Kinder nicht an den Eltern messen

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KZ Natzweiler-Struthof – Kinder haften für ihre Väter. Aber sie können anders sein. (Foto: Treiber)

Rächen sich die Untaten der Väter tatsächlich noch an den Kindeskindern? Was häufig als Drohung eines unmenschlichen Gottes verstanden wird, ist in Wirklichkeit eine Erfahrung, die sich nur zu häufig machen lässt. Kinder kommen nur schwer los von den Fesseln und Bestimmungen, die ihnen ihre Herkunft zumutet. Das weiß jeder.

In der Bibel heißt es nun, dass Gott vergibt und gnädig ist – auf das Leben übertragen: Dass niemand in seiner Vergangenheit gefangen bleiben muss. Jeder hat das Recht, nach seinem eigenen Glück zu streben. Das ist die Würde des Menschen.

Und niemand hindert uns daran, anderen dies zuzugestehen: Man soll die Kinder nicht nach den Vätern beurteilen.

Predigttext am Sonntag, 26. Oktober 2014 ist 2. Mose 34, 4-10.

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Fünf gerade sein lassen

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(Foto: wikicommons/lizenzfrei)

Weltflucht ist keine christliche Tugend, weder der Rückzug aus der Welt, noch der fanatische Kampf gegen sie. Gerade religiöser Fanatismus ist in der Regel nichts anderes als pure Ignoranz, und wer als Christ leben will, muss die Menschen zunächst verstehen wollen und ihnen dann in Liebe begegnen.

Wenn sich der Predigttext des kommenden Sonntags also gegen das Wein-Saufen richtet, können wir Unterländer beruhigt sein. Es geht nicht gegen Genuss und Gemütlichkeit, sondern dagegen, sich in Besinnungs- und Gedankenlosigkeit zu flüchten.

Wir sollen hier und heute leben, den anderen sein und eine fünf auch mal gerade sein lassen, und wenn wir das mit einem Achtel Lemberger in der Hand tun, ist das OK, ein Becher Kaffee oder ein Glas Cola dürfen’s aber auch sein.

Predigttext am Sonntag, 19. Oktober 2014, ist Epheserbrief 5, 15-21.

Pfarrer Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Sanftmut erfordert Mut

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Jesus als Vorbild an Sanftmut – Gemälde von Bernhard Plockhorst (wikicommons/gemeinfrei)

Wie Demut ist auch Sanftmut tatsächlich eine Form von Mut. Wer auf harte Begegnungen mit anderen nicht mit Härte reagiert, sondern sanft, zurückhaltend und gelassen, muss schon alle seine Kräfte zusammennehmen, um den inneren Schweinehund zu überwinden, der sagt: Zahl Gleiches mit Gleichem heim.

Wer schon mal einen so richtig bösen Streit hatte, mit dem Nachbarn, der einem das Leben schwer macht, oder dem ehemaligen Freund, der unbelehrbar in alten Wunden stochert, der weiß, wie viel Kraft es kostet, so etwas wegzustecken und dem anderen nur aus dem Weg zu gehen ohne beweisen zu wollen, dass man recht hat.

Aber Sanftmut ist zum Glück ein Mut, der uns zuwächst, wenn wir glauben können, dass wir geliebt sind – nicht von unserem Nachbarn, aber von Menschen, die uns viel wichtiger sind, und von Gott, dessen Geist sich in unserer Sanftmut zeigt.

Predigttext am Sonntag, 12. Oktober 2014 ist Epheserbrief 4, 1-6.

Pfarrer Matthias Treiber predigt jeden Sonntag um 10 Uhr in der Matthäuskirche Heilbronn-Sontheim.

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Ich denke, als danke ich

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Rene Descartes (Bild: wikipedia/gemeinfrei)

Von dem Philosophen Rene Descartes gibt es einen schönen Gottesbeweis. Der lautet in etwas freier Formulierung: Ich kann alles bezweifeln, was ich sehe, bis auf eines: Dass ich es bin, der zweifelt. Damit ist eines ganze sicher: Ich existiere. („Ich denke, also bin ich.“)

Aber ich bin nicht alleine. Denn eines weiß ich auch unbezweifelbar: Dass ich mich nicht selbst geschaffen habe. Also muss es jemanden oder etwas geben, das mich geschaffen hat, und das ist Gott.

Überzeugt Sie das? Falls nicht, ist doch eines richtig: Wir verdanken unsere Existenz nicht uns selbst. Und daran erinnern wir uns, wenn wir am Sonntag Erntedank feiern.

Eine Konsequenz hat das auch noch: Wer weiß, dass er nicht alles sich selbst verdankt, schon gar nicht die eigene Existenz, wird den Mitmenschen weniger selbstherrlich begegnen: „Tut Gutes und teilt mit anderen!“ heißt das im Predigttext am Sonntag.

Predigttext am Sonntag, 5. Oktober 2014 ist Hebräerbrief 13, Verse 15+16.

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Lieber frei sein als ein Zombie

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Wie im Paradies…. ? (Foto: wikicommons/maxiking100)

Freiheit ist toll, wenn da bloß nicht die Verantwortung wäre. Der Mythos von Adam und Eva im Paradies erzählt das sehr anschaulich und mancher mag seufzen: Wie schön wäre es doch, in einem Paradies zu leben, wo man nichts entscheiden und tun und verantworten muss, sondern in den Tag hinein lebt wie unsere Katze, die wohl drei Viertel des Tages schläft!

Wirklich? Ich fände den Gedanken furchtbar, wie ein Zombie durch die Welt zu stiefeln, ohne Bewusstsein, ohne Möglichkeiten, ohne Freiheit. Ich möchte selbst bestimmen, was ich denke, wen ich mag und was ich tue. Das ist anstrengend, dabei kann man Fehler machen und es bleibt immer unvollendet. Aber es ist menschlich.

Gott hat sich damit arrangiert, dass seine Menschen nun jenseits von Eden leben. Und er lässt uns auch hier nicht alleine.

Predigttext am Sonntag, 28. September 2014 ist 1.Mose 2, 4b-15.

Pfarrer Matthias Treiber predigt jeden Sonntag um 10:00 Uhr in der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim.

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Mahnungen nerven

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(Abb.: wikicommons/Bundesministerium für Verkehr)

Ermahnungen nerven: Hilf anderen! Du musst Geduld haben! Tu Gutes! Sei dankbar! Ich denke, nicht nur Jugendliche sind genervt, wenn man ihnen sagt, was sie tun sollen. Auch älteren kann das auf den Geist gehen.

Warum eigentlich? Natürlich zum einen, weil sich da jemand über uns erhebt, wenn er uns sagt, was wir tun sollen. Aber meist steckt noch etwas anderes dahinter: Wir wissen, dass die Ermahnungen richtig sind. Deshalb nerven sie, weil sie entweder etwas Selbstverständliches sagen oder uns darauf aufmerksam machen, dass wir eben doch anders handeln, als es richtig wäre.

Was tun? Sich nicht nerven lassen, sondern sich vielleicht einfach nur ganz im stillen, innersten Stübchen darauf besinnen, was andere von uns zu Recht erwarten dürfen (und was vielleicht auch nicht….).

Predigttext am Sonntag, 21. September 2014 ist 1.Thessalonicher 5, 14-24.

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Manchmal muss man bei Differenzen Distanz halten

Manchmal gibt es einfach Krach zwischen Menschen, manche passen nicht zusammen und bevor der Streit zu groß wird, sollte man ehrlich die Konsequenzen ziehen und auf Distanz gehen. Die ersten Christen haben das getan, als es in der Gemeinde einen grundsätzlichen Streit zwischen den Mitgliedern aus der römisch-griechischen und aus der hebräischen Kultur gab, wie der Predigttext am kommenden Sonntag erzählt.

Man sollte Differenzen nicht unter den Teppich kehren. Das gilt zwischen einzelnen Menschen und es gilt vielleicht auch, wenn verschiedene Kulturen miteinander auskommen müssen. Zustimmung zur eigenen Position kann man nicht erwarten, aber Respekt darf man fordern – zur Not auch für getrennte Wege.

Predigttext am Sonntag, 14. September 2014, ist Apostelgeschichte 6, 1-7

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Man kann nur das Fundament legen

Kann man seine Kinder im wörtlichen Sinne erziehen? Also beim Größerwerden da- und dorthin ziehen, wie man es für richtig hält? Ich denke nicht. Man kann bei seinen Kindern einen guten Grund legen. Vertrauen, Liebe, Mut. Aber darauf bauen müssen die Kinder selbst, müssen ihr Leben entwickeln, gestalten und aufbauen. Und für Eltern ist es ziemlich anstrengend, dabei oft nur Zuschauer sein zu können. Aber manche Fehler im Leben muss offenbar jeder selber machen….

Das gilt auch für das Leben Erwachsener, auch da muss jeder selbst bauen. Das gilt sogar für den Glauben. Jeder muss sehen, wie er den Glauben in seinem Leben aufbaut und in sein Leben einbaut. So heißt es auch im Predigttext für den kommenden Sonntag. Glauben heißt nämlich nicht, dass man irgend einen Lehrsatz für wahr hält, sondern dass man spürt, dass das eigene Leben gehalten ist und auf einem tragfähigen Grund steht. 

Und ob wir dann, wie der Apostel Paulus schreibt, darauf dauerhaft und wertvoll bauen, oder wackelig und billig, das ist unsere Freiheit und unsere Verantwortung.

Predigttext am Sonntag, 7. September 2014, ist 1.Korinther 3, 9-15

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Es gibt keine Heiligen

Manche Menschen werden wie Heilige verehrt. Nicht nur alte Kirchenväter, mutige Widerstandskämpfer und angehimmelte Kirchentagsrednerinnen, sondern auch Popstars, die für Afrika zur Gitarre greifen, oder Politiker, die ihr Charisma versprühen. Und keiner von uns ist dagegen gefeit, hier mitzujubeln. 

Doch es gibt keine Heiligen, jedenfalls nicht in dem Sinne, dass jemand über alle Zweifel erhaben sein könnte. Jeder Mensch hat seine Schattenseiten. Und es gibt auch keine Taten, die nur gut sind. Manches ist nur Selbstdarstellung, manches klingt nur gut und alles hat seinen Preis. Wir Protestanten haben es deshalb aus gutem Grunde abgelehnt, zwischen „heiligen“ und unheiligen Menschen zu unterscheiden. Wir sind allzumal Sünder! 

Dass jeder seine dunklen Seiten hat, zeigt die Geschichte, die im Mittelpunkt der Gottesdienste am Sonntag steht. Der König David sieht sich mit Mord und Ehebruch konfrontiert, die er begangen hat. Was sagt das: Dass wir nicht auf andere schauen sollen, sondern auf unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten. 

Wir sind nicht König David – und wenn man an die biblische Geschichte vom Sonntag denkt, wird man sagen: Gott sei dank nicht.

Predigttext am Sonntag, 31. August 2014 ist 2.Samuel 12

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Man muss für alles im Leben bezahlen

Saloon

Saloon in Los Angeles (Foto: Treiber)

Seit meiner Kindheit klingt mir der Satz der Bardame Helen Ramirez aus dem Filmklassiker High Noon in den Ohren: „Man muss für alles im Leben bezahlen.“ Warum ich mir das als Kind gemerkt habe, weiß ich nicht, aber mit zunehmender Lebenserfahrung ist das jedenfalls eine zentrale Erkenntnis: Man ist verantwortlich für sein Leben und jedes Tun hat seinen Preis, sprich Folgen, die man tragen muss.

Muss das ein Fluch sein? Wenn man Gutes tut gewiss nicht. Aber wer tut schon immer Gutes? Deshalb ist der zentrale Satz des Predigttextes für kommenden Sonntag eine gute Lebenseinstellung: Nicht auf die eigene Gerechtigkeit zu vertrauen, sondern auf Gottes Barmherzigkeit.

Kein Mensch kann leben, ohne dass andere gnädig ihm gegenüber sind.

Predigttext am Sonntag, 24. August 2014 ist Daniel 9, 15-19

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