Beileibe kein Supermann

Dias: D08 23. Mai - 2. Juni 1991

Petrus: Übergroß auf dem Petersdom – aber seine Größe liegt in seiner Schwachheit.  (Foto: Treiber)

Woran merken wir, dass wir nicht Gott sind? An unseren Grenzen, werden Sie sagen. Gut, aber dennoch trauen wir uns manchmal ganz schön viel zu: Unser Kinder wollen wir zu perfekten Menschen machen und mit unserem Handeln die ganze Welt retten. Und wenn wir es nicht tun können, so wissen wir doch was andere tun müssten. Wir können vielleicht nicht alles besser, aber wir wissen es zumindest besser. Und – selbstkritisch gesagt – auch die heutige Kirche spielt da gerne mit.

Ich finde es toll, dass Jesus über diese Allmachtsfantasien locker hinweg geht. Zum Anführer seiner Nachfolger macht er ausgerechnet Petrus, einen Mann, der unter den Jüngern wohl eine gewisse natürliche Autorität hatte, aber ansonsten höchst durchschnittlich war. Ein Fischer war er, kein Lehrer und schon gar kein Supermann. Dass er alles besser wusste, kann man wirklich nicht sagen, als Gefahr drohte, hat er Jesus verleugnet, und von Paulus musste er sich ein ängstliches Doppelspiel in Frage der Heidenmission vorwerfen lassen.

Aufs falsche Pferd gesetzt? Im Gegenteil. Hätte Jesus eine Superhero an die Spitze seiner Kirche gesetzt, wäre Christi Botschaft schnell vergessen worden. Mit einem fehlbaren Menschen an der Spitze aber haben die Christen gezeigt wer sie sind: Fehlbare und schwache Menschen, die sich gerade deswegen in Liebe begegnen können, weil jeder weiß: Ich bin nicht besser als der andere.

Predigttext am Sonntag, 5. Juli 2015, ist Lukasevangelium, Kapitel 5, Verse 1 bis 11.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in  der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Splitter im Auge

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(Foto: wikicommons / lizenzfrei)

Wie leicht sieht man den Balken im Auge des anderen, aber den Splitter im eigenen Auge sieht man nicht. Ein etwas altertümliches Bild, das Jesus verwendet hat, aber um was es geht, ist klar. Wir sehen leichter die Fehler bei anderen als an uns selbst.

Doch halt! Da ist mir der gleiche Fehler unterlaufen wie einmal ⅔ aller Teilnehmer bei einem Test. Das Bild geht nämlich genau anders herum: Der Balken, die großen Fehler, sind im eigenen Auge, im anderen nur ein kleiner Splitter.

Blindheit für die eigenen Fehler und die damit verbundene Heuchelei und Dummheit ist tatsächlich etwas, das am meisten das Zusammenleben stört. Aber dagegen ist ein einfaches Kraut gewachsen: Immer zunächst überlegen, ob nicht auch der andere Recht haben könnte.

Predigttext am Sonntag, 28. Juni 2015 ist Lukasevangelium, Kapitel 6, 36-42

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Was einem wirklich wichtig ist merkt man, wenn es einem fehlt.

IMG_7038Werfen Sie alles weg, was Sie im letzten Jahr nicht benutzt haben, heißt die Empfehlung moderner Lebensmanager, und tatsächlich ist es ja so, dass wir je älter je mehr Plunder Zuhause sammeln, den wir nicht mehr brauchen, aber als gute Schwaben natürlich nicht wegwerfen.

Das umgekehrte gilt auch: Was einem wirklich wichtig ist merkt man, wenn es einem fehlt. Und sei es nur ein Groschen, der verloren ging, oder ein Schaf, das abgehauen ist, wie in der Bibel erzählt wird. Dinge, an denen unser Herz hängt, die zu uns gehören, Teil unseres Lebens sind. Schlimm, wenn die verloren gehen. Man wird sehr viel auf sich nehmen, um das wieder zu bekommen, was Teil des eigenen Lebens ist.

Predigttext am Sonntag, 21. Juni 2015, ist Lukasevangelium, Kapitel 15.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Richtiges Leben im Augenblick

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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sein Leben als gelungen zu verstehen. (Foto: wikicommons/THERKD)

Mein Leben ist richtig! Ich mache das toll! – Vermutlich würden das viele gerne sagen, aber die meisten schrecken zu recht davor zurück. So ehrlich sind wir ja, dass wir nur zu genau wissen, was falsch läuft, und es gerne anders machen würden, wenn es nur so einfach ginge.

Und dann gibt es im Leben ja auch noch die mehr oder weniger massiven Störungen von außen, durch andere Menschen, durch das Schicksal, was auch immer. Richtig ist da vieles nicht.

Wenn ich es richtig verstehe liegt für Jesus die Kunst gelingenden Lebens darin, im Augenblick richtig zu leben, genau jetzt das Richtige zu tun. Gelegenheiten am Schopf zu packen und Möglichkeiten zu nutzen. So wie die Loser im Gleichnis, die von einem Gastgeber zu einem Festmahl eingeladen werden. Seine ursprünglichen Gäste lassen sich alle entschuldigen, deshalb lässt er die nächstbesten Verlierertypen von der Straße zum Fest holen. Ein Gelegenheit, die man ergreifen muss!

Kunst des Augenblicks, meine Möglichkeiten nutzen, das Beste aus allem machen – egal, wie man es nennt, es ist gesegnet, sagt Jesus, wenn es einen Gott näher bringt.

Predigttext am Sonntag, 14. Juni 2015, ist Lukasevangelium 14, 15-25.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Das Leben ist ungerecht

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Bild: wikicommons/lizenzfrei

Manchen geht es doch verdammt gut im Leben! Sie haben eine schöne Familie und ein gutes Auskommen, genießen Freundschaften und Freiheiten. Andere plagen sich mit Sorgen und Problemen, dass sie nicht ein noch aus wissen.

Das Leben ist ungerecht, das wissen wir. Aber es gibt einen schönen Satz, der (fälschlicherweise) John F. Kennedy (Foto) zugeschrieben wird: „Das Leben ist ungerecht. Aber vergiss nicht: Nicht immer zu deinen Ungunsten.“

Ich habe den Eindruck, dass wir leicht in die Neidfalle tappen. Wir sehen genau, wo es anderen besser geht als uns, „unverdientermaßen“, sagen wir dann. Aber haben wir uns unser Leben je verdient? Ist selber schuld, wer krank ist oder auch nur unsympathisch wirkt?

Am Besten wäre es doch, wir lassen das ganze Urteilen über andere und über andere Lebensumstände weg. Menschen sind verschieden und deren Leben auch. Das ist nicht gerecht, aber es ist so. Nehmen wir es also, wie es ist! Und konzentrieren wir uns darauf, dass wir das Beste aus unserem Leben machen und anderen helfen, wo es nötig ist und wir können!

Predigttext am Sonntag, 7. Juni 2015 ist Lukas 16, 19-31

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Nur wer bereit ist, sich zu verändern, bleibt sich treu.

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Der alte Nikodemus wird von dem jungen Jesus zum Nachdenken gebracht. (Abb: wikicommons/lizenzfrei)

Ein durchaus kluger Mann hat mir vor Jahren einmal gesagt: Ab Fünfzig ändern sich Leute nicht mehr. Das klang damals plausibel, aber nun, da ich selbst diese Grenze überschritten habe, bin ich mir da nicht so sicher. Gewiss, manche Charakterzüge wie Ängstlichkeit oder Mut, Kommunikationsfreude oder Zurückhaltung, Aktivismus oder Gelassenheit scheinen fest zu sein und sind schließlich auch das, was unsere Persönlichkeit ausmacht.

Dennoch: Man kann sich immer ändern. Wer selbstkritisch Fehler an sich entdeckt, muss sich eben an die Arbeit machen: Mal mutig sein, auch wenn wir uns am liebsten verkriechen würden; mal sich zwingen, den Mund zu halten, auch wenn man mit seinen guten Ratschlägen am liebsten herausplatzen möchte; mal neu denken und nicht nur das, was man seit 30 Jahren schon immer gemeint hat.

Neugierig und offen zu sein, hat noch keinem geschadet. Und nur wer bereit ist, sich zu verändern, bleibt sich treu.

Predigttext am Sonntag, 31. Mai 2015, ist Johannes 3, 1-8.

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Was uns lebendig macht

Mann und Kind

So zeigt sich der Heilige Geist: Als Freude und Liebe. (Foto: iStock)

Mit Pfingsten können fast alle etwas anfangen, die einen gehen zum Fußballturnier, andere haben ein Familientreffen im Grünen und die Jungen zieht es auf diverse Festivals. Dieser ironischen Feststellung liegt nun allerdings die gegenteilige Beobachtung zugrunde: Kaum jemand weiß genau, was an Pfingsten gefeiert wird. Das „Ausgießen des Heiligen Geistes“ wirkt ja nicht gerade verständlich.

Aber ich bin mir sicher: Sie haben den Heiligen Geist, oder sagen wir moderner: Den Spirit. Er ist das, was Sie antreibt, und Sie spüren ihn, wenn Sie ihre Kinder zur Musikschule fahren oder den Halbmarathon in Heilbronn hinter sich gebracht haben, wenn Sie stolz auf die selbstgebaute Gartenterrasse blicken oder von Glück überwältigt sind, weil Sie zum ersten Mal den Enkel auf dem Schoß haben.

Der Geist, das ist das, was uns lebendig macht, was uns Sinn gibt und Antrieb ist, was uns erfüllt mit Hoffnung und Liebe.

Predigttexte am Pfingstfest, 24. und 25. Mai 2015, sind Johannesevangelium 14, 23 bis 27, und Matthäus 16, 13-19.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in  der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Optimismus ist nicht billig, sondern eine ungeheure Kraft

Children skipping and jumping up a hill. OUTDOOR ADVENTURE Exclusive only at istockphoto • stevecoleimages • Atlanta, Georgia [url=http://www.istockphoto.com/file_search.php?action=file&lightboxID=5758984 [img]http://dl.dropbox.com/u/40249541/ISP%20Banners/OutdoorAdventure.jpg[/img][/url] [url=http://www.istockphoto.com/file_search.php?action=file&lightboxID=8282165 [img]http://dl.dropbox.com/u/40249541/ISP%20Banners/RoadTrip.jpg[/img][/url] [url=http://www.istockphoto.com/file_search.php?action=file&lightboxID=9072846 [img]http://dl.dropbox.com/u/40249541/ISP%20Banners/Lifestyle.jpg[/img][/url]

(Foto. iStock)

Wenn wir Angst haben, wünschen wir uns Trost, wenn wir leiden, Hoffnung auf ein Ende des Leids. Der christliche Glaube will Hoffnung schenken und verheißt den Heiligen Geist, der in der Bibel „Tröster“ genannt wird.

Nur billiger Optimismus? Es ist zumal im ewig ängstlichen Deutschland üblich geworden, einem den Optimismus madig zu machen. Immer gilt er als „billig“, als etwas, das man sich vormacht, als Wunschdenken. Dabei hat Optimismus eine ungeheurer Kraft. Nur wo wir ein gutes Ende erwarten – auch gegen allen Augenschein – werden wir die Kraft haben, solch ein End auch anzustreben. Deshalb behalten Pessimisten meist recht. Da sie nichts Gutes erwarten, tun sie auch nichts dafür.

Hoffnung kommt von Gott – aber in unser Leben umsetzen müssen wir sie schon selbst. Den Mut dazu schenkt der „Tröster“, der Geist des Lebens.

Predigttext am Sonntag, 17. Mai 2015 ist Johannes-Evangelium 15,26 bis 16,4.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Angst und ihre Überwindung

Kunsthalle Wien - Salon der Angst

„Salon der Angst“ hieß im vergangenen Jahr eine Ausstellung in der Wiener Kunsthalle. (Foto: Treiber)

„In der Welt habt Ihr Angst!“ stellt Jesus einmal fest. Das stimmt gewiss, aber ich wundere mich manchmal, vor was manche Angst haben. Vor dem Fliegen zum Beispiel oder genetisch veränderter Mais-Saat, vor dem Untergang der Welt oder einem schlechten Eindruck beim Lehrer der Kinder.

Vieles von dem, wovor wir Angst haben, ist entweder unwahrscheinlich oder unbedeutend. Apple-Gründer Steve Jobs hat das in seiner Stanford-Rede über seine Krebserkrankung – wovor er wirklich Angst haben musste – brilliant formuliert: „Fast alles – alle Erwartungen von außen, aller Stolz, alle Angst vor Peinlichkeit oder Versagen – das alles fällt im Angesicht des Todes einfach ab. Nur das, was wirklich zählt, bleibt. Sich daran zu erinnern, dass man eines Tages sterben wird, ist in meinen Augen der beste Weg, um nicht zu denken, man hätte etwas zu verlieren. Man ist bereits nackt. Es gibt keinen Grund, nicht dem Ruf des Herzens zu folgen.“

„…aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“, endet Jesus seine Rede. Vielleicht liegt die Überwindung der Angst tatsächlich darin, sich bewusst zu machen, was von uns ewig bleibt: Alle Liebe – alles Gute – alles, was wir selbst sind.

Predigttext am Sonntag, 10. Mai 2015, ist Johannes-Evangelium 16, 23b bis 33.

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Schön, wenn man nicht alleine ist

Teenager mit Problemen iStock

(Foto: istock)

Ein bisschen altbacken klingt es ja schon, wenn Jesus sagt: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Aber wer mal wieder so eine vors Gesicht bekommen hat, dass er kaum noch weiter weiß, wer nach dem zweiten auch noch mit einem dritten Problem zu kämpfen hat; wer sich Sorgen macht und nicht mehr weiter weiß – der versteht das Bibelwort auf Anhieb.

Es drückt eine tiefe Hoffnung aus, die, dass man mit dem, was man tragen muss, nicht alleine bleibt, sondern andere einem helfen: Engel, von denen jüngst wieder so viel die Rede ist, oder andere Menschen, die manchmal wie Engel daherkommen, die einem Gott gesandt hat. Schön, wenn man die Erfahrung macht, dass man nicht alleine ist. Gott jedenfalls ist immer auf unserer Seite und für uns da.

Predigttext am Sonntag, 3. Mai 2015, ist Matthäus-Evangelium Kapitel 11, Verse 25 bis 30.

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