Mach dir keine Sorgen!

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Eine Lilie ist doch schöner als die Kleider des Königs…. (Foto gemeinfrei: wikicommons / colin barker)

Mach‘ dir keine Sorgen! sagt Jesus. „Der hatte es auch einfach, er war der Sohn Gottes. Was sollte da schief gehen?“ heißt es in einer humorvollen Replik dazu. Ich kenne mindestens zehn Dinge, um die ich mich ernsthaft täglich sorgen muss, und es käme mir fahrlässig vor, Probleme einfach zu ignorieren und nicht immer einen Plan B zu haben.

Im Rückblick auf Situationen, in denen ich bewahrt worden bin, fällt mir aber auf: Es lag nicht an meinen Sorgen, dass es gut ausging. Mit vielen Problemen kann man erst dann vernünftig umgehen, wenn sie da sind, und nicht schon am Tag vorher. Und viel zu oft habe ich mir unnütze Sorgen gemacht. Die aber hat Jesus im Blick, wenn er meint, dass wir doch Vertrauen haben sollen ins Leben, das manchmal schwierig und oft chaotisch ist und uns jeden Tag neu überrascht.

Gott weiß schon, was er tut.

Predigttext am Sonntag, 13. September 2015, ist Matthäus-Evangelium Kapitel 6, 25-34.

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Wir wissen nicht, wie wir das Flüchtlingsproblem lösen können

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(Bild: Schulwandbild Religion, Gebhard Kugel 1937, Saarländisches Schulmuseum Ottweiler)

Angesichts der hunderttausenden von Menschen, die gegenwärtig Schutz und Glück in Deutschland suchen, scheint mir vor allem Demut angebracht, Zurückhaltung und Vorsicht. Alle aufnehmen? Rigoros abschieben? Noch mehr Entwicklungshilfe? Ich denke, wir wissen nicht, wie wir das Problem lösen können, und wer großspurig das Gegenteil behauptet, den werde ich garantiert nicht wählen.

Wir wissen nicht, wie wir das Flüchtlingsproblem lösen können. Aber wir wissen, dass wir Flüchtlingen helfen müssen. Genau so hat Jesus nämlich gehandelt: Keine Pläne gemacht und keine Demonstrationen, keine Rechte eingeklagt und schon gar keine Gewalt angewendet. Er hat geholfen, wo es nötig war. Als ihm zehn Aussätzige entgegenkamen, heilte er sie – obgleich er vermutlich leicht noch tausend andere eine Tagesreise entfernt gefunden hätte. Und als neun sich undankbar zeigten, hat er sich über den gefreut, der dankbar war.

Predigttext am Sonntag, 6. September 2015, ist Lukasevangelium 17, 11-19.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche, Heilbronn-Sontheim.

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Merkblatt zum Helfen:

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George Frederic Watts: The Good Samaritan (Bild gemeinfrei / wikicommons)

1. Man soll dem helfen, der Hilfe braucht.

2. Dass man nicht allen helfen kann, spielt keine Rolle: Man tut, was man kann. Mehr ist nicht verlangt.

3. Geld ist eine gute Sache. Schön, wenn man mehr als genug hat, um wie der Barmherzige Samariter Helfer zu finanzieren.

4. Bei Hilfe geht es nicht um Moralisieren und Besserwisserei, sondern darum, es selbst zu tun. Was die anderen machen, ist deren Sache.

Predigttext am Sonntag, 30. August 2015, ist Lukasevangelium 10, 25-37.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim. 

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Gehört werden und hören

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(Foto: wikicommons/Tonalex – gemeinfrei)

Es kommt selten vor im Leben, aber manchmal dann doch: Ein Erlebnis verändert alles, ein Wort öffnet eine Schleuse, eine Begegnung öffnet die Tür in ein neues Leben. Wir haben verschiedene Bilder für diese Erfahrung, dass wir uns in unserem Leben manchmal wie eingeschlossen fühlen und es sich plötzlich doch öffnet.

Die Heilung des Taubstummen – die biblische Geschichte, die am kommenden Sonntag in der Predigt ausgelegt wird – stellt dies eindrücklich dar. Ein Taubstummer hört und redet plötzlich.

Das auf uns und andere zu übertragen, ist nicht schwer. Ich wünsche allen, die sich wo, wie und warum auch immer isoliert und ungehört fühlen, dass sie frei und gehört werden.

Predigttext am Sonntag, 23. August 2015, ist Markusevangelium  7, 31-37.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Nicht überheblich werden!

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(Foto: wikipedia/gemeinfrei)

Das Richtige tun, wer will das nicht? Keine Tiere töten, Fahrrad fahren und Bücher lesen – nicht schlecht, aber problematisch wird alles Gute, wenn damit angegeben wird und man sich anderen überlegen fühlt. Jeder soll das Richtige tun, aber keiner soll damit angeben.

So die Geschichte, des edlen Spenders, der Gott dafür dankt, dass er so gut ist. Dann lieber der, der Falsches getan hat und das weiß und einsieht. „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden. Und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“

Predigttext am Sonntag, 16. August, ist Lukasevangelium 18, 9-14.

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Berechtigte Zorn

Burm

Manchmal platzt einem der Kragen. Manchmal kann man nicht mehr freundlich bleiben und diskutieren. Mit Nazis zum Beispiel oder auch mit all den Antisemiten von links und rechts. Manches ist einfach zu dumm, als dass es eine ernsthafte Antwort verdient hätte.

Cool bleiben! heißt es dann meist. Wenn das doch so einfach wäre! Als Jesus im Tempel sah, welche Leute sich da breit gemacht hatten und die Gläubigen ausnahmen, packen ihn die Wut und er warf das Pack hinaus.

Gibt es „gerechten Zorn“? Jedenfalls berechtigten Zorn gibt es – angesichts von Dummheit, Gewalt und Blödheit. Wie im Blog einer taz- und ZEIT-Kolumnistin, wo am 28. Juli bei jüdischen Sportwettkämpfen „Hakenkreuzweitwurf“ vermutet wurde.

Über manches kann man nur den Kopf schütteln.

Predigttext am Sonntag, 9. August 2015, ist Lukasevangelium 19, 41-48.

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Trau‘ Dir etwas zu

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(Foto: iStock)

Trau‘ Dir selbst etwas zu! Versteck‘ Dich nicht! – Jesus erzählt dies in einem Gleichnis. Drei Leute erhalten Talente, zwei setzen diese ein, der dritte versteckt sie aus Angst, das Falsche zu tun – und verliert dadurch alles.

Die Geschichte von den „anvertrauten Talenten“ kann Angst machen oder Mut. Ich habe mich für Mut entschieden. Mut zum Leben und Mut zu Entscheidungen. Manchmal fährt man damit ganz gut, manchmal bekommt man aber auch seine Grenzen aufgezeigt. Man geht auf andere zu und wird abgewiesen, oder man wagt beruflich etwas Neues und das läuft nicht besonders. Aber es gilt: Nur wer nichts macht, macht keine Fehler.

Freundlich und offen, interessiert und hilfsbereit zu sein, ist immer ein Wagnis. Man kann auf taube Ohren stoßen, abgewiesen oder sogar betrogen werden. Man kann scheitern. Man kann aber auch sein Glück finden – und ist nicht schon das Streben danach die Erfüllung?

Predigttext am Sonntag, 2. August 2015, ist Matthäusevangelium Kapitel 25, Verse 14 bis 30.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Sontheim.

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Nix gesagt isch g’nug g’lobt

Stift - 29

Aus dem Schwäbischen (hier: Tübingen) mögen kluge Sätze gekommen sein, dass „nichts gesagt, genug gelobt ist“, gehört sicher nicht dazu: (Foto: Treiber)

Ein großes Lob, was gibt es Schöneres? Ich bin stolz auf dich, sagt man zu seinem Kind. Ich finde dich wunderbar! flüstert man seiner Frau ins Ohr. Das ist ja wirklich super! ruft der Chef aus.

Doch viel zu selten wird gelobt. Nix gesagt isch g’nug g’lobt, sagt man im Schwäbischen. deshalb: Wie gut, dass wir Heilbronner mit Schwaben landsmannschaftlich nichts zu tun haben, denn das ist einer der dümmsten Sätze, die je zwischen Stuttgart und Tübingen entstanden sind. Das Gegenteil stimmt: Man kann gar nicht genug loben. Lob spornt an, etwas nicht nur wieder, sondern auch noch besser zu machen. Und die banale Weisheit, dass vor jeder Kritik mindestens sieben Mal Lob stehen soll, könnte manche Beziehung retten.

Am Sonntag hören wir in der Kirche, dass Jesus seine Anhänger lobt: Ihr seid das Licht der Welt! Nicht das befehlende: Ihr sollt es sein, oder das skeptische: Ihr könntet es sein, sondern ganz einfach: Ihr seid es. Ihr macht es schon richtig. Ihr kriegt das schon hin.

Predigttext am Sonntag, 26. Juli 2015, ist Matthäus-Evangelium  5, 13-16.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Alltag – jenseits von RTL2

Salesch

Trash am späten Vormittag (Foto: screenshot rtl2)

Manchmal bricht einfach der Alltag herein. Eben noch hielt der große Lehrer eine Rede, viele hörten ihm zu. Und dann wendet er sich fast beiläufig an seine Helfer: „Wovon kaufen wir eigentlich Essen für die vielen Leute, die da sind?“ In der Bibel geht das in der Geschichte von der „Speisung der 5000“ so. Große Worte – nun gut, aber was ist mit unseren alltäglichen Problemen?

Über das Trash-Programm am Tage auf SAT1 und RTL2 mokieren sich viele. Und es ist ja tatsächlich befremdlich, wenn da zum Beispiel stundenlang laute Frauen ihre kleinen Männer als Versager auflaufen lassen oder eine Richterin über absurd-konstruierte Kriminalfälle urteilt. Fernseh-Müll? Natürlich! Aber offenbar gibt es eben das Bedürfnis, neben allen großen politischen und gesellschaftlichen Themen so etwas wie Alltag im Fernsehen zu sehen, der dann aber leider grotesk überzeichnet wird.

Beides jedenfalls gehört im Leben zusammen: Nachdenken über die großen Worte und Werte – Liebe, Freiheit, Gerechtigkeit – und die ganz praktische Aufgabe, dies im Alltag zu leben, wo man essen und arbeiten, in die Schule und zum Arzt gehen muss.

Die damit verbundenen Probleme lösen sich allerdings nicht, wenn man um 11 Uhr morgens vor dem Fernseher sitzt. Das „Brot des Lebens“, so Jesus, gibt es bei ihm.

Predigttext am Sonntag, 19. Juli 2015, ist Johannesevangelium 6, 1-15.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Zweifler tun gut

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Giordano Bruno bezweifelte die Göttlichkeit Jesu und wurde deshalb ermordet – Statue auf dem Campo dei Fiori in Rom (Foto: wikicommons/gemeinfrei)

„Einige aber zweifelten“ steht da mitten in dem Bibeltext, der erzählt, dass Jesus seinen Jüngern den Auftrag gibt, neue Anhänger zu suchen und sie zu taufen. Die haben uns grade noch gefehlt, mögen da manche der nicht-zweifelnden Jünger gedacht haben. Wenn man eine Idee oder einen Glauben vertritt, muss man doch zu hundert Prozent dahinter stehen, darf nicht daran zweifeln, dass das die Wahrheit ist.

Vor einem Glauben ohne Zweifel würde ich mich allerdings fernhalten. Zumindest Selbstzweifel sollte ein Glaubender haben: Er sollte sich nicht so sicher sein, dass sein Glaubensverständnis das richtige ist und alle anderen falsch liegen.

Deswegen tut es jeder Gruppe gut, wenn in ihr auch ein paar Zweifler sind, die die Wahrheitsfrage immer wieder neu stellen. Sie führen nicht zu einer Aufweichung des Glaubens, im Gegenteil. Glaube wird tiefer und fester, wenn er keine Angst davor hat, dass andere ihn bezweifeln.

Predigttext am Sonntag, 12. Juli 2015, ist Matthäus 28, 16-20.

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