Erfolge feiern

Kinder

Der größte Erfolg der Kirche ist gutes Zusammenleben. (Foto: iStock)

Was ist das: Erfolg? Von anderen gefragt zu sein und guten Umsatz zu machen? Beliebt zu sein und eine entscheidende Stimme zu haben? Zu erreichen, dass andere das tun, was man will? Immer größer und besser zu werden? – Auf der einen Seite gewiss. Niemand soll es uns vermiesen, wenn wir uns an dem freuen, was wir gut können und erreicht haben. Und stolz auf andere, auf unsere Kinder und Ehepartner dürfen wir allemal sein.

Aber es gibt eben auch die andere Seite, wo einem der Erfolg zu Kopfe steigt, wo der Preis für den Erfolg zu hoch ist oder wo man sich selbst etwas vormacht. In der Bibel geben König David und der Apostel Petrus Beispiele davon ab. Und wie oft die Kirche in ihrer Geschichte falsch gehandelt hat, ist hinreichend bekannt.

Dennoch: Am Sonntag feiert die Kirche ihre frühen Erfolge, indem erzählt wird, dass am Pfingstfest Tausende Christen wurden und alle einträchtig zusammenlebten. Erzählt wird das, nicht um anzugeben, sondern um deutlich zu machen, dass Eintracht und gutes Zusammenleben möglich sind – und als Ziel unserer Träume sogar nötig.

Predigttext am Sonntag, 10. Juli 2016, ist Apostelgeschichte 2, 41 bis 47.

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Das Leben ist kein Ponyhof

Kirche bleibt im dorf

Manchmal ist das Leben wenigstens ein Schlotzer. (Abb: screenshot/swr-Seite)

„S Läba isch koin Ponyhof“ (Das Leben ist kein Ponyhof) lautet die tiefe schwäbische Weisheit der TV-Serie „Die Kirche bleibt im Dorf“. Der Norddeutsche wird das als „Wat mutt, dat mutt!“ (Was sein muss, muss sein) bestätigen, und uns Babyboomern klingt noch der Song von Doris Day in den Ohren: „Que sera, sera“ – Es kommt, wie es kommt.

Alles Weisheiten, die wohl deshalb im Dialekt (Wissen Sie noch ähnliche in anderen Dialekten und Sprachen? >Bitte mir mailen) weitergegeben werden, weil sie so tief unserer Lebenserfahrung entsprechen. Unser Leben ist nicht vorhersehbar und es ist immer wieder schwierig, damit umzugehen. Kontingenz nennen das die Philosophen und letztlich bleibt uns nur eines: Wir müssen mit aller Ungewissheit leben.

Als Symbol dafür, dass man das kann, verstehe ich die Taufe. Sie steht für die Absage an Übel und Nöte, die das Leben kaputt machen, und für das neue Leben, dass wir gewinnen, wenn wir uns an den Ratschlag Jesu halten, uns nicht um die Zukunft zu sorgen: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“ Weil das nicht einfach ist, gibt es als Symbol die Taufe.

Gott stellt uns unter seinen Segen, damit wir jeden Tag so nehmen können, wie er kommt. Und auch wenn das Leben kein Ponyhof ist, ist es doch manchmal wenigstens ein „Schlotzer“ (Lutscher), wie es in der TV-Serie auch heißt.

Predigttext am Sonntag, 3. Juli 2016, ist Römerbrief 6, 3-8.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Hoffentlich hat keiner den Baedeker dabei

A026 Jerash - Gruppe im Nordtheater

Fremdanführung in Jerash – zum Glück hat hier keiner den Baedeker dabei. (Foto: Treiber)

Haben Sie schon einmal an einer Studienreise oder einer Stadtführung teilgenommen? Dann kennen Sie den Albtraum aller Fremdenführer, den Oberstudienrat, der mit dem Baedeker in der Hand hier und dort etwas berichtigt, oder die Volkshochschuldozentin, die nahezu alles besser weiß.

Das alles seien aber nur Klischees, die nicht mehr stimmen, hat mir eine Reiseleiterin kürzlich versichert. Gut so! Besserwisser können einem nämlich gewaltig auf den Geist gehen. In der Politik gibt es die leider noch massig. Leute, die die Meinung anderer nicht anhören können, sondern immer denken, der andere habe einfach noch nicht richtig verstanden und man müsse es ihm oft genug erklären.

Am schlimmsten ist dabei nicht die Unbildung, sondern die Halbbildung, die leider auch unter Journalisten und Lehrern immer mehr um sich greift. Die Klugheit der Welt, von der der Bibeltext am nächsten Sonntag spricht, ist meistens nicht klug, sondern häufig nur eingebildet – so wie der hohe Eisengehalt im Spinat, womit vermeintliche Wissenschaft jahrzehntelang Kinder gequält hat. (Einige populäre Irrtümer finden Sie hier.)

Wirkliche Klugheit findet sich sowieso nur in unserem Herzen, wo der Glaube die Seele küsst und der Geist der Verstand beflügelt.

Predigttext am Sonntag, 26. Juni 2016, ist 1.Korintherbrief 1, 18-25.

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Unsere Schubladen sind zu klein

NJ

Foto: Bearbeitung eines google street.view

Unsere Schubladen sind zu klein, um andere darin unterzubringen. Das muss ich mir immer wieder selbst sagen, wenn mir andere Leute kurz begegnen und ich spüre, dass da nach wenigen Sekunden schon ein Bild vom anderen entstanden ist: der ist nett, die ist tough und das sind Schwätzer. Dabei täuscht man sich oft mächtig. Der junge Typ, der mich sofort um einen Dollar anbettelte, als ich an einer Tankstelle in einem Industriegebiet in New Jersey ausstieg, war gewiss ein Junkie, vor dem ich gleich zum Kassenhäuschen flüchtete, an dem man nur durch ein schwer verbarrikadiertes Fenster (vorher mit Kreditkarte) bezahlen konnte. Wieder am Auto setzte sich die Zapfsäule doch nicht in Betrieb.

Die Frau an der Kasse versprach Hilfe und schickte mir den jungen Bettler mit dem Hauptschlüssel, der mir freundlich half. Und ich habe mich zu Recht ziemlich mies gefühlt, mit meinen dummen Vorurteilen. Zwar war er offenkundig auf Drogen – aber mit Sicherheit war er eben auch mehr, in dem Fall ein junger Mann, der mir geholfen hat.

Äußerlichkeiten helfen uns, Situationen so einzuschätzen, dass wir nicht permanent alles abchecken müssen. Das macht die Welt einfacher und ist manchmal ganz nützlich. Aber Menschen sind viel mehr und vielseitiger, und manchmal ganz anders, als sie aussehen.

Du sollst andere nicht verachten noch über sie richten! heißt es in der Bibel. Gut so!

Predigttext am Sonntag, 19. Juni 2016, ist Römerbrief Kapitel 14, Verse 10 bis 13.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Er war wirklich der Größte

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Muhammad Ali, gestorben am 3. Juni 2016 (Foto: public domain/Library of Congress)

Boxen hat mir eigentlich noch nie gefallen, aber an einen Kampf erinnere mich noch, den „größten Boxkampf aller Zeiten“ 1974 im Kongo zwischen Muhammad Ali und George Foreman. Ali, der sonst seinen Gegner durch dauerndes Getänzel nervös machte, siegte hier mit einer völlig anderen Strategie. Er ließ sich immer wieder in die Seile fallen, brachte seinen Kopf in Sicherheit und wehrte die nun ungefährlicheren Schläge Foremans so lange ab, bis dieser am Ende der achten Runde unaufmerksam wurde und Ali ihn mit vier kurzen Hieben k.o. schlug.

So kann sich das Blatt wenden. Aus der vermeintlichen Schwäche heraus kann man siegen. Beim Fußball führt die Defensivstrategie häufiger zum Erfolg, und im Leben sollte man sich sowieso seiner Stärke nicht zu sicher sein. Der Apostel Paulus jedenfalls, der vom Christenverfolger zum – manchmal kränkelnden – Missionar wurde, betont, dass er seine Stärke, und damit meint er seine Überzeugungskraft, von Gott hat.

Als, wie man sagt, bedeutendster Sportler des Jahrhunderts zu gelten, verdankt Muhammad Ali übrigens auch nicht alleine den K.O.-Siegen, sondern vielmehr seiner Unbeugsamkeit, mit der er gegen den Krieg und die Diskrimierung der Afroamerikaner auftrat, und der Stärke, die er in der Schwäche seiner langen Parkinson-Erkrankung zeigte. Dass er „der Größte“ war, hat er oft genug gesagt. Am Ende hat man ihm es geglaubt.

Predigttext am Sonntag, 12. Juni 2016, ist 1.Timotheusbrief 1, 12 bis 17.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10.00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Glauben heißt, dem Leben zu vertrauen

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Glauben heißt, dem Leben zu vertrauen. (Foto: iStock)

Manchmal ist Gott ferne. Man glaubt gar nicht, dass es ihn gibt. Man spürt ihn nicht, sondern hat eher das Gefühl, dass man sein Leben ziemlich alleine meistern muss.

Doch dann gibt es auch die lichten Momente, in denen Gott gespürt werden kann. Sie flackern auf, wenn uns in schwierigen Situationen eine innere Gewissheit ergreift, die sagt: „Das ist gut!“ „Das schaffst du!“ Momente, in denen wir in uns Ruhe und Gelassenheit spüren und mutig und offen durchs Leben gehen. Augenblicke auch, in denen unser Herz vor Freude springt.

Dann wohnt der Geist Gottes in uns, heißt es im Bibeltext für nächsten Sonntag. Man könnte auch sagen: Dann ist uns Gott so nahe, dass sich die Frage erübrigt, ob wir an ihn glauben. Glauben zeigt sich eben nicht durch Denken, sondern im Gefühl, dem Leben zu vertrauen.

Predigttext am Sonntag, 5. Juni 2016, ist Epheserbrief 2, 17-22.

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Gott ist die Liebe

Love

Auch wenn es manchmal kitschig daherkommt: die Liebe ist das Größte und macht uns vollkommen. (Foto: Treiber)

Über Gott ist schon viel zu viel gestritten worden: ob er männlich ist oder „übernatürlich“, ob zornig oder barmherzig. Die Streitereien darum sind so dämlich wie erbärmlich, denn von Gott kann man nur in Bildern sprechen und über Symbole zu streiten ist ebenso sinnvoll wie über die Frage, ob das Blatt Papier weiß oder schneefarben ist. Es sind eben Bilder, mit denen versucht wird zu beschreiben, wie wir Gott im Verhältnis zu uns empfinden. Einige sagen uns etwas, andere nichts.

Einen Satz gibt es allerdings, der kein Sprachbild ist, sondern treffende Wahrheit, wie ich glaube: Gott ist die Liebe! Wer in Liebe lebt, lebt richtig, hat jedenfalls Jesus verkündigt. In der Liebe spüren wir unvollkommenen Menschen Vollkommenheit, einfacher gesagt: dass wir es trotzdem richtig machen können. Auch aus Liebe können wir zwar manches falsch machen, aber aus Liebe etwas zu machen, kann niemals falsch sein.

Und ein Letztes: Liebe ist das einzige, was bleibt, der einzige Sinn, wie Thornton Wilder gesagt hat. Deshalb kann ich dem Predigttext des Sonntags von ganzem Herzen und auch mit aller Vernunft zustimmen: Gott ist die Liebe.

Predigttext am Sonntag, 29. Mai 2016, ist 1.Johannesbrief 4, 16b-21.

Pfarrer Matthias Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt

Je_suis_CharlieErstens kommt es anders – und zweitens als man denkt, heißt eine etwas abgedroschen klingende aber immer noch stimmende Weisheit. Unsere ersten gedachten Wahrheiten passen oft nicht zu den zweitens gedachten Erfahrungen. Studium ist das allerwichtigste, dachten die Eltern, und 30 Jahres später war der Sohn ohne Abschluss Mitinhaber der wertvollsten Firma der Welt und einer der bedeutendsten noch dazu. Das gilt eine Nummer kleiner, auch bei uns: Man ärgert sich über die Autopanne, die einen zur tagelangen Pause im Allgäu zwingt, und lernt dort die Frau fürs Leben kennen. Man hat zunächst keine Lust, in die Jugendgruppe zu gehen und wird nach all den guten Erfahrungen dort später Pfarrer. Viele könnten hier viel erzählen.

Das gilt auch in Sachen Religion: Mancher, der seine Religion als allen anderen überlegen ansieht, wird lernen müssen, dass es immer anders kommt, als man denkt. Wir Christen haben das schon vom Apostel Paulus gesagt bekommen. Deshalb wissen wir, dass wir in Sachen Glauben vor allem auf eines achten Müssen: die Glaubensfreiheit. Anderen Religionen wünscht man, dass auch sie zu dieser Einsicht kommen. Gott macht, was er will – und das ist gut so.

Predigttext am Sonntag, 22. Mai 2016, ist Römerbrief Kapitel 11, Vers 33 bis 36.

Pfarrer Matthias Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Pfingsten als Fest der Freiheit

(Foto: Treiber)

Wie soll man bloß ein abstraktes Ideal abbilden, mag sich Frédéric-Auguste Bartholdi gefragt haben, als er den Auftrag bekam, die Freiheit darzustellen. Natürlich als eine Allegorie, also in Gestalt einer Frau, die die Fackel der Aufklärung den Betrachtern entgegenhält.

 

Und wie würde man den Heiligen Geist darstellen? Die Taube hat sich eingebürgert, obwohl sie seltsam schwach wirkt und als „Ratte der Lüfte“ eigentlich keinen guten Ruf hat. Im Mittelalter hat man den Heiligen Geist ganz selbstverständlich auch in einer Figur, meist männlich allerdings, dargestellt.

Ich könnte mir heute die Freiheitsstatue als Symbol des Heiligen Geistes vorstellen. Die Inschrift an der Basis der Statue aus dem Jahr 1903 klingt, als würde der Geist christlicher Nächstenliebe sich heute, wenn auch in altertümlicher Sprache, melden: „Gebt mir eure Müden, eure Armen, Eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren / Den elenden Unrat eurer gedrängten Küsten / Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturm Getriebenen / Hoch halt‘ ich mein Licht am gold’nen Tore!“

Predigttext am Pfingstfest, 15. Mai 2016, ist Apostelgeschichte Kapitel 2.

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Ist das Glas halb voll oder halb leer?

IMG_8950Auf die tiefgründige Frage „Ist das Glas halb voll oder halb leer?“, mit der man Optimisten und Pessimisten unterscheiden will, gibt es für mich nur eine sinnvolle Antwort: Es hat die falsche Größe.

Ist unser Leben halb voll, also schön, toll und einfach lebenswert, auch wenn nicht alles hundertprozentig ist. Aber die Probleme muss man eben akzeptieren und angehen? – Oder ist unser Leben halb leer, also eigentlich nur bestimmt von Ärger und Not, Problemen und Leiden, angesichts derer die gelegentllche Lebensfreude nicht ins Gewicht fällt? Beide Sichtweisen lassen sich erleben und scheinen Recht zu haben.

Aber ich denke, beide Sichtweisen sind falsch: Wer das Leben durch Leiden gleich ganz in Frage gestellt sieht, sollte all das Gute darin, die Liebe und die Kinder zum Beispiel, nicht so gering achten. Und wer die Lebensfreude mit dem Sinn des Lebens verwechselt, verdrängt die Ernsthaftigkeit menschlicher Not.

Beides hat letztlich die falsche Größe. Unser Leben lässt sich nicht als gesamtes messen, ob es erfolgreich oder gescheitert ist, sondern jeder Tag ist neu, jede Sekunde ist geschenkt. Heute sollen wir leben. Und Gottvertrauen ist dabei eine gute Hilfe.

Predigttext am Sonntag, 8. Mai 2016, ist Epheserbrief 3, 14-21.

Pfarrer Matthias Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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