Man muss die Vergangenheit nicht gleich begraben, oft reicht es, sie einfach hinter sich zu lassen

600px-Beech_seedling

(Foto: wikicommons/The Cookiemonster – lizenzfrei)

Für wen oder was würden Sie ihr bisheriges Leben, den Beruf, die Sicherheiten, den Wohnort aufgeben? Für mehr Verdienst? Na ja, vielleicht. Im großen Gefühl des Verliebtseins? Wer weiß? Für ein neues und inspirierendes Leben? Warum nicht? Für die Menschen, die Sie lieben – Kinder, Mann oder Frau? Ganz gewiss.

Dass nach dem biblischen Wort das Weizenkorn in der Erde sterben muss, um Frucht zu bringen, ist ein etwas irreführendes Bild, denn das Korn stirbt ja nicht, sondern gibt nur seine bisherige Existenz auf, verwandelt sich und bewirkt Gutes.

Man muss sich gewiss nicht jeden Tag neu erfinden, aber wenn man das Gefühl hat, dass einem Gewohnheiten und Vertrautheiten den Zugang zum Wesentlichen im Leben versperren – der Liebe und dem Leben -, sollte man nach der offenen Tür im Leben suchen, oder wenigstens einem offenen Fenster.

Diese Bilder, das merke ich jetzt, gefallen mir besser, wenn es um die Veränderungen im Leben geht. Man muss die Vergangenheit nicht gleich begraben, oft reicht es, sie einfach hinter sich zu lassen.

Predigttext am Sonntag, 15. März 2015, ist Johannes 12, 20-26.

Veröffentlicht unter Evangelien | Hinterlasse einen Kommentar

Vergangenheit vergangen sein lassen

Zeitungsausschnitt

Zeitungen unterhalten uns oft mit alten Bildergalerien, aber die Vergangenheit soll nicht mehr Gegenwart sein. (Foto: private Abbildung im Zeitungsausschnitt)

Wenn etwas wirklich wichtig ist, muss alles andere hinten anstehen. Wenn das Kind Hilfe braucht, lässt man alles andere stehen und liegen, wenn es der Partnerin schlecht geht, lässt man den Besprechungstermin saußen, wenn man nicht mehr kann, muss man zu sich selbst: Stop! sagen. Letzteres tun wir oft zu selten oder zu spät. Viele muten sich bis über die Grenzen ihrer Belastbarkeit hinaus Aufgaben und Verantwortungen zu. Dabei ist so vieles doch nicht wirklich wichtig. Man tut es, weil man es halt tut.

Vor allem die Vergangenheit sollen wir vergangen sein lassen. Nur dann sind wir frei, unser Leben neu auszurichten, wenn wir den alten Ballast, das alte Denken, die alten Selbstverständlichkeiten hinter uns lassen.

Jesus fordert, dass wir Stop sagen zum Alten! Und Mut haben zu neuen Zielen, mit dem Blick auf das, was wirklich wichtig ist.

Predigttext am Sonntag, 8. März, ist Lukas 9, 57-62.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim. 

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Das falsche Leben

800px-Aachen_Bonifatiuskirche_Detail

Eckstein der Aachener Bonifatiuskirche (Foto: Norbert Schnitzler / wikicommons/lizenzfrei)

Das unangenehme an Lebenslügen ist, dass man sie lange aufrecht erhalten kann: das eigene, unmögliche Verhalten, die Überheblichkeit und Unversöhnlichkeit. Egal wie falsch man offenkundig liegt, man kann gute Ratschläge ignorieren, man kann den besorgten Freunden aus dem Weg gehen und vielleicht sogar die von sich stoßen, die einen doch lieben. Warum man das tut? Vielleicht, weil es bequemer ist, im Falschen zu leben, als sein Leben auch einmal in Frage stellen zu lassen.

Am Ende allerdings sind noch alle Lebenslügen zerbrochen.

Und diejenigen, über die man sich vielleicht zuvor in seiner Überheblichkeit lustig gemacht oder die man ignoriert hat, sind dem wahren Leben doch näher als man selbst. „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden“, heißt es in der Predigt des kommenden Sonntags.

Predigttext am Sonntag, 1. März 2015, ist Markus 12, 1-12.

Veröffentlicht unter Evangelien, Neues Testament | Hinterlasse einen Kommentar

Wenn uns der Teufel reitet

The Temptation of Christ Ary Scheffer, 1854

The Temptation of Christ Ary Scheffer, 1854 (Bild: wikicommons/gemeinfrei)

Hat Sie schon mal der Teufel geritten? Was umgangssprachlich noch durchaus üblich ist, gilt religiös heute meist als befremdlich. Wer glaubt schon an den Teufel? Aber dass wir manchmal zu Dingen verleitet werden, die wir nicht wollen, kennen wir gut: zu laut gewesen im Streit, zu ungeduldig mit den Kindern, zu unnachgiebig in der Diskussion, zu nachlässig bei wichtigen Dinge, zu oft auf Kosten anderer etwas getan.

Eigensinn und Macht verführen uns. Und wer denkt, dass ihn das nicht betrifft, sei an andere Todsünden erinnert: Neid und Überheblichkeit zum Beispiel.

Dagegen hilft nur: Glauben. Zu glauben an die Liebe und an das Leben. Alles andere ist dann zweitrangig.

Predigttext am Sonntag, 22. Februar 2015 ist Matthäus 4, 1-11.

Pfarrer Matthias Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim, Lauffener Straße 1.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Liebe tut der Seele gut

7074_-_A_baby_contributes_to_his_mom's_shopping_-_Foto_Giovanni_Dall'Orto,_Verbania,_Jan_5_2011

Foto: wikicommons/Giovanni Dall’Orto

„Was hülfe es, wenn wir die Welt gewönnen und nähmen doch Schaden an unserer Seele?“ ist ein Bibelwort, das altertümlich klingt und doch unmittelbar verständlich ist. Vielleicht, weil wir genügend Meldungen über Promis lesen und dort erfahren, dass Geld eben doch nicht glücklich macht, Berühmtheit nicht vor Kummer schützt und Erfolg nicht alles ist.

Bei uns Normalbürgern ist das alles auch nicht anders, wenn auch eine Nummer kleiner. Wir führen uns zwar nicht wie eine Äffin auf, wenn wir in der First Class der Airline unseres Papas die Nüsschen nur in der Tüte bekommen – aber wir können auch ganz schön ausrasten, wenn der Besuch des Nachbarn uns die Zufahrt zur Garage erschwert. Wir gewinnen ein wenig Zeit, wenn wir als erster zur neu aufgemachten Kasse im Supermarkt stürmen, aber übersehen dabei geflissentlich die ältere Dame mit dem Rollator, die eigentlich schon länger wartet.

Was hilft es uns, wenn wir uns all die kleinen Vorteile im Alltag sichern, und dabei das Wichtigste vergessen: die Liebe, die unserer Seele gut tut.

Predigttext am Sonntag, 15. Februar 2015 ist Markus-Evangelium 8, 31-38.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Leben heißt Wachsen – auf welchem Boden?

Field_Hamois_Belgium_Luc_Viatour

Foto: Luc Viatour / http://www.Lucnix.be (wikicommons)

Das Leben ist ein einziges Wachsen. Manchmal lebt man auf kargem Boden, manchmal geht es durch Dornen hindurch, meist aber hat man doch auch das Glück, auf fruchtbarem Boden zu leben: gute Menschen um sich, Liebe in Familie und Freundeskreis, Auskommen oder erfülltes Tun.

Das biblische Bild von der Saat, (dem Wort Gottes, das auf verschiedenen Böden mehr oder wächst oder vergeht) ist unmittelbar anschaulich und lässt sich leicht auf unser Leben übertragen. Dabei sollten wir uns nicht damit quälen, nun zu klagen, wie karg der Boden ist, auf dem wir leben. Die besten Lebensbedingungen finden sich allgemein ja in den Ländern, in denen das Leben auch einmal rau ist und es wenig Rohstoffe gibt. Das gilt wohl auch für unser je eigenes Leben.

So schlimm das manchmal ist: Reif zu werden, ist anstrengend und manchmal leidvoll. Aber der Boden unseres Lebens ist meist fruchtbarer als wir denken.

Predigttext am Sonntag, 8. Februar 2015 ist Lukas 8, 4-8.

Pfarrer Treiber predigt sonntags um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Das Leben ist ungerecht

476px-John_F._Kennedy_3c17124u_original

John F. Kennedy (Foto: gemeinfrei)

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! lautet eine der wichtigsten Forderungen der Gewerkschaften. Richtig so, selbstverständlich. Bei Gott oder im Leben als Ganzes, könnte man auch sagen, gelten allerdings andere Regeln, zuweilen welche, die wir nicht durchschauen und auch nicht gut finden können. Wer zwölfmal so viel tut wie ein anderer bekommt trotzdem noch genau so viel. Wer anderen Gutes tut, hat genauso viel vom Leben wir der, der sich kaum für andere rührt? Das ärgert, das kann und will man nicht verstehen.

In der Bibel steht die provozierende Geschichte von den „Arbeitern im Weinberg“ – und wir können sie nur ratlos anhören. Ja, manche müssen schwer dafür arbeiten, dass ihr Leben gelingt, und anderen fällt die Gnade Gottes scheinbar in den Schoß. Das ist hart. Aber es ist so: Gott hat uns unser Leben gegeben, so wie wir sind: arm oder reich, gesund oder krank, beliebt oder einsam, gelassen oder geplagt.

Vielleicht beruhigt uns ja ein Zitat ein wenig, das gerne John F. Kennedy zugeschrieben wird: „Das Leben ist ungerecht. Aber vergiss nicht: Nicht immer zu deinen Ungunsten!“

Predigttext am Sonntag, 1. Februar 2015, ist Matthäus 20, 1-16a.

Veröffentlicht unter Evangelien | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Verklärung: Fürchtet euch nicht vor Gott

Jesus nahm mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. (Matthäus 17, 1+2)

In der Erinnerung verklärt sich manches, sagt man. Das Mädchen damals vor 40 Jahren auf der Fete im Partykeller – so verguckt hatte ich mich in sie, dass ich mich kaum noch erinnere, wie sie wirklich ausgesehen hat. In meinen Augen jedenfalls muss sie wunderschön gewesen sein. Da ich kein Foto von ihr habe und nicht mal mehr ihren Namen weiß, ließe sich, selbst wenn man wollte, die Vorstellung an der Wirklichkeit nicht überprüfen. Haben solche Erinnerungen also noch etwas mit der Wirklichkeit zu tun? Fürs Kino würde man die Partyszene jedenfalls mit einem starken Weichzeichner im Gegenlicht aufnehmen und kräftig aufhellen, bis man kaum noch etwas klar sieht.

Bei Spielfilmen über Jesus hat man das getan: Auf dem Berge steht Christus in hellem Licht und davor knien geblendet und verschattet Petrus, Jakobus und Johannes. Das zeigt: Die göttliche Sphäre können selbst die Muster-Jünger nicht betreten, denn überirdisch ist das Ganze, nicht von dieser Welt.

Als alles vorbei war, haben die Jünger vermutlich die Anweisung Jesu befolgt und von der Verklärung ihres Meisters nichts erzählt. Erst nach der Auferstehung schilderten sie ihre Erlebnisse: das helle Licht, in das Jesus gehüllt war, die Stimme, die ihn zum Sohn Gottes erklärte. Was damals auf dem hohen Berg verwirrend war, schien nun klar zu sein.

Aber ist es das wirklich? Verklärung ist ein seltsames Wort. Sie scheint eine Sache doch gerade unklarer zu machen. Was zuvor ein Mensch mit Fleisch und Blut, mit Licht und Schatten ist, erscheint nun als leuchtende Gestalt, die sich weder berühren noch betrachten lässt. Eindrucksvoll, gewiss, aber was erkennt man, wenn alles in hellem Schein liegt?

Man erkennt, dass man Gott begegnet. Von dem Theologen Eberhard Jüngel stammt das Bild, dass Gott verborgen sei im Licht seines eigenen Seins. Erkennen können wir da nichts, schon gar nicht das, was uns an Gott fremd und rätselhaft ist. Wir sehen nur blendendes Licht. Gott lässt sich eben nicht betrachten. Man wird sich auf sein Wort verlassen müssen, dass er er für uns da und Jesus sein Sohn ist. In ihm ist Gott für uns sichtbar, nicht im blendenden Licht der Ewigkeit. Das Licht zeigt nur, dass Gott da ist, aber nicht, wie er ist.

So bleibt die Verklärung zum Glück nur eine kurze Episode, ein Moment, in dem aber mit einem Mal alles klarer wird. Das Ewige ist zu spüren, aber danach richtet sich der Blick wieder in die Welt und auf uns selbst darin. Nun sieht man, wie das Leben zu verstehen ist und wie man leben soll: Fürchtet euch nicht! wird zu den Jüngern gesagt, fürchtet euch nicht vor Gott. Denn in Jesus steht er wirklich sichtbar vor Augen, als Mensch aus Fleisch und Blut, als Lehrer und Freund. Und wer vor Gott keine Furcht hat, braucht sich auch vor Menschen nicht fürchten.

Die himmlische Spähre können wir nicht betreten, meist scheint sie uns unendlich fern zu sein. Wir leben unser Leben, mal zuversichtlich und glücklich, mal bedrückt und mutlos. Im schlechten Fall scheint alles trübe zu sein, im besten Fall zeigt uns der Himmel die Welt in klaren Farben.

Dann und wann aber berührt uns etwas aus der himmlische Sphäre, spüren wir etwas jenseits der Klarheit unseres Blicks und der Berechnung unseres Verstandes: Wenn bei aller Unsicherheit auf dem Krankenhausflur uns eine innere Stimme versichert: Hab keine Angst! Wenn in allen Sorgen um unsere Kinder, Vertrauen sich einstellt: Lass sie machen, sie werden ihren Weg finden! Und eben auch, wenn einem unsicheren jungen Mann wie uns damals auf der Party ein Mädchen zulächelt und er plötzlich weiß, dass er jemand ist, interessant und liebenswert. Oder sehen wir das in der Erinnerung zu verklärt?

Das mag sein, 40 Jahre sind eine lange Zeit, aber wichtig ist nur, was diese Berührung mit der Ewigkeit in uns bewirken kann. Sie macht unser Leben reich und erfüllt. Sie gibt uns Mut zum Leben und Gelassenheit in allem Tun. Sie schenkt uns Glaube, Liebe und Hoffnung.

Predigttext am Sonntag, 25. Januar 2015 ist Matthäus 17, 1-9.

Veröffentlicht unter Evangelien, Neues Testament | Hinterlasse einen Kommentar

Ich liebe das Leben und das Leben liebt mich

iStock_000024731322Large

(Foto: iStock)

Diese Grundhaltung hätte ich gerne, denn wer so lebt, ist vermutlich freundlich, gelassen und wird eine positive Ausstrahlung auf andere haben.

Die Miesepetrigkeit ist allerdings manchmal näher und auch die Melancholie. Dass das Leben leicht sein kann, muss einem erst jemand beweisen, dass es schwer ist bedarf dagegen keiner Begründung. Das glauben wir sowieso.

Dabei hat Gott doch an uns „Wohlgefallen“, was nichts anderes bedeutet, als dass das Leben uns liebt. Denn was Gott bei der Taufe zu Jesus sagte, gilt auch uns, die Engel
haben es gesungen: Wir sind die Menschen, an denen Gott Wohlgefallen hat.

Glaube im Alltag: Einfach mal kurz durchschnaufen und sich sagen:
Das Leben liebt mich, und die Liebe sei mein Leben.

Predigttext am Sonntag, 11. Januar 2015 ist Matthäus 3, 13-17.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat!

Jahreslosungsbild

(Foto: iStock / bearbeitet)

Zur biblischen Losung für das neue Jahr muss man nicht viele Worte machen. Wir sollen andere so akzeptieren, so annehmen, wie Gott uns geschaffen und angenommen hat: Mit all unseren Fehlern und Unzulänglichkeiten und Macken.

Dass Ihnen und mir das gelingt wünsche ich neben Gesundheit und Gründen zur Zufriedenheit Ihnen in einem hoffentlich gesegneten Jahr 2015.

Matthias Treiber

Die Jahreslosung steht im Römerbrief, Kapitel 15, Vers 7.
Predigttext am Sonntag, 4. Januar 2015 ist Lukas 2, 41-52.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar