29-06-2020 – Christopher Street Day

Gestern war Christopher Street Day. Vor genau 50 Jahren fand der erste Straßenumzug statt, mit dem seitdem für die Gleichbehandlung homosexueller Menschen demonstriert wird. Ein Jahr zuvor, am 28. Juni 1969, hatte es in New York einen ersten Aufstand gegen die Drangsalierung homosexueller Menschen gegeben.

Vieles hat sich seitdem geändert. Inzwischen sind selbst konservative Politiker mit Männern verheiratet und niemand schert sich drum. Das ist gut so. Im privaten Bereich haben Staat und andere schlichtweg nichts mitzureden.

Aber warum tun wir uns so schwer damit, Menschen zu akzeptieren, die anders leben oder anders sind als wir selbst? Warum können wir nicht einfach unbefangen anderen begegnen? Warum sortieren wir nach Hautfarbe und Geschlecht, nach Kleidung und kulturellen Vorlieben? 

Falsch ist es in jedem Fall. Und die Kirche hat da leider meistens mitgemacht. Dabei ist die Botschaft Jesu doch ganz einfach: Wir sind alle Gottes Kinder. Gott hat jeden Menschen geschaffen, und er mag jeden, so wie er ist: schwul oder hetero, mutig oder ängstlich, klug oder weise, blau oder rosa. 

Schlimmer noch als das Unterscheiden nach Äußerlichkeiten ist die Diskriminierung danach. Lassen wir’s bleiben – in Gottes Namen! 

Er segne uns.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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27-06-2020 – Siebenschläfer

Heute ist Siebenschläfer. Wissen Sie, wo der Name herkommt? Einer alten Legende nach hatten sieben junge Christen in der Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Decius 251 in einer Berghöhle nahe Ephesos Zuflucht gesucht. Sie wurden entdeckt und lebendig eingemauert. Der Legende nach starben sie nicht, sondern schliefen 195 Jahre lang. Am 27. Juni 446 wurden sie zufällig entdeckt, wachten auf, bezeugten den Glauben an die Auferstehung und starben wenig später.

Die Legende wurde erzählt, um eines deutlich zu machen: Gott beschützt diejenigen, die verfolgt werden; er beschützt auch diejenigen, die den Armen helfen. Dabei waren die Jünglinge nämlich entdeckt worden. Und Gott beschütz diejenigen, die am Ende nicht den Tod sehen, sondern darauf vertrauen, dass am Ende das Gute siegt, dass das Leben nicht endgültig vergeht und Liebe niemals verloren ist.

Gott behüte uns wie die sieben schlafenden Jugendlichen in der alten Legende.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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26-06-2020 – Harry Potter erscheint

Am 26. Juni 1997 kam der erste Band von Harry Potter auf den Markt. In einer Auflage von 500 Exemplaren. Inzwischen wurden davon unglaubliche 107 Millionen Exemplare verkauft. Die Geschichte der Autorin, die den Roman als Sozialhilfeempfängerin in einem Café geschrieben hatte, ist viel erzählt worden. Noch beeindruckender als den finanzielle Erfolg finde ich die Tatsache, das sie eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen geprägt hat. 

So fantastisch die Welt von Harry Potter daherkommt, so real sind die eigenen Erfahrungen, die Jugendliche in ihm entdeckt haben: Von anderen abgelehnt werden bis hin zum Mobbing und die Versuche, sich in der Welt der Erwachsenen zurecht zu finden.

Dazu gehört die Erkenntnis, die Harry Potter im Band „Der Orden des Phönix“ lernen muss: „Die Welt teilt sich nicht in gute Menschen und Todesser. Wir haben alle sowohl eine helle als auch eine dunkle Seite in uns. Es kommt darauf an, welche Seite wir für unser Handeln aussuchen. Das macht uns wirklich aus.“

Gott behüte und bewahre uns.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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25-06-2020 – Ein Prozent

Naturwissenschaftliches Denken fand ich immer faszinierend. Deshalb möchte ich heute ein Zitat vorlesen. Von wem es ist, lässt sich nicht rekonstruieren.

Bevor Du andere beurteilst oder eine absolute Wahrheit behauptest, solltest Du berücksichtigen, dass Du weniger als 1% des elektromagnetischen Spektrums sehen kannst und weniger als 1% des akustischen Spektrums hörst. Während Du dies liest, bewegst du dich mit 220 Kilometern pro Sekunde durch die Galaxie. 90% der Zellen in deinem Körper tragen ihre eigene DNA und sind deshalb nicht „Du“. Die Atome in deinem Körper sind zu 99,999999999999999999% leer und keines von ihnen ist dasselbe, mit dem Du geboren wurdest, aber alle haben ihren Ursprung im Zentrum eines Sterns. Der Mensch hat 46 Chromosomen, 2 weniger als die gewöhnliche Kartoffel.

Was früher die Theologie gemacht hat, leistet heute die Naturwissenschaft: Sie bringt uns Demut bei. Wir Menschen sind nur ein kleiner Teil dieser Welt. Und das Einmalige, das uns zu Menschen macht ist, ist das Staunen über diese Welt. So, wie es in Psalm 8 heißt: Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

Gott segne uns!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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24-06-2020 – Sommermärchen

Heute vor 25 Jahren, nach langen Diskussionen und Vorbereitungen war es so weit: Der Reichstag in Berlin war komplett verhüllt. Ein Projekt des Künstlerpaars Christo und Jean-Claude, aber vor allem ein Symbol für eine neue Epoche, die Deutschland begonnen hatte. 

Leicht und frei wirkte die riesige Installation, das fantastische Wetter dieser Tage damals tat ein übriges dazu. Man konnte sich wohl fühlen in Deutschland. Es war schon eine Art Vorgeschmack auf das Sommermärchen 2006.

Dieses Jahr wird wohl kaum einer von einem märchenhaften Sommer reden. 2020 wird höchstens als Corona-Sommer in Erinnerung bleiben. Ohne Fußball-Europameisterschaft und mit vielen Sorgen um die Zukunft.

An dem verhüllten Reichstag und dem Sommermärchen konnte man aber eines lernen: Dass man das Schöne dann genießen muss, wenn es da ist. Und das man sich die Erinnerung an das Schöne bewahrt für Zeiten, wo es nicht so toll läuft. 

Wie heißt es in Psalm 103 ? „Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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23-06-2020 – Anti-Baby-Pille

Heute vor 60 Jahren wurde die erste Anti-Baby-Pille in den USA zugelassen, Enovid. Ein Jahr später folgte Deutschland. Wohl kaum ein medizinisches Produkt hat die Welt und vor allem die Gesellschaft so sehr verändert wie die Pille. Schwangerschaften konnten nun zuverlässig verhütet werden, Abermillionen Frauen und Familien blieb oft große Not erspart und Frauen hatten sich von einer weiteren Fessel befreit. Und die Kinder, seit dieser Zeit geboren wurden, können sich fast immer als Wunschkinder fühlen. Ein Effekt, den mir vor vielen Jahren mal ein Schüler erzählt hat. Das hatte ich gar nicht bedacht.

Natürlich sind damit auch Probleme verbunden, aber letztlich bleibt die Pille ein Produkt der Wissenschaft, das Freiheit geschaffen hat. Manche – nicht nur in der Kirche – haben sich anfangs damit schwer getan, aber wir Menschen sollen nicht Sklaven der Natur sein, sondern Ebenbilder Gottes, die ihre Welt verantwortungsvoll gestalten. Durch Wissenschaft und Forschung und in Liebe zu den Menschen. Wie auch jetzt bei der Suche nach Mitteln gegen die Corona-Epidemie.

Gott segne uns und alle, die uns Gutes tun.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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22-06-2020 – Vertrauen ist gut, Kontrolle ist schlechter

Hausaufgaben nicht gemacht? Da habe ich jetzt die Ausrede des Jahres gelesen. Auf die Vorhaltungen seines Lehrers, sagte der israelische Schüler Elad Koshiko: „Ein Wildschwein hat meine Hausaufgaben gefressen.“ Und er konnte als Beweis sogar ein Handyvideo vorlegen, das zeigt, wie das Tier seine Schultasche zerreisst. 

Ich finde ja, das nicht so sehr die Wildschweine hier das Problem sind, die marodierend durch Haifa laufen, weil sie nicht mehr gejagt werden dürfen, sondern die Tatsache, dass man dem Schüler das ohne Handy-Video vielleicht nicht geglaubt hätte.

Gewiss gibt es manchmal so etwas wie gesundes Misstrauen, und man sollte bestimmt nicht jeden Mist, der in den Medien behauptet wird, für bare Münze nehmen, aber anderen Menschen sollte man, finde ich, zunächst offen und mit Vertrauen begegnen. Auch seinen Schülern.

Ohne das Vertrauen, dass der andere es nicht böse meint und nicht lügt, wird das Zusammenleben nämlich sehr anstrengend. Enttäuscht werden kann man immer. Und dem Treulosen soll man nicht vertrauen, heißt es bei Jeremia (12,6), aber denen die uns vertrauen sollen wir gut sein. (Sprüche 3,29).

Seien Sie behütet!

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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20-06-2020 – Sommeranfang

Heute um 23:42 beginnt der Sommer, heute ist der längste Tag des Jahres. Zwiespältig. Denn ab jetzt werden die Tage wieder kürzer, es wird langsam wieder dunkler. Dabei fängt der Sommer jetzt erst an – und in diesen Coronazeiten hat ja man schon das Gefühl, um den Frühling betrogen worden zu sein. Sei’s drum.

Auch wenn die Gärten zu trocken sind und der Schutz der Gesundheit einem manchen Spaß im Freien verdirbt. Wir nehmen es, wie es ist. Versuchen es jedenfalls. „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit“ haben wir bei den Sommerfreizeiten immer gesungen. Paul Gerhard hat das Lied geschrieben. Kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg als Deutschland verwüstet war.

Der Sommer lässt sich die Lebensfreude nicht nehmen. Wenn alles blüht und spielt, fällt es schwer, sich in seinem Griesgram zu vergraben. Helligkeit ist ansteckend. Wer Schönes sieht, soll Gutes tun. Wer Gutes erlebt, soll Schönes erhoffen.  „Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt“ heißt es am Ende des Lieds. Genau das wünsche ich Ihnen und mir für diese Sommerzeit. Dass Gottes Segen für uns sichtbar wird.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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19-06-2020 – Was, wenn? Selbst wenn!

Manches Meme bringt es einfach auf den Punkt: Fear says „What if“ – Faith says „Even if“ Auf deutsch: Die Furcht sagt „Was wenn? Der Glaube sagt „Selbst wenn“

Glaube zeigt sich darin, dass man mit Unsicherheiten umgehen kann. Glaube heißt nicht, dass man etwas sicher weiß. Im Gegenteil. Nur die Furcht weiß sicher etwas, nämlich dass es gefährlich ist.

Der Glaube ist eher die Art, mit der Furcht umzugehen. Ihr etwas entgegen zu halten: Selbst wenn du recht hast, liebe Furcht, lass ich mich nicht lähmen. „Selbst wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“ Selbst wenn ich es morgen vielleicht bereue, dass ich die neue Stelle angetreten habe oder in eine neue Stadt gezogen bin – würde ich es dennoch heute wieder machen.

Kein Mensch weiß, was morgen ist. Kein Mensch weiß, ob im Herbst eine zweite Welle der  Pandemie kommt, oder nicht. Kein Mensch weiß, wie er nächstes Jahr finanziell dasteht – oder gesundheitlich. Aber eines weiß ich: Das Furcht ein schlechter Ratgeber ist.

Und Glaube eine nützliche Kraft. Selbst wenn ich krank werde, Geld verliere, Probleme habe. Gott wird mit mir sein. Das glaube ich. 

Und das wünsche ich Ihnen.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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18-06-2020 – AutisticPrideDay

Heute ist der „Autistic Pride Day“, an dem an die Würde und den Stolz von Menschen mit Autismus erinnert werden soll. Er drückt den Wunsch aus, dass man vor allem Erwachsene mit Autismus nicht wie Kranke behandeln soll, sondern in ihnen einfach Menschen sieht, die sich eben anders verhalten als andere.

Medizinisch verstehe ich zu wenig davon, um das diskutieren zu können, aber in jedem Fall ist es richtig, wenn man Menschen nicht auf eine wie immer auffallende Andersartigkeit reduziert. Man ist eben kein Autist, sondern ein Mensch mit Autismus. Keiner von uns sollte auf eine Äußerlichkeit, ein bestimmtes Verhalten, seine Hautfarbe, sein Geschlecht oder seine Herkunft reduziert werden.

Gott hat alle Menschen geschaffen. Jeden Menschen so wie er ist. Er ist der himmlische Vater aller Menschen. Das muss uns genügen. We are Family. Alle zusammen! So bunt es in unserer Menschheitsfamilie eben zugeht. Seien wir stolz darauf, Gottes Kinder zu sein. Ob ohne oder mit Autismus.

Ihr Pfarrer
Matthias Treiber

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