09-05-2020 – Oberschenkelbruch

Margaret Mead, die amerikanische Völkerkundlerin wurde mal gefragt, wann eigentlich die menschliche Zivilisation begonnen hat. Was sieht man da, wenn man Ausgrabungen macht.

Der Student dachte, sie würde sagen Fischhaken oder Töpferwaren. Aber sie sagte: Das erste Zeichen von Zivilisation ist, wenn man bei Ausgrabungen einen menschlichen Oberschenkelknochen entdeckt, der nach einem Bruch verheilt ist. Denn wer den Oberschenkel bricht, stirbt. er kann nicht mehr zum Fluss gehen, um zum trinken und vor Gefahr nicht mehr wegrennen. Kein Tier überlebt ein gebrochenes Bein.

Ein verheilter Oberschenkelbruch ist also der Beweis, dass hier einem von anderen geholfen wurde, dass sie zusammen waren, bis das verheilt war. So beginnt die Zivilisation. Menschen die zusammenbleiben, um einander zu helfen. Genau das ist es, auch jetzt. Zivilisation heißt: Helft euch und nehmt Rücksicht. Nur gemeinsam werden Corona besiegen. 

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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08-05-2020 – Kriegsende

Warum der 8. Mai ein Tag der Befreiung ist, kann man leicht sehen, wenn man hier durch Sontheim geht. Nahe der Kirche hier wurden in den Gehweg Stolpersteine eingelassen. Erinnerungen an die jüdischen Männer und Frauen, die hier einmal gewohnt haben und in Nazi-Deutschland ermordet wurden. Für sie kam die Befreiung zu spät.

In den 75 Jahren seit dem ist Gott sei Dank aus Deutschland ein Land geworden, in dem Freiheit etwas gilt. Sie wird auch durch die gegenwärtigen Maßnahmen nicht wirklich in Frage gestellt. Die Frage ist eher, wie wir mit unserer Freiheit umgehen. Sind wir bereit uns für Freiheit einzusetzen? Dass jeder die Freiheit hat, in seinem Leben sein eigenes, persönliches Glück zu suchen? Wären wir bereit, sie zu verteidigen, gegen Verleumdungen und fremde Mächte?

Für unsere Freiheit sind viele Menschen gestorben, alleine am Ende des Kriegs in Heilbronn über 200 amerikanische Soldaten. Allein das verpflichtet uns dazu, frei zu bleiben, wie es im Galaterbrief (Kapitel 4) heißt. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit! Lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“

Und wie das Motto freier Menschen heißt, steht gleich danach: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“

Bleiben Sie behütet!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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07-05-2020 – Herr der Ringe

Heute vor 75 Jahren wurde die Kapitulation der Deutschen an der Westfront unterschrieben. All den Verbrechen der Deutschen war nun ein Ende gesetzt. Gott sei Dank. „Der Herr der Ringe“ spricht aus dieser Zeit bis heute. Von dunklen Zeiten und der Hoffnung, dass das Schlimme vergeht. JRR Tolkien schrieb den Roman als gläubiger Christ.

„Wie könnte diese Welt wieder so wie vorher werden, wenn so viel Schlimmes passiert ist? Aber letzten Endes geht auch er vorüber, dieser Schatten. Selbst die Dunkelheit muss weichen. Ein neuer Tag wird kommen und wenn die Sonne scheint, wird sie umso heller scheinen.“ Frodo fragt: „Woran sollen wir glauben, Sam?“ Und Sam sagt: „Es gibt etwas Gutes in dieser Welt, und dafür lohnt es sich zu kämpfen.“

Wir müssen heute zum Glück nicht Nazi-Verbrecher bekämpfen, sondern nur einen Virus. Er ist nicht böse, sondern nur schlimm in seinen Folgen – gesundheitlich und wirtschaftlich. 

Aber die Hoffnung ist gleich: Dass uns am Ende die Sonne umso heller scheint.

Gott behüte Sie!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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06-05-2020 – Planungen

Gegenwärtig streiche ich so die letzten Planungen bis August. In der Gemeinde wird wohl außer Gottesdiensten nicht viel stattfinden, vielleicht ein paar Videokonferenzen. Privat haben wir alle Reisepläne mal gestrichen und die Geburtstagsfeiern in ein paar Wochen kann man nicht groß planen. Wir fahren auf Sicht sagt man, privat und beruflich.
„Nun?“ höre ich da. „ihr sagt: Heute oder morgen werden wir in die und die Stadt reisen! Dort werden wir ein Jahr lang Geschäfte machen und viel Geld verdienen. Aber woher wisst ihr denn, was morgen sein wird? Sagt lieber: Wenn Gott es will, werden wir noch leben und dies oder jenes tun.“
Man hört wohl, dass der Satz aus der Bibel stammt. Offenbar machten die Leute vor 2.000 Jahren aber schon die gleiche Erfahrung: Was wir heute planen, kann morgen schon falsch sein. Dann ist es gut, wenn wir das morgen korrigieren und nicht an unseren Plänen festhalten.
Das ist für mich Gottvertrauen: Nicht an meinen Plänen festhalten, sondern an jedem Tag neu das Richtige tun.
Was das ist, erfahren wir am Ende des Bibelabschnitts: „Im Übrigen gilt: Wer die Zeit und die Mittel hat, Gutes zu tun, der soll es tun.“

Seien Sie behütet – heute und morgen.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

(P.S. Die Bibelstelle ist aus Jakobusbrief 4,13ff)

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05-05-2020 – Prognosen

Eine Befürchtung hat sich für mich ja nicht bewahrheitet, während dieser Kontaktbeschränkungen. Ich habe NICHT zugenommen. Wir kochen aber auch meistens brav abends mit viel Gemüse und Salat.

So ist das eben mit Prognosen. Sie sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen, wie Nils Bohr – oder vielleicht auch Mark Twain – gesagt hat.

Oft ist es gerade so, dass das, was ich befürchte, nicht eintrifft, während etwas passiert, an das ich nie und nimmer gedacht hätte. Man geht wegen eines Stechens im Bauch zum Arzt – und kommt zurück mit der Erkenntnis, dass man Bluthochdruck hat. Man hat Angst vor dem Flug in den Urlaub – und muss zwei Wochen später befürchten, dass man nicht mehr zurückfliegen darf, weil die Grenzen dicht sind.

Es kommt eben oft anders, als man denkt. Deswegen sollte man sich auf Pläne nicht versteifen und von Befürchtungen nicht gefangen nehmen lassen. Lassen wir, wie Jesus sagt, den morgigen Tag für sich sorgen.

Denn manchmal kommt es sowieso viel besser als erwartet. Zum Beispiel, wenn man während der Kontaktbeschränkungen nicht zunimmt.

Bleiben Sie behütet.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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04-05-2020 – Star Wars Day

Fans wissen es: Heute ist Star-Wars-Day, der 4.Mai, auf Englisch, May the forth – möge die Macht mit dir sein, heißt der fast religiöse Segenswunsch, mit die Jedi-Ritter sich grüßen. „May the Force be with you“.

Auch heute noch ist für mich der erste Star Wars Film aus dem Jahr 1977 gigantisch. Die Tricktechnik mag überaltert sein, aber die Geschichte vom Kampf gegen das Böse ist zeitlos – und nie wirklich zu Ende.

Die Metapher lässt sich natürlich leicht auf den heutigen Kampf gegen das Covid-19-Virus übertragen. Wir werden den Todesstern vernichten und auch wenn die Macht des Virus wie die des Imperiums auf Endor zusammenbricht, wird es unser Begleiter bleiben.

Wichtig ist dabei aber eines, und das zeigt die Star-Wars-Fantasy fast überdeutlich: Vor allem anderen kommt es darauf an, menschlich, zu bleiben, oder wie immer das auf Tatooine heißt. Wichtig sind Freunde und die Familie – das erkennt ganz am Ende sogar Darth Vader.

Vielleicht erwarten Sie jetzt, dass ich Sie heute mit „Möge die Macht mit dir sein“ grüße, aber das tue ich nicht. Denn die „Force“ können wir ruhig im Lande der Fantasie lassen.

In der wirklichen Welt ist Gott mit seinem Segen bei uns.

Gott segne uns.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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02-05-2020 – Meins, meins, meins

Möwen haben einen schlechten Ruf. Obwohl sie eigentlich schön aussehen, sind sie ungeliebte Allesfresser und Räuber – und hemmungslose Egoisten. Im Film „Findet Nero“ haben Sie das vielleicht mal gehört. Ihr Schreien heißt dort „meins, meins, meins“.

Nach sechs Wochen Corona-Schutdown lässt sich Egoismus wohl schwer vermeiden. Bei Lockerungen muss jeder schauen, wo er bleibt. Vor allem, wenn es um wirtschaftliches Überleben geht, gilt „meins“ vor „deins“. Und „systemrelevant“ fühlten sich nicht nur die, die für Essen, Infrastruktur und Gesundheit sorgen, sondern jeder wollte so sein. Auch das kann man verstehen.

Die Kirche hat da auch etwas mitgespielt, muss ich selbstkritisch zugeben. Manche waren ziemlich empört, dass wir keine Gottesdienste in den Kirchen feiern durften. Aber letztlich machen wir gerade das Beste daraus. Und meine Kirche zeigt ihre Verantwortung, indem die Hygiene-Auflagen für zukünftige Gottesdienste umfangreicher sind, als vom Staat verlangt.

„Meins, meins, meins“ zu rufen, hilft wenig. Am Schluss sitzen die Möwen nämlich trotzdem alle nebeneinander. Und auch wenn einer dem anderen manchmal einen Bissen wegschnappt, am liebsten sind sie wohl als Schwarm zusammen.

Bleiben Sie behütet!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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01-05-2020 – Tag der Arbeit

Wer arbeiten  muss, ist verflucht, jedenfalls in der Bibel ist sie eine Strafe Gottes. Adam und Eva werden aus dem Paradies vertrieben und müssen nun für ihr Brot im Schweiße ihre Angesichts arbeiten.

Eine Last ist Arbeit schon manchmal, aber es gehört nunmal zu unserem Menschsein dazu, dass wir unser Auskommen zunächst einmal erwirtschaften müssen.

Und wer einmal nichts zu tun hatte oder hat, weiß, dass das auch nicht immer schön ist. Wir wollen auch zeigen, was wir können. Und zeigen, dass wir selbst für uns sorgen können.

Deshalb geht es am Tag der Arbeit ja um etwas anderes. Um gerechten Lohn und faire Arbeitsbedingungen. Und um Solidarität. 

Da spielt es in diesem Jahr wohl nicht so sehr eine Rolle, ob jemand Arbeitnehmer ist oder selbständig, sondern wie stark er wirtschaftlich von den Folgen der Corona-Krise getroffen wird.

In dieser Zeit gilt das besonders: „Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit andern zu teilen, denn das gefällt Gott.“ heißt es in der Bibel (Hebr. 13,16). Im Paradies leben wir zur Zeit gewiss nicht, aber wir sind auch nicht alleine unterwegs.

Seien Sie gesegnet!

Matthias Treiber

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30-04-2020 – Wie der Hase läuft

Ein nettes Meme: „An alle, die meinen zu wissen, wie der Hase läuft: Er hoppelt.“ In diesen Tagen kann man sich den Spruch direkt über den Computer hängen. Wo man sieht und liest: Überall Experten. Der Wirtschaftwissenschaftler weiß über Viruspandemien bescheid; der Virologe über Politik, der Politiker über Philosophie und der Philosoph über alles, – jedenfalls der, der immer im Fernsehen kommt.

Aber der Hase läuft nicht immer so, wie man es sich gedacht hat. Entweder hoppelt er, oder er schlägt Haken. Da kommt nämlich auch die Redewendung her. Wer weiß, wie der Hase läuft, weiß wirklich über die Zukunft bescheid, aber alles wissen kann niemand – und wohin der Hase als Nächstes läuft, auch nicht.

Mir genügt es, zu wissen, dass der Hase hoppelt. Dass manches Zeit braucht, dass man wie der Hase nach dem Hoppler erstmal abwartet, ob sich was regt. Und dann vielleicht in eine ganz andere Richtung weiter hoppelt.

Menschen irren sich und machen Fehler. Es ist gut, das zu wissen; es ist gut, wenn man wie der Hase auch mal die Richtung ändert – und es ist gut, daran zu denken, dass man sich selbst auch irren kann.

Gott wird es schon richten – wir wissen nur nicht, wie.

Herzlichst
Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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29-04-2020 – Goethe und der Rapper

Manche Meldungen erstaunen einen doch. Wobei die hier wird wohl stimmen. Im Jahr 2015 hat eine Studie des Bayerischen Rundfunks festgestellt, dass ein bekannter deutscher Rapper einen größeren Wortschaft hat als Johann Wolfgang von Goethe. Der deutsche Dichterfürst kommt in seinem Werk auf 2.913 verschiedene Wörter, der Rapper stand damals bei 3.009 – und heute dürfte es noch mehr sein. Die bekannteste deutsche Schlagersängerin kam übrigens nur auf 1.044 verschiedene Wörter in ihren Liedern. (vgl. DIE WELT, 16.04.2020)

Das Zuhälter-Getue der Rapper finde ich ja dümmlich. Homophobie und Sexismus sind abstoßend. Aber ungebildet sind die Männer wohl nicht. 

Und eines kann man aus der Studie lernen. Man sollte auf seine Vorurteile aufpassen. Vor allem, wenn es um Bildung geht. Nicht jeder Bildungsbürger ist wirklich klug, nur weil er jetzt in seinem Homeoffice vor einem Bücherregal sitzt, und nicht jeder, der einen Zuhälter imitiert, ist dumm, nur weil er die Hose in den Kniekehlen trägt.

Dumm ist nur, wer Dummes tut, hat Forrest Gumps Mutter gesagt.
Dumm sind die Rassisten und die Antisemiten, die Frauenfeinde und Unbelehrbaren.
Und da ist es mir egal, was sie anziehen und welche Musik sie machen.

Die Bibel übrigens kommt auf über 14.000 verschiedene Worte. Und die sind klug.

Seien Sie behütet.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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