Wachsamkeit am Ende dieses Jahres

direct.un-suspect-frere-dun-kamikaze-en-fuite_1.jpg?itok=7418MYP9Wachsamkeit ist gefordert – in diesen Tagen des islamistischen Terrors sowieso. Wachsamkeit vor herrenlosem Gepäck auf Bahnhöfen und Wachsamkeit vor Terroristen – Wachsamkeit aber auch dazu, unerbittlich an unserem zentralen Wert festzuhalten: der Freiheit, die wir uns von niemandem nehmen lassen werden!

Wachsamkeit fordert Jesus im Predigtwort des kommenden Sonntags. Wachsam zu sein, damit man bereit ist, wenn man gefordert wird.

Das heißt auch, nicht in Hass und nicht in ignorantes Beschwichtigen verfallen, sondern nüchtern zu bleiben. Nicht unsere Alpträume zählen und nicht unsere Illusionen. Was zählt ist das hier und jetzt, die offenen Augen und der wache Verstand. Die Liebe, die wir zeigen, und die Klarheit, mit der wir als Glaubende jedem Verständnis für religiösen Wahn widersprechen.

Gott ist die Liebe, und wenn er das nicht ist, ist er nicht Gott.

Predigttext am Sonntag, 22. November 2015, ist Matthäus-Evangelium 25, 1-13.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Was ihr anderen getan habt, habt ihr Gott getan

Je_suis_CharlieEs haben sich schon Menschen, man verzeihe den Ausdruck, gegenseitig den Schädel eingeschlagen wegen der Frage, wie man Gott erkennen kann. Die Geschichte der Religionen scheint in zwei Welten parallel gelaufen zu sein. Auf der einen Seite die Fundamentalisten und Besserwisser, die für den richtigen Glaubenssatz andere umzubringen bereit sind – je suis charlie -, und auf der anderen Seite die Geschichte der Kirchen als Orte, in denen die Nächstenliebe und abendländische Kultur erst zur heutigen Form – mit Krankenhäusern, Sozialstaat und Schule für alle – entwickelt wurde.

Wo begegnet man Gott? Oder anders gefragt: Wo zeigt sich der wahre Glaube? Die christliche Antwort im Bibeltext für nächsten Sonntag sagt eindeutig: Da, wo man anderen Menschen hilft und zugute ist.

Und alle anderen, alle, die sich der Liebe verweigern, – da ist der Text nicht minder eindeutig – sollen in der Hölle schmoren! Man verzeihe auch diesen Ausdruck, aber das sagt Jesus nicht minder deutlich.

Predigttext am Sonntag, 15. November 2015, ist Matthäus-Evangelium 25, 31-46

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Hinterm Horizont

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(Bild: wikicommons – Spacetime curvature by Johnstone)

Hinterm Horizont geht’s weiter heißt die Ballade, die Udo Lindenberg einer 1986 früh verstorbenen Freundin geschrieben hat. Jenseits dessen, was wir sehen und erleben können, gibt es, so die Hoffnung, eine andere, bessere Welt, ohne Leid und Trauer und Tod. In der Physik benutzt man interessanterweise ein ähnliches Bild, das vom Ereignishorizont („Event horizon“), einer Grenze im Raum-Zeit-Kontinuum, hinter der für uns im Hier und Heute nichts mehr erfahrbar ist.

Ist dort Gottes Reich? Im Jenseits? Dort wohin nur Poesie und kosmologische Modelle führen? Der Gedanke ist verführerisch, eine gedankliche Verbindung dazu herzustellen, aber Jesus holt uns auf den Boden unserer Welt zurück: Das Reich Gottes ist mitten unter uns. Es ist dort wo Liebe und Hoffnung herrschen, wo Menschen frei und geborgen sind. Es ist hier und jetzt.

Alles andere ist Spekulation, so dass für das Jenseits nur Bilder bleiben –  und die Hoffnung, dass alle Vergänglichkeit von einem unvergänglichen Grund gehalten und gewürdigt wird.

Predigttext am Sonntag, 8. November 2015, ist Lukasevangelium 17, 20-24.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Selig sind die Zukurzgekommenen

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Hanns Dieter Hüsch lobt die Verlierer in seinem Gedicht „Selig sind die Zukurzgekommenen (Foto: wikicommons/Wittkowsky)

Man kann es kurz und knapp sagen: Jesus scheint offenbar die Verlierer selig zu preisen, die Opfer, die Versager, die Loser oder wie man sie heute sonst noch nennt. Dabei sind wir doch alle so darauf angewiesen, von anderen anerkannt zu werden. Man soll uns sympathisch finden oder zumindest bewundern. Und der Erfolg im Beruf, die Promotion der Kinder und das schöne Haus zeigen doch: Wir sind es wert, geliebt und geachtet zu werden. Wer will dem widersprechen? Es ist toll, wenn jemand etwas kann, wenn etwas gelingt, wenn etwas schön ist!

Nur: Von Gott werden eben die anderen geliebt und selig gesprochen, vielleicht, weil sie es besonders nötig haben. Weil sie auch etwas gelten und geachtet werden wollen.

Das müssen wir ernst nehmen: Schön, wenn es für die Studenten genügend Professoren gibt, aber ein Sozialarbeiter oder Psychologe in der Sonderschule wäre auch wichtig; nett, wie sich alle um die erfolgreiche Schauspielerin scharen, aber hat die Frau aus der betreuten Wohngruppe im Ort uns nicht vielleicht sogar Wichtigeres zu sagen? Und seien wir ehrlich: So toll sind wir nicht, dass wir nicht auch darauf angewiesen wären, dass andere uns mögen, obwohl wir so sind wie wir sind.

Der unvergessene Hanns Dieter Hüsch hat es auf den Punkt gebracht, als er sein Gedicht dazu schloss mit den Worten: „Ich sag immer: Selig sind die Zukurzgekommenen, denn sie tun einem nix!“

Predigttext am Reformationsfest bzw. am Sonntag, 1. November 2015 ist Matthäus-Evangelium Kapitel 5, Verse 2-12.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Die andere Wange hinhalten?

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Gewalt gegen andere darf auch nach Maßgabe des Glaubens nicht toleriert werden. – Denkmal für die beim Terroranschlag 2005 in London Ermordeten. (Foto: Treiber)

Die andere Wange hinhalten, die Feinde lieben, diese Forderungen Jesu gehören zu den bekanntesten ethischen Grundsätzen und sicher auch zu den umstrittensten.

Wer wäre ernsthaft dagegen, einem Mörder mit Gewalt Einhalt zu gebieten? Und selbst die friedensbewegsteste Kirchentagsbesucherin wird die Polizei rufen, wenn bei ihr eingebrochen wurde. Im Barmer Bekenntnis von 1934 ist sogar ausdrücklich erwähnt, dass der Staat auch mit Gewalt für Recht und Frieden sorgen darf. Wie passt das zusammen?

Klar ist: Die Worte Jesu sind keine Worte, die man anderen vorhalten, sondern denen man selbst folgen soll. Und klar ist auch: Man kann nur die eigene Wange hinhalten, die Wange anderer hinzuhalten, die Schwachen der Gewalt auszuliefern, wäre ein Verbrechen. Doch eines ist auch klar. Eine Welt, in der jeder darauf beharrt, zurückzuschlagen, wäre furchtbar.

Jesus geht hier mit seiner Liebe aufs Ganze und zeigt in eine Welt, die jenseits unserer Grenzen liegt und dauernde Herausforderung ist: das Reich Gottes.

Predigttext am Sonntag, 25. Oktober 2015, ist Matthäus-Evangelium 5, 38-48.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Die Hartherzigkeit der Heuchler

Young couple sitting on the grass back to back

(Foto: iStock)

Einer der Dauerbrenner kirchlicher Moral ist das sogenannte Verbot der Ehescheidung, das Jesus ausgesprochen hat. Religionen haben daraus Gesetze gemacht und Menschen ins Unglück gestürzt. Denn Eheglück lässt sich nicht erzwingen, sondern erzeugt nur Heuchelei, wie sie ja gerade in den Kirchen und Religionen am meisten verbreitet ist, die am rigidesten die Moral hochhalten.

Eine paar kleine Worte Jesu werden dabei gerne übersehen. Mit seinem Verbot, die Frau einfach nach Lust und Laune per Brief wegschicken zu können, wendet er sich ausdrücklich gegen die Hartherzigkeit, die dahinter steht.

Paare teilen ein gemeinsames Schicksal, gemeinsames Leben, gemeinsame Kinder, gemeinsames Wachsen; das darf man nicht einfach beiseite schieben. Aber es kann auch einmal an ein Ende kommen. Dann gilt es, fair, ehrlich und so weit möglich weichherzig zu bleiben.

Es ist das große Verdienst der reformatorischen Kirchen, dass sie das Gewissen und die Liebe der einzelnen Menschen über die Paragraphen kirchlicher Moral gestellt haben. Das hätte Jesus auch getan.

Scheidungen verletzen und sind deswegen häufig schlimm, aber viel viel schlimmer sind die Heuchler, die von anderen fordern, was sie selbst nicht beachten.

Predigttext am Sonntag, 18.10.2015 ist Markusevangelium 10, 2-16.

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Kann man sich entschuldigen?

F39 Kapernaum - "The town of Jesus"

In Kafarnaum hat Jesus Sünden vergeben. (Foto: Treiber-Archiv)

Einer verletzt einen anderen, durch Worte oder Verhalten und sagt dann: „Ich entschuldige mich.“ Ach ja? Da hat sich aber eine seltsame Redewendung bei uns eingebürgert. Man kann sich nicht selbst entschuldigen. das wäre ja wie Münchhausen, der sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht. Sagen kann man höchstens: Ich bereue, was ich getan habe. Oder weniger dramatisch: Das tut mir leid.

Entschuldigen kann immer nur ein anderer das, was einer ihm angetan hat. Und niemanden kann ihn dazu zwingen. Manches kann man nicht entschuldigen, man kann es höchstens immer mehr vergessen. Der „Schuldige“ hat dann ein Problem, wenn ihm niemand vergibt und er sich selbst ja auch nicht entschuldigen kann.

In der Bibel ist die Rede davon, dass Gott allein solch große Schuld vergeben kann. Ich finde das den besseren Begriff: Gott entschuldigt nichts, die böse Tat bleibt böse und das entstandene Leid wird ernst genommen. Aber Gott vergibt Schuld, er trennt Tat und Täter.

Schwierige Gedanken zu einer populären Geschichte, über die am Sonntag gepredigt wird.

Predigttext am Sonntag, 11. Oktober 2015, ist Markus 2, 1-12, die Heilung des Gelähmten in Kafarnaum.

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Wie schnell man doch vergisst!

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Erntedank in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim (Foto: privat)

Wie schnell man doch vergisst! Bang hat man auf das Ergebnis beim Arzt gewartet, ängstlich an die Zukunft der Firma gedacht, sorgenvoll die Krise in der Partnerschaft erlitten. Und im Jahr darauf ist schon fast vergessen, dass der ärztliche Befund doch harmlos war, dass der Arbeitsplatz gesichert ist und dass man wieder viele glückliche Momente in der Ehe erlebt.

Dass wir das Gute als selbstverständlich nehmen, ist zunächst oft weniger das Problem, als dass wir die Momente der Bedrohung so schnell vergessen. Das sind ja häufig die Situationen, in denen wir merken, dass wir leben und dass wir ein gutes Leben haben wollen und bereit sind, darum zu ringen. Das sind die Situationen, in denen wir etwas lernen können; vor allem den Unterschied zwischen dem, was im Leben wichtig ist, und was nur so dazugehört oder nicht. Streit um Nachbars Apfelbaum lohnt nicht, Ringen um ein erfülltes Leben schon.

Um zu erkennen, was im eigenen Leben wichtig ist, gehört wohl auch das Bewusstsein, dass man das Glück in seinem Leben letztlich nicht selbst geschaffen hat, sondern geschenkt bekommt, als Leben, als Liebe und als Erfahrung.

Das könnte dieses Jahr der Erntedank sein: Im Herzen Gott Danke zu sagen für das Gute in unserem Leben – und unseren Liebsten zu danken für alle Liebe.

Predigttext am Erntedankfest, 4. Oktober 2015, ist Lukas 12, 15-21; in vielen Kirchen finden allerdings Familiengottesdienste zum Thema Danken statt.

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Flucht in die Freiheit

Frankreichs Geschenk an die USA: Die Freiheitsstatue (Foto: privat)

Freiheit bekommt man nicht geschenkt, sondern Freiheit muss man sich nehmen. Deswegen haben sich hunderttausende von Flüchtlingen auf den Weg nach Europa gemacht: Um sich die Freiheit zu nehmen, das eigene Glück zu suchen. Und offenbar vermuten Sie es im Westen, der oft als neoliberal-kapitalistisch verleumdet wird, aber offenbar nicht eiskalt, sondern herzenswarm ist.

Mit der Ankunft ist die Freiheit aber noch nicht gewonnen, sondern muss oft mühsam gegen die Herkunft und Tradition und das eigene Denken und Glauben verteidigt werden. Der größte Feind unserer Freiheit sind wir oft selbst. Weil wir Angst vor ihr haben und uns verstecken hinter angeblich göttlichen Regeln und Vorschriften.

Aber Gott will unsere Freiheit. Das jedenfalls war die Grunderfahrung des Volkes Israel beim Auszug aus Ägypten, und es ist eine Erfahrung, die sogar Jesus mühsam machen musste, wie die Predigt am kommenden Sonntag zeigt. Mit einer ausländischen Frau wollte er nichts zu tun haben, dazu war er zu sehr in seiner Tradition gefangen. Doch sie bringt ihm bei, dass Gott Grenzen und Gesetze überwindet. Alle Menschen sollen von dem Gott hören, der frei macht. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“, heißt die biblische Botschaft, für die wir vor der Welt einzustehen haben.

Predigttext am Sonntag, 27. September 2015, ist Matthäus-Evangelium 15, 21-28.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Hoffnung ist kein Fehler, Mad Max!

Mad-Max-Fury-Road-Poster

(Abb.: Filmplakat nach forbes.com)

„Du weißt, dass Hoffnung ein Fehler ist, sagt Endzeit-Kämpfer Mad Rockatansky im hochgelobten Film Mad Max: Fury Road. „Wenn du das Zerbrochene nicht heilen kannst, wirst du verrückt!“

Tatsächlich? Ist es nicht eher so, dass man verrückt werden würde in einer Welt, in der es keine Hoffnung gibt. Hoffnung alleine gibt uns die Kraft, Gutes zu tun und Schweres zu überstehen. Optimismus ist keine Krankheit, sondern eine gesunde Lebenseinstellung. Hoffnung blickt in die Zukunft und macht uns fähig, sie zu bestehen.

Von großer Hoffnung erzählt der Predigttext am kommenden Sonntag, von Lazarus, der von den Toten auferweckt wird. Verrückt? Vielleicht. Kaum zu glauben? Sicherlich. Und dennoch wahr? Ganz bestimmt!

Predigttext am Sonntag, 20. September 2015, ist Johannes-Evangelium 11, 1-45 (in Auszügen)

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