Trau‘ Dir etwas zu

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(Foto: iStock)

Trau‘ Dir selbst etwas zu! Versteck‘ Dich nicht! – Jesus erzählt dies in einem Gleichnis. Drei Leute erhalten Talente, zwei setzen diese ein, der dritte versteckt sie aus Angst, das Falsche zu tun – und verliert dadurch alles.

Die Geschichte von den „anvertrauten Talenten“ kann Angst machen oder Mut. Ich habe mich für Mut entschieden. Mut zum Leben und Mut zu Entscheidungen. Manchmal fährt man damit ganz gut, manchmal bekommt man aber auch seine Grenzen aufgezeigt. Man geht auf andere zu und wird abgewiesen, oder man wagt beruflich etwas Neues und das läuft nicht besonders. Aber es gilt: Nur wer nichts macht, macht keine Fehler.

Freundlich und offen, interessiert und hilfsbereit zu sein, ist immer ein Wagnis. Man kann auf taube Ohren stoßen, abgewiesen oder sogar betrogen werden. Man kann scheitern. Man kann aber auch sein Glück finden – und ist nicht schon das Streben danach die Erfüllung?

Predigttext am Sonntag, 2. August 2015, ist Matthäusevangelium Kapitel 25, Verse 14 bis 30.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Sontheim.

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Nix gesagt isch g’nug g’lobt

Stift - 29

Aus dem Schwäbischen (hier: Tübingen) mögen kluge Sätze gekommen sein, dass „nichts gesagt, genug gelobt ist“, gehört sicher nicht dazu: (Foto: Treiber)

Ein großes Lob, was gibt es Schöneres? Ich bin stolz auf dich, sagt man zu seinem Kind. Ich finde dich wunderbar! flüstert man seiner Frau ins Ohr. Das ist ja wirklich super! ruft der Chef aus.

Doch viel zu selten wird gelobt. Nix gesagt isch g’nug g’lobt, sagt man im Schwäbischen. deshalb: Wie gut, dass wir Heilbronner mit Schwaben landsmannschaftlich nichts zu tun haben, denn das ist einer der dümmsten Sätze, die je zwischen Stuttgart und Tübingen entstanden sind. Das Gegenteil stimmt: Man kann gar nicht genug loben. Lob spornt an, etwas nicht nur wieder, sondern auch noch besser zu machen. Und die banale Weisheit, dass vor jeder Kritik mindestens sieben Mal Lob stehen soll, könnte manche Beziehung retten.

Am Sonntag hören wir in der Kirche, dass Jesus seine Anhänger lobt: Ihr seid das Licht der Welt! Nicht das befehlende: Ihr sollt es sein, oder das skeptische: Ihr könntet es sein, sondern ganz einfach: Ihr seid es. Ihr macht es schon richtig. Ihr kriegt das schon hin.

Predigttext am Sonntag, 26. Juli 2015, ist Matthäus-Evangelium  5, 13-16.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Alltag – jenseits von RTL2

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Trash am späten Vormittag (Foto: screenshot rtl2)

Manchmal bricht einfach der Alltag herein. Eben noch hielt der große Lehrer eine Rede, viele hörten ihm zu. Und dann wendet er sich fast beiläufig an seine Helfer: „Wovon kaufen wir eigentlich Essen für die vielen Leute, die da sind?“ In der Bibel geht das in der Geschichte von der „Speisung der 5000“ so. Große Worte – nun gut, aber was ist mit unseren alltäglichen Problemen?

Über das Trash-Programm am Tage auf SAT1 und RTL2 mokieren sich viele. Und es ist ja tatsächlich befremdlich, wenn da zum Beispiel stundenlang laute Frauen ihre kleinen Männer als Versager auflaufen lassen oder eine Richterin über absurd-konstruierte Kriminalfälle urteilt. Fernseh-Müll? Natürlich! Aber offenbar gibt es eben das Bedürfnis, neben allen großen politischen und gesellschaftlichen Themen so etwas wie Alltag im Fernsehen zu sehen, der dann aber leider grotesk überzeichnet wird.

Beides jedenfalls gehört im Leben zusammen: Nachdenken über die großen Worte und Werte – Liebe, Freiheit, Gerechtigkeit – und die ganz praktische Aufgabe, dies im Alltag zu leben, wo man essen und arbeiten, in die Schule und zum Arzt gehen muss.

Die damit verbundenen Probleme lösen sich allerdings nicht, wenn man um 11 Uhr morgens vor dem Fernseher sitzt. Das „Brot des Lebens“, so Jesus, gibt es bei ihm.

Predigttext am Sonntag, 19. Juli 2015, ist Johannesevangelium 6, 1-15.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Zweifler tun gut

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Giordano Bruno bezweifelte die Göttlichkeit Jesu und wurde deshalb ermordet – Statue auf dem Campo dei Fiori in Rom (Foto: wikicommons/gemeinfrei)

„Einige aber zweifelten“ steht da mitten in dem Bibeltext, der erzählt, dass Jesus seinen Jüngern den Auftrag gibt, neue Anhänger zu suchen und sie zu taufen. Die haben uns grade noch gefehlt, mögen da manche der nicht-zweifelnden Jünger gedacht haben. Wenn man eine Idee oder einen Glauben vertritt, muss man doch zu hundert Prozent dahinter stehen, darf nicht daran zweifeln, dass das die Wahrheit ist.

Vor einem Glauben ohne Zweifel würde ich mich allerdings fernhalten. Zumindest Selbstzweifel sollte ein Glaubender haben: Er sollte sich nicht so sicher sein, dass sein Glaubensverständnis das richtige ist und alle anderen falsch liegen.

Deswegen tut es jeder Gruppe gut, wenn in ihr auch ein paar Zweifler sind, die die Wahrheitsfrage immer wieder neu stellen. Sie führen nicht zu einer Aufweichung des Glaubens, im Gegenteil. Glaube wird tiefer und fester, wenn er keine Angst davor hat, dass andere ihn bezweifeln.

Predigttext am Sonntag, 12. Juli 2015, ist Matthäus 28, 16-20.

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Beileibe kein Supermann

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Petrus: Übergroß auf dem Petersdom – aber seine Größe liegt in seiner Schwachheit.  (Foto: Treiber)

Woran merken wir, dass wir nicht Gott sind? An unseren Grenzen, werden Sie sagen. Gut, aber dennoch trauen wir uns manchmal ganz schön viel zu: Unser Kinder wollen wir zu perfekten Menschen machen und mit unserem Handeln die ganze Welt retten. Und wenn wir es nicht tun können, so wissen wir doch was andere tun müssten. Wir können vielleicht nicht alles besser, aber wir wissen es zumindest besser. Und – selbstkritisch gesagt – auch die heutige Kirche spielt da gerne mit.

Ich finde es toll, dass Jesus über diese Allmachtsfantasien locker hinweg geht. Zum Anführer seiner Nachfolger macht er ausgerechnet Petrus, einen Mann, der unter den Jüngern wohl eine gewisse natürliche Autorität hatte, aber ansonsten höchst durchschnittlich war. Ein Fischer war er, kein Lehrer und schon gar kein Supermann. Dass er alles besser wusste, kann man wirklich nicht sagen, als Gefahr drohte, hat er Jesus verleugnet, und von Paulus musste er sich ein ängstliches Doppelspiel in Frage der Heidenmission vorwerfen lassen.

Aufs falsche Pferd gesetzt? Im Gegenteil. Hätte Jesus eine Superhero an die Spitze seiner Kirche gesetzt, wäre Christi Botschaft schnell vergessen worden. Mit einem fehlbaren Menschen an der Spitze aber haben die Christen gezeigt wer sie sind: Fehlbare und schwache Menschen, die sich gerade deswegen in Liebe begegnen können, weil jeder weiß: Ich bin nicht besser als der andere.

Predigttext am Sonntag, 5. Juli 2015, ist Lukasevangelium, Kapitel 5, Verse 1 bis 11.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in  der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Splitter im Auge

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(Foto: wikicommons / lizenzfrei)

Wie leicht sieht man den Balken im Auge des anderen, aber den Splitter im eigenen Auge sieht man nicht. Ein etwas altertümliches Bild, das Jesus verwendet hat, aber um was es geht, ist klar. Wir sehen leichter die Fehler bei anderen als an uns selbst.

Doch halt! Da ist mir der gleiche Fehler unterlaufen wie einmal ⅔ aller Teilnehmer bei einem Test. Das Bild geht nämlich genau anders herum: Der Balken, die großen Fehler, sind im eigenen Auge, im anderen nur ein kleiner Splitter.

Blindheit für die eigenen Fehler und die damit verbundene Heuchelei und Dummheit ist tatsächlich etwas, das am meisten das Zusammenleben stört. Aber dagegen ist ein einfaches Kraut gewachsen: Immer zunächst überlegen, ob nicht auch der andere Recht haben könnte.

Predigttext am Sonntag, 28. Juni 2015 ist Lukasevangelium, Kapitel 6, 36-42

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Was einem wirklich wichtig ist merkt man, wenn es einem fehlt.

IMG_7038Werfen Sie alles weg, was Sie im letzten Jahr nicht benutzt haben, heißt die Empfehlung moderner Lebensmanager, und tatsächlich ist es ja so, dass wir je älter je mehr Plunder Zuhause sammeln, den wir nicht mehr brauchen, aber als gute Schwaben natürlich nicht wegwerfen.

Das umgekehrte gilt auch: Was einem wirklich wichtig ist merkt man, wenn es einem fehlt. Und sei es nur ein Groschen, der verloren ging, oder ein Schaf, das abgehauen ist, wie in der Bibel erzählt wird. Dinge, an denen unser Herz hängt, die zu uns gehören, Teil unseres Lebens sind. Schlimm, wenn die verloren gehen. Man wird sehr viel auf sich nehmen, um das wieder zu bekommen, was Teil des eigenen Lebens ist.

Predigttext am Sonntag, 21. Juni 2015, ist Lukasevangelium, Kapitel 15.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Richtiges Leben im Augenblick

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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sein Leben als gelungen zu verstehen. (Foto: wikicommons/THERKD)

Mein Leben ist richtig! Ich mache das toll! – Vermutlich würden das viele gerne sagen, aber die meisten schrecken zu recht davor zurück. So ehrlich sind wir ja, dass wir nur zu genau wissen, was falsch läuft, und es gerne anders machen würden, wenn es nur so einfach ginge.

Und dann gibt es im Leben ja auch noch die mehr oder weniger massiven Störungen von außen, durch andere Menschen, durch das Schicksal, was auch immer. Richtig ist da vieles nicht.

Wenn ich es richtig verstehe liegt für Jesus die Kunst gelingenden Lebens darin, im Augenblick richtig zu leben, genau jetzt das Richtige zu tun. Gelegenheiten am Schopf zu packen und Möglichkeiten zu nutzen. So wie die Loser im Gleichnis, die von einem Gastgeber zu einem Festmahl eingeladen werden. Seine ursprünglichen Gäste lassen sich alle entschuldigen, deshalb lässt er die nächstbesten Verlierertypen von der Straße zum Fest holen. Ein Gelegenheit, die man ergreifen muss!

Kunst des Augenblicks, meine Möglichkeiten nutzen, das Beste aus allem machen – egal, wie man es nennt, es ist gesegnet, sagt Jesus, wenn es einen Gott näher bringt.

Predigttext am Sonntag, 14. Juni 2015, ist Lukasevangelium 14, 15-25.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Das Leben ist ungerecht

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Bild: wikicommons/lizenzfrei

Manchen geht es doch verdammt gut im Leben! Sie haben eine schöne Familie und ein gutes Auskommen, genießen Freundschaften und Freiheiten. Andere plagen sich mit Sorgen und Problemen, dass sie nicht ein noch aus wissen.

Das Leben ist ungerecht, das wissen wir. Aber es gibt einen schönen Satz, der (fälschlicherweise) John F. Kennedy (Foto) zugeschrieben wird: „Das Leben ist ungerecht. Aber vergiss nicht: Nicht immer zu deinen Ungunsten.“

Ich habe den Eindruck, dass wir leicht in die Neidfalle tappen. Wir sehen genau, wo es anderen besser geht als uns, „unverdientermaßen“, sagen wir dann. Aber haben wir uns unser Leben je verdient? Ist selber schuld, wer krank ist oder auch nur unsympathisch wirkt?

Am Besten wäre es doch, wir lassen das ganze Urteilen über andere und über andere Lebensumstände weg. Menschen sind verschieden und deren Leben auch. Das ist nicht gerecht, aber es ist so. Nehmen wir es also, wie es ist! Und konzentrieren wir uns darauf, dass wir das Beste aus unserem Leben machen und anderen helfen, wo es nötig ist und wir können!

Predigttext am Sonntag, 7. Juni 2015 ist Lukas 16, 19-31

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Nur wer bereit ist, sich zu verändern, bleibt sich treu.

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Der alte Nikodemus wird von dem jungen Jesus zum Nachdenken gebracht. (Abb: wikicommons/lizenzfrei)

Ein durchaus kluger Mann hat mir vor Jahren einmal gesagt: Ab Fünfzig ändern sich Leute nicht mehr. Das klang damals plausibel, aber nun, da ich selbst diese Grenze überschritten habe, bin ich mir da nicht so sicher. Gewiss, manche Charakterzüge wie Ängstlichkeit oder Mut, Kommunikationsfreude oder Zurückhaltung, Aktivismus oder Gelassenheit scheinen fest zu sein und sind schließlich auch das, was unsere Persönlichkeit ausmacht.

Dennoch: Man kann sich immer ändern. Wer selbstkritisch Fehler an sich entdeckt, muss sich eben an die Arbeit machen: Mal mutig sein, auch wenn wir uns am liebsten verkriechen würden; mal sich zwingen, den Mund zu halten, auch wenn man mit seinen guten Ratschlägen am liebsten herausplatzen möchte; mal neu denken und nicht nur das, was man seit 30 Jahren schon immer gemeint hat.

Neugierig und offen zu sein, hat noch keinem geschadet. Und nur wer bereit ist, sich zu verändern, bleibt sich treu.

Predigttext am Sonntag, 31. Mai 2015, ist Johannes 3, 1-8.

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