ihn zu einem mutigen Menschen zu erziehen. Als Zeichen seiner Stärke lässt sie ihm nach dem Vorbild des biblische Samson die Haare wachsen,

Mehr soll hier nicht verraten werden, aber es ist eindrücklich, wie diese Geschichte von Not und Hoffnung erzählt und immer mehr um die Frage von Schuld und Verzweiflung kreist. Jenseits alles Bösen gibt es eine Erlösung – und deshalb ist Hoffnung kein Irrtum (um das einem anderen Oscar-Gewinner, „Mad Max“, entgegen zu halten. >https://treiberpredigt.wordpress.com/2015/09/14/hoffnung-ist-kein-fehler-mad-max/)

Predigttext am Sonntag, 13. März 2016, ist Hebräerbrief 5, 7-9.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Auf Trost zu hoffen, ist nicht kindisch

 

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George Frederic Watts: The Good Samaritan (Bild: wikicommons/gemeinfrei)

Kindisch seien wir, hat Sigmund Freud uns Christen vorgeworfen. Anstatt die Probleme des Lebens anzugehen, würden wir uns wie kleine Kinder zur tröstenden Mama flüchten. Glauben war für ihn nur eine religiöse Zwangsneurose.

Wenn er das so gesehen hat, nun gut. Vor hundert Jahren hat man Leute mit religiösem Trost vielleicht wirklich still halten wollen. Heute denke ich allerdings, dass es immer wieder Situationen im Leben gibt, in denen wir mit unserem Latein nicht weiter wissen und mit den Nerven am Ende sind. Und bevor ich dann nur in einen Abgrund schaue, vertraue ich mich lieber im Gebet dem „Gott allen Trostes“ an, von dem am nächsten Sonntag die Rede ist.

Hoffnung auf Trost, wer könnte dagegen ernsthaft etwas haben?

Predigttext am Sonntag, 6. März 2016, ist 2. Korintherbrief 1, 3-7.

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Forderungen zu stellen, ist einfach

SolarFachwerkhaus

Solaranlagen – eine gute Sache? Oder? (Fotos: wikicommons/Tùrelio)

Forderungen zu stellen ist einfach: Der andere soll sich anständig benehmen und bei seiner Wortwahl darauf achten, dass die nicht beleidigend oder verleumderisch ist. Der erhobene Zeigefinger ist da nicht fern. Und bei manchem, was man gegenwärtig in der Flüchtlingsdebatte hört, muss man wohl deutlich Stop sagen.

 

 

Andererseits wissen wir alle, dass es leichter ist, Forderungen zu stellen, als sie zu erfüllen. Nicht habsüchtig sein, heißt eine der Forderungen der Bibel. Na klar! Gegen die Finanzhaie sind alle – aber gilt das auch für den, der sich im Billigmarkt günstige Hemden kauft, oder den, der sich seine Sonnenstromanlage auf dem Dach mit staatlich garantierter Rendite finanzieren lässt?

Das Leben ist meistens komplizierter als die Forderungen. Deswegen hat Jesus immer betont, dass letztlich nur eine Forderung gilt: Liebt einander! Und wie das dann im Einzelnen aussieht, wird jeder für sich vor seinem Gewissen verantworten müssen.

Predigttext am Sonntag, 28. Februar 2016, ist Epheserbrief 5, 1-8a.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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